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Brief vom Herbst 2014 - Borusso-Westfalia zu Bonn

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Borusso - Westfalen
Brief
Heft 65 - Herbst 2014
Zur Einstimmung: Wettstreit der Freizeitangebote
2
Auszug aus einer Ansprache unseres Seniors aus dem WS 2013/2014
Festrede von Bbr. Andreas Rademachers zum Gründungsfest WS 2013/2014
Rede von Bbr. Swen Christian anl. der Festkneipe zum Stiftungsfest SS 2014
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8
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34. BW-Radtour 2014
Einmaliges Kulturdenkmal: Doppelkirche Schwarz-Rheindorf
BW-Vatertagswanderung
Funkhausführung Deutschlandradio
Cartellversammlung in Aachen
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23
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28
30
Zwischen den Semestern: BW in Aachen
32
Was geschieht mit meinem Beitrag – wofür wird er verwendet ?
Neues vom Heimbauverein
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36
Was macht eigentlich: Klaus Klüber?
30. März 2014: der „dienstälteste“ Borusso-Westfale, Hubert Telöken,
wird 90
Trauer um Bbr. Hanspeter Schnitzler
Persönliches
40 jähriges Priesterjubiläum von Hans-Wilhelm Dümmer
Besuch des Bundespräsidenten i. d. Ausstellung von Bbr. Gerhard Schneider
37
40
Geschichten – auf Kneipen erzählt
Vergangenes / Bleibendes
Wenn Ideen auf Wirklichkeit treffen
Warten auf Post aus dem Vatikan
Aus dem Hörsaal an die Front
Kirche tut sich schwer
Gaudeamus igitur – auf deutsch
Fakultätenstrophe der Betriebswirte
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47
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52
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Merkwürdiges
• Alle Menschen werden Geschwister
• „Experten“
• Politiker
• Juristen
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41
42
43
45
Wettstreit der Freizeitangebote
Gleich zu Beginn sei eine
These gewagt: es gibt
keinen Bundesbruder –
familiär sehr geforderten
Bundesbruder, der nicht ein
wenig Freizeit erübrigen
könnte, keinen, der nicht
trotz aller Belastungen
Stunden der Muße genießt,
um sich zu erholen, um
durchzuatmen, neue Kräfte
für neue Belastungen zu
sammeln. Wer seine
Akademisches Kunstmuseum
Freizeit selbst gestaltet
und sich nicht durch das Überangebot an örtlichen und überörtlichen Festivals,
Konzerten, Strassenfesten etc. verführen lässt, also Herr seiner Freizeit bleibt,
der kann diese Freizeit strukturieren, kann sie an dem Angebot ausrichten,
das er als das verbindende , als dasjenige betrachtet, das u.a. bestehende
Dass in diesem Zusammenhang auch wieder einmal an Borusso-Westfalia
gedacht wird, an diejenige „Einrichtung“, der man sich nicht gedankenlos oder
im studentischen Überschwang angeschlossen, der man lebenslange Treue
geschworen hat, kommt offensichtlich immer seltener vor. Das zeigt z. B. der
Verlauf unseres 87. Stiftungsfestes in diesem Frühjahr. Trotz einer umfangreichen
und keineswegs einseitigen, alleine auf die Festkneipe konzentrierten Festfolge
standen die Organisatoren weitgehend alleine da. Sie hatten über alle heute
möglichen Informationswege zum Kommen eingeladen, Vorbereitungen
unter Einschluss Dritter (Catering, Musik, Kirchenführung) getroffen, denen
gegenüber es mehr als peinlich ist, wenn die Zahl der Teilnehmer-/innen derart
Mal vorgegangen werden soll.
-2-
Wer sich die Mühe macht
– und hier beginnt bereits
die Problematik – unser
Semesterprogramm
zu
studieren, wird feststellen,
dass es breit gefächert, nicht
einseitig nur auf trinkfreudige
Studenten
zugeschnitten
ist – und dennoch: ganz
offensichtlich wird dieses
Programm
nicht
mehr
als interessant genug im
Poppelsdorfer Schloss
Vergleich zu Mitbewerbern
im Kreis der Freizeitangebote angesehen. Golf, Tennis, Lions, Rotary, örtliche
Freundes-/Bekanntenkreise sind in der Vorhand. Der Weg zur Borusso-Westfalia
ist nicht derjenige, den man trotz dieser vielen Angebote beschreiten möchte.
Und dabei geht es nicht nur um die von Bonn entfernt wohnenden, sondern
auch um diejenigen Bundesbrüder, die
in Bonn selbst oder in der unmittelbaren
Umgebung wohnen.
Wenig tröstlich ist in diesem Zusammenhang
die
Tatsache,
dass
es
anderen
Studentenverbindungen nicht besser geht.
Sind also Studentenverbindungen zu
Relikten vergangener Zeiten geworden,
werden sie nur noch von einigen Wenigen
künstlich und dazu noch mit untauglichen
Mitteln am Leben gehalten ? Wohl kaum,
wie uns diejenigen zeigen, die als junge
Studenten zu uns und zu anderen
Posttower
der billigen Studentenwohnungen wegen
kommen, sondern die bleiben, die
nicht austreten, wenn sie nach einigen
Semestern die Zimmer verlassen und für
neue Interessenten freimachen.
-3-
Trotz aller Beschwörungen bei Festakten, trotz aller Bemühungen, das Besondere
der Studentenverbindungen herauszustellen – die Realität ist eine andere als
die, die bei diesen Gelegenheiten beschworen wird. Studentenverbindungen
(und ihre Mitglieder) sind Teil unserer Gesellschaft, einer Gesellschaft des
Unverbindlichen, des auf sich Bezogenen – eine Gesellschaft auch, in der die
Zahl derjenigen, die sich engagieren, die Initiativen ergreifen, immer geringer
wird und in der die Zahl derjenigen, die für sich den bequemsten Weg suchen,
ständig steigt.
Bleibt deshalb nur die Hoffnung auf bessere Zeiten oder gar die Hoffnung auf
eine „bessere“ Gesellschaft ? Oder gibt es angesichts der aufgezeigten Lage
dennoch bescheidene Lösungen, solche nämlich, die Mut machen könnten?
Mut in der Weise, dass sich Bundesbrüder trotz der vielen konkurrierenden
Freizeitangebote beispielsweise gemeinsam mit ehemaligen Studienkollegen
gleicher Jahrgänge/Studienrichtungen auf den Weg machen – oder auch
dadurch, dass sie uns Vorschläge machen, mit welchen (Freizeit-) Angeboten
entsprechende Anreize geschaffen werden könnten, solche Anreize, die
Borusso-Westfalia bei der Freizeitgestaltung wieder etwas mehr
wettbewerbsfähig macht?
Wir sind offen für Anregungen,
wir sind offen für alle Hinweise,
die uns bei der „Revitalisierung“
der Verbindungen zu unserer
Verbindung ein kleines Stück
weiterbringen.
W.I.
Ernst Moritz Arndt Haus in Bonn
-4-
Amicitia, die Freundschaft, ist der Eckpfeiler unseres gemeinsamen
Verbindungslebens.
Diesem Umstand habe ich es zu verdanken, dass ich heute hier vor Euch
stehen darf. Und darüber staune ich deshalb selbst am meisten, weil ich zu
Beginn meines studentischen Lebens keineswegs mit dem Gedanken, einer
Studentenverbindung beizutreten, gespielt habe. Ich staune auch darüber, wie
schnell und eng mir die Menschen dieser Verbindung Borusso-Westfalia ans
Herz gewachsen sind.
Um die Verwunderung über meine Verbundenheit mit der Borusso-Westfalia
verständlich zu machen, muss ich ein wenig weiter ausholen. Ich muss Euch für
einen kurzen Augenblick mit meiner „Vergangenheit“ langweilen.
Geboren im schönen Eisenach - den meisten der Anwesenden sollte diese
Stadt bekannt sein (Wartburg, Burschenschaftsdenkmal). Dort wuchs ich
als ostdeutscher Dorfsprössling im Schatten des schönen grünen Thüringer
Waldes auf.
Als energischer und, typisch für dieses
Alter,
revolutionärer
Jugendlicher
machte ich meine ersten Erfahrungen
mit
dem
Verbindungswesen
in
Burschenschaftstages
auf
der
Wartburg.
Dort bekam ich kein besonders gutes
Bild von Verbindungsstudenten. Ich tat
sie, um es mal in meiner Jugendsprache
zu sagen, als „Spinner und Trottel in
komischen Karnevalskostümen“ ab.
Nachdem ich leider, wie so viele
meiner Thüringer Landsleute, auszog,
Universität Bonn
zu suchen, verschlug es mich an viele
Orte unseres schönen Landes und
darüber hinaus, unter anderem auch
nach Wien.
-5-
Auch wenn das Verbindungswesen dort eine lange Tradition hat, ist es mir in
meiner Zeit dort interessanterweise nicht besonders aufgefallen.
Nach mehreren anderen Stationen „strandete“ ich schließlich in der schönen
Musenstadt am Rhein, in Bonn. Ich wohnte hier schon drei Jahre, bevor ich nach
mittlerweile über 10 Jahren wieder mit dem Verbindungswesen in Berührung
kam.
Mein lieber Biervater Simon Neuroth, v/o Red Bulle, schlug mir vor, mir mal die
Verbindung, in der er Mitglied ist, anzuschauen. Mich - das muss ich zugeben
– trieb damals vor allem das Problem, dass ich dringend eine Wohnung suchte,
dazu, auf sein Angebot einzugehen.
Mit viel Skepsis und einigen, durch die Medien geprägten Vorurteilen, machte
ich mich das erste Mal auf den Weg auf das Haus der Borusso-Westfalia in
der schönen Poppelsdorfer Allee.Freundlich begrüßt und herzlich empfangen,
Gespräche, unter anderem mit den Hausbewohnern.
Den
Vorschlag,
einzuziehen und mir
das Verbindungswesen
selber anzuschauen,
nahm ich gerne an
- und so zog ich ein.
Natürlich machte ich
mir Gedanken und
fragte mich, ob ich es in
diesem liebenswerten
Haufen auf Dauer
aushalten würde.
Carl Guting, Christian Purmann, Philipp Zielke
Wenig später stand meine erste Kneipe an, und ich war gleichermaßen skeptisch
wie gespannt, was mich dort wohl erwartet. Männer mit farbigen Bändern, die
zusammen saßen, Bier tranken und altdeutsche Lieder sangen. Das war am
Anfang, ehrlich gesagt, schon ein „Kulturschock“, vor allem, da ich dem Singen
an sich nicht besonders zugetan war.
Was mich am meisten erstaunte und prägte, war die allgegenwärtige
Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Wärme, die mir von Anfang an
-6-
entgegengebracht wurde. Menschen, die teilweise nicht unterschiedlicher sein
konnten, lebten zusammen, arbeiteten zusammen, feierten zusammen und
halfen sich, wo sie konnten.
Natürlich war nicht alles perfekt, und das kann es auch nicht sein; denn sonst
wäre das Leben ziemlich langweilig. Aber jeden Tag freute ich mich über die
Herzlichkeit des Umgangs miteinander.
Was mich auch sehr erstaunte, waren die Beziehungen zwischen den
jüngeren und älteren Bundesbrüdern. Einige von den Alten Herren werden sich
sicher noch daran erinnern, dass ich mich anfänglich etwas schwer mit dem
bundesbrüderlichen Du getan habe.
v.l.n.r.: Fuxmajor Roberto
Corea Schragen mit den
drei neuen Füxen und
Andreas Rademachers am
17.10.2014
Ein paar Kneipen, Stiftungsfeste und eine Cartelversammlung später stehe ich
nun nach fast genau einem Jahr hier und wundere mich, wie eingangs erwähnt,
immer noch ein wenig darüber, wie schnell sich die Wandlung zum begeisterten
Verbindungsstudenten bei mir doch vollzogen hat.
Wenn man mich fragt, warum ein so plötzlicher Sinneswandel?
Einen nicht geringen Anteil daran hat mein lieber Bieropa Swen Christian,
v/o Gabba, der stets mit Enthusiasmus dabei war und mir die BW „von allen
Seiten“ zeigte. Auch denke ich in diesem Zusammenhang an meinen lieben
Bundesbruder Moritz Günter, v/oPille, der einmal zu vorgerückter Stunde sagte:
“Christian, Borusso-Westfale ist man im Herzen!“
Und jetzt zu meinen Füxchen:
Lasst Euch nicht abschrecken. Am Anfang mag das Neue befremdlich sein doch am Ende werdet Ihr sehen, dass vor allem eines die Borusso-Westfalia
ausmacht, nämlich die lebenslange Freundschaft. Und deshalb trage ich mit
Stolz das Schwarz-Silber-Grüne Band.
-7-
Festrede:
„Wer von Tübingen kommt ohne Weib, von Leipzig mit gesundem Leib, von
Helmstädt ohne Wunden, von Jena ohne Schrunden, von Marburg ungefallen,
hat nicht studiert in Allen.“ (Spottvers aus dem Jahr 1617)
I.
Höhere Schulen, wie in Syracus oder Cordoba, Kloster- und Domschulen,
gab es schon lange bevor sich das entwickelte, was wir heute als Universität
bezeichnen. Schulen der Rhetorik, wie in Griechenland oder Rom,
Schreibschulen, um das kirchliche Schriftenmonopol aufrecht zu erhalten oder
aber angehenden Priestern das theologische und sprachliche Rüstzeug zu
geben, waren der Anfang. Karl der Große trug dazu bei, Bildung salonfähig
zu machen. Mit Recht in Bologna und Medizin in Salerno wurden jedoch nur
einzelne Fächer gelehrt.
In Paris – um 1200 war hier eine Lehranstalt entstanden – wuchs zum ersten
Mal eine Universität heran mit den vier Fakultäten, die noch lange Zeit das
Bild der Hochschule prägen sollten: die niedrige, die der Künste, deren Besuch
war, und die drei hohen Fakultäten Medizin, Jurisprudenz und an der Spitze
Theologie.
Im Mittelalter galten die Studenten
in der Pariser Bevölkerung
als turbulente Subjekte, die
die Tavernen und Bordelle
bevölkerten. Im Jahr 1229 hatte
ein studentisches Trinkgelage
weitreichende Folgen. Während
der
Karnevalszeit
zettelten
Studenten in einem Wirtshaus
eine Schlägerei an. Die Soldaten
des Stadtvogts, die schon
lange darauf gewartet hatten,
den Studenten ihre Arroganz
v.l.n.r. : Sebastian Staden, Andreas Rademachers,
Tim Reinicke
-8-
auszuprügeln, eröffneten die Jagd. Hierbei wurden auch Dozenten Opfer
ihres Wütens. Die Lehrenden der Sorbonne sahen darin einen Angriff auf
die Universität insgesamt und riefen einen Vorlesungsstreik aus. Dozenten
wanderten ab. Der Vorlesungsstreik dauerte drei Jahre, bis Papst Gregor IX.,
selbst ein ehemaliger Pariser Student, am 13. April 1231 die Bulle Parens
scientiarum herausgab, in der er die Universität als Mutter der Wissenschaften
mit verschiedenen Privilegien ausstattete, um einer Gängelung der Studenten
vorzubeugen. Die Sorbonne nahm erst 1232 ihre Arbeit wieder auf, als König
Ludwig IX. ihr weitreichende Privilegien und Unabhängigkeit garantierte.
Für die Städte waren mit fehlenden Studenten massive Einbußen verbunden,
denn das Studentenleben beschränkte sich keineswegs auf Forschung
und Lehre. Auch wenn wir uns nicht täuschen sollten über die Größe der
Einrichtungen. Selbst bis in die Neuzeit gab es selten mehr als 300 Studenten,
der Kern der Professoren dürfte 5 nicht überschritten haben.
Senior Christian Purmann und Andreas Rademachers im WS 2013/2014
Seit dem Spätmittelalter waren es jedoch nicht mehr die Scholaren, die sich
einen Lehrer suchten. Die erste Universität im deutschsprachigen Raum, Prag,
-9-
war eine Kaisergründung. Für die Reputation war es einträglich, einen Kaiser
als Gründer zu haben, der Papst war noch besser. Doch meist erfolgte sie
durch den Landesherrn. Nachdem im Investiturstreit die Macht des Kaisers
stark beschränkt war, wurde es für die Landesherren wichtig, selbst gutes und
staatstreues Personal auszubilden.
II.
Das Studium selbst ging recht schnell, es war auf Wissensvermittlung (dem
Vorlesen von Texten, da keine Bücher zur Verfügung standen), nicht auf
Forschung ausgerichtet. Da es selten Zugangsvoraussetzungen gab, reichte
es noch Mitte des 18. Jahrhunderts aus, eine Lateinschule besucht zu haben,
um an der Universität nach 3 Jahren bisweilen schon die Promotion erreicht zu
haben, also mit Anfang 20. Damit war bis zu dieser Zeit sogar der persönliche
Adel verbunden.
Universitäten waren eine Parallelgesellschaft. Nicht nur die Stadtluft machte
frei, sondern vor allem der Besuch einer Universität. Die Rektoren hielten alleine
Gericht über die Angehörigen, ihre Bürger waren Pfalzgrafen und durften damit
sogar uneheliche Kinder legitimieren.
Das Leben selbst wurde recht angenehm gestaltet, die äußeren Bedingungen
waren noch über den Vormärz hinaus auf Geselligkeit angelegt. Es gab
Reitschulen, Tanzkurse, 1686 billigte ein Privileg für die Universität Frankfurt/
Oder den Professoren eine gewisse Menge Freibier pro Jahr zu.
Akademisches Kunstmuseum
Dabei ging es den Studenten
meist besser als dem
besoldeten Personal. Ein
normaler Student hatte in
Halle rund 200 Taler zur
Verfügung, die aus reichem
Hause sogar 800. Für die
fünf Theologieprofessoren
standen im Jahr 1800
allerdings nur insgesamt
1800 Taler zur Verfügung.
Man war auf das Hörergeld
angewiesen, das für die
privaten Vorlesungen bezahlt wurde. 1785 klagte eine Professorengattin,
dass es weniger wurde, dabei lese ihr Mann doch seit Jahren immer die
- 10 -
gleichen Texte. Nicht selten bettelten die Lehrenden beim Landesherrn, auch
Koryphäen wie Leibniz ersuchten mehrfach vergeblich bei seinem Herrn an.
Die zeitgenössische Redewendung „Gelehrte und Huren kann man für Geld
haben“ war zwar despektierlich, entsprach allerdings der Realität. Dass dies
nicht gerade zum Respekt beitrug, liegt auf der Hand. Disziplin herrschte nicht:
In Dillingen waren Totschläger unter den Studenten, so dass ihnen das Tragen
des Degens verboten wurde.
Die Annalen der Universität Marburg
heben 1619 lobend hervor, dass es
in diesem Jahr keinen Mord gegeben
hat.
In seinem Studenten-Lexikon aus dem
Jahr 1781 beschreibt Christian Wilhelm
Kindleben einen Burschen als einen
„Studierenden, der schon 2 oder 3
Jahre auf der Universität zugebracht,
sich einige Male herumgeschlagen und
überhaupt Haare auf den Zähnen hat.“
Gerade Wallenstein, der spätestens
aus Schillers gleichnamigen Werk
bekannte Adlige und Heerführer, trieb
mit Freunden sein Unwesen an der
Bonner Rathaus
Hochschule Altdorf und randalierte
bei einem ihnen ungenehmen Lehrer.
Auch wenn sie kurz in Haft kamen, nur wenige Monate später wurde bei einem
Wortgefecht mit einem Soldaten und Wallenstein zum Degen gegriffen. Der
ermahnt“.
Das Problem schien hausgemacht: Der Altdorfer Jurist Scipio Gentilis, 1598
Rektor der Hochschule Altdorf, soll als Anführer einer Studentenhorde durch die
Stadt gezogen sein und Bürger verprügelt haben.
Das Preußische Allgemeine Landrecht regelte daher 1794 klar: „Besonders
müssen Schlägereien, Schwelgereien, und andere zum öffentlichen Ärgernis,
oder zur Störung der gemeinen Ruhe und Sicherheit gereichende Exzesse der
Studenten, nachdrücklich geahndet werden.“
- 11 -
III.
Es musste also nach anderen Alternativen gesucht werden.
Um 1800 herum standen viele Universitäten vor dem Ende, für die Wissenschaft
leisteten sie keinen großen Nutzen und die Vorlesungen waren wohl eher
Zeitvertreib, wie Wilhelm von Humboldt nach dem Besuch einer Vorlesung
in Frankfurt beschreibt. „Sonst sprachen sie sehr laut, lachten, warfen sich
Komödienzettel zu, trieben Possen von aller Art. Auch war ein großer Hund im
Kollegium, der sich nach Belieben wälzte, kratzte und Töne aller Art von sich
gab.“ Seine in Berlin gegründete Universität sollte eins der ersten Beispiele für
ein neues Denken sein und gleichsam eine klare Trennung zwischen Schule
und Studium bedeuten.
Die Universität wurde zum Zugang in die gehobene Berufswelt. Akademiker,
Referendariaten erhielten. Akademiker gehörten zum hohen Bürgertum, waren
gesellschaftlich geachtet, konnten bisweilen „gute Partien“ kennenlernen, die
durch einen Akademiker auch Staatsnähe heirateten.
Zwar waren die Akademiker keine fachlich homogene Gruppe mehr, aber man
traf sich auf Ratsebene, wie es Thomas Ellwein formulierte, als Regierungsrat,
Amtsgerichtsrat, Studienrat etc. Innerhalb der Akademikerschaft waren die
Studentenverbindungen eine der wenigen homogenen Gruppen, die sich
vom Einheitsgrau abhoben. Das Stichwort war Aufstieg, egal, was es kostete,
denn Freitische und Stipendien gingen zurück. Dabei kostete gerade das
Verbindungswesen viel Geld. Beim Kaiserbesuch in Vollwichs aufzutreten
war ein teures Unterfangen. Auf der anderen Seite sollte der Stand erhalten
werden. In der zutiefst ständischen Gesellschaft war man schon wer, wenn
man Referendar oder sogar Assessor wurde. Sie trafen die Eltern, nicht die
Studenten. Und wer sich ein Studium erhungern musste, wer studierte, ohne
dem Bild des Studenten zu entsprechen, stand im Abseits.
Doch es war mit der Burschenherrlichkeit längst nicht
vorüber:
Adolf
Kußmaul,
um
1840
Student
in
Heidelberg, berichtet: „In geheime Orden und
Landesmannschaften
geteilt,
überboten
sie
- 12 -
einander in rohen Ausschreitungen, Duellen und Prägeleien, verwechselten
die akademische Freiheit mit Zügellosigkeit.“ Auch bei kommentfesten
Corps waren drei bis vier Kneipen pro Woche
normal. „Bei einem Stiftungsfestkommers in
Schwetzingen, im Dezember 1840, endete das
Fest mit Zertrümmern des Hausgeräts, das nicht
niet- und nagelfest war. Der Gastwirt nahm die
Verwüstung gelassen hin.“
Über Bonn berichtet Heinrich von Treitschke:
„Quartier, Bücher, Kleinigkeiten sind teuer, was
aber zu des Lebens Prosa gehört, ist fabelhaft
billig.“
Hugo
Graf
Lerchenberg-Koefering,
1862
Student in Bonn, schrieb, dass es normal sei,
„in angeheitertem Zustand auf der Straße zu
Bonner Münster
skandalieren, Laternen einzuschmeißen, kurz
allen möglichen Unfug treiben“. „Die Bürgerschaft
nahm das lachend hin. Bonn war eben Universitätsstadt, man verdiente an den
Studenten.“ Doch er berichtet auch:
„Wenige Jahre nach meinem Abgang von Bonn schlug die Sterbestunde des
autonomen Universitätsgerichts, und damit hörten diese Streiche auf; denn
ein Verfahren vor dem Polizeistrafrichter war eine andere Sache, auch in ihren
späteren Folgen ernster.“
Studententum lebte weiter. Auch sonst sehr solide Studenten tranken 1880 in
Göttingen ihren Schoppen, bevor sie ins Kolleg gingen.
IV.
Die These sei erlaubt, dass durch Umwälzungen, Kriege und gesellschaftliche
Umbrüche, durch eine stärke soziale Freizügigkeit und dem steigenden
Alter der Studenten, Exzesse nicht mehr nötig waren. Das Treiben der alten
Burschenherrlichkeit als letzte Chance, sich die Hörner abzustoßen, bevor man
im Staatsdienst Elite wurde, brauchte es nicht mehr.
Dennoch ist der Elitenbegriff der heutigen Zeit noch gar nicht so alt. Nicht mehr
die Zugehörigkeit zur Bildungs-Oberschicht ist das Entscheidende, sondern die
Leistungsfähigkeit. Dazu maßgeblich beigetragen hat sicherlich die Öffnung der
- 13 -
Ausbildung für alle Schichten. Soziale Mobilität ist im Vergleich zu den ersten
Nachkriegsdekaden immens gestiegen. Nach eineinhalb Jahrhunderten freier
Bildung, nach mittlerweile 45 Jahren BAföG, verkommt für viele die staatliche
Universität, generell die öffentliche Bildung, zu einer Masseninstitution. Von
1975 bis 2011 stieg die Zahl der Studenten von 836.000 auf 2,3 Millionen. Elite
Private Bildungseinrichtungen bilden die neue Leistungselite aus, wenn es
sich die Eltern leisten können. Das Studium wird wieder teuer, das 18. und 19.
Jahrhundert lassen grüßen.
Christopher Jahns, ehemals
Rektor der European Business
School, sagte auf die Frage
nach dem Bildungsansatz
der EBS: „Wir wollen, dass
sich die Studenten persönlich
fortbilden,
Fertigkeiten,
Verantwortungsbewusstsein
und
soziale
Kompetenz
entwickeln, dass sie später
in der Wirtschaft und Gesell
schaft
Führungspositionen
ausfüllen können, in denen
Palais Schaumburg
sie andere leiten, führen und
ihnen Vorbild sind.“
Das Semester kostet zwischen 7000 und 8000 Euro.
Hier müssen wir uns fragen, was wir aus der Entwicklung lernen können.
Neben Leistung, die im Zuge des Bologna-Prozesses eine große Rolle spielt
– auch wenn im Gegensatz zur EBS nicht bei unter 70 Stunden pro Woche
von „Minderleistung“ gesprochen wird – muss eine Persönlichkeitsbildung
Vielleicht sind die Studentenverbindungen, wenn sie nicht als reines günstiges
Wohnen gesehen werden, dazu geeignet, an ihre alte Tradition anzuknüpfen,
und durch das Verbindungsleben und außeruniversitäre Bildungsangebote
dazu beizutragen, dass Akademiker wieder positiv besetze Elite werden.
Andreas Rademachers 30.01.2014
- 14 -
Der Rhein bei St. Goarshausen
Ich bin Geograph, aus Leidenschaft.
Nicht aus Öko-Überzeugung wie
viele KollegInnen! Ich betrachte einen
Raum, ein System und denke über
die Wechselwirkung der Bestandteile
hinaus. Ein Kennzeichen vieler
wissenschaftlicher Fachbereiche ist
eben dies nicht, das interdisziplinäre
über den akademischen Tellerrand
Hinwegschauen.
Vielleicht
rührt
auch daher die Einstellung, man
wisse alles und könne alles.
Geschehen könne uns nichts mehr,
für alle Eventualitäten, außer für das
Restrisiko, sei vorgesorgt. In den
jeweiligen Fachbereichen mag das
für sich gesprochen in diese Richtung
gehen.
Wer von uns glaubt daher ernsthaft,
Bonn könne in den Fluten versinken?
Nicht, ob es geschieht, sondern, wann
es geschieht. Das müssen wir uns
fragen. Und dann müssen wir uns
fragen, was wir falsch gemacht haben.
Die Ingenieure unter uns werden
sagen, mehr als das technisch
Machbare ist nicht machbar. Mediziner
unter uns werden sagen, retten wir, was
zu retten ist (derweil rechnen die BWLer
unter uns die monetären Verluste
aus). Die Politiker unter uns werden
sagen, ich hab es ja gewusst, denn
Politiker wissen alles, wohingegen
die Verwaltungswissenschaftler - zu
denen ich mich unglücklicher Weise
ja auch noch zählen muss - die
mangelnden Mittel im Haushaltsplan
benennen und nicht wissen, woher
nehmen, wenn nicht stehlen. Die
Theologen unter uns werden sagen,
nur der Herr allein entscheidet über
Gedeih und Verderb.
Rheinland wieder? Juristen, Biologen,
Informatiker,
Psychologen,
sie
alle werden einen anderen,S sich
voneinander unterscheidenden Blick
auf dieses Thema haben.
- 15 -
Hochwasser in Bonn
Und doch spricht vieles dafür: Der
Rhein sucht sich seinen Weg. Wer
weiß, vielleicht ist irgendwann dort
Land unter, wo es keiner vermutet.
Das Zitat stammt von Bernhard
Opgenorth,
dem
Besitzer
des
Bundeshäuschens in Oberkassel.
„Wo es keiner vermutet“, ist das
das sogenannte Restrisiko, also die
Unbekannte? So muss es wohl sein,
denn den Rhein gibt es schon viel
länger als Menschen an ihm siedeln,
und nur einen Wimpernschlag
der Geschichte sollten wir als
einigermaßen bekannt beurteilen.
Zumal sich auch das Klima, so lang es
nimmt. Und wir? Sie? Ihr? Ich? Jeder
Anrheiner? Wir glauben diesen Strom
zu kennen und ganz genau zu wissen,
welche Gefahr droht.
Als der Rhein das letzte Mal ein
größeres Hochwasser führte, war
ich keine 13 Jahre alt und wohnte
noch weit weg im Westerwald. Ich
dachte nicht daran, dass die Macht
der Natur und der Leichtsinn des
Menschen in ihrer Kombination
Wissenschaftler
faszinieren
und
zugleich so vernichtend wirken
können. Man bedenke, dass 1993
- 16 -
und 1995 gleich zwei so genannte
60-jährliche Hochwasser aufeinander
folgten und Verderb anrichteten.
Man bedenke weiter, dass - gäbe
es am Rhein keine 59 Millionen
Anwohner - es auch kein Verderb
gegeben hätte. Sie - die Menschen unserer Generation, die diese beiden
Ereignisse miterlebt haben, glauben,
so etwas war eine Ausnahmesituation,
etwas Außergewöhnliches, damit
habe man alles erlebt, das schlimmste
überstanden.
Statistisch gesehen haben sie nicht
unrecht, denn nur alle 60 Jahre kommt
es vor - rein theoretisch (hier sieht man,
wie wertlos Statistik werden kann). Und
man sieht auch, wie wenig lehrreich
Geschichte mitunter ist, bedenkt man
die Aussage: „Das Hochwasser kam
gegen alle Erwartung - weil gegen alle
Erfahrung“, die 1882 ein Zeitzeuge
in den Bonner Generalanzeiger
schreiben ließ. Das schockierende
Ereignis damals war gerade einmal
10 cm höher ausgefallen als „unser“
Jahrhundert - nein, 60-jährliches
Doppelhochwasser 1993 und 95 mit
rund 10 Metern, immerhin 4-5 Meter
höher als der normale mittlere Pegel
in Bonn.
Die Zeitzeugen dieser und jener
Zeit wären vermutlich reichlich
schockierter gewesen, hätten sie das
- im wahrsten Sinne - JahrtausendHochwasser von 1784 miterleben
müssen. Die Beeinträchtigungen der
Deutschen Bahn wären - so es sie
schon gegeben hätte - spektakulär
gewesen. Das zumindest damals
berühmte Eishochwasser überstieg
die heutige auf der Schäl Sick gelegene
Bahnstrecke samt Beueler Bahnhof
locker. Vierzehn Meter Zwölf. Ich
habe die Zahl extra ausgeschrieben,
wenig im Vergleich dazu 10 Meter?
Aber es geht noch niedriger. Und
zwar, wenn wir auf das aktuelle
Schutzniveau zu sprechen kommen:
9,50 m. Der Pegel, ab dem der
erst kürzlich fertiggestellte neue
technische Hochwasserschutz in
10.000 Einwohner
betroffen sind.
Ja, jetzt kommen wir zum Restrisiko.
Man erinnere sich an das eben
Gesagte: 60-jährlich waren die beiden
letzten großen Hochwasser. Der neue
Hochwasserschutz bewahrt folglich
es nun Zufall oder Schicksal sein mag,
dass die Anlage ziemlich genau 20
Jahre nach dem letzten 60-jährlichen
Hochwasser fertig wurde?
Natürlich hat sich die Stadt Bonn bei
dieser Schutzhöhe etwas gedacht. Und
meine Forschungen haben mehrere
wichtige Faktoren aufgedeckt, die
im Ergebnis noch von Bedeutung
werden könnten. Einerseits hat man
mit der Entscheidung 9,50 m BP das
Risiko von Grundhochwasserbrüchen
verringert, oder anders gesagt:
- 17 -
weniger erhöht ausfallen lassen.
Dabei offenbart sich aber ein
anderes Problem: ein in Beuel tief
gelegener Altarm des Rheins inklusive
Krankenhaus
und
Trafostation
für
die Hochwasserpumpanlage.
Bonner Silhouette
Die beiden Faktoren, an die die Stadt
Bonn darüber hinaus gedacht hat,
waren: keine Beeinträchtigung der
städtebaulichen Sichtbeziehung zum
Rhein als so genanntes Mind-Map
Element für die Anwohner. Und, ich
muss es leider als Mann der Verwaltung
wieder aufgreifen: die Kosten. Dass
den Kölnern ein paar Zentimeter der
nächsten Hochwasserwelle erspart
bleiben werden, ist ein positiver
(unbeabsichtigter?) Effekt.
Wie man sieht, habe ich mich also mit
der Frage befasst:
Wie ist denn überhaupt der Stand der
Dinge. Welche Faktoren haben wir,
wie ist die Situation in Bonn und was
wird gemacht?
Ein paar Beispiele der Zwischenergebnisse habe ich herausgepickt. Dass
aus städtebaulicher Sicht in Zukunft
durch die Ausweisung von Risikogebieten
in
Rheinlage
und
gleichzeitige
Inanspruchnahme durch Retentionsräume
nur am Rande erwähnt.
Was ist also das eigentliche
Problem? Der Hochwasserschutz
zu niedrig bemessen? Zu wenig
Risikobewusstsein? Zu wenig Platz
(man denke an die Mietpreise in Bonn)
oder, das Wasser kommt plötzlich
ganz woanders her (man denke an
Opgenorth)? Es ist all das und wenn
man dem Intergovernmental Panel on
Climate Change Glauben schenken
mag, wird sich zu allem Übel die
Situation aus klimatischer Sicht sogar
noch verschärfen.
Diese Variable ist der zentrale
Kern meiner Fragestellung: Wann
versinkt Bonn im Hochwasser? Zur
Erinnerung: Die Frage „Ob“ wurde
1783 beantwortet.
Es herrscht überwiegend Konsens,
dass Starkregenereignisse und länger
anhaltende Niederschläge zunehmen.
Deutliche
Veränderungen
von
Temperatur und Niederschlag, auch
regional, sind sehr wahrscheinlich.
Der Klimawandel wird als einer
der Hauptgründe für die Zunahme
extremer Hochwasserereignisse gesehen. Und was sagt die Stadt Bonn
dazu? Geradezu verhalten erscheint
demgegenüber die folgende Anmerkung im Hochwasserschutzkonzept
der Bundesstadt Bonn von 1997:
- 18 -
„Die teils sehr kontrovers geführte
wissenschaftliche Diskussion lässt es
zur Zeit noch nicht zu, konkrete Ansätze
zu berücksichtigen und daraus eine
mögliche Klimaänderung abzuleiten.
(...)
Nachvollziehbare Argumente
jedoch mahnen zur Vorsicht und
weiteren Verfolgung.“
Welche
Konsequenzen
hatten
‚Vorsicht und weitere Verfolgung‘ bis
heute und in Zukunft?
Jedenfalls nicht diejenige, bislang
wenig bekannte Risiken ernsthaft zu
betrachten. So beharrt beispielsweise
die Bezirksregierung Köln auf der
scheinbar bundesweiten Konvention,
in Risikomanagementplänen und
entsprechenden Karten die durch
den Untergrund variierende Gefahr
von Grundhochwasser nicht abzubilden. Man könne ja nicht alles
berücksichtigen, womit die Damen
und Herren grundsätzlich recht haben.
Um am Beispiel Bonn zu bleiben,
ist diesbezüglich festzustellen, dass
es sich beim Stadtteil Beuel um
einen aus geographischer Sicht so
genannten hydrologischen Gleithang
handelt, also quasi die Innenseite
angreifbarer ist. Und vor allem: die
besonders durch Terrassenschotter
gekennzeichnet
ist,
eine
für
Grundhochwasserbewegungen sehr
begünstigende
Ausgangssituation,
denn diese können viel schneller
auftreten als bei tonigem Untergrund.
Ich will nun nicht den Bestandteil
Klimawandel
zum
alles
entscheidenden
Faktor
stilisieren.
Aber wovon ich fest überzeugt
bin ist, dass er geeignet ist, das
Problembewusstsein zu erhöhen,
die Thematik vor einer aktuellen
Entwicklung zu betrachten und dem
Bürger eindrücklich darzulegen.
Soweit meine bis dato nicht belegte
Meinung. Was sollen wir also tun?
Die Frage gab ich im Rahmen
meiner Diplomarbeit an verschiedene
Experten von Weltrang weiter:
beispielsweise an den Direktor der
United States University Europe,
Professor Dr. Jakob Rhyner, der
als gebürtiger
Schweizer
eine
nachvollziehbar ausgeprägte Haltung
zu Naturgefahren hat.
Gemäßigter Ansicht war der Leiter
des Kaiserslautern Institute for Flood
Management and River Engineering.
Seines Zeichens: Ingenieur.
Dass nicht alle Ingenieure allein
die
technische
Komponente
über alles stellen, zeigte das
Experteninterview mit dem Leiter
der Hochwasserschutzzentrale Köln,
Reinhard Vogt (es lohnt sich zu
googlen, denn er tritt in jeder Sendung
zum Thema, auch international,
auf und zeigt beispielsweise den
Australiern, was sie besser machen
könnten).
Tenor aller Gespräche mit Ausnahme
der Bezirksregierung war: Es muss
gerechnet werden, aber wie genau,
- 19 -
das wissen wir nicht. Also ist eine
prophylaktische Herangehensweise
notwendig:
Bewusstseinsbildung,
städtebauliche Adaption, eine Art
Sicherheitsabstand.
Gerade in einer Studentenstadt, in
der alle paar Wochen WG-Bewohner
in bedrohlicher Rheinlage aus- und
umziehen und diejenigen, welche
schon länger (aber sicherlich nicht seit
1783 dort wohnen) in einer mitunter
selbstgefälligen Art „Et hät noch immer
jot jejangen“ lieber den Rheinblick
genießen und alle Warnungen in den
Wind schlagen wollen.
Es gibt natürlich noch diejenigen,
die mit Sorge auf den Rhein blicken,
obwohl sie nicht betroffen sind. Aber
dann doch betroffen sind, denn sie
wohnen am Mehlemer Bach. Beste
Lage, Villenviertel, schöne Aussicht,
Siebengebirge. Hoch genug gelegen,
um sich vor dem Rheinhochwasser in
Sicherheit zu wiegen - schon wieder
Sicherheit.
Bei all der Sicherheit kann man es
gar nicht mehr
übel nehmen,
wenn
man
dann wirklich
überras cht
ist, dass der
Mehlemer
Bach plötzlich
zur Gefahr wird
und
Häuser
ein zustü rzen
d r o h e n .
Was ist das denn nun? Noch mehr
Hochwasser? Ja, und auf anderem
Wege und vor allem: So geschehen
2010. Am 3. Juli, um genau zu sein.
Jedem, dem das Datum nicht durch
dieses Hochwasser bekannt war, der
dürfte es dennoch kennen. Hierzu
zitiere ich den Generalanzeiger Bonn:
„3. Juli 2010, 16.05 Uhr: In der
Villa oberhalb der Mündung des
Mehlemer Bachs läuft der Fernseher.
Deutschland-Argentinien begonnen.
Juliane Kirschbaums Gäste jubeln
über das frühe 1:0. Die Gastgeberin
selbst steht zitternd am Geländer der
Uferpromenade.
„Bei
jedem weiteren Tor
für
Deutschland brach ein weiteres
Stück Promenade weg“, erinnert sie
sich später. Im Mehlemer Ober- und
Unterdorf ist zur gleichen Zeit Land
unter. Hunderte kämpfen gegen die
Flut.“
Dass
niemand
umgekommen
ist, haben wir also der FußballWeltmeisterschaft 2010 zu verdanken.
Sie sorgte nämlich dafür, dass im
Freien und auf den Promenaden
nichts los war. Und das zeigt einmal
mehr, dass auch in der Wissenschaft
Zufall und Schicksal einander die
Hand reichen. So wie wir es - wie
ich hoffe - im Siegestaumel und mit
allseits bekannten Jährlichkeiten
schon bald tun werden: 1954 - 1974
- 1990 - 2014... Immer diese Statistik!
- 20 -
Swen Christian, Dipl.-Geograph
Radtouren der Borusso-Westfalia – seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im
Veranstaltungskalender eines jeden Sommersemesters – sind keineswegs
einem bestimmten Kreis von Bundesbrüdern vorbehalten, etwa solchen,
die schon immer mitradeln... Vielmehr hoffen wir in jedem Jahr auf neue
Mitradler, insbesondere aus dem Bereich der Aktivitas. Vielleicht weiß diese
Aktivitas noch nicht, dass die radelnden Alten Herrn gerne bereit sind, die
Übernachtungskosten zu übernehmen – neben den vielen Runden, zu denen
sich die älteren Bundesbrüder förmlich drängen.
Das Mitradeln würde vor allem den
jüngeren
Bundesbrüdern
deshalb
entgegenkommen, weil sie bei diesem
nicht
nur
mit
seinen
vielfältigen
Landschaften, sondern auch mit seinen
vielen Kunstschätzen kennenzulernen.
Was vielleicht nicht jeder Leser ohne
weiteres vermutet: BW-Radtouren sind
keineswegs solche, bei denen nahezu
ausschließlich bei Pausen und abendlichen
Die Kultur kommt nicht zu kurz. In diesem
Jahr auf der Strecke Speyer – Worms –
Mainz – Koblenz waren es vor allem die
drei Kaiserdome und in Mainz ausserdem
die Kirche St. Stephan mit den herrlichen
Fenstern des französischen Malers Marc
Chagall. Zwei Entwürfe dieser Fenster
BW-Radtour 2014; Luther Denkmal in
sind vor einigen Wochen bei Sotheby`s
Worms
in New York für zusammen ca. 418.000
Dollar (etwa 300.000 €) versteigert worden. Bis zu seinem Tod hatte Chagall
neun Fenster für die Kirche St. Stephan entworfen und das Glas teilweise selbst
bemalt. Chagall war am 7. Juli 1887 in Witebsk, Weißrussland, geboren worden.
Er starb am 28. März 1985 in Saint-Paul-de-Vence.
Die Strecke von Speyer nach Koblenz führte uns überwiegend direkt am Rhein
entlang, durch Rheinhessen (Nierstein, Oppenheim), durch den Rheingau
- 21 -
von Eltville bis Rüdesheim, von dort linksrheinisch über Bingen, Bacharach,
Oberwesel mit der gotischen Liebfrauenkirche aus dem 14. Jahrhundert, über
St. Goar, Boppard, Rhens nach Koblenz.
Zum selbstverständlichen Bestandteil einer jeden BW-Radtour ist das Singen
der bekanntesten Studentenlieder geworden. Dieses Mal gelang das vor allem
deshalb besonders gut, weil ein Bundesbruder aus seinem Gepäck für jeden
Teilnehmer ein Exemplar Texte hervorholte, was dem Gesang zwar nicht
unmittelbar zugute kam, wohl aber sicherstellte, dass alle Strophen zu Ende
gesungen werden konnten. Als Lärmbelästigung wurde unser Gesang an
wurden wir allerdings nicht.
W.I.
Arno Krüger mit Rudi Fassnacht
Auf dem Jakobsweg in Speyer
v.l.n.r.: Willy ILbertz, Heinz Mertens,
Hermann Schmitz-Habben
- 22 -
Im Rahmen unseres diesjährigen
Stiftungsfestes
besuchten
wir
unter
sachkundiger
Leitung
unseres Bundesbruders Wilfried
Hansmann,
des
ehemaligen
Landeskonservators, die weithin
sichtbare Doppelkirche SchwarzRheindorf auf der rechten Bonner
Rheinseite. Die Malereien in
der Unterkirche gehören zu den
wichtigsten
mittelalterlichen
Malereien Europas. Sie zeigen ein
perfektes Bildprogramm, das sehr
viel über das mittelalterliche Weltbild
aussagt.
Auf dem rechtsrheinischen Weg
von Bonn nach Köln fällt als
erstes ein trotz des mächtigen
Vierungsturms grazil wirkender
romanischer
Kirchenbau
ins
Auge: die Doppelkirche von Schwarz-Rheindorf, Sankt Maria und Sankt
Clemens geweiht. Die Doppelgeschossigkeit mit zwei übereinander liegenden
Kirchenräumen ist wohl nicht, wie behauptet wird, darauf zurückzuführen, dass
die „hohen Herrschaften“ oben und das „gemeine Volk“ unten dem Gottesdienst
beiwohnten, aber die genaue Nutzung ist leider nicht mehr bekannt.
Arnold II von Wied, auf dessen Familien-Hofgut diese „Capella“ in der Mitte des
12. Jahrhunderts errichtet wurde, war von 1151 bis 1156 Erzbischof von Köln.
1151 wurde die Kirche, die auch die Grablege Arnolds ist, in Anwesenheit des
Staufer-Königs Konrad III geweiht, dessen Kanzler Arnold seit 1138 war. Ich
beziehe mich in der Folge hauptsächlich auf das Arbeitsheft der rheinischen
Schwarz-Rheindorf“, von Wilfried Hansmann und Jürgen Hohmann (2002), das
mir Prof. Dr. Hansmann großzügigerweise schenkte, als ich ihn mit der Bitte um
Informationen zu Schwarz-Rheindorf ansprach. Über den aufsehenerregenden
Tod Arnolds in Xanten ist auch bei den Experten wenig zu erfahren – vielleicht
- 23 -
kein Wunder nach so langer Zeit – jedoch hat mir Frau Maas vom Stiftsmuseum
Xanten noch einige wertvolle Informationen zu Ort und Art seines Todes und zur
Literatur darüber zukommen lassen.
Über den Stifter der Kirche hat sich unser Bbr. Lothar Schwarz, der ehemalige
Nikolaus der BW, kundig gemacht und etwas herausgefunden, das er in den
nachfolgenden Text eingebunden und in Versform gekleidet hat.
Schwarz-Rheindorf, heute Teil von Bonn,
grüßt auf der rechten Seiten
des Rheins, und Schritte nur davon,
den Wanderer seit Zeiten
mit seiner Doppelkirche Pracht,
weiß-rot ins Grün organisch
gefügt, die Vierung schwarz bedacht,
die Bögen rein romanisch:
Ein mächtiger, ein stolzer Bau,
und doch grazil gestaltet,
der durch den Farbklang unterm Blau
des Himmels Charme entfaltet.
Der Meister, der ihn wachsen ließ,
der dieses Kunstwerk plante,
damit es Gott, den Schöpfer, pries,
der wusste oder ahnte,
dass dies, sein Werk, jahrhundert-weit
nach ihm noch überdauern
und zeugen würde durch die Zeit
mit seinen starken Mauern.
Arnold von Wied, so hieß der Herr,
ein Mächtiger des Reiches:
Graf, Kirchenfürst und Kanzeler,
sein Wirken suchte Gleiches.
Auf eig`nem, adeligen Gut,
hier an des Rheines Flanke,
entwarf er einstmals wohlgemut
dies Bauwerk, Gott zum Danke,
und bracht`bis 11-5-1 den Plan
für die „Capella“ eilens
und unbeirrbar auf die Bahn kein Weilchen des Verweilens!
Sein König, Konrad, kam zum Tag
der Feier ihrer Weihe,
und wer im Reich noch wer sein mag,
erschien in dichter Reihe.
Man zog nach diesem Festakt dann
per Schiff den Rhein hinunter
nach Köln, sei`s Ordens-, Edel-Mann:
kein Tross zuvor je bunter!
Dort ward zum Erzbischof er gleich
und Herzog auch im Heil`gen Reich
bestimmt am selben Tage sein Stern -Tag ohne Frage.
Für uns, die Nachwelt, ist sein Tun,
wie`s in dem Bauwerk lebt
(wenn hinzuschauen wir geruh`n),
ein Erbe, das erhebt:
das Grundriss-Kreuz, das Apsis-Rund,
- 24 -
Vierpaß, Zwerggalerie,
der Vierungsturm, der stolze, und
die große Harmonie,
die nicht nur außen uns besticht,
gradso im Innenraum:
wie wohl in Arnolds Traum –
die beiden Kirchenräume gleich,
hienieden dieser – droben
der andre, beide farbenreich
vom Sockel hoch bis oben.
Das Oktogon der Öffnung, die
den Blick frei schweifen lässt
hinab – hinauf zur Galerie,
hält Aachens Vorbild fest.
Zwar haben die Jahrhunderte
die Bilder nicht verschont,
die Arnold so bewunderte,
jedoch am Himmel thront
im Ober-Chor der Herr wie eh`
in seiner Mandorla
und segnet jeden, der ihn seh`,
nun schon fast tausend Jahr`;
zu seinen Füßen ausgestreckt
liegt Arnold im Ornat,
die Hände betend hochgereckt,
des Erzbistums Legat;
und gegenüber Hadewig,
die Schwester, die nach ihm
der Kirche klösterlich`Geschick
nahm unter ihr Regime.
Nach Benedikts gestrengem Brauch
führt`sie ein Nonnenstift
am Orte hier und wirkte auch
im Sinne seiner Schrift.
Man sagt, was aber nicht belegt,
dass ihrer Kutte Tracht
das „Schwarz“ – im Namen angeregt;
ob`s stimmt – Nicht ausgemacht!
- 25 -
Dass Hadwig Arnolds Erbe ist,`
Verlangt ja, dass er tot;
doch dass so früh er sterbe, ist,
so sagt man, ohne Not:
im Jahre 11-5-6 geschieht,
dass er als Erzbischof
von Köln nach Xanten rheinab zieht
mit Ross und Tross und Hof;
wo ihm, an sich ein ernster Mann
und nicht dem Spiele nah,
bei einem Wettlauf es geschah,
dass ihn der Tod hielt an:
man weiß nicht, ob sein Herz versagt,
ob er fatal gestürzt,
man weiß nur, dass es sehr beklagt,
dass dies sein Sein verkürzt.
„Unglaublich“, sagen die Annalen,
„dass so ein Gottesmann,
des` Ehren über Allen strahlen,
„so würdelos sein kann!“
Die, die ihn lobten, waren mehr
Und die ihn sehr beweinten,
und die den Lapsus nicht so schwer
und unverzeihlich meinten.
Sie überführten seinen Leib
hierher in die Kapelle,
wo seither immer sein Verbleib,
an selbst gewählter Stelle:
sein Werk, sein Stolz, seither sein Grab. –
Sein`gelte das Gedenken
hier, wo der Bau, den er uns gab,
uns täglich kann beschenken!
Lothar Schwarz
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik,
Geschichte und Volkkunde in Bonn 1962-1969.
Promotion über Schloss Brühl 1969.
Tätig von 1969 bis 2005 im LVR-Amt für
Hauptkonservator und Leiter der Restaurierungs abteiung. In dieser Eigenschaft wissenschaftlicher Leiter der Restaurierungsarbeiten an
den Wandmalereien in der Dopellkirche von
Schwarzrheindorf: 1994/95 in der Unterkirche,
1998/99 in der Oberkirche.
Bei diesen Arbeiten konnte weitgehend der
v.l.n.r.: W. Hansmann, L. Schwarz Originalbestand der Malereien aus der MItte des
12. Jahrhundert nachgewiesen und teilweise
auch wieder sichtbar gemacht werden. Diese und viele andere Arbeiten, die
ich wissenschaftlich betreute und durch Publikationen bekannt machte, trugen
dazu bei, dass mir die Landesegierung von Nordrhein-Westfalen 2006 den
Professorentitel für „hervorragende Leistungen im wissenschaftlichen und
Wilfried Hansmann
kulturellen Bereich“ verlieh.
- 26 -
Am 29. Mai war es wieder soweit. Einige Borusso Westfalen trafen sich in
Bernd-Uwe Jahns (v/o Janky) Haus in St. Augustin, um von dort aus den
Vatertag unter Bundesbrüdern gebührend zu feiern.
Nachdem eine Wanderung schon die Jahre zuvor für großes Vergnügen und
beachtliche Teilnahme gesorgt hatte, wurde beschlossen, den Vatertag auch
dieses Jahr mit einer Wanderung zu verbringen. Nachdem noch weitere
Bundesbrüder eingetroffen waren, konnte es losgehen. Eine kurze Stärkung
vor der Wanderung, einige Bier schnell in den Rucksack geladen, und los! Bei
wechselhaftem Wetter begaben wir uns in einen Wald nahe der Sieg, wo nicht
nur die Hunde auf ihre Kosten kamen, sondern auch Fachkenntnisse über
Botanik geteilt, Geschichten ausgetauscht und Pläne für kommende Semester
gemacht werden konnten. An der Sieg selbst waren wir begeistert von der
Natur und der Renaturierung. So konnten wir erfahren, dass sich seit einigen
Jahren Lachse in der Sieg wieder wohl fühlen und die Population wieder auf
eine gesunde Größe gestiegen ist.
Hungrig bei Janky angekommen, wartete bereits ein reichhaltig gedeckter Tisch
und ein vorbereiteter Grill auf uns. Nach weiteren Expertisen über Bier, Wein,
Essen und BW konnten wir alle mit einem guten Gefühl nach Hause fahren.
Eine schöne Tradition und sicher nicht die letzte Wanderung von und mit BW!
Philipp Zielke
v.l.n.r.:
Marco Pisano, Dennis
Belik, Carl Guting
- 27 -
Die Funkhausführung am 23. Mai 2014 war gut besucht.
Viele Bundesbrüder hatten ihren Weg zum äußerst imposanten Gebäude des
Deutschlandradios gefunden. Die Führung begann mit einem Vortrag über die
Geschichte und den aktuellen Stand des Deutschlandradios.
Nach dem Vortrag wurde es spannend. Wir durften einen Blick hinter die
Kulissen einer Live-Show werfen. Die Funktionsweise und die Präzision einer
solchen Live-Berichterstattung waren beeindruckend. Keine Sekunde darf
ungenutzt bleiben. Allein für das Zeitmanagement sind Leute angestellt. Nach
der Live-Show wurde uns auch der Rest des Gebäudes gezeigt. So zeigte
sich das Gebäude dann genau wie von außen : äüßerst groß. Wir haben viele
verschiedene Studios von innen sehen dürfen. Außerdem wurden uns Räume
gezeigt, in denen der Klang auf Grund der Architektur speziell war. Zum Beispiel
gibt es einen Raum, der besonders gut für die Herstellung von Hörbüchern
geeignet ist und wiederum einen anderen, der zur Aufnahme von Jazzmusik
gebaut wurde. Außerdem haben wir einen riesigen Saal gezeigt bekommen, bei
dem sich mancher direkt gefragt hat, ob man den für ein Stiftungsfest mieten
könne. Leider ist dies nicht möglich, da das Deutschlandradio als öffentlichrechtliche Einrichtung seine Räumlichkeiten nicht an Dritte vermieten darf.
Nach der Führung
haben wir noch ein
paar mehr oder minder
tolle Werbegeschenke
bekommen. Aber nach
der Führung war die
Veranstaltung
noch
nicht vorbei. Wenn man
schon mit so vielen
Bundesbrüdern in Köln
unterwegs ist, kann
man auch direkt einen
kleinen
Abstecher
in einen Biergarten
machen. Nach kurzer v.l.n.r.: Hajo Brüggemann und Reiner Pisters
Suche haben wir auch
einen solchen gefunden und uns dort niedergelassen. Neben dem typischen
- 28 -
Kölsch gab es auch sehr gutes Essen und vor allem sehr gute Unterhaltungen.
Da Bundesbruder Hajo überhaupt erst durch seine Kontakte in seiner
Volleyballmannschaft diese Veranstaltung ermöglicht hatte, kam auch der
Freund, der als Moderator beim Deutschlandradio arbeitet, mit zum Biergarten.
So ermöglichten sich spannende Diskussionen über die Medienlandschaft
heutzutage, wie toll Thüringen sei und über die richtige Ernährung, wenn man
Muskelmasse aufbauen möchte (Senior).
Alles in allem war es eine sehr gelungene Veranstaltung, die mir persönlich
sehr viel Spaß bereitet hat. Deswegen möchte ich mich noch einmal bei Hajo
bedanken, dass er diese organisiert hat.
Dennis Belik
Kölner Dom
- 29 -
1. Tag
Um 10.00 Uhr beginnt der Altherrentag.
Nach dem Eröffnungsgebet bietet der CV-Ratsvorsitzende jeder Verbindung
seinen Besuch an, vielleicht könne dies dazu beitragen, Probleme zu lösen.
Er regt Keilarbeit durch Alte Herren an, so könnten z. B. Abiturienten von
Lehrern angesprochen werden. Schließlich preist er noch die CV Akademie an.
Nach Grußworten des ÖCV und des SCHw.StV erfolgt der Aufruf des CVRatsvorsitzenden zur Teilnahme an Katholiken-Tagen.
Es erfolgt Werbung für die Teilnahme an CV-Reisen.
Sodann beschwert sich der CV-Ratsvorsitzende über die Anzahl der Austritte
nach den CV-Prinzipien zu leben und das Verbindungsleben entsprechend zu
organisieren (!).
Es folgen endlose Abstimmungen über Anträge, Berichte über CVOrganisationen etc.
BW - Delegation auf der CV in Aachen
- 30 -
2.Tag
Die 2. Sitzung der Cartellversammlung wird geprägt durch den Vortrag des
Cartellbruders Dr. Thomas Krahwinkel, stellvertretender Vorsitzender des CVAltherrenbundes.
Er setzt sich mit Sinn und Zweck des Lebens Jugendlicher auseinander unter
der Überschrift „Wie ticken unsere Verbindungen im CV ? Wege zu einem
sinnvollen Verbindungsleben“.
Quintessenz ist, dass aus der Erfahrung der Philister und der Energie sowie der
Begeisterung der Aktivitas klare inhaltliche Ziele und Visionen zu formulieren sind
und durch konkrete Maßnahmen und Projekte ein sinnvolles Verbindungsleben
zu organisieren ist.
Am Abend dann der Höhepunkt:
Der Kommers, an dem neben dem Senior und Altherren-Senior unsere
Bundesbrüder Gottfried Willmen, Andres Rademachers und Tim Reinecke
sowie Sabine Schriewer teilnehmen. Der Präsident des Lehrerverbandes, Josef
Kraus, hält eine interessante und launige Rede mit viel Zwischenapplaus.
Fazit: Der CV ist nicht so langweilig, wie manche denken.
Lothar Schriewer, Phil. X
Villa
Hammerschmidt
- 31 -
Zum 21.09.2014 hatte unser Philistersenior Lothar Schriewer zur 5. Altherrenfahrt
„Zwischen den Semestern“ nach Aachen eingeladen. Am Treffpunkt Rathaus
fanden wir eine Gruppe interessierter Bundesbrüder mit Damen, die schon auf
uns warteten.
Die Stadt Aachen hatte anlässlich des 1200. Todesjahres Karls des Großen drei
Ausstellungen (Karls Kunst, Verlorene Schätze, Orte der Macht) ausgerichtet.
Wir besuchten im Krönungssaal „Orte der Macht“.
Informative Wandbilder, originale und replike Ausstellungsstücke, die durch
eine versierte Führerin erklärt wurden, brachten uns die Zeit Karls des Großen,
dessen Machtbereich als Vorläufer eines vereinten Europa gelten kann, näher.
Nach soviel Geschichtsunterricht ging es in eines der ältesten Aachener
Cafés, den Alt-Aachener Café-Stuben Van den Daele, wo wir uns bei Kaffee
und Kuchen stärkten. Hier kamen die Bundesbrüder und ihre Damen, die sich
zum Teil lange nicht gesehen hatten, zu einem besseren persönlichen Kontakt.
Altes und Neues wurde ausgetauscht.
Danach ging es zu einem kleinen Exbummel durch Aachens Zentrum.
Bbr. Kurt Lücker führte uns als Insider zu markanten Punkten. Vom Katschhof
hatten wir eine gute Sicht auf Rathaus und Dom.
Das Rathaus hat im Laufe der Zeit viele Umbauten erlebt. Es geht auf die
Kaiserpfalz Karls des Großen zurück. Von ihr ist bis heute der Granusturm
erhalten.
Auf der linken Seite des Katschohofes erhebt sich der Aachener Dom, ein
Weltkulturerbe. Um das karolingische Oktogon, die ehemalige Pfalzkapelle,
entstanden mehrere Anbauten in späterer Zeit.
Weiter führte uns Bbr. Lücker zum Elisenbrunnen, benannt nach der
Kronprinzessin Elisabeth von Bayern. Den eindrucksvollen Bau errichtete
Friedrich Schinkel in klassizistischer Bauweise, ein berühmtes Wahrzeichen
der Bäderstadt Aachen. Hier ist wohl der Ursprung Aachens zu suchen; haben
doch schon die Römer die heißen Quellen (52 °) als Thermen genutzt.
- 32 -
Zum Abschluss unseres Rundganges haben wir noch einen Blick in das
Oktogon des Domes geworfen, das im Mittelalter eine wichtige Rolle
bei den Kaiserkrönungen spielte. Der Marmorthron Karls und der große
Barbarossaleuchter zeugen noch heute davon.
Nach dieser Besichtigung hieß es wieder Abschied nehmen.
Die vielen Eindrücke in der Kaiserstadt Aachen und das Treffen mit einer Reihe
von Bundesbrüdern wird uns noch eine Zeitlang in den Alltag begleiten.
Ein dickes Dankeschön gilt unserem Philistersenior Lothar Schriewer, der mit
seinen Treffen „Zwischen den Semestern“ dafür sorgt, dass auch außerhalb der
Ferdinand Burbach
Treffen in Aachen
- 33 -
Jedes Jahr zahlen die lieben AHAH einen Beitrag von
260,- Euro an Borusso- Westfalia, und es ist einmal
an der Zeit, dass Euch der Kassierer Auskunft darüber
gibt, was im Einzelnen damit geschieht.
So muss ich als erstes Eure Beiträge sauber trennen:
190,- Euro wandern auf das Konto des Heimbauvereins
und 70,- auf das Konto der Altherrenschaft.
Jeweils am Jahresanfang erhalten die Beitragszahler
von mir eine Spendenquittung über jene 190,- Euro, die
an den Heimbauverein abgeführt wurden.
Hajo Brüggemann
Eure 190,- Euro werden für folgende Ausgaben verwendet:
65 ,- Euro werden als Beitrag für Heizung, Wasser, Strom, für die städtischen
Abgaben sowie für die Hausreinigung eingesetzt. Die Jahresmieten können
diese Ausgaben nur zu 2/3 decken. Um diese Kosten, die fast alljährlich durch
Preiserhöhungen steigen, mittelfristig nach wie vor im Griff zu haben, erhöhten
wir im Mai die Mieten für die Hausbewohner um 25,- Euro pro Zimmer.
Für Reparaturen und Instandsetzungsmaßnahmen am Haus werden pro Jahr
im Durchschnitt etwa 100,- Euro Eures Beitrags verwandt. In manchen Jahren
ist es etwas mehr, in manchen weniger.
In den letzten Jahren mussten wir größere Beträge für die Kanalsanierung
vor unserem Haus, für den Einbau wärmedämmernder Fenster, für den
Parkettabschliff und für den Anstrich unseres Konventsraumes, für die
Neugestaltung des Bauernstübchens sowie für verschiedene Reparaturen des
Daches und der Terrasse aufwenden.
15,- Euro des Beitrags werden für unsere Vereinsveranstaltungen wie Kneipen
und Aktivenfahrten sowie für die Bezuschussung des Couleurbieres zum
Die restlichen 10,- Euro werden keinesfalls vom Altherrenvorstand in weinseliger
- 34 -
Runde vertrunken, sondern werden mit 5,- Euro für Druck- und Portokosten
des Semesterprogramms und des BW-Briefes sowie für allgemeine Bürokosten
eingesetzt. Die verbleibenden 5,- Euro, sofern sie tatsächlich übrig bleiben,
wandern als Rücklage für Reparaturen aufs Konto.
Altherrenschaft
Von Euren 70,- Euro werden jährlich 45,- Euro an den CV abgeführt.
8,- Euro werden für die Veranstaltungsreihe „Zwischen den Semestern“
verwandt. Davon werden die Eintrittsgelder sowie die Führer bezahlt. Teilnehmer
sind neben den AHAH und deren Partnerinnen auch die Aktiven.
15,- Euro erhält die Aktivitas pauschal als Aufwendungspauschale für die Vorund Nachbereitung sowie die Durchführung von Veranstaltungen.
2,- Euro gehen letzen Endes, sofern noch vorhanden, in die Rücklage.
Euer Hajo Brüggemann
v.l.n.r.: Lothar Schriewer, Ewald Rößler
- 35 -
Unser schönes Haus steht noch und es geht ihm dem Alter entsprechend gut.
Wie gehofft, sind nach der etwas schwachen Belegung im Vorjahr die
Studentenzimmer wieder alle vermietet.
Die im letzten BW- Brief angekündigte Erneuerung der großen Fensteranlage
im Saal, konnte im Sommer 2013 wie geplant und ohne Überschreitung des
angepeilten Kostenrahmens in die Tat umgesetzt werden.
die elektrische Anlage im Keller wieder in einen sicheren Zustand zu versetzen.
und wieder in einen „coolen“ Fetenkeller zu verwandeln, nichts mehr im Wege.
Da sie mit der gelungenen, allerdings noch nicht ganz abgeschlossenen
Renovierung des lange Zeit stiefmütterlich behandelten Fernsehraums gezeigt
haben, dass sie so was können, kann man wohl hoffen, dass es mit dem Keller
auf mittlere Sicht auch was wird.
Wer sich in den letzten Semestern aus Angst,
mit seinem Stuhl zusammen zu brechen,
nicht zu Veranstaltungen aufs Haus gewagt
hat, kann übrigens auch aufatmen.
Der Saal ist seit dem Sommer mit neuen
Stühlen ausgerüstet, die sogar über
eine Sitzpolsterung verfügen, um auch
Aufenthalt auf dem Haus noch gemütlicher
zu machen.
Für das kommende Jahr sind unsere Ziele:
- Gestaltung der Kellerräume
- Neues Mobiliar für die Gemeinschaftsküche
- Eine solide Lösung für das Dauerproblem
„Löwengrube“. Hierzu werde ich bis zur
nächsten HBV-Sitzung einen Vorschlag
erarbeiten, über den wir dann abstimmen
können.
Ewald Rößler
- 36 -
Als Student der Volkswirtschaftslehre bin
ich 1977 in unsere Verbindung eingetreten.
Zuvor hatte ich im Sauerland meine
Bankausbildung
abgeschlossen
und
mit dieser Vorbildung hat es nicht lange
gedauert, bis ich Aktiven- und anschließend
Altherrenkassierer wurde. Die Ämter habe
ich gut 25 Jahre lang ausgeübt. Es hat
mir viel Freude gemacht, mit den Aktiven und den Alten Herren die Probleme,
Baustellen und Finanzfragen des Hauses und der Verbindung zu besprechen
und zu lösen. Letztlich hat mich dieser Kontakt zur jeweils aktuellen Aktivitas
auch ein wenig „jung gehalten“. Den AH XXXX hatte ich damals von Hans Held
übernommen. Mein Nachfolger ist seit 2012 Hajo Brüggemann.
In meiner Aktivenzeit begleiteten mich Rudi Fassnacht (mein Biervater), Hajo
Brüggemann, Peter Hakert, Georg und Andreas Nothelle, Georg Schröer, Frank
(Hugo) Strüngmann, Arno Krüger, Arno Geilen, Klaus Bongartz, Detlef Rudloff,
Reiner Pisters (Pisch), Georg Tuschewitzki, Gereon van RienenZ.um nur einige
zu nennen, die mir spontan einfallen. Einige haben aber leider den Kontakt zur
Verbindung verloren, sind ausgetreten oder schon verstorben (Detleff Rudloff).
Apropos ausgetreten: ich bin - wie einige andere Bundesbrüder auch - nach
der für mich abstoßenden Diskussion mit dem CV zur „Causa Baumeister“ 2010
aus dem CV ausgetreten und bin jetzt Mitglied am Ort, zahle den Beitrag an den
Altenherrenverband- und Heimbauverein, nicht aber an den CV.
Mein Berufsleben habe ich 1983 in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als
Prüfungsassistent im Bankensektor begonnen, dort z.B. die Commerzbank
(Düsseldorf + Frankfurt), WestlB (Tochter in Paris) und Deutsche Ausgleichsbank
(DtA) in Bonn geprüft und kennengelernt.
Nach drei Jahren im Außendienst wollte ich - mittlerweile hatte ich meine
Frau Christa geheiratet und war Familienvater- sesshafter werden und bin
zur Deutschen Siedlungs- und Landesrentenbank (DSL) in Bonn und später
zur DtA gewechselt. Durch den Mauerfall boomte diese Bank des Bundes,
- 37 -
da die Existenzgründungs- und Umweltförderung wesentlicher Baustein der
Wirtschaftspolitik zur Abmilderung der Folgen der Wiedervereinigung war.
Die Bank expandierte stark und es galt, u.a. ein Controlling zur Steuerung des
kleinen Konzerns aufzubauen. Diese Aufgabe wurde mir übertragen, was viel
ging es über den Gruppenleiter zum Abteilungsleiter gut voran.
Im Jahr 2003 beschloss der Gesetzgeber, die DtA mit der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) zu fusionieren. Als Vertreter des kleineren und schwächeren
Instituts wurde ich entgegen meiner Erwartung nicht degradiert, sondern einer
von zwei neuen Bereichsleitern mit noch mehr Verantwortung. Die Bereiche, die
ich seitdem zu leiten hatte, wurden groß und größer. In dieser Zeit half ich z.B.,
den KfW-Studienkredit mit zu entwickeln - vielleicht kennt der eine oder andere
Bundesbruder dieses Angebot. Aktuell beschäftigt der „Bestand Kreditservice“
(Kreditbetreuung incl. Restrukturierung und Darlehensbuchhaltung des
inländischen Fördergeschäftes) mehr als 500 Mitarbeiter in Bonn, Frankfurt und
Berlin.
Wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören und daher beginne
ich am 1.9.2015 (mit 59 Jahren) mit der passiven Phase der Altersteilzeit.
- 38 -
Dann muss ich lernen, den Tag selbst mit Leben zu füllen, statt durch ein
Sekretariat verplant zu werden. Da ich einige Hobbys habe, die Christa mit mir
teilt, bin ich zuversichtlich, dass mir das gelingt.
Zu meinen Hobbys:
1. Katamaran-Segeln
Für das Segeln hat mich erstmals etwa
1980 Bbr Georg Schröer auf einer
Jolle am Tegernsee begeistert, mit ihm
habe ich auch später den Segelschein
gemacht. Seitdem habe ich so oft es
geht diesen schönen Sport betrieben. Aktuell segle ich mit meinem TOPCAT
K 3 (ein Einhand-Katamaran mit der Segelnummer 865) 5-6 Regatten pro
Jahr, dazu geht es mit unserem Reisemobil quer durch die Republik und ins
benachbarte Ausland an die jeweiligen Austragungsorte und auch im Urlaub ist
das Boot oft dabei.
2. Tennis
Als Ausgleichssport schlage ich gerne auf die gelbe Filzkugel ein, spiele in der
Herren 50 in der 1. Kreisklasse, also nicht sehr hochrangig, aber leidenschaftlich
und bin auch hier Vorstandsmitglied als Kassierer geworden.
3. Reisemobil-Touren
Wenn das Boot dann einmal nicht mit dabei ist, erkunden Christa und ich gerne
die Lande und nehmen die Fahrräder mit. Dabei kommt auch unser neues
Hobby, das Geocachen, nicht zu kurz.
4. Radtouren
Hier fällt mir als erstes die von Banana und auch von Hajo geplante und
organisierte jährliche BW-Radtour ein, die immer wieder ein Genuss für Leib
und Seele ist. Aber auch sonst steige ich gerne aufs Rad, um Land und Leute
kennenzulernen.
Alles in allem müssen wir in der „Ruhephase“ wohl aufpassen, dass wir uns
nicht zu viel vornehmen, um nicht in Freizeitstress zu geraten. Jedenfalls sehe
ich kaum das Risiko, dass es langweilig wird.
Klaus Klüber
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Er wurde zu einer Zeit rezepiert, als die Bonner Universität noch unter erheblichen
7. Februar 1948: Hubert Telöken, ein echter Westfale, geboren 1924 in Südlohn
im Münsterland. 1946 kam er zum Studium nach Bonn, hatte ganz offensichtlich
in westfälischer Besonnenheit längere Zeit über eine Mitgliedschaft in einer
Studentenverbindung nachgedacht, dann die richtige Wahl getroffen und sich
der Borusso-Westfalia angeschlossen. Er studierte Geschichte, Deutsch und
Philosophie, promovierte 1951 in Geschichte und wurde Gymnasiallehrer in
Brühl und Köln-Mühlheim. Das Schulkollegium in Düsseldorf beauftragte ihn
1963 mit dem Aufbau des Gymnasiums in Frechen. Dorthin zog er mit seiner
Ehefrau Hilde und seinen beiden Söhnen Stefan und Thomas.
Seinen Geburtstag feierte Bbr. Hubert Telöken mit Verwandten, Bekannten und
Nachbarn – und mit seinen Bundesbrüdern Antonius John, Helmut Völlings
sowie Willy Ilbertz.
W.I.
v.l.n.r.: Willy Ilbertz, Hubert Telöken, Helmut Völlings und Cbr. Beusch
- 40 -
Jahrelang berichtete unser Bbr. Hanspeter Schnitzler (v/o Arthur) für Sat. 1 über
den Balkankrieg. Und in diesen Jahren verbrachte er 26 Tage unter unwürdigsten
Bedingungen in jugoslawischer Haft. Er verstarb jetzt im Alter von 71 Jahren in
seinem Haus in der Nähe von Augsburg.
Der im Bergischen Land Geborene fand als junger Student in Bonn im Jahr
1962 zu unserer Borusso-Westfalia und wohnte einige Semester auf dem Haus.
Seine Tätigkeit als Journalist begann er bei der Augsburger Allgemeinen und
brachte es dort zum Nachrichtenchef und Kommentator in der Politikredaktion,
bevor er 1985 zum Fernsehen ging.
Während der Nato-Angriffe auf Jugoslawien wurde unser Bundesbruder
verhaftet. Der Vorwurf: Spionage für die Nato. Nachdem sich höchste politische
Kreise bis hin zum damaligen Aussenminister Fischer und Ex-Kanzler
Helmut Kohl eingeschaltet hatten, wurde Arthur am 11 .Mai 1999 aus dem
Zentralgefängnis in Belgrad, zusammen mit seinem Dolmetscher, freigelassen.
Seine Erlebnisse hat er einigen von uns bei einem Treffen in Landsberg
anlässlich einer Radtour geschildert und danach bei einem Vortragsabend der
Aktivitas in Bonn.
Wir werden unseren Bundesbruder Hanspeter Schnitzler, unseren Arthur, in
Erinnerung behalten.
W.I.
- 41 -
Geburten
Leonhard Elias im Haus von Bbr. Jens-Peter Jandrausch und Frau Alexandra
Julius im Haus von Bbr. Sebastian Staden und Frau Aline Peruche-Staden
Bbr. Thorleif Gries-Nega mit Annabelle
Bbr. Sebastian Staden mit Aline Peruche-Staden
Bbr. Dr. Horst Gerold mit Renate Michaelis
Runde Geburtstage
Moritz Rosch
Stefan Reckmeyer
Rudolf Lütke-Sterine
Udo Völlings
Georg-Joachim Tuschewitzki
Bernd-Uwe Jahn
Norbert Weber
Hans Bleker
Ferdinand Burbach
Klaus Hanhoff
Hubert Telöken
Todesfall
30
30
50
50
60
70
70
80
80
80
90
Hanspeter Schnitzler
Hans-Wilhelm Dümmer
Thomas Lakenberg zum Dr. iur.
Guido Germano Senior Lecturer, University
College London
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Lieber Hans-Wilhelm,
1975 verstarb unser viel geliebter und geehrter Bbr. Monsignore Dr. Johannes
Walterscheid, kurz „Onkel Johannes“ genannt.
Du bist sein Nachfolger im Amt des Verbindungs-Seelsorgers.
Dein großes 40 jähriges Jubiläum als Nachfolger von Onkel Johannes und als
Verbindungs-Seelsorger der K.D.St.V. Borusso Westfalia im CV zu Bonn steht
aber noch bevor, auch wenn es nur noch kurze Zeit bis zum Jubiläum dauert.
Zuerst aber Dein heutiges Jubiläum.
40 Jahre ist es her, seitdem Du im Hohen Dom zu Köln zum Priester geweiht
wurdest.
Geboren in Oberdalmerscheid.
Wo bitte liegt denn Oberdalmerscheid?
Oberdalmerscheid liegt selbstverständlich in der Eifel, genauer: bei Hellenthal.
Oberdalmerscheid hat immerhin 7 Häuser, davon 3 Bauernhöfe, und 19
Menschen, davon 6 Kinder; eine eigene Kirche hat aber Oberdalmerscheid
nicht, zuständig ist die Pfarrei Wolfert.
Aufgewachsen im schönen, im wunderschönen Düsseldorf.
Ausgebildet zum Versicherungskaufmann.
Dann der Wunsch, Priester zu werden.
Im General-Anzeiger Bonn vom 18.02.2014 kann man das Zitat von Dir
nachlesen: „Es gab immer wieder mal Schwankungen bei diesem Berufswunsch“.
So groß können die Zweifel jedoch nicht gewesen sein, denn Du hast Dein
Studium erfolgreich in Bonn, Tübingen und Köln gemeistert.
Dann Tätigkeit als Kaplan.
Dann Pfarrseelsorger seit 1983 hier in Hemmerich.
Jetzt weiß ich auch, wie es zu Deiner intensiven Beziehung zu Spanien
gekommen ist und zu Deiner Liebe zur spanischen Musik.
- 43 -
Du warst als Diakon an der Costa Brava tätig und hast Dich so verliebt in dieses
Land, dass Du nicht nur spanisch und katalanisch lerntest, sondern auch in
diesen Sprachen die Messe lesen kannst.
Der nächste Spanien Aufenthalt lässt grüßen.
Zurück zu Deinem noch ausstehenden Jubiläum bei der BW.
Bei einer derart umfassenden Ausbildung in vielen Städten und dem
einschneidenden, aber krönenden Ereignis einer Rezeption bei BW am
02.06.1972, war es für Dich ein leichtes, in die Fußstapfen von Onkel Johannes
zu treten und mit großem Erfolg unser Verbindungsseelsorger zu sein.
Die acht Jahre, bis wir Dich endlich mit einem Hundert- Semesterband ehren
können, kannst Du sicherlich auch noch in Demut und Anstand abwarten.
Lieber Hans-Wilhelm,
herzlichen Dank für Deine Tätigkeit als unser Verbindungsseelsorger und
Gottes Segen zu einem runden Jubiläum.
Lothar Schwarz
Bonner Münster
- 44 -
Im Ephraim-Palais in Berlin-Mitte war es, wo Bbr. Gerhard Schneider in einer
mehrwöchigen Ausstellung seine zur „Entarteten Kunst“ zählenden zahlreichen
Bilder ehemals verfemter, bekannter Künstler nicht nur Bundesbrüdern, sondern
auch vielen anderen Menschen, unter ihnen u. a. dem Bundespräsidenten
zeigte.
W.I.
Gerhard Schneider, Bundespräsident Joachim Gauck, Generaldirektorin Dr. Nentwig
- 45 -
Kneipen zu Semesterbeginn oder – ende bzw. Festkneipen anlässlich von
Stiftungs – oder Gründungsfesten sind nicht nur Veranstaltungen, auf denen
es um begeistertes Singen traditioneller Studentenlieder, sondern auch darum
Bundebrüdern zu informieren und dabei aktuelle Themen wie z. B. den Klimawandel anzusprechen und jüngeren Bundesbrüdern Anregungen für ihren
späteren Berufsweg zu geben. Vielmehr bieten diese Veranstaltungen nicht
selten auch Gelegenheit, amüsante Geschichten aus dem persönlichen
Bereich zu erzählen und die Bundesbrüder in einer besonders lockeren Art zu
unterhalten. Hier einige kleine Beispiele:
Auch in Italien ist es selbstverständlich toll, ein „dottore“ zu sein; mehr
Ansehen genießt man jedoch als „ingegnere“. Das trifft besonders in Turin
zu, wo mein Vater geboren ist. Die Piemontesen sind die Schwaben Italiens;
das „Politechnico“ von Turin ist die älteste technische Hochschule des Landes
und zusammen mit der von Mailand die renommierteste. Dort wirkte u.a.
Wechselstromzähler mit der nach ihm benannten rotierenden Scheibe. Mein
Onkel hat in Turin Elektrotechnik studiert und es bei Fiat zum Direktor gebracht.
Als mein Vater einmal bei seiner Familie zu Besuch
war, begleitete er seine 90jährige Tante zum Zahnarzt.
Normalerweise kümmerte sich mein Onkel um sie. Vor
dem Eingang zum Zahnarzt fragte meine Großtante etwas
verlegen meinen Vater: „Darf ich dem Arzt erzählen, dass Du
auch wie Dein Bruder Ingenieur bist ?“
Sie schämte sich etwas für ihren jüngeren Neffen. Er hatte
sein Studium zum Bergbauingenieur nach zwei Semestern
abgebrochen, sich in Mailand der mathematischen Logik
gewidmet, darüber an der Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster promoviert, und war schließlich Beamter geworden
Guido Germano
– als Universitätsprofessor.
Kopie der Beethoven Statue in der Kaiserpassage
- 46 -
Wenn wir in unser Archiv steigen und auf jene Zeiten treffen, die schon ziemlich
lange zurückliegen, wenn wir Vergangenes ausgraben, dann wundern wir uns
immer wieder über Paralellen zum heutigen Verbindungsleben. Vieles hat
sich zwar verändert, geblieben aber sind studentische Formen wie Kneipen,
Convente, Diskussionen über Satzungen, Programme – auch Diskussionen
merken, dass vieles aus der Vergangenheit, die manche längst „abgeschrieben“
haben, in die Gegenwart wirkt – und das sind vor allem Freundschaften, die z.T.
im Fuxenstall begonnen haben, die Jahrzehnte geblieben sind. Erinnerungen
werden an längst vergangene Zeiten geweckt – auch an solche, in denen
Bundesbrüder mit der Idee „konfrontiert“ wurden, ein Haus in zentraler und
exquisierter Lage Bonns zu kaufen, um ein gemeinsames Heim als Mittelpunkt
des Verbindungslebens zu haben. Aber woher sollte das Geld kommen, um ein
Haus erwerben zu können ? Gefragt waren nicht nur die Alten Herren, die meist
wie der nachfolgende Beleg aus unserem Archiv zeigt.
v.l.n.r.: Horst Hinkelmann, Fritz Püttmann, Willy Ilbertz, Walter Hofmann, Dieter Wierichs,
Helmut Falter, Hermann Schmitz-Habben, Willy Bemsmann, Michael Delhaes
- 47 -
W.I.
Spenderliste und der damalige PhilX Otto Leggewie
- 48 -
Da sitzen sie ein – oder zweimal im Jahr zusammen, diejenigen, die dem
Altherrenvorstand angehören wie auch dem Vorstand des Vereins Borusso –
Westfalen – Haus, gemeinsam mit dem jeweiligen Aktivensenior. Sie plaudern
über das alltägliche Verbindungsleben. Sie überlegen aber auch immer wieder,
wie dieses Verbindungsleben mit neuen Veranstaltungsinhalten attraktiver
gemacht werden kann. Und so ist dieser Kreis auf eine neue Veranstaltungsreihe
„Zwischen den Semestern“ gestoßen, die, wie die bisher zwei Veranstaltungen
gezeigt haben, auf eine beachtliche Zustimmung getroffen sind – auch bei
unseren Damen, die gerne bei diesen Gelegenheiten auch ins Gespräch
miteinander kommen und dabei die neuesten Neuigkeiten austauschen.
Vieles andere aber ist erheblich schwieriger. Die Idee, wieder einmal
Bundesbrüder mit ihren Freundinnen/Ehefrauen bei einem Tanzabend
zusammenzuführen, ist nach einem ersten Versuch („glänzend“) gescheitert;
nur vier Paare haben sich zusammengefunden. Ganz offensichtlich wird die
Idee, sich in netter Umgebung im festlich geschmückten Verbindungshaus
für Blumenschmuck etc. ist angesichts des geringen Zuspruchs nicht weiter
vertretbar.
Im Präsidium: Andreas Rademachers
- 49 -
Auch eine andere Idee ist auf wenig Zuspruch gestoßen, nämlich die, die
Bundesbrüder bei anstehenden Veranstaltungen wieder einmal um ein wenig
mehr Pünktlichkeit zu bitten. So etwa mit dem Vorhaben, den Bundesbrüdern
etwa eine halbe Stunde vor Beginn einer Kneipe ein Buffet anzubieten und
anschließend die Veranstaltung pünktlich zu beginnen. Das Buffet war da –
ebenso wie einige wenige Bundesbrüder, während die „Masse“ zu einem
Zeitpunkt erschien wie sonst, nämlich mindestens 15 Minuten zu spät.
Worüber
sollten die eingangs
angesprochenen
Bundesbrüder
bei ihren künftigen Treffen grübeln,
welche Ideen sollten sie entwickeln,
die eine Chance haben, vor der
Wirklichkeit zu bestehen ? Sollten
sie etwa darüber grübeln, wieder
Regeln
einzuführen,
die
vor
Jahrzehnten, aber eben in einer völlig
anderen Zeit, Bestand hatten und
kann es nicht sein. Aber auch mit
ständigen Appellen scheint man nicht
weiterzukommen. Was helfen könnte,
wäre, dass sich Bundesbrüder
wieder daran erinnern, dass in allen
Gemeinschaften Disziplin im Umgang
mit den vielen anderen Mitgliedern die
Voraussetzung für ein gedeihliches
Am Tag der Deutschen Einheit 2011
Miteinander ist. Und schließlich
könnte es von großem Nutzen sein, wenn dem Altherrenvorstand Konkretes
für ein interessantes, vielschichtiges Semesterprogramm vorgeschlagen wird,
wenn also Ideen von „aussen“ kommen, die der Wirklichkeit standhalten.
W.I.
- 50 -
Im vergangenen Jahr wollten wir
den von unserem Bbr. Dr. Johannes
Walterscheid, besser bekannt als
Onkel
Johannes,
hinterlassenen
Spuren nachgehen. Wir hatten
entdeckt, dass O. J. mehrere Jahre,
von 1952 bis 1960, als Dozent
am Katechetenseminar Bonn –
Venusberg tätig war – zu einer Zeit,
als der spätere Papst Bennedikt XVI
ebenfalls in Bonn lehrte. Wir wollten
wissen, ob es damals zu einer
Begegnung der beiden Dozenten
gekommen ist und ob sich Näheres
vom inzwischen im Ruhestand
lebenden Ex-Papst in Erfahrung
bringen lasse. Zu diesem Zweck
haben wir uns an den Erzbischof Dr.
Georg Gänswein gewandt – natürlich
in der Hoffnung auf eine Antwort.
Inzwischen sind viele Monate ins
Land gezogen, und es geht uns
ähnlich wie dem von Ludwig Thoma
einst bemühten lieben Gott, der den
Engel Aloisius mit einer himmlischen
Nachricht auf eine Anfrage der
Bayerischen Staatsregierung auf die
Erde schickte. Der aber landete im
Münchner Hofbräuhaus und vergass
seinen Auftrag. Und so wartet die
Bayerische Staatsregierung immer
noch auf eine Antwort - die Regierung
auf eine Antwort aus dem Himmel, wir
dagegen, etwas bescheidener, aus
dem Vatikan.
Kreuzgang
Münster
- 51 -
Die allgemeine Kriegsbegeisterung zu Beginn des
Ersten Weltkriegs erfasste
auch Studenten und Lehrkräfte
der Bonner Universität. Bei
einer am 3. August 1914
Anlass
des
Geburtstags
von König Friedrich III, dem
Gründer der Universität im Jahr
Spektabilitäten und Vertreter
der Studentenschaft in der
Aula zusammen. Der damalige
Rektor Schulte spricht von
einem „heiligen Krieg“. Im
Namen aller Dozenten und
Studenten bekennt er sich
in einem Treueschwur zum
Kaiser. Der bedankt sich
wie folgt: „Meiner teuren
Friedrich Wilhelm Universität
Bonner Universität
herzlichen Dank für Gruß und
Treueschwur“.
Studenten rennen von Regiment zu Regiment, singen „Burschen heraus!“
und wollen unter allen Umständen an der Front dabei sein. Eifrigst wird an der
Universität „abtestiert“, damit die kriegsfreiwilligen Studenten keine Zeit bei der
Einkleidung „in den Rock der Ehre“ verlieren.
Zum Ende des Wintersemesters 1914/15 stehen 65 Dozenten, ein Lektor,
30 Assistetenten, 25 Beamte und 2739 Studenten „unter den Fahnen“
– immerhin 70,75 Prozent der gesamten männlichen Studentenschaft.
Schon ein Jahr später steigt der Anteil auf 82 Prozent – die Studentinnen sind
plötzlich in der Überzahl.
- 52 -
Im Wintersemester 1917/18 stehen von den 5138 männlichen Studenten 4328
im Heeresdienst. Viele tragen unter ihren Uniformen weiterhin das Band ihrer
Korporation.
In Hauptgebäude ist längst eine Gedenktafel errichtet worden, auf der für das
Jahr 1915 insgesamt 113 Studenten, drei Dozenten und zwei Assistenten als
gefallen gemeldet werden. Die Tafel wird von Jahr zu Jahr umfangreicher.
Hörsäle werden umfunktioniert – in Proviantlager für die Bonner Bevölkerung,
in Stiefel – und Kleiderkammern, in Kartoffeldepots, in öffentliche Kriegsküchen.
Auf der Hofgartenwiese treten 1917 Kriegsgefangene zur Heuernte an.
( nachberichtet auf der Grundlage einer Darstellung im Bonner GeneralW.I.
Anzeiger v. 28./29. 06. 2014)
Posttower: außen und innen
- 53 -
Die katholische Kirche ist zum Mitfeiern des 500. Jahrestages der Reformation
im Jahr 2017 eingeladen, tut sich aber nach wie vor schwer damit. Immer
zusammen. Die evangelische und die katholische Kirche sind in den vergangenen
50 Jahren so eng zusammengewachsen wie nie in den voraufgegangenen
450 Jahren. Gemeinsames Glaubensbekenntnis, gemeinsames Vater unser,
Anerkennung gegenseitiger Bibel-Übersetzungen und vor allem gegenseitige
Anerkennung der Taufe, konfessionsverschiedene Trauungen, Zehntausende
wissenschaftliche und kirchliche Seiten über die Notwendigkeit der Ökumene,
gemeinsame Gottesdienste, Zusammenarbeit von Diakonie und Caritas.
In zentralen Fragen allerdings kann man sich (bisher) nicht einigen, u.a. beim
kirchlichen Amt (Priester, Papst). Zwar müsse Ökumene intensiv den Alltag
durchdringen und beherrschen. Ungeduld aber sei kein guter Ratgeber, meint
der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann. Konkurrenz zwischen den Kirchen
lasse sich nicht völlig vermeiden, so Lehmann weiter.
(Zusammenfassung eines Artikels unter gleicher Überschrift des GeneralAnzeiger Bonn vom 07.06.2014)
W.I.
Blick in die
Rheinaue vom
Posttower aus
- 54 -
Tim Reinicke
Lasst uns, weil wir jung noch sind,
Uns des Lebens freuen !
Denn wir kommen doch geschwind
Wie ein Pfeil durch Luft und Wind
Zu den Toten Reihen.
Sagt mir doch, wo trifft man an,
Die vor uns gewesen ?
Schwingt Euch auf zur Sternenbahn,
Geht hinab zu Charons Kahn,
Wo sie längst gewesen!
Kurz ist unsere Lebenszeit,
Sie vergeht geschwinde;
Unter Sorgen, Müh`und Streit
Schwindet Jugend – Fröhlichkeit,
Wie der Rauch vom Winde.
Blüh`, Du edler Musenthron,
Blühet auch, ihr Lehrer!
Jedem braven Musensohn
Werde Ehr`und Glück zum Lohn,
Ihm, der Weisheit Hörer!
Hübsche Mädchen sollen hoch
Gleich den Weibern leben!
Die uns hold sind und die sich Müh`
In der Wirtschaft spät und früh
Uns zu dienen geben.
Staat und Städtchen sei beglückt,
Auch der Landesvater!
Vivat wer uns Nummos schickt,
Wenn die Schuldenlast uns drückt,
Vivat Freund und Rather!
Sterbet Burschenfeinde!
Pereat, wer uns verpetzt,
Uns belächelt und verhetzt
Mit dem besten Freunde!
(Beleg für unsinnige Übersetzungsversuche)
- 55 -
Ein Student der Betriebswirtschaft
kam auf seiner Wanderschaft
unter die blühende Linde.
Küsst` Frau Wirtin die Unschuld weg,
zahlte mit Verrechnungsscheck
unter der blühenden Linde.
Kam auch ein Betriebswirt an,
der mal wieder was Neues ersann
unter der blühenden Linde.
Er teilte das Küssen mit Zeitnehmer ein
Und tat´s mit Akkord, um noch
schneller zu sein
Unter der blühenden Linde.
Ein Student der Betriebswirtschaft
Kam auf seiner Wanderschaft
Unter die blühende Linde.
Er küsste die Wirtin und machte Bilanz,
doch sie verrechnete ihm alles ganz
unter der blühenden Linde.
- 56 -
Wer kennt sie nicht: die Ode an die Freude, die bei nahezu allen Kneipen der
Borusso-Westfalia mit Begeisterung gesungen wird. Mehr und mehr aber breitet
sich „geschlechtergerechtes Blähdeutsch“ („Der Spiegel“ 13/2014, S. 124) aus.
Alle Menschen werden Brüder – das war einmal. Künftig soll es nach dem
Willen von Genderfanatikern heissen: „Alle Menschen werden Geschwister“.
Mundraum wird zum Minenfeld. Ästheten dreht sich der Magen um“.
Vor einigen Wochen hat der Münsteraner Professor Gernot Sieg eine Studie
erwartenden Kosten vorgelegt. Er befürchtet im Falle der Einführung einer
und verrutschter Frisuren.
Politiker
„Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass ihre Abgeordneten
angemessen bezahlt werden“ – so ein Bundestagsabgeordneter anlässlich der
Debatte um eine Diätenerhöhung.
Juristen
„Nach einer von der bei der Beklagten gebildeten arbeitsrechtlichen Kommission
verabschiedeten ArbeitszeitregelungZ“ – aus einem Urteil eines Arbeitsgerichts
zweiter Instanz.
- 57 -
KDStV. Borusso - Westfalia zu Bonn im CV
Poppelsdorfer Allee 74, 53115 Bonn
V.i.S.d.P.: Dr. Willy Ilbertz (W.I.),
Pappelweg 36, 53177 Bonn (w.ilbertz@gmx.de)
Technische Gestalung: Moritz Günther, Baerbel Rößler
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Seele and Geist
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