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Emmanuel Mbolela
Vom Kongo nach Europa
Zuflucht Kirche
Wie die Kirche Heimat wird
Missio Konkret
Jugendaktion
DAS PRAXISHEFT FÜR SCHULE UND PFARRE . 2014 . Ausgabe 3 . Flucht nach Europa . www.missiothek.at
missiothek
Was immer mehr
Flüchtlinge nach Europa
treibt
02_Editorial
e
Migration
Flüchtlinge sind Kinder Gottes
Täglich spielen sich unweit unserer Urlaubsparadiese, in sicherer Entfernung von den Badestränden, unerhörte
menschliche Tragödien ab: Männer, Frauen und Kinder müssen jämmerlich ertrinken. Seit dem Jahr 2000 haben schätzungsweise an die 23.000 Menschen bei dem Versuch, in die EU zu gelangen, im Mittelmeer ihr Leben verloren. Das
Mittelmeer wird zu einem riesigen Friedhof. Wir wissen es, wir sehen es – und was tun wir dagegen? Die „Globalisierung
der Gleichgültigkeit“, die Papst Franziskus bei seiner ersten Reise nach Lampedusa angeprangert hat, ist beschämend für
uns. All zu viele Flüchtlinge scheitern an den Mauern Europas, viele auch an den Mauern unserer Herzen.
Am bevorstehenden Weltmissions-Sonntag 2014 wollen wir mit dem Thema „Zuflucht Kirche“ auf das Schicksal unzähliger Menschen aufmerksam machen, die sich auf der Flucht befinden. Die Kirche ist für sie oft der einzige lebensrettende Zufluchtsort. Priester, Ordensmitglieder und engagierte Laien sind in der Mission dort tätig, wo Verfolgung, Kriege,
Naturkatastrophen und Armut unzählige Menschen in die Flucht treibt.
Neue Aktualität erhielt das Thema des diesjährigen Weltmissions-Sonntags leider auch durch die traurigen Entwicklungen im Irak, wo die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) seit Wochen Christen,
Schiiten und Jesiden auf brutalste Weise aus ihren Häusern vertreibt und mit dem Tod bedroht.
Die Menschen in Not und Elend, die Mitmenschen auf der Flucht, die Mitchristen, die um
ihres und unseres Glaubens willen verfolgt werden, haben ein Recht darauf, dass wir unseren Blick nicht von ihnen abwenden, dass wir angesichts unserer Ohnmacht nicht resignieren, sondern ihnen in Gebet, Wort und Tat beistehen.
Wer sind „die Flüchtlinge“? Unsere Brüder und Schwestern. Nicht nur Angehörige anderer Staaten, die uns angeblich nichts angehen. Sie sind - so wie wir - Kinder Gottes.
Nur wenn wir uns mit allen Kräften dafür einsetzen, dass die Flüchtlinge ihre Würde
und ihr Ansehen als Kinder Gottes erkennen können, dann wird die Kirche zu einem
Ort der Zuflucht, der Heimat. Dann wird sie zu einem „Haus der Armen, Bedrückten,
Ausgeschlossenen und Verfolgten und all jener, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben“, wie Papst Franziskus bei seiner diesjährigen Begegnung mit den Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke gesagt hat.
Herzliche Grüße und Gottes Segen,
Weltmissions-Sonntag 2014
Msgr. Leo-M. Maasburg
Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich
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Zufl irche
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19. Oktober
2014
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„KINDER AUF DER FLUCHT“
Das Kindermagazin ON MISSION beschäftigt sich auf 52 Seiten mit der traurigen
Situation von Menschen auf der Flucht. Besonders Kinder leiden unter den
schwierigen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern. Das ON MISSION
Comic-Team besucht sie und lernt ihre Sorgen und Träume vom besseren Leben
kennen. Die Schüler erfahren mit diesem Band darüber hinaus, was die Kirche
vor Ort tut und wie sie sich selbst für ihre Altersgenossen einsetzen können.
ON MISSION eignet sich dank vieler Gestaltungsideen, Bastel- und Kochanleitungen besonders gut für die Arbeit in Schulen und Pfarren. Das Heft erscheint
zusammen mit dem 32-seitigen Begleitheft Anfang September. www.onmission.at
Unkostenbeitrag: nur 2,50 Euro, Vorbestellung unter: bestellung@missio.at
missiothek 1403
Inhalt
i
missiothek_03
INHALT für print und online:
03 Flucht nach Europa
Wie geht die EU mit
dem Anstieg der
Flüchtlinge um, die
über die Grenzen
nach Europa drängen?
Foto: picturedesk.com
10 Emmnauel Mbolela
Der aus dem Kongo
stammende Emmanuel
Mbolela erzählt von
seiner abenteuerlichen
Flucht nach Europa, die
ihn durch die Sahara
führte. Foto:
Wolfgang Weitlaner
14 Irak
Papst Franziskus würde
am liebsten selbst die
Flüchtlinge im Nordirak
besuchen. Nun hat er
Kardinal Filoni als seinen
Sondergesandten ins
Kurdengebiet geschickt.
Foto: picturedesk.com
16 Mäßigung
Die Tugend der
Mäßigung betrifft die
Zügelung unserer
Leidenschaften und
unserer Sinnlichkeit.
Foto: i-stock
20 Zuflucht Kirche
Flüchtlinge, die nach
Österreich kommen,
fühlen sich oft fremd.
In den anderssprachigen
Gemeinden können
sie ihre eigene Kultur
pflegen.
24 Missio Konkret
Mit der Kinderaktion
unterstützen österreichische Kinder Projekte von
„Kindern auf der Flucht“
in Myanmar (Burma) und
auch in Ruanda.
THEMA „FLUCHT NACH EUROPA“
03–07
„Hoffnung Europa?“- Was treibt immer mehr Flüchtlinge
nach Europa? Ist Europa dieser Herausforderung
gewachsen?
08–09
Vier Beispiele von Ländern mit unterschiedlicher Asylpolitk.
10–11
Interview mit Emmanuel Mbolela aus dem Kongo über
seine Erfahrungen auf der Flucht nach Europa.
12–13
Schlaglicht zur Asylpolitik in Österreich.
Facts_Flucht.pdf: Erklärung der wichtigsten Schlüsselbegriffe
Gründe_Flucht.pdf: Überprüfe dein Wissen über Menschen auf der Flucht.
Weltkarte_Flucht.pdf: Finde auf einen Blick die Hotspots der Fluchtbewegungen.
Geschichte_Flucht.pdf: Flüchtlinge erzählen eine Geschichte.
missiothek
online
SERVICE
14–15
News aus der Weltkirche: Kardinal Filoni besucht Flüchtlinge im Nordirak; Papst in Südkorea und Ebola-Epidemie
in Afrika
18–19
Buchrezensionen: Medien für Sie getestet. Bücher, Comics
und Tipps für Studium und Unterricht.
TUGENDEN
16–17
Serie Tugenden: Die Mäßigung ist nicht die wichtigste
aller Tugenden, aber sie hilft uns, unsere Sinne in den Dienst
von Klugheit und Gerechtigkeit zu stellen.
THEMA „ZUFLUCHT KIRCHE“ 20–23
In Wien gibt es die österreichweit größte Anzahl
andersprachiger Gemeinden. Viele Flüchtlinge finden
hier Zuflucht und Anschluss an ein Leben, fernab ihrer
alten Heimat.
missiothek
online
Heimat_in_Jesus_Christus.pdf: Bibelarbeit zu Jesaia 11,1-16
Symbole_und_Traditionen.pdf: Arbeitsblatt zu unterschiedlichen christlichen Symbolen und ihren Bedeutungen. Kulturelle_Identität_im_Christentum.pdf: Unterschiedliche Modelle der
Inkulturation
MISSIONARISCHE GEMEINDE
24–25
Mit dem Thema „Zuflucht Kirche“ weist Missio am Weltmissions-Sonntag auf das Schicksal der vielen Flüchtlinge hin.
MISSIO KONKRET
26-31
Mit der Kinderaktion und der Jugendaktion 2014 werden ausgewählte Projekte in den Ländern des Südens unterstützt.
ARBEITSBLÄTTER
27–30
So wird jede Unterrichtsstunde zum Erlebnis: zum Heraustrennen und Abheften. Viele Arbeitsblätter zusätzlich auch
online: www.missiothek.at: Gleich anmelden und probieren!
missiothek 1403
04_Thema
t
Flucht nach Europa
Hoffnung Europa?
Sommer, Sonne, Sand und Meer: Für die einen sind die Inseln im
Mittelmeer ein Urlaubsparadies, für die anderen sind sie die Tore zum Sehnsuchtsort Europa. Doch bevor sie das „gelobte Land Europa“ erreichen,
wird für viele das Mittelmeer zum Grab: Jährlich sterben tausende Flüchtlinge
auf ihren gefährlichen Flüchtlingsrouten nach Europa. Was die USA früher
für viele Europäer waren, das ist Europa heute für viele Menschen auf der
Flucht. Trotz der Wirtschaftskrise steht unser Kontinent für ein besseres Leben.
Gefährliche Route
435.760 Menschen suchten
2013 in der EU um Asyl an,
um 30 Prozent mehr als
im Jahr zuvor. Gleichzeitig
werden die Grenzen
immer dichter. Dass man
dami die Fluchtbewegungen stoppen kann,
bezweifeln Experten.
G
erade im Sommer ist Hochsaison für Bootsflüchtlinge. Es vergeht kaum ein Tag, an dem
sich die Medien nicht mit Berichten über
Flüchtlinge überschlagen, die hilflos im Mittelmeer ertrinken. Wegen des guten Wetters und der ruhigen
See wagen von Juni bis August besonders viele die riskante
Überfahrt von Nordafrika nach Europa. In Schiffen und
Schlauchbooten, von denen niemand weiß, wie sie die
Überfahrt überstehen sollen, werden die Flüchtlinge von
Schleppern nach Lampedusa, Malta und Sizilien gebracht.
Politisch instabile Länder wie Libyen und Ägypten, in denen die Grenzkontrollen häufig versagen, sind der bevorzugte Ausgangsort für die Mittelmeerüberquerung. Die
Schlepper fühlen sich dort sicher.
Immer mehr Menschen fliehen nach Europa
435.760 Menschen suchten 2013 in der EU um Asyl
an, um 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Rund um Europa werden die Grenzen immer dichter“, sagt Ruth Schöffl,
Verantwortliche für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim
UNHCR Österreich, besorgt. „Trotzdem ist klar, dass man
dadurch die Migration und die Fluchtbewegungen nicht
verhindern kann. Der Weg, der den Flüchtlingen als einziger noch irgendwie offen steht, ist die Flucht über das
Meer.“ Die Angst, Europa werde angesichts steigender
Asylanträge von Flüchtlingen „überschwemmt“, ist Fachleuten zufolge unbegründet. Am Beispiel des Syrienkonflikts kann man das erkennen: Nur etwa 50.000 Syrer von
insgesamt drei Millionen Flüchtlingen haben 2013 offiziell
um Zuflucht in die EU angesucht. Der Großteil von ihnen
floh in den Libanon, nach Jordanien und in die Türkei. In
diesen Nachbarstaaten Syriens wird die Versorgungssituation immer schlechter. Die Hilfsorganisationen sind unterfimissiothek 1403
Foto: picturedesk.com
Text_MONIKA SCHWARZER
nanziert und können nur die allernötigste Hilfe geben. Je
weniger Perspektiven die Menschen sehen, desto eher flüchten sie weiter, eben bis nach Europa. „Wir sehen als Europäer immer nur unser Stück des Kuchens und haben wahnsinnige Angst. Würden wir unsere globale Welt anschauen,
dann müssten wir weniger Angst haben, denn die großen
Fluchtbewegungen spielen sich nicht in Europa ab“, meint
Schöffl. Laut UNHCR, dem Flüchtlingshochkommissariat
der Vereinten Nationen, befanden sich 2013 weltweit mehr
als 50 Millionen Menschen auf der Flucht – die meisten,
nämlich 33,3 Millionen innerhalb ihres eigenen Landes.
Die übrigen 16,7 Millionen sind völkerrechtlich anerkannte Flüchtlinge. 80 Prozent von ihnen fliehen in Nachbarstaaten und nicht über das Mittelmeer nach Europa.
Abenteuerliche Flüchtlingsrouten
Eine Flucht ist immer das letzte Mittel oder „Notwehr“, wie der Schweizer Flüchtlingskaplan Cornelius
Koch es einmal ausgedrückt hat. Niemand nimmt sie
leichtfertig auf sich. Liest man die spärlichen Berichte von
Flüchtlingen über ihre Erlebnisse auf der Flucht, kann man
ermessen, wie groß der Leidensdruck im Heimatland gewe-
t
Thema
Flucht nach Europa_05
„Wer sein Heimatland verlässt,
tut dies in einer Verzweiflungssituation!“
Pfarrer Hermann Gletter
sen sein muß. Menschen, die fliehen, um politischen Umstürzen und Bürgerkriegen oder politischer Verfolgung zu
entkommen, sind oft mehrere Jahre unterwegs. In Europa
angekommen, sind sie dann jahrelang Asylwerber. Sie legen
hunderte von Kilometern teils zu Fuß, teils mit Autos und
Bussen zurück. Oft werden Frauen von Schleppern und von
Exekutivbeamten, die mit den Menschenhändlern gemeinsame Sache machen, vergewaltigt. Flüchtlinge werden von
rivalisiernden Schlepperbanden gekidnappt oder schutzlos
in der Sahara ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.
Immer wieder werden Flüchtlinge von ihren Schleppern
ausgeraubt. Manche irren jahrelang durch die Wüste, auf
der Suche nach Gelegenheitsjobs, um die Weiterreise zu finanzieren. Es sind traumatische Erlebnisse, über die die
meisten Flüchtlinge aber nicht offen sprechen.
Große Not, trügerische Hoffnung
Die Medien transportieren ein geschöntes Bild von Europa: Frieden, Wohlstand, Sicherheit und allgemein zugängliche Bildungsmöglichkeiten. So werden Illusionen
von einem sorgenfreien Leben erzeugt. Die Realität sieht
anders aus. Zwar müssen Flüchtlinge in Europa keine Existenzängste mehr haben, doch dafür baut sich nun ein Berg
anderer Probleme auf: Sprachbarrieren, eine fremde Kultur,
der Verlust des Ansehens. In sich jahrelang dahinziehenden
Asylverfahren erleben sie häufig, dass ihnen nicht geglaubt
wird. Statt des erhofften Wohlstands werden sie Sozialhilfeempfänger. Wer keinen Schritt ohne einen Dolmetscher
machen kann, fühlt sich hilflos. Darüber hinaus stehen
Flüchtlinge nach den Strapazen der Flucht zumeist vor einem großen Schuldenberg, den sie kaum abzahlen können.
Die Ursache für die Flüchtlingsströme ist aber nicht
der Traum vom „Paradies Europa“, sondern die prekäre Situation in den Herkunftsländern. „Menschen, die ihrem
Heimatland den Rücken kehren, tun das aus Verzweiflungssituationen heraus“, bekräftigt auch der Grazer Pfarrer Herman Glettler, in dessen Gemeinde zahlreiche Flüchtlinge leben. Eine klare Trennlinie zwischen politischen und
sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen könne man nicht ziehen, da die individuellen Beweggründe oft komplex sind.
Wenn irgendwie möglich, versuchen die meisten Menschen, an ihrem Heimatort zu bleiben. „Wenn das gar nicht
mehr geht, oder sie vertrieben werden, versuchen sie zunächst innerhalb der Landesgrenzen zu bleiben. Schon allein wegen der Sprache und des Kulturraums. Erst, wenn es
gar keine andere Möglichkeit mehr gibt, entschließen sie
sich dazu, außer Landes zu gehen. Aber das schaffen ohnehin nur die fittesten. Frauen, Kinder, die wirklich Armen,
haben dazu gar nicht die Kraft oder die finanziellen Mittel“,
erzählt Glettler.
Der „Westen“ ist nicht unschuldig
Der „Westen“ ist an der Notlage in den Herkunftsländern oft nicht unschuldig. Der Kongo beispielsweise könnte angesichts eines ungeheuren Reichtums an Bodenschätzen ein wohlhabendes, florierendes Land sein. Stattdessen
ist er eines der ärmsten Länder der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 56 Jahre. Coltan ist einer der
wesentlichen Gründe, warum das Land nicht zur Ruhe
kommt. Es ist der begehrteste Rohstoff im Land. 80 Prozent des weltweiten Vorkommens dieses Erzes, aus dem das
für die Herstellung von Kondensatoren in Mobiltelefonen
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Asylbewerber in Europa: Verhältnis positiver Entscheidungen zu Ablehnungen (2013)
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missiothek 1403
06_Thema
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Flucht nach Europa
und anderen elektronischen Geräten wichtige Metall Tantal
gewonnen wird, liegen im Ostkongo. In dieser Region geht
auch der bewaffnete Konflikt seit Ende des zweiten Kongokriegs weiter. Die Waffen der Warlords werden zum Teil mit
dem Erlös aus dem Verkauf des Coltanerzes an internationale
Rohstoffhändler finanziert. Westliche Firmen - und letztlich
auch Konsumenten - finanzieren den Krieg also mit.
Die Kirche hilft
In den meisten Krisenregionen und vielen Flüchtlingslagern der Welt ist die Kirche präsent und kennt genau die
Probleme der Menschen in ihren Herkunftsländern. Darüber hinaus arbeitet die Kirche am Aufbau oder Wiederaufbau dieser Länder mit, indem sie Schulen, Berufsausbildungszentren, Spitäler, Waisenhäuser und Traumazentren
betreibt. Und sie setzt, wann immer möglich, Friedensinitiativen. Jüngstes Beispiel ist die wichtige Rolle, die Bischof Eduardo Hiiboro Kussala bei den Friedensverhandlungen im Südsudan spielt. „Die Bischöfe des Südsudan
wählten mich zu ihrem Vertreter bei den Friedensverhandlungen in Addis Abeba. Wir verfolgen die Entstehung und
die Entwicklung dieser Konflikte seit Beginn. Wir wissen
auch ganz genau, welche Maßnahmen in Bezug auf die Justiz, die gerichtliche Verfolgung von Straftätern und für die
Versöhnung in Betracht gezogen werden können.“
Wie kann Europa helfen?
„Die naheliegendste aber gleichzeitig schwierigste Lösung wäre, die Konflikte in den Ursprungsländern in den
Griff zu bekommen, beispielsweise durch eine Intervention
der Europäischen Union“, meint Ruth Schöffl. „Gleichzeitig könnte man die Krisenländer stärker unterstützen, etwa
durch gezielte Investitionen im Bildungsbereich, die Perspektiven für die Menschen vor Ort schaffen.“ Doch das seien längerfristig ansetzende Maßnahmen. Gleichzeitig würde man die Migrationsströme nie völlig unterbinden
können.
Doch auch um die gefährlichen Überfahrten über das
Mittelmeer zu verhindern, könnte die EU mehr tun, etwa
durch das Schaffen von gefahrenfreien, legalen Wegen nach
Europa: indem die Grenzen durchlässiger werden. Es könnte auch nach Konzepten für eine gerechtere Verteilung der
Flüchtlinge innerhalb der EU gesucht werden. Ein gerechter Verteilungsschlüssel, der je nach Bevölkerungszahl und
Wirtschaftskraft festlegt, wie viele Flüchtlinge jeder Mitgliedsstaat aufnehmen soll, würde die Länder an der EUAußengrenze entlasten. Daneben gibt es mittlerweile vereinheitlichte europäische Standards für die Asylverfahren.
Doch bei der Umsetzung gibt es noch einiges zu tun. „In
machen Ländern hat man eine bessere Chance als Flüchtling
anerkannt zu werden als in anderen“, sagt Schöffl.
Bei seinem Besuch auf Lampedusa unterstrich Papst
Franziskus: „Es geht darum, dass wir im Migranten und im
Flüchtling nicht nur ein Problem sehen, das bewältigt wermissiothek 1403
den muss, sondern einen Bruder und eine Schwester, die
aufgenommen, geachtet und geliebt werden müssen.“ Er
sprach damit alle Einwohner Europas an. Die gedankliche
Verbindung vom Verfolgten im Irak zum Aslywerber in
Österreich fällt manchmal schwer. „Die Medien liefern tagtäglich dramatische Bilder von Kriegen und schweren Menschenrechtsverletzungen in unsere Wohnzimmer. Man sieht
Menschen auf der Flucht und hat Mitleid mit ihnen. Doch
sobald sie in unserem Land sind, begreifen die Leute nicht,
dass das derselbe Mensch ist, mit dem sie Mitleid hatten
und für den sie vielleicht sogar gespendet haben. Hier sehen
sie ihn als Fremdkörper, schlimmstenfalls als Bedrohung
an. Deshalb ist es wichtig, die Geschichten der Flüchtlinge
zu erzählen“, sagt Schöffl. <
MISSIOTHEK IN DER PRAXIS
Materialien und Tipps auf missiothek.at
Texte und Multimedia
• Film „Willi im Flüchtlingslager“: Das Leben der Kinder im Flüchtlingslager Dzaleka. •„Im Gespräch“: Ruth Schöffl und Pfarrer Hermann Glettler diskutieren über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen in Österreich. Pädagogische Materialien
• Facts_Flucht.pdf Erklärung der wichtigsten Schlüsselbegriffe.
•
Gründe_Flucht.pdf Warum Menschen fliehen
• Quiz_Flucht.pdf Überprüfe den Wissen über Menschen auf der Flucht.
• Weltkarte_Flucht.pdf Finde auf einen Blick die Hotspots der Fluchtbewegungen.
• Geschichte_Flucht.pdf Flütchtlinge erzählen eine Geschichte.
Gebet und Liturgie
• Liturgie.pdf Das Liturgieheft bietet Vorschläge
für Gemeinde- und Familien-Wortgottesdienste zum Thema Menschen auf der Flucht.
Tipps und Termine
• Missio-Truck: Die multimediale Ausstellung auf Rädern tourt wieder durch Österreich. Termine und Anmeldung: www.missio.at/flucht
• 26. September Der UNHCR lädt zum
„Langen Tag der Flucht“ ein. www.unhcr.at
Thema
t
Flucht nach Europa_07
Am meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien
Auf abenteuerlichen Routen versuchen immer mehr Flüchtlinge
nach Europa zu gelangen. Die meisten Asylwerber kommen aus Syrien
(50.000 Asylbewerber, 12 Prozent), gefolgt von Russland (41.000,
davon sind beinahe alle aus Tschetschenien) und Afghanistan (26.000).
Am meisten Asylwerber in absoluten Zahlen hatten im Jahr 2013
Deutschland, Frankreich und Schweden zu verzeichnen.
Triest
ITALIEN
Marseille
wichtige Meerrouten
wichtige Landrouten
Stationen an der Küste
Stationen im Land
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1000 km
Venedig
FRANKREICH
Migration im
Mittelmeerraum
Istanbul
Rom
GRIECHENLAND
SPANIEN
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Malaga
Algeciras
Almeria
Maghnia
Ghardaïa
Athen
LAMPEDUSA
TUNESIEN
Ankara
TÜRKEI
SYRIEN
Ouargla
Amman
Kairo
ALGERIEN
Sabha
LIBYEN
ÄGYPTEN
von
JEMEN
Tarmanrasset
MAURETANIEN
Tessalit
MALI
Akaba
Ajdabiya
Al-Aiun
WESTSAHARA
IRAK
Beirut
Misurata
Bengasi
Tripolis
KANAREN
Homs
ZYPERN
Gabes
Zuwara
Quida
MAROKKO
MALTA
Tunis
Algier
Melilla
Ceuta
SIZILIEN
Agadez
NIGER
TSCHAD
SUDAN
von
ERITREA/
SOMALIA
Quelle: UNHCR
Frauen und Kinder
Foto: Missio/Projektpartner, Karte: Infochart
leiden ganz besonders unter dem
Krieg in Syrien. Einigen gelingt nicht
einmal die Flucht. Seit Beginn des
Aufstands gegen das syrische Regime
im März 2011 hat ein beispielloses
Blutvergießen das Land erschüttert.
Rund drei Millionen Syrer flohen
ins Ausland, etwa sieben Millionen
sind innerhalb Syriens auf der Flucht.
Die Schwestern vom Guten Hirten
helfen 172 syrischen Familien
Die Zahl der syrischen Flüchtlinge ist in den letzten Jahren, seit
Ausbruch des blutigen Bürgerkriegs, massiv angestiegen. Die
Kirche versucht auch vort Ort zu helfen. Die Kongregation der
Schwestern vom Guten Hirten hat seit 1982 eine Niederlassung
GESCHICHTE
VON BLINDBEISPIEL
in Syrien. Die Schwestern haben in den vergangenen Jahren
besonders den von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern
geholfen und genießen das Vertrauen der Bevölkerung. In der
aktuellen Situation tut die Ordensgemeinschaft ihr Bestes um
den vom Krieg betroffenen Familien beizustehen. Die Schwestern besuchen die Menschen, unterstützen sie psychologisch
und geben ihnen Haushaltswaren, Medizin, Milch für die Kinder
und anderes mehr. Angesichts der um sich greifenden Verarmung steigt der Bedarf an Hilfsgütern täglich. Zurzeit werden
insgesamt 172 christliche Familien in der Umgebung von
Damaskus, Zabadini, Yabrod und Homs von den Schwestern
unterstützt. Nur so können die Christen in Syrien überleben.
missiothek 1403
16_Lehre der
t
Tugenden
Die Tugendethik: Maß (Temperantia)
Das Halten des Maßes – und alles, was zu dieser Tugend gehört, wie
Zucht, Ordnung, Keuschheit – ist in Verruf geraten. Es repräsentiert angeblich
eine auf Leibfeindlichkeit fußende Moral, die alles Lustvolle als dämonisch
brandmarkt. Tatsächlich mag es Verengungen gegeben haben. Doch das ungehemmte Ausleben der eigenen Lust und Triebe führt ins Verderben. Teil 5
Beitrag_STEFAN BEIG
Z
ur Tugendlehre gehört die Mäßigung. Sie betrifft
vor allem die Zügelung unserer Leidenschaften,
unseres Egoismus und unserer Sinnlichkeit. Zucht, Maß, Ordnung, Keuschheit – all das ist ihr
zugeordnet: Begriffe die für die
meisten Ohren heute fürchterlich klingen. Kaum eine Tugend wurde so oft kritisiert wie jene der Mäßigung, repräsentiert sie
doch scheinbar eine
auf Leibfeindlichkeit
fußende, rigide Moral,
die jegliche Sinnenlust zerstört. Gerade
das
Christentum
wurde verdächtigt, einer engen und starren
Sexualmoral Vorschub
zu leisten. Warnende
Worte erhebt der deutsche Philosoph Friedrich
Nietzsche in „Also sprach
Zarathustra“: „Ich beschwöre
euch, meine Brüder, bleibt der
Erde treu und glaubt denen nicht,
welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen
oder nicht.“
Mäßigung ist nicht die erste Kardinaltugend
Tatsächlich hat es in diesem Bereich manche Irrtümer
gegeben – auch unter Christen. Die Mäßigung ist nicht
ohne Grund die vierte, und damit letzte der vier Kardinaltugenden. Klugheit, Gerechtigkeit und Starkmut sind ihr vorgeordnet und geben der Temperantia erst den rechten Platz.
Wer sie zur wichtigsten und entscheidenden, gar zur einzigen Tugend macht, der macht sie zur Karikatur. Gegen solche Verengungen muss mit Recht protestiert werden, denn
erstens meint die Tugend des Maßes nicht die Ausschaltung
von Leidenschaften, sondern deren Formung gemäß unserer
Vernunft. Zweitens ist auch das Eindämmen der Lust kein
missiothek 1403
Selbstzweck. Ein falscher Ehrgeiz ist hier verfänglich, denn
der eigentliche Sinn dieser Tugend ist nicht das Nein zum
Lustvollen, sondern das Ja zum Guten und
Schönen und die Freude daran! Das Zurückdrängen der Leidenschaften ist
kein Selbstzweck, sondern dient
der Formung unserer Leidenschaften, um unser Handeln
auf das Gute zu richten.
Ohne Mäßigung gibt es
nämlich kein moralisches
Leben. Vielleicht wehren
wir uns auch deswegen
gegen ihre Anforderungen, weil ihre Befolgung mitunter anstrengend sein kann.
Doch wer nicht bereit
ist, sich einer Werteinsicht zu unterwerfen, die
seiner unmittelbaren Befriedigung zuwiderläuft,
ist auch nicht zu sittlichem
Handeln fähig.
Ein Wertgefühl bilden
Dass das sinnliche Begehren besonders stark ist, ist nicht verwunderlich, denn
die von ihm ersehnten Handlungen sind oft lebens- ja überlebensnotwendig: Essen, trinken und das Zeugen von Nachwuchs garantieren den Fortbestand der
Menschheit. Deshalb kann das sinnliche Begehren an sich
auch nicht schlecht sein. Nur muss es eben geformt werden!
Leidenschaften erschließen uns Werte, allerdings noch nicht
ihre Rangordnung. Die Heftigkeit der Leidenschaft allein ist
noch kein Kriterium für die Höhe des Werts. Deshalb kann
der Unmäßige höhere Werte nicht erkennen, denn dann
müsste er ihnen den höheren Rang zuerkennen.
Die Tugend der Mäßigung hängt mit der Bildung des
Wertgefühls zusammen. Das Alte Testament kennt viele
Beispiele für Wertstumpfheit. Der hungrige Esau verkauft
Jakob sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht, das ihm
im Augenblick des Hungers erstrebenswerter erscheint. Kö-
Fotos: picturedesk.com (1), Wikimedia Commons (4)
Lehre der
nig David ist von seiner Leidenschaft zu Bethsabe so hingerissen, dass er deren Mann so in den Krieg schickt, dass dieser
mit Sicherheit getötet wird. David war blind für die wahren
Werte – aus maßloser Leidenschaft für eine Frau. Der Tugendhafte wäre nicht blind für die Schönheit Bethsabes, doch
er könnte nicht darauf bestehen, sie um jeden Preis für sich zu
gewinnen. Der Maßlose schreit immer nur laut: „Ich!“. So
wird er notwendigerweise zum Egoisten; seine eigene Perspektive ist ihm wichtiger als die Sache selbst, als das Gemeinwohl, als die übernommene Verantwortung. Doch dabei gerät er in Widerspruch zu sich selbst und zur Wirklichkeit.
Nachdem der englische König Heinrich VIII. aus Liebe zu
Anna Boleyn seine Frau weggeschickt hatte, brachte er aus
vermeintlicher Liebe zur Nächsten Anna Boleyn um.
Freude, nicht nur Lust
Wo nur die äußeren Reize unser Handeln leiten, und
nicht die Einsicht in eine Wertrangordnung, da fehlt auch die
FACTBOX
Die zentralen Punkte des Beitrags
• Weder das hemmungslose Ausleben
unserer Triebe, noch ihr Zurückdrängen
stehen an oberster Stelle der Ethik.
Mäßigung steht im Dienst der Ausrichtung unserer Handlungen auf das
Gute hin. Klugheit, Gerechtigkeit und
Tapferkeit sind ihr vorgeordnet.
t
Tugenden_17
Übereinstimmung mit uns selbst. Wir werden auf diesem
Weg mit der Zeit unglücklich. Nicht ohne Grund unterscheidet die deutsche Sprache zwischen Lust und Freude. Trotz
körperlicher Lustzustände können wir in einer depressiven
Grundstimmung sein, andererseits können wir auch bei physischen Schmerzen intensive Freude erleben, sofern der
Schmerz nicht so intensiv ist, dass er unsere ganze Aufmerksamkeit absorbiert. Die Freude steht offensichtlich höher. Der
Depressive hat nichts vom Lustgewinn, doch wer sich freut, ist
ganz einfach glücklich und muss sich nicht fragen, was er von
seiner Freude hat. Wahre Glückseligkeit ist das Ziel der Ethik.
Auch deshalb kann der Satz „Genieße, was dir gerade Spaß
macht“ nicht zum Leitsatz sittlichen Handelns werden.
Unmäßigkeit vergrößert nicht die Freude an der Lust. Im
Gegenteil. Sie zerstört die „Lust an der Lust“ und führt zur
Frustration. So steigert der Unmäßige das sinnliche Begehren
weiter nach oben auf der verzweifelten Suche nach dem letzten
„Kick“. Doch die Befriedigung bleibt punktuell, das Genießen ist schnell vorbei. So wird man auch unfähig zur dauerhaften Entscheidungen, denn die Sinne sind wankelmütig:
Mal freut uns dies, mal jenes. Der Unmäßige wird blind dafür, was vernünftigerweise zu erhoffen ist: Die Resignation ist
ihm ständig auf den Fersen. Schließlich wird der Unmäßge
auch ungerecht: Er wird untreu, will mehr für sich haben als
er Anderen gönnt, und er wird zunehmend rücksichtslos.
Die Leidenschaften sind nicht an sich schlecht. Doch was
uns Freude macht, sind nicht lauter Augenblicke des Genießens, sondern ein geglücktes Leben. Was das Leben aber ist,
das kann uns nur die Vernunft erschließen. Leidenschaften
erschließen uns Wertqualitäten, aber nicht ihre Rangordnung. Zorn kann zwar gerecht sein, aber auch zu Unrecht verleiten. Darüber hinaus sind Leidenschaften vergänglich, die
Wertqualitäten, die sie uns erschließen, aber nicht. Ungerechte Zustände werden nicht dadurch gerechter, dass der Zorn
über sie schwindet. Wenn wir angesichts all der Schreckensbilder über die Kriegsgreuel in der Welt abstumpfen, so ändert das doch nichts an ihrer entsetzlichen Realität. Leidenschaften stellen uns in einen Zusammenhang zu einem Wert,
aber die freie Antwort darauf, die müssen wir erst finden. Der
Maßvolle, der sich darin einübt, tut mit Leidenschaft das
Gute. Seine Sinne begehren, was vernünftigerweise gut ist. <
• Leidenschaften erschließen uns
FACTBOX UNTERSCHIEDE
Werte, aber noch nicht ihre Rangordnung. Deshalb müssen die
Leidenschaften geformt werden.
• Unmäßigkeit vergrößert nicht die
Freude an der Lust, sondern führt
zur Frustration. Es entsteht ein Prozess
sich steigender Begierde bei
abnehmender Befriedigung.
• Der Maßvolle tut das Gute mit
Leidenschaft.
MISSIOTHEK.AT
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missiothek 1403
20_Missio
t
Thema
Weltmissions-Sonntag im Stephansdom
Fotos: Missio/Beig
Die Vielfalt kirchlicher Gemeinden stellt
einen Reichtum dar. Nicht nur Gottesdienste in verschiedenen Sprachen sind wichtig
und interessant, auch die unterschiedlich
gefeierte Liturgie mit Musik und Liedern
aus verschiedenen kulturellen Traditionen
bereichern das gemeinsam Feiern. Die
Frucht dieser Vielfalt ist ein gemeinsames
Glaubenszeugnis. Das kommt auf
besondere Weise am Weltmissions-Sonntag zum Ausdruck. Gerade an diesem Tag
wird ein Stück Weltkirche erfahrbar.
Opfergaben
Die landestypischen Opfergaben, die
bei einer Eucharistiefeier von den
Gläubigen zum Altar gebracht werden,
sind auch ein Ausdruck kultureller
Vielfalt. Es sind die Früchte der Erde
und der menschlichen Arbeit, die in
Dankbarkeit Gott dargebracht werden.
Geben und Empfangen
Ein jedes Kirchenmitglied kann etwas
Besonderes in die Liturgie einbringen.
Es geht um den Austausch und um
gegenseitige Rücksichtsnahme. Nur zu
empfangen ohne selbst Rücksicht zu
nehmen, wäre falsch. Es wäre das Ende
jeder weltkirchlichen Gemeinschaft. Je
größer die Vielfalt, desto mehr müssen
auch Rücksichtnahme und der gegenseitige Respekt wachsen. Auf diese Weise wird
schließlich auch die Gemeinschaft reifer.
MISSIOTHEK.AT
MISSIOTHEK IN DER PRAXIS
TIPPS ZUM NACHLESEN:
•
Kulturelle_Identität_im_Christentum.pdf
Die unterschiedlichen Modelle der Inkulturation.
Heimat_in_Jesus_Christus.pdf
•Erga_migrantes_caritas_Christi.pdf
Bibelarbeit zu Jesaia 11,1-16
•
Symbole_und_Traditionen.pdf
Die Instruktion bietet Hilfestellungen für die pastorale Arbeit.
•
Ordensnachrichten 2006/5 - Heimat Kirche
Eine Nachlese zur Missionsstudien-
tagung der Superiorenkonferenz.
•
• Exklusiv online:
Materialien zum Arbeitsblatt zu unterschiedlichen Thema:
christlichen Symbolen und ihren www.missiothek.at
Bedeutungen.
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Missio
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Thema_21
Zuflucht Kirche – Heimat für Flüchtlinge und Migranten
Flüchtlinge sprechen oft nicht Deutsch. Anschluss finden sie deshalb
meist in den anderssprachigen Gemeinden. Die Erzdiözese Wien hat
die österreichweit größte Anzahl anderssprachiger Gemeinden und das
am weitesten entwickelte Netzwerk. Viele Diözesen in Europa schauen
auf Wien. Doch für ein gelebtes Miteinander muss noch viel getan werden.
Text_ALEXANDER KRALJIC
I
nwiefern kann die Kirche in Österreich zur Heimat für Flüchtlinge werden? Das ist die große
Herausforderung, der wir uns in
den anderssprachigen Gemeinden in
Wien gestellt haben.
Flüchtlinge und Migranten finden
meist in den anderssprachigen Gemeinden Anschluss. Oft können sie
noch nicht gut genug Deutsch, um in
ihrer Wohnpfarre Anschluss zu finden.
Auch von ihrer kulturellen Prägung
und von ihrer Lebensgeschichte her haben sie oft Hemmungen hinzugehen.
Es heißt zwar, dass jeder willkommen
sei, aber tatsächlich sind die Schwellen
meist ziemlich hoch, und man findet
als Fremder schwer Zugang zu einer
Gemeinde.
Deshalb gibt es in Wien die anderssprachigen Gemeinden. Sie sind
ein Angebot für die Menschen, die
nach wie vor in der Kultur und Tradition ihres Herkunftslandes beheimatet
sind. Diese Gemeinden haben eine
wichtige Brückenfunktion für die Integration. Sie sind ein Teil der Kirche in
Österreich, zugleich stehen sie aber in
der Tradition der Herkunftsländer und
können deshalb eine wichtige Vermittlungsrolle spielen.
Ein französischsprachiger Afrikaner findet zum Beispiel in der französichsprachigen afrikanischen Gemeinde ein Stück Heimat wieder. Sie ist für
ihn ein Ruhepol, weil er hier in seiner
Muttersprache beten, singen und zumindest einmal in der Woche Menschen aus seinem Kulturkreis treffen
kann. In den Gemeinden werden Informationen ausgetauscht: Wie funktioniert die Sozialversicherung? Was passiert, wenn ich krank bin? Wie melde
ich meine Kinder im Kindergarten
oder in der Schule an? Es gibt Selbsthilfegruppen, die versuchen, einen
Deutschkurs auf die Beine zu stellen.
Herausforderungen der Eltern
Eltern, die aus einem ganz anderen Kulturkreis kommen, wissen oft
nicht, wie sie mit den Problemen ihrer
Kinder umgehen sollen, wenn diese in
die Pubertät kommen und hier ein
ganz anderes Angebot vorfinden als in
ihren Herkunftsländern. Hier kann
eine wesentliche Hilfe geleistet werden. In den Gemeinden gibt es schließlich auch viele, die mit Österreichern
verheiratet sind und daher in einer Verbindung zur Ortskirche leben. Das ist
auch sehr wichtig.
HINTERGRUNDINFORMATION
• 1982 gründete der damalige Wiener
Weihbischof Florian Kuntner gemeinsam
mit dem Leiter des Afroasiatischen
Instituts, Petrus Bsteh, die „Arbeitsgemeinschaft der Gemeinden
aus Afrika und Asien“ (ARGE AAG).
• 1985 schloss sich auch die junge
Lateinamerikanische Gemeinde der
Bei Migranten und speziell bei
Flüchtlingen muss man in religiöser
Hinsicht zwei Gruppen unterscheiden.
Da sind zum einen jene, die sich schon
zu Hause der Kirche verbunden gefühlt haben, und dann die anderen, die
erst im Rahmen ihrer Flucht beziehungsweise ihrer Zuwanderung nach
Österreich mit der Kirche in Kontakt
gekommen sind.
Gefahr der Abkapselung
Bei der ersten Gruppe handelt es
sich vielfach um Christen, die in ihrer
Heimat als Minderheit lebten, weshalb
die Kirche auch eine ganz wichtige
Rolle für ihre Identität spielt. Wenn sie
dann nach Europa kommen, stellen sie
fest, dass hier die Dinge oft ganz anders funktionieren als zu Hause. Sie
sind meist schockiert, dass die Christen
hier, wo sie alle Freiheiten hätten, diese
gar nicht in Anspruch nehmen und
sich gegenüber ihrem Glauben distanziert verhalten. Die einheimischen
Christen sind hier gefordert, den
Flüchtlingen und Migranten zu zeigen,
dass sie engagierte Christen sind, dass
es aber in Österreich auch andere Formen und Wege gibt, sein Christsein zu
leben. Sonst besteht die Gefahr, dass
ARGE an, die im selben Jahr auch
zum Rektorat erhoben wurde.
• Die ARGE bietet Räume, wo Christen
aus Afrika, Asien oder Lateinamerika
ihre Sprache und Kultur pflegen
können. Sie bildet auch eine Brücke
zu österreichischen Gemeinden.
• Die ARGE ist im „Referat für Anderssprachige Gemeinden“ der Erzdiözese
Wien verankert, die seit 2006 von
Weihbischof Franz Scharl geleitet wird.
Alexander Kraljic
geboren 1968, hat
Theologie und
Orientalitstik studiert.
Er ist Generalsekretär
der ARGE AAG und
ist Vortragender bei
den „Theologischen
Kursen“ der
Erzdiözese Wien.
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konkret
Jugendaktion 2014
Die Päpstlichen Missionswerke und die Katholische Jugend Österreich
unterstützen gemeinsam Jugend-Projekte in den Ländern des Südens.
Ab Oktober, also im Monat der Weltmission wird mit Hilfe von „fairen“
Schoko-Pralinen und Bio-Studentenfutter für die Jugendaktion gesammelt.
Text_MARIE CZERNIN
N
naschen mit FAIRstand:
Am 1. Oktober 2014,
zum Beginn des Monats
der Weltmission, startet
die Jugendaktion 2014. Auch dieses
Jahr werden Jugendliche fair gehandelte Schokopralinen und knuspriges Studentenfutter - ein Knabbermix aus gerösteten
Sojabohnen,
Nüssen,
getrockneten Äpfeln und Cranberries
- gegen eine Mindestspende vor Kirchen, Schulen und anderen öffentlichen
Einrichtungen anbieten.
Fairer Handel durch faire Preise
Bei der Jugendaktion, die Missio gemeinsam mit der Katholischen
Jugend Österreich (KJ) durchführt,
engagieren sich tausende österreichische Jugendliche in Pfarren, Bewegungen und Schulen für junge Menschen
in den Ländern des Südens. Mit einer
Mindestspende für das Studentenfutter
und die Pralinen werden Kleinproduzenten in den Ländern des Südens unterstützt. Für die Rohstoffe, die sie zur
Herstellung der Produkte verwenden,
erhalten sie faire Preise, die unabhängig von den Weltmarktpreisen sind.
MISSIOTHEK.AT
• Exklusiv Online:
Die Website
www.jugendaktion.at
bietet eine Fülle an
Materialien und
Informationen zur
Jugendaktion 2013.
missiothek 1403
UNTERSTÜTZUNGSVORSCHLÄGE
JUGENDAKTION
WIE SIE HELFEN KÖNNEN:
• Bestellen Sie die fair gehandelten
Produkte sowie Plakate, Info-Zettel und
Sticker (ab September über die Website
erhältlich).
• Legen Sie einen Zeitraum für ihre
Jugendaktions-Tage fest.
Die Jugendaktion hilft doppelt: Einerseits werden die Kleinproduzenten und
der faire Handel unterstützt, wodurch
auch faire Löhne garantiert werden.
Andererseits werden durch die Jugendaktion auch Jugendprojekte in den
Ländern des Südens unterstützt.
Der Reinerlös kommt diesmal
Jugendprojekten in Burundi, im Kongo, in Haiti und in Myanmar (Burma)
sowie dem Projekt „Faire KJ“ zugute.
Bei dem Projekt der Katholischen Jugend Österreich geht es um die Themen
„Nachhaltigkeit“ und „Faire Arbeit“.
Im Kongo unterstützt die Jugendaktion ledige Studentinnen aus
armen Verhältnissen, die während ihres Studiums schwanger geworden sind
und deshalb von ihrer Familie ausgestoßen wurden. Sie sollen während der
Schwangerschaft und auch nach der
Entbindung begleitet werden. In Burundi hingegen werden in einem Transitcamp von Rutana neue Klassenräume für junge Flüchtlinge aus Tansania
errichtet. Auch die lokale Bevölkerung
und die Familien aus dem Camp beteiligen sich daran. Weitere Informationen auf: jugendaktion.at <
• Machen Sie Werbung für ihre
Jugendaktion in der Schulzeitung,
dem Pfarrbrief etc.
• Stellen Sie einen Aktionsstand in
Schule oder Pfarre auf, und bieten Sie
die Produkte gegen eine Mindestspende an. Informieren Sie über die Projekte.
• Überweisen Sie die Spenden bitte
bis zum 15. November an Missio.
Missio
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Kinderaktion 2014
Österreichische Kinder unterstützen „Kinder auf der Flucht“.
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Fotos: Missio/Beig
lüchtlingskinder sind in ihrer
Seele oft tief verletzt. Sie können sich nicht wehren, wenn
sie von Erwachsenen ausgebeutet und in ihrer Würde verletzt
werden. Sie sind die verwundbarsten
Mitglieder der Gesellschaft. Darum
möchte das Kindermissionswerk von
Missio mit der diesjährigen Kinderaktion vor allem „Kinder auf der Flucht“
unterstützen, die am meisten unter
Krieg und Verfolgung leiden. In der
Grenzregion zwischen Thailand und
Myanmar (Burma), nahe dem Flüchtlingscamp Mae Sot, leben viele burmesische Flüchtlingsfamilien in gesetzlicher Illegalität. Missio unterstützt dort
das Projekt von Sr. Marcela, die Kinder
vor sexueller Ausbeutung schützt und
dafür sorgt, dass sie nicht in die Hände
von Menschenhändlern fallen. Bei ihr
erhalten die Flüchtlingskinder Katechismusunterricht und eine handwerkliche Ausbildung.
Foto: Alexa Künsberg
In der Seele tief verletzte
Kinder
Um die Unterstützung traumatisierter Flüchtlingskinder geht es auch
in Ruanda, wo tausende Kinder im
Flüchtlingscamp von Kigeme leben.
Die meisten von ihnen stammen aus
dem Osten des Kongo, wo seit Jahrzehnten ein blutiger Bürgerkrieg
herrscht. Viele von ihnen haben ihre
Eltern verloren und müssen sich seither
selbst durchs Leben schlagen.
Durch die diesjährige Kinderaktion unterstützt Missio neben den burmesischen Flüchtlingskindern auch die
seelisch verwundeten Kinder von Kigeme. Österreichische Kinder können
in den Schulen eine Aktion starten,
durch die sie Spenden für die Flüchtlingskinder aquirieren. Anregungen
dafür sind in der aktuellen Ausgabe
von „On Mission“ zu finden. Durch die
Hilfsaktion eröffnet sich für die Flüchtlingskinder eine neue Perspektive. Sie
erfahren, dass Kinder aus Österreich
sie nicht vergessen haben und werden
dadurch in ihrer Würde gestärkt. Im
Flüchtlingscamp engagieren sich vor
allem Priester und Katechistinnen,
die unter den Kindern die Liebe Gottes erfahrbar machen. <
IMPRESSUM
HERAUSGEBER UND MEDIENINHABER:
Missio – Päpstliche Missionswerke
REDAKTION: Mag. Monika Schwarzer,
Mag. Stephan Beig, Mag. Bernhard Rindt,
Mag. Marie Czernin, Philipp Langmann.
ALLE: Seilerstätte 12/1, 1010 Wien.
GRAFIK: Petra Kuchenbecker, komma2
HERSTELLUNG: Print-On.at (Druck),
media2print GmbH (Repro)
DRUCKKOSTENBEITRAG: EUR 10,– jährlich
ERSCHEINUNGSWEISE: Vier Mal jährlich
OFFENLEGUNG IM SINNE DES
MEDIENGESETZES: MISSIOTHEK ist ein
Praxisheft für Schule und Pfarre und wird
von den Päpstlichen Missionswerken
in Österreich herausgegeben.
Ziel: Information und Bewusstseinsbildung über Fragen der Mission und
Weltkirche.
Österreichische Post AG/Sponsoring Post
GZ02Z030162S 11/14
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Zu irche
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Österreichische Post AG/Sponsoring Post GZ 02Z030162S 11/14
Sollte sich Ihre Adresse geändert haben oder unvollständig sein,
dann teilen Sie uns dies bitte telefonisch, per Fax, E-Mail oder auf
dem Postweg mit, damit wir Sie auch in Zukunft erreichen können!
Empfänger:
MS
WMS
.at/W
o
i
s
s
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w.m
ww
19. Oktober
2014
Am 19. Oktober ist Weltmissions-Sonntag –
Die größte Solidaritätsaktion der Welt:
Eine Milliarde Katholiken weltweit sammeln und beten am
19. Oktober für den Aufbau der Kirche in den Ländern
des Südens. Die „Missio-Sammlung“ sichert die materielle
Grundversorgung der 1.100 ärmsten Diözesen in Afrika,
Asien und Lateinamerika.
Die neue Kirchen-Spendenbox zum selber Basteln! Eltern
und Kinder können so gemeinsam für den Aufbau der
Kirche sammeln: z.B. täglich einen kleinen Betrag einwerfen
und ein Vaterunser beten. Die Kirchen-Spendenbox
erhalten Sie in bei Missio! Bestellungen bitte bei
Missio, Seilerstätte 12/1, 1010 Wien
oder per E-Mail: bestellung@missio.at
Weitere Informationen unter www.missio.at/WMS
Foto: © Juan Carlos Tomasi
Familien für die Weltkirche
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Seele and Geist
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