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Datenblatt RHK AK 155

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Der Fachinformationsdienst für Entscheider
aus Medien I Politik I Industrie I Handel I Wissenschaft
und für Journalisten
Sonderausgabe zu den Medientagen München 2014
Interview
INHALT
Digitalisierung als Innovationsmotor des
21. Jahrhunderts
DAB+ Vermarktung:
Hoffnung für die Nische
Vor allem kleiner Sender
erwarten große Erfolge
| Seite 2
Allein Bayern rechnet mit Wachstumsschub von 50 Mrd. Euro
Bayern will Landsleute
künftig mithilfe von DAB+
schützen
Staatregierung prüft Einsatz
eines neuen Notfallwarnsystems | Seite 3
Bayern startet bundesweit
erstes Digitalradio-Archiv
Gesetzliche Vorgaben jetzt
auch für DAB+ Programme
erfüllbar | Seite 4
Volle Märkte durch
Digitalradio-Promotion
Bayerischer Rundfunk
mit erfolgreicher
Roadshow | Seite 5
„Radiobranche muss sich auf
das Mediennutzungsverhalten
der Jugend einstellen, sonst
bleibt sie auf der Strecke“
Interview mit Siegfried
Schneider, Präsident der
BLM | Seite 6
Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie und Stellvertretende Bayerische
Ministerpräsidentin
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse
und welchen Einfluss haben diese auf
Ihre Landespolitik im Freistaat aber auch
für die nationale Politik?
Die Digitalisierung erfordert ein Umdenken in
allen Regulierungsbereichen, damit uns Zeit
und Entwicklung nicht davonlaufen. Die Medienbranche ist in einem völlig neuen Wettbewerb:
Klassische Angebote konkurrieren nicht nur
zunehmend miteinander, sondern stehen auch
im Wettbewerb mit großen internationalen Unternehmen. Dies verlangt schlanke und faire
Rahmenbedingungen für alle Wettbewerber,
auch und gerade im internationalen Maßstab.
Sehen Sie Bayern als Vorreiter in Sachen
moderner Medienpolitik und was können
andere Bundesländer von Bayern lernen?
Der Runde Tisch ist das beste Beispiel dafür, wie Bayern seine Vorreiterrolle in der
Medienpolitik versteht: Wir wollen die Herausforderungen für die Medienbranche nicht nur
abstrakt diskutieren, sondern sie konkret angehen. Auch bei den Investitionen setzen wir
Maßstäbe: Im Rahmen der Strategie „Bayern
Digital“ haben wir gerade ein beispielloses
Programm für den Breitbandausbau mit über
1,5 Mrd. Euro aufgelegt. Initiativen wie das
neue Gründerzentrum Werk1.Bayern
DAB+
UKW
DRM+
tägliche Nutzerreichweite
Frau Staatsministerin Aigner, vor dem
Hintergrund fundamentaler Umbrüche
in der bestehenden Medienwelt hat die
Bayerische Staatsregierung vor zwei
Jahren in Bayern eine Initiative gestartet, die die Weichen für künftige Medienpolitik stellen soll. Wie zufrieden sind
Sie mit der Arbeit und den Ergebnissen
des Runden Tisches?
Aigner: Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit
des Runden Tisches. Es ist uns gelungen, mit
Vertretern der gerade in Bayern sehr breit
aufgestellten Medienwirtschaft gemeinsam
an der Medienpolitik der Zukunft zu arbeiten.
Es war klar, dass in den einzelnen Themenbereichen nicht nur Konsens herrschen
würde. Wir haben es jedoch geschafft, wichtige und bisher nur abstrakt diskutierte Problemfelder zu identifizieren und verschiedene
Lösungsalternativen herauszuarbeiten.
DMB
M
DVB-T
top 10
top 100
hohe Nutzerdichte
DVB-H
top 1.000
Das Radio braucht auch
weiterhin die Terrestrik
Technische Kolumne von
Reiner Müller, Bereichsleiter
Technik der BLM | Seite 8
DAB+ Autoreport 2014:
Skoda im DigitalradioRanking auf dem ersten
Platz
| Seite 9
Scharfe Kritik am geplanten
DVB-T-Umstieg
Verbraucherschutzbehörde
fordert 12-monatige
Simulcastphase | Seite 10
Digitalradio: Weitere
Kampagnen in Deutschland
geplant
Interview Michael Reichert,
Leiter ARD-Projektbüro |
Seite 11
Seite 1
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
vor dem Hintergrund fundamentaler Umbrüche in der bestehenden Medienwelt
hat die Bayerische Staatsregierung im
Jahr 2012 eine Initiative gestartet, die die
Weichen für die künftige Medienpolitik
stellen soll. Dazu hat man renommierte
Experten an einem Runden Tisch zusammengebracht. Jetzt, zwei Jahre später,
zeigt sich Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien,
Energie und Technologie und Stellvertretende Bayerische Ministerpräsidentin, mit
der bisherigen Arbeit sehr zufrieden. Wie
Aigner im Interview mit dem Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk sagte, „ist der
Runde Tisch das beste Beispiel dafür, wie
Bayern seine Vorreiterrolle in der Medienpolitik versteht“. Nach Einschätzung der
Ministerin ist die fortschreitende Digitalisierung der Medienwelt „der“ Innovationsmotor des 21. Jahrhunderts. Allein für die
bayerische Wirtschaft erwartet Aigner
durch die Digitalisierung einen geschätzten Wachstumsschub von 50 Mrd. Euro.
bis zum Jahr 2025 (Seite 1).
Das Bayerische Staatsministerium des Innern prüft derzeit, ob das neue über Digitalradio ausgespielte Notfallwarnsystem
EWF (Emergency-Warning-Functionality)
schon bald offiziell im Freistaat zum Einsatz kommt. Wie Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium
des Innern sagte, wird es mit EWF möglich
sein, „die Information der Bevölkerung bei
Gefahrenlagen weiter zu verbessern“. Entwickelt hat das Notfallwarnsystem das
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen auf Anregung der
Bayern Digital Radio GmbH (BDR) (Seite 3).
Beim ersten Digitalradio-Ranking aller relevanten auf dem deutschen Markt vertretenen PKW-Marken hat sich Skoda als
Sieger durchgesetzt. Die Marke aus
Mladá Boleslav konnte sich im Feld der 41
Mitbewerber am Ende ganz oben behaupten. Den zweiten Platz belegt VW. Mit
dem DAB+ Autoranking liegt erstmals eine
Rangliste vor, die darüber Auskunft gibt,
welche Stellung das Thema DAB+ in der
Automobilbranche hat. Das Ranking ist
Bestandteil des soeben erschienenen und
vom Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk herausgegebenen DAB+ Autoreports
Deutschland 2014 (Seite 9).
Eine erkenntnisreiche Lektüre
wünscht Ihnen
Thomas Barthel
Seite
Seite22
oder Gründerland Bayern sollen eine neue
Gründerdynamik gerade auch in der Medienbranche auslösen. Eine Schlüsselrolle kommt
hier auch dem Mediennetzwerk Bayern zu.
Warum wird das Thema Medienpolitik in
einer zunehmend digitalisierten Medienwelt immer wichtiger und welche Aufgaben
sind damit für die Politik als Weichensteller und Regulator verbunden?
Die Digitalisierung ermöglicht der bayerischen
Wirtschaft bis 2025 einen geschätzten Wachstumsschub von 50 Mrd. Euro. Sie ist der
Innovationsmotor des 21. Jahrhunderts. Um
weiter technologisch an der Spitze zu marschieren, müssen die Unternehmen aber
selbst handeln: Jedes Unternehmen braucht
eine eigene Digitalisierungsstrategie. Aufgabe der Medienpolitik ist es, hierfür einen
angemessenen Rechtsrahmen zu bieten,
gezielt Investitionsimpulse zu setzen und die
Stärken des Standorts auszuspielen.
Wie sehen in Bayern - auch angesichts
schrumpfender Frequenzkapazitäten –
die Weichenstellungen für die Zukunft
des Radios aus?
Digitalradio steht für eine optimale Ausnutzung
der Frequenzen, günstige Verbreitungskosten und ein Mehrangebot für den Bürger.
Es ist nicht die Frage, ob DAB+ durchstarten
wird, sondern wann. Wenn wir die Digitalisierung der Radioverbreitung nicht schaffen,
wird das Medium Radio in der heutigen
Form keine Zukunft haben. Ich setze mich
daher bundesweit und in Europa dafür ein,
DAB+ als flächendeckenden Standard für
Digitalradio einzuführen und die Umstellung
von analoger zu digitaler Verbreitung konsequent voranzutreiben.
Bericht
DAB+ Vermarktung: Hoffnung für die Nische
Vor allem kleine Sender erwarten große Erfolge
© z_amir - Fotolia.com
EDITORIAL
Bereits kurz nach Start der Vermarktungskampagne der Agentur k2 für die Betreiber
von privaten Digitalradio-Programmen gibt
es von den beteiligten Hörfunkwellen aus
Bayern gute Zeugnisse.
So ist Andreas Enders, Geschäftsführer von
Kultradio.fm aus Bayreuth, vor allem von
den vielen neuen Möglichkeiten in Sachen
Vermarktung angetan. „Das fängt beispielsweise bei begleitender Displaywerbung auf
DAB+ Radios an und hört bei großen CrossMedia-Kampagnen egal, ob on Air, auf Webseiten, über Smartphone-Apps oder Radiound TV- Apps auf. Nach Ansicht Enders sind
die meisten klassischen Vermarkter nach wie
vor zu sehr auf ihr UKW-Kerngeschäft konzentriert, „so dass die neuen digitalen Möglichkeiten immer noch recht stiefmütterlich
behandelt werden“. Das bedauert der Geschäftsführer von Kultradio.fm, auch im Hinblick auf die jüngsten Geräte-Verkaufszahlen,
die bestätigen würden, dass es in Deutsch-
land mit Digitalradio bergauf geht. Wie Enders
weiter sagte, „könnte er sich sogar vorstellen,
dass DAB+ auch ohne einen festen UKWAbschalttermin eine echte Chance hätte, sich
durchzusetzen“. Allerdings würde nach seiner
Einschätzung die Marktdurchdringung mit
Geräten – gerade im KFZ-Bereich – wesentlich schneller gehen, wenn sich die Politik zu
einem festen Abschaltzeitpunkt durchringen
würde. „Gelingt es den Programmveranstaltern jedoch nicht, den terrestrischen Rundfunk ins digitale Zeitalter zu überführen, sehe
ich die Gattung Radio tatsächlich in Gefahr“,
so der Radiomann.
Auch für Eva Schmidt, Geschäftsführerin bei
Radio München, „wäre ein fester UKWAbschalttermin wesentlich, da wir außer dem
Stream keinen weiteren terrestrischen
Empfang haben. Neue Marken wie Radio
München würden sich aber nach Aussagen
Schmidts nur dann durchsetzen, wenn sie
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
barrierefrei empfangbar sind. In Bezug auf
die Aktivitäten des neuen DigitalradioVermarkters ist Schmidt vor allem deshalb
so angetan, „weil k2 auch für Nischenprogramme tätig werden will und die größere
Vision von DAB+ vor Augen hat“. Gerade
die Kombination, große Werbepakete zu
schnüren und dabei kleine DAB+ Anbieter
mitzunehmen, sieht sie als „die“ Kompetenz von k2. „Schließlich brauchen wir auf
kommerzieller Seite Unterstützung und
erhoffen uns durch die Kooperation mit
k2 kluge Werbepartner, die man gerne im
Programm spielt.“
An der neuaufgesetzten und bundesweit
ausgelegten Marktoffensive der Hamburger
Agentur k2 mediasales können sich Radiostationen beteiligen, die ihre Programme
über DAB+, Webradio und weitere digitale
Verbreitungswege mit interaktiven Elementen ausspielen. Die k2 mediasales GmbH
aus Hamburg hat zur IFA im 2014 die „k2
Audio Digital Kombi Deutschland“ als neue
Vermarktungskombi von Digitalradio-Sendern in Deutschland gestartet. Die Initialzündung hierzu kam von der Bayerischen
Landeszentrale für neue Medien (BLM)
zusammen mit dem Netzbetreiber Bayern
Digital Radio GmbH (BDR). Die „k2 Audio
Digital Kombi Deutschland“ besteht zunächst aus den Sendern Kultradio, Radio
München, Radio LORA, Coolradio, PN1,
MEGA RADIO, Pop Stop, Schlagerparadies
(nur DAB+) und Radio Paloma. Weitere
Sender sind mit k2 mediasales im Gespräch und sollen in Kürze folgen.
Anzeige
Bericht
Bayern will Landsleute künftig mithilfe von
DAB+ schützen
Staatregierung prüft Einsatz eines neuen Notfallwarnsystems
Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern
Das Bayerische Staatsministerium des Innern prüft derzeit, ob das neue über Digitalradio ausgespielte Notfallwarnsystem EWF
(Emergency-Warning-Functionality) System
schon bald offiziell im Freistaat zum Einsatz
kommt. Wie Gerhard Eck, Staatssekretär im
Bayerischen Staatsministerium des Innern im
Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk sagte,
wird es mit EWF möglich sein, „die Information der Bevölkerung bei Gefahrenlagen weiter zu verbessern“. Grundsätzlich bietet nach
Einschätzung Ecks die Nutzung von rundfunkbasierten Warnmeldungen den Vorteil,
das nicht nur Gefahren angekündigt, sondern
auch spezielle Verhaltensregeln an die Bevölkerung weitergegeben werden können.
In den Augen des Bayerischen Staatssekretärs liegt der Vorteil von EWF über DAB+ vor
allem darin, dass Notfallinformationen schnell
zu den Hörern gelangen können. Mithilfe
des neuen Systems kann nach Einschätzung
Ecks „die Bevölkerung insbesondere bei unmittelbaren Gefährdungssituationen zügig
auf die Warnung reagieren und ihr Verhalten
gegebenenfalls darauf abstellen“. Besonders
wertvoll sei jedoch, dass neben der eigentlichen Durchsage im Radio, die Warnmeldung
als sinnvolle Ergänzung auch im Textfeld
des Endgerätes erscheinen. „Auf diese Weise
ist es möglich“, so der Staatsekretär weiter,
„dass die Warnmeldungen erneut nachgelesen werden können und die Möglichkeit besteht, ergänzende Hinweise in mehreren
Sprachen auf den Radiodisplays auszuspielen. Zudem begrüßte Eck die Möglichkeit,
dass sich entsprechend ausgestattete Digitalradio-Endgeräte bei einer Warnmeldung automatisch aus dem „Stand-by-Modus“ einschalten können. “Vorausgesetzt natürlich“, so
Eck weiter, „dass ein entsprechendes DAB+
Endgerät vorhanden ist, das die erforderlichen technischen Voraussetzungen erfüllt“.
Entwickelt hat das Notfallwarnsystem das
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen
(IIS) in Erlangen auf Anregung der Bayern
Digital Radio GmbH (BDR). Bereits im
Seite 3
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
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www.absoluthot.de
Absolut
letzten Jahr wurde die EWF-Technologie auf
den Medientagen München auf einem
Noxon-Gerät der Öffentlichkeit präsentiert.
Das Warnsystem funktioniert so, dass im
Katastrophenfall – egal welches DigitalradioProgramm gerade gehört wird – die Warnmeldung direkt über DAB+ ausgespielt wird.
Neben der akustischen Durchsage soll im Katastrophenfall an den Digitalradio-Empfängern
eine LED leuchten und auf den Displays ein
Text erscheinen: „Achtung: Katastrophenmeldung, weitere Informationen auf Journaline“.
Schon heute ist im aktuellen DAB+ Standard
theoretisch eine solche Funktion vorgesehen.
Derzeit fehlen jedoch noch entsprechende
Endgeräte auf dem Markt. Sobald aber EWF
als offizielles staatliches Warnsystem an
den Start gehen sollte, wird sich das nach
Experteneinschätzung schnell ändern.
Bericht
You can feel it!
Bayern startet bundesweit erstes
Digitalradio-Archiv
©momius - Fotolia.com
Gesetzliche Vorgaben jetzt auch für DAB+ Programme erfüllbar
ramme
Neue Radioprog
gibt es nur bei
Weil es gut tut!
www.absolutrelax.de
Seite
Seite44
Rein technisch gesehen ist in der guten alten analogen Radiowelt vieles einfacher. So
können beispielsweise die Programmveranstalter, die ausschließlich über UKW senden,
die eigenen Inhalte selbst aufzeichnen –
etwa um sie für den Eigenbedarf zu archivieren oder um im Bedarfsfall den Landesmedienanstalten Auskunft über das eigene Programm
geben zu können. Im Digitalradio geht das
nicht ganz so einfach, wie Alexander Jahn
von der Bayern Digital Radio betont. „Im Gegensatz zur Aufzeichnung bzw. Archivierung
von reinen Audioinhalten beim Programmanbieter von UKW-Inhalten ist es die Aufgabe
eines Digitalradio-Archivs, den Multiplex als
Ganzes zu archivieren und so neben den
einzelnen Programminhalten auch sämtliche
Datendienste, die Kombination von Audio- und
Datendiensten (z.B. Dynamic Label) sowie die
gesamte Multiplexkonfiguration aufzuzeichnen. Neben dem regulären Beitrieb werden
nach Auskunft Jahns im Meinungsbarometer
Digitaler Rundfunk gleichermaßen auch die
Multiplex-Rekonfigurationen oder etwaige
Systemausfälle mit aufgezeichnet.
Mit dem neuen Digitalradio-Archiv werden
erstmals die Vorgabe des Gesetzgebers auch
für DAB+ Programme erfüllt – nämlich, dass
alle Radiosender in Deutschland ihre Programm für mehrere Monate archivieren müssen. Dazu sind alle Inhalteanbieter im Radio
grundsätzlich verpflichtet. Entsprechend muss
den Landesmedienanstalten das Recht eingeräumt werden, Zugriff auf die Inhalte aller
lizensierten Anbieter zu erhalten.
Entwickelt haben das DAB+ Archiv die Bayern Digital Radio (BDR) und das Münchner
Softwareunternehmen spiritec. Technisch
funktioniert das Digitalradio-Archiv so, dass
unmittelbar beim Sendernetzbetreiber das
Signal analysiert wird. Gleichzeitig zeichnet
das System alle Digitalradio-Inhalte für 80
Tage auf.
Das bayerische Archivierungssystem wird
bereits als Prototyp im landesweiten- und
Münchner Netz der Bayern Digital Radio betrieben. Bis zum Jahresende 2014 sollen
dann alle bayerischen Netze mit dem System
ausgerüstet und um die Funktion des OnlineMonitorings erweitert werden. Mit diesem
wird erstmals eine betriebliche EchtzeitÜberwachung der Programme auf Störungen
möglich sein.
Zukünftig ist es auch vorstellbar, den Programmanbietern einen direkten Zugriff zum
Archiv zu ermöglichen. Entsprechende
Nutzungs-Szenarien sind nach Aussagen der
Entwickler bereits bei der Erstellung des Fachkonzepts berücksichtigt worden.
Helfen soll das neue DAB-Archiv aber auch
den Engeräteherstellern, ihre Produkte weiter zu optimieren und so die Kommunikation
zwischen Netzbetreibern und Geräteherstellern weiter zu fördern.
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
REAKTIONEN
Bericht
Volle Märkte durch Digitalradio-Promotion
Bayerischer Rundfunk mit erfolgreicher Roadshow
Digitalradio-Roadshow des BR
„Die Digitalradio-Roadshow des BR hat alle
Erwartungen übertroffen“, so Gerd Rüde,
beim BR verantwortlich für die Marketingmaßnahmen zum Technischen Verbreitungsweg. Die seit dem 29. August 2014 in 15
ausgesuchten Kreisstädten Bayerns durchgeführte Digitalradio-Promotion steht mit
der letzten Station am 25. Oktober in Würzburg nun unmittelbar vor dem Abschluss.
Nach Aussagen des BR kamen pro Station
im Schnitt rund 100 Besucher an die Digitalradio-Infostände, „die nur aufgrund unserer Programmhinweise im Radio oder durch
lokale Bewerbung, den Weg in die großen
Elektronikmärkte gefunden haben“, so Rüde.
Dazu gesellte sich nach Auskunft des
Marketingexperten im Meinungsbarometer
Digitaler Rundfunk noch das spontane
Laufpublikum des Marktes, „so dass unsere
Stände immer dicht umringt waren“. Besonders gefreut hat sich Rüde darüber, dass
auch das Verkaufspersonal an die Stände
kam, um sich hier über Digitalradio aufklären zu lassen.
Informiert hat der BR auf seiner Roadshow
unter anderem über die Empfangsmöglichkeiten seiner Digitalradio-Programme an
den jeweiligen Standorten. Kommuniziert
wurde aber auch, wie es künftig mit dem
Sendernetzausbau weitergeht. Zudem
demonstrierte der BR anhand vieler verschiedener DAB+ Geräte – angefangen
vom Kofferradio über den Adapter bis zur
HiFi-Anlage – direkt vor Ort die Programmvielfalt, den stabilen Empfang und die ein-
fache Bedienbarkeit des Systems.
Gelohnt hat sich die Promotion des Bayerischen Rundfunk auch für die Händler.
Denn an den Aktionstagen wurden 10 bis
30 Digitalradio-Geräte pro Markt mehr verkauft. Das bestätigt auch einer der beiden
Geschäftsführer des Media Marktes in
Landshut, Armin Hübner. „Durch die Aktion
des BR hatten wir über das ganze Wochenende einen vollen Markt und viele Interessenten, die sich zu DAB+ schlau gemacht
haben.“ Das hat sich nach Auskunft Hübners im Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk auch in den zusätzlichen und
positiven Abverkäufen gezeigt.
DAB+ Gerätevielfalt im Media Markt Landshut
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Was die Digitalradio-Endgeräte-Vielfalt betrifft, ist der Markt in Landshut aber grundsätzlich ein Vorreiter in Bayern. Denn hier
gibt es nahezu alle Digitalradio-Endgeräte,
die auf dem deutschen Markt gelistet sind.
Das lobt auch Gerd Rüde anerkennend.
„Leider sehen wir aber bei der Gerätevielfalt und auch bei der Bereitschaft der Handelsketten noch große Unterschiede in den
jeweiligen Märkten.“ Viele Elektronikhändler haben zwar nach Einschätzung des
BR-Mannes ein gutes Angebot an DAB+
Empfängern, jedoch für den Verkauf leider
keine prominente Position. Generell schlecht
sieht es aber nach Beobachtung von Gerd
Rüde in den Märkten aus, wenn es um einfache Nachrüstmöglichkeiten für Stereoanlagen oder Autoradios geht. „Diese sind
in den vielen Märkten schlicht unbekannt“,
so Gerd Rüde.
Seite 5
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
BAYERNSPEZIAL // BAYERNSPEZIAL // BAYERNSPEZIAL // B
Der Sonderteil BAYERNSPEZIAL entstand in
Kooperation mit der BLM
FOTOGALERIE
Interview
„Radiobranche muss sich auf das Mediennutzungsverhalten der Jugend einstellen, sonst
bleibt sie auf der Strecke“
Interview mit Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für
neue Medien (BLM)
Herr Schneider, was zeichnet den Medienstandort Bayern im Jahr 2014 aus? Wo
steht Bayern im Vergleich zu anderen
Ländern und welche Strategien verfolgt
die BLM für einen erfolgreichen Medienstandort?
Schneider: Ob Print, Rundfunk, Film, Games,
Infrastruktur oder Internet – kein anderer
Medienstandort in Deutschland ist so vielfältig aufgestellt wie Bayern. Bestätigt wird
das immer wieder durch aktuelle Studien,
wie z.B. der Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit des Rundfunks in Deutschland. Allerdings erleben wir derzeit radikale Umbrüche,
die nicht nur die Medienwirtschaft betreffen.
Inzwischen hat die Digitalisierung alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst. Es geht
um eine zunehmende Verschmelzung der
Medienwirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen. Das bedeutet auch eine fortschreitende Transformation bisheriger Wertschöpfungsstrukturen durch die Schaffung
neuer Serviceangebote, crossmedialer Anwendungen und neuer Geschäftsmodelle.
Bayern ist nach wie vor eine Gründerhochburg im Informations- und KommunikationsSeite
Seite66
umfeld in Deutschland. Dieser Bereich soll
in Zukunft noch stärker gefördert werden.
U.a. durch das Förderprogramm „Neue Breitbandrichtlinie“, die den Breitbandausbau im
ländlichen Raum in Bayern mit 1,5 Mrd.
Euro unterstützen wird, durch ein „Zentrum
Digitalisierung Bayern“, das u.a. neue digitale Geschäftsmodelle kreieren soll, durch
einen „Wachstumsfonds Bayern“, der die
Finanzierungschancen von Start-ups verbessern soll und durch den weiteren Ausbau des WERK1 Bayern, das schon jetzt ein
Hotspot der digitalen Gründerszene ist.
Das aktuelle Programm der Medientage
München offenbart eine Radiowelt im Umbruch mit vielen technischen Neuerungen, die die Branche verändern. Themen
sind u.a. mobile Nutzung, DAB+, personalisiertes Radio und Musik-Streaming.
Was kommt in den nächsten Jahren auf
die Radiomacher aber auch auf die Regulierer zu?
Das Ende der Fahnenstange ist im Radiobereich mit dem Web noch längst nicht erreicht. Wer denkt, sein Programm im Netz
// BAYERNSPEZIAL // BAYERNSPEZIAL // BAYERNSPEZIAL // MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
zu streamen reicht, unterschätzt die Situation. Themen wie die Personalisierung und
crossmediale Erstellung von Inhalten werden
die Radiomacher in der Zukunft täglich beschäftigen. Die Radiobranche muss sich auf
das Mediennutzungsverhalten der Jugend
einstellen, sonst bleibt sie auf der Strecke.
Man kann aktuell erkennen, dass die Branche
viel stärker technikgetrieben ist als noch vor
einigen Jahren. Radiostationen haben heutzutage mehr zu leisten. Das betrifft alle Bereiche,
von der Redaktion bis hin zum Marketing.
Besonders will ich hier auch die Ausbildung
der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
hervorheben. Ohne das passende Werkzeug
und gut ausgebildete Redakteure wird es
schwer, innovative Ideen umzusetzen.
Was die Regulierung angeht, muss man auch
im Hörfunk den richtigen Mittelweg finden
zwischen einer grundsätzlichen Deregulierung einerseits und der Sicherung der lokalen und regionalen Vielfalt andererseits.
Die BLM erstellt derzeit ein „HörfunkKonzept 2020“? Worum wird es grundsätzlich in dem Papier gehen?
Der Hörfunk privater Anbieter in Bayern
wird im Jahr 2015 30 Jahre bestehen. Charakteristisch für die Lokalradiolandschaft im
Freistaat ist die einzigartige Vielfalt und
Vielzahl an Radioangeboten sowohl in den
städtischen als auch in ländlich geprägten
Versorgungsgebieten. Zur Sicherung der
bisherigen Erfolge und einer stabilen Positionierung im digitalen Wettbewerbsumfeld
gilt es, mögliche Zukunftsperspektiven zu
erörtern, aus programmlicher, rechtlicher,
technischer und medienwirtschaftlicher Sicht
zu analysieren und vor allem mögliche
Entwicklungstendenzen und Innovationsstrategien daraus abzuleiten.
Die BLM will dieser Anforderung mit dem
Konzept „Hörfunk 2020“ gerecht werden.
Das Konzept soll Entwicklungsperspektiven
für den privaten Hörfunk in Bayern aufzeigen und notwendige Handlungsempfehlungen erarbeiten.
Welche Erkenntnisse liefert bereits heute
der BLM- und BVDW Webradiomonitor
2014, der im Rahmen der Medientage
vorgestellt wird. Wie kommt Bayern
beim Thema Internetradio und OnlineAudio-Inhalte weg?
Der Webradiomonitor 2014, den wir in diesem
Jahr erstmals gemeinsam mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) beauftragt haben, macht Aussagen zum gesamten
deutschen Audio Online Markt, nicht jedoch
zu einzelnen Bundesländern. Zentrales
Ergebnis der Studie ist, dass der OnlineAudiokonsum weiter stark wächst. Die Audio
Online Anbieter sind entsprechend auch mit
ihren Abrufzahlen zufrieden oder sogar sehr
zufrieden; das sagen immerhin 71 %. Hintergrund dieser wachsenden Online Audio
Nutzung ist auch eine Professionalisierung
der Angebote, z.B. wurden wichtige Schritte
auf dem Weg zu einer einheitlichen Reichweitenmessung unternommen. Die größten
Treiber für Online Audio sind weiterhin die
rasant steigende Verbreitung von Smartphones und Tablets in Verbindung mit einer
wachsenden Verfügbarkeit von schnellen
mobilen Datenverbindungen. Viele WebradioAnbieter glauben, dass diese Entwicklung
bis 2015 durch mobiles Breitband und LTE
weiter beschleunigt wird. Bereits heute erfolgt
ein Drittel aller Abrufe von Online-Audioangeboten über mobile Endgeräte. Diese Faktoren
führen dazu, dass auch die Brutto-Werbeumsätze voraussichtlich stark wachsen
werden. So wird für 2015 eine Steigerung
der Bruttoinvestitionen in Audiostream-Werbung um über 50 % prognostiziert. Das zeigt,
dass alle Radioanbieter gut beraten sind,
sich auch online gut aufzustellen. Die gesamten Ergebnisse des Webradiomonitors wird
es auf den Münchner Medientagen geben.
FOTOGALERIE
Bayern gilt auch beim Thema Digitalradio seit vielen Jahren als ein Vorreiter.
Welche Entwicklungen erwarten Sie
künftig und was ist im Hinblick auf die
letzte Funkanalyse Bayern noch zu tun?
Wir werden sowohl die regionalen Netze als
auch das landesweite DAB-Netz im kommenden Jahr weiter ausbauen. Was das landesweite Netz 12D angeht, ist eine weitere
Inbetriebnahme eines Senders und Leistungserhöhungen bestehender Sender geplant. Auch in den lokalen DAB-Versorgungsgebieten wird sich im kommenden Jahr
einiges tun. Auch hier sind neue Inbetriebnahmen geplant. In Zukunft sollen alle Regionalnetze mit zwei Sendern versorgt werden.
Zudem denken wir aktuell über Kooperationen mit dem BR nach bzgl. einer gemeinsamen Ausbaustrategie und Kapazitätsnutzung für DAB in den nächsten Jahren.
Große Veränderungen stehen auch in der
Fernsehterrestrik mit der Migration auf
DVB-T2 bevor. Wird Bayern den ambitionierten Einführungs-Zeitplan des Bundes
einhalten und gibt es noch Frequenzabstimmungsbedarf mit den Nachbarländern Österreich und Tschechien?
Auch in Bayern werden die DVB-T2-Ausstrahlungen parallel zu den anderen Gebieten im Bundesgebiet voraussichtlich ab
2016 beginnen. Nachdem bisher schon in
Bayern terrestrische DVB-T Nutzungen
vorhanden waren, besteht kein frequenztechnischer Engpass und zusätzlicher
Abstimmungsbedarf mit den Nachbarstaaten. Es ist davon auszugehen, dass alle in
Bayern geplanten DVB-T2-Standorte
(Augsburg, Würzburg, Nürnberg, Regensburg und München) parallel mit den anderen Standorten im Bundesgebiet in Betrieb
gehen können.
Seite 7
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
BAYERNSPEZIAL // BAYERNSPEZIAL // BAYERNSPEZIAL //
Der Sonderteil BAYERNSPEZIAL entstand in
Kooperation mit der BLM
Kolumne
FOTO
Das Radio braucht auch weiterhin die Terrestrik
Broadcast vs. Broadband - BLM empfiehlt Multichannel-Strategie mit DAB+
Technische Kolumne von Reiner Müller, Bereichsleiter Technik der BLM
Zu seinem 90. Geburtstag erfreut sich der
Hörfunk in Bayern größter Beliebtheit. Mit
einer leichten Zunahme der täglichen Hördauer auf 215 Minuten kann sich Radio als
ältestes elektronisches Medium auch im
Jahr 2014 erfolgreich gegen die Konkurrenz aus Internet und Fernsehen behaupten. Selbst das junge Publikum schätzt den
Hörfunk als schnelles und zuverlässiges
Medium, das jederzeit und überall verfügbar ist.
Für die Verbreitung und den Empfang von
Radioprogrammen ist die terrestrische
Verbreitung heute und auch künftig unabdingbar. Radio als Überall-Medium
braucht terrestrische Infrastrukturen. Bei
der terrestrischen Verbreitung von Radioprogrammen ist insbesondere der Long
Tail von Programmangeboten zu berücksichtigen. Denn daraus ergibt sich die
grundsätzliche Frage, inwieweit eine hohe
bzw. eine geringe Nutzerdichte für das jeweilige Hörfunkangebot vorliegt. Eng damit
verknüpft ist hierbei die Fragestellung:
Welche terrestrische Übertragungstechnologie ist für den jeweiligen Programm- und
Programmangebote im Long Tail und terrestrische Übertragungstechniken
Broadcast
Broadband
tägliche Nutzerreichweite
DAB+
UKW
DRM+
UMTS
T
DMB
M
DVB-T
WLAN
DVB-H
DSL
LTE
long tail
Anzahl an Programmangeboten
top 10
top 100
hohe Nutzerdichte
top 1.000
geringe Nutzerdichte
Für die TOP 100 Angebote im Long Tail eignen sich Broadcast- Übertragungstechnologien besser als Broadband-Technologien.
Umgekehrt sind für Angebote ab der Mitte des Long Tail (TOP 200 und größer) wohl eher Broadband Übertragungstechnologien
geeignet
Seite
Seite88
Versorgungsauftrag aus technisch – wirtschaftlicher Sicht am besten geeignet.
Dabei gilt es nicht zuletzt, den künftigen
Infrastruktureinsatz hinsichtlich seiner
Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Tragfähigkeit, wie auch sozialer Verträglichkeit und
politischer Umsetzbarkeit im Vorfeld sehr
konkret und nachvollziehbar zu prüfen und
für anstehende Entscheidungen zu bewerten. Die Landeszentrale hat daher gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk im
März 2014 die Technische Universität München beauftragt, in einem Gutachten einen
Kostenvergleich zwischen DAB+ und LTE
zu ziehen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Radioversorgung mittels LTE ein Vielfaches der
Kosten einer DAB+ Versorgung erzeugen
würde.
Für eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung des Hörfunks in Bayern setzt die
BLM daher auch aus diesem Grund gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen
Rundfunk in den nächsten Jahren auf einen
beschleunigten Migrationsprozess von
UKW nach DAB+. Eine Zusatzversorgung
für terrestrisches Radio via LTE ist dabei
nicht ausgeschlossen. Vielmehr gilt der
Blick verstärkt auch hybriden Empfangsmöglichkeiten. So sieht die BLM im Einsatz
von hybriden Empfängern, beispielsweise
durch den Einbau des Multinorm-Eurochips
oder die Kombination von Rundfunksignalen und Internetinhalten mittels RadioDNS,
eine große Chance für Anbieter und Nutzer
von privatem Hörfunk für einen bruchfreien
Übergang von analoger zu digitaler terrestrischer Radioübertragung. Für die Anbieter
von Hörfunkangeboten empfiehlt die BLM
für eine zukunftsfähige technische Verbreitung mehr denn je auf eine erfolgreiche
Multi-Channel-Strategie zu bauen, die für
die technische Versorgung bei hoher
Nutzerdichte (Massenempfang) bewusst
auf den Einsatz von Digitalradio mit DAB+
setzt, da es hierzu für die nächsten 15 Jahre bislang keine absehbare wirtschaftlich
und technisch günstigere Alternative gibt.
Nischenangebote, wie beispielsweise auch
Subchannels, mit geringer Nutzerdichte
können dagegen parallel oder auch nur via
Internet wirtschaftlich sinnvoll verbreitet
werden.
//
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
REAKTIONEN
Bericht
DAB+ Autoreport 2014:
Skoda gewinnt Digitalradio-Ranking
Volkswagen gleich mit drei Marken ganz vorn mit dabei
Prof. Dr. Dr. Birgit Spanner-Ulmer, Produktionsund Technikdirektorin des BR auf der IFA 2014
Beim ersten Digitalradio-Ranking aller auf
dem deutschen Markt vertretenen PKWMarken hat sich Skoda als Sieger durchgesetzt. Das geht aus dem DAB+ Autoreport
2014 hervor, der jetzt erschienen ist. Skoda
erreichte sowohl in der Gesamtwertung, als
auch in den Einzelkategorien „Planungen
der Hersteller“ und „Verkaufsranking“ jeweils die höchste Punktzahl.
Den zweiten Platz in der Gesamtrangliste
belegt VW. Den dritten Platz teilen sich
gleich vier Marken. Dort landeten der japanische Hersteller Honda sowie die britischen
Exklusivmarken Rolls-Royce, Bentley und
Aston Martin. Als Konzern präsentiert sich
VW innerhalb der Rangliste besonders
stark. Mit den Marken Bentley, Skoda und
VW sind gleich drei Marken des Wolfsburger Unternehmens auf dem Siegerpodest vertreten.
Für Martin Richter, Leiter Entwicklung Interaktive Elektrik/Elektronik bei ŠKODA AUTO
a.s. macht Skoda beim Thema DAB+ im Auto
vieles besser als andere PKW-Hersteller.
Wie Richter sagte, „nutzen wir beim Thema
DAB+ im Auto fast jeden Mehrwert und beschränken uns bei unseren DigitalradioEndgeräten nicht nur auf den Bereich Audio“.
„Vielmehr“, so Richter weiter, „können, die
von uns angebotenen DAB+ Autoradios
auch Senderbilder, Slideshows, und ergänzende Informationen in Textform ausspielen
und darstellen“. Nach Ansicht Richters führt
zudem – nach der erfolgreichen Fernsehdigitalisierung – nichts an der Rundfunkdigitalisierung „als logischen Schritt“ vorbei.
„Wir wollen unseren Kunden auch im Fahrzeug höhere Audioqualität, Programmvielfalt und zusätzlichen Informationen anbieten“,
so der Entwicklungsleiter bei Skoda.
Alf Pollex – Leiter Connected Car und Infotainment bei VW „sieht DAB+ als Evolutions-
schritt im Rahmen des klassischen Radiohörens“. Nach Aussagen Pollexs konzentriert
sich VW schon heute auf eine nahtlose und
komfortable Integration von Digitalradio in die
vorhandenen Infotainmentmodule. Zudem
böte gerade die Vernetzung von DAB+ mit der
Außenwelt durch Onlinedienste weitere Möglichkeiten für attraktive Services, so Pollex.
Den DAB+ Autoreport des Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk hat die
Produktions- und Technikdirektorin
des BR als klare Handlungsempfehlung begrüßt, da er die Lücke zwischen
Inhalteanbietern, Politik, Endgeräteindustrie und Automobilherstellern
schließt. Dieser würde erstmals empirisch untermauern, dass die Automobilindustrie künftig bereit ist, mehr
für den Erfolg von Digitalradio zu investieren.
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Mit dem Digitalradio-Ranking liegt erstmals
eine unabhängig von der Industrie erstellte
Rangliste vor, die darüber Auskunft gibt,
welche Stellung das Thema DAB+ in der
Automobilbranche hat. Das Ranking ist
Bestandteil des vom Meinungsbarometer
Digitaler Rundfunk herausgegebenen
DAB+ Autoreports Deutschland 2014. Der
DAB+ Autoreport ist drei Jahre nach dem
Start von Digitalradio die erste umfassende
Branchenumfrage zu DAB+ Strategien der
Autoindustrie. Darin hat das Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk alle relevanten
in Deutschland verkäuflichen PKW-Automarken nach ihrem DAB+ Engagement
befragt. Aufgeschlüsselt nach Marken berichtet der DAB+ Autoreport über den Ausstattungsgrad mit DAB+ Empfängern, über
Kundeninteresse, Verkaufserfolge und
Prognosen. Er blickt voraus auf die noch in
diesem Jahr geplanten Marketingmaßnahmen der einzelnen Marken. Der DAB+ Autoreport ist ein wichtiges Instrument für Politik, Wirtschaft und Medien für die jetzt
anstehenden Entscheidungen zur weiteren
Einführung von Digitalradio.
Der DAB+ Autoreport Deutschland ist jetzt
als 80-seitige Ausgabe erschienen und kann
im Internet auf meinungsbarometer.info
oder über marquardt@meinungsbarometer.
info kostenpflichtig bestellt werden.
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MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
Bericht
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Scharfe Kritik am geplanten DVB-T2-Umstieg
©contrastwerkstatt - Fotolia.com
Oberste deutsche Verbraucherschutzbehörde fordert 12-monatige
Simulcastphase pro Umstellungsgebiet
Mit harscher Kritik hat die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf das Vorhaben der Bundesregierung reagiert, den
Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 ohne Simulcastphase durchführen zu wollen.
Nach Ansicht eines Sprechers der vzbv im
Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk
schlägt die Bundesregierung damit eine
„Loose-loose-Lösung“ vor. „Die 450 Millionen, die nach Schätzung der Bundesnetzagentur bei einer Versteigerung der 700-MHzFrequenzen hereinkommen, bringen den
Breitbandausbau nicht voran. Zugleich wird
damit jedoch ein erfolgreicher Umstieg auf
DVB-T2 verunmöglicht“, so der Sprecher.
Nach Ansicht der obersten Verbraucherschutzbehörde in Deutschland wäre zudem
eine mindestens 12-monatige Simulcastphase pro Umstellungsgebiet erforderlich.
Wie der Sprecher des vzbv im Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk sagte, „darf eine
Freigabe der Frequenzen für den Mobilfunk
erst dann erfolgen, wenn die Umstellung auf
DVB-T2 im ganzen Bundesgebiet vollzogen
wurde“. Zudem hegt der vzbv Zweifel daran,
dass ab 2016 ausreichend DVB-T2-Endgeräte am Markt verfügbar sein werden, die den
neuen HEVC-Codec unterstützen.
Beistand erhalten die Forderungen der Bundesverbraucherzentrale auch von den Programmverantwortlichen. So hatte Dr. Uwe
Ladebusch, Leiter der Planungsgruppe Rund-
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funkversorgung beim NDR, bereits im August
im Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk
darauf hingewiesen, dass die 700- MHz-Frequenzen, die der Bund frühzeitig versteigert
haben will, nicht nur für die Dauer des Simulcast-Betriebs in Deutschland, sondern auch
während der Umstellungsphase im benachbarten Ausland noch gebraucht wird. Wie
Ladebusch sagte, „müssten für eine erneute
Digitale Dividende ganz schnell Frequenzverhandlungen mit den Nachbarländern aufgenommen werden“. Allein in Dänemark
seien das 6 Multiplexe, so Ladebusch.
Mit dem harten Umstieg auf das neue Antennenfernsehen will Alexander Dobrindt,
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, die Frequenzversteigerung zugunsten des Mobilfunks bis 2016 abschließen.
Allerdings herrscht derzeit auf nationaler
Ebene noch keine Einigkeit zwischen Bund
und Ländern, um eine erfolgreiche Migration auf den neuen terrestrischen Fernsehstandard pünktlich umzusetzen. Dafür steht
derzeit noch immer der erforderliche Konsens zwischen der Bundesregierung und
den Bundesländern aus. Werde dieser Konsens zwischen Bund und Ländern in diesem Jahr nicht mehr erzielt, ist selbst nach
Ansicht der regierungsnahen Bundesnetzagentur (BNetzA) das Umstiegsszenario im
genannten Zeitplan nicht zu halten.
MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Medientage München 2014
IMPRESSUM
Interview
Digitalradio: Weitere Kampagnen in
Deutschland geplant
„Wir wollen noch vor dem Weihnachtsgeschäft die DAB+ Programmvielfalt
hervorheben“ - Marketingaktionen u.a. in Bayern und Baden-Württemberg
Michael Reichert, Leiter ARD-Projektbüro Digitalradio
Herr Reichert, Marketing ist für die Einführung von Digitalradio nach wie vor ein
wichtiger Faktor. Welche Marketing-Highlights gab es in den vergangenen Monaten
und was haben Sie mit ihnen erreicht?
Reichert: „Ich will es einfach“ – so lautete der
Slogan der größten Digitalradio-Gattungskampagne dieses Jahres, die von März bis
Juni in 33 Großstädten von NRW lief. Unser
Anspruch war es, die Bevölkerung auf die
Vielfalt der digitalen Radioprogramme aufmerksam zu machen und über die einfache
Bedienung der digitalen Geräte zu informieren. Wir haben als ARD-Projektbüro Digitalradio die Kampagne gemeinsam mit dem
WDR, den privaten Programmveranstaltern
und dem Sendenetzbetreiber Media Broadcast koordiniert. Zu sehen waren unter anderem Großflächenplakate und DigitalradioSpots über LED-Boards an zentralen Plätzen
sowie über Infoscreens an U- und S-Bahnstationen, auf Bahnhöfen und in Einkaufszentren. Insbesondere das überaus positive
Feedback des Handels zeigt, dass die Botschaft bei den Hörern angekommen ist. Weitere Aktionen hat es in diesem Jahr auch in
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
sowie im Rhein-Main-Gebiet gegeben. Dort
stand ebenfalls die Gattung Digitalradio im
Mittelpunkt. Zahlreiche Programm- und Markenkampagnen, unter anderem in BadenWürttemberg, transportierten ebenfalls das
Thema Digitalradio.
In den kommenden Wochen starten im
Süden Deutschlands mehrere Kampagnen zu Digitalradio. Welche Zielstellung
haben die Kampagnen und welche Maßnahmen sind geplant?
Die Kampagnen haben in allen Fällen das
Ziel, gerade vor dem Weihnachtsgeschäft
den Hörern die Vorteile von Digitalradio nahezubringen und die Programmvielfalt hervorzuheben. Wir werden dafür sorgen, dass der
Werbedruck durch unsere Werbemittel mög-
lichst in der Nähe der Einkaufszentren der
großen Städte entsteht. Wir wollen die Aufmerksamkeit für Digitalradio stärken, und
insbesondere auch den Handel noch intensiver informieren. Zu diesem Zweck wird die
Gattungskampagne mit On Air-Promotion in
bewährter Weise durch zahlreiche Besuche
von Handelskontaktern direkt in den Märkten
flankiert. Regionale Schwerpunkte werden –
nach bisheriger Planung – Bayern und Baden-Württemberg sein.
In Bayern stehen die allgemeinen Gattungsinformationen im Mittelpunkt verbunden mit
der Vielzahl der Programme. In Baden-Württemberg hebt die Kampagne besonders auf
den Start der privaten Sender auf DAB+ ab.
Zum 1.12. gehen hier – und das ist ein großer Meilenstein – insgesamt 12 landesweite
private Veranstalter auf Sendung. Die wichtigsten Maßnahmen in den Kampagnenregionen sind die massive Präsenz auf digitalen
Werbemitteln und Printanzeigen.
Welche Form der Kampagnenunterstützung für die Sender bietet das ARD-Projektbüro Digitalradio dabei?
In der Planungsphase bieten wir an, Mediapläne zu koordinieren und zu synchronisieren.
Dazu kommen die Entwicklung der Motive und
die Herstellung der Werbemittel wie Infofilme,
Plakatmotive und Flyer, die je nach Region die
empfangbare Programmvielfalt beinhaltet.
Inzwischen haben wir einen Baukasten entwickelt, der von Online-Bannern über Soundmaterial bis hin zu fertigen Hörfunk- und
Fernsehspots reicht. Dieses Material stellen
wir öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern gleichermaßen zur Verfügung. Damit
erreichen wir ein konsistentes Erscheinungsbild und einheitliche Botschaften.
Ziehen private und öffentlich-rechtliche
Programmanbieter gleichermaßen bei
den Kampagnen mit?
Natürlich, und das ist auch das erklärte Ziel.
Gerade bei den Kampagnen in Baden-Württemberg und Bayern stellen wir wieder fest:
Ohne die gemeinsamen Anstrengungen
beim Gattungsmarketing wären wir nicht
schon so weit gekommen und würden nie
diese Reichweite erzielen. Wir müssen bei
der Gattungswerbung an einem Strang ziehen, auch wenn die Radiosender beim Content in Konkurrenz stehen. Bei allen Motiven
der Gattungskampagnen stehen die Logos
aller Sender nebeneinander. So dokumentieren wir die neue große Vielfalt.
Herausgeber
Barthel Marquardt GbR
Ludwig-Erhard-Straße 51
04103 Leipzig
Tel: 0341-24664390
E-Mail: marquardt@barthelmarquardt.de
V.i.S.d.P.
Dipl.-Journ. Nikola Marquardt
Idee, Konzept, Projektleitung
Dipl.-Journ. Thomas Barthel
Redaktionsbüro
Barthel Marquardt
Autoren dieser Ausgabe
Thomas Barthel, Alexander Hiller,
Reiner Müller
Fotos
Seite 1:
Bayerisches Staatsministerium
für Wirtschaft und Medien,
Energie und Technologie
Seite 2: z_amir - Fotolia.com
Seite 3: Bayerisches Staatsministerium
des Innern, für Bau und Verkehr
Seite 4: ©momius - Fotolia.com
Seite 5: BR/Gerd Rüde
Seite 6/7: BLM; BLM Wellenspiegel
2012/13; BLM (Fotolia)
Seite 8. BLM
Seite 9. Skoda; ARD/rbb
Seite 10: ©contrastwerkstatt - Fotolia.com
Seite 11: ARD-Projektbüro Digitalradio
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Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk
begründet vom
Digital Radio Mitteldeutschland e.V.
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Anmeldung und Archiv
Das Meinungsbarometer Digitaler
Rundfunk kann über
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bezogen werden.
Redaktionsschluss: 13.10.2014
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Seele and Geist
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