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Meilensteine - KV

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dezember 2014
akademische
monatsblätter
126. Jahrgang Nr. 10
Zeitschrift des Kartellverbandes
katholischer deutscher Studentenvereine KV
Meilensteine
Vom maastrichter zum lissabonner Vertrag
susanne
Weg-remers
Vorortsübergabe
2014 in aachen
eine Familie Für
den kV
Das Interview S. 312
Aus dem KV S. 314
Aus dem KV S. 317
Liebe Kartellbrüder, liebe Leserinnen und Leser!
Wie das titelbild dieser ausgabe der
„akademischen monatsblätter“ unmissverständlich deutlich macht, geht das Jahr 2014
bald zu ende, für viele vermutlich viel zu
schnell. Jedenfalls ist es mir so ergangen.
zehnmal hat die redaktion versucht, ihr Publikum mit beiträgen zu aktuellen Fragen,
mit interviews zum zeitgeschehen, mit
nachrichten aus dem kV, mit informationen
über kartellbrüder und die Verbandsgeschichte so- wie mit hinweisen auf bemerkenswerte bücher und mit sprachglossen zu
versorgen. im mittelpunkt stand freilich das
Jahresthema des kV: europa. in dieser nummer erscheinen dazu sogar zwei
höchst lesenswerte artikel. der eine von kb heiner timmermann dient nicht
zuletzt der information, der andere von matthias belafi nimmt stellung zur
europäischen identität, die sich unverkennbar in einer krise befindet. einen
weiteren artikel, der sich kritisch mit europa beschäftigt, werden wir zusätzlich im folgenden Jahr veröffentlichen. das macht deutlich, wie umfassend das
thema ist und bleibt. ein thema, dessen Facetten wir nicht alle ausleuchten
konnten.
Vermutlich wird es uns ebenso mit dem kommenden Jahresthema des kV ergehen, zu dem wir uns ebenfalls äußern wollen. es stellt die neuen sozialen
medien ins zentrum. die Würzburger kV-tage werden sich damit auch beschäftigen. einige der referate wollen wir uns zum abdruck erbitten.
die redaktion und ich sind uns nach wie vor bewusst, wie wichtig unser Verbandsorgan für den zusammenhalt unserer mitglieder ist und werden dem
entsprechend handeln, so gut wir können. Jetzt sei schon gesagt, dass wir 2015
ganz wesentlich nicht nur auf die ideelle, sondern zusätzlich auf die finanzielle
hilfe unserer leserschaft angewiesen sein werden, damit auch die zehnte ausgabe erscheinen kann. dies ist für mich anlass, mich sehr herzlich bei allen zu
bedanken, die uns bisher in jeder Weise unterstützt haben. auf alle arten von
Feedback, wie es auf neudeutsch heißt, sind wir angewiesen.
an dieser stelle gebührt ein ganz großes dankeschön kb michael kotulla
(gm, gm-ho, e d bor, un, sv, nbg), der mit seinen interviews unserem Verbandsorgan eine spezielle note gegeben und es mitgeprägt hat. er war mit
seiner empathie und seiner zuverlässigkeit ein idealer mitarbeiter der redaktion, die ihm nachtrauert und ihn vermissen wird. nun bleibt nichts anderes
übrig, als sich auf die suche nach einem nachfolger zu machen, denn diese rubrik soll zukünftig nicht entfallen.
Wie immer wünsche ich mir eine aufmerksame leserschaft
euer
KV-Rat, KV-Sekretariat und die AM-Redaktion wünschen allen mit dem KV
Verbundenen ein gnadenreiches Weihnachtsfest und Gottes Segen für das
Jahr 2015.
298 AM Dezember 2014
Foto: Ester-Maria Messerschmidt
eDItorIAl
317
imPressum
akademische monatsblätter
Herausgeber: Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV). V.i.S.d.P.:
Dr. Wolfgang Löhr, c/o KV-Sekretariat.
Kommissionsverlag: Verband alter KVer e.V.,
KV-Sekretariat, Postfach 20 01 31, 45757
Marl, Hülsstr. 23, 45772 Marl, Telefon (02365)
5729020, Telefax (02365) 5729051,
am@kartellverband.de.
Anzeigenverwaltung: KV-Sekretariat,
Anschrift wie oben.
Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 21.
Druck: Bonifatius GmbH, Druck Buch Verlag,
Paderborn.
Die AM werden im Rahmen der Verbandszugehörigkeit allen Kartellangehörigen ohne besondere Bezugsgebühr geliefert.
Redaktion: Dr. Wolfgang Löhr (v.i.S.d.P.),
Siegfried Koß, Michael Kotulla, Klaus Gierse,
August-Peter Gräff, Hans-Joachim Leciejewski,
Reinhard Nixdorf, Gregor Selbach.
Koordination/Satz: Nicole Eichendorf.
Die Akademischen Monatsblätter erscheinen
zehnmal im Jahr. Es wird gebeten, Manuskripte an die oben genannte E-Mail-Adresse
zu senden.
Die Redaktion setzt das Einverständnis zu
etwaigen Kürzungen und redaktionellen Änderungen voraus. Die mit Namen versehenen Beiträge geben die Meinung des Verfassers und
nicht unbedingt die der Redaktion wieder. Die
Beiträge sind grundsätzlich in ehrenamtlicher
Mitarbeit geschrieben.
Der Abdruck ist nur mit Zustimmung der
Redaktion gestattet.
Hinweis nach § 4 Abs.3 PD-SVD.
ISSN 0002-3000;
Internet-Adresse: www.kartellverband.de
am@kartellverband.de
Die AM unterliegen der Volltextsuche im
Internet.
Bei direkten oder indirekten Verweisen auf
fremde Internetseiten haften Herausgeber,
Verlag und Redaktion der Akademischen
Monatsblätter nicht für die Inhalte dieser fremden Internetseiten. Die Verantwortlichkeit liegt
allein beim Betreiber dieser Internetseiten.
Auflage: 15.000.
Titelbild: © xtock; Fotolia.com
Ausgabe: 1/2015;
Auslieferung: 13. Februar 2015
INhAlt
Die Vorortsübergabe wird
sichtbar, wenn
die KV-Standarte
in andere Hände
gelegt ist.
318
314
TIPP:
Der Jahreskalender 2014 der
KV-Akademie ist da! Seite 321 ff.
319
Titelthema
300
308
Heiner Timmermann
meilensteine
Matthias Belafi
europäische identität in der krise
Das Interview
312
Susanne Weg-Remers
leiterin des krebsinformationsdienstes heidelberg
Aus dem KV
314
317
319
125 Jahre OZ Regensburg
drei generationen halten
zusammen
Forum
320
Paul Ridder
Freude und Freundschaft
Ex Libris
326
Siegfried Koß
das kolpingwerk und
Prälat heinrich Festing
Bernhard Häussner
Vorortsübergabe 2014
Harald Stollmeier
eine Familie für den kV:
150 Jahre germania zu münster
AM Dezember 2014 299
tItelthemA
Berliner Erklärung
Wikimedia Commons, © cedricBLN
Installation „Ideen für Europa”
vor dem Bundeskanzleramt anlässlich des Europatags.
300 AM Dezember 2014
tItelthemA
Heiner Timmermann (Rbg, Wf-K)
euroPa: die eu-Verträge als meilensteine einer Fortschreitenden einigung
Vom Maastrichter zum Lissabonner Vertrag
der mastrichter Vertrag über die europäische union wurde in regierungskonferenzen erarbeitet und auf der tagung des europäischen rates am 9./10. dezember 1991
in maastricht abgeschlossen, am 7. Februar 19921 von den außenministern unterzeichnet. er trat am 1. november 1993 in kraft und stellt die bis dahin größte
änderung der Verträge seit der gründung der europäischen gemeinschaft dar.
er bezeichnet sich selbst als „eine neue stufe bei der Verwirklichung einer immer
engeren union der Völker europas“ (artikel 1 eu-Vertrag). die somit gegründete
europäische union ersetzt nicht die europäischen gemeinschaften (artikel 47 euVertrag), sondern stellt diese mit den neuen „Politiken und Formen der zusammenarbeit“ (artikel 2 eu-Vertrag) unter ein gemeinsames dach.
Prof. Dr. Dr. Heiner
Timmermann
wurde 1940 in Duisburg geboren, studierte an den Universitäten Köln, Bonn,
Tübingen und Newcastle-upon-Tyne, war
Studienleiter an der Europäischen Akademie Otzenhausen/Saarland, ist Professor der Universität Jena und
Vorsitzender der Akademie Rosenhof in
Weimar.
Die drei Säulen des maastrichter Vertrages:
• die europäischen Gemeinschaften
• die Zusammenarbeit in der Außenund Sicherheitspolitik (GASP),
• die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen.
Vertrag von Amsterdam vom
2. Oktober 19972
Der Vertrag von Amsterdam wurde von
den eU-Staats- und regierungschefs
am 16. und 17. Juni 1997 verabschiedet und am 2. oktober 1997 unterzeichnet. er trat am 1. mai 1999 in
Kraft.
Der Vertrag von Amsterdam verändert und ergänzt den Vertrag von maastricht, löst diesen aber nicht ab. er
sollte ursprünglich dazu dienen, die europäische Union auch nach der ost-erweiterung handlungsfähig zu halten.
eine durchgreifende reform der eU
scheiterte allerdings und machte weitere
reformen nötig. Bereits im Folgejahr
seiner ratifizierung startete eine regierungskonferenz, in der „übriggebliebene“ themen und Fragen aus Amsterdam im mittelpunkt standen und
die in den im Februar 2003 ratifizierten Vertrag von Nizza mündeten. VV
AM Dezember 2014 301
tItelthemA
Vertrag von Nizza vom 26. Januar
2001, in Kraft am 1. Februar 2003,
unterzeichnet am 11. Dezember 2000
in Nizza3
Der Vertrag von Nizza ist ein Vertrag
zur Änderung des eU-Vertrags (Vertrag
von maastricht), der Verträge zur
Gründung der europäischen Gemeinschaften sowie einiger damit zusammenhängender rechtsakte.
Die wichtigsten Änderungen:
• Abstimmung durch Qualifizierte mehrheit (anstatt einstimmigkeit) wird in
vielen Bereichen zur regel
• einführung des Verfahrens der Doppelten mehrheit am 1. Januar 2005
(wurde durch den Beitrittsvertrag
2003 auf den 1. November 2004 geändert)
Da der Beitrittsvertrag 2003 nach dem
Vertrag von Nizza angenommen wurde
und dieser am 1. mai 2004 in Kraft getreten ist, ist es der Nizza-Vertrag und
nicht mehr jener von maastricht, der
die aktuellen regeln in der eU bestimmt.
Die neue eU-Verfassung sollte den
Nizza-Vertrag ersetzen.
Der Verfassungsvertrag vom
29. Oktober 20044, nicht in Kraft
getreten.
Der Vertrag über eine Verfassung für
europa gliedert sich in eine Präambel,
vier teile des Vertrages und Protokolle.
wikimedia commons; Urheber:
Kaneiderdaniel aus der deutschsprachigen Wikipedia; lizensiert unter CC BY-SA 3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)
VV
Nach dem Vertrag von Maastricht tragen drei Säulen die Europäische Union. Diese sind die Europäischen Gemeinschaften, die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit (in
Strafsachen). Mit dem Vertrag von Amsterdam wurde die Zusammenarbeit in den Bereichen Asyl, Einwanderung und
Zivilrecht in die Gemeinschaftsmethode überführt. Mit der Ratifizierung des Vertrages von Lissabon wurde die Säulenstruktur aufgehoben und in einem Vertrag zusammengeführt, welcher die Rechtspersönlichkeit der Europäischen
Union begründet. (Text: Wikipedia)
Präambel
Die Präambel nimmt, „in der Gewissheit,
dass die Völker europas […] entschlossen
sind, […] immer enger vereint ihr Schicksal gemeinsam zu gestalten“, Bezug auf die
„kulturellen, religiösen und humanistischen Überlieferungen europas“. Sie enthält, entgegen vor allem von Polen, Italien
und Irland sowie christlich orientierter
Parteien vorgelegter Forderungen, keinen
expliziten Gottesbezug.
Teil I: Grundsätze
Der erste teil der Verfassung regelt Grundsätze der europäischen Union. er beinhaltet die Definition und die Ziele der
Union, ihre Zuständigkeit, die politischen organe und die Grundsätze ihrer
Finanzierung. Der teil I der Verfassung
ist jedoch aus sich heraus nicht abschließend und muss jeweils mit den anderen
teilen der Verfassung in eine Gesamtschau gebracht werden. Der Vertrag über
die Verfassung legt in teil I auch neben
302 AM Dezember 2014
der offiziellen Flagge der Union (zwölf
goldene Sterne auf blauem hintergrund)
und der europahymne („ode an die
Freude“ von ludwig van Beethoven)
auch das motto der eU fest: In Vielfalt
geeint.
Teil II: Charta der Grundrechte
Im zweiten teil werden die Grundrechte
für die europäische Union erstmals ausdrücklich normiert. Die Charta der
Grundrechte wurde 1999 bis 2000 von
einem ersten Konvent unter leitung von
roman herzog erarbeitet und nun in das
europäische Vertragswerk integriert. Die
Charta orientiert sich an der europäischen menschenrechtskonvention, insbesondere die Grundrechtsschranken
leiten sich weiterhin aus dieser ab.
Teil III: Die einzelnen Politikbereiche
Der dritte teil des Verfassungsvertrags ist
der umfangreichste. Die hier festgelegten
regeln wurden aus dem eG-Vertrag
übernommen. Der Konvent hat die bestehenden Paragraphen redaktionell angepasst und neu strukturiert, um den
text verständlicher zu machen. Dieser
teil regelt vor allem die Abläufe und Details der in teil I festgelegten Grundsätze.
Insofern ist der teil III vor allem rechtlich entscheidend.
Teil IV: Übergangs- und Schlussbestimmungen
teil IV des Verfassungsvertrags regelt vor
allem Übergangs- und Schlussbestimmungen wie das Verfahren bei künftigen
Verfassungsänderungen.
Anhang: Protokolle
Die der Verfassung angehängten Protokolle sind ausdrücklich teil der Verfassung. Sie enthalten unter anderem
wichtige regelungen zur Sicherung der
wikimedia commons; Urheber: Kolja21; lizensiert unter CC BY-SA 3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)
tItelthemA
Die Europäische Union
1992/93
© Rawpixel; Fotolia.com
„In Vielfalt geeint” - und ein bislang einzigartiges politisches Konstrukt: Die Staaten der
Europäischen Union rücken in vielen einander ergänzenden oder sich ablösenden Verträgen immer enger zusammen. Gebilligt und umgesetzt werden muss der gemeinsam erarbeitete politische Wille dann von den einzelnen Staaten.
Subsidiarität wie Klage- und einspruchsrechte der nationalen Parlamente oder
machtfragen wie die Stimmenverteilung
in rat und Parlament. Die regelungen
zur europäischen Atomgemeinschaft werden ebenfalls in einem Protokoll fortgeführt.
Der Vertrag über eine Verfassung für
europa soll den eG-Vertrag und den
eU-Vertrag ablösen und der europäischen Union eine einheitliche Struktur
und rechtspersönlichkeit geben.
Zu diesem Zweck beauftragten die regierungschefs der eU-mitgliedsstaaten
im Dezember 2001 einen Konvent (europäischer Konvent) aus Parlamentariern
und regierungsvertretern unter der leitung des früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’estaing mit
der Ausarbeitung eines neuen europavertrages. Der entwurf eines eU-Verfassungsvertrags wurde im Sommer 2003
fertig gestellt, bis zum Sommer 2004
überarbeitet und am 29. oktober 2004
feierlich in rom unterzeichnet. er sollte
ursprünglich am 1. November 2006 in
Kraft treten. Dazu war aber nötig, dass
er zuvor in allen 25 mitgliedsstaaten ratifiziert würde, entweder durch die dafür
zuständigen nationalen Parlamente oder
in Volksabstimmungen.
Dieser Prozess hat einen schweren
rückschlag durch die Ablehnung der
eU-Verfassung bei Volksabstimmungen
in Frankreich und in den Niederlanden
erlitten. Auch in der Bundesrepublik
Deutschland ist die ratifikation des Vertrages noch nicht abgeschlossen. Bundespräsident horst Köhler hatte erklärt,
er werde das Zustimmungsgesetz zum
Vertrag über eine Verfassung für europa
nicht ausfertigen, bis das Bundesverfassungsgericht über entsprechende Verfassungsbeschwerden entschieden habe. ob
der Verfassungsvertrag in der vorliegenden Form in Kraft treten kann, ist daher
fraglich. Auf dem eU-Gipfel in Brüssel
(Juni 2006) beschloss der europäische
rat eine einjährige „Denkpause“. Der
ratifizierungsprozess wurde damit bis
mitte 2007 verlängert (ursprünglicher
termin: 1. November 2006). Schweden,
Dänemark und Großbritannien verschoben daraufhin bis auf weiteres die geplanten referenden.
In einer erklärung des Bundeskabinetts zur deutschen ratspräsidentschaft
im ersten halbjahr 2007 vom 5. November 2006 heißt es:
„Die europäische Union ist eine politische Union und braucht ein grundlegendes Dokument, das klar und nachvollziehbar regelt, wie sie verfasst ist. Der
von allen regierungen unterschriebene
und von der mehrheit der mitgliedstaaten verabschiedete Verfassungsver- VV
AM Dezember 2014 303
tItelthemA
Gibt es nun eigentlich eine gemeinsame Europäische Verfassung?
Bislang nicht - denn das Dokument
wurde von allen Staaten gemeinsam
erarbeitet, aber bislang nicht umgesetzt. Zum Teil scheiterte es an Volksabstimmungen in Mitgliedsstaaten.
VV trag bietet hierfür nach wie vor die beste
Grundlage. Die Bundesregierung wird
ihr möglichstes tun, um den Auftrag des
europäischen rats vom Juni 2006 zu erfüllen und einen Weg zu finden, den
Verfassungsprozess erfolgreich fortzusetzen. Die Bundesregierung will damit die
Chance für eine neue Dynamik im europäischen einigungsprozess eröffnen.“5
Erklärung anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der
Römischen Verträge (Berliner Erklärung, 25. März 2007)6
Die Berliner erklärung würdigt die Fortschritte europas in den vergangenen 50
Jahren. Die europäische Union ist mehr
als nur ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Sie ist auch eine Wertegemeinschaft. Dieses Fundament aus gemeinsamen Werten und einer gemeinsamen
lebensauffassung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass europa als politische einheit handlungsfähig bleibt. Die
Berliner erklärung ist daher auch ein Bekenntnis zu den wichtigsten Werten, die
die menschen in der europäischen Union vereinen. Zugleich befasst sich die
Berliner erklärung mit den Zukunftsaufgaben, die europa im 21. Jahrhundert
gemeinsam angehen und bewältigen
muss.
mit der Berliner erklärung richten die
27 mitgliedstaaten, die europäische
Kommission und das europäische Parlament gemeinsam die europäische Union
auf große Ziele aus und verleihen so
europa neuen Schwung:
europa war über Jahrhunderte eine
Idee, eine hoffnung auf Frieden und
Verständigung. Diese hoffnung hat sich
304 AM Dezember 2014
erfüllt. Die europäische einigung hat uns
Frieden und Wohlstand ermöglicht. Sie
hat Gemeinsamkeit gestiftet und Gegensätze überwunden. Jedes mitglied hat
geholfen, europa zu einigen und Demokratie und rechtsstaatlichkeit zu stärken.
Der Freiheitsliebe der menschen in mittel- und osteuropa verdanken wir, dass
heute europas unnatürliche teilung endgültig überwunden ist. Wir haben mit
der europäischen einigung unsere lehren aus blutigen Auseinandersetzungen
und leidvoller Geschichte gezogen. Wir
leben heute miteinander, wie es nie zuvor
möglich war. Wir Bürgerinnen und Bürger der europäischen Union sind zu unserem Glück vereint.
I.
Wir verwirklichen in der europäischen
Union unsere gemeinsamen Ideale: Für
uns steht der mensch im mittelpunkt.
Seine Würde ist unantastbar. Seine
rechte sind unveräußerlich. Frauen und
männer sind gleichberechtigt. Wir streben nach Frieden und Freiheit, nach Demokratie und rechtsstaatlichkeit, nach
gegenseitigem respekt und Verantwortung, nach Wohlstand und Sicherheit,
nach toleranz und teilhabe, Gerechtigkeit und Solidarität.
Wir leben und wirken in der europäischen Union auf eine einzigartige Weise
zusammen. Dies drückt sich aus in dem
demokratischen miteinander von mitgliedstaaten und europäischen Institutionen. Die europäische Union gründet
sich auf Gleichberechtigung und solidarisches miteinander. So ermöglichen wir
einen fairen Ausgleich der Interessen zwischen den mitgliedstaaten. Wir wahren
in der europäischen Union die eigenständigkeit und die vielfältigen traditionen ihrer mitglieder. Die offenen Grenzen und die lebendige Vielfalt der Sprachen, Kulturen und regionen bereichern
uns. Viele Ziele können wir nicht einzeln, sondern nur gemeinsam erreichen.
Die europäische Union, die mitgliedstaaten und ihre regionen und Kommunen teilen sich die Aufgaben.
II.
Wir stehen vor großen herausforderungen, die nicht an nationalen Grenzen
halt machen. Die europäische Union ist
unsere Antwort darauf. Nur gemeinsam
können wir unser europäisches Gesellschaftsideal auch in Zukunft bewahren
zum Wohl aller Bürgerinnen und Bürger
der europäischen Union. Dieses europäische modell vereint wirtschaftlichen
erfolg und soziale Verantwortung. Der
Gemeinsame markt und der euro machen uns stark. So können wir die zunehmende weltweite Verflechtung der
Wirtschaft und immer weiter wachsenden Wettbewerb auf den internationalen
märkten nach unseren Wertvorstellungen gestalten. europas reichtum liegt im
Wissen und Können seiner menschen;
dies ist der Schlüssel zu Wachstum, Beschäftigung und sozialem Zusammenhalt.
Wir werden den terrorismus, die organisierte Kriminalität und die illegale
einwanderung gemeinsam bekämpfen.
Die Freiheits- und Bürgerrechte werden
wir dabei auch im Kampf gegen ihre
Gegner verteidigen. rassismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen nie wieder eine
Chance haben. Wir setzen uns dafür ein,
dass Konflikte in der Welt friedlich gelöst und menschen nicht opfer von
Krieg, terrorismus oder Gewalt werden.
Die europäische Union will Freiheit und
entwicklung in der Welt fördern. Wir
wollen Armut, hunger und Krankheiten
zurückdrängen.
Dabei wollen wir auch weiter eine führende rolle einnehmen. Wir wollen in
der energiepolitik und beim Klimaschutz gemeinsam vorangehen und unseren Beitrag leisten, um die globale Bedrohung des Klimawandels abzuwenden.
III.
Die europäische Union lebt auch in Zukunft von ihrer offenheit und dem Willen ihrer mitglieder, zugleich gemeinsam
die innere entwicklung der europäischen Union zu festigen. Die europäische Union wird auch weiterhin Demokratie, Stabilität und Wohlstand jen-
tItelthemA
„Non”-Plakate in Frankreich
(gegen die „Fahrtrichtung“ Europas)
seits ihrer Grenzen fördern.
mit der europäischen einigung ist ein
traum früherer Generationen Wirklichkeit geworden. Unsere Geschichte mahnt
uns, dieses Glück für künftige Generationen zu schützen. Dafür müssen wir
die politische Gestalt europas immer
wieder zeitgemäß erneuern. Deshalb sind
wir heute, 50 Jahre nach der Unterzeichnung der römischen Verträge, in dem
Ziel geeint, die europäische Union bis zu
den Wahlen zum europäischen Parlament 2009 auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage zu stellen.
Denn wir wissen: europa ist unsere gemeinsame Zukunft.
Der Vertrag von Lissabon7,
13. Dezember 2007, in Kraft am
1. Dezember 2009
Im Vertragswerk werden die Ziele in zwei
Verträgen, in der Charta der Grundrechte, in 37 Protokollen, zwei Anhängen, 65 erklärungen und drei Schlussfolgerungen des europäischen rates festgehalten. Die erläuterungen und erklärung zur Grundrechtecharta gehören
nicht zum Primärrecht.
Am 1. Dezember 2009 ist der Vertrag
von lissabon in Kraft getreten. Damit
enden die mehrjährigen Verhandlungen
über die institutionelle reform der eU.
Der Vertrag von lissabon ersetzt die
bestehenden Verträge nicht – er ändert
sie lediglich ab. Durch den neuen Vertrag erhält die europäische Union den
rechtlichen rahmen und die mittel, die
notwendig sind, um künftige herausforderungen zu bewältigen und auf die Bedürfnisse der Bürger einzugehen. Dazu
sieht der Vertrag Folgendes vor:
1. ein demokratischeres und transparenteres europa, in dem das europäische
Parlament und die nationalen Parlamente eine größere rolle spielen, und in
dem die Bürger mehr möglichkeiten
haben, sich Gehör zu verschaffen, und
ein klareres Bild davon haben, wer auf
welcher ebene wofür zuständig ist.
- ein stärkeres europäisches Parlament: Die Kompetenzen des direkt
gewählten europäischen Parlaments
in Bezug auf die Gesetzgebung, den
haushalt und internationale Übereinkommen werden erweitert. Durch
die Ausdehnung des mitentscheidungsverfahrens bei der Beschlussfassung besteht zwischen dem europäischen Parlament und dem rat bei einem erheblichen teil der eU-rechtsvorschriften Gleichberechtigung.
wikimedia commons; Urheber: Philipp Hertzog;
lizensiert unter CC BY-SA 3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)
© Juice images; Fotolia.com
Das europäische Selbst ist nicht abbildbar - Stimmungen sind es schon:
Friedliche Integration, politisch-wirtschaftliche Zusammenarbeit,
kultureller Austausch und große gemeinsame Ziele auf der einen Seite
- Europaverdruss, schier endlos wirkende Detail-Debatten der Mitgliedsstaaten, eine weitgehend als „anonym” empfundene Brüsseler
Politikszene mit großer Distanz zur Bevölkerung in den Mitgliedsstaaten auf der anderen Seite. „Europa” ist ein ambivalentes Thema, und
das Tagesgeschehen bestimmt die aktuelle Stimmungslage.
- Stärkere einbeziehung der nationalen Parlamente: Die Parlamente der
mitgliedstaaten haben mehr möglichkeiten, sich in die Arbeit der eU
einzubringen. es wird noch mehr darauf geachtet, dass die europäische
Union nur dann tätig wird, wenn auf
ebene der eU bessere ergebnisse erzielt werden können. Die einhaltung
dieses „Subsidiaritätsprinzips“ wird
mit hilfe einer neu geschaffenen regelung verstärkt kontrolliert. Dies
und die tatsache, dass auch das europäische Parlament mehr Gewicht
erhält, sorgen für einen Zuwachs an
Demokratie und legitimität in der
Funktionsweise der eU.
- Stärkeres mitspracherecht der Bürger: Dank der Bürgerinitiative haben
eine million Bürger aus verschiedenen mitgliedstaaten die möglichkeit,
die Kommission aufzufordern, neue
politische Vorschläge zu unterbreiten.
- Wer macht was: mit der eindeutigen
Zuordnung der Zuständigkeiten wird
die Beziehung zwischen den mitgliedstaaten und der europäischen
Union klarer.
- Freiwilliger Austritt aus der Union:
Der Vertrag von lissabon sieht erstmals die möglichkeit zum Austritt VV
AM Dezember 2014 305
tItelthemA
eines mitgliedstaates aus der Union vor.
2. ein effizienteres Europa mit vereinfachten Arbeitsmethoden und Abstimmungsregeln, schlanken und modernen
Institutionen, angepasst an 27 mitgliedstaaten und mit erhöhter handlungsfähigkeit in den Schwerpunktbereichen
der heutigen eU.
- Schnelle und effiziente entscheidungsfindung: Die Beschlussfassung
mit qualifizierter mehrheit im rat
wird auf neue Politikbereiche ausgedehnt, um so eine schnellere und effizientere entscheidungsfindung zu
begünstigen. Ab 2014 wird die qualifizierte mehrheit nach der doppelten
mehrheit von mitgliedstaaten und
Bevölkerung berechnet und ist damit
Ausdruck der doppelten legitimität
der europäischen Union. eine doppelte mehrheit ist dann erreicht,
wenn 55 Prozent der mitgliedstaaten,
die gemeinsam mindestens 65 Prozent der europäischen Bevölkerung
auf sich vereinen, zustimmen.
- Stabilere und schlankere Institutionen: Auf der Grundlage des Vertrags
von lissabon wird erstmals ein Präsident des europäischen rates gewählt.
Seine Amtszeit beträgt zweieinhalb
Jahre. Die ergebnisse der Wahlen
zum europäischen Parlament werden
sich direkt auf die Wahl des Kommissionspräsidenten auswirken. Außerdem enthält der Vertrag neue Bestimmungen für die künftige Zusammensetzung des europäischen Parlaments sowie klarere regeln für die
engere Zusammenarbeit und die Finanzvorschriften.
- Verbesserung der lebensbedingungen: Der Vertrag von lissabon verbessert die handlungsfähigkeit der
eU in politischen Bereichen, die für
die heutige eU und ihre Bürger Priorität haben. Dies gilt insbesondere für
die Bereiche Freiheit, Sicherheit und
recht und vor allem für die terrorismus- und Verbrechensbekämpfung.
In geringerem maße gilt dies auch für
Bereiche wie energiepolitik, öffentliche Gesundheit, Zivilschutz, Klimawandel, Dienstleistungen von allgemeinem Interesse, Forschung, raumfahrt, räumlicher Zusammenhalt,
handelspolitik, humanitäre hilfe,
Sport, tourismus und administrative
Zusammenarbeit.
3. Ein Europa der Rechte und Werte,
der Freiheit, Solidarität und Sicherheit,
das die Werte der europäischen Union
fördert, die Charta der Grundrechte in
das europäische Primärrecht einbindet,
neue Instrumente der Solidarität vorsieht
und die europäischen Bürger besser
schützt.
- Demokratische Werte: Der Vertrag
von lissabon nennt und bekräftigt
die Werte und Ziele, auf denen die
europäische Union aufbaut. Diese
Ziele dienen als richtschnur für die
europäischen Bürger und zeigen darüber hinaus, was europa seinen internationalen Partnern anbieten kann.
- Bürgerrechte und Charta der Grundrechte: Der Vertrag von lissabon
baut auf bestehenden rechten auf
und führt neue rechte ein. Insbesondere garantiert er die Freiheiten
und Grundsätze, die in der Charta
der Grundrechte verankert sind, und
verleiht den Bestimmungen der
Charta rechtsverbindlichkeit. Der
Vertrag betrifft politische, wirtschaftliche, soziale und Bürgerrechte.
- Freiheiten der europäischen Bürger:
Der Vertrag von lissabon garantiert
und stärkt die „vier Grundfreiheiten“
Die Europäische Union
im Jahr 2004
306 AM Dezember 2014
wikimedia commons; Urheber: Kolja21; lizensiert unter CC BY-SA 3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)
Saal im Capitol in Rom, in dem die Europäische
Verfassung (unter dem Segen eines Papstes?)
unterzeichnet wurde.
ikimedia commons; Urheber: Hadi; lizensiert unter CC BY-SA 3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)
VV
tItelthemA
sowie die politische, wirtschaftliche
und soziale Freiheit der europäischen
Bürger.
- Solidarität zwischen mitgliedstaaten:
Der Vertrag von lissabon sieht vor,
dass die europäische Union und ihre
mitgliedstaaten gemeinsam und solidarisch handeln, wenn ein mitgliedstaat opfer eines terroristischen Anschlags oder einer Naturkatastrophe
bzw. einer vom menschen verursachten Katastrophe wird. Dasselbe gilt
im Falle von Problemen im energiebereich.
- mehr Sicherheit für alle: Die eU erhält mehr Kompetenzen in den Bereichen Freiheit, Sicherheit und
recht, wodurch ihre Fähigkeit zur
Verbrechens- und terrorismusbekämpfung erheblich gestärkt wird.
Neue Bestimmungen zum Zivilschutz, zur humanitären hilfe und
zur öffentlichen Gesundheit zielen
ebenfalls darauf ab, die eU im Falle
von Anschlägen auf die Sicherheit europäischer Bürger noch handlungsfähiger zu machen.
4. Europa als Global Player: Dies wird
durch eine Zusammenfassung aller außenpolitischen Instrumente der eU sowohl bei der entwicklung neuer Strategien als auch bei der entscheidungsfindung erreicht. Durch den Vertrag von
lissabon kann europa in den Beziehungen zu seinen internationalen Partnern
eine klare Position einnehmen. mit dem
Vertrag werden die wirtschaftlichen, humanitären, politischen und diplomatischen Stärken europas zur Förderung der
europäischen Interessen und Werte weltweit nutzbar gemacht, wobei die besonderen außenpolitischen Interessen der
mitgliedstaaten gewahrt bleiben.
- ein neuer hoher Vertreter der europäischen Union für die Außen- und
Sicherheitspolitik, gleichzeitig Vizepräsident der europäischen Kommission, erhöht den einfluss, die Stimmigkeit und die Wahrnehmbarkeit
der Außenpolitik der eU.
- ein neuer europäischer Auswärtiger
Dienst unterstützt den hohen Vertreter in seiner Arbeit.
- Die europäische Union erhält rechtspersönlichkeit und vergrößert dadurch ihre Verhandlungsmacht, sodass sie auf internationaler ebene effizienter auftreten kann und für
Drittländer und internationale organisationen als Partner greifbarer wird.
- Durch Fortschritte in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik wird es zwar weiterhin
besondere Beschlussfassungsregeln
geben, doch wird gleichzeitig der
Weg geebnet für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen kleineren
Gruppen von mitgliedstaaten.
Viele Verträge –
aber keine Garantie auf Erfolg
Der Prozess der europäischen Integration ist offen. Angesichts drohender wirtschaftlicher und sozialer Schwierigkeiten,
aber auch überzogener machtausübung,
Bürokratie und regelungseifer der eUKommission verweigern mitglieder immer wieder das mitfahren im europazug,
Verfassungsgerichte wahren die rechte
der Parlamente, da die Parlamentarier offensichtlich dazu nicht fähig sind. Der
Idee europa drohen die größten Gefahren von unkontrollierbaren Banken,
hedgefonds und Finanzmärkten. So wie
das Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland ein Instrumentarium lieferte für eine abwehrbereite Demokratie,
muss europa sich ein Instrumentarium
zulegen für eine abwehrbereite Integration.
VV
Europas Verfassung braucht ein
Instrumentarium für eine Abwehrbereite Integration - nach
Vorbild der Verfassung der
Bundesrepublik Deutschland
und ihrer „abwehrbereiten
Demokratie”, meint AM-Autor
Heiner Timmermann.
Anmerkungen
1 der Vertrag. europäische union-europäische
gemeinschaft. 6.auflage. europa-union - Verlag 1997; heiner timmermann: grundzüge des
Vertrages von maastricht (ohne WWu), in:
heiner timmermann: impulse für europa.
Politische bildung und Wissenschaft an der
saar. berlin 1996, s. 169-187.
2 Werner Weidenfeld/Wolfgang Wesels (hg.):
europa von a bis z, bonn., 9. aufl., 2006,
s. 452. Werner Weidenfeld hg.), die europäische union. Politisches system und Politikbereiche. bonn 2004, passim.
3 thomas läufer (hg.): der Vertrag von nizza.
die eu der 25. bonn 2004.
4 Vertrag über eine Verfassung für europa,
29. oktober 2004, amt für amtliche Veröffentlichungen der europäischen gemeinschaften,
luxemburg 2005, 482 s., heiner timmermann,
eine Verfassung für die europäische union.
beiträge zu einer grundsätzlichen und aktuellen diskussion. opladen 2001; arno
krause/heiner timmermann, europa – integration durch konvente – mit dem text des Vorentwurfs des Verfassungsvertrages und den
syntheseprotokollen des Verfassungskonvents
vom Februar 2002 bis oktober 2002, band i.,
münster 2003; arno krause/heiner timmermann, europa – integration durch Verfassung.
mit dem text des Verfassungsentwurfs und
den syntheseprotokollen des konvents von
november 2002 bis Juli 2003., münster 2003.
5 Presse- und informationsamt der bundesregierung. Pressemitteilung nr. 387, 2006
6 http://www.eu2007.de/de/about_the_eu/
constitutional_treaty/berlinererklaerung.htm,
28. september 2011
7 konsolidierte Fassung durch die aktion
europa, berlin 2010.
AM Dezember 2014 307
tItelthemA
Matthias Belafi (Arm, Ale)
gemeinsame Währung unter druck
Europäische Identität in der Krise
als die zusammenarbeit der europäischen staaten nach dem zweiten Weltkrieg begann, hat niemand danach gefragt, was das gemeinsame europäische ausmacht. in
den ersten Jahrzehnten der europäischen integration scheinen sich die europäer ihrer
gemeinsamkeiten und ihres europäischseins ziemlich bewusst gewesen zu sein. die
diskussion über eine europäische identität, über die Frage, was uns als europäer definiert und uns über das bewusstsein einer nationalen zugehörigkeit hinaus in der
europäischen union auch untereinander verbindet, gibt es in dem heute gekannten
maß erst seit den 1980er Jahren.
Dr. Matthias Belafi
wurde 1977 in Ludwigshafen geboren,
studierte Politik,
Öffentliches Recht
sowie Geschichte in
Bonn und München.
Er promovierte in
Bonn mit einer Arbeit
über „Die Kirchen
und die Europäische Verfassung”.
Er ist Geschäftsführer der Kommission für
gesellschaftliche und soziale Fragen der
Deutschen Bischofskonferenz und Philistersenior der Arminia zu Bonn.
ie Frage nach dem verbindenden element stellte sich
also erst, als das europäische
Integrationsprojekt, das
über Jahre hinweg in einer
Vertiefungsflaute steckte, wieder stärker
als einigungswerk voranschritt. Denn
die Vertiefung der Integration führte mit
dem Vertrag von maastricht zunächst zur
Gründung der europäischen Union und
später bis hin zu dem Versuch, einen europäischen Verfassungsvertrag zu verabschieden und damit dem europäischen
Staatenverbund einen stärker staatlichen
Anstrich zu geben. Die Union ist heute
eben kein reiner Zusammenschluss von
d
308 AM Dezember 2014
souveränen Staaten mehr, sondern versteht sich – wie es der europäische Verfassungsvertrag formuliert hat – als eine
„Union der Staaten und der Bürger“. Die
Unionsbürgerschaft, die wir alle zusätzlich zu unserer Staatsbürgerschaft besitzen, schafft zwar noch kein europäisches
Staatsvolk, wirft aber ganz klar die Frage
nach einem europäischen Bewusstsein
der Unionsbürger auf.
Über Jahre hinweg wurde deshalb
immer mehr über das Verbindende gesprochen, das über die wirtschaftliche
Zusammenarbeit hinausgeht. Immer
wieder wurde darauf hingewiesen, dass
europa nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft ist. Vielmehr wurde es zur
Selbstverständlichkeit, auch von der europäischen Wertegemeinschaft und der
europäischen rechtsgemeinschaft zu
sprechen.
Eurokrise und europäischer
Zusammenhalt
Doch die Finanz-, Wirtschafts- und
Staatsschuldenkrise scheint diese Debatten deutlich zurückgeworfen zu haben.
Die europäische Staatsschuldenkrise der
vergangenen Jahre hat die europäische
Union tief geprägt. Der euro sollte als
europäische Gemeinschaftswährung die
europäischen Staaten so fest aneinanderbinden, dass ein Auseinanderfallen nicht
mehr möglich ist. In der Krise ist der
euro jedoch kein Symbol der einheit,
sondern Gegenstand der Polarisierung
und der Zwietracht zwischen den europäischen Völkern geworden.
In den (süd-)europäischen Krisenstaaten halten viele menschen die Austeritätspolitik für ein undemokratisches und
unsoziales Diktat der nördlichen Partner.
Und in den (nord-)europäischen ländern, die mit finanziellen Garantien
den Verbleib der Krisenstaaten in der
Gemeinschaftswährung sichern, wollen
viele Bürger nicht länger helfen und für
die Überschuldung der anderen zahlen.
leider wird oft verkannt, wie sehr diese
Argumentationen zu kurz greifen. Natürlich braucht europa sowohl Solidarität als auch eigenverantwortung. Die
„rettung“ der stark verschuldeten Staaten entsprach aber auch einem ordentlichen maß eigeninteresse, da ein Staatsbankrott einen Dominoeffekt auf das
Bankensystem und die eigene Wirtschaft
hätte mit sich bringen können.
Aus völlig unterschiedlichen Gründen
erhalten deshalb Kritiker der Gemeinschaftswährung und des gesamten einigungsprojekts im Norden wie im Süden
Zulauf. Die europäer driften auseinander und besinnen sich verstärkt auf das
Nationale. Bei den europawahlen im
mai dieses Jahres haben so viele europa-
© bluedesign; Fotolia.com
tItelthemA
Nicht nur die europäische Schuldenkrise,
sondern auch die globale Finanzkrise gefährden unsere Zukunft.
skeptische Parteien, eurokritiker, aber
auch nationalistische, rechtspopulistische
bis hin zu rechtsextremen Parteien den
einzug in das europäische Parlament geschafft wie nie zuvor. Und mit der AfD
ist es auch in Deutschland eurokritikern
gelungen, mandate in Straßburg zu erringen.
Dabei scheint ein Auseinanderfallen
der eurozone und damit vielleicht auch
der eU vorerst abgewendet. Die europäische Solidarität ist zwar auf eine harte
Probe gestellt worden, aber die europäer
haben zusammengehalten, weil es ihr politischer Wille war, die europäische einigung nicht aufs Spiel zu setzen und ein
Auseinanderfallen zu verhindern. Auch
wenn es zahlreiche – oftmals ja auch
nicht unplausible – ökonomische einwände gegen das Festhalten an der eurozone gab: Weder wollten die Griechen
oder andere in Schieflage geratenen Nationen aus der gemeinsamen Währung
ausscheiden noch wollten die Deutschen
oder andere wirtschaftlich starke Staaten
lieber die eurozone verlassen als helfen.
es war vielmehr der gemeinsame Wunsch
aller Beteiligten, den gemeinsamen Weg
der Integration weiterzugehen. Sich
nicht von wirtschaftlichen Fragen auseinanderbringen zu lassen, war zwar mit
zahlreichen hürden verbunden und mit
hohen Kosten, aber es war eine eindrucksvolle Ansage der europäischen
Staaten.
Ein neues europäisches Bewusstsein
Die Krise hat aber nicht nur zu Zweifeln
am europäischen Zusammenhalt geführt, sondern das europäische Bewusstsein auch gestärkt. Denn vielen menschen ist erst durch die Staatsschuldenkrise vor Augen geführt worden, welche
Folgen die europäische Wirtschafts- und
Währungsunion für die beteiligten Staaten und für uns alle hat. Die tatsächlichen Verflechtungen und Verantwortungen in europa haben in den letzten
Jahrzehnten deutlich zugenommen.
Während dies aber in der Vergangenheit
immer nur eine Floskel politischer reden
darstellte, ist das Ausmaß nun allen bewusst geworden.
Während früher die Parlaments- oder
Präsidentenwahlen bei unseren europäischen Partnern nur auf den hinteren Seiten des politischen teils überregionaler
Zeitungen auftauchten und nur für außenpolitische experten von Interesse waren, rücken diese ereignisse heute in den
Fokus der allgemeinen Öffentlichkeit. es
ist uns nicht (mehr) gleichgültig, ob es
in Griechenland zu einem regierungswechsel kommt, wer in Italien regiert
oder die Wahlen in Frankreich gewinnt.
All diese entscheidungen haben unmittelbare Auswirkungen auf das machtgefüge in europa und damit auch auf
Deutschland. Die Verschränkungen gehen soweit, dass sich deutsche Politiker
auch bei Wahlkämpfen in anderen europäischen Staaten engagieren, so bei der
vergangenen Präsidentenwahl in Frankreich, als die Bundeskanzlerin und
CDU-Vorsitzende Angela merkel ihren
bürgerlichen Partner Nicolas Sarkozy unterstützte, während der SPD-Vorsitzende
Sigmar Gabriel sich für den sozialistischen Kandidaten François hollande
einsetzte. europapolitik ist inzwischen
tatsächlich zur Innenpolitik geworden.
Die Krise hat in den letzten Jahren dafür
gesorgt, dass europapolitische themen
stärker denn je zuvor auf die titelseiten
unserer Zeitungen gerückt sind.
Jetzt stellt sich jedoch die Frage nach
den lehren aus der Krise. eines muss uns
klar geworden sein: Die Gemeinschaftswährung erfordert mehr gemeinsame politische Koordination. es geht deshalb
insgesamt um die Frage nach der Zukunft der europäischen Union. hat
europa die Kraft, sich politisch so aufzustellen, sich langfristig so zu reformieren, dass die wirtschaftlich und politisch
so intensiv miteinander verflochtenen
Staaten auch eine entsprechende wirksame politische Struktur bekommen?
Die Staatsschuldenkrise hat gezeigt, dass
wir mehr Integration in europa brauchen. In der Öffentlichkeit gibt es zwar
viele Vorbehalte, dass die Souveränität
der mitgliedstaaten eingeschränkt werden könnte. Dabei wird jedoch oft vergessen, wie weit die Souveränität bereits
heute zwischen der nationalen und der
europäischen ebene verschränkt ist. Die
europäischen Krisenländer können ein
lied davon singen. Wer aber diesen Krisenstaaten gegenüber mehr Durchgriffsrechte fordert, der muss gleichzeitig auch
akzeptieren, dass solche europäischen VV
AM Dezember 2014 309
tItelthemA
VV einmischungen auch im eigenen land
erfolgen können.
Dabei geht es nicht einfach darum,
immer neue Kompetenzen auf die eU zu
übertragen. Vielmehr stellt sich die Frage
nach der richtigen ordnung in europa.
In gewisser hinsicht müssen wir europa
vom Kopf auf die Füße stellen. Die eU
kümmert sich derzeit aus Gründen der
historischen entwicklung heraus um zu
viele Dinge, die besser national geregelt
würden. Denken wir nur an die landwirtschaftspolitik, die immer noch 40
Prozent der eU-Ausgaben ausmacht.
Aber im Gegenzug beharren die mitgliedstaaten auf Kompetenzen, die besser in Brüssel liegen würden. Nicht nur
viele eU-Bürger wünschen sich eine stärkere europäische Außenpolitik; sie wäre
auch aus politischen Gründen erforderlich. Der Schlüssel für die Zukunft des
europäischen Gemeinwesens liegt einmal mehr in der vielbeschworenen Subsidiarität. Nur wenn sich europa konsequenter als eine subsidiäre politische
ordnung konstituiert, kann die europäische Integration das bleiben, was sie bislang bereits ist: das erfolgreichste einigungsprojekt der Geschichte.
Fortschritte durch die
Europawahl 2014
Auch wenn die europawahlen nach wie
vor als second-order-Wahlen gelten, die
bei den Wählern nicht die gleiche Beachtung wie nationale Wahlen finden
und stärker als nationale Zwischenwahlen betrachtet werden als unter der zu
entscheidenden materie, so haben die
Wahlen zum europäischen Parlament im
mai 2014 doch wichtige Neuerungen
mit sich gebracht, die zu einer größeren
europäischen Öffentlichkeit beitragen.
Dazu gehört, dass sich die europäischen
Parteien mit gemeinsamen europaweiten
Spitzenkandidaten um das Amt des
Kommissionspräsidenten beworben haben. Sicherlich: Im Gegensatz zum
Deutschen martin Schulz, der Kandidat
der Sozialdemokratischen Partei europas
für das Amt des Kommissionspräsidenten war, wurde der luxemburgische Spitzenkandidat der christdemokratischen
europäischen Volkspartei Jean-Claude
Juncker in Deutschland nicht plakatiert.
Aber es gab erste nationale und europäische tV-Duelle der Spitzenkandidaten,
so dass die europaweiten Kandidaten in
einem begrenzten maß durchaus schon
für eine stärkere Wahrnehmung der europäischen Dimension der Wahlen gesorgt haben. es ist davon auszugehen,
dass das modell der Spitzenkandidaten
bei den kommenden Wahlen immer stärkere Konsequenzen nach sich ziehen
wird. Schließlich werden es sich nationale Parteien kaum noch leisten können,
bei der europawahl inhaltlich allzu sehr
von den Positionen des europäischen
Spitzenkandidaten ihrer Parteienfamilie
abzuweichen.
Zum erfolg des modells der europäischen Spitzenkandidaten hat vor allem
das europäische Parlament beigetragen,
das nach der Wahl den siegreichen Juncker von Anfang an als Kommissionspräsidenten unterstützte, obwohl er bis
dahin nur eine relative mehrheit der
Christdemokraten hinter sich hatte. Insofern hat sich das europäische Parlament wieder einmal als Vorreiter der
europäischen einigung herausgestellt.
Dass es innerhalb des europaparlaments
aber schon wieder zu einer übergroßen
Koalition aus Christdemokraten, Sozialdemokraten und liberalen gekommen
ist, liegt nicht nur am System der Kommissionsernennung, bei dem die mitgliedstaaten eine gleichberechtigte rolle
spielen, sondern auch an der Zersplitterung des europäischen Parlaments. Zu
dieser hat bedauerlicherweise auch das
Bundesverfassungsgericht beigetragen,
das erst die fünf Prozent- und dann die
310 AM Dezember 2014
© Foto Strauch, http://www.foto-studio-strauch.de
wikimedia commons; Urheber: Facto popularis Europaea; lizensiert unter
CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en)
Der Wahlerfolg europäischer Spitzenkandidaten ist schwierig vorherzusehen: Spitzenkandidat Martin Schulz wurde (in Deutschland) zur Europawahl plakatiert,
Jean-Claude Juncker nicht. Jean-Claude Juncker wurde Präsident der EU-Kommission, Martin Schulz nicht. Er wurde später als Präsident des Europaparlamentes wiedergewählt.
Die Wähler haben gesprochen.
drei Prozent-Sperrklausel für die europawahl als grundgesetzwidrig verwarf.
Diese entscheidung, die sachlich schlecht
begründet ist und eher politischen erwägungen des Gerichts folgt, stellt sich
in anmaßender Weise sowohl gegen das
europäische Parlament, dem der Charakter eines vollberechtigten Parlaments
abgesprochen wird, als auch gegen den
deutschen Gesetzgeber, der diesen Charakter sehr wohl anerkennt und wie bisher auch weiterhin mit einer Sperrklausel
zur handlungsfähigkeit des europaparlaments beitragen will. Diese höchstrichterliche entscheidung, die die politischen mechanismen der eU geringschätzt
und hinter den politischen realitäten zurückbleibt, stärkt das Bewusstsein für die
Bedeutung der europäischen ebene jedenfalls nicht, sondern steht vielmehr im
Verdacht, absichtlich das Gegenteil erreichen zu wollen.
Regionale und europäische Identität
In den letzten monaten haben in verschiedenen europäischen Staaten verstärkt separatistische tendenzen traditionsreicher Nationen Schlagzeilen gemacht. Während in Schottland im
September ein referendum über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich durchgeführt wurde, wird den
Katalanen innerhalb Spaniens eine solche entscheidung über ihre eigenstaatlichkeit verwehrt. Zusammen mit dem
latent vom Auseinanderfallen bedrohten
Belgien zeigt sich eine entwicklung der
regionalisierung in europa, die jedoch
den Nationalstaat zum Gegenüber hat.
Die regionale Identität, die hier zum
Vorschein kommt, richtet sich aber keinesfalls gegen europa. Nicht zuletzt streiten die separatistischen Bewegungen mit
ihren nationalen regierungen und der
eU-Kommission darüber, ob regionen,
die sich von ihren Nationalstaaten lossagen, nicht mitglied in der eU bleiben
können, ohne ein Beitrittsverfahren zu
durchlaufen. eine stärkere regionale Identitätsbildung stellt also keinesfalls eine
Bedrohung für das europäische Bewusstsein dar. Vielmehr stellt sich die Frage,
ob sich Schottland, wenn die Briten in
den kommenden Jahren einem Austritt
ihres landes aus der eU zustimmen sollten, nicht doch noch vom Vereinigten
Königreich lösen wird, um mitglied in
der europäischen Union zu bleiben.
Unterschiede
zwischen Ost und West
eine größere Anfrage an die europäische
Identität stellt sich nach wie vor durch
die unterschiedlichen Prägungen und erfahrungen in ost und West. In der euphorie der friedlichen revolution 1989
und der Nachwendezeit hatte das Zusammenwachsen von ost und West etwas Natürliches, man sprach von der
Wiedervereinigung europas. Natürlich
war man sich auch der Unterschiede bewusst: Das Bild von ost und West als die
beiden lungenflügel europas, das Papst
Johannes Paul II. so oft benutzt hat,
zeugt davon. Doch 25 Jahre später stellt
sich immer noch die Frage, wie groß die
Gemeinsamkeiten zwischen dem westlichen und dem östlichen teil des Kontinents tatsächlich sind. Verschiedene
historische Prägungen durch die Jahrhunderte, angefangen vom lateinischen
und dem orthodoxen Christentum,
haben unterschiedliche Kulturen in ost
und West entstehen lassen, die zwar
durch die europäische Klammer zusammengehalten werden, aber eben durch-
aus auch differieren. Zudem unterscheidet die unterschiedlich erlebte Geschichte der neuesten Zeit die Gründerstaaten der europäischen Integration von
den jüngeren eU-mitgliedern in mittelund osteuropa. Dies wird immer wieder
an den verschiedenen erinnerungskulturen deutlich. Nicht zuletzt die Diktaturerfahrung des Kommunismus, die Frage
des Umgangs mit diesem totalitären erbe
und die Vergleichbarkeit mit dem Nationalsozialismus weisen auf unterschiedliche historische erfahrungen in ost und
West und daraus entstehende unterschiedliche politische Wahrnehmungen
hin. Wie stark diese Prägungen fortwirken, haben nicht nur die auseinanderfallenden Positionen der europäischen
Staaten im Irakkrieg 2003 gezeigt. Vielmehr wirken sie auch heute bei der Frage
des Umgangs mit russland in der Ukrainekrise und der Bewertung der Gefährdung europas durch Putin fort und
führen zu politischen Differenzen zwischen ost- und Westeuropa.
Differenzierte Integration
Diese Fragen deuten darauf hin, dass
europa sich kulturell nicht überdehnen
sollte. Die Staaten des Westbalkans haben die Zusicherung, der europäischen
Union beitreten zu können. Ihnen wird
sicherlich niemand absprechen wollen,
zu europa zu gehören. Strittiger erweist
sich momentan die Frage, ob auch der
Ukraine eine Beitrittsperspektive eingeräumt werden soll. Die türkei entfernt
sich derweil von einer möglichen mitgliedschaft in der eU, die ihr durch den
Status eines Beitrittskandidaten im Jahr
1999 eröffnet wurde.
ein politisches Gemeinwesen wie die
eU auf dem Weg der Konstitutionalisierung braucht ein mindestmaß an kulturellem und gesellschaftlichem Zusammenhalt, an gemeinsamer Identität. mit
zunehmender erweiterung franst die europäische Union nicht nur politisch aus,
sondern auch hinsichtlich des zugrundeliegenden gemeinsamen Bewusstseins.
Deshalb ist eine differenzierte Integration der eU, bei der sich nicht alle mitgliedstaaten an allen Integrationsschritten beteiligen, nicht nur aus politischen
erwägungen heraus, sondern auch mit
Blick auf die europäische Identität das
Gebot der Stunde.
VV
© lukas555; Fotolia.com
tItelthemA
AM Dezember 2014 311
DAS INterVIeW
interVieW mit der leiterin des krebsinFormationsdienstes
heidelberg, dr. susanne Weg-remers
Krebs, eine Volkskrankheit
der krebsforschungsinformationsdienst in
heidelberg hilft die krankheit besser zu
verstehen.
Die Informationen des Krebsinformationsdienstes entsprechen
der besten verfügbaren Evidenz zu den jeweiligen Themen.
Frau Dr. Weg-Remers, Sie sind Leiterin
des Krebsinformationsdienstes hier in
Heidelberg. In Ihren Veröffentlichungen
betonen Sie, für alle Fragen zum Thema
Krebs zur Verfügung zu stehen.
Übernehmen Sie sich nicht?
Ihre „Kunden“ sind der einzelne Bürger,
aber auch Vertreter der Berufsgruppen
des Gesundheitssystems. Nehmen Sie für
sich in Anspruch, qualifizierter zu sein als
die Ärzte und Kliniken?
Weg-Remers Nein. Wir haben 66
mitarbeiterinnen und mitarbeiter,
größtenteils Ärzte, aber auch lebenswissenschaftler wie Biologen, Chemiker und Psychologen. es gibt uns seit
1986, und so haben wir sehr viel erfahrung damit, wissenschaftliche Informationen zu recherchieren, aufzubereiten und an ratsuchende zu vermitteln.
Weg-Remers Wir sehen uns nicht als
Konkurrenz, sondern als ein ergänzendes Angebot. Unser Ziel ist es, den
einzelnen Patienten so zu stärken, dass
er mit seinem Arzt qualifiziert sprechen und gemeinsam mit ihm entscheidungen treffen kann. Fachleute
mit wenig Zeit für eigene recherchen
unterstützen wir mit wissenschaftlich
fundiertem Wissen zu onkologischen
Fragen.
Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass
Ihr Service auf einer umfassenden krebsbezogenen Wissens- und Adressdatenbank beruht.
Woher nehmen Sie diese Daten?
Lassen Sie es mich sehr überspitzt fragen:
Sind Sie eine Beschwerdestelle für Bürger, die mit ihrer bisherigen ambulanten
oder klinischen Versorgung nicht
zufrieden waren?
Weg-Remers Unser Wissensmanagement-team recherchiert fortlaufend
themenbezogen in aktuellen Fachpublikationen, originalarbeiten oder auf
Fachkonferenzen. Nach Sichtung der
Daten entscheiden die mitarbeiter
nach den Prinzipien der evidenzbasierten medizin, welche Information in
die Datenbank aufgenommen werden
kann. Darüber hinaus ist die Wissensdatenbank aber auch bedarfsgesteuert –
wir haben den Anspruch, alle Fragen
rund um das ema Krebs beantworten zu können. Unsere Adressen von
Krebsberatungsstellen und ambulant
tätigen Psychoonkologen werden regelmäßig aktualisiert.
Weg-Remers Das ist nicht der Punkt.
Die mehrheit unserer Anrufer beschwert sich auch nicht. Viele wollen
312 AM Dezember 2014
Krebsinformationsdienst des
Deutschen Krebsforschungszentrums
Telefon: 0800 - 420 30 40, kostenfrei,
täglich von 8 bis 20 Uhr
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de
(Antwort innerhalb von zwei Werktagen)
Internet: www.krebsinformationsdienst.de und
www.facebook.com/krebsinformationsdienst
die Probleme um ihre Krankheit einfach besser verstehen und einen einblick erhalten, wie ihre erapie abläuft. oder es gibt Grenzsituationen
wie der Schockzustand nach einer
Krebsdiagnose oder bei Fortschreiten
der erkrankung, wenn Patienten und
ihre Angehörigen nach optionen
suchen.
Welche Menschen suchen bei Ihnen Rat?
Weg-Remers Wir haben ca. 30.000
Anfragen im Jahr, größtenteils von
Patienten und Angehörigen, vier bis
fünf Prozent von Fachkreisen. Das
sind zur hälfte Ärzte und darüber
hinaus Pflegekräfte, Apotheker und
Krebsberater. es ist interessant zu beobachten, dass sich viele Fachleute an
uns wenden, wenn sie selbst betroffen
sind, sei es durch eine eigene Krebserkrankung oder durch die eines Angehörigen.
Seit dem Frühjahr 2014 haben wir
ein spezielles Angebot für Fachkreise,
den krebsinformationsdienst.med.
Den Profis im Gesundheitswesen bieten wir ergänzend zu den fachlichen
Auskünften auch eine Auswahl der zugrundeliegenden literaturstellen – als
Ausgangspunkt für eigene recherchen.
Können Sie bitte einen konstruierten
Fall einer persönlichen Beratung durchspielen?
Weg-Remers Bei unseren telefonaten
unterscheiden wir in der regel drei
Phasen: In der ersten Phase treten die
Ärzte unseres telefonteams in einen Dialog mit dem Anrufer, erfassen dessen
DAS INterVIeW
Anliegen und klären die Situation, aus
der heraus er anruft. Danach erfolgt in
einer zweiten Gesprächsphase die eigentliche Informationsvermittlung. Dabei
fragen wir zunächst nach den Vorinformationen und der persönlichen einstellung dazu. Dabei kann es beispielsweise bei der erstdiagnose eines Prostatakarzinoms um die Frage gehen: operation oder Strahlentherapie. Unsere mitarbeiter respektieren die haltung des
Anrufers, ohne sie aber in jedem Fall
zu teilen. In der nächsten Stufe informieren wir auf der Basis wissenschaftlicher erkenntnisse: Was sind beispielsweise die Chancen und risiken verschiedener Behandlungsoptionen.
Dabei vermitteln wir kleine Informationshappen in einer Sprache, die der
Anrufer auch versteht. In der Abschlussphase des Gesprächs fassen wir
dann die vermittelten Inhalte zusammen und fragen, ob alle Fragen beantwortet wurden. Nicht immer können
wir alle Anliegen der Anrufer in der
gewünschten Weise adressieren: So
könnten wir die Frage nach dem besten Spezialisten in Deutschland oder
der besten Klinik für das konkrete leiden nicht beantworten, ohne unser
Neutralitätsgebot zu verletzen. Andererseits geben wir in diesem Fall den
Anrufern konkrete Kriterien an die
hand, woran sie sich bei der Auswahl
einer Klinik oder eines Arztes orientieren können und nennen ihnen auch
weiterführende Informationsquellen.
Aber: bei einer seltenen Krebsart, wie
dem Aderhautmelanom, gibt es in
Deutschland nur zwei spezialisierte
Zentren. Diese würden wir nennen.
Wie geht nach einer Beratung durch Sie
der Patient mit den Informationen bzw.
Beratungsergebnissen um?
Weg-Remers Aus regelmäßigen Nutzerbefragungen, beispielsweise unserer
telefondienstnutzer wissen wir, dass
die erhaltenen Informationen 85 Prozent unserer Anrufer gut bis sehr gut
weitergeholfen hat. Sie wissen nun
mehr über die handlungsalternativen
in ihrem speziellen Fall, kennen weiterführende Anlaufstellen und können
bereits vorher vorhandene Informationen besser einordnen. etwa 55 Prozent
unserer Patienten geben an, dass die bei
uns erhaltenen Informationen einen direkten einfluss auf medizinische entscheidungen hatten, die sie danach mit
ihren behandelnden Ärzten trafen.
Kann eine telefonische Beratung den persönlichen Arztbesuch ersetzen?
Weg-Remers Nein, aber ergänzen. Wir
sehen es auch als unsere Aufgabe an,
die Ärzte zu entlasten: Wir haben die
Zeit, um Patientenfragen ausführlich
zu beantworten, die den medizinern
im klinischen Alltag oft fehlt. manche
Patienten kommen mit seitenlangen
Internet-Auszügen zu Ihrem Arzt, die
wissenschaftlich nicht belegt sind. Das
ist eine horrorvision für jeden Arzt.
hier können wir sachgerecht aufklären
und dabei helfen, aus der Informationsflut die relevanten Inhalte herauszufiltern und Informationen richtig einzuordnen.
Wer ist Ihr Träger und wie finanzieren
Sie sich?
Weg-Remers Wir sind eine Abteilung
des Deutschen Krebsforschungszentrums. 90 Prozent unseres etats zahlt
das Bundesministerium für Bildung
und Forschung, zehn Prozent das ministerium für Wissenschaft und Kultur
des landes Baden-Württemberg. ein
kleiner teil unseres Budgets besteht
aus Drittmitteln öffentlicher Förderer
und aus Spenden von Privatpersonen.
In Dresden unterhalten wir noch eine
Außenstelle mit fünf mitarbeitern. Die
Schaffung weiterer Außenstellen wäre
wünschenswert, hängt aber von den
finanziellen möglichkeiten ab.
Wie aktuell sind Ihre Informationen,
die Sie verteilen?
Weg-Remers häufig sind sie tagesaktuell - da gibt es ein tolles Beispiel:
Vor zehn tagen wurde im Fernsehen
ein „tatort“ ausgestrahlt, in dem es
um Fälschungen von teuren Krebsmedikamenten ging. Am nächsten tag
um die mittagszeit hatten wir dazu bereits eine interne News in unserer Wissensdatenbank, für den Fall, dass
besorgte Krebspatienten oder Angehörige anrufen und Fragen zu diesem
speziellen ema stellen. ‹‹
Kb Michael Kotulla
Danke und auf Wiedersehen
Liebe Kartellbrüder,
mit dem in dieser Ausgabe abgedruckten
Beitrag verabschiede ich mich als der
„Interviewer” des KV. In den letzten Jahren habe ich 72 Interviews für unsere
AM geführt und mit ihnen einen weiten
Bogen über so manche gesellschaftlichen
Fragen und Probleme gespannt. Das war
für mich eine spannende Zeit, konnte ich
doch Kartellbrüder mit ihren Begabungen
oder Projekten vorstellen, aber auch Gesprächspartner außerhalb des KV zu Wort
kommen lassen. Dabei habe ich festgestellt, dass bei den Letzteren sehr viel
Interesse an dem KV bestand und manches Vorurteil abgebaut werden konnte.
Ich bedanke mich bei den Mitgliedern
der Redaktion und hier besonders bei
Wolfgang Löhr, die mich immer in meinem Tun unterstützt haben. Mein Dank
gilt auch Frau Eichendorf vom KV-Sekretariat, die meine Interviews immer in den
richtigen Rahmen gesetzt hat.
Ich bedanke mich ferner bei den vielen
Kartellbrüdern, deren wohlwollende Unterstützung und ausgewogene Resonanz
meine Arbeit beflügelt haben.
Alles hat seine Zeit, und so ist es für mich
an der Zeit, diese wunderschöne Tätigkeit
für den KV in andere Hände zu geben.
Neue und auch junge Themen sollten auch
weiterhin die AM als Sprachrohr haben.
Nochmals herzlichen Dank für die tolle
Begleitung und auf Wiedersehen im KV.
Euer
AM Dezember 2014 313
Vorortsübergabekommers 2014 aachen
Eine erhebende Feier
am 25. oktober war es soweit: die Vorortsstandarte
wurde im rahmen des Vorortsübergabekommerses
von aachen nach Franken übergeben.
m
314 AM Dezember 2014
mit Bravur leitete das 10-köpfige Präsidium aus fünf Korporationen die Veranstaltung. Der scheidende Vorortspräsident Andreas Wittenberg lieferte routiniert eine prägnante und humoristische
rückschau auf seine Amtszeit, und VoP
michael Baumann begann seine Amtszeit mit einer unterhaltsamen und gleichzeitig wohlüberlegten Prinzipienrede.
Die feierliche Übergabe der Standarte
wurde traditionsgemäß beim KV-Bundeslied „Wie uns die Väter lehrten“ vorgenommen.
In der Festrede zog Dr. Philipp Fondermann den Bogen von antiker Schrift
über die in Aachen geförderte karolingische minuskel bis hin zu unserer heutigen Schrift, in der auch dieser text geschrieben steht. es schlossen sich Grußworte unter anderem des KV-ratsvorsitzenden Karl Kautzsch und des ÖKVratsvorsitzenden Stephan Schönlaub an.
Die anschließende Fidulitas auf dem
haus der Wikinger bot Gelegenheit für
tiefere Gespräche. Besonders hartgesottene trafen sich danach noch zu einem
Umtrunk im Studentenwohnheim Alania.
Am Sonntagmorgen stärkten sich die
Chargen und das Vorortspräsidium beim
Brunch auf dem Alanenhaus für die
heimreise. Das Buffet war vorzüglich
serviert und die Speisen köstlich.
VV
it dem Zeremoniell beschloss der Vorort 2013/
2014, gestellt durch den
KStV Wiking und den
KStV Alania-Breslau, seine erfolgreiche
und arbeitsintensive Amtszeit. Die Vertreter von KStV mainfranken Bamberg,
KStV Normannia Würzburg und KStV
rhenania erlangen lösen sie in den
Amtsgeschäften als Vorort im Amtsjahr
2014/ 2015 ab.
eingeleitet wurde das feierliche Wochenende am Freitag durch das Spanferkelessen auf dem Alanenhaus. In voller
Vorfreude auf den Kommers wurde am
Samstag die Fuchsentagung unter der
leitung von VVoP Stefan Bauch abgehalten. Bei der messe in heilig Kreuz
ersuchten wir Gottes Segen für die kommende Amtszeit und dankten für die vergangenen zwei Semester.
Um 20 Uhr begann der festliche Kommers, der jedes Jahr im oktober vom
scheidenden Vorort ausgerichtet wird.
Die Festcorona füllte auch die letzte
reihe im wunderschön stuckierten Festsaal des Alten Kurhauses Aachen, für die
rund 70 Chargierten wurde spontan ein
weiterer tisch angestellt.
Aachens oberbürgermeister marcel
Philipp begrüßte alle anwesenden Gäste.
Bernhard Häussner (Nm-W)
AUS Dem KV
Liebe Kartellbrüder,
die Überprüfung der Software des internen Bereichs der KVHomepage hat leider ergeben, dass einige Programmmodule
Sicherheitslücken beinhalten, weil diese Module aus früheren
Jahren stammen. Durch diese Sicherheitslücken könnte ein
Zugriff auf sämtliche gespeicherte Daten aller Kartellbrüder
stattfinden, wenn mit genügend krimineller Energie ein entsprechender Angriff auf die Homepage verübt wird.
Eine erste Prüfung durch ein Fachunternehmen hat ergeben,
dass zur Behebung sämtlicher Lücken ein umfangreiches Programm-Update erforderlich ist, das allerdings mehrere tausend
Euro kosten soll.
Der KV-Rat hat sich auf seiner Sitzung in Berlin am 21./22.
November eingehend mit der Problematik beschäftigt. Als Sofortmaßnahme wurde einstimmig beschlossen, den internen
Bereich zunächst ab sofort vorübergehend zu sperren. In den
nächsten Wochen soll analysiert werden, welche der gefährdeten Programme zur Gestaltung und Nutzung der Homepage
benötigt und welche Updates tatsächlich dafür erforderlich
sind.
Aufgrund des erheblichen Preisniveaus und des zeitlichen Umfangs, das dem Sekretariat von dem bisher involvierten Fachunternehmen für die erforderlichen Updates genannt wurde,
sollen auch andere Anbieter kontaktiert werden, um ein ggf.
günstigeres Angebot zu nutzen.
Darüber hinaus bitten wir alle Kartellbrüder, die über einschlägige Erfahrungen im Bereich IT-Sicherheit (hier insbesondere
mit dem Programm Typo3) verfügen, um Hilfe. Ideal wäre es,
wenn die kritische Analyse der weiterhin erforderlichen Programme und der tatsächlich erforderlichen Updates oder
Sicherheitstools durch einen Kartellbruder erfolgen könnte,
um dadurch hoffentlich die Kosten für die Schließung der
Sicherheitslücken zu senken.
Kontaktaufnahme für konkrete Nachfragen bzw. Hilfsangebote über sekretariat@kartellverband.de.
Der KV-Rat sieht zur Sicherstellung des erforderlichen Datenschutzes und unter dem Blickwinkel einer sparsamen Haushaltsführung momentan zu der genannten Sperrung keine
Alternative.
Er bittet alle Kartellbrüder um Verständnis, dass somit aus den
genannten Gründen der interne Bereich der KV-Homepage
vorübergehend nicht zur Verfügung steht.
Die Forderung, die katholischen
Verbände sollten stärker zusammenarbeiten, hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg zurückreicht.
Am sinnvollsten ist und bleibt die
Kooperation auf lokaler Ebene.
Ein nachahmenswertes Beispiel
zeigen wir hier. Es kann als Anregung dienen, ähnliche Aktionen in
anderen Städten, in denen der KV
vertreten ist, zu planen und zu
realisieren.
Die Redaktion würde sich über
Berichte darüber freuen und sie
abdrucken.
AM Dezember 2014 315
AUS Dem KV
Kb Wolfgang Schön als Rotkreuzmann
während seines Einsatzes nach dem
Erdbeben in Haiti 2010.
KOSTENEINSPARUNGEN
ein kVer als helFer in WestaFrika gegen ebola
KV-Jahrbuch
Volles Risiko
Liebe Kartellbrüder,
u
Kb Schön ist sich bewusst, dass man
bei einer solchen Aufgabe, „nicht hektisch werden darf, den Überblick bewahren und auf seinen Nebenmann achten
muss, dass der gut geschützt ist.“ Außerdem braucht man „eine robuste Gesundheit sowie ein robustes Gemüt, das es
einem hoffentlich gestattet mit der Situation richtig umzugehen.“ Seine entsendung nach Afrika empfindet er als
„eine besondere herausforderung“ und
316 AM Dezember 2014
freut sich, wenn sein engagement „zum
Überleben anderer unmittelbar beiträgt.“
er empfindet keine Panik und verlässt
sich auch auf seine gute körperliche Konstitution. Die Frage, ob er vor dem einsatz sein testament gemacht habe, bejaht
er, hält aber motorradfahren für gefährlicher. Der KV wünscht Kb Schön, dass
er wohlbehalten aus Afrika zurückkehrt
und bewundert seinen mut.
VV
nter den 65 helfern, die das
Deutsche rote Kreuz zum einsatz nach Westafrika zur Bekämpfung der ebola-epidemie eingesetzt
hat, befindet sich auch ein KVer, der
münchner Alemanne Wolfgang Schön
(36), der in münchen einen Umzugsdienst für Senioren betreibt und sich
schon seit seinem 15. lebensjahr beim
Bayerischen roten Kreuz engagiert. In
einem Interview mit der Süddeutschen
Zeitung gesteht er, dass er sich des risikos, das er eingeht, voll bewusst ist. Aber
er geht nicht unvorbereitet nach Afrika.
er hat beim roten Kreuz schon viele
Ausbildungslehrgänge absolviert, so auch
als techniker. Ferner ist dies nicht sein
erster einsatz. er war bereits 2010 nach
dem verheerenden erdbeben in haiti
und hat dort ein hospital mit aufgebaut
und war wiederum dabei, als auf der
Insel eine Cholera-epidemie ausbrach.
2015 wird ein neues
KV-Jahrbuch herausgegeben. Es gibt die
Möglichkeiten, dieses
Jahrbuch in gedruckter
Form oder als CD zu erhalten. Es gibt aber
auch die Möglichkeit, auf das KV-Jahrbuch
zu verzichten.
Für die gedruckte Form muss nichts unternommen werden. Wer das Jahrbuch als CD
haben möchte oder auf den Bezug verzichten möchte, kann dies durch eine Mitteilung
an das KV-Sekretariat erreichen (Mail an:
sekretariat@kartellverband.de).
R
hinWeis
Das „Handbuch für Führungskräfte“ unseres Kartellbruders
Christoph Abeln (Rh-P, Erw),
Rechtsanwalt und Fachanwalt
in Berlin, hat eine zweite Auflage erlebt.
Dieses Buch behandelt Fragen, die sich leitenden Angestellten stellen und
bietet Lösungen an. Im Mittelpunkt steht ihr
Status „in Veränderungsprozessen“ wie etwa
Versetzungen und Aufgabenentzug. Außerdem
werden u.a. die Rolle der Sprecherausschüsse,
die Vergütung, die Altersversorgung, „Compliance“, „Whistleblowing“ und Auslandsentsendung beleuchtet.
Das Buch ist erschienen im Verlag Springer
Gabler, Wiesbaden 2014 (ISBN 978-3-65804028-4). Es gibt auch eine Version als e-book.
Aktivitates erhalten drei Exemplare der gedruckten Fassung und der CD auf das jeweilige Haus. Für eine andere Anzahl bedarf
es einer Mitteilung an das KV-Sekretariat.
Es sind auch Sammelmeldungen des jeweiligen AHV-Vorstandes an das KV-Sekretariat
möglich. Hierzu aber bitte eine entsprechende Unterschriftenliste als Bestätigung
beifügen, damit im Sekretariat diese Meldung in der jeweiligen Akte auch vermerkt
werden kann.
Meldungen zum KV-Jahrbuch sind nur noch
bis zum 31.12.2014 an das KV-Sekretariat
möglich.
Mit jedem nicht versandten KV-Jahrbuch
kann der Verband Kosten einsparen.
Mit herzlichen kartellbrüderlichen Grüßen
Karl Kautzsch (Cher, Bf, AR, NC)
Vorsitzender des KV-Rates
AUS Dem KV
eine Familie Für den kV:
150 Jahre Germania-Münster
Wie man sich feiert, so möchte man sein, und an guten tagen ist man auch so:
der katholische studentenverein germania zu münster präsentierte sich bei seinem
150. stiftungsfest vom 29. mai bis 1. Juni 2014 als weltoffene katholische Familie,
die Verantwortung für staat und gesellschaft übernimmt – und für den kV.
Foto: Ester-Maria Messerschmidt
Festredner Dr. Gerhard Cromme, Senior Sargon Yigit
und Philistersenior Friedrich Quante im Rathausfestsaal.
Foto: Ester-Maria Messerschmidt
d
zeln und namentlich zu
danken. entschieden bejahte Kb Quante ethnische
und konfessionelle Vielfalt
der heutigen Aktivitas mit
jungen Bundesbrüdern „aus
sprichwörtlich aller herren
länder und allen Schattierungen des Glaubens, ob
römisch katholisch, orthodox katholisch oder protestantisch, vereint durch das
Vaterunser.“ Von Dankbarkeit sprach auch der KV-ratsEröffnungsgottesdienst: Am Altar Propst H. Westhoff, Diakon K. Knob,
Weihbischof F. Ostermann, Dr. M. Heil, J. G. Alesseril, Pater R. Jauch.
vorsitzende Karl Kautzsch –
und verdiente sich Dank,
hard Cromme (Gm) seinen Vortrag un- als er aus seinem Geschenk, einer alten
ter die Frage: „Ist europa noch unsere Festschrift seiner Braunschweiger CheZukunft?“ und erinnerte daran, „dass das ruscia vortrug und eine maßgebliche Begeeinte europa letzten endes kein rein teiligung von Germanen an beiden
wirtschaftliches oder rein sachliches Pro- Gründungen und der reaktivierung der
jekt ist – sondern ein politisches!“ Der Cheruscia nach dem Kriege belegte.
europäischen einigung (und der NAto)
Der teilnehmer mit der weitesten Anverdanken Deutschland (und Germania) reise, Father Joseph George Alesseril aus
„die längste Friedensära der modernen Cochin in Kerala/Indien, ergriff stellverGeschichte.“ Und während man mängel tretend für die an diesem tag feierlich
natürlich abstellen müsse, sei die Alter- philistrierten Germanen das Wort und
native zu europa als politischer Union warb für das Zusammenleben in einer
alles andere als attraktiv. „Denn eins ist lebensgemeinschaft wie Germania, denn
sicher“, so Kb Cromme: „In der Welt es sei praktizierte Gottes- und Nächstenvon morgen wird sich kein einzelnes eu- liebe. er tat es auf englisch – kein Proropäisches land allein gegenüber mäch- blem in einem Kartellverein, der eine
ten wie den USA oder China behaupten informelle „Untergruppe“ in london bekönnen – nicht einmal ein großes land treibt.
wie Deutschland.“
Zu den Gratulanten im rathausfestUnter der souveränen Kommersleitung saal gehörten auch Vorortspräsident Anvon Senior Sargon Yigit leitete Philister- dreas Wittenberg (Wk), der KV-Althersenior Friedrich Quante wenig später renbundvorsitzende michael Kotulla,
zum hauptthema des Stiftungsfestes selbst Consenior beim 100. Stiftungsfest
über: dem Dank für all das Gute, das 1964 und von 1976 bis 1983 GermaGermanen früher und auch in jüngerer nen-Philistersenior, und der Vorsitzende
Vergangenheit erfahren und getan haben. des KV-ortszirkels Drubbel Dr. rochus
Bewusst nahm sich Friedrich Quante die Schmitz (Cb).
Harald Stollmeier
Zeit, den Aktiven und Alten herren, die
das Stiftungsfest vorbereitet hatten, ein-
VV
as begann mit einer heiligen
messe mit Weihbischof em.
Friedrich ostermann (Wst,
Fr-S+ebg, e d Gm) und Propst
heinrich Westhoff (Gm) in der Kreuzkirche, in der die Germanen nicht nur
für ihre Verstorbenen, sondern auch für
die ausgetretenen Bundesbrüder beteten, und endete, jedenfalls offiziell, mit
einem Pontifikalamt in der Überwasserkirche, in dem erzbischof em. Dr. Werner thissen (Gm) in seiner Predigt
Christentum nicht als lehre und regelwerk sondern vorrangig als lebendige
Beziehung zum lebendigen Jesus Christus definierte. Dieses Pontifikalamt feierten der KStV ravensberg und der
KStV Germania gemeinsam, und so
konzelebrierte neben den Germanen P.
robert Jauch und Father Joseph George
Alesseril auch Pfarrer otto Brauer (ra),
sowie Verbandsseelsorger hans-Joachim
leciejewski (Cher) und der Gemeindepfarrer Dr. thomas holznienkemper.
Beim Kommers im bis auf den letzten
Platz gefüllten Festsaal des rathauses,
münsters feinster Adresse für eine solche
Veranstaltung, stellte Festredner Dr. Ger-
AM Dezember 2014 317
AUS Dem KV
„m. b. u. h.” eine couleurkarte der Pruthenia Von 1907
Ein Gruß von Danzig/Westpreußen nach St
im kV-archiv in marl (kV 1/581) befindet sich ein gelaufenes exemplar der wahrscheinlich ers
kstV Pruthenia-danzig, heute zu aachen. die korporation wurde publiziert am 4. oktober 1
kV aufgenommen als ordentlicher Verein.
as Archivexemplar wurde vom
Absender handschriftlich datiert mit „13. I. 1906“, doch
lautet der eingangsstempel
des empfängers „15. 1. 07“. Die handschriftliche Angabe ist also ein Fall des
häufig vorkommenden Irrtums bei Angabe der Jahreszahl in den ersten tagen
eines neuen Jahres.
d
Das Archivstück mit dem antikisierenden Schriftzug „Pruthenia Danzig“
erweckt einen stark historisierenden, ästhetisch gefälligen eindruck. er ist bestimmt durch Architekturelemente: Zwei
Bündel aus Gurten und rippen eines gotischen Kreuzgewölbes ruhen auf Diensten, deren einer das Kapitell einer eher
romanischen Säule ist, der andere ein
eher barocker Putto. Scheinbarock ist
auch das funktionslose Volutenornament
neben einem romanischen Fenster, dessen Scheiben der Wahlspruch Pruthenias
Candide et sincere und ihr Wappen
(noch ohne [Aachener] Adlerschild) zieren. Der junge Künstler, später ein seriöser Architekturhistoriker, mag den Stileklektizismus nicht ohne Augenzwinkern fabriziert haben, und seine Bundesbrüder, mindestens die BauingenieurStudenten, werden ihn verstanden haben. mehr über ihn weiter unten.
Der Fenster-Blick erfolgt von Nordosten,
etwa vom Danziger Bleihof, her. er geht
über den Kai an der mottlau auf das markante Danziger Wahrzeichen, das Krantor,
und auf den 77 m hohen massigen Westturm der marienkirche. Die Zahl der zierlichen türme an Chor und Querschiff ist
auf der kleinen Postkarte aus technischen
Gründen auf zwei reduziert. – mit 105 m
länge war die Danziger marienkirche am
ende ihrer Bauzeit (1343 – 1502) übrigens
die fünftgrößte Kirche der Welt.
318 AM Dezember 2014
Pruthenia-Danzig hatte am 25. Februar 1907 einen Fuchs, vier aktive Burschen, vier ehrenphilister und ein ehrenmitglied (Augustinus rosentreter, Bischof von Kulm; vgl. Biographisches lex.
d. KV, t. 1, 1991, im folgenden: BlKV).
es gab noch keinen aus der Aktivitas hervorgegangenen Philister. Das änderte
sich im weiteren Verlauf des Jahres 1907;
jedenfalls sind am 25. Februar 1908 die
ersten drei 1907 philistrierten Pruthenen
im KV-Jahrbuch verzeichnet. Unter
ihnen war der hannoveraner Ur-Gothe
hermann Sleumer (geb. 1882). Die in
rede stehende Couleurkarte Pruthenias
trägt ein Künstler-monogramm, das wir
als „hSl“ lesen. Da hermann Sleumer
Bauingenieurwesen studierte und deshalb auch zeichnen können musste,
schreiben wir die Karte einstweilen ihm
als Schöpfer zu. Die these wird gestützt
durch die tatsache, dass er 1908 in Danzig zum Doktor-Ingenieur promovierte,
und zwar mit einer Dissertation über
„Die ursprüngliche Gestalt der Zisterzienserabteikirche zu oliva“, und später
auch als rezensent mitarbeiter war an
der Zeitschrift für die Geschichte der Architektur.
Der text der am 13. Januar 1907 verschickten Couleurkarte lautet: l[ieber]
herr Dr. B[u]r[guburu]! Vielleicht können Sie ins J[ahr]b[uch] noch Prümm,
Jean, Apotheker, Danzig, Stadtlazarett,
[Am] olivaer tor, rh-e, einschieben, der
vor einigen tagen für längere Zeit nach
D[an]z[i]g gekommen ist. m. B. u. h.
Boldt.
Der Absender otto Boldt (geb. 1870)
war mitglied der Borussia-Königsberg,
bei der er sich als Kaplan zu Kulm/Westpreußen 1897 philistrieren ließ. Bald darauf (vor dem 4. märz 1899) erklärte ihn
sein eigener Verein zum ehrenphilister.
Bei Pruthenia-Danzig war er ehrenphilister ab 1905. Kaplan Boldt wechselte
AUS Dem KV
raßburg/Elsass
ten couleurkarte des
904 und 1906 in den
125 Jahre ortszirkel „strudel”
Drei Generationen halten
zusammen
Mitglieder des Regensburger Kartellverbandes erinnern beim
Jubiläum an Menschenrechte und Humanität.
aus der Pastoral in den Schuldienst, wozu
er 1901 das Zweite Staatsexamen ablegte.
Als Geistlicher religions- und oberlehrer, dann Professor und nach dem Krieg
als Studienrat lehrte er am Städtischen
Gymnasium Danzig religion, lateinisch
und hebräisch. Nach dem 25. Juli 1927
verliert sich seine Spur.
Adressat von Boldts meldung war der
Geschäftsführer des KV, Dr. med. Pierre
Burguburu (Frk, Arm, e d mv, Stf ) in
Straßburg, der nach neuesten erkenntnissen aus dem KV-Archiv als elsässer
nach dem durch Deutschland verlorenen
Krieg noch im November 1918 aus dem
Amt gedrängt wurde.
unter dem motto „in treue fest für immer!“ feierte der regensburger
kV-ortszirkel „strudel“ sein 125-jähriges bestehen. Während des Pontifikalamts mit bischof em. Wilhelm schraml (agl) in der stiftskirche st. mang,
das den auftakt des Festaktes bildete, wurden die grundgedanken hoffnung, geduld und gebet besonders betont. sie sollten die Verbindung
gleichgesinnter erhalten und dazu beitragen, dass sich drei generationen
von mitgliedern auch in zukunft gegenseitig unterstützen.
beim Festakt im andreasstadel blickte der emeritierte Prof. erich kohnhäuser (erw) in seiner ansprache in die zukunft: Welchen herausforderungen
muss sich der kartellverband stellen und wie kann man sich positionieren?
der einsatz für Frieden, Verständigung und das Wohlergehen der menschen auf globaler ebene sei die unumgängliche aufgabe des kartellverbandes. der Versuch, ein humanes leben für alle menschen dieser Welt
und die unabdingbare einhaltung der menschenrechte zu garantieren,
Der von Boldt dem Burguburu gemeldete, soeben approbierte Apotheker Jean
Prümm wohnte und arbeitete seit dem
1. Januar 1907 in dem erwähnten Stadtlazarett in der Straße Am olivaer tor. er
war noch im Sommersemester 1906 Kassierer bei rhenania-erlangen gewesen
und hatte sich dort zum 1. Januar 1907
philistrieren lassen. Nun war er mitglied
des Danziger KV-Zirkels Vistula, das
heißt Weichsel. Prümm blieb aber nicht
lange an der Weichsel sondern ging bald
ins rheinland. Schon 1908 findet er sich
in Kempenich bei maria laach, später in
Burgbrohl bei Andernach und zuletzt als
Besitzer der Süd-Apotheke in Köln-Zollstock. Für einen Apotheker ein recht bewegtes leben! Bemerkenswert: Zwischen
dem 15. Juli 1929 und dem 15. Dezember 1931 wechselte Prümm den Vornamen und hieß nun nicht mehr Jean
sondern Johannes. mit dem letzten KVJahrbuch vor Auflösung des Verbands
verlieren wir ihn aus dem Auge. In Jahrbüchern nach 1945 ist Johannes Prümm
nicht mehr enthalten.
solle das hohe ziel des kV sein. mit einem mehrmaligen „Vivat, crescat,
floreat!“ und der bayernhymne fand der formelle teil der Feier dann sein
ende. beim geselligen beisammensein auf der „kristallprinzessin“ fuhr der
ortszirkel über einige donaustrudel hinweg in eine kristallklare zukunft.
Quelle MZ, Charlotte Lang
125 Jahre Ortszirkel „Strudel” Regensburg
VV
S. Koß (Gro-Lu, Pr)
AM Dezember 2014 319
ForUm
Paul Ridder (Mk)
Forum
ein beglückendes geFühl
Freude und Freundschaft
unmittelbar nach der mannheimer uraufführung des dramas „die räuber“, kurz
vor ausbruch der Französischen revolution, floh Friedrich schiller 1785 vor seinen
häschern in die arme der vermögenden Familie körner nach dresden. dankbar
pries der mittellose dichter das beglückende gefühl der Freundschaft in einer ode.
us empfindung ward Gewissheit: Zur obersten Göttin
wird jetzt die Freude erhoben!
Sie ist es, die der ersehnten
menschenverbrüderung die Bahn bereitet; sie ist die Grundkraft der beseelten
wie der unbeseelten Natur; sie ist die
triebkraft zu jeder Art von sittlichen
handlungen. In dieser Fassung wurde
die „ode an die Freude“ in den logen
der Freimaurer gelesen, gesungen und
kommentiert.
Beethoven erkannte darin die Fanfaren
der menschlichkeit, sprach andere als
Brüder an, vertonte den Freiheitsgedanken, verkündete im „Fidelio“ die alle
Welt umspannende Freude, auf deren
Schwingen die Seele in freier luft weit
zu atmen vermag. Wen unter seinen mitmenschen hätte haydn, wen hätte mozart seine „Brüder“ nennen dürfen? Klassenschranken trennten alle! Die revolution musste erst kommen, um rang
und Stand zwischen den menschen niederzureißen und das Verbrüderungswerk
in Gang zu setzen: Seid umschlungen
millionen, diesen Kuss der ganzen Welt!
Die erhabene hymne wurde ein Volkslied für gesellige Zusammenkünfte gleichgesinnter Studenten. In Friedrich Schiller
fanden sie einen heros, einen Dichter,
der ihrem Wollen Worte lieh, in seinen
Werken glaubten sie, sich selbst zu finden:
a
„Wir wollen sein ein einzig Volk von
Brüdern,/ In keiner Not uns trennen und
Gefahr,/ Wir wollen frei sein, wie die
Väter waren,/... Festen mut in schweren
leiden ..., ewigkeit geschwor´nen eiden
..., männerstolz vor Königsthronen
320 AM Dezember 2014
Schillerhaus Dresden
...Dem Verdienste seine Kronen,/ Untergang der lügenbrut!“
In den Werken der Klassiker fanden die
Gründungsväter des Vereins den Wahlspruch der markomannia: „Viriliter
age!“. Zu verstehen ist er nur aus der
Kulturgeschichte.
2
Freundschaft erscheint in Schillers ode
als eine lebensform der „Sympathie“:
Denn wir erleben die Gegenwart eines
anderen menschen in ihrer ganzen Bedeutung nicht ohne empfindsamkeit
und emotionale Anziehung. Niemand
versteht den anderen, seine lage oder seinen Blick auf die Welt, ohne Anteilnahme und ein gewisses Wohlwollen.
Wenn wir nicht schon ahnen, was der jeweils andere im Sinn hat, so sind wir
doch wenigstens bemüht, den subjektiv
gemeinten Sinn des anderen zu fassen.
Das einfühlen in die Psyche des anderen vermag eine kleine soziale Welt aufzubauen, in der sich eine leichtflüssig
einstimmige Verständigung abspielen
kann, aber auch das einvernehmliche
Schweigen nicht ausgeschlossen ist. In
wechselseitigem Geben und Nehmen auf
der Grundlage gemeinsam geteilter
Werte und Überzeugungen können sich
daraufhin erst Interessen, Zeitpläne, erlebnisse zu Spiel und Spaß vereinen.
In der Folge ermöglicht Freundschaft
das seelische Gleichgewicht heiterer
Wohlgestimmtheit. Die schönen Künste
der rede und des Gesangs stimmen
genau darauf ein. Die resultierende einheit von Schönheit und angenehmer Befindlichkeit vollendet sich aber erst unter
der leitung sittlicher Werte. eine wertbewusste Seelenführung entsteht immer
dann, wenn Sympathie uns Genugtuung
empfinden lässt, für den anderen da zu
sein, wenn das „gegenseitig gute Verste-VV
Schweizer Garde l Rom
Orth l Fehmarn
Tagungsleiter:
Kb Prof. Dr. Gerhard Vigener
Teilnehmerzahl:
40
Anmeldeschluss: 28.02.2015
Tagungsbeitrag:
AHAH/Damen/Gäste:
DZ: 1025,00 Euro/Pers.
EZ: 1275,00 Euro
Mit der Anmeldung wird eine Anzahlung i.H.v. 300,00/Pers. fällig.
21. bis 26. September: Exklusive Busreise ins
faszinierende Piemont und nach Turin
SEPTEMBER 2015
Tagungsleiter:
Kb Michael Kotulla
Teilnehmerzahl:
40
Anmeldeschluss: 25.08.2014
Tagungsbeitrag:
AHAH/Damen/Gäste:
DZ: 1195,00 Euro/Pers.
EZ: 1425,00 Euro
Mit der Anmeldung wird eine Anzahlung i.H.v. 300,00/Pers. fällig.
14. bis 19. Juni:
Exklusive Flug-/Städtereise nach Danzig
JUNI 2015
Hügelland l Piemont
Piazza Castello l Turin
"
Dann fordern Sie JETZT weitere Informationen zu den
Veranstaltungen oder allgemeines Informationsmaterial zur KVAkademie unter den nebenstehenden Kontaktdaten an.
Haben wir Ihre Neugierde geweckt?
Thema: Prekäre Humanität
Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at
Salzburger Hochschulwochen: 27.07. bis 02.08.2015
Thema: Was hat Jesus wirklich gesagt?
Möglichkeiten und Grenzen historisch-kritischer Bibelexegese
Infos und Anmeldung: Kb Prof. Dr. Manfred Hoffmann,
Tel.: 08 807 / 70 278, manfred.hoffmann@ngi.de
Begegnungstage des KStV Isaria-Freising und der
KV-Akademie in Eichstätt: 11. bis 12.07.2015
mit Kb Werner Rellecke, voraussichtlicher Termin 02. bis 05.07.2015
in Planung für Juli 2015: Seminar in Halle/Saale
Infos demnächst unter: vv2015.kartellverband.de
VV 2015 in Paderborn: 29. bis 31.05.2015
TIPPS DER KV-AKADEMIE
der der Vorortsübergabekommers (Samstag, 24.10.2015) statt!
Fuchsentagung 2015 in Bamberg/Erlangen:
23. bis 24.10.2015 Info: An diesem Wochenende findet auch wie-
Tagungsleiter:
Damian Kaiser
vrs. Termine: 10. bis 12. April 2015 und 09. bis 11. Oktober 2015
Tagungsbeitrag für Studierende des KV: 199,00 Euro/Pers.
Studierende des KV: Benutzt den Willkommensgutschein der
KV-Akademie! AHAH/Gäste sind natürlich auch herzlich willkommen,
der Tagungsbeitrag beträgt 275,00 Euro/Pers.
Kite-/Wakeboardkurse auf Fehmarn
SPEZIELL FUR UNSERE AKTIVEN
..
Schaut vorbei unter:
www.akademie-kv.de
Programm Stand: 11/2014
KV-Akademie Sekretariat:
Postfach 20 01 31 45757 Marl
Hülsstr. 23 45772 Marl
Tel.: 0 23 65 / 57 290-40 Fax: 0 23 65 / 57 290-51
kv-akademie@kartellverband.de
KV-AKADEMIE
Multimediale Gesellschaft
BILDUNGSPROGRAMM
2015
Jahresthema:
m
Dom l Mainz
Vatikan l Rom
Spanische Treppe l Rom
Tagungsleiter:
Kb Michael Kotulla
Kb Dipl.-Theol. Hans-Joachim Leciejewski
Teilnehmerzahl:
35
Anmeldeschluss: 30.11.2014
Tagungsbeitrag:
AHAH/Damen/Gäste:
DZ: 1295,00 Euro/Pers.
EZ: 1540,00 Euro
Mit der Anmeldung wird eine Anzahlung i.H.v. 400,00/Pers. fällig.
Studierende des KV sind herzlich willkommen!
Der Willkommensgutschein der KV-Akademie ist 200,00 Euro wert!
19. bis 26. April:
8-tägige Flugreise in die Ewige Stadt Rom
APRIL 2015
Tagungsleiter:
Kb Klaus Gierse
Kb Dipl.-Theol. Hans-Joachim Leciejewski
Kb Werner Rellecke
Teilnehmerzahl:
max. 100
Anmeldeschluss: 28.11.2014
Tagungsbeitrag:
AHAH/Damen/Gäste:
DZ: 165,00 Euro/Pers.
EZ: 190,00 Euro
Studierende des KV:
52,00 Euro/Pers.
Tagesgäste:
45,00 Euro/Pers.
Studierende des KV: Nutzt den Willkommensgutschein der
KV-Akademie im Wert von 100,00 Euro!!
Thema: Medienvielfalt - Medienmacht - Medienwandel.
Stand und Perspektiven der Medienwelt
09. bis 11. Januar: 45. Würzburger KV-Tage in Mainz
JANUAR 2015
Den KV einmal ganz anders erleben durch die Teilnahme an
einer Veranstaltung der KV-Akademie!
Krantor l Danzig
"
Die beste Bildung findet ein
gescheiter Mensch auf Reisen.
Johann Wolfgang von Goethe
ALLGEMEINE HINWEISE
Teilnahme:
An den Veranstaltungen der KV-Akademie können sowohl KVer als
auch Gäste teilnehmen, sofern eine schriftliche Anmeldung unter Anerkennung der Teilnahmebedingungen vorliegt. Anmeldungen werden
grundsätzlich in der Reihenfolge des Eingangs im Sekretariat der
KV-Akademie berücksichtigt.
Tagungsbeiträge:
In allen Tagungsbeiträgen ist eine Gruppenreiserücktrittskostenversicherung, mit i.d.R. 20 Prozent Selbstbehalt, eingeschlossen, sowie
Overheadkosten der KV-Akademie (für Leistungen des KV-Sekretariats) laut Beschluss der VV 2011. Die Tagungsbeiträge sind bis
spätestens sechs Wochen vor Reisebeginn zu entrichten, soweit im
jeweiligen Veranstaltungsprogramm nicht anders angegeben. Eine
gesonderte Rechnungsstellung erfolgt i.d.R. nicht. Studierende des
KV können selbstverständlich den Willkommensgutschein der KVAkademie benutzen (Wert für ein Inlandsseminar 100,00 Euro, für ein
Auslandsseminar 200,00 Euro).
Rücktritt von der Teilnahme:
Stornierungen müssen grundsätzlich in schriftlicher Form unter Angabe des Grundes eingereicht werden. In der Regel muss zusätzlich
ein ärztliches Attest zur Einreichung bei der Versicherung vorgelegt
werden. Es gelten die allg. Reisebedingungen des jeweiligen Veranstalters, die bei uns oder beim Veranstalter angefordert werden können. Grundsätzlich behalten wir uns das Recht vor, bei Nichterreichen von Teilnehmerzahlen die Veranstaltung bis vier Wochen vor
Beginn abzusagen. Geleistete Anzahlungen werden selbstverständlich erstattet.
Meldet sich ein Teilnehmer nicht von einer Veranstaltung ab, so hat
er die vollen dadurch entstehenden Stornokosten zu tragen, mindestens jedoch 50,00 € Verwaltungsaufwand zu leisten.
ForUm
Verantwortung für einander, an Verlässlichkeit und an Vertrauen: Freunde sind
sich ihrer loyalen Unterstützung sicher.
ein moralisches handeln, das Pflicht
und Neigung vereint, ist vollendet schön.
Die sittlichen erwartungen an einen
mann sind sinnhafter, nicht sinnlicher
Natur. einem manne wird Kampfeslust,
tatendrang, mut, entschlossenheit, Willensstärke, elitärer leistungsehrgeiz,
Schliff und Schneid, Noblesse und Sublesse, ritterlichkeit und Kavalierstugend
nachgesagt – und doch beschreiben diese
merkmale nur unzureichend, was wir
unter „männlichkeit“ verstehen.
ein Werte-Kompass mit zitternder
Nadel, an dem sich ein mann orientieren kann, scheint auf in der Geschichte
des Wissens vom guten leben.
Zunächst:
- Ausgewogenheit der lebensführung in
Gesundheit und Frömmigkeit, Weisheit,
Gerechtigkeit und tapferkeit. Aus der
gleichen antiken Quelle stammt der rat
zur
- regulierung der Affekte, d.h. Besonnenheit, Disziplin und furchtlose Standfestigkeit. Da der vernünftige mensch
gesellig, und nur der gesellige mensch
vernünftig ist, verlangt die Vernunft ein
Wohlwollen für den anderen, um den
angenehm-heiteren Umgang zu erleichtern, weil „Geist, Anmut und milde erfreuen und erfrischen.“ (Jean Paul) – als
typische Werte der Aufklärung helfen bei
der orientierung: humanität und Weltbürgertum, toleranz und liberalität.
Die Geltung dieser Werte zeigt sich, wie
schon in der Antike, in den Begriffen von
rechtem maß und Proportion. Wir loben
jemanden als „aufrechten Kerl“ oder „geradlinigen Charakter“, finden „quadratisch“ eher „gut“, „krumme Wege“ jedoch
„schlecht“. Auch beim Genuss von Bier
gilt das rechte maß: Aus einem Kommerslied erfahren wir von einem „Kerl wie
Samt und Seide – nur schade, dass er soff.“
Werte pflegen sich in einem Spannungsverhältnis aneinander zu reiben:
Weisheit läutert Frömmigkeit, humanität
mildert Gerechtigkeit, Klugheit besänftigt
tapferkeit, wenn sie der Gesundheit schadet. Alles vice versa. Werte lassen sich nicht
in allen richtungen gleichzeitig maximieren; monopolansprüche sind abzuwehren.
3
ranggleichheit der Gleichgesinnten also
fördert Gemeinschaft. In der Zeit der
frühen Aufklärung kamen emotionalität
und Freiwilligkeit hinzu. Freunde „erkoren“ sich wechselseitig zu einem Bund,
in dem man den vertrauten, wahrhaftigen Verkehr als hohes Gut schätzte,
einen Freiraum für die lust am geselligen Feiern fand und den einzelnen
wegen seiner moralität respektierte. Die
Bundesbrüder erprobten neue Formen
der Geselligkeit, um ihren Bund in symbolischen handlungen (e.g. rituelles pokulieren) sichtbar zu inszenieren und
sinnlich erlebbar werden zu lassen:
„Freude sprudelt in Pokalen ... Brüder
fliegt von euren Sitzen/ Wenn der volle
römer kreist/ ...“
Unter dem Patronat von horaz und
Anakreon erweiterte um 1750 eine ganze
Poetengeneration (hagedorn, Uz [„veruzen“], Gleim, Jacobi, Karsch, Wieland,
u.a.) das überlieferte studentische
Brauchtum und zelebrierte bei Wein,
Weib und Gesang einen heiter aufgeklärten Freundschaftskult. In deutschen
Versen erklangen jetzt epikureische
Idylle, die sich mühelos mit bukolischen
motiven verbanden, schilderten Poeten
Szenarien privaten Glücks, die keiner
rückversicherung mehr an religiöse
Dogmen bedurften. In der Phantasie –
nicht im gesellschaftlichen Alltag – entschieden sich die künftigen Pfarrer, Justizräte und Domsekretäre für ein leben
in Arkadien, in dem es für ehrgeiz und
eigennutz keinen Platz zu geben schien.
„Geselligkeit, Freundschaft, wirksame
teilnehmung“ seien ein „hauptzweck“,
fasste Johann Gottfried herder 1784/ 85
zusammen, „worauf die humanität in
ihrer ganzen Geschichte der menschheit
angelegt ist“.
4
In der lebenswelt der heiteren Aufklärung ordnete Freundschaft jede Form der
Geselligkeit zu Amusement und Unterhaltung. Zündfunke und triebkraft, Ziel
und Folge der Freundschaft ist die Freude! Nach klassischer Überzeugung stellt
sie den einklang mit dem göttlichen
logos der Welt her, gilt als Abbild der
göttlichen heiterkeit. In Schillers ode
heißt es unmissverständlich:
„Freude heißt die starke Feder/ in der
ewigen Natur./ Freude, Freude treibt die
räder in der großen Weltenuhr. ...“
Da es jedoch leichter ist, anzubeten als
zu gehorchen, konnte sie nur institutionalisiert die Zeiten überstehen, als sich
um 1800 die Burschenschaften dem
Dienste der „himmlischen Göttin“ weihten, die „mit aufgeschlossnem Sinn, mit
Geistesfülle“ zugleich das Studium der
Wissenschaften belebt: Aus der Wahrheit
Feuerspiegel/ lächelt sie den Forscher
an.
5
Die Bewährung der Freundschaftsbünde
folgte dem marschtritt Napoleons auf
dem Fuße. Das hehre Ideal zerschellte an
der Wirklichkeit, vergessen die menschheitsverbrüderung, romantischer Patriotismus das Gebot der Stunde: Freiheitsliebe rüstete sich mit männlichkeit,
tapferkeit und ehre!
So im Freiheitsdrama „Wilhelm tell“:
„Nichtswürdig ist die Nation, die nicht/
Ihr Alles freudig setzt an ihre ehre!“. Im
„Wallenstein“ rief´s die Kameraden zu
Pferde, denn „Im Felde, da ist der mann
noch was werth,/ Da wird das herz noch
gewogen./ Da tritt kein anderer für ihn
ein,/ Auf sich selber steht er da ganz allein.“
Der kalte Glanz der Verse blendete die
Jugend, der Verführung zugeneigt, den
jungen theodor Körner, Freiheitsdichter
und Schillers Patensohn, die lützower
Jäger sowie zahlreiche andere Burschenschafter, sie alle verstanden des Bühnendichters Worte als Aufruf zur tat und
stürmten zu den Waffen. Körner fiel zuerst.
6
Der klassische Wertekanon stärkte nach
1936 auch die mannhafte tat im Widerstand gegen das NS-regime. Im Untergrund, unter widrigsten Umständen,
hielten die Bundesbrüder zusammen,
standen fest zu ihren Werten, reinigten
den Verein von altem Ballast, hegten
seine heitere lebensflamme.
tatkraft und mutige Standfestigkeit zu
gemeinsamen Werten zeichnen den aus,
der sich zu unserem Bund bekennt!
VV
VV hen“ zusätzlich Gefallen findet an der
Kb Dozent Dr. Ridder (Jg. 1942) ist Soziologe
und Psychologe.
AM Dezember 2014 323
ZUr PerSoN
Zwischen Deutschland und Frankreich hin- und hergerissen
roger Joseph Fôret (Frk, bsg)
achdem am 11.
November 1918
im Wald von
Compiègne der Waffenstillstand zwischen dem
Deutschen reich auf der
einen und Frankreich
sowie Großbritannien auf
der anderen Seite unterzeichnet worden war,
kehrte nach 47 Jahren das
1871 gebildete reichsland elsass-lothringen
nach Frankreich zurück.
Damit stellte sich für die
von dort stammenden
und dort verbleibenden KVer die Frage, ob sie weiterhin einem
deutschen Verband angehören wollten und ob sie dort noch willkommen sein würden. Pierre Burguburu (Frk, Arm, e d mv, Stf),
der Verbandssekretär des KV, scheint nämlich sofort genötigt worden zu sein, seinen Posten zu räumen, obgleich an seiner Amtsführung nichts auszusetzen gewesen war. Über den rücktritt
Burguburus und über das Schicksal der in Frankreich lebenden,
dem KV angehörigen elsässer und lothringer ab 1918 wäre es
reizvoll, einmal genauer zu forschen. Über einen von ihnen, der bis
zum Verbot des Verbands KVer blieb, soll im Folgenden berichtet
werden: roger Joseph Fôret, der sich selbst ohne Accent circonflexe schrieb, wohl um ein wenig deutscher zu erscheinen. er
stammte aus Vaxy, einem Dörfchen im Departement moselle bei
Chateaux-Salins, wo er am 1. oktober 1870 als Sohn eines
Schmieds geboren wurde. Da bald nach seiner Geburt seine heimat zum Deutschen reich gehörte, hat er die französische herrschaft erst ab November 1918 als mann von 48 Jahren erlebt.
Zunächst besuchte er das Gymnasium in Saarburg (Sarrebourg)
und wechselte von dort nach metz, wo er Abitur machte. Danach
studierte er Jura in Straßburg, wo er der Frankonia beitrat, und
Freiburg i. Br., wo er mitglied der Brisgovia wurde. Nach Abschluss des Studiums und nach den referendariatsjahren ließ er
sich am 1. märz 1900 in metz als Anwalt nieder. Die Stadt zählte
damals knapp 60.000 einwohner, wovon ein Fünftel „militärpersonen“ waren, was von der fortifikatorischen Bedeutung der
Stadt zeugt. Die Befestigungswerke waren von den Deutschen
wahrscheinlich zu den größten in ganz europa ausgebaut worden.
Um 1900 gaben mehr als 75 Prozent Deutsch als ihre muttersprache an. Viele Frankophone hatten die Stadt verlassen. Sie
kamen nach 1918 zurück. „Altdeutsche”, wie sie die Franzosen
nannten, verließen die Stadt. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts sprachen nur noch 30 Prozent der metzer deutsch.
Als Fôret als Jurist nach metz kam, gab es dort 30 rechtsanwälte,
darunter einen, der später zu den Vätern europas zählte, der UVer
robert Schuman (1886-1963), den er gekannt haben muss. Aus
elsass-lothringen stammten elf Anwälte, davon zwei, Fôret und
ein weiterer, aus den frankophonen Gebieten. Fast zwei Drittel
waren folglich aus dem reich zugewandert. Sie standen in der
Wikimedia Commons, gemeinfrei
n
324 AM Dezember 2014
mehrzahl den Nationalliberalen nah. einige saßen auch im Presbyterium der nun durch die vielen Neubürger groß gewordenen
evangelischen Gemeinde.
1907 bewarb sich Fôret, der von 1902 bis 1908 dem metzer Gemeinderat angehörte, für die Zentrumspartei, der damals sein
Bundesbruder Burguburu vorstand, um ein mandat für den
reichstag, unterlag aber knapp seinem landsmann Albert Grégoire (1865-1949), mitglied des Corps Suevia in heidelberg, der
ohne Parteibindung kandidiert hatte, aber nach seiner Wahl hospitant in der nationalliberalen Partei wurde und eine Politik unterstützte, die manchem seiner Wähler bald missfiel, weshalb er
später nicht noch einmal kandidiert hat. 1911 ernannte der Kaiser auf Vorschlag des Statthalters von elsass-lothringen Karl leo
Graf von Wedel (1842-1919) Fôret, der als mann des Ausgleichs
zwischen den Deutsch- und den Französischgesinnten galt und
von hause aus Französisch sprach, zum ersten einheimischen Bürgermeister von metz. Damit war auch die Berufung in die erste
Kammer des elsässisch-lothringischen landtags verbunden. Im
gleichen Jahr lud Fôret zusammen mit seinem Bundesbruder Frankoniae, dem Arzt Wilhelm ernst, auf dem mainzer Katholikentag
nach metz ein, wo 1913 die einzige bilinguale Generalversammlung in der Geschichte der Katholikentage abgehalten wurde.
Über dieses ereignis hat gerade Winfried Becker (em d Gst) einen
langen Artikel im historischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft
geschrieben.
Nach der rückkehr der Stadt metz nach Frankreich, bei der man
alle Denkmale aus der Kaiserzeit sofort niederriss, endete das mandat Fôrets als metzer Bürgermeister. er gehörte zu denen, die sich
mit der Wiedereingliederung elsass-lothringens in die französische republik, in der er bisher nicht gelebt hatte und an die er
sich erst gewöhnen musste, schwer taten. Damit stand er nicht allein. es gab Autonomisten und regionalisten, die für elsass-lothringen eine gewisse eigenständigkeit innerhalb Frankreichs
forderten. einer von ihnen, Joseph rossé (1892-1951), stand mit
14 anderen 1928 beim so genannten „Komplott-Prozess“ in Colmar vor Gericht. Zu den Verteidigern gehörte Fôret, der in metz
eine große Kanzlei aufgebaut hatte. Die meisten Angeklagten wurden frei gesprochen, aber vier, darunter rossé, nach einer fadenscheinigen Beweisführung zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt,
was internationale Proteste auslöste. Nach nicht einmal zwei monaten wurden die vier vom französischen Staatspräsidenten begnadigt und auf freien Fuß gesetzt.
Als 1940 metz von deutschen truppen besetzt wurde, ließ sich
Fôret überreden, den neuen machthabern die Schlüssel der Stadt
zu übergeben. er starb am 8. Januar 1943 im Alter von 72 Jahren
und hatte das Glück, die Befreiung der Stadt im November 1944
durch amerikanische truppen nicht mehr zu erleben, wie es der
emeritierte Professor für Zeitgeschichte an der Universität Nancy
François roth (Jg. 1936) so trefflich ausgedrückt hat. roger Joseph Fôret gehört zu jenen Persönlichkeiten, die zwischen
Deutschland und Frankreich hin- und hergerissen wurden und
teilweise tragisch endeten. ‹‹
W. L.
ÜBer DeN KV hINAUS
küss die hand, oder Wien, Wie es tanzt
uns zu diesem couleurstudentischen Ereignis der Extraklasse ein spannendes Rahmenprogramm zu überlegen,
um unseren Kartell- und Bundesbrüdern aus Österreich
und Deutschland zu ermöglichen, (wieder einmal) nach
Wien zu reisen, um dort ein unvergeßliches Wochenende
zu erleben. Gemeinsam mit meiner lb. Aggstein ist es uns
gelungen, ein buntes Potpourri an Programmpunkten zu
erstellen, das das Ballwochenende würdig umrahmt. Wir
freuen uns darauf, viele unserer lb. Kartellbrüder aus
Deutschland in Wien begrüßen zu dürfen und laden Euch
herzlich dazu ein!
Das Programm im Detail:
ie Schnitzel und Sachertorte gehört ebenso die Wiener
Ballkultur untrennbar zur Stadt. Seit 1899 findet
jährlich am Rosenmontag die Rudolfina Redoute in der k.u.k.
Hofburg statt, ausgerichtet von der KÖStV Rudolfina (ÖCV).
Traditionell endet in Wien der Fasching (Karneval) mit diesem
Ballereignis. Die Rudolfina Redoute ist der größte Maskenball
in Wien, daher herrscht für Damen auch Maskenpflicht. Vor
diesem Hintergrund hatten wir als ÖKV-Rat die Idee geboren,
W
Freitag, 13.02.2015, ab 19:00 Uhr: Begrüßungsabend
Samstag, 14.02.2015, 14:00 Uhr c.t.: Stadtführung durch
Wien
Samstag, 14.02.2015, 19:30 Uhr c.t.: gemeinsamer
Besuch Europakneipe (EKV)
Sonntag, 15.02.2015, 11:00 Uhr s.t.: Hochamt in der
Augustinerkirche
Sonntag, 15.02.2015, 17:00 Uhr c.t.: Tanzkurs (Walzer,
Quadrille) auf der Aggsteinbude
Sonntagabend (nach dem Tanzkurs) ab 20:00 Uhr c.t.:
Cocktailempfang des ÖKV-Rates auf der Aggsteinbude,
Special guest: “The autumn leaves” – Jazz und Swing
mit unseren lieben Bundes- und Kartellbrüdern Univ.Prof. Mag. Michael Hruby (Universität Hochschule für
Musik und darstellende Kunst Wien) sowie der aktuelle
Philistersenior der AKV Aggstein
Montag, 16.02.2015, 17:00 bis 19:00 Uhr: Exklusives
Buffet auf der Aggsteinbude, im Anschluss gemeinsamer
Besuch der „Rudolfina Redoute“
Das genaue Programm rund um die Redoute, Anmeldemöglichkeiten und Hotelempfehlungen findest du unter
http://www.kartellverband.org/veranstaltungen/wien-wie-estanzt/
Mit einem „Küss die Hand“ den Damen und „Alles Walzer“
Euer Stephan Schönlaub, ÖKVR-x
125 Jahre akademische monatsblätter - rückblicke Wie kam es dazu, dass Werbung für „die echte original-browning-Pistole“ in den am erschien?
Fehltritt eines chefredakteurs: kommentarlos wird ein die mensur verherrlichender artikel aus den mitteilungsblättern der kösener corps-studenten abgedruckt.
ein leitartikel unter dem titel „gott mit uns“ zeigt die kriegsbegeisterung im kV.
drittes reich: durch die gleichschaltung droht dem kV der untergang.
in zwölf rückblicken werfen die autoren einen blick auf diese und weitere historisch bedeutsame –
und zum teil kuriose – themen aus der 125-jährigen geschichte der akademischen monatsblätter.
das dazu im mai 2014 erschienene buch, welches die in den am 2013 zum Jubiläum abgedruckten artikel enthält, ist beim
kV-sekretariat (e-mail: sekretariat@kartellverband.de, telefon: 0 23 65 / 572 90-10 oder Fax: 0 23 65 / 572 90-51)
zum Preis von 19,90 € zu erwerben. es hat übrigens gerade eine positive besprechung im „studentenkurier” erfahren.
AM Dezember 2014 325
ex lIBrIS
Eine Autobiografie
Das Kolpingwerk und
Prälat Heinrich Festing (Ttg)
kb heinrich Festing hat eine kleine autobiografie vorgelegt, in der er sein leben darstellt als eingebettet in den zusammenhang der kirchlichen zeitgeschichte, besonders der
entwicklung des kolpingwerks im 20. Jahrhundert.
geboren am 10. dezember 1930 im lippischen ratsiek, absolvierte er eine tischlerlehre und arbeitete als tischlergeselle bis 1952. man erinnert sich: der sel. adolph kolping
(1813 – 65) war vor seinem Priestertum schuhmachergeselle. Festing besuchte das abendgymnasium und studierte
theologie in Paderborn, auch in lyon, bis zur Priesterweihe
am 21. dezember 1961. nach knapp vier Jahren in der
Pastoral als Vikar im sauerländischen bigge wurde er am
1. oktober 1965 Präses des kolpingwerks im erzbistum
Paderborn und damit Verbandsseelsorger und -politiker.
Von 1972 bis 2002 war er generalpräses des internationalen
kolpingwerks, des Weltverbands.
kb Festing ist träger hoher und höchster ehrungen u.a.
durch rom (apostolischer Protonotar) und das erzbistum
köln (ehrendomherr), der Franziskanerkustodie vom hl.
land (silberne Plakette) und des ritterordens vom hl. grab
zu Jerusalem (komtur) sowie der bundesrepublik deutschland (Verdienstkreuz), ungarns (Pro cultura hungarica) und
der stadt Jerusalem (der staat israel verleiht keine orden).
auf 160 seiten des
buchs finden sich 94
abbildungen, die
meisten farbig. die
umfangreiche bebilderung veranschaulicht, neben vielen
anderen themen,
die oben angedeutete internationalität des kolpingwerks und von kb
Festings Wirken.
man findet bilder
von ihm u.a. mit
könig hussein von
Jordanien, mit dem
österreichischen bundeskanzler Josef klaus, mit Papst Paul
Vi. und mit dem brasilianischen kardinal Paolo evaristo
arns, der „ein tiefes misstrauen gegen das kolpingwerk“
(106) hegte. Festing gelang es aber im übertragenen wie im
wörtlichen (!) sinn, einen Fuß „in die tür“ (105) zu setzen
326 AM Dezember 2014
Heinrich Festing, Mit Kolping in
die Welt - Erinnerungen
Paderborn 2014,
160 S., ISBN-13: 978-3-89710-580-5
und so kontakt herzustellen. Weitere begegnungen sind
fotografisch dokumentiert mit kardinal Wojtyła bzw. Papst
Johannes Paul ii., auch mit dem nachfolger auf dem krakauer erzstuhl, kardinal macharski.
an der bebilderung ist zu monieren: auf seite 53 erscheint
ein ausschnittfoto mit könig hussein und Prälat Festing.
die szene ist zu 99 Prozent identisch mit der auf dem vollständigen Foto von seite 58. außer einer doppelpräsentation der hauptpersonen bringt das ausschnittfoto keinen
gewinn. – auf seite 115 ist nicht der in der bildunterschrift
genannte „bruder Florian stöhr oFm, gründer des kolpink[!]werkes in c[!]ile“ abgebildet, sondern Padre Pio. –
bedauerlicherweise ist der schöpfer des auf dem umschlag
gezeigten kolpingdenkmals vor der kölner minoritenkirche
auf titelseite 2 (und auch sonst) nicht genannt. es war der
bildhauer und medailleur Johann b. schreiner, der das
denkmal 1903 schuf (thieme/becker, XXX, leipzig 1936,
284; Werkinterpretation: bloch, heroen d. kunst, in:
trier/Weyres, kunst d. 19. Jhd. im rheinland, iV, düsseldorf
1980, 299 u. 302).
eine weitere ergänzung sei erlaubt: an dem abendgymnasium, das geselle Festing in neuss von november 1952 bis
Juli 1956 besuchte, bemühte sich das erzbistum köln mit
nur fünf hauptamtlichen und 28 nebenamtlichen lehrern
erfolgreich um den Priesternachwuchs. mit heinrich Festing
erlangten damals schon insgesamt 57 abendschüler das
reifezeugnis. unter den acht abendgymnasien in nordrhein-Westfalen war das neusser mit 375 männern das
größte und das einzige in kirchlicher trägerschaft (Philologen-Jahrb. f. d. höh. schulwesen v. nrW [kunzes kalender]. schulj. 1956/57, 303; stand: 1. mai 1956).
nach vielen Jahren stellen sich manchem betrachter manche dinge anders dar, als sie waren. so führte zur zeit des
mauerbaus, 13. august 1961, die glienicker brücke nicht
„von West- nach ostberlin“ (31) sondern nach Potsdam/
ddr. die diözese berlin war damals nicht „erzbistum“
(ebd.) sondern bistum. konrad adenauer war nicht bundeskanzler „im Juni 1949“ (92) sondern erst ab dem 15. september. doch ist solches kritisieren fast quisquilisch. die
großartigkeit des internationalen kolpingwerks, das nach
mancher zerreißprobe, zum beispiel zwischen schweizern
und deutschen, nach 1945 vor dem auseinanderbrechen
stand, und die leistung Festings, der den Weltverband 30
Jahre lang leitete, bleiben unangezweifelt.
ex lIBrIS
die internationale arbeit des kolpingwerks unter kb Festing ist meilenweit entfernt von der bloßen Wandergesellen-Fürsorge im 19. Jahrhundert, d.h. die tatsache, dass das
Werk auf vier kontinenten entwicklungsarbeit leistete,
stieß nicht gleich und nicht überall auf Verständnis. Waren
dafür nicht die kirchlichen Werke misereor (ab 1958), adveniat (1961) und, nach zerfall des ostblocks, renovabis
(1993) zuständig? schließlich ging es ja um geld – auch bei
‚kolping‘. Festing aber weitete das Werk aus von 14 ländern mitteleuropas 1972 auf 56 in der Welt 2002 (vgl. 137).
als ein beispiel sei genannt das kleine, in seinen Wurzeln
katholische litauen. nach der unabhängigkeitserklärung
von 1991 engagierte sich kolping international auch in dieser ehemaligen sozialistischen sowjetrepublik. dazu
schreibt kb Festing: „ganz neu beginnen mussten wir mit
dem aufbau des kolpingwerks in litauen. über die ‚berufsaus- und berufsweiterbildungskurse‘ konnten wir in kurzer
zeit viele kolpingsfamilien gründen [heute 31] und einen
nationalverband aufbauen“ (132 f.). in Vilnius und kaunas
wurde ein kolping international business college, eine art
Fachhochschule für betriebswirtschaft, gegründet. in kaunas formierte sich vom kolpingo kolegija ausgehend (bei
tatkräftiger ‚geburtshilfe‘ einiger kVer) bis 1998 die studentenkorporation tautito. seit 1999 ist tautito befreundete korporation des kV.
die vorliegende Veröffentlichung wird unterschiedlichen
leser-erwartungen gerecht: sie ist autobiografie heinrich
Festings, leistungsbericht über sein lebenswerk kolping
international, besonders ab 1972; sie ist ebenso ein biogramm adolph kolpings bis hin zur darstellung von dessen
seligsprechungsprozess. zweifellos hätte das informationsreiche und insofern wertvolle büchlein durch ein professionelles Verlagslektorat noch gewonnen. ‹‹
K.
GloSSSe
Glosse
zu Glossen
unterhaltsam und lehrreich weist uns kb klemens Weilandt in seinen sprachglossen wieder und wieder hin auf
publizierte lexische Fehlverständnisse, grammatische ungereimtheiten, gedankliche
kurzschlüsse und sprachliche
mode-torheiten. scharfsinnig untersucht
er im hinblick darauf gedrucktes und gesprochenes in zeitungen und im Fernsehen.
Wir fänden in unserem eigenen akademischen und pseudoakademischen Jargon
manch bedenkliches, fassten wir uns einmal an die eigene nase. nehmen wir zum
beispiel das kV-Jahrbuch 1917. es geht um
die Werbeanzeige auf umschlag-seite 3.
dort meldet sich zu Wort kb Josef goebel
(tt, Wf, Fr-s, e d un), bürgermeister und
badedirektor des damals bekannten bad
reinerz in schlesien. er war sich der Wirkung der Werbesprache durchaus bewusst
und bezeichnete sich zunächst korrekt
aber altmodisch als „dr. phil.“, in kV-Jahrbüchern nach dem krieg jedoch moderner
als „dr. rer. pol.“ und zuletzt, um 1931,
gar als „dr. der nationalökonomie“. Von
beruf war der „bürgermeister und badedirektor“ von zuvor nun „bürgermeister
und kurdirektor“. sprachwissenschaftlich
sind solche Veränderungen ameliorationen, sinnverschönerungen. sie sind – auf
neudeutsch – gefaked und hoch gerankt.
manch gemeintes bleibt in hirnwindungen stecken und schafft nicht den Weg bis
zum ausdruck. anderes ist zu schwer be-
laden mit zu viel gemeintem und gerät in
seinen kurven ins schleudern. im kV-Jahrbuch 1917 geschieht das so: der badedirektor von bad reinerz listet folgende
therapiebereiche seines heilbads auf:
Herz- und Nervenleiden, Blutarmut, Nieren- und Blasenleiden, leichte(n) Erkrankungen der Atmungsorgane (Schwindsüchtige werden nicht angenommen), Rheuma, Gicht, Folgezustände(n) nach Verletzung der Knochen und Verwundungen,
Zuckerkrankheit, Frauen- und Darmleiden.
die einleitung zur erfolgsbilanz auf diesen
gebieten lautet: unerreichte heilerfolge
K.
bei … b b
Ausgewählte Termine und Veranstaltungen
Aushang im Korporationshaus erbeten
m9. - 11. Januar 2015m
m22. - 24. Mai 2015m
m19. - 21. Juni 2015m
45. Würzburger KV-Tage
Thema: „Medienvielfalt - Medienmacht Medienwandel. Stand und Perspektiven
der Medienwelt”
kV-akademie, c/o kV-sekretariat,
Postfach 20 01 31, 45757 marl,
tel.: 0 23 65 / 57 290-10,
e-mail: kv-akademie@kartellverband.de,
internet: www.akademie-kv.de
ausgebucht - Warteliste
123. Stiftungsfest Rheno-Frankonia und
88. Stiftungsfest Tannenberg-Königsberg
kontakt: kstV rheno-Frankonia
kettengasse 4, 97070 Würzburg
tel.: 09 31 / 53 206
e-mail: senior@rheno-frankonia.de
110. Stiftungsfest Alania-Breslau
kontakt: kstV alania-breslau
süsterfeldstr. 30, 52072 aachen
tel.: 02 41 / 83 041
e-mail: vorstand@alania.rwth.de
internet: www.alania-breslau.de
m29. - 31. Mai 2015m
m19. - 21. Juni 2015m
Vertreterversammlung 2015 in Paderborn
m30. Januar - 1. Februar 2015m
m4. - 7. Juni 2015m
65. Wiegenfest Normannia-Greifswald
kontakt: kstV normannia-greifswald
in der maielache 42, 55122 mainz
e-mail: mail@normannia-greifswald.de
Website: www.normannia-greifswald.de
140. Stiftungsfest Frankonia-Straßburg
kontakt: kstV Frankonia-straßburg
robert-mayer-str. 36, 60486 Frankfurt a. m.
telefon: 0 69 / 79 53 46 72
e-mail: frankonia.strassburg@gmx.de
Website: www.frankonia-strassburg.de
144. Stiftungsfest Alamannia
kontakt: kstV alamannia
biesingerstr. 15, 72070 tübingen
tel.: 07 071 / 41 671
e-mail: mail@alamannia.de
internet: www.alamannia.de
m7. Februar 2015m
KV-UV Winterball in Frankfurt
Villa bonn, siesmayerstr. 12
kontakt und einladung:
kV oz bundestag:
herr ludger Vossenberg
tel.: 0 69 / 55 55 71
e-mail: ludgervossenberg@aol.com
m12. - 14. Juni 2015m
114. Stiftungsfest Cimbria
kontakt: kstV cimbria
heerdestr. 28, 48149 münster
telefon: 02 51 / 29 49 44
e-mail: muenster@cimbria.net
Website: www.cimbria.net
m10. - 12. April 2015m
m13. Juni 2015m
Kiten auf Fehmarn
kV-akademie, c/o kV-sekretariat,
Postfach 20 01 31, 45757 marl,
tel.: 0 23 65 / 57 290-10,
e-mail: kv-akademie@kartellverband.de,
internet: www.akademie-kv.de
Jetzt schon anmelden und Platz sichern!
152. Stiftungsfest Unitas-Breslau
kontakt: kstV unitas-breslau
leiblplatz1, 50931 köln
boris traub geibelstr. 28, 50931 köln
tel.: 02 21 / 40 61 967
e-mail: boristraub@gmx.de
daniel Weber: admin@unitas-brslau.com
dr. bernd kämmerer:
bernd.kaemmerer@gmx.de
m19. - 26. April 2015m
Rom
kV-akademie, c/o kV-sekretariat,
Postfach 20 01 31, 45757 marl,
tel.: 0 23 65 / 57 290-10,
e-mail: kv-akademie@kartellverband.de,
internet: www.akademie-kv.de
ausgebucht - Warteliste
m14. - 19. Juni 2015m
Städtereise Danzig
kV-akademie, c/o kV-sekretariat,
Postfach 20 01 31, 45757 marl,
tel.: 0 23 65 / 57 290-10,
e-mail: kv-akademie@kartellverband.de,
internet: www.akademie-kv.de
ausgebucht - Warteliste
m11. - 12. Juli 2015m
Begegnungstage in Eichstätt
KStV Isaria und KV-Akademie
kontakt und anmeldung:
Prof. dr. manfred hoffmann
am augustinerberg 1, 86911 dießen
tel.: 0 88 07 / 7 02 78
e-mail: manfred.hoffmann@ngi.de
m21. - 26. September 2015m
Piemont - Turin
kV-akademie, c/o kV-sekretariat,
Postfach 20 01 31, 45757 marl,
tel.: 0 23 65 / 57 290-10,
e-mail: kv-akademie@kartellverband.de,
internet: www.akademie-kv.de
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