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16. Dezember 2014 | Dietholf Zerweck - Internationale

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Kultur
26
Dienstag, 16. Dezember 2014
Eßlinger Zeitung
Angestaubte Damen an Stangen
PEN kritisiert
Berichterstattung
Das Musical „Sweet Charity“ im Stuttgarter Alten Schauspielhaus
Hamburg (dpa) – Die Schriftstellervereinigung PEN hat Medienberichte
über ihre Feier zum 90. Jubiläum
kritisiert. „Insbesondere wurden die
Äußerungen von literaturnobelpreisträger Günter Grass grob verzerrt dargestellt“, erklärte der PEN.
Die Feier im November in Hamburg
war angelegt als Benefiz-Gala für
verfolgte Autoren. Dabei wurde
auch die PEN-resolution „Schutz in
Europa“ für eine humane europäische Flüchtlingspolitik vorgestellt.
Grass hatte damals daran erinnert,
dass nach 1945 Flüchtlinge aus dem
Osten in Westdeutschland zwangseinquartiert wurden. Viele der 14
Millionen Deutschen und Deutschstämmigen aus dem Osten seien so
wieder schnell auf die Beine gekommen. Auf Nachfrage, ob er Zwangseinquartierungen auch aktuell für geboten halte, antwortete Grass, er
halte, sollte es Notfälle bei der unterbringung geben, auch Zwangseinquartierungen für eine Option. Manche Medien schrieben: „Grass fordert
Zwangseinquartierungen“.
„Wer in den vergangenen zwei Wochen in den Chor hämischer Polemik
eingestimmt hat, ohne sich die Mühe
zu machen, die Äußerungen von
Günter Grass im Wortlaut nachzulesen oder noch einmal nachzufragen, hat weder dem journalistischen
Ethos noch unserer um eine humane
Flüchtlingspolitik ringenden Gesellschaft einen Dienst erwiesen“, kritisierte das PEN-Zentrum Deutschland
mit Sitz in Darmstadt.
Von Angela Reinhardt
Stuttgart – Als hätte er’s damals
schon geahnt, dass in Möhringen
„Chicago“ gespielt wird, setzte Intendant Manfred langner im Stuttgarter Alten Schauspielhaus „Sweet
Charity“ auf den Weihnachts-Spielplan: gewissermaßen das SchwesterMusical und der andere große Welterfolg von regisseur und Choreograf
Bob Fosse, entstanden neun Jahre
vor der schwarzen Justiz-Satire. Die
Geschichte der tapferen, naiven und
vom Pech verfolgten Animierdame
Charity aber ist doch arg angestaubt
und zeitverhaftet, ihr Erfolg stellt
sich nur mit einer subtil im Stil der
Sechzigerjahre inszenierten, exquisiten Produktion ein. Oder andersrum: Das Material ist einfach nicht
gut genug, um die personen- und orchestermäßig stark reduzierte Fassung der Schauspielbühnen schadlos
zu überstehen.
Jazzige Broadway-Partitur
Charity Hope Valentine ist ein liebes, vertrauensseliges Mädchen, das
sein Geld als Animierdame im Fandango-Club verdient. Jede liebesgeschichte, in die sie rutscht, geht
irgendwie schlecht aus: Der erste
klaut ihr Geld, der zweite kehrt zu
seiner vormaligen Geliebten zurück,
der dritte und Netteste kommt mit
ihrer Vergangenheit nicht klar und
bläst die geplante Hochzeit ab. „Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“ steht als Motto im reichhaltigen
Programmheft, und genau so lebt die
naive, schnoddrige Charity, die bei
all ihrer zweifelhaften Moral so verletzlich wirkt.
Das Buch von Komödienautor Neil
Simon und die blechbläsersatte, jazzige Broadway-Partitur Musik von
Cy Coleman erzählen ihre Geschichte lakonisch und trocken, das
ganze Musical ist im Grunde ein großes Vehikel für seine Hauptdarstellerin. Maja Sikoras süßer, zuversichtlicher Charme reißt denn auch in
Stuttgart den Abend immer wieder
aus der lethargie, die sich ab und an
breitzumachen droht, mag das Ensemble auch noch so gut singen und
tanzen.
Szene aus dem neuen Musical im Alten Schauspielhaus mit Maja Sikora als Charity.
Der bekannteste Song „Hey, Big
Spender“ lebt eigentlich vom Zynismus der altgedienten Animierdamen,
die müde und routiniert über ihrer
samtbezogenen Stange hängen, von
ihrer cool kalkulierten und doch raffinierten Anmache. Hier aber baggern sie fröhlich und frontal die Herren an, als hätten sie richtig Spaß an
ihrem Job. Der „rich Man’s Frug“,
eine der berühmtesten tanznummern des Broadway, ist ein cooles
Disco-Gehopse für reiche, verrückt
und doch äußerst distinguiert, mit
den typischen Posen und Armbewegungen von Bob Fosse.
Auf sie greift auch Choreografin Andrea Heil zurück, die Kostüme allerdings sehen eher nach Science Fiction
der Sechzigerjahre aus. Die große
Hippie-Sekten-Nummer im zweiten
Akt hat regisseur ulf Dietrich glücklicherweise gestrichen, sie ist 50
Jahre nach der uraufführung kaum
mehr vermittelbar. Überall fehlt es
an Ironie, am parodistischen Element, vor allem beim exzentrischpathetischen Filmliebespaar Vittorio
und ursula (luigi Scarano und Silke
Fischer). Einzig Harald Pilar von Pilchau macht aus seinem gehemmten,
nervös zuckenden Fast-Bräutigam
ein Kabinettstückchen. Fahrbare Kulissenteile ermöglichen rasend
schnelle umbauten, vorne wachsen
die Metallstangen für den PoleDance im Club aus dem Boden, das
kleine, aber flotte Orchester sitzt im
Hintergrund.
Dem Alten Schauspielhaus wäre endlich etwas mehr Mut bei der Auswahl
seines alljährlichen Musicals zu wünschen – müssen es wirklich immer
die großen titel vom Broadway sein,
die man dann doch in stark reduzierter Fassung spielt? Gibt es nicht diese
zeitkritischen und dennoch wunderbar unterhaltsamen Musicals der
Foto: Sabine Haymann
Neuköllner Oper in Berlin (auch Dirigent Niclas ramdohr hat welche
geschrieben) oder all die kleinen,
schrägen Off-Broadway-Shows, die
so gut auf diese Bühne passen würden? Vielleicht lässt sich das altgediente Abonnentenpublikum ja auch
mal gerne überraschen, herausfordern und erschrecken. Junge Zuschauer lockt man mit solchen Inszenierungen nicht ins theater.
Aufführungen im Alten Schauspielhaus bis zum 31. Januar täglich außer
Sonntag.
www.schauspielbuehnen.de
Hergé-Zeichnung
in Brüssel versteigert
Brüssel (dpa) – Ein Werk des ComicKünstlers Hergé ist in Brüssel für mehr
als eine halbe Million Euro versteigert
worden. Es handelt sich um eine Zeichnung für das Deckblatt eines Bandes
der „tim und Struppi“-reihe, die am
Sonntagabend für 539 880 Euro verkauft wurde. Ihr Wert war nach Angaben des Auktionshauses „Million“
zuvor auf 350 000 bis 400 000 Euro
geschätzt worden. Der Originalband
war demnach im Juli 1939 erschienen.
Der belgische Zeichner Hergé war vor
allem mit seinem reporter-Detektiv
tim und seinem Hund Struppi bekanntgeworden.
Andacht und Affekt
Spanische Stunde
Hans-Christoph Rademann und die Ensembles der Bachakademie mit vier Kantaten des „Weihnachtsoratoriums“ in der Liederhalle
Ravel, Camille Saint-Saens und Richard Strauss im RSO-Konzert
Von Dietholf Zerweck
Stuttgart – Johann Sebastian Bachs
„Weihnachtsoratorium“, vom Komponisten vor 280 Jahren in sechs
Kantaten als eine das Evangelium
auslegende musikalisch-dramatische
Predigt für die Gottesdienste zwischen dem ersten Weihnachtstag und
dem Erscheinungsfest konzipiert,
heute im Konzertsaal aufzuführen,
ist für die Ausführenden wie für die
Zuhörer eine Herausforderung. Wie
soll der Chor besetzt sein, wie das
Orchester? Barocke oder moderne
Instrumente? Die Solistenpartien wie
gewohnt, oder – auf der Spur zeitgenössischer Eigenart – mit Countertenören statt Sopran- und Altistin?
Hans-Christoph rademann fand bei
seiner Aufführung mit den Ensembles der Bachakademie im Beethovensaal den richtigen Weg zur Spiritualität dieser gerade in der Adventszeit
auch von Kirchenchören viel gesungenen traditionsmusik. Das BachCollegium Stuttgart trug, mit hervorragenden Bläsersolisten und einer
nuancenreichen Continuo-Gruppe,
den lebendigen Impuls der Interpretation, und die Gächinger Kantorei
war für die Chöre und Choräle ein
wunderbar homogenes, inspiriertes,
begeisterungsfähiges Instrument.
Der innere Bogen der Empathie
spannt sich vom Adventschoral der
ersten Kantate – „Wie soll ich dich
empfangen“ – bis zum Choral der
letzten Kantate, nachdem der tenor
als Evangelist von der Anbetung der
Weisen aus dem Morgenlande berichtet hat. Wo rademann am Anfang mit besinnlich-schwerem Wortakzent die Erwartung des Jesuskindes artikuliert, lässt er das „Ich steh
an deiner Krippen hier“ im zartesten
Pianissimo und andachtsvollen legato anstimmen, mit einem nur kurzen Crescendo in der Mitte beim
„Nimm hin! Es ist mein Geist und
Sinn“, um dann wieder ganz zurückgenommen den Choral verklingen
zu lassen. In solchen Momenten spürt
man rademanns Intensität, die Musik direkt aus dem text heraus erfahrbar zu machen.
Jauchzen mit Trompeten
Anders steht es mit den Arien und
Chören des „Weihnachtsoratoriums“, die Bach bis auf wenige Ausnahmen aus früheren weltlichen und
geistlichen Kantaten „parodiert“ und
dem neuen textinhalt angepasst hat.
Sie werden mit Enthusiasmus, aber
auch einer gewissen ästhetischen Distanz quasi objektiv musiziert.
„Jauchzet, frohlocket“ als Eingangschor ist natürlich festlich überstrahlt
vom trompetenklang. Doch der Mittelteil – „lasset das Zagen, verbannet die Klage“ – wiegt sich im tänzerisch leichtfüßigen takt, und der
Beginn der fünften Kantate – „Ehre
sei dir, Gott, gesungen“ – ist fein ziseliert im Zusammenspiel mit den
beiden Oboen d’amore. Julia Ströbel-Bänsch und Irene Draxinger sind
nicht nur hier solistisch eloquent,
wie auf ganz andere Weise auch die
beiden konzertanten Violinen von
Gernot Süßmuth und Emily Körner
bei der tenorarie „Ich will nur dir
zu Ehren leben“, die von Zoltan Paulichs Cello-Continuospiel dynamisch
belebt wird. Wenn zuvor im Bassrezitativ am Ende eines liebreichen
Duetts mit dem Solosopran –
(„Komm! Ich will dich mit lust umfassen, meiner Seele Bräutigam“) der
text auf tod und Auferstehung vorausblickt, akzentuiert rademann
das im Orchester mit dramatischem
Affekt und im stärksten Kontrast
zum Siciliano-rhythmus der folgen-
den Echo-Arie über das „Nein“ und
„Ja“ zu todesfurcht und Erlösung.
Die junge Anna lucia richter gestaltete das mit ihrem runden, ausdrucksvollen Sopran genauso licht
und anmutig, wie sie in der der sechsten Kantate ihre Arie „Nur ein Wink
von seinen Händen“ mit innerlich
bewegter Kantilene zu einem Höhepunkt dieser Aufführung machte.
Seufzer und Fragen
Spannend auch ihr terzett zusammen mit dem klar artikulierenden
tenor Benjamin Bruns und der kurzfristig für Ingeborg Danz eingesprungenen Altistin Katharina Magiera,
die den Seufzern und Fragen des
„Ach, wenn wird die Zeit erscheinen?“ mit Festigkeit und Wärme dazwischen fuhr: „Schweigt, er ist
schon würklich hier!“
Michael Nagy ergänzte das Solistenquartett als Bassist mit makellosem,
unpathetischem Vortrag. Auch dass
der Schlusschoral am Ende der von
rademann musizierten Kantaten I
und IV bis VI vom Solistenquartett
mitgesungen wurde, war Zeichen einer von allen mit innerem Engagement getragenen Aufführung.
Überraschung im Millionenbetrugsprozess
Kunstberater Helge Achenbach gesteht vor Gericht unter Tränen: „Unverzeihlich“
Essen (dpa) – Der wegen Millionenbetrugs an reichen Kunden angeklagte Düsseldorfer Kunstberater
Helge Achenbach hat unter tränen
ein teilgeständnis abgelegt. Er habe
bei einigen Kunstverkäufen an den
Milliardär und Aldi-Erben Berthold
Albrecht „unberechtigte Aufschläge“ vorgenommen und rechnungen eigenhändig verändert, sagte
Achenbach (62) gestern vor dem
landgericht Essen. Bei den OldtimerVerkäufen habe er seinen Duzfreund
Albrecht, der 2012 starb, aber nicht
getäuscht, betonte Achenbach. Diese
Aufschläge seien Albrecht bekannt
gewesen. Der Vorsitzende richter
Johannes Hidding unterbrach die
Verhandlung kurzfristig für eine
Pause, als Achenbachs Stimme
stockte. „Es ist unverzeihlich, dass
in mehreren Fällen das von Berthold
Albrecht in mich gesetzte Vertrauen
nicht gerechtfertigt war“, sagte
Achenbach am Ende seiner rund einstündigen Erklärung. „Das war ein
sehr großer Fehler von mir, über den
ich viel nachgedacht habe und der
mich sehr belastet.“ Er entschuldigte
sich bei Albrechts Erben und Familie
sowie auch bei seiner eigenen Familie. „Sie hat in den letzten Monaten
sehr gelitten, was ich allein zu verantworten habe.“ Mit den erhöhten
Preisen für die Kunstobjekte habe er
einen „wirtschaftlichen Puffer“ für
rücknahmegarantien schaffen wollen, die Albrecht versprochenen worden waren, sagte Achenbach. Außerdem habe er Geld gebraucht, weil
seine Monkey‘s-restaurants in Düsseldorf Verluste gemacht hätten.
Die Staatsanwaltschaft wirft Deutschlands bekanntestem Kunstberater vor,
Albrecht bei 14 Kunstverkäufen und
neun Oldtimergeschäften um rund 23
Millionen Euro betrogen zu haben.
Außerdem soll Achenbach mit einem
mitangeklagten Ex-Geschäftspartner
zwei weitere schwerreiche Kunden
bei Kunstverkäufen über die inzwischen aufgelöste Beratungsfirma Berenberg Art Advice getäuscht haben.
Alle seine Preise für Albrechts Kunst
hätten unterhalb des Marktwertes
gelegen, sagte Achenbach. Albrecht
habe etwa 50 Millionen Euro in die
Objekte von Picasso, Gerhard richter,
Ernst ludwig Kirchner, tony Cragg,
roy lichtenstein und anderen Künstlern investiert. Nach Achenbachs
Schätzung ist der Wert der Kunstwerke inzwischen auf insgesamt rund
80 Millionen Euro gestiegen.
Von Dietholf Zerweck
Stuttgart – Mehr als eine Prise Erotik
verströmte das jüngste Konzert des
radio-Sinfonieorchesters Stuttgart
des SWr im Beethovensaal: Chefdirigent Stéphane Denève hatte
Maurice ravels komödiantischen
Operneinakter „l’heure espagnole“
mit einem exzellenten französischen
Solistenquintett einstudiert, und zum
Auftakt stürmte richard Strauss‘
„Don Juan“ zu den Gipfeln der leidenschaft kurz vor dem Absturz. Camille Saint-Saens‘ „Introduction et
rondo capriccioso“ dazwischen erschien nicht nur eine Art liebeserklärung des Orchesters an seine Konzertmeisterin Mila Georgieva, die
ihren Solopart mit Anmut und Esprit
musizierte. Dem einst gerade 15-jährigen spanischen Wunderknaben Pablo de Sarasate widmete Saint-Saens
sein erstes Violinkonzert, und im vier
Jahre später entstandenen Werk huldigt er der andalusischen Heimat des
Meistergeigers mit Fandango-temperament. Also bescherte das rSO
seinem Publikum auch in dieser Hinsicht eine „spanische Stunde“.
Im Vergleich zu seinen beiden bisherigen Konzerten mit dem rSO in
dieser Saison zeigte sich Denève souverän und kompetent in der Wiedergabe des französischen repertoires.
Doch auch bei richard Strauss verlor
er sich nicht in Herausarbeitung einzelner Details. Dieser „Don Juan“
hatte klangliche Finesse, Vitalität
und Schwung, nur in der Oboen-Episode tendierte die Musik zum Stillstand, und die Basstuba artikulierte
reichlich grob. Bei Saint-Saens‘ virtuosem Bravourstück spürte man
schon in der Einleitung, wie das Orchester die Solistin quasi auf Händen
tragen wollte: Der Klangteppich funkelte, und Stéphane Denève sorgte
für die luftige Balance zwischen beiden, die nur zu Beginn des rondos
für einen Moment rhythmisch ins
Wanken geriet.
„l`heure espagnole“ bereitete den
Zuhörern auch in dieser konzertanten Wiedergabe köstliches Vergnügen. Als Maurice ravel sich nach einigen nicht zu Ende gebrachten
Opernprojekten, darunter einer
„Olympia“ nach dem „Sandmann“
von E.t.A. Hoffmann, 1907 an die
Boulevardkomödie Franc-Nohains
machte und sein Werk der Pariser
Opéra-Comique zur uraufführung
anbot, schien das Sujet dem Direktor
der Opernbühne zu schlüpfrig. Die
etwas dürftige Handlung von der
Frau des uhrmachers, die ihre bürgerlichen liebhaber in uhrenkästen
verfrachtet und sich mit dem Muskelprotz vom lande vergnügt, ist
voll sprachlicher Ironie und spöttischen Anspielungen, die ravel in seiner Musik einfallsreich kommentiert:
„Die französische Sprache hat wie
jede andere ihre Akzente, ihre musikalischen Biegungen. und ich sehe
nicht ein, warum man von diesen
Eigenschaften nicht profitieren soll,
um den Versuch einer richtigen Prosodie zu machen. Ich wollte Ironie
ausdrücken, vor allem durch die Musik, durch Harmonie, rhythmus, Orchestrierung.“
Präzise Parodie
Denève und das rSO setzten das witzig und brillant in Szene. In der Introduktion hört man das ticken und
Schnarren der uhrwerke, die diversen Glockenschläge der Standuhren.
Dann parodiert die Musik den Pantoffelhelden torquemada, geschäftstüchtig dargeboten vom tenor JeanPaul Fouchécourt, unter der Fuchtel
seines kapriziösen Eheweibs Concepción, um die sich alles dreht: Stéphanie D’Oustrac gibt dieser Figur
eine köstliche mimisch-gestische und
sängerische Präsenz. Während sie
vom jungen Gonzalve (Yann Beuron)
poetisch umschwärmt und vom eitlen Bankier Don Inigo (Paul Gay)
bedrängt wird (worüber sich die Musik mit Posaunen-Glissando amüsiert), macht der Mann vom lande
(Alexandre Duhamel) ganz ungewollt das rennen. Im Habanera-Finale singt das Quintett: „Das ist die
Moral des Boccaccio: Von allen liebhabern zählt nur der erfolgreiche,
und in den Berechnungen Amors
kommt der Augenblick – Ah! – wo
der Maultiertreiber an der reihe ist!“
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