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Projektvorhaben: Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands
Das Skelett der Wirbeltiere ist eine hochkomplexe Konstruktion und sein Aufbau für die äußere
Erscheinung des Tieres von grundlegender Bedeutung. Selbst eng verwandte Arten weisen aufgrund
unterschiedlichster Nutzung und Lebensweise deutliche Unterschiede im Bau der Knochen auf.
Paläontologen, Archäologen, Archäozoologen und Forensiker finden in der Regel kein vollständiges
Skelett und müssen sich oftmals mit einzelnen Knochenfunden begnügen. Diese zu identifizieren
bedarf nicht nur einer guten Fachkenntnis, sondern auch einer aussagekräftigen Vergleichssammlung
rezenter Wirbeltiere.
Die bis heute am meisten verwendete Bestimmungsliteratur auf diesem Gebiet ist das Handbuch der
Säugetiere Europas von F. Krapp (1978-2004) und Stresemanns Exkursionsfauna (12. Auflage 2003).
Beide Werke haben Körper- und Schädelmaße in ausreichendem Maße behandelt – nur für das
übrige Skelett fehlen zumeist Angaben. Wenn diese dennoch vorliegen, dann mit zu wenigen
Messwerten an zu wenigen Individuen pro Art. Der Knochenatlas für Prähistoriker, Archäologen und
Quartärgeologen von E. Schmid (1972) beinhaltet zwar eine große Anzahl morphologische Skizzen
von Skelettelementen der Haus- und Nutztiere, führt aber keine statistische Auswertung der
innerartlichen Variabilität auf. Ebenso fehlen hier die einheimischen Wildtiere. Die französischen
Autoren L. Pales und C. Lambert (2. Auflage 1981) entwickelten einen Skizzenatlas verschiedener
Säugetiere (Atlas ostéologique), welcher allerdings nur ausgewählte Spezies behandelt. Auch hier
fehlen hier wesentliche Messwerte und Indices. Bei den Werken von A. von den Driesch (1976 - Das
Vermessen von Tierknochen aus vor- und frühgeschichtlichen Siedlungen) und J. U. Duerst (1926 Vergleichende Untersuchungsmethoden am Skelett bei Säugern) werden nur Messstrecken
behandelt, aber keine konkrete Aussage zu Unterschieden in den Tierarten gemacht.
Artikel in Fachzeitschriften sind zu diesem Thema ebenfalls selten.
Diesen Mangel an Vergleichswerken bekommen vor allem Archäozoologen zu spüren, da diese kaum
auf ausreichend große Skelettsammlungen zurückgreifen können und ein umfangreiches
Bestimmungsbuch fehlt. Auch in Museen finden sich allzu oft unbestimmte Skelette oder Knochen,
welche zwar Funddaten aber keine Artbestimmung aufweisen. Diese könnten mit dem hier
geplanten detaillierten Bestimmungsatlas einer Spezies zugeordnet und für Vergleichssammlungen
aufgearbeitet werden.
Ziel des vorgestellten Projektes ist es, ein umfassendes Bestimmungsbuch aller einheimischen,
landlebenden Säugetiere anhand der wichtigsten und charakteristischsten Skelettmerkmale und
Knochen zu entwickeln. Mit diesem Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands wird eine große
Lücke in der zoologischen und archäologischen Fachliteratur geschlossen.
In das Werk sollen hierfür 101 einheimische Säugetierarten (inkl. Neozoen) aufgenommen und
beschrieben werden. Für jede Art werden mindestens 15 juvenile, subadulte und adulte Tiere jeweils nach den Geschlechtern getrennt aufgenommen. Somit kommt man auf insgesamt 90
Individuen pro Art, welche für eine statistische Signifikanzanalyse aussagekräftig sind. Im Rahmen
einer eigenen Vorstudie über die postkranialen Unterschiede zwischen Stein- und Baummarder
(Baumann & Gornetzki 2013) zeigte sich, dass die einzelnen Skelettelemente Atlas, Epistropheus,
Scapula, Humerus, Ulna, Radius, Sacrum, Pelvis, Femur, Tibia, Calcaneus, Astragalus und (soweit
vorhanden) Baculum die charakteristischsten Merkmale zur Artunterscheidung und der
Geschlechtertrennung aufweisen.
Für die zukünftige Verfahrensweise muss, um Meßfehler zu minimieren, jedes Merkmal der Knochen
dreimal gemessen und der Mittelwert aus diesen Werten gebildet werden. Zusätzlich zu den oben
genannten Skelettelementen kommen noch Fibula, Manus (Metacarpale, Grundphalangen,
Mittelphalangen und Endphalangen) sowie Pedes (Os cuboideum, Metatarsale, Grundphalangen,
Mittelphalangen und Endphalangen) hinzu. Hierbei wird allerdings nur die Länge, mit ebenfalls drei
Messungen bestimmt. Somit wird der Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands auf einer
Datengrundlage von 363 separaten Messungen pro einzelnes Individuum basieren. Aus diesen
Messwerten werden Indices gebildet und miteinander verglichen. Indices haben im Gegensatz zu
einfachen Messstrecken den Vorteil, dass das Verhältnis der Strecken vergleichbar wird. Das
ermöglicht es auch juvenile und adulte Tiere zu vergleichen und die Differenzen zu erfassen. Neben
der Metrik wird auch die Morphologie dargestellt. Diese wird über Bildtafeln, schematische
Zeichnungen und Beschreibungen realisiert.
Um das Ausmaß des Buches zu beschränken, werden nur die in Deutschland vorkommenden, wilden,
landlebenden Säugetiere behandelt. Ausgeschlossen werden hierbei die Phocidae (Seehund und
Kegelrobbe), die Catacea (Großer Tümmler und Schweinswal) und Haustiere, wie Hund, Katze, Schaf,
Ziege, Rind und Schwein.
Im Werk werden folgende Ordnungen aufgenommen: Nagetiere Rodentia (30 Arten), Hasenartige
Lagomorpha (3 Arten), Igelartige Erinaceomorpha (2 Art), Spitzmausartige Soricomorpha (10 Arten),
Fledermäuse Chiroptera (27 Arten), Raubtiere Carnivora (16 Arten), Unpaarhufer Perissodactyla (1
Art), Paarhufer Artiodactyla (11 Arten) und Kängurus Diprotodontia (1 Art). Unter diesen 101
Säugetierarten befinden sich ebenfalls 9 Neozoen mit eigenen stabilen Populationen in Deutschland
(Rotnackenwallaby, Bisamratte, Nutria, Marderhund, Mink, Waschbär, Damhirsch, Sikahirsch und
Mufflon).
Die meisten (und vor allem seltenen) Spezies können in Museen und Sammlungen gefunden werden.
Schwieriger ist es bei den häufigen Arten, wie Reh und Steinmarder. Diese sind seltener in
Sammlungen anzutreffen und müssen für das Projekt erst gefunden und aufbereitet werden.
Die Gliederung des Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands ist folgendermaßen geplant:
1. Einleitung und die Definition der Methoden und Messstrecken (ca. 14 Seiten).
2. Bestimmungsschlüssel zu den einzelnen, im Buch behandelten Knochen (zusammen ca. 40 Seiten).
3. Hauptteil mit Beschreibung der Arten anhand der Knochen (metrisch und morphologisch). Für jede
Spezies sind hierbei rund 16 Seiten (incl. Abbildungen) geplant. Zusammenfassend benötigen die 101
Tierarten 1616 Seiten zur Abhandlung der Bestimmung. Rechnet man dies mit der
Schlussbetrachtung und der Literatur zusammen, so würde der Knochenatlas der Säugetiere
Deutschlands aus 1640 Seiten bestehen.
Da die meisten in Deutschland verbreiteten, landlebenden Säugetiere auch im überwiegenden Teil
ganz Europas vorkommen, wird angestrebt, das Werk mindestens im Bereich der
Determinationsschlüssel zweisprachig (deutsch und englisch) zu erstellen. Dies würde die
Seitenanzahl des Buches zwar noch deutlich vergrößern, ist aber für die internationale Verwendung
in der Forschung unabdingbar. Somit wäre der Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands auch über
die Grenzen des eigenen Landes hinaus eine wertvolle Hilfe zur Knochenbestimmung. Eine
Herausgabe in mehreren (2-3) Bänden erscheint aus Gründen der Handhabbarkeit unabdinglich.
Ein Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands ist vor allem für Paläontologen, Archäologen,
Archäozoologen und Forensikern zur Bestimmung von osteologischen Funden, auch Fragmenten
hilfreich. Dieses Buch kann natürlich keine umfassende, wissenschaftliche Vergleichssammlung
ersetzen, soll aber dabei helfen, sich im Feld, im Präparatorium oder in der Restaurationswerkstatt
einen möglichst genauen Überblick zu verschaffen. Die Struktur des Buches soll dem Nutzer dazu
dienen, art- oder geschlechtsspezifische Merkmale zu erkennen um eine eindeutige Identifizierung
von Einzelknochen des portcranialen Skelettes zu ermöglichen.
Weiterhin profitieren ebenfalls zoologische Einrichtungen, wie Museen und universitäre
Sammlungen von diesem Buch. Damit wird es effektiv möglich, unbeschriebenes Sammlungsgut zu
identifizieren und einzuordnen. Letztlich ist der Knochenatlas der Säugetiere Deutschlands auch für
die Ausbildung und das Studium von Biologen, Archäologen, Präparatoren und Tiermedizinern von
Bedeutung, da in diesem die Grundlagen der Anatomie – die Knochen und das Skelett – aufgelistet
und artspezifische Merkmale erläutert sind.
Mit dem Artikel „Metrische und morphologische Unterschiede im postkranialen Skelett
von Martes foina und Martes martes (Carnivora, Mustelidae)“ (in: VERNATE 2013 S. 197-234) wurden
in mehrmonatiger Arbeit die Messstrecken und Indices definiert und anschließend an den beiden
Marderarten ihre Relevanz getestet. Die Ergebnisse fielen deutlicher aus als erwartet und bekräftigen
die Entschluss zur Umsetzung des Projektes. Neben der Metrik wurden auch Fototafeln für eine
morphologische Unterscheidung erstellt.
Auf dieser Grundlagenarbeit zur Ermittlung der Messstrecken kann nun aufgebaut werden. Somit
folgt die Aufnahme der restlichen Musteliedae (Hermelin, Mauswiesel, Europäischer Nerz, Waldiltis,
Dachs, Fischotter und Mink). Von Stein- und Baummarder werden noch mehr Skelette vermessen,
um auf die gesetzte Mindestindividuenanzahl zu kommen.
Nach erfolgreicher Vermessung der Marderartigen wird die Untersuchung der restlichen Carnivora
(Wildkatze, Europäischer Luchs, Wolf, Marderhund, Rotfuchs und Waschbär) durchgeführt. Auf diese
Weise werden Schritt für Schritt auch die Arten der restlichen Ordnungen vermessen und
dokumentiert, sodass letztendlich alle Mammalia erfasst werden.
Neben den Messstrecken und Indices werden Bildtafeln aus Fotos und (bei Knochen größer als 5 cm)
3D- Abbildungen erstellt, die die Morphologie verdeutlichen. Da im Buch der Platz effektiv für die
Merkmalsbeschreibung und Auswertungen genutzt werden soll, wird eine separate DVD mit den
gesamten Messwerten aller vermessenen Tiere erstellt. Somit ist es möglich sich noch einmal genau
die einzelnen Werte eines bestimmten Tieres anzuschauen.
Ferner wird angestrebt, eine Datenbank im Internet einzurichten, in der die gesamten Messwerte
sowie die Auswertungen und die 3D-Modelle einzusehen sind. Hierbei wird es auch möglich sein,
selbst Werte (nach Überprüfung) einzureichen und die Datenbank somit Stück für Stück zu erweitern.
Auf diesem Weg soll ebenfalls eine osteologische Bestandsliste der Museen und Sammlungen
veröffentlicht werden, die es Archäologen, Archäozoologen und anderen Wissenschaftlern leichter
ermöglicht den passenden Vergleich zu finden.
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Seele and Geist
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