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Die METRO
Gründerstudie
Eine Studie von METRO Cash & Carry
zu Gründungsmentalitäten von Selbstständigen
Auch online unte
r
www.metrogruenderstud
ie.de
2Editorial
Inhaltsverzeichnis 3
Sehr geehrte Damen
und Herren,
Inhalt
die Café-Betreiberin nebenan, der Imbiss-Besitzer an der Ecke, der
­Hotelier am Urlaubsort: Tag für Tag begegnet jeder von uns den selbstständigen Unternehmern in der Hotel- und Gastronomiebranche. Ohne
sie wäre das Dienstleistungsangebot in Deutschland spürbar ärmer.
Editorial............................................................................................................................................................. 2
Was treibt diese Menschen an? Was macht die Selbstständigkeit erstrebenswert? Und wie ist es insgesamt um die Gründermentalität
in Deutschland bestellt? Diese und andere Fragen haben wir uns als
Handelspartner von Unternehmern gestellt. Anlässlich des 50-jährigen
Bestehens von METRO Cash & Carry haben wir gemeinsam mit der
Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine repräsentative Umfrage
unter selbstständigen Hotel- und Gastronomiebetreibern durchgeführt.
Wir freuen uns, Ihnen heute die Ergebnisse präsentieren zu können.
Bemerkenswert sind vor allem zwei Aspekte: Da ist zum einen die sehr
hohe Zufriedenheit, die trotz vielerlei Belastungen bei den Befragten
­besteht. Die Gastronomiebranche erscheint als wahrer Glücklichmacher.
Zugleich stimmt der wachsende Fachkräftemangel nachdenklich. Die
Suche nach qualifiziertem Personal ist für viele Selbstständige die größte
unternehmerische Herausforderung. Gefragt sind flexible Arbeitszeiten
sowie eine verbesserte Ausbildung. Und nicht zuletzt müssen wir alle
die Attraktivität der Branche noch besser kommunizieren. Diese Studie
ist dafür ein erster Schritt.
Inhaltsverzeichnis............................................................................................................................................. 3
Executive Summary Von der Lust zu gründen.............................................................................................. 4–5
Die Motivation zum Gründen Selbstständigkeit? Ja, ich will!........................................................................ 6–7
Gründen in Deutschland Viele gute Gründe(r)................................................................................................... 8
Gastgewerbe als Hidden Champion............................................................................................................... 9
Bewertung der Selbstständigkeit........................................................................................................... 10–17
Gastgewerbe macht glücklich................................................................................................................. 10–11
Leidenschaft für Kunden.......................................................................................................................... 12–13
Mitarbeiter verzweifelt gesucht................................................................................................................. 14–15
Mit Optimismus in die Zukunft................................................................................................................. 16–17
Ausblick „Es ist das Beste, was wir je gemacht haben!“....................................................................................18
Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.
Studiendesign Die Studie im Überblick.............................................................................................................19
Mit freundlichen Grüßen
Impressum.......................................................................................................................................................19
Olaf Koch
CEO METRO Cash & Carry und
Vorstandsvorsitzender der METRO AG
Seite 6-7
Seite 8-9
Seite 10-11
Seite 12-13
Seite 14-15
Seite 16-17
Seite 18
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Alle Videointerview
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finden
www.metrogruenderstudie.de
Christof Wieckhorst: Erlebnisgastronom
aus Dachau
Prof. Dr. Dietmar Grichnik: Wirtschafts­
psychologe, Universität St. Gallen
Jan Nöhre: Catering-Experte
aus Köln
Stephanie Schwitzer und Johannes Rupp:
Junghoteliers aus Waldbronn
Ali Güngörmüs: Sternekoch
aus Hamburg
Ralf Schulze: Kinobetreiber und
Eisfachmann aus Beeskow
Renata und Mike Masurczak:
Bistro-Inhaber aus Düsseldorf
4Executive Summary
Executive Summary 5
Von der Lust zu gründen
Rund 14 Millionen Deutsche haben
bereits mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen. Mehr als 2 Millionen
Menschen in Deutschland träumen von einem
­eigenen Café, Bistro, Imbiss, Restaurant,
Hotel oder Catering-Betrieb.
Was motiviert Menschen, sich im Hotel- und Gastronomiebereich selbstständig zu machen? Wie sehen ihre Erwartungen
aus? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Und gibt es so etwas wie ein Erfolgsrezept für die Selbstständigkeit? Um
Antworten auf diese und andere Fragen zu erhalten, hat die GfK in unserem Auftrag eine anonyme telefonische Umfrage
durchgeführt. Ergänzend dazu haben wir Menschen befragt, die es wissen müssen: Selbstständige aus den Branchen
Hotel, Restaurant, Café/Bar, Catering und Imbiss. Hier die wichtigsten Antworten in Kürze.
„Gründer- und Unternehmerpotenzial stecken in jedem von uns.“
der Selbstständigen ist es wichtig,
neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Prof. Dr. Dietmar Grichnik, Professor für Entrepreneurship,
Universität St. Gallen
„Den Menschen hier in der Region sichere
Jobs zu geben, ist mir viel wert. Denn
ohne sie wären wir nicht so erfolgreich.“
Ralf Schulze, „Ice Guerilla“
„Mein Job macht Spaß: Ich kann
mich immer wieder neu
erfinden, niemand redet mir
rein, und dann ist da noch
der wirtschaftliche Reiz.“
Jan Nöhre, „Catalogna Cologne Catering“
77 %
der Selbstständigen im Gastronomiebereich sind (sehr) zufrieden mit
ihrem Beruf.
65 %
der Befragten würden sich erneut
für eine Selbstständigkeit in der
Gastronomie entscheiden.
„Es ist das Beste, was wir je
­gemacht haben! Arbeiten als
­Angestellte können wir uns nicht
mehr vorstellen.“
Renata und Mike Masurczak, „dreiRaum“
„Es ist nicht leicht, qualifizierten
Nachwuchs zu gewinnen und
von den Vorteilen der Branche
zu überzeugen.“
„Leidenschaft für den Kunden, Kreativität
und der Wunsch nach Unabhängigkeit sind die
drei wichtigsten Kriterien, die man als Selbstständiger mitbringen muss.“
Johannes Rupp und Stephanie Schwitzer, „Schwitzer’s Hotel am Park“
Ali Güngörmüs, „Le Canard nouveau"
Der Mangel an qualifizierten
Fachkräften ist für
79 %
der Befragten das größte Problem
in ihrer Selbstständigkeit.
Gastronomiegründer wollen vor allem
ihre eigenen Ideen verwirklichen.
87 %
der Neuunternehmer sagen: „Ich
wollte unabhängig sein.“
der Befragten bestätigen „eine große
Leidenschaft“ für das Geschäft.
„Nach acht Jahren Arbeit für einen Brauereikonzern wollte ich selbst gestalten und entscheiden
und meine eigenen Ideen erfolgreich umsetzen.“
Christof Wieckhorst, „Luja“
6Die Motivation zum Gründen
Die Motivation zum Gründen 7
Selbstständigkeit? Ja, ich will!
Das eigene Café im Viertel, das kleine Hotelrestaurant im Ort, der Catering-Service für die Region: So unterschiedlich die
Träume von der Selbstständigkeit im Hotel- und Gastronomiebereich sind, so ähnlich sind die ideellen Motive. Gründer
wollen selbst gestalten und entscheiden und so ihre eigenen Ideen erfolgreich umsetzen. Dabei haben sie in erster Linie das
Wohl ihrer Kunden und Gäste im Blick.
Diese Grundhaltung zeigt sich bei der
Frage nach der Motivation für die Selbstständigkeit: 87 Prozent der Neuunternehmer betonen den Wunsch nach Unabhängigkeit, der Aussage „Ich wollte etwas
Eigenes aufbauen“ stimmen 82 Prozent
zu. Insgesamt scheint das Vertrauen in die
eigenen Ideen und Fähigkeiten bei Gründern im Gastronomiegewerbe besonders
stark ausgeprägt zu sein. 88 Prozent glauben an ihren beruflichen Erfolg.
Mut, den Traum wahr werden zu lassen
Doch nicht nur die Vorstellung von Un-
abhängigkeit und Selbstverwirklichung
motiviert die Gründer. Ihren Wunsch,
­
Chef im eigenen Laden zu sein, verbinden
sie mit der Bereitschaft, eine Führungsfunktion zu übernehmen. „Ich wollte
­etwas Eigenes auf die Beine stellen und
beweisen, dass ich in der Gastronomie
gut aufgepasst habe“, formuliert es der
Erlebnisgastronom Christof Wieckhorst
im Interview.
Nicht zuletzt ist es oft die Familientradition, die vielen Gründern spontan als
Motiv für die Selbstständigkeit einfällt:
65 %
­ esonders im Hotelgewerbe ist es an
B
der Tagesordnung, dass ein Familienmitglied als Nachfolger den Betrieb weiterführt.
Gemeinsinn statt Eigensinn
Ein weiteres Ergebnis der Studie lautet:
„Ich-bezogene“ Faktoren wie das Verlangen nach gesellschaftlicher Anerkennung
oder danach, „in“ zu sein, haben als M
­ otiv
für die Selbstständigkeit weniger Gewicht.
Der Aussage „Ich wollte bekannt werden“
stimmen nur 28 Prozent der B
­ efragten zu.
Erklärtes Ziel vieler Existenzgründer ist
der Gründer
wollen andere
glücklich
machen.
„Ich mache das, weil ich weiSS, was der Gast will.“
Christof Wieckhorst, Inhaber Erlebnisgastronomie „Luja“, Dachau, selbstständig seit 2014
Herr Wieckhorst, was ist das Besondere an Ihrer Gastwirtschaft „Luja“? Was hat Sie inspiriert?
Ich habe acht Jahre lang Großgastronomen für einen
­Brauereikonzern betreut. Dabei drängte sich mir die Frage
auf: Warum wird das Bier nicht dort ausgeschenkt, wo
es getrunken wird? So entstand die Idee fürs „Luja“,
eine ­Erlebnisgastronomie, wo der Gast selbst zapft –
am Tisch und aus einer ­modernen Anlage.
Welche anderen Gründe gab es, sich selbstständig zu
machen?
Ich wollte etwas Eigenes auf die Beine stellen und beweisen,
dass ich in der Gastronomie gut aufgepasst habe. Kurz: Ich
mache das, weil ich weiß, was der Gast will.
es außerdem, etwas für die Allgemeinheit
zu tun. Bei jüngeren Betrieben, die weniger als fünf Jahre bestehen, äußert gut
die Hälfte der Befragten diesen Wunsch.
Dazu passt auch eine andere Zahl: Mehr
als 70 Prozent aller Befragten möchten
Verantwortung für sich selbst und andere
Ist der Wille des Kunden auch der zentrale Schlüssel zum
Erfolg der Selbstständigkeit?
Absolut, man muss schon auf den Gast eingehen. Denn es
läuft nicht, einfach zu sagen, das Bier kostet drei Euro, so wie
nebenan.
„Ich wollte unabhängig und beruflich erfolgreich sein“:
Sind das auch Ihre Hauptmotive für die Selbstständigkeit?
Ja, rentieren soll sich das Ganze aber auch. Denn mit einem netten Konzept in Schönheit zu sterben – das zahlt sich nicht aus.
Was sind für Sie die größten Herausforderungen beim
Gang in die Selbstständigkeit?
Bei uns in Deutschland ist das sicher die Bürokratie.
­Berufsgenossenschaften, Fettabscheider, Leitungsreiniger:
übernehmen. In ihrer Funktion als Selbstständige wollen viele eine Art Vorbild sein,
und sie wollen nicht zuletzt eines: andere
glücklich machen (65 Prozent).
Eine weitere Motivation für Unternehmer im Gastgewerbe ist der Wunsch, mit
88 %
wollen beruflich
erfolgreich sein.
71 %
wollen für sich und
andere Verantwortung
übernehmen.
Wussten Sie ...
lg
... dass für Männer der berufliche ­Erfo
en?
Frau
für
als
eine größere Rolle spielt
91 %
82 %
dem eigenen Betrieb auch einen Ort der
Zusammenkunft zu schaffen. Mehr als
60 Prozent der Gründerinnen sehen ihr
Café, Restaurant oder Hotel nicht zuletzt
als gesellschaftlichen Treffpunkt an und
schaffen so mit eigenen Ideen auch einen
Nutzen für andere.
28 %
wollen bekannt
werden.
Sehen Sie im V
ideo,
warum im Gas
thaus „Luja“
das ­bayrische B
ier direkt am
Tisch gezapft
wird.
www.metrogruenderstud
ie.de
Der Neugründer
Acht Jahre lang betreute der Norddeutsche
Christof Wieckhorst in Bayern Groß­
gastronomen für einen Brauereikonzern –
dann wagte er den Schritt in die Selbst­
ständigkeit. Im März 2014 eröffnete er in
Dachau die Erlebnisgastronomie „Luja“.
Ich hätte nicht gedacht, um was man sich anfangs alles
kümmern muss.
Stimmt es, dass es immer schwieriger wird, gutes
Personal zu finden?
Es ist nicht einfach, aber es gibt Faktoren, die die Suche
erleichtern. Beispiel Infrastruktur: Wenn man wie hier den
Bahnhof gegenüber hat, kommt das Personal einfacher zur
Arbeit.
Wie wichtig ist ein verlässlicher Lieferant in der
Gastronomie?
Sehr wichtig. Idealerweise deckt ein Lieferant das komplette
Sortiment ab. Den kann ich anrufen, ich weiß, dass ich alles
bei ihm bekomme – und das zu fairen Preisen.
Vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrung: Welchen Tipp geben
Sie Gründern im Gastgewerbe?
Arbeiten Sie mit Herzblut, finden Sie ein Alleinstellungsmerkmal und schaffen Sie einen Erlebnisfaktor. Einfach nur Essen
und Trinken verkaufen, das machen schon zu viele andere.
8
Gründen in Deutschland
Gastgewerbe als Hidden Champion
Viele gute Gründe(r)
Nahezu jeder fünfte Bundesbürger hat bereits mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen. Mehr als
zwei Millionen Menschen in Deutschland träumen von einem eigenen Café, Bistro, Imbiss, Restaurant oder Catering-Betrieb.
Der Traum von der Selbstständigkeit – rund
14 Millionen Deutschen ist er gut bekannt.
„Ein ordentlicher Wert“, urteilt Prof. Dr.
Dietmar Grichnik, Professor für Entrepreneurship und Direktor des Instituts für
Technologiemanagement an der Universität St. Gallen: „International bewegen wir
uns damit im Mittelfeld, vergleichbar mit
unseren europäischen Nachbarn.“
Großes Gründerpotenzial
Was viele bereits ahnen: Das Gastronomiegewerbe zählt zu den drei beliebtesten
Gründerbranchen – auf Augenhöhe mit
Handwerk und Handel beziehungsweise Einzelhandel. Mehr als zwei Millionen
Menschen würden sich für einen gastronomischen Betrieb entscheiden, wenn sie
sich selbstständig machen.
Doch wie ernsthaft und konkret sind die
Überlegungen der 14 Millionen potenziellen Gründer? Das Ergebnis der Studie:
Für rund 40 Prozent der Menschen ist
der Schritt in die Selbstständigkeit nicht
nur graue Theorie, sondern eine realistische Option. Experten sagen dazu:
Sie besitzen eine wahre Gründungsmentalität.
69,6
2013
Umsatz im Gastgewerbe
2009
63,9
Mrd. Euro
(netto)
Mrd. Euro (netto)
Der GründerExperte
Gründungsmentalitäten sind sein Fachgebiet: Prof. Dr. Dietmar Grichnik ist Inhaber
des Lehrstuhls für Entrepreneurship und Direktor des Instituts für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen
unternehmerisches Entscheiden und Handeln sowie Fragen der Gründungsfinanzierung. Er ist Autor von fünf Büchern und mehr als 200 Fachartikeln zum Thema
Unternehmertum.
„Gründer- und Unternehmerpotenzial stecken in jedem von uns.“
Prof. Dr. Dietmar Grichnik, Professor für Entrepreneurship
und Direktor des Instituts für Technologiemanagement an der
Universität St. Gallen
Herr Professor Grichnik, 17 Prozent der Deutschen
haben bereits mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen. Wie beurteilen Sie als Gründungsexperte diesen Wert?
17 Prozent sind ein ordentlicher Wert, international bewegen
wir uns damit im Mittelfeld, vergleichbar mit unseren europä­
ischen Nachbarn. Ich persönlich würde es natürlich begrüßen,
wenn die Zahl noch weiter zunimmt.
Bedarf es bestimmter Fähigkeiten, um Erfolg als Selbstständiger zu haben?
Ja, aber Gründer- und Unternehmerpotenzial stecken in jedem
von uns. Plakativ formuliert: Unternehmer werden gemacht –
aber nicht geboren. Neben den Fähigkeiten sind vor allem die
Rahmenbedingungen entscheidend.
Was bewegt Menschen dazu, sich selbstständig zu
machen – und was hält sie davon ab?
Da ist einerseits der Wunsch nach beruflicher Unabhängigkeit, die Bereitschaft, unternehmerische Verantwortung zu
übernehmen, oder auch der Wille, etwas Eigenes aufzubauen.
Auf der anderen Seite bildet die Angst vor dem Scheitern –
gerade in Deutschland – eine hohe Hürde. Was in den USA
positiv als Sammeln von Erfahrung bewertet wird, gilt hierzulande oft noch als Makel.
77 Prozent der befragten Selbstständigen sind zufrieden
mit ihrem Beruf. Was gibt den Ausschlag dafür?
Unabhängigkeit ist ein entscheidender Faktor für Zufrie­
denheit und Glück des Menschen. Hinzu kommt die
sogenannte Selbstwirksamkeit: Durch die Reaktion seiner
Kunden erfährt der Unternehmer unmittelbar: „Mein Handeln bewirkt etwas.“ Diese beiden Kriterien sind Gründern
oft wichtiger als die Aussicht, das schnelle, große Geld zu
verdienen.
Welchen Rat geben Sie künftigen Gründern?
Sagen Sie die Zukunft nicht voraus – gestalten Sie sie selbst!
Verfolgen Sie Ihre Idee, tauschen Sie sich mit anderen aus
und setzen Sie sich Limits: Wie viel Zeit und Geld kann ich
investieren, bis sich Erfolg einstellt? Das alles macht unternehmerische Risiken besser kalkulierbar.
2013
Umsatz nach
Betriebsart
Restaurant,
(Schank-)Wirtschaft
Hotel / Pension /
Gasthof
38,6
24,1
Mrd. Euro
Mrd. Euro
CateringBetriebe
6,9
Mrd. Euro
Anzahl der Arbeitnehmer im Gastgewerbe
2009
2013
1.688.000
1.762.000
Offene Stellen in Hotellerie und Gastronomie
2009
3.851
2014
Quellen: DEHOGA Bundesverband, Bundesagentur für Arbeit
4.873
10 Bewertung der Selbstständigkeit
Gastgewerbe macht glücklich
Stress, Sorgen, ausbleibende Gäste – stimmt das Bild, das Promi-Köche und Restauranttester in zahlreichen TV-Formaten
von der Arbeit selbstständiger Gastronomen zeichnen? Die vorliegende Umfrage zeigt etwas anderes: Mehr als drei Viertel
(77 Prozent) der Unternehmer sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer Selbstständigkeit – und würden sich
jederzeit erneut dafür entscheiden.
Die befragten Existenzgründer im Gastgewerbe sind im hohem Maße glücklich
mit ihrer aktuellen Situation. Die besten
­Umfragewerte liefern die Betreiber von Bars
und Cafés, hier sind 84 Prozent ­zufrieden
beziehungsweise sehr zufrieden. Selbst
beim Schlusslicht in dieser Kategorie,
dem Catering-Gewerbe, sind es noch
70 Prozent. Insgesamt gilt: Der Wohlfühlfaktor ist hoch. Für Selbstständige bietet
die Branche – im Gegensatz zu gängigen
Klischees – häufig Glück und Erfüllung.
Arbeit und die Branche schätzen, zeigen
auch folgende Ergebnisse: Befragt, ob
sie sich erneut für eine Selbstständigkeit
im Gastgewerbe entscheiden würden,
antworten knapp zwei Drittel (65 Prozent­
der Studienteilnehmer mit Ja. Bei Hoteliers sowie Betreibern von Pensionen
und Gasthöfen würden 70 Prozent erneut diesen Schritt wagen. Die geringste
Zustimmung kommt von Imbiss-Betreibern, doch auch hier sind es mehr als die
Hälfte (55 Prozent).
Beim nächsten Mal? Würde es die
Mehrheit genauso wieder machen!
Wie stark die meisten Unternehmer ihre
Auffällig: Im Fall einer erneuten Unternehmensgründung im Gastgewerbe
sähe die Mehrheit von 54 Prozent keinen
77 %
Anlass zu einer Veränderung. Die Überzeugung „Ich würde alles genauso wieder
machen“ ist bei den einzelnen Betriebs­
arten allerdings unterschiedlich stark
ausgeprägt: Während bei den Im­
bissBetrieben drei von vier Unternehmern
keinen Anlass sehen, etwas anders
zu machen, erkennen 38 Prozent der
Catering-Betreiber auch Verbesserungs­
­
potenzial. „Ich bin zufrieden und würde
deshalb nicht vieles anders, aber m
­ anches
besser machen“, bringt es Jan Nöhre,
Geschäftsführer von „Catalogna Cologne
Catering“, im Interview auf den Punkt.
der Unternehmer
im Gastgewerbe
sind (sehr) zufrieden mit ihrer
Selbstständigkeit.
„Ich bin kreativ und niemand redet mir rein.“
Jan Nöhre, Geschäftsführer „Catalogna Cologne Catering“, Köln, selbstständig seit 2006
Herr Nöhre, die Anfänge Ihres Unternehmens liegen
in einer Garage?
Ja, das stimmt. Im Juni 2006 haben Tim Endert und ich quasi
bei null angefangen. Wir hatten nur die eine Idee: das perfekte
„Flying Buffet“ zu schaffen. Also gründeten wir „Catalogna
Cologne Catering“ und bauten eine Website, auf der sich die
Kunden ihr Buffet selbst zusammenstellen konnten. Als Küche
diente uns damals tatsächlich eine Garage.
Wie lange ließ der Erfolg auf sich warten?
Unser Anfang als Caterer war zäh, wir mussten ja alles selbst
machen. Erst nach zwei Jahren gab es die ersten Erträge, die
wir sofort reinvestiert haben. Doch die Mühe hat sich gelohnt:
Heute machen wir 4.000 Veranstaltungen im Jahr, von acht
Personen und Mittagsbuffet bis hin zu Großveranstaltungen
mit Spitzengastronomie für 3.000 Teilnehmer.
Sie haben sich sehr früh selbstständig gemacht, was gab
den Ausschlag dafür?
Ich war 21 und Koch in einem Sternerestaurant. In der
Spit­zengastronomie sah ich angestellte Küchenchefs, die
waren älter als 50 und mussten für gutes Geld 18 Stunden
am Tag ­arbeiten. Ehrlich gesagt: Diese berufliche Perspektive
schmeckte mir nicht.
Weshalb haben Sie kein eigenes Restaurant, sondern ein
Catering-Unternehmen gegründet?
Es fehlte einfach an Geld. Für ein Restaurant brauchen Sie
vom ersten Tag an neben Küche und Geschirr auch einen
gut gestalteten Raum. Uns reichte anfangs eine Küche, alles
andere bezogen wir über Dienstleister.
Bewertung der Selbstständigkeit 11
Wie zufrieden sind selbstständige Unternehmer im Hotel- und
Gastronomiebereich? (Angaben in Prozent)
20
54
21
14
59
19
9 9
65
24
25
Sehr zufrieden Zufrieden 10
45
10 Weder zufrieden noch unzufrieden Weniger zufrieden Wussten Sie ...
... dass Männer sich
deutlich öfter als
Frauen wieder für eine
Selbstständigkeit im
Gastgewerbe ­entscheiden
würden?
70 %
5 7
54
5 3 6 9
10 15 Restaurant/(Schank-)Wirtschaft
Hotel/Pension/Gasthof
Café/Bar/Eiscafé
2 Imbiss-Betrieb
Catering-Betrieb
Unzufrieden
Sehen Sie
im Video,
wieso best
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n „Catalogna Colo
gne“ ein M
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rogruender
studie.de
53 %
Der Erfahrene
Jan Nöhre gründete 2006
„Catalogna Cologne Catering“.
Der gelernte Koch und sein Team
stehen für kreatives und hochwertiges Catering aus professioneller Hand. Arbeitsschwerpunkte
sind gehobene Events und
­Veranstaltungen in NRW.
65 Prozent der Befragten würden sich erneut für die
Selbstständigkeit im Gastgewerbe entscheiden. Sie auch?
Ja, denn ich bin zufrieden und kreativ und niemand redet
mir rein. Ich würde auch nicht vieles anders, aber manches
besser machen. Wir mussten reichlich Lehrgeld zahlen, weil
manche Konzepte nicht bis ins Detail durchdacht waren.
So haben wir anfangs beispielsweise nur mit hochwertigem
Geschirr gearbeitet. Jetzt, wo ich weiß, dass Scherben
beim Catering unvermeidbar sind, empfehle ich meist
günstigeres Geschirr, das ähnlich gut aussieht.
Wie lautet Ihr Erfolgsrezept für die Selbstständigkeit im
Gastgewerbe?
Arbeit, Arbeit, Arbeit – und ein langer Atem. Seien Sie ehrgeizig, engagiert und kundenfreundlich. Denn der Kunde bezahlt
Ihre Miete und füllt Ihren Kühlschrank!
12 Bewertung der Selbstständigkeit
Leidenschaft für Kunden
Bewertung der Selbstständigkeit 13
Ich trage selbst die Verantwortung für das, was ich tue.
75 %
Ich bekomme unmittelbares
Feedback von meinen Gästen.
90 %
88 %
88 %
90 %
Ø 89 %
65 %
60 %
77 %
72 %
72 %
Ø 70 %
85 %
83 %
88 %
90 %
83 %
35 %
64 %
54 %
53 %
59 %
Meine Rentabilität, mein
finanzieller Gewinn
Ich kann kreativ sein.
Die
Teamgründer
95 %
95 %
88 %
89 %
Den Studienteilnehmern ist es wichtig,
neue Stellen anzubieten: „Es war immer
unser Anspruch, Arbeitsplätze in der
Region zu schaffen. Heute stammen
80 Prozent des Personals hier aus der
Gegend“, sagt Hotelmanager Johannes
Rupp im Interview.
Ø 57 %
Auch die gesellschaftliche Verantwortung
liegt den Befragten am Herzen.
Ø 90 %
95 %
85 %
... dass es Hotel­betreibern
wichtiger als anderen
Selbstständigen im
Gastro­bereich ist,
­ rbeiten?
innovativ zu a
95 %
95 %
Im Einsatz für die Gemeinschaft
94 Prozent der Befragten ist es wichtig,
dass sie für ihr Handeln einstehen können.
Auch der tägliche Umgang mit Menschen
ist ein wesentlicher Aspekt. Beispiel
Hoteliers: 68 Prozent bewerten ihre Selbstständigkeit positiv, weil ihre Arbeit von den
Kunden „geschätzt und anerkannt“ wird.
95 %
Wussten Sie ...
Betrieb besteht: Die positiven Seiten bewerten Jungunternehmer ähnlich wie die
alten Hasen der Branche.
Ø 94 %
Die große Mehrheit der selbstständigen
Unternehmer in Hotellerie und Gastronomie ist von ihrer Arbeit überzeugt. Knapp
90 Prozent der Befragten bestätigen „eine
große Leidenschaft“ für das Geschäft.
Diese Passion hilft ihnen auch, mit den
Herausforderungen ihrer Arbeit fertigzu­
werden. Die eigenen Ideen umzusetzen,
kreativ und innovativ sein zu können,
zählen ebenfalls zu den positiven Aspekten der Selbstständigkeit. Dabei macht
es kaum einen Unterschied, wie lange ein
Ø 85 %
Engagiert, kreativ, begeisternd: So lassen sich Selbstständige im Hotel- und Gastronomiebereich charakterisieren. Die
Gründer schätzen die Gestaltungsfreiheit bei ihrer Arbeit, sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst – und
bewerten das direkte Feedback ihrer Kunden als besonders positiv.
93 %
Was ist an der Selbstständigkeit besonders positiv?
Stephanie (r.) und Cédric
Schwitzer leiten gemeinsam
mit Johannes Rupp (l.) ihr
Hotel in der Kurgemeinde
Waldbronn. Das Ostern 2014
eröffnete Haus bietet zwanzig individuelle Zimmer und
Suiten, einen Wellnessbereich
sowie ein Feinschmeckerrestaurant mit 50 Plätzen.
Ich schaffe Arbeitsplätze.
Ich empfinde große Leidenschaft, für das, was ich mache.
Sehen Sie
im Video,
wo sich W
ellness und
Edel­
gastronom
ie im „Sch
w
it
zer’s
Hotel am
Park“ tre
ffen.
www.met
rogruender
studie.de
„Eine gute Idee, ein tolles Konzept und eine eigene Philosophie.“
Stephanie Schwitzer und Johannes Rupp, Geschäftsführung „Schwitzer’s Hotel am Park“, Waldbronn, selbstständig seit 2014
Frau Schwitzer, im April 2014 sind Sie angetreten, mit
Ihrem Hotel „die Sterne vom Himmel oder auch von
gestrengen Hotelkritikern zu holen“. Wie fällt Ihre erste
Bilanz aus?
Stephanie Schwitzer: Wir sind sehr zufrieden. Vier Sterne des
DeHoGa haben wir bereits und den Stern der Restaurantkritiker behalten wir im Auge. Noch wichtiger ist uns aber die
positive Resonanz unserer Gäste, die unser Restaurant und
das Hotel gleichermaßen schätzen. So hat mein Mann Cédric
mit seinem Küchenteam in kurzer Zeit viele Gäste überzeugen
können. Qualität, Frische, Regionalität und Kreativität sowie
faire Preise sind die Zutaten für diesen Erfolg.
Herr Rupp, was zeichnet selbstständige Hoteliers aus?
Johannes Rupp: Bei einem familiengeführten Hotelbetrieb
­tragen Sie eine hohe Verantwortung – nicht nur gegenüber
den Gästen, sondern auch für Mitarbeiter und Lieferanten.
Deren Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen, ist eine sehr abwechslungsreiche Herausforderung.
Welche Bedeutung haben Kreativität, Leidenschaft und
der Wunsch nach Unabhängigkeit bei Ihrer Arbeit?
JR: Das sind die drei wichtigsten Kriterien, die Sie als Selbstständiger mitbringen müssen. Hilfreich sind zudem Kenntnisse in Controlling, Buchhaltung und Personalführung.
Mehr als 70 Prozent der von uns befragten Hoteliers
sagen, es sei ihnen wichtig, Arbeitsplätze zu schaffen. Gilt
das auch für Sie?
JR: Ja, es war immer unser Anspruch, Verantwortung für neue
Mitarbeiter zu übernehmen und Arbeitsplätze in der Region zu
schaffen. Heute stammen 80 Prozent des Personals hier aus
der Gegend.
Knapp 80 Prozent der Studienteilnehmer klagen, es sei
immer schwieriger, gutes Personal zu finden. Welche
Erfahrung haben Sie gemacht?
JR: Es ist definitiv nicht leicht – gerade für einen neuen Betrieb.
Deshalb haben wir den Bewerbern nicht nur ausführlich und
persönlich unsere Ideen vorgestellt. Wir haben ihnen auch vermittelt, dass wir sie als Mitarbeiter wertschätzen. Zum Beispiel,
indem wir Arbeitspläne mehrere Wochen im Voraus erstellen.
So kann jeder Mitarbeiter frühzeitig private Termine planen –
das ist im Hotelgewerbe nicht selbstverständlich.
Frau Schwitzer, Sie sagen, eine Hotelgründung sei
„nichts für schwache Nerven“. Was motiviert Sie in
schwierigen Momenten?
SS: Schwierige Momente sind Teil der Selbstständigkeit,
das muss man wissen. Gerade dann motivieren mich Mitarbeiter und Gäste. Denn ihr Feedback zeigt mir, ob ich das
Richtige tue.
Vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen: Welchen Tipp
geben Sie Gründern im Gastgewerbe?
SS: Was Sie brauchen, sind eine gute Idee, ein tolles Konzept
und eine eigene Philosophie. Wenn Sie dazu noch starke
Nerven und gute Ausdauer haben, steht dem Schritt in die
Selbstständigkeit eigentlich nicht mehr viel im Wege.
14 Bewertung der Selbstständigkeit
Mitarbeiter verzweifelt gesucht
82 %
78 %
79 %
74 %
70 %
Ø 79 %
unternehmern – die ihr Geschäft zwei Jahre
oder kürzer betreiben – ist der Mitarbeiter­
mangel das Sorgenkind Nummer eins,
noch vor Bürokratie und Steuerbelastung.
Ali Güngörmüs, Sternekoch und Inhaber
des Restaurants „Le Canard nouveau“
in Hamburg, bestätigt im Interview: „Es
ist nicht leicht, qualifizierten Nachwuchs
zu gewinnen und von den Vorteilen der
Branche zu überzeugen.“ So ist es wenig
überraschend, das 51 Prozent der befragten Gründer ernüchtert der Aussage
zustimmen: „Letztlich muss ich mich um
alles selber kümmern.“
Bürokratischer Hürdenlauf
Ob Gewerbesteuer oder Vor- und Umsatz­
steuer – mehr als 70 Prozent der Selbstständigen in Hotellerie und Gastronomie
sehen die hohe Steuerlast als zweitgrößte
Herausforderung an. Direkt d
­ ahinter, mit
nur zwei Prozentpunkten Abstand, folgen
Bürokratie und Gewerbevorschriften. Die
Hürden sind vielfältig und reichen vom Gesundheitszeugnis für Mitarbeiter über eine
Gaststättenerlaubnis bis hin zu Kontrollen
der Gewerbeaufsicht.
Hinzu kommen wirtschaftliche Unwägbarkeiten, mit denen viele Gründer leben
müssen. 45 Prozent der Befragten finden
die finanzielle Unsicherheit belastend, bei
den selbstständigen Frauen beträgt der
Anteil sogar 56 Prozent.
Das direkte Feedback ihrer Kunden ist
den Selbstständigen wichtig – auch wenn
sich daraus leicht eine zusätzliche Belastung ergeben kann. So finden es knapp
die Hälfte der Befragten herausfordernd,
sich ständig neu zu erfinden, um „die Anforderungen der Kunden zu erfüllen“.
Es wird immer schwieriger,
gutes Personal zu finden
Ali Güngörmüs, Sternekoch und Inhaber des Restaurants „Le Canard nouveau“, Hamburg,
selbstständig seit 2005
Dafür sind Sie von München nach Hamburg gewechselt.
Was waren anfangs die größten Herausforderungen?
Ich kannte niemanden und das Startkapital war begrenzt.
Mit 27 ist es nicht leicht, Banker für ein Restaurantkonzept zu
begeistern – aber es hat geklappt.
Viele Selbstständige klagen über fehlendes gutes
Personal. Woran liegt das?
Als junger Koch waren für mich zwölf Stunden Arbeit normal.
68 %
51 %
47 %
73 %
42 %
40 %
79 %
49 %
42 %
67 %
50 %
50 %
70 %
50 %
50 %
Ø 70 %
Ø 49 %
Ø 45 %
Bürokratische Hürden oder
gewerbliche Vorschriften
Restaurant/(Schank-)Wirtschaft
Man muss sich ständig neu erfinden,
ständig neue Anforderungen der
Kunden erfüllen.
Hotel/Pension/Gasthof
Café/Bar/Eiscafé
Die finanzielle Unsicherheit
Imbiss-Betrieb
Catering-Betrieb
Der Gründer
mit Stern
„Es ist nicht leicht, Banker zu begeistern“
Herr Güngörmüs, war der Wunsch nach Unabhängigkeit
der Treiber für die Selbstständigkeit?
Er war ein Treiber, aber nicht der einzige. Ich wollte schon früh
etwas Eigenes schaffen und mein Restaurant schnell auf starke,
eigene Beine stellen.
15
Welche Barrieren gibt es für Selbstständige?
Wer Selbstständige fragt, was die größte Herausforderung im Hotel- und Gastgewerbe ist, hört meist als Antwort: „Es ist
schwierig, gutes Personal zu finden.“ Weitere Barrieren bilden Bürokratie und finanzielle Unwägbarkeiten – und auch die
wachsenden Anforderungen der Kunden.
Der Mangel an qualifizierten Fachkräften
ist für knapp 80 Prozent der Befragten
das größte Problem in ihrer Selbstständigkeit. Mit dem spürbaren Engpass müssen
nicht nur bestehende Betriebe umgehen,
auch für potenzielle Gründer bedeutet
er eine wachsende Belastung: Bei Jung­
Bewertung der Selbstständigkeit Das hat sich geändert, bei den Auszubildenden heute zählen
vor allem Freizeit und Einkommen. Da ist es nicht leicht, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen und von den Vorteilen der
Gastronomie zu überzeugen.
Wie gelingt es Ihnen, Ihre Mitarbeiter zu begeistern?
Indem ich ihnen erstens klarmache, dass sie Teil des
­Ganzen sind. Sie sollen nicht sagen: „Ich arbeite im
­Restaurant von Herrn Güngörmüs“, sondern: „Das ist das
Le Canard und ich bin ein Teil davon.“ Zweitens, indem
ich offen bin und klar sage: Heute haben wir einen guten
Umsatz gemacht – oder auch nicht. Und drittens, indem
ich ­wirtschaftliche Zusammenhänge aufzeige. Das alles
sind nicht zuletzt wertvolle Grundlagen für eine mögliche
eigene Selbst­ständigkeit.
Seit April 2005 ist Ali
Güngörmüs Inhaber und
Küchenchef des „Le Canard
nouveau“ in Hamburg. Ein
Jahr später erkochte er seinen
ersten Michelin-Stern, der
Gault-Millau verlieh ihm
16 Punkte. Im Oktober 2014
eröffnet Güngörmüs sein neues Restaurant, das „Pageou“
in München.
65 Prozent der Befragten würden sich erneut für eine
Selbstständigkeit in der Gastronomie entscheiden. Wie
beurteilen Sie diesen Wert?
Er zeigt die große Bedeutung beruflicher Unabhängigkeit und
dass sich die Mühen in der Gastronomie letztendlich auszahlen.
Welche Bedeutung haben Partner, wie etwa Lieferanten,
für eine erfolgreiche Gastronomie?
Ich bin auf gute Ware und verlässliche Lieferanten angewie-
sen. Deshalb behandele ich meine Partner fair und ver­suche auch nicht, Kosten zu drücken. Gute Ware hat eben
ihren Preis.
Wie lautet Ihr Erfolgsrezept für Selbstständige?
Je besser man seinen Job macht, desto größer ist die
Chance, erfolgreich auf eigenen Beinen zu stehen.
Deshalb sollte man nach der Ausbildung erst ein paar
Jahre Berufserfahrung sammeln.
16 Bewertung der Selbstständigkeit
Mit Optimismus in die Zukunft
men. Fast jeder fünfte Selbstständige
wünscht sich, „dass alles so bleibt und
weitergeht wie bisher“ – der Spitzenwert
bei dieser offenen Frage.
Die Newcomer streben nach mehr
Deutlich hinter dem Wunsch nach Beständigkeit rangiert der Traum vom Ausbau des Geschäfts (14 Prozent). Hierbei
10 %
17 %
24 %
Es soll so
bleiben/weitergehen wie bisher.
26 %
14 %
17
Wovon träumen Selbstständige?*
Expandieren um jeden Preis, bekannt werden, gute Geschäfte machen: Sind das die typischen Visionen der Selbstständigen
in der Hotel- und Gastronomiebranche? Die Studie zeigt: In erster Linie sind es eher bescheidende Wünsche, die Unternehmer
für die Zukunft haben – jeder fünfte möchte sogar, dass alles so bleibt, wie es ist.
Gründer im Hotel- und Gastronomiege­
werbe haben Träume, sie sind aber keine
Träumer. In weiten Teilen sind sie glücklich
mit dem, was sie tun, auch wenn nicht
immer alles so läuft wie geplant. Herausforderungen sind Teil des Arbeitsalltags
der Selbstständigen und ändern nichts an
Ihrer Zufriedenheit. Das zeigt sich auch in
den Zukunftswünschen für ihr Unterneh­
Bewertung der Selbstständigkeit Erweiterung/
Vergrößerung/
Renovierung
lohnt der Blick auf die unterschiedlichen
Gründer­
generationen: Es sind vor allem
die Gründer mit weniger als zwei Jahren
Selbstständigkeit, die von der Erweiterung
ihres Geschäfts träumen. „Die Nachfrage
wächst – deshalb wachsen auch wir“,
erklärt Ralf Schulze, Chef der „Ice Guerilla”,
seine Wachstumsstrategie im Interview.
Weniger Sturm und Drang, stattdessen
die Vorstellung von Kontinuität finden sich
bei den alteingesessenen Unternehmern:
Bei ihnen genießt der Wunsch nach dem
passenden Nachfolger besonders hohe
Priorität. „Aufhören und alles verkaufen“ –
diese Option ziehen lediglich vier Prozent
aller Befragten in Betracht. Auffällig dabei:
Bei den jungen Betrieben findet sich niemand, der dem Gründerdasein den Rücken kehren möchte.
21 %
20 %
24 %
„Mein Traum?
Unser Eis deutschlandweit im Handel.“
14 %
9 %
12 %
Passenden
Nach­folger finden /
Übernahme
durch die Kinder
Guten Umsatz /
gute Geschäfte
machen
18 %
10 %
Weniger als 2 Jahre 2 – 5 Jahre 16 %
6 – 10 Jahre 5 %
Aufhören / alles verkaufen / bestmöglich
verkaufen
6 %
6 %
1 %
Mehr als 10 Jahre
* Die Frage wurde als offene Frage gestellt. Die Grafiken zeigen einen Ausschnitt der Antworten in Relation
zur Dauer der Selbstständigkeit und ergeben daher nicht zwingend 100 Prozent.
Der Visionär
Sehen Sie
im Video,
warum Eis
machen bei
der „Ice
Guerilla“
eine hohe
Kunst ist.
www.met
rogruender
studie.de
Ralf Schulze ist Chef der
Eisproduktionsfirma „Ice
Guerilla“ in Beeskow
(Oder-Spree). Der ehemalige
Feldwebel gründete 2009
das Unternehmen, 2012
wurde sein Vanilleeis als
„Bestes Eis Deutschlands“
ausgezeichnet. Künftig wollen
die Spezialisten Deutschlands
Supermärkte erobern.
Ralf Schulze, Geschäftsführer „Ice Guerilla“, Beeskow, selbstständig seit 2009
Herr Schulze, was macht den Reiz der Selbstständigkeit
aus?
Die Verwirklichung der eigenen Träume. Die Selbstständigkeit
gibt mir die Freiheit zu machen, was ich kann und was ich
auch möchte.
2009 haben Sie Ihre Speiseeismarke „Ice Guerilla“ gegründet. Wie kam es dazu?
Angefangen hat alles damit, dass ich meinen Beamtenjob
bei der Bundeswehr aufgegeben habe, um das stillgelegte
Kino in meiner Heimatstadt Beeskow wiederzubeleben. Das
besteht aus drei Sälen und einer Eislounge. Wenn wir schon
Eis verkaufen, dann selbstgemachtes, dachte ich mir – und so
entstand unsere „Ice Guerilla“.
Der Name klingt nach Kampf. Wie herausfordernd ist der
Schritt in die Selbstständigkeit?
Der Schritt an sich ist gar nicht so schwer, man muss aber
frühzeitig die Konsequenzen bedenken. Ich selbst habe die
Erfahrung gemacht: Wer selbstständig sein möchte, muss
bereit sein, sein Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Und
für mich ist diese Erfahrung eher positiv.
In Beeskow bauen Sie gerade eine Eisfabrik: Ist
Expansion für Sie wichtig?
Die Nachfrage – gerade von Großkunden – wächst seit Jahren.
Deshalb wachsen auch wir und schaffen langfristig Arbeitsplätze in der Region. Das ist mir besonders wichtig, denn
ohne die Menschen hier wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.
Was ist Ihr Traum?
Eines Tages unser Premiumeis deutschlandweit im Handel
zu vertreiben. Das wird sicher nicht ganz leicht. Insofern
beschreibt der Name „Ice Guerilla“ ein Stück weit auch das
Ringen zwischen den großen Eismachern und uns.
lem, ich kümmere mich drum“, dann ist das noch besser. Und
wenn mein Ansprechpartner sagt: „Sag mir, was du brauchst,
schreib mir ’ne Mail, und bald hast du es“, dann ist das das
Beste, was es gibt.
Wie wichtig sind Partner, die Ihre Arbeit unterstützen?
Wenn man im Handel einen Sparringspartner hat, der die
Bedürfnisse erkennt, dann ist das viel wert. Wenn ich zum
Beispiel gefrorene Cassis brauche und es heißt: „Kein Prob-
Wie lautet Ihr Erfolgsrezept für die Selbstständigkeit?
Glaube an dich, deine Idee und dein Projekt. Und träume
nicht in erster Linie von viel Geld oder Freizeit – dafür braucht
es schon etwas länger.
18 Ausblick
Studiendesign 19
„Es ist das Beste, was wir je gemacht haben!“
Die Studie im Überblick
Die Studie zeichnet insgesamt ein sehr positives Bild der Gründer im Hotel- und Gastronomiebereich. Sie sind einsatzbereit,
idealistisch, ehrgeizig, visionär und überzeugt von dem, was sie tun. Und vor allem sind sie glücklich mit dem, was sie tun.
Daran ändern auch Herausforderungen wie der Mangel an gutem Personal nur wenig.
Grundlage der Ergebnisse ist eine von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführte Befragung von Selbstständigen im
­Hotel- und Gastronomiebereich. Den Fokus bildete dabei die Ermittlung von Faktoren, die Unternehmer motivieren, einen Betrieb im
Gastgewerbe zu gründen und zu etablieren. Im Vordergrund des Forschungsinteresses standen die Ziele, Wünsche und Erwartungen
der Gründer in Bezug auf ihre Selbstständigkeit in der Hotel- und Gastronomiebranche. Zugleich sollte die Analyse andererseits auch
Einblicke in die Probleme, Einschränkungen und Hindernisse gewähren, mit denen die Unternehmer konfrontiert sind. Der Einfluss externer Faktoren auf das Geschäft wurde dabei ebenso untersucht wie relevante Trends und Entwicklungen für Unternehmer. Ergänzend
wurde zur Erforschung der Umsetzungsabsicht potenzieller Unternehmensgründer eine sogenannte Omnibusbefragung durchgeführt.
Der größte Wunsch der befragten Selbstständigen ist, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Entscheidung für die Selbstständigkeit
im Hotel- und Gastronomiebereich würde die große Mehrheit wieder treffen. Renata Masurczak, Inhaberin des Bistros „dreiRaum“
in Düsseldorf, spricht folglich für viele Gründer, wenn sie sagt: „Es ist das Beste, was wir je gemacht haben!“
Erhebungsmethode
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wie die Liebe
macht.
ro zum Erfolg
„dreiRaum“-Bist
e.de
ruenderstudi
www.metro-g
Die Befragung wurde unter Verwendung der CATI-Methodik (Computer Aided
Telephone Interviews) mit einer durchschnittlichen Interviewdauer von ca.
18 Minuten absolviert. Der komplementären Omnibusbefragung lag eine
Quotenstichprobe zugrunde. Die Ermittlung der Quoten erfolgte auf der Basis
amtlicher Statistiken und von Berechnungen der GfK.
„Es passte einfach alles.“
Stichprobe
Renata und Mike Masurczak, Inhaber des Bistros
„dreiRaum“, Düsseldorf, selbstständig seit 2010
Herr Masurczak, zusammen mit Ihrer Frau haben Sie im
Herbst 2010 das „dreiRaum“ eröffnet. Dabei sind Sie doch
gar keine Gastronomen, oder?
Mike Masurczak: Das stimmt, wir kommen beide aus dem
Bankbereich. Eigentlich wollten wir uns nur ein halbes Jahr
aus dem Job zurückziehen – aber dann sahen wir diese
Anzeige: Pächter für kleines Bistro gesucht ...
… und haben gleich die Chance ergriffen?
Renata Masurczak: Es passte einfach alles: Der Zeitpunkt war
richtig, das Bauchgefühl stimmte und wir waren bereit für den
nächsten Schritt. Nach zwei Wochen hatten wir die Schlüssel,
nach vier Wochen haben wir eröffnet.
Welche Qualifikation braucht es dazu?
MM: Spaß, Ausdauer und Leidenschaft. Praxiserfahrung
hatten wir ehrlich gesagt kaum, wir haben alles im kleinen
Rahmen erlernt.
Was ist Ihre größte Herausforderung im „dreiRaum“?
MM: Unser eigener Anspruch, jedem immer wieder gerecht
zu werden. Wir haben es mit einem breiten Publikum zu tun,
das vielfältige Ansprüche an Gastronomie, Essen und Getränke
stellt. Jede Erwartung zu erfüllen, ist nicht immer leicht.
25 Prozent der befragten Café- und Bistro-Betreiber würden
einen anderen Standort wählen – warum ist das so?
RM: Der Standort ist wichtig für den Erfolg, deshalb sollte
man ihn sich sehr genau anschauen. Wir haben hier praktisch
keine direkte Konkurrenz, das ist perfekt.
Brauchen Gastronomen verlässliche Unterstützer?
RM: Auf jeden Fall! Erfahrene Lieferanten, die wissen, was
uns fehlt, und dazu auch noch zeitnah liefern können, sind
eine großartige Hilfe.
Die Quereinsteiger
Renata und Mike Masurczak eröffneten 2010 in
Düsseldorf das „dreiRaum“. Die Entscheidung,
sich mit ihrem Bistro selbstständig zu machen,
trafen die beiden Banker spontan – und haben
es bis heute nicht bereut.
Mehr als 20 Prozent der Befragten träumen davon, ihr
Geschäft zu erweitern. Ist für Sie das „vierRaum“ oder
„fünfRaum“ eine Option?
RM: Wir haben viele Gäste und gute Mitarbeiter – ich bin
vollkommen zufrieden. Mein Mann aber würde gerne etwas
Größeres haben …
MM: Nicht unbedingt größer, aber vielleicht einfach noch
etwas anderes dazunehmen. Es gibt immer wieder Dinge,
wo ich denke: Da könnte man sich noch mal beweisen.
Welchen Tipp geben Sie Gründern im Gastronomiegewerbe?
MM: Realistisch bleiben und nicht gleich den großen Wurf
planen. Lieber alles Schritt für Schritt in der Praxis erlernen.
Das ist unser persönliches Erfolgsrezept.
War es die richtige Entscheidung, sich selbstständig
zu machen?
RM: Es ist das Beste, was wir je gemacht haben! Wir können
uns beide schon lange nicht mehr vorstellen, im Angestelltenverhältnis zu arbeiten.
Befragt wurden 402 Unternehmensgründer, davon 68 Prozent Männer
und 32 Prozent Frauen. Die Zielgruppe setzte sich mehrheitlich aus
Gründern kleiner und mittlerer Unternehmen mit zwei bis 20 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz zwischen 100.000 und 200.000 Euro
bzw. über 500.000 Euro zusammen. Die Grundgesamtheit der Omnibusbefragung umfasste Männer und Frauen im Alter ab 14 Jahren
in der Bundesrepublik Deutschland. Der Umfang dieser Gesamtheit
betrug ca. 70.326.000 Personen der deutschsprachigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten. Daraus wurde eine repräsentative
Stichprobe von ca. 2.000 Personen gezogen.
Befragungszeitraum
Die Feldzeit beider Studien lag im Zeitraum von März bis April 2014.
Über die GfK
Die GfK steht für zuverlässige und relevante Markt- und Verbraucherinformationen. Mit ihnen hilft das Marktforschungsunternehmen
seinen Kunden, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die GfK verfügt über langjährige Erfahrung im Erheben und Auswerten
von Daten. Rund 13.000 Experten vereinen globales Wissen mit Analysen lokaler Märkte in mehr als
100 Ländern. Mithilfe innovativer Technologien und wissenschaftlicher Verfahren macht die GfK aus
großen Datenmengen intelligente Informationen. Dadurch gelingt es den Kunden der GfK, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und das Leben der Verbraucher zu bereichern.
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und Realisation
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Bildnachweise
Boris Zorn (Titel, S. 2 – 7, S. 9 – 13, S. 16
– 19), Frank von Wieding (S. 2 – 5, S. 14,
S. 15), Privat (S. 2, S. 5, S. 8). Fotolia
(S. 9, S. 11 – 13), Shutterstock (S. 4,
S. 9, S. 12,), iStockphoto (S. 7, S. 11)
Printed with Saphira Eco
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Redaktionsschluss
September 2014
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