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Das Kapital im 21. Jahrhundert
Thomas Piketty
C. H. Beck © 2014
816 Seiten
[@]
Bewertung
9
10 Wichtigkeit
8 Innovationsgrad
9 Stil
Take-aways
• Private Vermögen sind heute wieder so ungleich verteilt wie zuletzt vor 100 Jahren.
• Zwei Weltkriege und die Einführung progressiver Einkommens- und Vermögenssteu-
ern machten dem Typus des von Kapitalerträgen lebenden Rentiers vorübergehend den
Garaus.
• Seit den 1970er-Jahren meldet er sich mit Macht zurück: Die Privatvermögen in den
reichen Ländern haben sich verdoppelt.
Fokus
• Kapitaleinkommen wachsen wieder schneller als die Wirtschaft insgesamt.
Führung & Management
• Vermögende gewinnen gegenüber Menschen, die von ihrer Arbeit leben, an Macht.
Strategie
Marketing & Verkauf
Finanzen
Personalwesen
IT, Produktion & Logistik
Karriere & Selbstmanagement
KMU
Wirtschaft & Politik
Branchen
Business weltweit
Verwandte Themen
• Privilegierte Erben, wie sie die Romane von Jane Austen und Honoré de Balzac bevölkern, erleben ein Comeback.
• Um die Spirale der Ungleichheit zu stoppen, brauchen wir eine progressive globale Kapitalsteuer.
• Eine Art globaler Finanzkataster könnte Kapitalflucht und den ruinösen transnationalen
Steuerwettbewerb eindämmen.
• Die ausufernden Staatsschulden sollten durch eine einmalige Vermögensabgabe beglichen werden.
• Es gilt, in Bildung und Umwelttechnologien zu investieren, anstatt Rentiers zu päppeln.
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Relevanz
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Das lernen Sie
Nach der Lektüre dieser Zusammenfassung wissen Sie:r1) was die Formel „r > g“ so bedrohlich macht und 2) wie
wir die wachsende Ungleichheit bekämpfen können.
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Rezension
„Eine Milliarde hier, eine Milliarde da – und bald läppert sich das zu richtigem Geld zusammen.“ In den 1960erJahren hatte US-Senator Everett Dirksen mit diesem Spruch noch die Lacher auf seiner Seite. Amerikanische Vorstandschefs verdienten da im Schnitt 20-mal mehr als ihre Mitarbeiter. Heute streichen sie 277-mal so viel ein. Und
das oberste reichste Prozent der Menschheit besitzt heute die Hälfte aller Vermögen. Für Thomas Piketty hört der
Spaß hier auf. Beim Studium von Datensätzen aus zwei Jahrhunderten ist er auf ein ökonomisches Gesetz gestoßen:
Immer wenn Kapital mehr einbringt als Arbeit, wachsen die Vermögen in den Himmel. Sein Vorschlag einer globalen progressiven Kapitalsteuer wird zwar von vielen als utopisch belächelt. Doch es fragt sich: Wie lange noch?
getAbstract legt dieses verständlich geschriebene Monumentalwerk allen ans Herz, die wissen möchten, wo sich die
Milliarden im 21. Jahrhundert zusammenläppern.
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Zusammenfassung
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„Das Kapital ist niemals ein Ruhekissen: Es
ist stets risikobehaftet
und dynamisch, zumindest in seinen Anfängen; gleichzeitig hat es
immer die Tendenz, sich
in Rente zu verwandeln,
sobald es unbegrenzt
akkumuliert wird – das
ist sein zwangsläufiges
Schicksal.“
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„Die Deregulierung
beginnt 1979/80 mit
der ,konservativen Revolution‘ in den Vereinigten Staaten und
in Großbritannien, wo
man es immer schlechter erträgt, von den
anderen Ländern eingeholt worden zu sein.“
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Die Illusion eines natürlichen Ungleichgewichts
Die Frage nach der Vermögenskonzentration ist für viele eine Glaubensfrage: Nimmt sie
nun kontinuierlich zu, nimmt sie ab, oder strebt sie einem natürlichen Gleichgewicht zu?
Letzteres behauptete der amerikanische Ökonom Simon Kuznet in der Mitte des letzten
Jahrhunderts. Die von ihm entwickelte „Kuznet-Kurve“ sollte beweisen, dass sich eine
durch die Industrialisierung hervorgerufene Ungleichheit zwischen den Nationen auf lange
Sicht ausgleichen würde. Doch er hatte sich zu früh gefreut: Seit den 1970er-Jahren zeigt
die Kurve wieder in die entgegengesetzte Richtung. In den USA etwa hat die Konzentration
der Vermögen wieder ein Niveau erreicht, das zuletzt in Europa um die Wende vom 19.
zum 20. Jahrhundert beobachtet wurde.
Die Weltwirtschaft wächst gegenwärtig mit einer Pro-Kopf-Rate von etwa 2 Prozent. Das
ist im historischen Vergleich ein phänomenal hoher Wert: Bis zum Beginn der industriellen
Revolution lagen die Wachstumsraten zwischen unter 0,1 Prozent und 0,2 Prozent, und
es deutet einiges darauf hin, dass die vergangenen drei Jahrhunderte ein Ausreißer waren.
Das weltweite Wachstum wird voraussichtlich den Verlauf einer Glockenkurve annehmen,
mit langfristigen Zuwächsen von knapp über 1 Prozent pro Jahr. In der Folge steigt die
Bedeutung von Kapital im Vergleich zum Arbeitseinkommen – wir betreten eine Welt der
reichen Erben und Müßiggänger, wie sie Romanautoren wie Jane Austen und Honoré de
Balzac in ihren Büchern beschrieben haben.
Untergang und Wiederauferstehung der Rentiers
Arbeiten? Lohnt sich nicht. Selbst die höchsten Arbeitseinkommen, beispielsweise die Gehälter von Ärzten, Richtern oder Rechtsanwälten, waren im 19. Jahrhundert ein Klacks gegen die Kapitalrenditen, die durch eine üppige Erbschaft ermöglicht wurden. Statt seine
Ausgaben über Steuern zu finanzieren, lieh sich der Staat lieber Geld bei den Vermögenden. Diese freuten sich über stabile Zinserträge. Der Gesamtwert des nationalen Kapitals
in Großbritannien und Frankreich entsprach im 18. und 19. Jahrhundert dem summierten
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„Der Einbruch des Kapital-Einkommens-Verhältnisses zwischen
1913 und 1950 ist die
Geschichte des Selbstmords Europas und
der ,Euthanasie‘ der
europäischen Kapitalisten.“
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„Die obersten 10 Prozent müssten nur einen
kleinen Teil ihres Einkommens aufwenden,
um große Teile der unteren 50 Prozent als
Dienstboten zu beschäftigen.“
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„r > g – das heißt in
gewisser Weise, dass
die Vergangenheit sich
anschickt, die Zukunft
zu fressen.“
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„In Bildung zu investieren eröffnet auf lange Sicht die besten
Aussichten darauf,
Ungleichheiten einzudämmen und zugleich
die durchschnittliche
Produktivität pro Werktätigem und das globale
Wirtschaftswachstum zu
steigern.“
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Volkseinkommen von sechs bis sieben Jahren. Doch mit dem ruhigen Rentiersleben war
es im 20. Jahrhundert vorbei: Zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise und bestimmte
politische Weichenstellungen wie die Einführung progressiver Einkommens- und Vermögenssteuern ließen jenes Verhältnis von nationalem Kapital zu Volkseinkommen zwischen
1913 und 1950 auf einen Wert von eins zu drei oder sogar eins zu zwei einbrechen.
Seitdem steigt es wieder an und befindet sich heute auf dem Niveau, das es kurz vor dem
Ersten Weltkrieg hatte. Der Grund hierfür lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Niedriges Wirtschaftswachstum, kombiniert mit einer hohen Sparquote, führt zur Akkumulation
von Kapital. Die Konzentration von Vermögen wiederum bremst das Wachstum aus. Ein
Teufelskreis. Seit Beginn der 1970er-Jahre hat sich der Gesamtwert der Privatvermögen
in den reichen Ländern verdoppelt. Je mehr Kapital vorhanden ist, desto schwieriger ist
es, aus zusätzlichem Kapital noch mehr Produktion zu generieren; die Rendite sinkt. Im
Extremfall schafft sich das Kapital selbst ab, wie von Karl Marx prophezeit. Allerdings
hatte dieser nicht mit der Steigerung der Produktivität als Folge des technologischen Fortschritts gerechnet. Innovationen und ein steigendes Bildungsniveau haben das Kapital vor
dem Selbstmord bewahrt und sorgen überdies dafür, dass es sich weiterhin bester Gesundheit erfreut.
Fehler im System
Freier Wettbewerb und die Aufwertung beruflicher Qualifikationen haben angeblich dazu
geführt, dass wir die Welt von Austen und Balzac hinter uns gelassen haben und in einer
„meritokratischen“, leistungsgerechten Gesellschaft angekommen sind. In Wahrheit waren
wir schon lange nicht mehr so weit davon entfernt wie heute:
• Ungleichheit der Arbeitseinkommen: Ausgehend von einem fiktiven Durchschnittseinkommen von 2000 Euro hätte das eine Prozent der Topverdiener im Skandinavien
der 1970er- und 1980er-Jahre 10 000 Euro pro Kopf und Monat erhalten, die untersten
50 Prozent dagegen bloße 1400 Euro. Das gleiche durchschnittliche Einkommen würde
in den USA heute folgendermaßen verteilt: 24 000 Euro an das oberste Prozent, 1000 Euro an die untere Hälfte.
• Ungleichheit der Vermögen: In den meisten westeuropäischen Ländern besitzen heute
die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung etwa 60 Prozent der Gesamtvermögen – während auf die ärmsten 50 Prozent weniger als 5 Prozent der Gesamtvermögen entfallen.
In den USA gehen 72 Prozent an die Reichsten und 2 Prozent an die Ärmsten.
• Entstehung einer vermögenden Mittelschicht im 20. Jahrhundert: Die Kapitalkonzentration an der Spitze war bis zum Ersten Weltkrieg noch extremer. Damals besaßen
die obersten 10 Prozent fast alles, während die restlichen 90 Prozent fast nichts hatten.
Heute entfallen auf die mittleren 40 Prozent in Europa immerhin etwa 35 Prozent der
Gesamtvermögen.
• Abkopplung der Spitzeneinkommen: Drei Viertel des gesamten US-amerikanischen
Wachstums seit Ende der 1970er-Jahre landeten auf den Konten der reichsten 10 Prozent. Die Durchschnittseinkommen der übrigen 90 Prozent sind im gleichen Zeitraum
um weniger als 0,5 Prozent pro Jahr gewachsen. Ein wesentlicher Grund hierfür war die
drastische Reduzierung der Steuern auf Spitzengehälter und Kapitalerträge im Zuge der
neoliberalen Wende.
Die Ungleichung „r > g“
Die astronomischen Gehälter der heutigen Supermanager erregen den Volkszorn – zu Recht.
Viel unausgewogener verteilt als die Arbeitseinkommen sind aber letztlich die Vermögen –
mit potenziell dramatischen Folgen: Wenn r, also die Rendite aus Kapital, dauerhaft über
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„Die Vorstellung, der
freie Wettbewerb könne
der Erbengesellschaft
ein Ende setzen und
den Weg in eine immer
meritokratischere Welt
eröffnen, ist eine gefährliche Illusion.“
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„Aller Reichtum ist
zugleich teilweise gerechtfertigt und potenziell zu groß. Den
schieren Diebstahl gibt
es ebenso selten wie das
absolute Verdienst.“
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„Die Krise von 2008
war die erste Krise des
globalisierten Patrimonialkapitalismus des
21. Jahrhunderts. Sie
wird wahrscheinlich
nicht die letzte gewesen
sein.“
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„Die Kapitalsteuer wäre eine Art internationales Finanzkataster,
das es gegenwärtig
nicht gibt.“
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der Wachstumsrate g liegt (r > g), dann wachsen in der Vergangenheit angehäufte Vermögen schneller als die Wirtschaft als Ganzes. Ein Beispiel: Bei einem Wachstum von 1 Prozent und einer Rendite von 5 Prozent reicht es aus, nur ein Fünftel des Kapitaleinkommens
zu sparen, um sein Vermögen genauso schnell wachsen zu sehen wie die Wirtschaft insgesamt. Unter solchen Bedingungen ist es unmöglich, gegen die Macht vergangener Vermögen „anzuverdienen“.
Für viele ist das Überwiegen von Einkünften aus Vermögen ein gesellschaftliches Übel, in
dem sich eine Ineffizienz der Märkte abbildet. Sie fordern freiere Märkte und mehr Wettbewerb. Tatsächlich aber sind Renten das Ergebnis eines perfekt funktionierenden Marktes:
Große Vermögen bringen unverhältnismäßig große Renditen und kleine Vermögen unverhältnismäßig kleine Renditen. Wer viel hat, kann sich die besten Anlageberater leisten. Da
die Kapitaleinkommen aus Milliardenvermögen fast vollständig in den Kapitalstock zurückfließen, wachsen diese förmlich in den Himmel. Superreiche wie Bill Gates oder Liliane Bettencourt, die Erbin von L’Oréal, haben so ihren Reichtum innerhalb von nur 20
Jahren mehr als verzehnfacht.
Fortschritt durch Progression
Die wachsende Ungleichverteilung von Vermögen ist eine Gefahr für den sozialen Frieden
und die Demokratie. Aber wie lässt sich diese bedrohliche Spirale stoppen? Ein wesentlicher Grund für die Abnahme von Ungleichheit Mitte des 20. Jahrhunderts war die Einführung einer Steuerprogression. Der Spitzensteuersatz auf Einkommen und Erbschaften lag
in den USA zwischen 1932 und 1980 im Durchschnitt bei rund 80 Prozent. In Großbritannien kletterte er für Einkommen zeitweise auf bis zu 98 Prozent. Heute stehen beide Länder
für einen Rückfall in ein regressives Steuersystem: Die Spitzensteuersätze sind auf 30 bis
40 Prozent gesunken, während sie sich in Deutschland und Frankreich seit 1930 relativ stabil bei 50 bis 60 Prozent gehalten haben. Die dahinterstehende neoliberale Haltung scheint
jedoch ohne Grundlage: Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass eine Wirtschaft schneller
wächst, wenn man es einigen wenigen ermöglicht, immense Reichtümer anzuhäufen. Das
Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die Besteuerung in den Industrieländern müsste deshalb
deutlich stärker progressiv sein (über 80 Prozent für die höchsten Einkommen), wenn man
die Abkopplung exorbitant hoher Vergütungen verhindern möchte.
Globale Kapitalsteuer
Zusätzlich sollte eine einheitliche Steuer auf Vermögen erhoben werden, egal wo diese geparkt sind. Im Zuge dessen würde ein internationaler Finanzkataster geschaffen werden,
der die Kontrollmöglichkeiten der Steuerbehörden über Staatsgrenzen hinweg ausdehnt.
Klingt utopisch? Vielleicht, aber man darf nicht vergessen, dass auch die progressive Einkommensteuer vor 100 Jahren als illusorisch belächelt wurde. Eine Kapitalsteuer könnte
schrittweise und zunächst auf europäischer Ebene eingeführt werden. Ihre Vorteile liegen
auf der Hand:
• Wirtschaftliche Offenheit statt Protektionismus: Die Früchte der Globalisierung
könnten relativ transparent und gerecht verteilt werden.
• Regulierung des Kapitalismus: Das Ziel ist nicht die Finanzierung des Sozialstaats,
sondern eine Verschiebung des Machtgefüges. Die Allgemeinheit würde die Kontrolle
über ihr Wirtschaftssystem zurückgewinnen.
• Schaffung von Vermögenstransparenz: Die Schlupflöcher für Steuervermeider würden gestopft. Ein automatischer Bankdatenaustausch würde es jedem Land ermöglichen,
vorausgefüllte Steuererklärungen an ihre Bürger zu verschicken, auf denen deren sämtliche Aktiva und Passiva in aller Welt verzeichnet sind.
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• Vorschlag für eine gerechte Lastenverteilung: Vermögen unter 200 000 Euro könnten
mit 0,1 Prozent, solche zwischen 200 000 und 1 Million Euro mit 0,5 Prozent, Vermögen bis 5 Millionen Euro mit 1 Prozent und jene ab dieser Summe mit 2 Prozent besteuert werden. Bei extrem hohen Vermögen ab 100 Millionen oder 1 Milliarde könnte der
Spitzensteuersatz deutlich darüber liegen und an die effektiven Durchschnittsrenditen
gekoppelt werden.
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„Durch die Integration und den Freihandel
mit den Nachbarn reich
zu werden und ihnen
gleichzeitig ihr Steueraufkommen abzuzapfen,
ist nichts anderes als
schierer Diebstahl.“
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„Ohne außerordentliche Kapitalsteuer
und zusätzliche Inflation kann es Jahrzehnte dauern, um einen so
hohen Staatsschuldenstand abzubauen, wie
wir ihn heute in Europa
haben.“
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Einmalige Vermögensabgabe
Es ist paradox: Die Reichen werden immer reicher und die Staaten immer ärmer. Die Vermögen der einen sind, zumindest zum Teil, die Schulden der anderen. Eine außerordentliche Steuer auf Privatkapital zur Begleichung von Staatsschulden würde zwei Fliegen mit
einer Klappe schlagen: Regierungen erhalten wieder mehr Handlungsspielraum, und die
Dynamik der Ungleichheit wird gebremst.
Eine solche einmalige Vermögensabgabe wäre zivilisierter als ihre Alternativen: Ein Schuldenschnitt zieht Bankenpaniken mit den bekannten Folgen nach sich. Eine deutlich erhöhte
Inflation trifft vor allem Kleinsparer, da die Besitzer großer Vermögen sich in Sachwerte
flüchten können. Und eisernes Sparen würgt das ohnehin schon schwache Wachstum in den
reichen Nationen ab. Die Hoffnung auf eine Rettung durch die Zentralbanken ist ebenfalls
verfehlt. Zentralbanken schaffen keine Vermögen, sondern verteilen sie, indem sie Kredite
vergeben. Sie können nicht entscheiden, wem das Geld zugutekommt, und damit gezielt das
Wirtschaftswachstum ankurbeln. Das bleibt Aufgabe demokratisch gewählter Regierungen.
Europäische Hoheitsgewalt über das Kapital
In seiner jetzigen Konstruktion als übernationale Währung ist der Euro zum Scheitern verurteilt. Mit ihrem Eurobeitritt haben die Staaten ihre Währungshoheit aufgegeben, sie können also nicht durch eine Abwertung ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen. Zum
Ausgleich müssten sie die Möglichkeit haben, sich zu einem verlässlich niedrigen Zinssatz
Geld zu leihen. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn die Staatsschulden vergemeinschaftet werden. Entscheidungen dazu könnte ein Haushaltsparlament der Eurozone treffen,
das sich aus von den nationalen Parlamenten entsandten Abgeordneten zusammensetzt.
Den Vermögenden ist die Zerstrittenheit Europas in wichtigen Fragen der Währungs-, Wirtschafts- und Steuerpolitik nur recht: Sie sind die lachenden Dritten. Wenn das europäische
Sozialstaatsmodell gerettet werden soll, müssen die Länder der EU ihre Hoheitsgewalt über
die Privatinteressen zurückgewinnen. An erster Stelle steht die Eindämmung des ruinösen
Steuerwettbewerbs. Unternehmen sollten eine europäische Gewinnerklärung abgeben. Die
Einnahmen aus Körperschaftssteuern würden dann nach zuvor festgelegten Kriterien europaweit verteilt. Kapital muss, nach dem Vorbild von Immobilien, dort besteuert werden,
wo es sich befindet – und nicht in dem Land, in dem sein Besitzer einen Wohnsitz hat.
Massive Investitionen in Bildung und Umwelttechnologien sind notwendig, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Das kann nur gelingen, wenn die Stärksten einen
angemessenen Teil der Last übernehmen. Zur Not muss man sie dazu zwingen.
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Über den Autor
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Thomas Piketty ist Professor an der Paris School of Economics. Er forscht zu den Themen Einkommensverteilung,
Vermögensverteilung und soziale Ungleichheit.
Das Kapital im 21. Jahrhundert getAbstract © 2014
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