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Agrarwirtschaftliches Profil Namibia

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15. Dezember 2014
- Zahlen, Daten, Fakten Agrar- und allgemeinwirtschaftliches Profil Namibias
1. Allgemeine Kennwerte
Ländername:
Republik Namibia
Hauptstadt:
Windhuk, ca. 325 000 Einwohner
Größe des Landes:
824.292 km²
Bevölkerung:
ca. 2,3 Millionen Einwohner (2013), Bevölkerungsdichte:
rund 2,6 Einwohner pro Quadratkilometer, Bevölkerungswachstum 1,9 Prozent
Währung:
Namibia Dollar (N$)
Landessprachen:
offizielle Amtssprache: Englisch; sonstige Sprachen: Afrikaans, Oshivambo, Otjiherero, Nama, Damara, Deutsch
Religion:
ca. 87 Prozent Christen, davon rund 80 Prozent Protestanten und rund 20 Prozent Katholiken; Rest traditionelle
afrikanische Religionen
Nationalfeiertag:
21. März (Unabhängigkeitstag)
Staats-/Regierungsform:
Präsidialdemokratie
Staatsoberhaupt und
Regierungschef:
Staatspräsident Hifikepunye Pohamba (Amtsantritt
21.03.2005, Beginn 2. Amtsperiode 21.03.2010)
Minister für Landwirtschaft:
John Mutorwa
Minister für Land und Umsiedlung: Alpheus !Naruseb
Geographie:
Namibia liegt im Trockengürtel südlich des Äquators im Südwesten Afrikas. Im Norden
grenzt das Land an Angola, im Nordosten (Caprivi-Zipfel) an Sambia, im Osten an Botswana sowie im Süden an Südafrika. Im Westen Namibias liegt der Atlantik. Das Land lässt
sich von West nach Ost in verschiedene Naturräume untergliedern.
Der westliche Küstenstreifen erstreckt sich über eine Länge von 1.500 km und ist maximal 140 km breit. Hier liegt die Trockenwüste Namib. Der aus der Antarktis kommende,
kalte Bengulastrom bedingt das vornehmlich trockene und aride Klima der Küstenregion.
Im Norden befindet sich die extrem trockene Skelettküste, die zur Namib gehört. Die Küste
besitzt kaum Buchten (Lüderitz, Walvis Bay und Cape Fria) und nur wenige Inseln (Pinguininseln).
Richtung Landesinnere steigt die Küstenregion langsam bis zu einer Höhe von 600 Metern
an. An der Großen Randstufe ist dann ein starker Anstieg auf bis zu 2000m Höhe zu verzeichnen. Bei einer Breite von 80 bis 130 Kilometern weist die Randstufe eine Länge von
etwa 2.000 Kilometern auf. In Zentralnamibia ist die Randstufe erodiert und wird durch eine kontinuierlich ansteigende Ebene ersetzt (Randstufenlücke).
Östlich der Großen Randstufe liegt das Binnenhochland Namibias. Es erreicht eine Höhe
von 1.000 bis 2.000 Metern. Im nördlichen Teil durchziehen breite und relativ fruchtbare
Täler das Hochland. In der zentralen Region Khomas befinden sich die bis zu 2.400 Meter
hohen Eros- und Auasberge und die Hauptstadt Windhuk. Im Süden des Landes fällt der
Höhenspiegel – das Hochland wird zu einer flachen Landschaft. Hier liegen die großen
Karasberge. Im Osten schließt sich das semi-aride Kalahari-Becken an. Im äußersten
Nordosten zieht sich der wechselfeuchte Caprivi-Zipfel zwischen Botswana und Angola bis
zur Grenze Sambias. Dessen feuchtes und regenreiches Klima hebt sich vom trockenen
Rest Namibias ab und beherbergt eine reiche Tier- und Pflanzenwelt.
Der höchste Berg Namibias ist der Brandberg (2.574 Meter), welcher in der zentralen Küstenregion Erongo gelegen ist. Der zweithöchste Berggipfel ist der Moltkeblick in der Auasbergkette mit 2.480 Meter Höhe, gefolgt vom Mount Etjo bei Otjiwarongo mit 2.086 Metern.
Die Flüsse im Landesinneren führen nur nach starken Regenfällen Wasser, während sich
die Dauerflüsse Namibias in den Grenzregionen befinden. So bilden die Dauerflüsse
Kunune und Okavango die Nordgrenze Namibias zu Angola, der Sambesi zu Sambia und
der Oranje die Südgrenze zu Südafrika.
Klima:
Namibia ist mit seinem extrem heißen, wasserarmen Klima das trockenste Land südlich
der Sahara. Die Sonnenintensität ist das gesamte Jahr über sehr hoch, es gibt etwa 300
Sonnentage im Jahr.
Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind sehr groß. In den Wintermonaten Juli und August können die Temperaturen nachts unter dem Gefrierpunkt liegen, während tagsüber bis zu 25°C erreicht werden. Im Binnenhochland kann es sogar zu Frost
kommen. In ganz seltenen Fällen fällt hier Schnee, der allerdings nicht liegen bleibt. In den
heißen Sommermonaten von Dezember bis Januar herrschen tagsüber Temperaturen von
bis zu 40°C, in der Namib sogar bis zu 48°C.
Die Niederschläge sind deutlich geringer als die Verdunstungsmengen und liegen durchschnittlich bei etwa 250 mm im Jahr. Nur der wechselfeuchte Caprivi-Zipfel verzeichnet
hohe Niederschlagsmengen von bis zu 650 mm. Der gesamte Regen fällt fast ausschließlich in den Sommermonaten von November bis März.
2
Die Niederschlagsmengen nehmen von Nordosten nach Südwesten ab. Durch die Passatwinde des Ostpassats verlieren die Niederschläge auf ihrem Weg in den Westen schon
über Südafrika einen Großteil ihrer Wassermengen. Während über der Kalahari noch vergleichsweise hohe Niederschlagsmengen fallen, nehmen diese über dem Binnenhochland
stark ab. Dadurch bekommt die Wüste Namib fast keinen Regen mehr ab.
Umwelt:
Namibia ist das erste Land der Welt, welches Naturschutz in der Verfassung verankert hat
(Art. 95). Etwa 17% der Landesfläche (138.164 km²), darunter die gesamte Küstenregion,
stehen als Nationalparks und Naturschutzgebiete unter staatlichem Schutz und werden
vom Ministerium für Umwelt und Tourismus (MET) verwaltet. Zählt man hierzu private
(6,1%) und kommunale Reservate (18%) sowie kommunale Wälder (1,3%), so stehen etwa 42% der namibischen Landesfläche unter Schutz. Hinzu kommen 12.000 km² maritimes Naturschutzgebiet vor der Küste.
Zwar begann bereits 1972 der aktive Schutz von bedrohten Tierarten mit der Deklarierung
des Waterberg Plateau Parks zum Naturschutzgebiet. In den 70er und 80er Jahren nahm
jedoch landesweit die Wilderei v.a. von Nashörnern bedrohliche Ausmaße an; die Bestände wurden um ca. 95% dezimiert. Als Reaktion wurde zu Beginn der 80er Jahre eine erfolgreiche Schutzinitiative ins Leben gerufen. Nashörner wurden enthornt und Wilderei
streng geahndet, sodass Namibias Population an Nashörner heute wieder ansteigt (ca.
1750 schwarze, 469 weiße).
Nach Erlangung der Unabhängigkeit 1990 verstärkte Namibia seine Schutzbemühungen.
So wurde 1996 ein Community Based Natural Resource Management (CBNRM) Programm zum Schutz der Wildtierbestände lanciert. Dieses ermöglicht es Kommunen, eigene Naturschutzgebiete zu verwalten. Dadurch wurden ehemalige Wilderer in die Schutzverantwortung miteinbezogen, gleichzeitig wurden touristische Einnahmequellen für ländliche Gebiete erschlossen.
International setzt sich Namibia für einen effektiven Umwelt- und Ressourcenschutz ein.
So richtete Namibia im September 2013 die 11. Vertragsstaatenkonferenz der UN Desertifikationskonvention (UNCCD) in Windhuk aus. Die deutsch-namibische EZ greift das
Thema in vielfältiger Weise auf und unterstützt die Partnerregierung bei einer nachhaltigen
Nutzung der natürlichen Ressourcen im Bereich Biodiversität und Tourismus.
Wirtschaft:
Namibia zählt mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 5.670 US-Dollar gemäß
Weltbank-Klassifizierung zur Gruppe der "Länder mit oberem mittlerem Einkommen". Das
Wirtschaftswachstum sank seit 2010 von 6,3% auf 4,2% für 2013. Das Volkseinkommen
ist sehr ungleich verteilt (Gini-Koeffizient von rund 0,58). Im Jahr 2010 lebten 23,5% der
3
Bevölkerung unter der absoluten Armutsschwelle von 1,25 US$/Tag (Weltbank). Die
Arbeitslosigkeit liegt nach neuesten Erhebungen bei etwa 29.6%.
Die wichtigsten Wirtschaftssektoren Namibias sind Bergbau, Landwirtschaft, Fischerei und
der Dienstleistungssektor, insbesondere Tourismus. Das Land verfügt über einen großen
Reichtum an Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Kupfer, Zink), Fisch- und Viehbeständen
sowie mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für Touristen. Der
Dienstleistungssektor trägt mit 63,6% am stärksten zum BIP bei, gefolgt vom
produzierenden Gewerbe mit 29,6%. Lediglich 7,1% des BIP gehen auf den
Landwirtschaftssektor zurück. Eine besondere Bedeutung kommt dem Bergbausektor zu,
der zu 11,5% zum BIP beiträgt.
Stärken der namibischen Wirtschaft sind die solide Geld- und Fiskalpolitik (1:1
Währungsbindung an den südafrikanischen Rand), ein hohes Maß politischer Stabilität
und Rechtssicherheit sowie eine gut entwickelte Infrastruktur (Telekommunikation,
Verkehrswege, Seeanbindung). Als Schwächen erscheinen vor allem die fehlende
berufliche Qualifikation breiter Bevölkerungsschichten und das leistungsschwache
Bildungssystem, daneben die hohe HIV/AIDS-Prävalenzrate sowie die hohen
Transportkosten (großflächiger Binnenmarkt, kleine Zahl kaufkräftiger Marktteilnehmer).
Administrative Engpässe bei der Erteilung von Arbeitsgenehmigungen erschweren den
Einsatz ausländischer Fachkräfte.
Das größte Problem bildet jedoch die künftige Absicherung der Energieversorgung des
Landes. Bereits jetzt werden 60% des Energiebedarfs durch Importe gedeckt. Die
fortschreitende Industrialisierung des Landes geht mit einem wachsenden Strombedarf
einher, der bisher nur durch zusätzliche Importe bedient werden kann. Langfristig soll der
Bau des sog. Kudu-Gas-Kraftwerks bei Oranjemund die Energieautonomie des Landes
sicherstellen. Gleichzeitig soll das enorme Potential alternativer Energiequellen (Wind- und
Solarstrom sowie Biomasse) verstärkt gefördert werden.
Allgemeine ökonomische Kennwerte
2009
2010
2011
BIP (nominal, Mrd. €)
6.3
8.4
8.9
10.4
9.5
BIP-Wachstum (jährlich %)
-1,5
6,6
6,0
6,7
4,4
Inflationsrate (BIP-Deflator %)
8,8
4,5
5,0
6,5
5,6
Quelle: European Commission, Directorate-General for Trade, September 2014
4
2012
2013
2. Agrarwirtschaftliche Daten
2.1) Überblick
Aufgrund der klimatischen Bedingungen werden nur rund 47,1% der Gesamtfläche Namibias als landwirtschaftlich nutzbar klassifiziert. Dabei ist das landwirtschaftliche Potential
Namibias aufgrund größtenteils geringer Bodenqualität vorrangig auf Viehwirtschaft beschränkt (ausgenommen Bewässerungsprojekte). Lediglich 1-2% des Staatsgebiets eignet
sich für Ackerbau, so die nordöstlichen und zentralen nördlichen Gebiete. Dafür besitzt
das Land reichhaltige Fischgründe, welche es nach eigenen Angaben zu einer der fünf
führenden Fischereinationen weltweit machen.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Agrarwirtschaft ist eher gering. So betrug der Anteil der
Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt 2012 lediglich 7,1% (580 Mio. US$). Trotzdem
sind etwa 27,4% der erwerbstätigen Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt (2012), davon
wiederum ein Großteil in Subsistenzwirtschaft. Entsprechend zentral ist die Bedeutung des
Sektors für die Entwicklung des Landes.
Neben der Subsistenzwirtschaft existieren auch kleine (Familien-)Betriebe, die hauptsächlich Perlhirse anbauen, sowie kommerzielle Großfarmen. Letztere sind besonders im sogenannten Mais-Dreieck Otavi–Grootfontein–Tsumeb vertreten. Aufgrund des Kapitalmangels der Kleinstbetriebe wirtschaften diese hauptsächlich extensiv (geringer Einsatz von
Pestiziden und Düngemitteln), wodurch die Erträge im Vergleich zu den intensiv geführten
Großfarmen geringer ausfallen.
Aufgrund der schwierigen klimatischen und geographischen Bedingungen kann Namibia
seine Eigenversorgung nicht selbst sicherstellen, sondern ist auf Importe angewiesen und
damit unmittelbar von den Weltmarktpreisen abhängig. Dies kann teilweise durch die weit
verbreitete Subsistenzwirtschaft abgefangen werden, da dieser Teil der Bevölkerung nicht
voll auf Zukäufe angewiesen ist. Durch gezielte Maßnahmen konnte die Produktion pflanzlicher Agrarprodukte in den letzten Jahren dennoch gesteigert werden. Die Fleischproduktion hingegen ist rückläufig, da zahlreiche Farmer die Viehzucht aufgeben und sich vermehrt dem lukrativeren Tourismus zuwenden.
2.2) Agrarproduktion
Landwirtschaftliche Flächen
Gesamtfläche von Namibia 82.4 Mio. ha
Landwirtschaftliche
Nutzfläche
38,73 Mio. ha
(47,1% der Gesamtfläche)
Ackerfläche
ca. 0,8 – 1,6 Mio. ha
Viehwirtschaft
ca. 37,1 - 37,9 Mio. ha
Waldfläche
7,4 Mio. ha
5
Ackerbau/Dauerkulturen:
Landwirtschaftliche Produktion (in Tonnen)
2011
2012
2013
Wurzel- und
Knollengewächse
344.569
338.000
350.000
Mais
53.800
87.600
43.000
Hirse
42.000
56.000
33.000
Trauben
22.000
23.000
k.A.
Gemüse
18.500
20.000
k.A.
Kartoffeln
13.000
13.500
13.000
Weizen
16.300
14.500
14.000
Sorghum
4.900
7.700
7.000
Quelle: FAO statistics, September 2014
Viehwirtschaft:
Landwirtschaftliche Produktion (in 1000 Stück)
2011
2012
2013
Geflügel
5.250
5.300
5.350
Schafe
2.850
2.900
2.930
Rinder
2.350
2.360
2.370
Ziegen
2.150
2.200
2.235
Schweine
70
72
72
Pferde
47
48
48
Quelle: FAO statistics, Semptember 2014
2.3) Eigentumsstruktur und Landreform
Bodenpolitik und Landreform sind in Namibia politisch hochsensible Themen. Die rund
4.000 kommerziell betriebenen und wirtschaftlich erfolgreichen Großfarmen des Landes
befinden sich vor allem in Hand weißer Farmer und Kapitalgesellschaften. Kommunales
Farmland dagegen wird von Kleinbauern bewirtschaftet, die damit hauptsächlich den Lebensunterhalt ihrer Familien bestreiten (Subsistenzwirtschaft).
6
Die Landreform soll gleichberechtigten Zugang zu Land sicherstellen und schwarze Farmer, die unter der Apartheid benachteiligt oder vertrieben wurden, bei der Landwirtschaft
unterstützen.
Hierzu dienen vor allem zwei Instrumente. Auf Grundlage des 1992 verabschiedeten „Affirmative Action Loan Scheme“ (AALS) werden schwarze Namibier mit verbilligten Krediten
unterstützt, sodass sie selbst Land erwerben können. Zusätzlich ermöglicht seit 1995 die
„National Resettlement Policy“ dem Staat, selbst Farmen zu kaufen und zur Umverteilung
anzubieten (Vorkaufsrecht).
Mangelndes land- und betriebswirtschaftliches Know-how der Neufarmer und unzureichendes Kapital bedrohen jedoch die Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Viele Betriebe
werden mit Zusatzeinkommen oder Pensionen querfinanziert. Die Regierung hat dies erkannt und versucht – mit Unterstützung ihrer Entwicklungspartner – das Thema der Wirtschaftlichkeit, Ernährungssicherheit und Armutsreduzierung stärker in den Fokus zu rücken. Es mangelt jedoch an regierungsinterner, sektorübergreifender Kooperation und Koordination.
Die Produktivität auf den umverteilten Flächen ist daher teils rapide gesunken. Zusätzlich
haben die Erfolge der Landreform den ohnehin stattfindenden Preisanstieg von Agrarflächen verstärkt. Dies behindert die Umverteilung: Neufarmer benötigen höhere Kredite, und
mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kann die Regierung weniger Land kaufen als zuvor.
Bisher jedoch wird die Landreform von einer breiten politischen Mehrheit getragen. In ihren Zielen und ihrer Umsetzung genügt sie weitgehend internationalen Standards: Die
Landreform beinhaltet definierte Ziele, es besteht Planungssicherheit sowie Rechtsstaatlichkeit und Freiwilligkeit bei gerechter Kompensation ("willing buyer/ willing seller"). Enteignungen sind kein Mittel der Reform, zumal frühere Enteignungsversuche allesamt vor
Gericht scheiterten. Allerdings wurde das Vorkaufsrecht des Staates deutlich ausgeweitet,
um auf die unverhältnismäßig steigenden Landpreise zu reagieren.
Auch Dank der deutschen Entwicklungszusammenarbeit konnte das Ziel, bis 2020 15 Mio.
ha Farmland umzuverteilen, bereits zu 50% erreicht werden. Nach Angabe der Farmervereinigung „Namibia Agricultural Union (NAU)“ wurden sogar bereits rund 9,5 Mio. ha
Agrarland umverteilt. Damit sind im Zuge der Reform ca. 5.000-6.000 Haushalte zu Landbesitz gekommen.
2.3) Versorgungssicherheit
Aufgrund klimatischer Bedingungen kann Namibia seinen Bedarf an Lebensmitteln nur
teilweise aus eigener Kraft decken. Die Ernteerträge unterliegen starken Schwankungen.
Je nach Wetterlage können 35% - 70% der benötigten Nahrungsmittel selbst produziert
werden.
7
Beispiele für die Anfälligkeit der namibischen Landwirtschaft für Naturextreme sind die
Jahre 2010/2011 und 2012/2013. Während die Regenfälle 2010/2011 große Teile der Ernte vernichteten und Vieh in den darauffolgenden Fluten zu Tode kam, blieben die Ernteerträge 2012/2013 zu großen Teilen aufgrund von Dürre aus. Zahlreiche Farmen mussten
ihren Betrieb einstellen und erlitten daher große Einbußen. Zudem verringerten fast alle
Farmer ihre Herdengrößen, um auf das geringe Futterangebot zu reagieren. Dies wiederum führte zu einem Überangebot an Fleisch, sodass die Fleischpreise zusammenbrachen
und sich die wirtschaftlichen Probleme der Farmer verschärften.
Als Folge der Dürrekrise 2013 hat sich die Anzahl der von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen von 330.300 (Mai 2013) auf 463.600 (Mai 2014) erhöht (WFP, FAO).
Dies macht ca. 20% der Bevölkerung aus. Um die Krise aufzufangen, wurden die Maisimporte aus Südafrika verdoppelt. Im Wirtschaftsjahr 2014/2015 wird jedoch mit einer Erholung gerechnet. Die Getreideproduktion verzeichnet einen enormen Anstieg (Mais: ca.
70%, Hirse: 48%); auch die Lage der Viehwirtschaft verbessert sich.
Durch anhaltende staatliche Hilfen konnte zudem der landwirtschaftliche Ertrag stetig erhöht werden. Auch Projekte wie das „Market Share Promotion Programme“ führten zu einer zunehmenden Substitution südafrikanischer Importprodukte. Dennoch wird nach wie
vor der Großteil aller Waren von oder über Südafrika bezogen. Langfristiges politisches
Ziel ist ein höherer Selbstversorgungsgrad für Nahrungsmittel.
2.4) Fischereiwirtschaft
Namibia gehört zu den größten Fischereinationen weltweit. Die 200 Seemeilen breite Wirtschaftszone des namibischen Küstenraums wird vom Bengulastrom durchzogen, wodurch
dieses Gebiet einen der weltweit größten Fischbestände aufweist. Durch starke Strömungen gelangt kontinuierlich neues Nahrungsmittelangebot für die hiesigen Fischbestände in
die Gewässer Namibias. So beträgt die jährliche Fischfangmenge etwa 1,2 Mio. Tonnen.
Wegen extremer Strömungs- und Witterungsbedingungen auf der namibischen See wird
hauptsächlich industrieller Fischfang betrieben. Es werden ca. 20 kommerziell nutzbare
Arten gefischt. Dabei handelt es sich hauptsächlich um kleine, pelagische Fischarten
(Sardine, Hering, Anchovis und Jungmakrelen), größere pelagische Fischarten (ausgewachsene Makrele, Seehecht und Tiefsee-Arten wie Seezunge, Thunfisch und Krabben)
und Hummer/Langusten entlang den flachen Gewässern der Riffe. Darüber hinaus werden auch andere maritime Ressourcen wie Algen, Seetang, Guano und Robben kommerziell genutzt. Die durch Grundfischerei gefangenen Seetierarten wie Seehecht, Pferdemakrele, Sardine, Seeteufel, Felsenkrabbe oder Hummer gehen zu 90% in den Export.
Der Fischereisektor beschäftigt etwa 14.000 Personen, die zu 43 % auf See und zu 57 %
an Land arbeiten. An Land werden ca. 85 % der Fänge weiterverarbeitet. Die wichtigsten
Exportartikel sind Fischmehl, Fischfilets, Fischöl und Kochfisch. Mit einem Exportanteil von
25% sind Fischerei und fischverarbeitende Industrie der zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor
8
des Landes. 70 % der Ausfuhren gehen in die Europäische Union und AKP-Staaten sowie
in die Länder des südlichen Afrika (SACU und SADC).
2.5) Forstwirtschaft
Eine nennenswerte, kommerzielle Forstwirtschaft gibt es in Namibia nicht. Nur etwa 9 Prozent der Landesfläche sind mit Wald im weitesten Sinne („wood land“) bedeckt. Eine wirtschaftliche Nutzung ist wegen der geringen Ertragskraft jedoch kaum möglich. Seit seiner
Unabhängigkeit hat Namibia etwa 10 Prozent seiner Waldfläche verloren. Hauptursache
dafür sind Nutzungskonflikte und die damit einhergehenden unkontrollierten Rodungen.
3. Importe und Exporte
Namibia ist ein außenwirtschaftlich stark verflochtenes Land. Die Exportquote liegt derzeit
bei rund 40 Prozent, die Importquote bei etwa 55 Prozent. Die Leistungsbilanz weist in der
Regel einen Überschuss auf, da das Handelsbilanzdefizit durch den positiven Saldo der
Übertragungsbilanz kompensiert wird. Grund sind die substantiellen Transferzahlungen,
die Namibia aus der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) sowie aus der
Entwicklungszusammenarbeit zufließen.
Die Bodenschätze Diamanten, Kupfer und Uran machen allein ungefähr 60 Prozent des
Exportvolumens aus. Daneben werden hauptsächlich Fischerei- und Agrarprodukte
(Fleisch und Trauben) exportiert. Diese Güterexporte gehen zu rund einem Viertel in
Länder der SACU und zur Hälfte nach Europa. Eine wachsende Rolle spielt der
Dienstleistungsexport: Bereits jeder fünfte Arbeitsplatz und ein Siebtel des
Volkseinkommens werden heute direkt oder indirekt vom Tourismussektor hervorgebracht.
Importiert werden hauptsächlich Kraftfahrzeuge, Maschinen, Erdöl und Erdölerzeugnisse
sowie Nahrungsmittel. Ursprungsland der meisten Importe (über 80 Prozent) ist Südafrika.
Die enge Verflechtung mit der Volkswirtschaft der benachbarten früheren Mandats- und
Besatzungsmacht kommt nicht nur im Handelsvolumen zum Ausdruck, sondern auch in
der starken Präsenz südafrikanischer Dienstleister (Handel, Banken, Versicherungen).
4. Chancen und Risiken für Exporteure aus Deutschland
Der bilaterale Handelsaustausch zwischen Deutschland und Namibia belief sich 2013 auf
rund 271,6 Millionen Euro (Importe aus Namibia: 105,6 Millionen Euro, Exporte nach
Namibia: 166 Millionen Euro). Haupteinfuhrgüter aus Namibia sind Kupfer, Zink, Steine
und Erden sowie Fisch und Fischwaren, Fleisch und Frischobst. Hauptausfuhrgüter nach
Namibia waren Maschinen, Produkte der Ernährungswirtschaft und chemische
9
Erzeugnisse. Besonderes Gewicht im Rahmen des Dienstleistungsexports kommt dem
Tourismus zu: Die über 80.000 deutschen Reisenden im Jahr sind bei weitem die größte
Gruppe nichtafrikanischer Touristen in Namibia.
Namibia gilt aufgrund seiner Rechtsstaatlichkeit, des stabilen Wirtschaftswachstums, der
gut ausgebauten Infrastruktur und seiner stabilitätsorientierten Finanzpolitik als
Geheimtipp für Investoren. Das Land möchte im Rahmen des nationalen
Entwicklungsplans „Vision 2030“ seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit weiter ausbauen
und sich den Industrieländern weiter annähern. Man möchte diesbezüglich auf dem
Weltmarkt konkurrenzfähiger werden.
Vor allem im Bereich des Bergbaus (Förderung von Bodenschätzen wie Diamanten, Uran
und Kupfer) wie auch im Fischerei- und Tourismussektor steckt noch viel
Wachstumspotenzial. Ein weiterer Attraktivitätsfaktor ist die starke Mittel- und Oberschicht,
deren Konsumgewohnheiten sich zunehmend am westlichen Lebensstil orientieren. Somit
wird Namibia als Absatzmarkt für deutsche Luxusprodukte wie Autos oder Elektronikartikel
zunehmend interessant.
Deutschland und Namibia streben an, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen
auszubauen. Das namibische Kabinett hat hierzu im August 2012 einen
richtungweisenden Beschluss gefasst. Ein Investitionsförderungsvertrag sowie ein
Doppelbesteuerungsabkommen sind in Kraft.
5. Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
In den letzten 40 Jahren hat sich die Wirtschaft differenziert und ist mittlerweile breit
aufgestellt. So war noch Ende der 70er Jahre der Bergbau für fast 50 Prozent des
Bruttoinlandprodukts verantwortlich. Heute nimmt der Dienstleistungssektor (Tourismus,
Kommunikation, Banken, etc.) mit einem Anteil von 62,4 Prozent die wichtigste Rolle in
der Wirtschaft Namibias ein, gefolgt vom Bergbau, der weiterverarbeitenden Industrie von
Agrargütern, dem Landwirtschaftssektor und der Fischereiwirtschaft.
Namibia verfügt über eine Vielzahl natürlicher Ressourcen. Eine große Bandbreite an
Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Blei, Gold, Kupfer und Zink) macht den Bergbau nach
wie vor zu einem zukunftsweisenden Wirtschaftssektor. Darüber hinaus bieten eine
seltene Flora und Fauna, atemberaubende Landschaften und seltene Tierarten großes
Potenzial für einen weiteren Ausbau des Tourismus. Daneben ist das Potenzial des
Fischereisektors noch nicht ausgeschöpft.
Potenzial zur Expansion besitzt vor allem die Weiterverarbeitungsindustrie von
Bodenschätzen, Landwirtschaft und Fischerei. Aktuell werden Diamanten und Erzeugnisse
der Land- und Fischereiwirtschaft hauptsächlich als Rohware exportiert. Durch
Weiterverarbeitung vor Ort könnten jedoch die Gewinnmargen erhöht werden.
10
Möchte Namibia aber weiterhin wirtschaftliches Wachstum generieren, wird sich die
Regierung um die Lösung einer Reihe von Problemen kümmern müssen. Dazu zählt vor
allem die Verbesserung des Schulsystems, damit die breite Bevölkerung an Bildung
teilhaben kann und dem Land zukünftig genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Daneben muss die HIV/AIDS-Problematik des Landes mit einem effektiven
Gesundheitssystem weiter eingedämmt werden. Darüber hinaus sollten bürokratische
Hürden für ausländische Fachkräfte, die in Namibia arbeiten wollen, reduziert werden.
Schließlich ist es für die weitere Expansion der Wirtschaft notwendig, eine zuverlässige
Stromversorgung sicher zu stellen.
6. Ansprechpartner
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Windhuk
Herr Ulrich Kinne
Sanlam Centre – 6. Etage
Independence Avenue 145
Postfach 231, Windhuk, Namibia
Telefon: +264 61 273102
Fax: +264 61 222981
E-mail: v@wind.diplo.de
Website: www.windhoek.diplo.de
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Pretoria
Referat Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(zuständig für: Angola, Botsuana, Lesotho, Mosambik,
Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland)
180 Blackwood Street, Arcadia, Pretoria 0083
P.O. Box 2023, Pretoria 0001, South Africa
Telefon: +27 12 427 8929
Fax: +27 12 344 5610
E-Mail: La-1@pret.diplo.de
Website: www.pretoria.diplo.de
11
Herr Erik Schneider
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