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Information zur Pressekonferenz - Land Oberösterreich

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LRin Gertraud Jahn
Seite 1
INFORMATION
zur Pressekonferenz
mit
Sozial-Landesrätin Mag.a Gertraud Jahn
am 16. Dezember 2014
zum Thema
"Sprachscreening im Kindergarten Aktuelle Entwicklungen“
Weitere Gesprächsteilnehmer:
LP Renate Heitz, Abt. Kinder- und Jugendhilfe, Leitung Logopädie
Priv. Doz. Dr. Daniel Holzinger, Institut für Sinnes- und Sprachneurologie,
KH der Barmherzigen Brüder Linz, Leitung des Zentrums für
Kommunikation und Sprache
Pressekonferenz am 16. Dezember 2014
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Sprache benützen zu können zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten menschlichen
Daseins. Sprache spielt zudem eine große Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung
und für den Bildungsweg der Kinder. Sprechen zu lernen ist eine unglaubliche
Leistung des menschlichen Gehirns. Kinder scheinen diese Herausforderung
scheinbar mühelos und spielerisch zu meistern. Doch manchmal ist gezielte Hilfe
und Unterstützung notwendig, um die Sprachentwicklung richtig zu fördern.
Hier setzt das logopädische Angebot der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe an. Die
Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Landes OÖ definiert die logopädische
Betreuung aufgrund der Wichtigkeit für die allgemeine Entwicklung der Kinder als
Aufgabe
des
Landes
OÖ
und
finanziert
diese
gemeinsam
mit
den
Sozialversicherungsträgern.
Im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe werden jedes Jahr fast 15.000
Kindergartenkinder in OÖ auf Sprachauffälligkeiten getestet. Dieses Screening wird
von insgesamt 58 Logopädinnen (41,8 VZÄqu.) des logopädischen Dienstes der
Volkshilfe, der Caritas und der Stadt Linz durchgeführt. Ziel ist es, alle
sprachauffälligen vier- bis fünfjährigen Kinder zu erfassen, ihre Eltern über die
Auffälligkeiten zu informieren und ihnen Beratung bzw. Therapie anzubieten.
Das Angebot ist für die Familien (fast) kostenlos und auch einzigartig in ganz
Österreich: Nirgendwo sonst gibt es ein flächendeckendes logopädisches
Screening aller 4-5-jährigen Kinder in den Kindergärten in Verbindung mit daran
anschließenden Therapie-Angeboten.
57 % der 4-5jährigen zeigen logopädische Auffälligkeiten
Im
Kindergartenjahr
2013/14
wurden
14.791
Kinder
auf
Sprach-
und
Sprechauffälligkeiten getestet. Rund 57 % (8.371 Kinder) waren auffällig. Die
häufigsten Auffälligkeiten sind Lautbildungsstörungen. Bei 8 – 10 % der Kinder sind
mehrere sprachliche Ebenen betroffen. Dieser Wert liegt im internationalen
Durchschnitt.
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35 Prozent (= 2.901) der sprachauffälligen Kinder nahmen die – im Anschluss an
das Screening
angebotene Behandlung – in Anspruch.1 Für diese Therapien
stehen 75 Logopädie-Standorte in ganz Oberösterreich zur Verfügung.
Nicht alle sprachauffälligen Kinder haben Therapiebedarf. Ein Teil fällt auf, weil er
sozusagen zum schwächsten Viertel der „Altersnorm“ zählt. Hier können Eltern
durch einfache Ratschläge ihr Kind selbst gut unterstützen und fördern. Deshalb
wird mit fast allen betroffenen Eltern (91 %) ein Elterngespräch geführt. Dort können
bei leichten Auffälligkeiten gleich praktische Tipps mitgegeben und die Kinder damit
bereits wieder „entlassen“ werden.
Bei Auffälligkeiten, die professionell behandelt werden sollten, hat sich das
Elterngespräch als „Türöffner“ bewährt. Eine persönliche Mitteilung über den
Behandlungsbedarf wird von den Eltern einfach besser angenommen, als eine
schriftliche Information durch einen Brief.
Behandlung in 95 % der Fälle erfolgreich
Eine logopädische Therapie zahlt sich wirklich aus. In fast 95 % der Fälle kann
durch die Behandlung die Sprachauffälligkeit vermindert werden.
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Wie viele Kinder bei freiberuflichen Logopädinnen oder an anderen Institutionen behandelt bzw. in der
Sprachförderung im Kindergarten berücksichtigt werden, ist in dieser Zahl nicht enthalten.
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Mehr als 23.000 Stunden Therapie wurden im Kindergartenjahr 2013/14 mit den
Sozialversicherungsträgern abgerechnet.
Fit für den Schuleintritt
Früherkennung und frühe Intervention sind also im Bereich der Sprache sehr
effektiv. Rechtzeitige Behandlung ermöglicht den Kindern einen guten schulischen
Start und gleiche Chancen für die spätere schulische Laufbahn und die persönliche
und berufliche Entwicklung. Aus diesem Grund wird das Sprachscreening jetzt
früher durchgeführt. Bis ins Jahr 2008 wurden jeweils die Schulanfänger/innen
eines Kindergartens untersucht. Nun werden die Kinder bereits zwei Jahre vor
Schuleintritt erfasst (= 4-5-Jährige), um bis zum Schuleintritt ausreichend Zeit für
Therapie zu haben.
Zu Beginn der Umstellung war noch etwas Zurückhaltung bei den Eltern 4-jähriger
Kinder bei der Anmeldung zur Beratung und Therapie beobachtbar. Inzwischen ist
ihnen die Bedeutung der frühen Behandlung schon viel bewusster.
LOGiK-S: Logopädie im Kindergarten-Screening:
Neue Screening-Materialien für Kinder mit Deutsch als Erst- oder Zweitsprache
Beim derzeit laufenden Screening für das Kindergartenjahr 2014/15 steht den
Logopädinnen erstmals landesweit einheitliches Test-Material zur Verfügung.
Dieses wurde unter wissenschaftlicher Begleitung des Instituts für Sinnes- und
Sprachneurologie (Barmherzige Brüder Linz, Priv. Doz. Dr. Daniel Holzinger) eigens
entwickelt. Jede Logopädin arbeitet mit dem gleichen Test nach einem einheitlichen
Ablauf. Dem Test sind Punktewerte hinterlegt, aus denen sich die Befundung
ableitet. War die Einschätzung, ob eine Sprachauffälligkeit vorliegt, früher stärker
der persönlichen Wahrnehmung der einzelnen Logopädin überlassen, so ist heute
sichergestellt, dass die Ergebnisse des Screenings wissenschaftlich abgesicherte
Aussagen zulassen.
Die ersten Testergebnisse nach diesem neuen Verfahren werden voraussichtlich
im Jänner vorliegen.
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Das Testverfahren berücksichtigt speziell auch die steigende Zahl von Kindern mit
Migrationshintergrund. Die Anzahl der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache beträgt
fast 16 % im gesamten Bundesland, aber mit starken regionalen Unterschieden.
Dieser Wert hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Im Jahr 2008 lag
er noch bei 9,5 %.
Für mehrsprachige Kinder steht jetzt ein adaptierter Test zur Verfügung, der sich
von jenem für Kinder mit deutscher Muttersprache etwas unterscheidet. Da der
Zweitspracherwerb anders verläuft als der Erstspracherwerb, mussten andere
Normen berechnet werden.
Das Verfahren hilft zu erkennen, ob der Erwerb des Deutschen ausreichend schnell
oder aber verzögert verläuft. Ist letzteres der Fall, wird in strukturierten Gesprächen
mit den Eltern und den KindergartenpädagogInnen überprüft, ob eine allgemein
verzögerte
Entwicklung
vorliegt,
dann
wird
eine
umfassende
Entwicklungsuntersuchung empfohlen. Ist dies nicht der Fall, es wird aber über
deutliche sprachliche Auffälligkeiten auch in der Muttersprache berichtet, besteht
der Verdacht auf eine Sprachstörung, die nun auch den Erwerb des Deutschen
erschwert. Hier ist logopädische Therapie dringend angezeigt. Beschreiben die
Eltern unauffällige sprachliche Kompetenzen in der Muttersprache, gilt es zu
überprüfen wie die Sprachförderung im Kindergarten (ob nun im Kindergartenalltag
oder zusätzlich in Sprachfördergruppen) optimiert werden kann.
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Beispiele aus dem Sprachverständnis-Test
Aufgabe: Das Kind bekommt etwas vorgelesen und soll auf das entsprechende Bild
zeigen.
Beispiel 1:
Katze
Beispiel 2:
Der Hund läuft nicht.
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Beispiel 3:
Die Frau trägt einen
Regenschirm, obwohl die
Sonne scheint.
Beispiel aus dem Grammatik-Test
Aufgabe: Ergänze den Satz:
Beispiel 4:
Das ist Tobias. Er trinkt Saft.
Das ist Anna. Sie ……
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Nächste Schritte
Neben der aktuellen Umsetzung der neuen Screeningverfahren gilt es nun auch,
die Interpretation und Umsetzung der Ergebnisse zu vereinheitlichen, um
sicherzustellen, dass jedes sprachauffällige Kind möglichst früh GENAU das
bekommt, was es braucht; Elternberatung, logopädische Therapie, Überweisung
zur multiprofessionellen Entwicklungsdiagnostik, Überprüfung des Hörvermögens
und/oder allgemeine oder spezielle Sprachförderung im Kindergarten. Dazu ist die
Vernetzung mit den Familien und Kindergärten unbedingt erforderlich. Sprache geht
uns alle an!
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