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Gesundheitsgespräch Titel: Die Schilddrüse - Bayerischer Rundfunk

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Gesundheitsgespräch
Titel:
Die Schilddrüse - kleines Organ mit großer Wirkung
Sendedatum: 20.12.2014
Expertin: Prof. Dr. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des
Hormon- und Stoffwechselzentrums München
Die Schilddrüse greift in praktisch alle Vorgänge des Wachstums, der Entwicklung,
der Reifung und des Stoffwechsels ein. Ihre Fehlfunktion kann sowohl Müdigkeit
und Abgeschlagenheit hervorrufen, als auch für Unruhe bis hin zum Herzrasen
verantwortlich sein. Oft klagen die Patienten auch über
Verdauungsschwierigkeiten und Konzentrationsprobleme.
Schilddrüsenerkrankungen lassen sich heute bereits frühzeitig erkennen und gut
behandeln - wenn auch nicht heilen.
Jod-Verwaltung im Körper: Aufbau und Funktion der Schilddrüse
Ein unscheinbares Organ "redet" überall mit: Die Schilddrüse greift in praktisch
alle Vorgänge des Wachstums, der Entwicklung, der Reifung und des
Stoffwechsels ein.
Steckbrief Schilddrüse
Sie hat in etwa die Form eines Schmetterlings, dessen Körper vor und dessen
Flügel beidseits der Luftröhre liegen.
Bei Frauen hat sie ein Volumen von unter 18 ml, bei Männern unter 25 ml.
Von außen ist eine gesunde Schilddrüse in der Regel nicht sichtbar. Nur bei
langen, schlanken Hälsen bemerkt man sie beim Schlucken.
Die Schilddrüse besteht aus kleinen Bläschen (Follikeln). Die Zellen in der
Bläschen-Hülle produzieren Hormone. Die Bausteine dafür erhalten sie über das
Blut.
Schilddrüsenhormone
Man unterscheidet zwei Schilddrüsenhormone:
- Thyroxin: Wegen seiner vier Jod-Atome T4 genannt.
- Thrijodthyronin: Wegen seiner der drei Jod-Atome T3 genannt.
Diese Hormone machen ihren Einfluss im ganzen Körper geltend. Wenn sie in der
richtigen Menge vorhanden sind, geht es dem Menschen gut.
Überfunktion und Unterfunktion
Die Hypophyse ist verantwortlich dafür, dass nicht zu viele und nicht zu wenige
Schilddrüsenhormone ausgeschüttet werden. Die Hirnanhangdrüse produziert das
Hormon TSH, das die Schilddrüse steuert.
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-
Steigt der TSH-Spiegel in der Schilddrüse an, so gibt das Organ vermehrt
Hormone an den Blutkreislauf ab.
- Sind ausreichend Schilddrüsenhormone im Blut vorhanden, drosselt die
Hypophyse ihre TSH-Produktion, und damit verringert auch die Schilddrüse
ihre Hormonausschüttung.
Bei Schilddrüsenerkrankungen führt ein Zuviel an Schilddrüsenhormonen
(Überfunktion) zu einer Unterdrückung der Signale der Hirnanhangdrüse, d.h. TSH
sinkt ab. Ein Zuwenig (Unterfunktion) führt zu einer Zunahme der Signale der
Hypophyse, d.h. TSH steigt an und regt die Schilddrüse an. So lassen sich
Störungen der Schilddrüsenfunktion an dem TSH-Spiegel wie an einem Verstärker
früh erkennen.
Schilddrüsenunterfunktion
- Sie kann zur Verzögerung von Wachstum und geistiger Entwicklung,
schlimmstenfalls bis zum Kretinismus bei Ungeborenen und Kleinkindern
führen.
- Sie ist verantwortlich für die Verlangsamung der Bewegungsabläufe und
geistigen Beweglichkeit, aber auch für Antriebsminderung und
Konzentrationsstörungen.
- Sie kann auch den Anstieg der Blutfette, die Verlangsamung der
Kreislaufvorgänge, nicht selten spürbare Gewichtszunahme, verminderte
Wärmeproduktion bzw. Kälteempfindlichkeit auslösen.
-
Schilddrüsenüberfunktion
Sie beschleunigt die Stoffwechselvorgänge und verursacht dadurch
motorische Unruhe, unkonzentrierte Hektik, ineffektive Antriebssteigerung.
Sie kann auch zur Gewichtsabnahme und beschleunigte Darmtätigkeit
führen und gesteigerte Wärmeproduktion auslösen.
Mit der Schilddrüsenüberfunktion geht oft Atemnot, die Erhöhung der
Herzfrequenz einher, die im Extremfall sogar zum Herzversagen führen
kann.
Überfunktion und Unterfunktion: Erkrankungen und ihre Ursachen
Fast jeder dritte Deutsche hat eine Schilddrüsenerkrankung – das bedeutet aber
nicht unbedingt, dass er darunter auch leidet. Ein Kropf (Struma) muss
beispielsweise nicht zu einer Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens
führen.
Die sogenannte Jodmangelstruma ist die häufigste Schilddrüsenerkrankung bei
Erwachsenen, die älter als etwa 35 bis 40 Jahre sind. Die Gleichung Deutschland
= Jodmangelgebiet = Kropfgebiet hat sich trotz der Jodierung von Speisesalz für
heute ältere Erwachsene nicht grundlegend geändert. Kindern, Jugendlichen und
jungen Erwachsenen kommt die verbesserte Jodversorgung aber bereits zugute,
falls in den Familien konsequent Jodsalz verwendet wird.
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Die häufigste Schilddrüsenerkrankung ist die Struma (Kropf)
Mit einem Kropfband läuft in Deutschland kaum noch jemand herum. Und
dennoch macht sich der Jodmangel, der in den meisten Gebieten noch besteht,
immer noch durch eine Jod-Unterversorgung der Schilddrüse bemerkbar. Da
diese den Mangel durch vermehrtes Wachstum auszugleichen versucht, entsteht
am Hals ein Kropf (Struma).
Struma ohne Knoten: Wird der Kropf nicht allein durch seine Größe zu einer
Belastung, bemerken ihn die Patienten oft nicht. Um ein weiteres Wachstum zu
verhindern und Komplikationen zu vermeiden, sollte er aber dennoch behandelt
werden.
Struma mit sogenannten heißen Knoten: Darunter versteht man Knoten an der
Schilddrüse, die unabhängig von der Hypophyse zu viele Schilddrüsenhormone
produzieren und dadurch zu einer Überfunktion führen können.
Sogenannte kalte Knoten: Sie sind kaum sichtbar und nicht aktiv, können jedoch
in manchen Fällen einen Tumor enthalten und dadurch Auslöser eines
Schilddrüsenkarzinoms werden.
Prof. C. Renate Pickardt: "In erster Linie gilt es abzuklären, ob sich im Kropf ein
heißer oder kalter Knoten gebildet hat. Aber auch eine Struma ohne
Fehlfunktionen sollte behandelt werden: Jod-Tabletten verhindern, dass der Kropf
weiter wächst. Die Kombination mit Schilddrüsenhormontabletten gleicht eventuell
darauf beruhende Unterfunktion aus."
Autoimmunerkrankungen
Morbus Basedow: Die körpereigene Abwehr greift das Schilddrüsengewebe an
und hat eine Überfunktion zur Folge. Manche Patienten werden zusätzlich durch
Gewebeschwellungen an den Augen, Hautveränderungen und Gelenkschmerzen
belastet.
Hashimoto-Thyreoiditis: Auch bei dieser Krankheit führt der Körper einen Kampf
gegen sein eigenes Organ. Die Schilddrüse wird chronisch entzündet und
schrumpft. Es besteht die Gefahr einer Unterfunktion.
Besondere Formen der Über- bzw. Unterfunktion
Angeborene Fehlbildungen: Manche Menschen kommen mit einer verkleinerten
oder ohne Schilddrüse zur Welt. Die dadurch ausgelöste Unterfunktion muss beim
Neugeborenen sofort behandelt werden, um bleibende Schäden zu vermeiden.
Entzündungen: Nach einer Geburt leiden viele Frauen vorübergehend unter einer
Schilddrüsenüberfunktion. Andere Entzündungen äußern sich in einer
Unterfunktion. Als häufigste Form der Entzündung gilt jedoch die Thyreoiditis de
Quervain, bei der sich Riesenzellen in der Schilddrüse bilden. Eine
vorübergehende Überfunktion kann entstehen.
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Jod in Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollten Frauen genügend Jod zu
sich nehmen, um den Bedarf von Mutter und Kind zu decken. Sonst besteht die
Gefahr, dass sich die Schilddrüse der Frau dauerhaft vergrößert beziehungsweise
das Kind mit einem Kropf und eventuell einer Schilddrüsenunterfunktion zur Welt
kommt. Früher hatte der Jodmangel sogar Einfluss auf die geistige Entwicklung
der Kinder. Heute lässt sich eine Unterfunktion mithilfe der
Neugeborenenuntersuchung frühzeitig feststellen und gegebenenfalls
ausgleichen.
Jodierung von Speisesalz: Viel Nutzen, keine Gefahr
Erst seit den 80-er Jahren hat sich die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung
verbessert. Durch jodiertes Speisesalz und Mineralstofffütterung an Nutztiere lässt
sich der "natürliche" Jodmangel weitgehend ausgleichen. Eine Jodierung von
Trinkwasser wurde zwar angedacht, ist aber in Deutschland nicht erlaubt. Kritiker
befürchten negative Folgen durch zu hohe Jodkonzentrationen in Speisen. Um
einen Jodüberschuss zu vermeiden, wurde Kochsalz als Jodträger gewählt. Prof.
C. Renate Pickardt: "Die Dosis, die durch jodiertes Speisesalz erreicht wird, kann
die Entstehung eines Kropfes zwar verhindern, eine Überfunktion aber nicht
verschlechtern. Im Gegenteil: Auch bei einer Überfunktion wächst eine
jodverarmte Schilddrüse schneller als notwendig. Auch bei der Immunthyreopathie
Typ Hashimoto braucht die Schilddrüse Nahrungsjod, um aus den
Hormonvorstufen die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin zu bilden."
Der TSH-Wert: Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen
Fast alle Erkrankungen der Schilddrüse lassen sich heute diagnostizieren, bevor
sie zu körperlichen Symptomen einer Fehlfunktion führen. Erstes Anzeichen dafür
ist oft ein veränderter TSH-Wert. Nimmt der Hausarzt im Gesundheitscheck Blut
ab, wird die TSH-Bestimmung meist mit veranlasst. Prof. C. Renate Pickardt: "Alle
anderen Untersuchungen der Schilddrüse sollte allerdings ein Fachmann
vornehmen, da Fachkenntnisse zur Beurteilung des Schilddrüsengewebes und der
spezielleren Blutbefunde notwendig sind."
Wann sollte man seine Schilddrüse untersuchen lassen?
Dank der Gesundheitsuntersuchung beim Hausarzt wird ein großer Teil der
Schilddrüsenerkrankungen rechtzeitig erkannt und kann dann auch behandelt
werden. Therapeutisch sollte man nur dann eingreifen, wenn sich die Schilddrüse
sicht- und fühlbar vergrößert. Prof. C. Renate Pickardt: "Natürlich könnte man
vielleicht noch ein bisschen früher Erkrankungen feststellen. Aber wenn der
Betroffene keine Beschwerden hat, hätte er von dieser Erkenntnis keinen Vorteil.
Die einzige Ausnahme ist die Struma, der Kropf. Hier kann man zur Prävention
Jod empfehlen."
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Hashimoto-Thyreoiditis
Da heute die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis auch bei jungen
Menschen häufiger wird (bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern), ist es
sinnvoll, die Schilddrüse während der Schwangerschaft zu untersuchen. Denn in
der Frühschwangerschaft steigt der Schilddrüsenhormonbedarf sofort an und
Frauen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis können den erhöhten Bedarf nicht
decken. Der dadurch neu auftretende Schilddrüsenhormonmangel ist für die
Mutter und für Wachstum und Entwicklung des Föten nachteilig.
So läuft die Diagnose ab
Nachdem der behandelnde Arzt die medizinische Vorgeschichte abgefragt hat,
betrachtet er die Halsregion und tastet die Schilddrüse ab. Dabei wertet er die
Daten der Blutuntersuchung aus, die auch auf eine Autoimmunentzündung
hindeuten können. Die Ultraschalluntersuchung dient der Feststellung eventueller
Veränderungen der Gewebestruktur und Durchblutung der Schilddrüse bzw.
Knotenbildung. Wenn sich im Ultraschall Knoten von mehr als 1 ml Volumen
zeigen, wird ein Szintigramm notwendig.
Szintigramm: Mit Strahlen den Knoten auf der Spur
Im Rahmen eines Szintigramms werden dem Patienten schwach radioaktive
Substanzen in den Körper gespritzt. Sie reichern sich in der Schilddrüse an und
zwar umso stärker, je aktiver die jeweilige Region ist. Dadurch können die Ärzte
zwischen normal funktionierenden, nicht funktionierenden "kalten" und
überfunktionierenden "heißen" Knoten unterscheiden. Regelmäßige Szintigramme
zur Verlaufskontrolle bei bestehenden Schilddrüsenknoten lehnt Prof. Pickardt ab:
"Das ist eine Frage der Strahlenhygiene. Jährliche Untersuchungen sind bei den
heutigen diagnostischen Möglichkeiten nicht notwendig. Ein weiteres Szintigramm
ist nur dann sinnvoll, wenn sich daran eine Therapie, wie z.B. eine RadiojodBehandlung anschließt und man vorher genau wissen will, mit welcher Dosis man
arbeiten muss."
Vorsicht bei Herzerkrankungen mit und ohne Herzrhythmusstörungen!
Leidet ein Schilddrüsenpatient auch an einer schweren anderen Erkrankung, so
tritt für manche Ärzte die Schilddrüsenfehlfunktion in den Hintergrund - mit
möglicherweise fatalen Folgen. Prof. C. Renate Pickardt: "Bei
Herzrhythmusstörungen wird bei der Abklärung häufig ein jodhaltiges
Kontrastmittel gespritzt. Dieses enthält mehr als die tausendfache Menge des
täglichen Bedarfs an Jod. Hat der Patient bereits eine Schilddrüsenüberfunktion,
verschlechtert sich sein Zustand dadurch, und er wird schwerer behandelbar."
Tabletten, Operation oder Radiojod-Therapie?: Therapie
Die meisten Schilddrüsenerkrankungen lassen sich nicht im eigentlichen Sinne
heilen. So müssen Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, für
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den Rest ihres Lebens täglich eine Tablette zu sich nehmen. Stimmt die Dosis,
sind sie dadurch in ihrer Lebensqualität jedoch nicht beeinträchtigt.
Menschen mit einem Kropf müssen ihr Leben lang täglich eine Tablette mit Jod zu
sich nehmen, um eine Verschlimmerung zu verhindern. Liegt bereits eine
Unterfunktion vor, so geben die Ärzte das Hormon L-Thyroxin. Es entspricht einem
der körpereigenen Schilddrüsenhormone. Prof. C. Renate Pickardt: "Bei einer
Unterfunktion ist funktionsfähiges Schilddrüsengewebe verloren gegangen. Dieser
Verlust lässt sich nicht heilen, nur ausgleichen. Da der Schilddrüsenhormonbedarf
- außer während der Schwangerschaft - bei stabilem Gewicht ziemlich konstant
bleibt, kann man den Patienten durch die Substitution eine gute Lebensqualität
ermöglichen."
Nebenwirkung der Thyroxin-Behandlung
Da die Hormon L-Thyroxin Behandlung für längere Zeit geplant ist, sollte die
Tablette möglichst keine Nebenwirkung haben. Schilddrüsenhormone verursachen
keinen Magensäureüberschuss, den gastro-ösophagealen Reflux. Er hat
eigentlich eine anatomische oder andere Ursache. Aber: Manche Beistoffe können
eine Beschwerdesymptomatik bei einem Einzelnen mit Reflux auslösen.
Deswegen sollte der Patient den behandelnden Hausarzt oder Spezialarzt
detailliert befragen.
Die Grenzen der medikamentösen Therapie
Auch Schilddrüsenüberfunktionen werden zunächst medikamentös behandelt - in
der Regel aber nicht länger als ein Jahr. Die Patienten erhalten dabei Mittel, die
die Hormonproduktion hemmen. Nach dem Ende der Medikation müssen die Ärzte
den weiteren Verlauf beobachten. Bei Überfunktionen vom Typ Morbus Basedow
kommt es vor, dass die Krankheit während der medikamentösen Therapie zum
Stillstand kommt.
Therapie heißer Knoten
"Heiße Knoten" jedoch bleiben ein dauerhaftes Risiko. Treten nach dem Ende der
Medikamentengabe wieder Krankheitsschübe auf, müssen die entsprechenden
Regionen entfernt beziehungsweise ausgeschaltet werden. Dazu hat der Arzt zwei
Möglichkeiten: Operation oder Radiojod-Therapie.
Radiojod-Therapie: Kurz und schmerzlos
Bei der Radiojod-Therapie trinkt der Patient eine Flüssigkeit, die radioaktives Jod
enthält. Es reichert sich in der Schilddrüse an und macht dort die
überproduzierenden Areale funktionsunfähig. Für den restlichen Körper ist die
Substanz ungefährlich. Zur Behandlung begibt sich der Patient für drei bis sieben
Tage in die Strahlenstation einer Klinik. Besuch dort ist nicht möglich. Außerhalb
Deutschlands wird die Radiojodtherapie ambulant durchgeführt. Prof. C. Renate
Pickardt: "Eigentlich ist dieses Vorgehen im Ausland nicht logisch, denn so sind
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unter anderem die Angehörigen und Kontaktpersonen in den ersten Tagen der
Strahlung ausgesetzt. Aus diesen strahlenhygienischen Gründen bleibt es in
Deutschland bei der stationären Radiojodbehandlung."
Operation oder Radiojod-Therapie?
Im Prinzip sind beide Behandlungsverfahren bei der Überfunktion gleichwertig. Für
eine Operation spricht, wenn neben den 'heißen' auch 'kalte' Knoten in der
Schilddrüse vorhanden sind. Diese lassen sich durch Radiojod nicht entfernen.
Auch sehr große Schilddrüsen, die durch die Größe ihre Nachbarorgane (Luft- und
Speiseröhre oder den Stimmbandnerven) beeinträchtigen, sollten operativ
behandelt werden. Durch die Radiojod-Therapie geht die Größe der Schilddrüse
im Mittel nur um 30 Prozent zurück. Prof. C. Renate Pickardt: „Besteht kein
zwingender Grund zur Operation und sind die entsprechenden Einrichtungen
vorhanden, kann der Patient frei mit entscheiden, welche Behandlung er vorzieht.
In beiden Fällen muss er anschließend das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin in
Tablettenform zu sich nehmen, und zwar lebenslang."
Unterfunktion durch Therapie der Überfunktion
Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion tauschen mit der Therapie oft eine
Funktionsstörung gegen die andere aus: Dann entsteht häufig eine
Schilddrüsenunterfunktion, weil zu viel Schilddrüsengewebe zerstört werden
musste. Prof. C. Renate Pickardt: "Im Prinzip wird der Teufel mit dem Beelzebub
ausgetrieben, nur dass der Beelzebub sich besser im Zaum halten lässt. Wir
können es schlicht nicht besser. Es gibt keine andere Möglichkeit, eine
Überfunktion zu kurieren bzw. einen Rückfall komplett zu verhindern. Wir können
also nur das kleinere Übel suchen. Und da die Überfunktion zu schwerwiegenden
Nebenwirkungen an anderen Organen – wie dem Knochenapparat, und dem
Herz-Kreislauf-System, aber auch der Persönlichkeit - führen kann, nimmt man
die gut behandelbare Unterfunktion in Kauf."
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