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Aufstiegsstipendium - DVGW Veranstaltungen

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BILDUNGS | welten
Aufstiegsstipendium: Studienförderung
für Fachkräfte mit Ausbildung und Praxiserfahrung
Quelle: Marcus Gloger
Fachkräfte, die Erfahrung aus einer Berufsausbildung und der beruflichen Praxis mit Kenntnissen aus einem
Hochschulstudium verbinden können, sind mehr und mehr gefragt. Es lohnt sich, aus dem Beruf heraus noch
ein Studium zu wagen. Inzwischen ist an vielen Hochschulen und Universitäten ein akademisches Studium
auch ohne Abitur möglich. Wer in Ausbildung und Beruf besonderes Talent und Engagement gezeigt hat,
kann sich zudem um ein Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bewerben.
Das Programm unterstützt Berufserfahrene bei einem ersten Hochschulstudium.
Dass er einmal ein Ingenieursstudium absolvieren und sogar für seine Bachelorarbeit den
DVGW-Studienpreis erhalten wird, hätte Sebastian Milter zu Beginn seiner Berufsausbildung noch nicht gedacht. „Das Studium hat
mich beruflich noch ein gutes Stück weiter
gebracht – und das Aufstiegsstipendium hat
mir beim Studieren finanziell den Rücken
freigehalten“, sagt er heute im Rückblick. Sebastian Milter (siehe auch S. 88) gehörte zu
den ersten Stipendiaten des Aufstiegsstipendiums, und sein Lebenslauf ist typisch für
viele der Geförderten: Nach der Mittleren
Reife, einer Ausbildung zum Anlagenmecha-
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niker/Fachrichtung Versorgungstechnik und
mehreren Jahren Berufspraxis absolvierte er
eine berufsbegleitende Fortbildung zum Industriemeister in der Fachrichtung Rohrnetz.
Erfolgreich bewarb sich Sebastian Milter damit um ein Aufstiegsstipendium und erlangte
über die berufliche Qualifikation auch den
Zugang zum Studium „Energie- und Gebäudetechnik“ an der Ostfalia Hochschule. Vor
einem guten Jahr konnte Sebastian Milter sein
Studium mit dem Bachelor abschließen. Der
DVGW-Studienpreis 2013 für seine Bachelorarbeit hat ihn besonders gefreut. Er entwickelte ein Assetmanagement-Tool zur Optimie-
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rung der Gasrohrnetzsanierung und
wendete es auf den Betrieb der Stadtwerke Salzgitter an. Inzwischen arbeitet Sebastian Milter als Planungsingenieur.
Förderung auch für berufs­
begleitendes Studium
Das Aufstiegsstipendium zeichnet sich
unter den Studienförderungen durch
einige Besonderheiten aus: Wichtige
Voraussetzungen für eine erfolgreiche
Bewerbung sind eine abgeschlossene
Berufsausbildung, mehrere Jahre Berufserfahrung und besondere Leistungen in der beruflichen Praxis. Mehr
als zwei Drittel der Geförderten erlangen den Hochschulzugang nicht mit
einem klassischen Abitur, sondern
durch die beruflichen Qualifikationen. Rund 40 Prozent der Stipendiatinnen und Stipendiaten studieren
berufsbegleitend. Auch wer schon lange Jahre im Arbeitsleben steht, kann
sich bewerben. Knapp die Hälfte aller
Geförderten hat nach Abschluss einer
Berufsausbildung bereits fünf oder
mehr Jahre gearbeitet.
Unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten gibt es Fachkräfte aus allen
Berufsbereichen. Technische Berufe
der Industrie sind genauso vertreten
wie Berufe aus Handel und Dienstleistungen, Handwerksberufe oder Fachberufe des Gesundheitswesens. Gemeinsam ist den Stipendiatinnen und
Stipendiaten, dass sie im Beruf schon
einiges geleistet haben, aber noch
mehr lernen und erreichen wollen.
Für Studierende im Vollzeitstudium
beträgt das Stipendium monatlich
670 Euro plus 80 Euro Büchergeld.
Zusätzlich wird eine Betreuungspauschale für Kinder unter zehn Jahren
gewährt (113 Euro für das erste Kind,
jeweils 85 Euro für jedes weitere). Studierende in einem berufsbegleitenden
Studiengang können jährlich 2.000
Euro für Maßnahmekosten erhalten.
Die Förderung erstreckt sich bei beiden Studienformen über die Regelstudienzeit und ist einkommensunabhängig.
energie | wasser-praxis
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Das Aufstiegsstipendium will seine
Stipendiatinnen und Stipendiaten im
Studium auch über die finanzielle
Förderung hinaus unterstützen. Die
ideelle Förderung zum Stipendium
bietet ein virtuelles Stipendiatennetzwerk, interessante Seminare, regionale
Austauschgruppen und vieles mehr.
Die Möglichkeit zum Austausch untereinander hilft bei „Durststrecken“
im Studium, gemeinsame Aktionen
schaffen Verbundenheit, interessante
Veranstaltungen bringen neue Sichtweisen.
Der Weg zum Aufstiegsstipendium
Voraussetzungen für die Bewerbung
um ein Aufstiegsstipendium sind eine
abgeschlossene Berufsausbildung und
anschließend mindestens zwei Jahre
Berufserfahrung. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Nachweis der
besonderen beruflichen Leistungsfähigkeit. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, u. a. die Ausbildungsprüfung oder eine Aufstiegsfortbildung
mit einer Gesamtnote besser als „gut“.
Eine Alternative ist die Bewerbung
mit einem begründeten Vorschlag des
Arbeitgebers. Die Bewerbung ist bereits vor Beginn eines Studiums möglich, das bringt Planungssicherheit.
Wer bereits studiert, kann sich bis
zum Ende des zweiten Studiensemes-
ters bewerben. Die aktuelle OnlineBewerbung ist bis Anfang Juli freigeschaltet.
Das Auswahlverfahren zum Aufstiegsstipendium hat drei Stufen: die Online-Bewerbung, der Online-Kompetenz-Check und schließlich ein persönliches Auswahlgespräch mit einer
Jurorin oder einem Juroren aus Wissenschaft und Wirtschaft.
Fünf Jahre nach dem Start gehört das
Aufstiegsstipendium zu den großen
Studienförderungen und hat Stipen­
diatinnen und Stipendiaten an über
300 Hochschulen in Deutschland und
im europäischen Ausland. Das Aufstiegsstipendium ist ein wichtiger Baustein der Qualifizierungsinitiative
„Aufstieg durch Bildung“ der Bundesregierung. Organisiert wird das Stipendium im Auftrag und mit Mitteln des
Bundesministeriums für Bildung und
Forschung von der SBB – Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung.
Weitere Informationen finden Sie auf
www.aufstiegsstipendium.de W
Andreas van Nahl
Stiftung Begabtenförderung
berufliche Bildung (SBB)
Information
Stipendiaten des Aufstiegsstipendiums geben Tipps fürs Studium
Ein Studium aus dem Beruf heraus ist eine große Chance, aber auch eine Herausforderung
– das ist auch die Erfahrung der Geförderten des Aufstiegsstipendiums: „Berufsbegleitend
zu studieren heißt nicht ‚nebenbei‘ zu studieren. Das Studium ist ein Marathon, kein Sprint“,
so der Stipendiat Ralph Homuth, der als Berufstätiger mit Familie an einer Fernhochschule
Betriebswirtschaft studiert. Er empfiehlt, die Kräfte gut einzuteilen, „damit unterwegs nicht
die Luft ausgeht“. Eine weitere Erfahrung, die Ralph Homuth machte: „Obwohl ich mich
sicher als ‚Zahlenmensch‘ bezeichnen darf, bestand für mich die größte Herausforderung
im Bereich Mathematik, da ich die Rechenarten erlernen musste, die in den Oberstufen
unterrichtet werden.“ Die Maschinenbauingenieurin Verena Schmidle rät: „Lerngemeinschaften bilden und dabei keine Scheu haben und auf die jüngeren Kommilitoninnen und
Kommilitonen zugehen. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht, wenn wir Berufspraktiker
mit denen ohne Berufspraxis gelernt haben, man ergänzt sich oft sehr gut.“ Auch der Entwicklungsingenieur Yasin Yüksel plädiert für die Zusammenarbeit: „Ganz wichtig ist es bei
einem berufsbegleitenden Studium, sich andere Studierende aus der Region zu suchen und
dann regelmäßig in einer Arbeitsgruppe zu treffen. Das hilft sehr, sehr viel, denn man kann
sich gegenseitig helfen und auch schwere Zeiten überstehen.“
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BILDUNGS | welten
5 Fragen an Sebastian Milter
Herr Milter, warum haben Sie nach Ihrer
Ausbildung noch ein ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert?
Ich hatte in meiner beruflichen Laufbahn das große Glück, in einem Betrieb zu lernen, der mir eine sehr gute
Ausbildung zum Anlagenmechaniker
und Rohrnetzmeister ermöglicht hat.
Mein damaliger Ausbilder hat mir ein
umfangreiches Fachwissen vermittelt,
das Interesse für diesen Beruf bei mir
geweckt und damit den Grundstein
für meine berufliche Entwicklung ge-
»
Sebastian Milter
legt. Das Interesse an meinem Beruf
und den kritischen Blick auf technische Problemstellungen habe ich mir
bis heute erhalten und beides zusammen hat mich dazu bewegt, mich zum
Ingenieur weiterzubilden.
Wie sind Sie auf das Aufstiegsstipendium
des BMBF aufmerksam geworden?
Aufgrund meines sehr guten Ergebnisses in der Berufsausbildung habe ich ein
Weiterbildungsstipendium von der SBB
(Stiftung für berufliche Begabtenförderung) erhalten, das ich für meine Meisterausbildung genutzt habe. Somit war
ich bei der SBB gelistet. In einem Schreiben hat mich die SBB dann darüber
informiert, dass sie Aufstiegsstipendien
anbietet und dass ich die Voraussetzungen für die Bewerbung erfülle.
Quelle: D
VG W (F ot
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Was hat Sie im Studium besonders
weiter gebracht und welche zusätzlichen Qualifikationen haben
Sie erworben?
88
Da ich vor meinem Studium
bereits als Meister und Monteur in diesem Fachbereich
gearbeitet habe, habe ich
bereits beruflichen Vorkenntnisse mitgebracht,
die mir auf jeden Fall geholfen haben. Am weitesten gebracht hat mich darüber hinaus die Wahl, an einer
Hochschule zu studieren. Der
Vorteil in dieser Entscheidung
lag sicherlich darin, dass das
Lernen in einem übersichtlichen Rahmen stattfindet. Die
Vorlesungen wurden in kleinen Hörsälen gehalten, an
denen durchschnittlich 50
bis 100 Studierende teilgenommen haben. Man
kannte somit nach relativ
kurzer Zeit die meisten
Studierenden und Professoren und es haben sich schnell
unterschiedliche
Dr. Thomas Hüwener (r.), DVGW-Vizepräsident Gas,
Lerngruppen geüberreicht den DVGW-Studienpreis an Sebastian Milter (l.).
bildet. Wir haben
uns alle gegenseitig unterstützt und
falls man mal nicht weiterkam, waren
die Professoren und Lehrbeauftragten
jederzeit für uns ansprechbar. So konnte ich mehrere unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und sehr viel in
kurzer Zeit lernen. Weiterhin haben
sich dadurch nützliche Kompetenzen
wie Team- und Kommunikationsfähigkeiten verbessert.
Wobei hat Ihnen das Stipendium am meisten geholfen?
In Zeiten der Studiengebühren hatte
ich das große Glück, dass ich nicht wie
viele meiner Kommilitonen im Semester arbeiten gehen musste. Ich konnte
mich somit vollkommen auf mein Studium konzentrieren.
Warum sollten auch andere Interessierte die
Chance eines Aufstiegsstipendiums nutzen?
Es ist ein großes Glück, wenn man im
beruflichen Leben auf einen Förderer
trifft und dass es überhaupt solche Förderprogramme gibt. Wenn man die
Chance bekommt, sich beruflich weiterzuentwickeln – egal ob es ein Stipendium oder eine andere Möglichkeit ist –,
dann sollte man diese nutzen, denn die
nächste Gelegenheit kann lange auf
sich warten lassen. Meistens sind berufliche Weiterentwicklungen mit einem
Aufstieg und somit mit neuen Herausforderungen verbunden. Ich kenne
auch die Selbstzweifel, ob man der neuen Herausforderung gewachsen ist, und
ich kann jedem nur raten, diese anzunehmen. Allerdings sollte man dies
nicht im Alleingang machen, sondern
versuchen, den Weg gemeinsam mit
anderen zu gehen. Wenn man zusätzlich noch einen erfahrenen Partner wie
die SBB an seiner Seite haben kann, fällt
es einem noch leichter, dies zu meistern. Die SBB unterstützt einen nicht
nur finanziell. Man wird unter anderem von erfahrenen Mitarbeitern betreut, die die Sorgen und Nöte der Studierenden kennen. Ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt und kann
jedem nur raten, die SBB oder auch andere Förderer für sich zu gewinnen. W
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