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M arek Janow ski 23. Dezember 2014 - Deutschlandradio Kultur

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RundfunkSinfonieorchester
Berlin
Di | 23. Dez. 14 | 20.00
Philharmonie Berlin
MAREK JANOWSKI
Yulianna Avdeeva | Klavier
Carolin Widmann | Violine
Wolfgang Emanuel Schmidt |
Violoncello
2
Marek Janowski 23. Dezember 2014
Abokonzert D/4
Ludwig van Beethoven
(1770 – 1827)
Tripelkonzert für Klavier, Violine, Violoncello
und Orchester C-Dur op. 56
› Allegro
› Largo (attacca)
› Rondo alla Polacca
Pause
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 („Pastorale“)
›
›
›
›
›
Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande (Allegro ma non troppo)
Szene am Bach (Andante molto mosso)
Lustiges Zusammensein der Landleute (Allegro)
Gewitter, Sturm (Allegro)
Hirtengesang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm (Allegretto)
– o sie laßen mich hoffen, daß ihr Herz lange – für mich
schlagen werde – das meinige kann nur – au[ f]hören – für sie zu
schlagen – wenn – es gar nicht mehr schlägt – geliebte J.
Beethoven an Josephine Brunsvik, verw. Gräfin Deym, 1805
Ein Gefühl das tief in meiner Seele liegt und keines Ausdrucks
fähig ist, machte mich Sie lieben; noch ehe ich Sie kante machte
ihre Musick mich für Sie enthousiastisch – Die Güte ihres
Characters, ihre Zuneigung vermehrte es – Dieser Vorzug den
Sie mir gewährten, das Vergnügen Ihres Umgangs, hätte der
schönste Schmuck meines Lebens seyn können liebten Sie mich
minder sinnlich – Daß ich diese Sinnliche Liebe, nicht
befriedigen kann – zürnen Sie auf mich – Ich müßte heilige
Bande verletzen, gäbe ich Ihrem Verlangen Gehör –
Briefentwurf von Josephine Gräfin Deym an Beethoven, 1807
– ich danke ihnen, daß sie noch scheinen wollen, als wäre ich
nicht ganz aus ihrem Andenken verbannt… – sie wollen, ich soll
ihnen sagen, wie es mir geht, eine Schwerere Frage kann man
mir nicht aufwerfen – und ich will sie lieber unbeantwortet
laßen, als – sie zu wahr beantworten – leben sie wohl liebe J. wie
immer ihr ihnen ewig ergebner
Beethowen
Beethoven an Josephine, 1809
HANDY AUS?
DANKE!
Wir bitten Sie, zwischen den Sätzen der einzelnen
Werke nicht zu applaudieren.
Konzert mit
Europaweit. In Berlin auf UKW 89,6 MHz,
Kabel 97,55 und Digitalradio.
Liveübertragung.
Wir bitten um etwas Geduld zu Beginn der
beiden Konzerthälften. Es kommt zu kleinen
Verzögerungen wegen der Abstimmung
5
mit dem Radioprogramm.
Steffen Georgi
Klaviertrio mit Orchester
Beethovens Unikat für Drei, das
Tripelkonzert, ein Unikum? Eine
pikante Ménage-à-trois, eine charmante Konversation „über Eck“, gar
ein dreiköpfiger Riese? Wieviele
Solisten verträgt ein Solokonzert?
An sich ist die Frage lapidar. Solo
heißt alleine. Und wenn zwei sich
streiten, freut sich der dritte. Einigermaßen verlegen bemühen sich die
Musikwissenschaftler, dem Konzert
für drei Soloinstrumente und Orchester von Ludwig van Beethoven
einen Platz im Œuvre des Meisters
zuzuweisen. Die Konzertpraxis hat
längst entschieden: Das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven ist
eines der am seltensten zu hörenden
Werke des Wiener Klassikers. Liegt
es am Schwierigkeitsgrad, an der
Unmöglichkeit, drei aufeinander abgestimmte Solisten zu finden? Liegt
es an der Komplexität, an der kompositorischen Substanz des Werkes?
Man ist sich einig: Die fünf Klavierkonzerte und das D-Dur-Violinkonzert markieren Gipfelpunkte in der
Gattungsentwicklung, wobei jeweils
kämpferische oder lyrische Charaktere den Konzerten ihr individuelles
Gepräge geben. Der Solist als eman-
Ludwig van Beethoven, 1804
Gemälde von Willibrord6Joseph Mähler (1778–1860)
Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier, Violine, Violoncello
und Orchester C-Dur op. 56
Besetzung
2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte,
2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, Klavier solo,
Violine solo, Violoncello solo, Streicher
Dauer
ca. 35 Minuten
Verlag
Breitkopf & Härtel
Leipzig, Wiesbaden u.a.
Entstehung
1804
Uraufführung
18. Februar 1808
Leipzig
zipiertes Individuum tritt dort in
gleichberechtigten Dialog mit dem
Orchester oder dessen Gruppen. Von
Konversation im Sinne von plaudernder Unterhaltung kann kaum die
Rede sein. Aber das Tripelkonzert?
7
| Beethoven, Tripelkonzer t C-Dur
Vom lockeren Konzertieren zum
spannenden Gespräch
Das Solokonzert wird gattungsgeschichtlich als Weiterentwicklung
des Gruppenkonzertes, des „Concerto grosso“ und der „Sinfonia concertante“, angesehen. Noch bei Johann
Sebastian Bach existieren Solo- und
Gruppenkonzerte gleichwertig nebeneinander. Die Bach-Söhne und
andere Vorklassiker bedienen um
1750 die Fortschritte im Instrumentenbau u. a. mit „Concertanten“ als
einer äußerst beliebten Form musikalischer Konversation. Aus dem
18. Jahrhundert sind etwa fünf hundert solcher Werke aus der Feder von
etwa einhundertfünfzig Komponisten überliefert. Haydn und Mozart –
beide hielten sich als Autoren von
„Sinfonie concertanti“ schon stark
zurück – erweiterten dagegen eher
die Gattung des Solokonzertes um
eine gesellschaftlich relevante Dimension. Der Solist als Individuum,
als „Tatmensch“, nicht als bloßer
Schausteller virtuoser Raffinessen,
behauptet sich selbstbewusst mit
eigenen musikalischen Gedanken
gegenüber der Gruppe. Das hebt
das solistische Musizieren auf eine
8
grundsätzlich neue Stufe, macht
es ungleich anspruchsvoller. Um
aber mehrere Individuen miteinander kommunizieren zu lassen, fand
Haydn seine Lösung in der Kammermusik. Dort agieren die Solisten nur
mehr untereinander, in kleiner Besetzung, dann allerdings auf höchstem Niveau.
Allen diesen Entwicklungen setzte
Beethoven am konsequentesten die
Krone auf. Er wagte ein „Konzertant mit dem ganzen Orchester“, das
gleichermaßen sinfonisch atmet,
solistisch auftrumpft und kammermusikalisch reflektiert, das also alle
drei klassischen Errungenschaften
in sich vereint. Gerade hatte sich das
klassische Solokonzert vom barocken Gruppenkonzert emanzipiert.
Beethoven, der gefeierte Klavier- und
Violinkonzertkomponist, geht nicht
etwa einen Schritt zurück zum
barocken Gruppenkonzert, sondern
er qualifiziert das Solokonzert zum
multilateralen Gespräch auf Augenhöhe.
Dass dabei die drei Soloinstrumente
unterschiedlich schwierige Aufgaben zu bewältigen haben, scheint
ebenfalls mitten aus dem Leben
gegriffen zu sein. Der vergleichsweise unschwierige Klavierpart war
möglicherweise für eine/n NichtBerufsmusiker/in gedacht. (Später
widmete Beethoven das Tripelkonzert – neben etlichen anderen
Werken – seinem begabten Klavierschüler, dem damals 20-jährigen
Erzherzog Rudolph). Höhere Anforderungen als der Klavierpart stellen
der Violinpart und vor allem der
Cellopart, den Anton Kraft, seinerzeit Solocellist unter Joseph Haydn
in der Esterházyschen Kapelle, bei
der Wiener Erstaufführung im Mai
1808 spielte.
Einmal nicht einsam sein
Entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft zur Erstfassung der Oper
„Fidelio“ (1805), zur „Appassionata“
op. 57 (1805), zum vierten Klavierkonzert op. 58 (1805), zu den Rasumowsky-Quartetten op. 59 (1806)
und zum Violinkonzert op. 61
(1806), atmen das Tripelkonzert
op. 56 (1804) und die ganze Werkgruppe einschließlich der Sinfonie
Nr. 4 op. 60 (1806) eine heitere
Gelöstheit, eine schlanke Klassizität,
wie sie vorher oder nachher bei
Beethoven nicht wieder zu finden
war. Erfülltes Glück oder zumindest beflügelnde Hoffnung, scheint
es, war die Leitidee jener vielleicht
schaffensreichsten Zeit zwischen
1804 und 1807 im Leben Beethovens.
Was könnte es gewesen sein, was
die Sonderstellung dieser Werke innerhalb des Lebenswerkes von Beethoven ausmachte? Den Schlüssel
bieten die 1957 aufgefundenen dreizehn Briefe Beethovens an Josephine
Brunsvik, verwitwete Deym. Beethoven hatte die junge ungarische Adlige 1799 im Haus seines Freundes
Franz Brunsvik kennengelernt. Beider Schwester Therese galt lange Zeit
als eine der zentralen Frauen in Beethovens Leben. Offensichtlich war
sie aber nur die geschätzte Freundin
und Chronistin der eigentlichen
Beziehung zwischen Beethoven und
Josephine. Bereits deren Vernunfthochzeit mit dem Grafen Deym hatte
Beethoven vermutlich kaum verkraftet; Werke wie das Streichquartett
op. 18 Nr. 4, spiegeln eine leidenschaftlich aufgewühlte Seele.
Beethoven ging seit 1800 regelmäßig bei den Brunsviks ein und aus.
Obwohl Josephine verheiratet war,
9
| Beethoven, Tripelkonzer t C-Dur
Eines der Trios gedieh zum „Konzertant mit dem ganzen Orchester“ op. 56
– eine allgemeine Einladung, teilzuhaben am angeregten Gespräch
außerordentlicher Seelenverwandter.
Josephine Brunsvik (1779 –1821)
suchte er ihre Nähe. Klavierstunden,
Hausmusik, gemeinsame Verwandtenbesuche, Spazierfahrten, Ausflüge
und – ein Fingerzeig auf die späteren
Satzcharaktere des Tripelkonzertes –
Tanzabende prägten das Zusammensein des laut Thereses Tagebüchern
„standhaftesten Besuchers“ und
ihrer Schwester. In Josephines Salon
hat Beethoven seine Violinsonaten
und Klaviertrios zur Privataufführung gebracht, dafür möglicherweise
das Streichquintett op. 4 extra zum
Klaviertrio op. 63 umgearbeitet.
10
Fidelio – der Treue
Als Josephines Mann 1804 starb,
schöpfte Beethoven neue Hoffnung.
Die dreizehn oben erwähnten selbstanalytischen und von leidenschaftlicher Liebe diktierten Briefe stammen aus den Jahren 1804 bis 1807.
Zutiefst ernst war es ihm mit seiner
Liebe. Was er sich darunter vorstellte,
wissen wir aus der Oper „Fidelio“,
komponiert 1804/05. Josephine war
wie kein anderer Mensch in den Entstehungsprozess der „Leonore“ alias
„Fidelio“ eingeweiht, ja eingebunden. In diesem Licht hören sich die
vierte Sinfonie, das vierte Klavierkonzert und vielleicht auch das Tripelkonzert wie Varianten des OpernGedankens von erfüllter Gattenliebe
an. Vor diesem Hintergrund darf
das Tripelkonzert als Beethovens
hoffnungskühner Versuch gewertet
werden, den täglichen beglückenden
Umgang mit der angebeteten Frau
und deren Familie, in die er 1804
vorübergehend scheinbar voll integriert war, auf das Konzertpodium
zu bringen, gleichsam ein Klaviertrio in Form eines Konzertes.
„Das festliche Allegro giusto ist in
der Art eines Aufzuges, eines Marsches, möglicherweise sogar eines
Hochzeitsmarsches geschrieben
… Die Beibehaltung der Grundbewegung, ihre Regelmäßigkeit, die
Konzentrik auf den Hauptgedanken, alles erhält seinen Sinn. Sogar
die Grundtonart C-Dur – die Tonart ohne Vorzeichen – erscheint der
Werkidee angemessen … Dem hinreißenden Rondo alla Polacca ist, genau
seiner Bezeichnung entsprechend,
ein weiteres Genre aus der ‚Umgangsmusik‘, nämlich die Polonaise
zugeordnet. Verschleierter liegen die
Verhältnisse bei dem kurzen Kantilenensatz, der ihm als Largo unmittelbar vorausgeht. Man muß schon sehr
genau auf seinen inneren Pulsschlag
hören, um zu entdecken, daß auch
dieser seelenvolle Satz im langsamen
Dreiachteltakt einem bestimmten
Genre-Typus folgt, den Beethoven
gerade in diesen Jahren außerordentlich liebevoll gepflegt hat. Man darf
ihn als ‚lyrisches Menuett‘ bezeich-
nen. In dieser Stellung als langsamer
Satz konnte er überhaupt nur zur
Bedeutung gelangen, indem er vom
Menuett nur noch den chevaleresken
Grundrhythmus und den Werbecharakter behielt. Alles übrige verfiel der
Lyrisierung, die oft sogar, wie hier
im Tripelkonzert, bis zum Odischen
vordringt.
Allen drei Sätzen ist demnach eine
auffallende Genre-Bindung eigen,
dem ersten an den festlichen Marsch,
dem zweiten an das lyrische Menuett, dem dritten an die Polonaise.
Möglicherweise hat man es diesem
Umstand zuzuschreiben, daß die
naive Ansicht auf kommen konnte,
die Beethoven hier in den Niederungen ‚dankbarer‘ anspruchsloser Konzertmusik wandeln hören möchte …“
(Harry Goldschmidt)
Ein Traum vom Glück
1807 stellte Beethoven sein Werben
ein. 1810 heiratete Josephine zum
zweiten Mal und war jetzt Gräfin Stackelberg, unglücklicher als je zuvor.
Wie Beethoven zumute war, davon
kündet mit erschütternder Wucht
zum Beispiel das Streichquartett
f-Moll op. 95 (1810/11). Josephine
11
Beethovens Hirtenmusik
trennte sich von ihrem Mann spätestens im Juni 1812. Beethoven reiste
Anfang Juli 1812 über Prag in die
böhmischen Bäder. Möglicherweise
traf er am 3. Juli in Prag zufällig mit
Josephine zusammen, die vier Wochen zuvor schriftlich die Absicht
geäußert hatte, nach Prag zu reisen.
Am 6./7. Juli 1812 schrieb er in Teplitz den Brief an die Unsterbliche
Geliebte. Am 8. April 1813 wurde
Josephines Tochter Minona geboren. Der Name aus dem Umfeld von
Goethes „Werther“ – beide, Josephine und Ludwig, waren mit Goethes
Werk tief vertraut – bekommt einen
besonderen Sinn, wenn man ihn
rückwärts liest. Graf Stackelberg entzog der Mutter 1816 endgültig ihre
Kinder. Verarmt, einsam und gebrochen starb sie im Alter von 42 Jahren
am 31. März 1821 in Wien und wurde
auf dem Währinger Friedhof begraben, wo Beethoven „stets gern weilte“ (Gerhard von Breuning), und wo
er selbst 1827 seine letzte Ruhestätte
fand. Die beiden Klaviersonaten AsDur op. 110 (1821) und c-Moll op. 111
(1821/22) enthalten das unausgesprochene Requiem für die Frau seines
Lebens.
12
Noch im Alter von 71 Jahren resümierte Josephines Schwester Therese von Brunsvik: „Beethoven! ist
es doch wie ein Traum, dass er der
Freund, der Vertraute unseres Hauses war – ein herrlicher Geist! warum nahm ihn meine Schwester Josephine nicht zu ihrem Gemahl als
Witwe Deym? Sie wäre glücklicher
geworden als mit St[ackelberg]. Mutterliebe bestimmte sie – auf eigenes
Glück zu verzichten“ (4. Februar
1846) „ich glückliche hatte Beethovens intimen, geistigen Umgang so
viele Jahre! Josephines Haus- und
Herzensfreund! Sie waren für einander geboren und lebten beide noch,
hätten sie sich vereint.“ (17. März 1848)
Die geistige Qualität des Pastoralen, des Ländlichen, hat in der Musik eine lange Geschichte und eine
große Verbreitung seit der Antike.
Nicht nur dienten Tierstimmen den
Menschen als Vorbild bei ihrer Tonerzeugung, sie verwendeten auch
natürliche Materialien zur Herstellung der ersten Musikinstrumente.
Gelegenheit, Zeit und Geschick dafür hatten in erster Linie die Landleute. Bis heute identifiziert man
den griechischen Halbgott Pan mit
der Hirtenflöte, er kann als einer der
ältesten Musiker überhaupt gelten.
Beethoven setzte ihm in seinem Ballett „Prometheus“ op. 43 ein musikalisches Denkmal – mit eben jenem
glückseligen Thema, das später dem
Finale der „Sinfonia eroica“ tragende
Substanz wurde.
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68
Besetzung
Piccolo, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten,
2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten,
2 Posaunen, Pauken, Streicher
Dauer
ca. 40 Minuten
Verlag
Breitkopf & Härtel
Wiesbaden, Leipzig u. a.
Entstehung
1807– 1808
Uraufführung
22. Dezember 1808
Wien
Innerer Friede
Die sechste Sinfonie von Ludwig
van Beethoven ist Weltanschauung.
Darin unterscheidet sie sich nicht
von ihren Geschwistern. Mehr noch
als diese ist sie Religion, freilich eine
ketzerische nach amtskirchlichen
Maßstäben. Denn sie veranschaulicht Beethovens Pantheismus, den
Ludwig van Beethoven, Leitung
er mit Rousseau und Goethe teilte,
und in dem er sich mit Schiller einig
wusste, welchem die „Art des Wohlgefallens an der Natur“ keine ästhetische, sondern eine moralische Frage
war. Überdies ist die Naturidylle der
13
| Beethoven, Sinfonie Nr. 6
Beethoven, Zeichnung von Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld (1788–1853)
Sechsten eine sublimierte Form von
Trost, von Rückbesinnung auf äußeren Frieden, um den inneren wiederzufinden. Insofern liegt sie auf einer
geistigen Linie mit der Missa solemnis, die auf großartige Weise den
Gott der Christen als ein natürliches
Wesen versteht.
Man übersehe nicht: Das Heiligenstädter Testament, in dem Beethoven
seine beginnende Ertaubung eingestand, lag 1808 sechs Jahre zurück.
Napoleons Verrat an den revolutionären Idealen hatte die revolutionären
Ideale nicht kleiner werden lassen,
im Gegenteil. Beethovens schwerste
Geburt, die einzige Oper, „Fidelio“,
tat sich schwer auf der Bühne. Und
schließlich, Beethovens größte weibliche Hoffnung, die kaum länger zu
bezweifelnde „Unsterbliche Geliebte“
Josephine von Brunsvik, wies 1807
seine Heiratspläne zurück. Der vielleicht sehnlichste Wunsch, den er in
seinem Leben gehegt hatte, war dahin, von Josephine geopfert als Tribut an die gesellschaftliche Etikette.
Was sich davon einerseits mit konzentrierter Wucht in der fünften
Sinfonie entlud, fand sein oft unterschätztes Pendant in der zeitgleich
in den Jahren 1807/08 entstandenen
Sinfonie Nr. 6. Noch bei der Uraufführung in dem berühmten Marathon-Konzert am 22. Dezember 1808
in Wien, wo außer den beiden Sinfonien das vierte Klavierkonzert sowie
Teile der C-Dur-Messe und der Chorfantasie erklangen, war die Pastorale
als fünfte, die spätere Schicksalssinfonie als sechste angekündigt.
Erst die Drucklegung befestigte die
heutige Reihenfolge.
Mit Gott am Bach
Die erste Sinfonie von Brahms
trägt die gleiche Opuszahl wie die
sechste von Beethoven. Aber gerade
die Sechste war es wohl nicht, die
Hans von Bülow im Sinn hatte, als
er Brahms’ Erste als „Beethovens
Zehnte“ feierte, eben weil er in der
Person Beethovens den ehernen sinfonischen Former höchster menschlicher Ideale inkarniert glaubte. Die
Sechste kommt ohne schicksalhaftes
Ringen aus, sie gefällt mit ländlicher
Idylle und durchbricht schnöde das
Heiligtum absoluter Musik: Jeder
Satz trägt eine mehr oder weniger
programmatische Überschrift in
deutscher Sprache.
Man überlässt es dem Zuhörer, die
Situationen auszufinden. Sinfonia
caracteristica oder eine Erinnerung an
das Landleben. Jede Malerei, nachdem
sie in der Instrumentalmusik zu weit
getrieben, verliert. Sinfonia pastorella.
Wer auch nur je eine Idee vom Landleben erhalten, kann sich ohne viel
Überschriften selbst denken, was der
Autor will. Auch ohne Beschreibung
wird man das Ganze, welches mehr
Empfindung als Tongemälde, erkennen.
Ludwig van Beethoven
14
15
| Beethoven, Sinfonie Nr. 6
Beethoven komponiert die „Pastorale“
Zeichnung von Franz Hegi (1754–1850)
Auch wenn Beethoven „mehr Ausdruck der Empfindung als Mahlerey“ musiziert wissen wollte, sind
die direkten Tonmalereien nicht zu
überhören. Wer einmal im Beethoven-Haus in der Probusgasse 6 im
Wiener Vorort Heiligenstadt ver-
16
weilte oder am Pfarrplatz nach einer
Wanderung durch die Weinberge
beim Heurigen saß, bekommt einen
Eindruck von den „heiteren Empfindungen bei der Ankunft auf dem
Lande“ und dem „lustigen Zusammensein der Landleute“. Beethoven
war auf Anraten seines Arztes 1807
nach Heiligenstadt gezogen und hat
dort große Teile der c-Moll- und der
F-Dur-Sinfonie komponiert.
Die Landleute vor Wien, das waren
um 1800 vor allem kroatische Bauern
und Hirten, die sich dort angesiedelt
hatten. So erstaunt es nicht, dass das
Hauptthema des ersten Satzes einer
kroatischen Reigenmelodie, „Sirvonja“, nachgebildet ist. Doch Beethoven
unterzieht das Kinderlied sogleich
einer rhythmischen Veränderung.
Insgesamt belässt es der ausgewiesene Meister von raffinierten harmonischen Fortschreitungen hier bei lichter Dreiklangshelligkeit. Statt kunstvoller Modulationen dominieren einfache Terzrückungen, die allerdings
nicht minder für Überraschungen
sorgen können.
Die „Szene am Bach“ bezieht zwei
„murmelnde“ Solocelli ein. Flöte,
Oboe und Klarinette imitieren Nachtigall, Wachtel und Kuckuck, beschließen mit einer musikalischen
Kadenz die Naturidylle – Charakter
und Instrumentation sind dem „Et
incarnatus est“ aus Mozarts c-MollMesse verblüffend nahe.
Wie froh bin ich, einmal in Gebüschen,
Wäldern, unter Bäumen, Kräutern
und Felsen wandeln zu können, kein
Mensch kann das Land so lieben wie
ich ... Mein unglückseliges Gehör plagt
mich hier nicht. Ist es doch, also ob
jeder Baum zu mir spräche auf dem
Lande: heilig, heilig! Im Walde Entzücken! Wer kann dies alles ausdrücken?
Allmächtiger im Walde! Ich bin selig,
glücklich im Wald: jeder Baum spricht
durch dich. O Gott! welche Herrlichkeit! In einer solchen Waldgegend, in
den Höhen, ist Ruhe, Ruhe, ihm zu
dienen.
Ludwig van Beethoven, 1815
Heiligenstadt bei Wien, um 1800
17
| Beethoven, Sinfonie Nr. 6
spricht dort ganz offen vom „Heiligen Dankgesang eines Genesenen
an die Gottheit“, wo es in der F-DurSinfonie nach dem Gewitter heißt:
„Frohe, dankbare Gefühle nach dem
Sturm“. Vorbereitet wird der Dankgesang durch einen Choral. Dessen
Thema ist aus dem gleichen Holz
wie die kroatische Volksmelodie.
Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 6,
erste Seite der handschriftlichen Partitur
Donnerwetter!
Vom dritten Satz an treten die Erlebnisse in der ländlichen Gemeinschaft in den Vordergrund. Das
„lustige Zusammensein“ erinnert
in seinem idealisierten Realismus an
die Dorfszenen altniederländischer
Maler. Beethoven gewinnt dem Zusammensein mit gütigem Humor
eine Episode ab, welche die müden
Dorfmusikanten (Oboe, Fagott) unkonzentriert ihre Einsätze verpassen
lässt. Doch solche „Fehler“ erhöhen
nur die Freude, zumal es am Ende
doch klappt.
18
Das turbulente Trio im Scherzosatz
wartet mit einem slawischen Bauernreigen auf, den Beethoven aus einer
„Rippe“ des kroatischen Liedes vom
Anfang der Sinfonie geformt hat.
Mitten hinein in die Wiederholung
des Scherzoteiles kracht ein Sommergewitter. Doch es trübt nicht,
sondern es reinigt. Als regulärer
Bestandteil der Natur stellt es keine
wirkliche Bedrohung dar.
Die Sinfonie Nr. 6 verfügt über ähnliche psychohygienische Selbstreinigungskräfte, wie später das Streichquartett a-Moll op. 132. Beethoven
Denkend glauben
Die Sinfonie Nr. 6 schließt in friedvoller Eintracht zwischen Mensch
und Natur, der Hymnus kündet von
wiedergewonnenem Gleichgewicht.
Die Verbindung von Choral, Naturmotiv und Volkslied kommt einem
fundamentalen Bekenntnis gleich:
In der Natur gebe sich Gott den Menschen zu erkennen. Dieses Weltbild
kennt keine Konkurrenz zwischen
Wissen und Fühlen, zwischen Denken und Glauben, im Gegenteil: Es
braucht beides. So dachte Beethoven,
so dachten Goethe und Schiller. So
denken viele, die wahrhaft zu denken vermögen.
19
Biografie
Marek Janowski
Seit 2002 ist Marek Janowski Künstlerischer Leiter des RundfunkSinfonieorchesters Berlin. Zwischen
1984 und 2000 hatte er das Orchestre
Philharmonique de Radio France
zum Spitzenorchester Frankreichs
entwickelt. Außerdem war er jeweils
für mehrere Jahre maßgeblich am Pult
des Gürzenich-Orchesters in Köln
(1986 –1990), der Dresdner Philharmonie (2001–2003), des Orchestre
Philharmonique de Monte-Carlo
(2000 –2005) und des Orchestre de la
Suisse Romande (2005–2012) tätig.
1939 geboren in Warschau, aufgewachsen und ausgebildet in Deutschland,
führte Marek Janowskis künstlerischer
Weg über Aachen, Köln, Düsseldorf
und Hamburg als GMD nach Freiburg
i. Br. und Dortmund. Es gibt zwischen
Metropolitan Opera New York und
Bayerischer Staatsoper München,
20
zwischen San Francisco, Hamburg,
Wien und Paris kein Opernhaus von
Weltruf, wo er seit den späten 1970er
Jahren nicht regelmäßig zu Gast
war. Im Konzertbetrieb, auf den er
sich seit den späten 1990er Jahren
ausschließlich konzentriert, führt er
die große deutsche Dirigententradition
fort, gilt weltweit als herausragender
Beethoven-, Schumann-, Brahms-,
Bruckner- und Strauss-Dirigent, aber
auch als Fachmann für das französische Repertoire. Sein Abschied von der
Oper war indes nur ein institutioneller,
kein musikalischer. Deswegen zählt
Marek Janowski heute mehr denn je
zu den Kundigsten etwa für die Musik
von Richard Wagner. Mit dem RSB,
dem Rundfunkchor Berlin und einer
Phalanx von internationalen Solisten
realisierte er zwischen 2010 und 2013
die zehn Opern und Musikdramen des
Bayreuther Kanons in konzertanten
Aufführungen in der Berliner Philharmonie. Sämtliche Konzerte wurden
in Kooperation mit Deutschlandradio
von Pentatone mitgeschnitten und sind
inzwischen alle auf SA-CD erschienen.
Mehr als 50 zumeist mit internationalen Preisen ausgezeichnete Schallplatten – darunter mehrere Operngesamtaufnahmen und komplette sinfonische
Zyklen – tragen seit 35 Jahren dazu
bei, die besonderen Fähigkeiten Marek
Janowskis als Dirigent international
bekannt zu machen.
Biografie
Yulianna Avdeeva
Der Gewinn des Internationalen
Chopin-Wettbewerbes 2010 ebnete der
1985 in Moskau geborenen Pianistin
Yulianna Avdeeva den Weg in die
Spitzengruppe der Musikszene ihrer
Generation. Ihre derzeit außerordentliche Präsenz in Asien spiegelte sich
im Herbst 2014 auf einer erfolgreichen
Japan-Tournee. Yulianna Avdeeva konzertierte mit dem NHK Symphony, dem
Osaka Philharmonic Orchestra und war
in Solo-Klavierabenden zu erleben. Außerdem trat sie bei der Toshiba Grand
Concert Tournee mit dem Orchestre
National du Capitole de Toulouse unter
Tugan Sokhiev auf. Neben dem RSB
unter Leitung von Marek Janowski, wo
sie nach ihrem Debüt im April 2013
heute zum zweiten Mal zu Gast ist,
enthalten ihre aktuellen Verpflichtungen Konzerte mit dem Royal Stockholm
Philharmonic Orchestra (Manfred
Honeck) und dem Bournemouth Symphony Orchestra (Kirill Karabits). Zuvor
debütierte sie u.a. beim Finnish Radio
Symphony, dem London Philharmonic
(Vladimir Jurowski), dem Pittsburgh
Symphony Orchestra und dem Orchestra dell‘Accademia Nazionale di Santa
Cecilia. Sie erfuhr höchste Anerkennung auf einer USA-Tournee mit dem
Warsaw Philharmonic Orchestra unter
der Leitung von Antoni Wit. Bei der
Tschechischen Philharmonie war sie
2013 mit Ye-Eun Choi und Maximilian
Hornung in Beethovens Tripelkonzert
zu hören.
Yulianna Avdeevas besonderes Interesse gilt der Auseinandersetzung mit
historischen Instrumenten. Mit dem
Orchestra of the Age of Enlightenment
(2011) und dem Orchestra of the Eighteenth Century (2012) spielte sie beide
Chopin-Klavierkonzerte auf einem
historischen Erard-Flügel. Mit dem
Orchestra of the Eighteenth Century
(Frans Brüggen) nahm sie die beiden
Konzerte für CD auf. In Frankreich erschien 2014 Yulianna Avdeevas neueste
CD mit Werken von Chopin, Schubert
und Prokofjew.
Yulianna Avdeeva begann mit Klavierunterricht am Gnessin-Institut in Moskau. 2003 siedelte sie in die Schweiz
über, um bei Konstantin Scherbakov in
Zürich zu studieren. 2008 schloss sie
in Zürich und Moskau ihr Studium mit
Bestnoten ab.
21
Biografie
Carolin Widmann
In München geboren, wurde Carolin
Widmann bei Igor Ozim in Köln, bei
Michèle Auclair in Boston und bei
David Takeno in London ausgebildet.
Sie ist regelmäßig zu Gast bei renommierten Festivals in Luzern, SchleswigHolstein, Salzburg, Bukarest und Paris
sowie bei den Kammermusikfestivals
in Lockenhaus, Heimbach und Jerusalem. Als Solistin konzertierte Carolin
Widmann mit dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Orchestre National de
France, dem Orchestra dell‘Accademia
Nazionale di Santa Cecilia Rom, dem
Tonhalle-Orchester Zürich, dem Royal
Danish Orchestra, der Tschechischen
Philharmonie, dem RSO Wien, dem
BBC Symphony Orchestra London, dem
London Philharmonic Orchestra und
dem China Philharmonic Orchestra
Peking unter Dirigenten wie Riccardo
Chailly, Sir Simon Rattle, Sir Roger
22
Norrington, Silvain Cambreling, Vladimir Jurowski, Emanuel Krivine, Peter
Eötvös und Heinz Holliger. Sie war
„Artist in Residence“ bei den Duisburger Philharmonikern und gab die
Uraufführung eines neuen Violinkonzertes von Salvatore Sciarrino mit dem
Symphonieorchester des Bayerischen
Rundfunks (Jonathan Nott). Beim RSB
ist sie heute zum ersten Mal zu Gast.
Carolin Widmanns Debüt-CD „Reflections I“ wurde 2006 mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik
ausgezeichnet. Seither veröffentlichte
sie verschiedene Kammermusik-Einspielungen von Schubert bis Xenakis,
die alle große nationale und internationale Anerkennugn erfuhren. Demnächst wird sie das Violinkonzert von
Morton Feldman aufnehmen. Über
ihre Solistentätigkeit hinaus ist Carolin
Widmann seit 2006 Professorin für
Violine an der Hochschule für Musik
und Theater „Felix Mendelssohn
Bartholdy“ in Leipzig und seit 2012
künstlerische Leiterin der Sommerlichen Musiktage Hitzacker.
Carolin Widmann spielt eine Violine
von Giovanni Battista Guadagnini aus
dem Jahre 1782.
Biografie
Wolfgang Emanuel Schmidt
Wolfgang Emanuel Schmidt konnte
schon während seines Studiums bei
David Geringas und Aldo Parisot bei
zahlreichen Wettbewerben auf sich
aufmerksam machen. So verlieh ihm
beim Internationalen RostropowitschWettbewerb die Jury unter dem Vorsitz
von Mstislav Rostropowitsch den
Grand Prix de la Ville de Paris und
den Preis für zeitgenössische Musik.
Er gewann den Preis des Deutschen
Musikwettbewerbes in Bonn, den
1. Preis bei der International Australasian Cello Competition in Neuseeland,
war Preisträger des Internationalen
Tschaikowsky-Wettbewerbes in Moskau
sowie der International Leonard Rose
Cello Competition in den USA.
Seitdem konzertierte Wolfgang
Emanuel Schmidt in Europa, Russland
und den USA als Solist u. a. mit dem
Gewandhausorchester Leipzig, dem
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin,
dem Deutschen Symphonie-Orchester
Berlin, dem Orchestre Philharmonique
de Radio France, dem Tokyo Symphony
Orchestra, den Rundfunkorchestern
von Hamburg, Hannover, Prag und
Ljubljana, den Baltimore und Houston
Symphony Orchestras sowie dem Saint
Paul Chamber Orchestra und der Philharmonia Prag.
Intensiv widmet sich Wolfgang Emanuel Schmidt auch der Kammermusik, wo
er mit Künstlern wie Emanuel Ax, Gil
Shaham, Nikolaj Znaider, Leonidas Kavakos, Kyoko Takezawa, Miriam Fried,
Edgar Meyer, Lang Lang und David
Shifrin auftrat. Zudem war er Mitglied
der Chamber Music Society Two of
Lincoln Center in New York und bildet
mit Jens Peter Maintz das Cello-Duo
„Cello Duello“.
2001 erschien seine CD „French
Impressions“, 2004 folgten die Cellokonzerte von Sergei Prokofjew, dann
Cellokonzerte von Schumann und
Elgar sowie Blochs „Voice in the Wilderness“ mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Für die Einspielung
des Klavierquartetts von Carl Maria
von Weber (mit Isabelle Faust, Boris
Faust und Alexander Melnikov) wurde
er 2013 mit dem Preis der Deutschen
Schallplattenkritik und dem Diapason
d’Or ausgezeichnet. Wolfgang Emanuel
Schmidt spielt auf einem Violoncello
von Matteo Gofriller aus dem ehemaligen Besitz von Hugo Becker.
23
Biografie RundfunkSinfonieorchester Berlin
Seit 2002, dem Beginn der Ära von
Marek Janowski als Künstlerischem
Leiter und Chefdirigent, wird dem
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
eine herausragende Position zwischen den Berliner Spitzenorchestern
und deutschen Rundfunkorchestern
zuerkannt. Das unter Marek Janowski
erreichte Leistungsniveau macht das
RSB attraktiv für Dirigenten der internationalen Spitzenklasse. Nach Andris
Nelsons, Yannick Nézet-Séguin, Vasily
Petrenko, Alain Altinoglu und Jakub
Hrůsa in den vergangenen Jahren
debütieren in der Saison 2014/2015
u.a. Tomáš Netopil, Ivan Repušic und
Dima Slobodeniouk beim RundfunkSinfonieorchester Berlin.
Das älteste deutsche rundfunkeigene
Sinfonieorchester geht auf die erste musikalische Funkstunde im Oktober 1923
zurück. Die Chefdirigenten, u.a. Sergiu
Celibidache, Eugen Jochum, Hermann
Abendroth, Rolf Kleinert, Heinz
Rögner, Rafael Frühbeck de Burgos,
formten einen flexiblen sinfonischen
24
Klangkörper, bei dem große Komponisten des 20. Jahrhunderts immer wieder selbst ans Pult traten, darunter Paul
Hindemith, Richard Strauss, Arnold
Schönberg. Die Zusammenarbeit mit
Deutschlandradio, dem Hauptgesellschafter der ROC GmbH Berlin, der das
RSB angehört, trägt reiche Früchte auf
CD. Ab 2010 konzentrierten sich viele
Anstrengungen zusammen mit dem
niederländischen Label Pentatone auf
die mediale Auswertung des Wagnerzyklus. Alle zehn Live-Mitschnitte sind
mittlerweile erschienen und haben
sogleich ein weltweites Echo ausgelöst.
Die Gesamteinspielung aller Sinfonien
von Hans Werner Henze mit WERGO
ist ebenfalls abgeschlossen.
Künstlerischer Leiter
und Chefdirigent
Marek Janowski
1. Violinen
Erez Ofer, Konzertmeister
Rainer Wolters, Konzertmeister
N.N., Konzertmeister
Susanne Herzog, stellv. Konzertmeisterin
Andreas Neufeld, Dimitrii Stambulski,
Vorspieler
Philipp Beckert, Susanne Behrens, Marina
Bondas, Franziska Drechsel, Anne Feltz,
Karin Kynast, Anna Morgunowa, Maria
Pflüger, Prof. Joachim Scholz, Bettina Sitte,
Deniz Tahberer, Steffen Tast, Misa Yamada,
Michiko Feuerlein*, Isabella Bania*,
Juliane Färber*
2. Violinen
Nadine Contini, Stimmführerin
N. N., Stimmführer
Catherine Ribes, stellv. Stimmführerin
David Drop, Vorspieler
Sylvia Petzold, Vorspielerin
Rodrigo Bauza, Maciej Buczkowski,
Neela Hetzel de Fonseka, Brigitte Draganov,
Martin Eßmann, Eren Kustan, Juliane
Manyak, Enrico Palascino, Christiane
Richter, Anne-Kathrin Weiche, Nicola
Bruzzo*, Clara Plößner*, Richard Polle*
Bratschen
Prof. Wilfried Strehle, Solobratschist
N. N., Solobratschist
Gernot Adrion, stellv. Solobratschist
Prof. Ditte Leser, Vorspielerin
Christiane Silber, Vorspielerin
Claudia Beyer, Alexey Doubovikov, Jana
Drop, Ulrich Kiefer, Emilia Markowski,
Carolina Alejandra Montes, Ulrich Quandt,
Luzía Ortiz Saúco*, Öykü Canpolat*,
Julia Lindner*
Violoncelli
Prof. Hans-Jakob Eschenburg, Solocellist
Konstanze von Gutzeit, Solocellistin
Ringela Riemke, stellv. Solocellistin
Jörg Breuninger, Vorspieler
Volkmar Weiche, Vorspieler
Peter Albrecht, Christian Bard, Georg Boge,
Andreas Kipp, Andreas Weigle, Jee Hee
Kim*, Raúl Mirás López*, Guido Scharmer*,
Kontrabässe
Hermann F. Stützer, Solokontrabassist
N.N., Solokontrabassist
Stefanie Rau, stellv. Solokontrabassistin
Eduardo Rodriguez, Vorspieler
Iris Ahrens, Axel Buschmann,
Georg Schwärsky, N. N.,
Philipp Dose*, Callum Hay
Jennings*
Flöten
Prof. Ulf-Dieter Schaaff, Soloflötist
Silke Uhlig, Soloflötistin
Franziska Dallmann, Rudolf Döbler
Markus Schreiter, Piccoloflöte
Oboen
Gabriele Bastian, Solooboistin
Prof. Clara Dent, Solooboistin
Florian Grube, Gudrun Vogler
Thomas Herzog, Englischhorn
Klarinetten
Michael Kern, Soloklarinettist
Oliver Link, Soloklarinettist
Peter Pfeifer, Es-Klarinette
N. N.
Christoph Korn, Bassklarinette
Fagotte
Pieter Nuytten, Solofagottist
Sung Kwon You, Solofagottist
Leni Mäckle, Alexander Voigt
Clemens Königstedt, Kontrafagott
Hörner
Dániel Ember, Solohornist
Martin Kühner, Solohornist
Felix Hetzel de Fonseka, Uwe Holjewilken,
Ingo Klinkhammer, Anne Mentzen,
Frank Stephan
Trompeten
Florian Dörpholz, Solotrompeter
Lars Ranch, Solotrompeter
Simone Gruppe, Jörg Niemand, N.N.
Posaunen
Hannes Hölzl, Soloposaunist
Prof. Edgar Manyak, Soloposaunist
Hartmut Grupe, József Vörös
Jörg Lehmann, Bassposaune
Tuba
Georg Schwark
Pauken/Schlagzeug
Jakob Eschenburg, Solopaukist
Arndt Wahlich, Solopaukist
Tobias Schweda, stellv. Solopaukist
Frank Tackmann
Harfe
Renate Erxleben
* Orchesterakademie
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Nachrichten RundfunkSinfonieorchester Berlin
Neue DVD und
Blu-ray: „Du
bist die Welt
für mich“
Im September
2014 kam das
lang erwartete
neue Solo-Album von Jonas
Kaufmann auf
den Markt, das er gemeinsam mit
dem Rundfunk-Sinfonieorchester
Berlin aufgenommen hatte: „Du bist
die Welt für mich“. Am 17. Oktober
erschienen bei Sony nun auch die
begleitende DVD und eine Blu-ray
mit der Aufzeichnung des Konzertes,
das der Startenor und das RSB unter Leitung von Jochen Rieder zum
Abschluss der Aufnahmen im Funkhaus Nalepastraße gegeben hatten.
„Das Rundfunk-Sinfonieorchester
Berlin mit Jochen Rieder am Pult
spielt mit viel Wärme, dicht am Originalklang der 1920er/1930er-Jahre
und erfreut mit zahlreichen geradezu
kammermusikalischen Momenten.
Insgesamt: ein mitreißendes, emotionsgesättigtes Gute-Laune-Album.“
(Dagmar Penzlin über die CD-Version,
Kulturradio des rbb, 22. September
2014)
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Neue CD: Klavierkonzerte von Sergei
Prokofjew und Aram Chatschaturjan
Seit dem 1. November 2014 ist die
neue CD von Nareh Arghamanyan
und dem RSB auf dem internationalen Markt erhältlich. Unter der
Leitung von Alain Altinoglu haben
sie das Klavierkonzert Des-Dur von
Aram Chatschaturjan und das Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur von Sergei
Prokofjew für das niederländische
Label Pentatone eingespielt. Chatschaturjans Werk wartet mit armenischer Folklore genauso auf wie mit
hohen technischen Anforderungen
an die Solistin. Auch Prokofjews
Konzert hält den Zuhörer mit perlenden Passagenläufen und unerwarteten Kontrasten ständig in Atem.
„In Zusammenarbeit von Nareh
Arghamanyan, dem RundfunkSinfonieorchester Berlin und Dirigent Alain Altinoglu ist eine starke
Aufnahme entstanden, die alle
Erwartungen übersteigt.“
(Presto Classical, Oktober 2014)
Kita-Kinder ganz nah dran
Seit der vergangenen Spielzeit baut
das RSB sein Angebot für Kinder
im Alter von 3 bis 6 Jahren aus und
hat dafür die Konzertreihe „Rapauke
macht Musik“ ins Leben gerufen, die
am 23. November offiziell gestartet
ist und den kleinen Zuhörern u. a.
die Begegnung mit dem nachgebauten RSB-Maskottchen Rapauke ermöglicht. Die Abo-Reihe ist in dieser
Spielzeit bereits ausverkauft, Informationen zur Fortführung der Serie
gibt es im April 2015.
Darüber hinaus bieten Musiker und
Musikerinnen des RSB aber auch
Besuche in Kitas an oder laden die
kleinen Zuhörer ein, die Arbeit des
Orchesters aus der Nähe zu erleben:
Vor einer ganz normalen Orchesterprobe im Oktober 2014: Aus den Einspielzimmern im Haus des Rundfunks
hört man nicht nur Tonleitern und
Dreiklänge, sondern auch Kinderlachen
und Pappkartongetrommel. In Fünfergruppen werden vier- bis fünfjährige
Kinder von einem Musiker auf das
„Erlebnis Orchester“ vorbereitet, um
anschließend für eine halbe Stunde in
der Probe zu Gast zu sein. Die Kinder
sind überwältigt von der Intensität des
Live-Erlebnisses und von den vielfältigen Klängen, die Musiker hingegen von
der Unmittelbarkeit der Arbeit und vom
Blick in die begeisterten Kinderaugen.
Im Februar 2015 geht die besondere
Form der Probenbesuche zum zweiten Mal „über die Bühne“; nähere
Informationen erhalten Sie unter
education@rsb-online.de.
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Vorschau
Das Konzert
im Radio.
Konzert
Di bis Fr, So • 20:03
Oper
Sa • 19:05
In Concert
Mo • 20:03
Di | 30. Dez. 14 | 20.00
Mi | 31. Dez. 14 | 16.00
Di | 20. Jan. 15 | 20.00
Philharmonie Berlin
Konzerthaus Berlin
Abokonzert C/4
Sonderkonzerte
MAREK JANOWSKI
Gil Shaham, Violine
MAREK JANOWSKI
Anja Kampe | Sopran
Silvia Hablowetz | Alt
Dominik Wortig | Tenor
Juha Uusitalo | Bass
Rundfunkchor Berlin
Nicolas Fink | Choreinstudierung
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125
mit Schlusschor über Schillers
Ode „An die Freude“
Benjamin Britten
Konzert für Violine und
Orchester d-Moll op. 15
Dmitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 4 c-Moll op. 43
18.45 Uhr, Südfoyer
Einführung von Steffen Georgi
Konzert mit
Kooperationspartner
in der roc berlin
Konzert am
30.12. mit
bundesweit und werbefrei
UKW, DAB +, Kabel, Satellit, Online, App
deutschlandradiokultur.de
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Vorschau
Impressum
Fr | 30. Jan. 15 | 20.30
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Philharmonie Berlin
Künstlerischer Leiter und Chefdirigent:
Marek Janowski
Orchesterdirektor: Tilman Kuttenkeuler
Abokonzert A/3
DIMA SLOBODENIOUK
Simon Trpčeski | Klavier
Florian Dörpholz | Trompete
Dmitri Schostakowitsch
„Das goldene Zeitalter“ – Suite
aus dem Ballett op. 22 a
Sergei Prokofjew
Konzert für Klavier und Orchester
Nr. 1 Des-Dur op. 10
Dmitri Schostakowitsch
Konzert für Klavier, Trompete und
Streichorchester Nr. 1 c-Moll op. 35
Sergei Prokofjew
„Die Liebe zu den drei Orangen“ –
Konzertsuite aus der Oper op. 33 a
19.15 Uhr, Hermann-Wolff-Saal
Einführung von Steffen Georgi
Konzert mit
Ein Ensemble der Rundfunk-Orchester
und -Chöre GmbH Berlin
Geschäftsführer: Thomas Kipp
Kuratoriumsvorsitzender: Rudi Sölch
Gesellschafter:
Deutschlandradio, Bundesrepublik
Deutschland, Land Berlin, Rundfunk
Berlin-Brandenburg
Text und Redaktion
Steffen Georgi
Gestaltung und Realisierung
schöne kommunikation
A. Spengler & D. Schenk GbR
Druck
H. Heenemann GmbH & Co, Berlin
Buch- und Offsetdruckerei
Redaktionsschluss: 12. Dezember 2014
Ton- und Filmaufnahmen sind nicht
gestattet. Änderungen vorbehalten!
© Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin,
Steffen Georgi
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