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Ausgabe
2014
E
P R EC I S S I V E
ES
PROGR
S M A RT
Qualität
Was die Schweizer Mentalität
zum Erfolg von Medela beiträgt
12 Im Netzwerk entwickelt: Port und Therapiegerät +++ 16 Studie: Gute Perspektiven
für Medtech-Unternehmen +++ 39 Swiss Medtech Award: KTI zeichnet drei Unternehmen
aus +++ 42 Campus Biotech: Neustart mit Life Sciences und Neuroprothetik
Entwicklungslab © erdmann.ch
Usability Engineering: Entwicklungslab bei der AMTS
Risk Management im Wetlab
und im Drylab.
Die Entwicklung der Medizin verläuft rasant, während die regulatorischen Anforderungen an Spitäler
und Industrie zunehmend steigen. Neue diagnostische Möglichkeiten, Behandlungsmethoden und Produkte
benötigen eine Zertifizierung, bevor sie an Patienten angewendet werden dürfen.
Die professionellen Einrichtungen der AMTS-Entwicklungslabs entsprechen den hohen Anforderungen der
Praxis. Die hohe Verfügbarkeit von Räumlichkeiten, Infrastruktur und anatomischen Präparaten ist einzigartig.
Zertifizierung: wir sind Ihr professioneller Partner!
Die AMTS ist Partner des Medical Cluster sowie der «EXPERTGROUPS Human Centered Design».
Erdmann Design leitet die «EXPERTGROUPS Human Centered Design».
AMTS AG
Academy for Medical Training and Simulation
Kriegackerstrasse 100
4132 Muttenz
Schweiz
www.amts.ch
info@amts.ch
T +41 61 466 36 36
Erdmann Design
realisiert Human Centered Design
www.erdmann.ch
+++ Editorial
Innovationskraft
von Ost bis West
Die Schweizer Medizintechnikindustrie ist erfolgreich – und sie gedeiht in einem ganz
besonderen Umfeld. Wie dieses gestaltet ist und welche Perspektiven sich daraus ergeben, beschreibt unser neues Magazin Swiss Medtech Industry. Auf dessen erste Ausgabe
möchte ich Sie voll Freude und Stolz im Namen des Medical Clusters hinweisen.
Zu berichten gibt es viel, denn in unserem Land nimmt die Medizintechnikindustrie
eine sehr wichtige Rolle ein – sei es als Lieferantin unentbehrlicher Produkte für ein hoch
entwickeltes Gesundheitswesen, sei es als forschende und produzierende Industriebranche, oder sei es wegen der 52 000 Beschäftigten in über 1 400 Unternehmen. Gut
ausgebildete Arbeitskräfte, Hochschulen von internationalem Rang und unternehmensfreundliche Bedingungen tragen zum Erfolg bei – ebenso das im Schweizer Wesen verankerte Streben nach höchster Qualität und Verlässlichkeit. All das macht den Standort
Schweiz auch für ausländische Investoren interessant.
Für ebenso wichtig halte ich die enorme Innovationskraft, die sich von Ost bis West
durch unser Land und die Unternehmen zieht. Sie ermöglicht neue Kooperationen, schafft
neue Kompetenzen und führt zu Lösungen, mit denen sich unsere Unternehmen im anspruchsvollen internationalen Umfeld laufend neu ausrichten und einordnen können. Und
wer das vermag, hat selbst in schwierigen Zeiten die besten Perspektiven. Persönlich bin
ich daher sehr davon überzeugt, dass die Schweizer Medizintechnikbranche auf alle Entwicklungen sehr gut vorbereitet ist – und Beispiele dafür entdecken Sie in jedem einzelnen
Bericht und jedem Porträt im Magazin Swiss Medtech Industry.
Erfahren Sie nun mehr über Technik und Menschen. Lesen Sie, was sich in den Entwicklungsabteilungen tut. Geniessen Sie den Streifzug durch die Branche und lassen Sie
sich von neuen Ideen faszinieren und inspirieren. Wir freuen uns sehr, Sie von nun an
jährlich über Erfolge und Neuigkeiten aus dem „Medtechlabor Schweiz“ zu informieren.
Und ich würde Sie gern mit meiner Begeisterung anstecken!
Mit den besten Grüssen
Ihr Rubino Mordasini
Präsident Medical Cluster
PS: Tagesaktuelle Informationen über die neuesten Entwicklungen
in der Branche finden Sie unter w www.medical-cluster.ch/news
2014_Swiss Medtech Industry
3
Editorial
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
3 Innovationskraft von Ost bis West
Aus der Branche
33 Laubscher Präzision: Wo 1/100-Toleranz
als äusserst grosszügig gilt
34 Mecaplast: Kunststoffteile – auch verpackt
35 Metallux: Druck im Katheter oder
beim Tissue Engineering erfassen
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
6 Resorbierbares Vorhofseptum-Implantat
– Bewegliche Gehörknöchelchen – Erfolgreicher Turnaround
Panorama
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
12 Gemeinsam zu Innovationen
Zwei Beispiele zeigen, wie das Netzwerk
aus Unternehmen, Forschung und Spital
funktioniert
16 Wieder gute Perspektiven
Der Swiss Medical Technology Industry
(SMTI) Report 2014 fasst zusammen, wie
340 Unternehmen die Stimmung bewerten
Innovative Regionen
Im Gespräch
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
36 „Qualität ist nicht nur ein Fundament,
sondern auch unsere Verantwortung“
Was das Umfeld in der Schweiz zum
Erfolg von Medela beiträgt, erläutern
Peter Aggersbjerg und Peter Höst im
Interview
Forschung & Entwicklung
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
38 Förderung des Rohstoffs „graue Zellen“
KTI unterstützt Innovationen auch
im Rahmen der Medtech-Initiative
39 Swiss Medtech Award
Das hat die Jury beeindruckt
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
18 Wo die Medizintechnik ihre Heimat hat
19 Aargau: Hier ist die Innovation zu Hause
20 Basel Area: Der Mikrotechnik-Hotspot der
Nordwestschweiz
21 Bern: Im Zentrum der Präzisionstechnik
22 BioAlps: In ständiger Veränderung
23 Schwyz: Ein offenes Wirtschaftsnetzwerk
24 Solothurn: Wo die Präzision im Blut liegt
25 Zürich: Vom Finanz- zum Medizintechnikplatz
Wirtschaft & Recht
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
26 Attraktiv für anspruchsvolle Produkte
Warum Lengnau im Kanton Bern als
Standort attraktiver sein kann als Singapur
30 Damit aus Ideen Innovationen entstehen
Wie Start-ups von der Kompetenz des
Investors profitieren
Know-how & Komponenten
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
32 Bangerter: Partner für sehr kleine und
extrem komplexe Bauteile
> An English version of this issue is available.
w www.medical-cluster.ch/smi
4
36
+++ Inhalt
41 OP-Simulatoren: Vom Forschungsprojekt
zum weltweit vernetzten Unternehmen
42 Campus Biotech
Life Sciences und Neuroprothetik
unter einem Dach
44 Nachrichten aus der Forschung
vier Fragen an …
9
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
46 Peter Biedermann, Medical Cluster,
und Fabian Stadler, Fasmed, über
ihre persönliche Sicht auf die Branche
6
Typisch Schweiz
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
47 … und trotzdem anders als gedacht!
32
24
42
IMPRESSUM
HERAUSGEBER
Medical Cluster, Schwarztorstrasse 31, 3007 Bern, Schweiz
Telefon +41 31 330 79 97, mail@medical-cluster.ch, www.medical-cluster.ch
PROJEKTMANAGEMENT
Peter Biedermann (Medical Cluster)
Jonas Frey (Medical Cluster)
Jennifer Bühling (Konradin Relations, Leinfelden)
Konzeption: Redaktion medizin&technik, Konradin Verlag, Leinfelden
Text: Anke Biester, Sabine Koll
Layout: Cordula Hamberger (H2CO Werkstatt für Marketing,
Kommunikation + Design, Unterensingen)
Karikatur: Thomas Plaßmann, Essen
Korrektorat und Druck: Schwabe AG, Muttenz
Auflage: 8000 Exemplare (Gesamtauflage)
PARTNER:
Medtech Switzerland, Kommission für Technologie und Innovation,
Kantone Aargau, Bern, Solothurn, Zürich, BaselArea, BioAlps und
HealthTech Cluster Switzerland
© Medical Cluster, 2014
12
2014_Swiss Medtech Industry
5
Schonend und leise beatmen
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE ACUTRONIC MEDICAL SYSTEMS AG in Hirzel
führt nach eigenen Angaben das leiseste neonatale Beatmungs-Konzept weltweit ein. Dank eines
elektromagnetischen Ausatmungsventils und eines intelligenten Flowmeters beatmet das Gerät
„Fabian HFO“ besonders präzise, schonend und
leise – und bewahrt Frühchen damit vor eventuell
schädigendem Lärm. Das Schweizer Unternehmen,
welches Hightech-Ventilationslösungen für NICUs,
PICUs, ICUs und Transporte in der Intensivmedizin
entwickelt, herstellt und vertreibt, hat die neue geräuscharme Fabian-Familie damit vervollständigt.
w www.acutronic-medical.ch
Resorbierbares Vorhofseptum-Implantat
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Auf Geräuscharmut wurde
bei den neuen Geräten
besonderer Wert gelegt
(Bild: Acutronic).
>
Weitere News unter
www.medical-cluster.ch/news
Der „Carag Bioresorbable
Septal Occluder“ kommt ohne
Metall aus (Bild: Carag).
DER CARAG AG in Baar ist der weltweit erste erfolgreiche klinische
Einsatz eines bioresorbierbaren Implantates zum Verschluss von Vorhofseptumdefekten gelungen. Der Vorhofseptumdefekt, ein Loch in
der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens, gehört
zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern. Er konnte bisher aber nur
chirurgisch oder durch Implantate mit metallischem Gerüst verschlossen
werden. Das Gerüst des von Carag entwickelten Implantates „Carag Bioresorbable Septal Occluder“ hingegen wird nach dem Einwachsen vom
Körper abgebaut und hinterlässt kein Metall im Herzen – es verhindert
damit Komplikationen, die bisher mit den metallischen Implantaten auftreten konnten, wie Erosionen, Perforationen oder Arrhythmien.
w
www.carag.com
40 Jahre erfolgreich
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
> DIE ARCOMED AG feiert dieses Jahr ihr 40jähriges Jubiläum. Der füh-
rende Hersteller von Infusionstechnik mit Sitz in Regensdorf kann durch
neue Produkte seine Technologieführerschaft in der Branche weiter
ausbauen: Er lancierte eine neue Generation von Infusionspumpen – die
Generation Chroma. Die Geräte verfügen über einen Touchscreen, auf
dem die Navigation anhand von Symbolen erfolgt und damit intuitiv und
deutlich effizienter ist als die Bedienerführung über Menüfunktionen.
Mit dem Medmarker setzt das Unternehmen die internationalen Medikationsstandards (wie z. B. ISO 26825) direkt auf dem Display um und
bietet damit eine Medikationssicherheit, welche, wie es heisst, aktuell
von keinem anderen Anbieter geboten werden kann. Pflegende finden
so auch bei mehreren Pumpen am Patienten mit einem Blick die richtige
Pumpe, auf welcher sie eine Änderung vornehmen möchten.
w www.arcomed.com
Medikationssicherheit durch
guten Überblick – auch bei
mehreren Pumpen: Der Touchscreen der neuen Generation von
Infusionspumpen ist übersichtlich
und lässt sich über Symbole leicht
bedienen (Bild: Arcomed).
6
Eine Anlaufstelle – weltweite
Märkte
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE CSA GROUP SWITZERLAND GMBH aus Gebenstorf erweitert ihr Serviceangebot für den globalen Marktzugang: Sie ist durch die Schweizerische Akkreditierungsstelle nach ISO/IEC 17025 für
Sicherheit akkreditiert. Ihr Testlabor in Gebenstorf
ist im CB-Verfahren der IECEE als CBTL (Certification Body Test Laboratory) akkreditiert und bietet
somit die Ausstellung eines CB-Zertifikates für den
globalen Marktzugang an. Ausserdem ist es dazu
berechtigt, Prüfungen durchzuführen, die zur Erlangung des cCSAus-Zeichens für den nordamerikanischen Markt führen. Durch dieses umfassende,
lokale Serviceangebot der CSA Group Switzerland,
die 2012 in die internationale CSA Group integriert
wurde, können Medtech-Firmen in der Schweiz
ihre Produkte schnell und sicher in den globalen
Markt bringen und vom One-Stop-Shop-Konzept
des Unternehmens profitieren. So haben Startups ebenso wie Global Player die Möglichkeit, über
eine einzige Anlaufstelle in Märkte weltweit zu
expandieren – dank des globalen Netzwerkes des
Dienstleisters. w www.csagroup.org
+++ Aus der Branche
Das neue Hämodialyse-System ist
klein genug, um es problemlos zu Hause
zu verwenden (Bild: Debiotech).
Werkzeugmanufaktur:
seit 1881 erfolgreich
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Tragbare künstliche Niere
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE DEBIOTECH S.A., Lausanne, plant, in Zusammenarbeit mit der Dutch
Kidney Foundation (DKF) aus den Niederlanden und Awak, einem Unternehmen aus Singapur, ein Hämodialyse-System für zu Hause zu entwickeln.
Die tragbare künstliche Niere soll Ende 2017 auf den Markt kommen. Menschen mit chronischem Nierenversagen müssen bisher dreimal die Woche
in einem Spital ihr Blut per Hämodialyse reinigen lassen. Wissenschaftliche
Studien weisen darauf hin, dass es für das Wohlbefinden des Patienten
besser wäre, häufigere Interventionen zu Hause durchzuführen. Bisher war
dieser Ansatz jedoch durch die grossen Dialysegeräte und die Menge an
Wasser, 40 Liter pro Tag für einen erwachsenen Patienten, nicht durchführbar. Durch die Kombination zweier Techniken und die finanzielle und medizinische Unterstützung der DKF wird solch eine tragbare künstliche Niere
nun jedoch möglich: Von Debiotech kommt die Technik, auf kleinstem Raum
einige Meter Schlauchmaterial unterzubringen. Awak steuert ein System
zur Flüssigkeitsreinigung bei, das den Wasserverbrauch durch Wiederverwendung auf vier Liter senkt. w www.debiotech.com
>
DIE MANUFACTURES D’OUTILS DUMONT SA,
Montignez, ist seit 133 Jahren führender Hersteller von Präzisionspinzetten und Zangen. Dank eines von Dumont entwickelten und patentierten
Zug-Walzverfahrens können nun Blattfedern von
linearer oder progressiver Kennung von sehr kleiner bis mittlerer Länge hergestellt werden. Hauptmerkmal der so gefertigten Federn ist, dass das
gewalzte Band am Anfang und am Ende ungewalzt
bleibt und kontinuierlich in die Feder übergeht, was
für die Befestigung der Feder ein unschätzbarer
Vorteil ist. Das neue Walzverfahren führt zu einer
linear ausgerichteten, asymmetrisch geschichteten
inneren Struktur, was die Federqualität steigert
und zusätzliche neue Eigenschaften erzeugt. Dieses Verfahren kann überall dort grosse Vorteile
bringen, wo Blatt- oder Spiralfedern verwendet
werden. w www.dumonttools.com
Auf Basis der neuen Blattfeder hat
Dumont eine neue Pinzettengeneration aufgelegt
(Bild: Dumont).
Flexible und exakte Röntgengeneratoren
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE JOSEF BETSCHART AG aus Brunnen, auch unter X-Ray Swiss bekannt, bringt eine komplett neue Generation von Röntgengeneratoren mit
allen Zulassungen auf den Markt. Die Produktreihe „Genesis“ kann vom
Flatpanel bis zur Tomosynthesis mit allem betrieben werden, was den
Möglichkeiten der digitalen Röntgentechnik Rechnung trägt. Programmierbare Ports und der interne CAN-Bus garantieren ein Höchstmass
an Flexibilität bei der Anpassung von Anwendungsgeräten. Schnellste
Schaltzeiten und höchste Reproduzierbarkeit werden durch neu entwickelte Hard- und Software garantiert. Der neue Generator deckt den Bereich von 30 bis 80 Kilowatt ab. w www.xray-swiss.ch
Die Benutzerkonsole ist
eine Möglichkeit, den
Röntgengenerator Genesis
DT zu bedienen (Bild: Josef
Betschart).
Mobile, wasserlose Spitaltoilette
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE LIFTAC AG aus Grabs erweitert ihr Sortiment an Spezialmöbeln
um ein Produkt, das aus einem erfolgreichen Forschungsprojekt mit
der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz
FHNW hervorging: Die dort entwickelte mobile Toilette funktioniert ohne
Wasser und kann dank Rädern zum Krankenbett geschoben werden.
Unter dem Toilettensitz gelagerte Endlosfolie zieht sich über die Brille in
und durch die Schüssel hindurch. Die Folie wird nach Gebrauch zu einem
geschlossenen, geruchdichten Beutel verschweisst. Dieser wird in der
Kehrichtverbrennung oder bei Spezialisten für die korrekte Entsorgung
aller Abfallarten von medizinischen Betrieben entsorgt. Ein erstes Funktionsmuster testete bereits das Spital Solothurn erfolgreich. Liftac hat
zwei entsprechende Patente von der FHNW übernommen. Das Produkt
wird ab Dezember 2014 ausgeliefert. w www.liftac.com
Für die Patienten bequem, für die sichere Entsorgung
von Ausscheidungen eine gute Alternative: die mobile
wasserlose Toilette (Bild: Liftac).
2014_Swiss Medtech Industry
7
Neuer Implantathersteller mit
viel Erfahrung
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
MEDILIANT SA, Le Locle, ist durch ein Manage-
ment-Buyout der Schweizer Niederlassung des
US Herstellers für Gelenkersatz-Implantate, Biomet
Inc. aus Warsaw, Indiana (USA), entstanden – nachdem Biomet die Schliessung seines Standorts in
Le Locle beschlossen hatte. Als „contract manufacturing company“ bietet Mediliant seinen Kunden
einen „one-stop-shop“-Service mit voller Wertschöpfungskette. Die Analyse der Wertschöpfungskette im Vorfeld der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren wie Rapid Prototyping helfen
den Kunden, die Zeit bis zur Marktreife zu verkürzen sowie die Produktionskosten zu senken. Dank
der Biomet-Vergangenheit verfügen die 40 Mitarbeiter des Unternehmens über 15 Jahre Erfahrung
in der Produktion von orthopädischen Implantaten
– vom Rohmaterial bis hin zur sterilen Verpackung
der Produkte. Dementsprechend hoch ist die Qualität der Produkte, die selbstverständlich den regulatorischen Anforderungen und Zulassungsbestimmungen, wie zum Beispiel der ISO13485 und
den Vorschriften der FDA, entsprechen.
Folie für die Medizintechnik: Dank eigens ausgerichteter PETG-Folienextrusion
gelangen keine fremden
Partikel ins System (Bild:
Medipack).
PETG-Folienextrusion für die Medizintechnik
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE MEDIPACK AG, Schaffhausen, verfügt nun über eine eigens auf die
Bedürfnisse der Medizintechnik ausgerichtete PETG-Folienextrusion mit
einer jährlichen Kapazität von 2000 Tonnen. Das Unternehmen ist damit
europaweit der einzige Anbieter von PETG-Folie, der die hohen Anforderungen der Medizintechnik in Bezug auf Sauberkeit, Rückverfolgbarkeit
der spezifizierten Ausgangsstoffe erfüllt und die Möglichkeit einer Kleinmengenproduktion bietet. PETG hat eine sehr gute Transparenz, hohe
Sterilisationsresistenz, hervorragende Thermoform- und Siegeleigenschaften und ist deshalb der meistverbreitete Kunststoff in der Medizintechnik. Für das Projekt wurde Medipack mit dem IVS-Innovationspreis
ausgezeichnet. w www.medipack.ch
w www.mediliant.com
40 Jahre medizinische Geräte
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
Erhöhter Tastsinn für
den Chirurgen: Das
neue druckempfi ndliche Instrument kann
Richtung und Krafteinwirkung bei Berührung
von Ossikeln messen
(Bild: Sensoptic).
Beweglichkeit der Gehörknöchelchen messen
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE SENSOPTIC SA aus Losone stellt „PalpEar“, eine hochempfindliche optische Tastspitze, vor: das erste druckempfindliche Instrument,
mit dessen Hilfe Operateure objektiv und in Echtzeit die Beweglichkeit
der Gehörknöchelchenkette messen können. Das Instrument erlaubt
über einen faseroptischen Sensor, der in einem 2,5 Millimeter langen,
45 Grad gebogenen Häkchen mit Spitze integriert ist, die Richtung und
Krafteinwirkung bei Berührung der Ossikel zu messen. Die drei orthogonalen Messachsen können Kräfte von 1 bis 50 Gramm optisch registrieren. PalpEar wurde bereits erfolgreich in einer Pilotstudie von Prof. Thomas Linder, Chefarzt der HNO-Klinik am Kantonsspital Luzern, getestet.
Anhand von Normwerten könnten künftig partielle Fixationen erkannt
und Unterschiede in der Bewegung von Prothesen erfasst werden. Das
PalpEar-Projekt wird von der Agire-Stiftung im schweizerischen Manno
unterstützt. w www.sensoptic.ch
8
DIE NOUVAG AG mit Hauptsitz in Goldach am Bodensee widmet sich seit mehr als 40 Jahren der
Entwicklung und Herstellung von medizinischen
Geräten. Das heute global tätige Unternehmen ist
weltweit bekannt für seine Motorensteuerungen
in Chirurgie, Laparoskopie und dem Dentalbereich.
Eine der Entwicklungen der vergangenen Monate
ist eine neue Generation chirurgischer Motorensysteme, zu der unter anderem der High Surg 30
gehört. Mit ihm lassen sich bis zu 15 verschiedene
motorgetriebene Instrumente antreiben – von der
HNO-Chirurgie, Neuro-Chirurgie, Gesichtschirurgie bis hin zur Orthopädie und Arthroskopie. Das
ausgeklügelte, vom Mikroprozessor gesteuerte
Motormanagement sorgt für ruhigen und vibrationsarmen Lauf jedes Handstücks für Geschwindigkeiten von bis zu 80 000 Umdrehungen in der
Minute. w www.nouvag.com
Ruhiger, vibrationsarmer Lauf von bis
zu 15 verschiedenen motorgetriebenen
Instrumenten, das verspricht der neue
High Surg 30 (Bild: Nouvag).
+++ Aus der Branche
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der SMB SA werden
unter Dr. Heimo Wabusseg auch
für die neu gegründete SMB Medical SA am Standort S. Antonio
verantwortlich sein (Bild: SMB).
Juristische Trennung
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE SMB SA hat ihre Aktivitäten im Bereich der Medizintechnik am
Standort in S. Antonio, Schweiz, durch die Gründung einer rechtlich
selbstständigen Firma unter dem Namen „SMB Medical SA“ per 1. Juli
2014 von der Geschäftstätigkeit der verbleibenden SMB SA am Standort
Biasca im Bereich Industrial getrennt. Damit tragen Verwaltungsrat und
Geschäftsleitung der de facto bereits vorher bestehenden Organisationsstruktur innerhalb der SMB SA Rechnung. Die juristische Aufteilung
der Firmenaktivitäten ermöglicht in Zukunft eine noch stärkere Fokussierung auf die einzelnen Marktsegmente, insbesondere im Bereich der
Medizintechnik, in der SMB seit über 20 Jahren zu den führenden Anbietern präzisionsgeschmiedeter Implantate im Bereich der Orthopädie und
Traumatologie gehört. w www.smbsa.com
Ultrahochmolekulare Polyethylenfasern machen
bessere Implantate für Operationen per Schlüssellochtechnologie möglich (Bild: Meister & Cie).
Meister und DSM Biomedical
arbeiten zusammen
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
Knochen und Knorpel im Visier
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE SCANCO MEDICAL AG aus Brüttisellen stellt ihre neuen Systeme
für die Mikro-Computertomographie (Mikro-CT) vor: den vivaCT 80 und
den XtremeCT II. Beim vivaCT 80 handelt es sich um einen in-vivo Mikro-CT für die präklinische Forschung. Dieses System bietet in seiner
Kategorie laut Hersteller den grössten Bildausschnitt (field-of-view) von
80 Millimetern und die höchste Auflösung von 5 Mikrometern und deckt
daher einen grossen Anwendungsbereich ab. Der XtremeCT II ist die
neue Generation der hochauflösenden peripheren quantitativen Computertomographie (HR-pQCT)-Systeme für die klinische Forschung. Mit
ihm können die Dichte und die dreidimensionale Mikroarchitektur der
Knochen in Tibia und Radius gemessen werden, um den Grad der Osteoporose in Patienten abzuschätzen. Die im Vergleich zum Vorgängermodell grössere Öffnung ermöglicht nun auch die in-vivo-Messungen des
Knies. Die Scanco Medical ist ein aktiver Partner in vielen nationalen und
internationalen Forschungskooperationen. Mit der ETH Zürich arbeitet
das Unternehmen an der bildlichen Darstellung von Knorpelgewebe. Ziel
ist eine quantitative 3D-Bildgebung, mit deren Hilfe auch ostheoarthritische Gelenke vermessen und morphologisch analysiert werden können.
w www.scanco.ch
Ein in-vivo Mikro-CT für die präklinische
Forschung: Der vivaCT 80 bietet in seiner
Kategorie den grössten Bildausschnitt
von 80 Millimetern und die höchste Auflösung von 5 Mikrometern (Bild: Scanco
Medical).
DIE MEISTER & CIE AG aus Hasle-Rüegsau und
die DSM Biomedical B.V., ein international tätiger
Konzern mit Hauptsitz in Heerlen in den Niederlanden, sind massgeblich an der Entwicklung neuer Implantate beteiligt. Das geplante neuartige
orthopädische Implantat wird aus Dyneema Purity hergestellt, der ersten ultrahochmolekularen
Polyethylenfaser, die auf dem Markt der medizinischen Anwendungen erhältlich ist. Textile Strukturen aus dieser Faser ermöglichen es Chirurgen,
diese mittels Schlüssellochtechnologie einfacher
und effizienter in den Körper einzubringen, weil
sie glatter, stärker und dünner sind als jene, die mit
traditionellen Fasern aus Metall oder Polyester
hergestellt wurden. 1869 als Seilerei gegründet,
entwickelt und produziert das textilverarbeitende
Schweizer Unternehmen heute unter anderem innovative Mikrostrukturen für die Medizintechnik.
Diese präzisen Feingeflechte aus biokompatiblen
Materialien sind Bestandteil von Kurz- und Langzeitimplantaten, die in der Herz- und Gefäss-, urologischen und orthopädischen Chirurgie sowie der
operativen Therapie des Hydrocephalus zur Anwendung kommen.
w www.meister-ag.ch w www.dsm.com
Weitere News unter
www.medical-cluster.ch/news
2014_Swiss Medtech Industry
9
Auszeichnung durch Kunden
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE SONCEBOZ SA ist von ihrem schwedischen
Kunden Gambro AB, einem international führenden
Hersteller von Dialyse-Maschinen mit Sitz in Lund,
mit dessen Supplier Innovation Award ausgezeichnet worden. Sonceboz entwickelte für Gambro
einen neuen Blutpumpen-Antrieb, der höchste Anforderungen bezüglich Lebensdauer, Laufruhe und
Genauigkeit der Geschwindigkeitsregelung erfüllt.
Zudem liessen sich die Gesamtkosten durch die
Integration von Mechanik, Motor, Elektronik und
Sensorik gegenüber der alten, aus Standardkomponenten aufgebauten Lösung deutlich reduzieren.
Sonceboz konzipiert, entwickelt und fertigt Antriebslösungen für die Medizintechnik. Das Unternehmen produziert 65 Millionen Motoren pro Jahr
und ist für Top-Qualität bei gleichzeitig niedrigen
Kosten bekannt. w www.sonceboz.com
Mit Hilfe der Plattform Sim4Life kann das
Zusammenspiel komplexer technischer Geräte
mit der Anatomie des Menschen nachvollzogen
werden (Bild: ZMT Zurich Medtech).
Multiphysik-Simulationsplattform für Medizin
und Life Sciences
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
ZMT ZURICH MEDTECH UND DIE SCHMID & PARTNER ENGINEERING AG
(SPEAG), Zürich, lancieren die zukunftsweisende Plattform Sim4Life,
die moderne Rechenverfahren zur Simulation physikalischer Phänomene mit detaillierten anatomischen Modellen des menschlichen Körpers
vereint. Anhand hochentwickelter Gewebemodelle können biologische
Effekte und das Zusammenspiel komplexer technischer Geräte mit der
Anatomie des Menschen nachvollzogen und analysiert werden. Sim4Life
vereint leistungsfähige Algorithmen mit einer einfach zu bedienenden
Benutzeroberfläche und erlaubt präzise gekoppelte Multiphysik-Simulationen mit unbegrenzten Anpassungsmöglichkeiten. So beschleunigt
Sim4Life Forschung und Entwicklung und verbessert die Planung und Optimierung medizinischer Geräte und Behandlungsverfahren. Es ermöglicht die Abschätzung von Risiken und Wirksamkeit sowie die Individualisierung medizinischer Therapien. Dadurch senkt es die Kosten und wird
zum nützlichen Werkzeug bei der Zulassungsprüfung neu entwickelter
Geräte und Methoden. w www.zurichmedtech.com
Startklar für die Massenfertigung:
Die neue Produktionsanlage für den
UnoPen (Bild: Ypsomed).
Erfolgreicher Turnaround
Schonender Eingriff beim grauen Star
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE YPSOMED HOLDING AG aus Burgdorf hat
im vergangenen Geschäftsjahr den Turnaround
geschafft und war in sämtlichen Geschäftsbereichen profitabel. Der operative Gewinn von 15,6
Millionen Schweizer Franken hat sich dabei mehr
als verdreifacht. Im Segment Diabetes Direct Business belief sich der Gewinn auf 6,3 Millionen
Schweizer Franken. Der grosse Treiber dieses
Erfolgs ist das Insulinpumpengeschäft mit der
Patch-Pumpe Mylife Omnipod, deren Umsatz sich
im Berichtsjahr wiederum verdoppelte. Das Produkt punktet mit einem innovativen Funktionsprinzip – es ist schlauchlos: Der Pod wird direkt
auf die Haut geklebt. Im Segment Delivery Devices
erzielte Ypsomed einen Gewinn von 9,3 Millionen
Schweizer Franken. Ein weiteres zukunftsträchtiges Produkt in diesem Segment ist der UnoPen,
ein einmalig verwendbarer Injektions-Pen, primär für die Verabreichung von Insulin, für dessen
Massenfertigung Ypsomed dieses Jahr eine neue
Produktionsanlage installiert hat. Darüber hinaus
gründete Ypsomed diesen Sommer im wichtigen
Markt China eine eigene Tochtergesellschaft.
w www.ypsomed.com
10
> DIE ZIEMER OPHTHALMIC SYSTEMS AG aus Port bringt eine neue Gene-
ration Femtosekundenlaser auf den Markt. Beim Femto LDV Z8 wurde
das aus der Hornhautchirurgie seit vielen Jahren bewährte „low-energy“-Konzept auf die Behandlung des grauen Stars, also die Kataraktchirurgie, übertragen: Das Gerät gibt nur die minimal benötigte Energie
ab und unterstützt so einen schonenden Eingriff. Dank des patentierten
Gerätekonzeptes in Kombination mit High-End-Optikkomponenten können mit dem Gerät auch weitere Eingriffe am Auge durchgeführt werden,
so zum Beispiel die refraktive Lasik-Prozedur und Hornhauttransplantationen. Das Gerät kann mühelos zwischen den Operationsräumen
oder Spitälern hin und her bewegt werden.
w www.ziemergroup.com
Der neue Femtosekundenlaser
Femto LDV Z8 verwendet
nur wenig Energie. Das Gerät
unterstützt so einen schonenden
Eingriff (Bild: Ziemer Ophthalmic
Systems).
+++ Aus der Branche
Gedruckte Prothesen für Kriegskinder
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
INGENIEURE VON PRECIPART SA aus Lyss helfen beim „Project Daniel”:
Menschen im Sudan können im Rahmen dieses Projektes vor Ort Armprothesen in 3D für Kriegsopfer ausdrucken: eine Armprothese pro Woche, für wenig Geld. Realisiert wurde „Projekt Daniel” durch die Zusammenarbeit der weltweit tätigen Gruppe Precipart, mit Hauptsitz in der
Schweiz, der Firma Intel, des Start-ups „Not Impossible”, Richard Van As
vom Projekt RoboHands und des sudanesischen Arztes Dr. Tom Catena.
Gemeinsam ermöglichten sie nicht nur, dass Armprothesen mithilfe des
3D-Druckers hergestellt werden, sondern auch, dass Personal vor Ort für
die Herstellung und Anpassung geschult wurde. Auslöser dieser Hilfsaktion war ein Artikel im US-Magazin „Time”, in dem über den sudanesischen
Jungen Daniel berichtet wurde, der beide Arme durch eine Bombe verlor.
Mick Ebeling, CEO von Not Impossible, beschloss zu helfen und flog mit
einem kleinen Team in den Sudan. Er fand Daniel und passte ihm die erste Armprothese aus dem 3D-Drucker an. Daniel konnte das erste Mal seit
zwei Jahren wieder selbstständig essen. Precipart stellte als Lieferant
von Präzisionsteilen und Komponenten Ingenieurs- und Entwicklungsleistung sowie Geldmittel für das Projekt zur Verfügung. „Das Projekt
Daniel passt perfekt zur Vision von Precipart, die Lebensqualität durch
Verwendung innovativer Technik und Ingenieurskunst zu verbessern”,
sagt Peter Schüpbach, Präsident und CEO von Precipart. Das Projekt
wurde mit mehreren Cannes-Lions-Awards ausgezeichnet, unter anderem dem Gold Lion für Produktdesign. w www.precipart.com
Ausdruckbare Armprothesen wie diese
sollen Kriegsopfern im Sudan neue Perspektiven ermöglichen (Bild: Precipart).
Weitere News unter
www.medical-cluster.ch/news
Leistungsstärkstes Hörimplantat
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE HELBLING TECHNIK BERN AG, Bern-Liebefeld, verhilft der Cochlear Ltd. aus Australien zum
Medical Design Excellence Bronze Award 2014 in
der Kategorie Implant and Tissue-Replacement
Products: Das ausgezeichnete CoDACS-Implantat
ist das weltweit leistungsstärkste akustische Hörsystem am Markt und wurde massgeblich von der
Helbling Technik Bern AG mitentwickelt. Es umgeht Aussen- sowie Mittelohr und überträgt Vibrationen direkt auf die Innenohrflüssigkeit. Dieses
Wirkprinzip nennt sich Direkte Akustische CochleaStimulation (DACS) und wurde spezifisch für die
Therapie schwerer bis hochgradiger, kombinierter
Schwerhörigkeit entwickelt. w www.helbling.ch
Das neue CoDaCS-Implantat
ist das leistungsstärkste
akustische Hörsystem auf
dem Markt (Bild: Helbling
Technik Bern).
Ausgezeichnetes Design
für ein Dental-Implantatsystem (Bild: Meyer-Hayoz
Design Engineering).
Corporate Design für das
Dental-Implantatsystem Vitaclinical
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
DIE MEYER-HAYOZ DESIGN ENGINEERING AG in Winterthur unterstützte ihren langjährigen Kunden, die Vita Zahnfabrik aus Bad Säckingen (D),
als Innovations-, Design- und Branding-Partner bei der Entwicklung eines
einzigartigen Dental-Implantatsystems aus Keramik. Das Unternehmen
Vita verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Prothetik
hinsichtlich Natürlichkeit und Verträglichkeit. Die Kompetenzfelder von
Meyer-Hayoz Design Engineering umfassten bei diesem Auftrag vorgängige Marktstudien, die Positionierung und die entsprechende DNA, die
Entwicklung des Kommunikationssystems sowie das Produktdesign bis
hin zum intelligenten Packagingsystem und dessen grafischer Codierung.
w www.meyer-hayoz.com
2014_Swiss Medtech Industry
11
Gemeinsam zu Innovationen
In der Schweiz können Medizintechnikhersteller und Zulieferer auf ein lebendiges
Netzwerk mit Forschungseinrichtungen und Spitälern zurückgreifen. Mit Erfolg, wie
zwei aktuelle Beispiele für Innovationen zeigen: die Entwicklung des ersten knochenverankerten Langzeit-Gefässzugangs für Dialyse-Patienten sowie robotischer und
sensorbasierter Geräte für die funktionelle Bewegungstherapie.
Anchored Port“ (BAP), der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr implantiert wird, war
geboren. Er besteht aus einer Grundplatte
(dem eigentlichen Implantat), einem cleveren Ventilsystem, bestehend aus dem
Hauptventil und einem Subventil im Innengehäuse, einem Katheter und einem
austauschbaren Deckel. Der Katheter
endet wie jeder andere Langzeit-Hämodialyse-Katheter im rechten Herzvorhof;
sein Verlauf ist jedoch geradliniger, was
höhere Flussraten während der Dialyse
erlaubt und weniger Verwirbelungen im
Katheter verursacht. Das Innengehäuse
enthält ein Schlauchsystem, welches im
Normalfall offen ist. Einzig beim Hauptventilwechsel wird es von aussen mit
einem Klemmmechanismus geschlossen.
Das Hauptventil schützt das Innere des
Den Bone Anchored Port (BAP) für
die Dialyse hat Cendres+Métaux in
enger Zusammenarbeit mit Schweizer
Forschungseinrichtungen und Spitälern
entwickelt (Bild: Cendres+Métaux).
Was haben Hörgeräte und Dialyse-Zugänge gemeinsam? Auf Anhieb nicht
viel, aber in der Schweiz ist Medizintechnikexperten der interdisziplinäre Brückenschlag zwischen beiden Produkten
gelungen. Das Resultat ist der erste knochenverankerte Langzeit-Gefässzugang,
der Patienten eine häufigere Dialyse
ermöglicht – ohne dass es zu den heute
verbreiteten Infektionen beim Venenzugang am Arm kommt.
Und das kam so: Als die Universitätsklinik für Nephrologie, Hypertonie und
Klinische Pharmakologie am Inselspital
12
Bern vor ein paar Jahren eine neue Lösung für den Dialyse-Zugang suchte, erhielt sie ausgerechnet bei den Kollegen
im Bereich Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO) eine Anregung: Hier
erfuhr man, dass bestimmte Hörgeräte
seit Jahren erfolgreich im Schädelknochen hinter dem Ohr implantiert werden.
Die implantierten Hörgeräte führen sehr
selten zu Infektionen – wahrscheinlich
deshalb, weil die Haut hinter dem Ohr direkt auf dem Knochen liegt und sehr gut
durchblutet wird.
Die Idee für den so genannten „Bone
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
ZUSAMMENARBEIT WIRD GROSS
GESCHRIEBEN
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Mit welchen Partnern Hersteller und Zulieferer
kooperieren
HERSTELLER
Käufer
Zulieferer
Universitäten
Ingenieur-Dienstleister
Andere Hersteller
73 %
66 %
55 %
45 %
28 %
ZULIEFERER
Käufer
Universitäten
Ingenieur-Dienstleister
Andere Zulieferer
66 %
33 %
23 %
22 %
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: SMTI Report 2014
(Bild: Inselspital Bern)
+++ Panorama
PROF. DR. MED. DOMINIK UEHLINGER,
Chefarzt der Nephrologie am Inselspital Bern
und Leiter der klinischen Prüfung für den
Bone Anchored Port (BAP) (links)
RAÏNA RASPER,
BAP-Projektmanagerin bei Cendres+Métaux (Mitte)
PROF. DR. MED. MARCO D. CAVERSACCIO,
Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, Kopfund Halschirurgie in Bern (rechts)
Ports und den Katheter vor Lufteintritt
und Krankheitserregern und wird vom
Dialysepflegefachpersonal regelmässig
ausgewechselt. Der Anschluss an die
Dialysemaschine erfolgt durch einen Adapter, der ganz einfach auf den Port geklickt wird. Nach jeder Dialyse wird der
Port schliesslich wieder mit einem neuen
Deckel geschützt.
An der Entwicklung des BAP arbeiteten in der Folge die beiden Universitätskliniken am Inselspital gemeinsam mit dem
ebenfalls in Bern ansässigen Artificial
Organ Center for Biomedical Engineering
– bis hin zum ersten Prototypen. Dann
machten sich die Partner auf die Suche
nach einem Medizintechnikunternehmen, das das Implantat fertigen konnte.
Sie nahmen Kontakt zum Competence
Center for Medical Technology (CCMT)
auf, das als aktive Drehscheibe zwischen
akademischen Forschungs- und Entwicklungsdienstleistern und Medizintechnikunternehmen im Raum Bern agiert. Das
CCMT empfahl ihnen Cendres+Métaux
mit Sitz in Biel, weil das Unternehmen
als Medizintechnikspezialist über alle für
die Herstellung notwendigen Kompetenzen und Verfahren verfügt. „Wir kennen
uns mit der Verarbeitung biokompatibler
Werkstoffe wie Titan und Edelmetalllegierungen aus und verfügen inhouse
über alle dafür notwendigen spanenden
Fertigungsverfahren. Die Wurzeln dafür
liegen – wie bei vielen Westschweizer
Medizintechnikunternehmen – in der
Uhren- und Schmuckindustrie, die nach
wie vor ein grosses Standbein für unsere
Unternehmensgruppe ist“, erklärt Daniel
Schütz, Leiter der Medical Division bei
Cendres+Métaux und gleichzeitig ehemaliger Projektleiter des BAP-Projekts.
Dass es sich beim BAP um mehr als
einen der üblichen Fertigungsaufträge
handeln würde, war bald klar: „Wir waren schnell von der Idee der Kliniker begeistert und überzeugt, ein gebrauchsfertiges Implantat herstellen zu können.
Entscheidend für unsere Zusage war
aber die Frage, ob und wie wir solch ein
neuartiges Entwicklungsprojekt in unser
bisheriges Geschäftsmodell einbinden
wollen, und wenn ja, wie wir es mit den
Unternehmensstandards
vereinbaren
sollen“, erinnert sich Schütz.
VOM ZULIEFERER ZUM HERSTELLER
Cendres+Métaux arbeitete deshalb einen
Business-Plan aus – mit dem Ziel, den
BAP später selbst als eigenes Produkt
zu vermarkten. „Das war ein Novum für
uns im Geschäftsbereich Medical. Eigene
Produkte haben wir bislang nur im Dental-Bereich entwickelt, wir sind sonst ein
reiner Zulieferer“, sagt Schütz. Weder Forschern, Entwicklern noch Ärzten war damals klar, welchen Umfang das BAP-Projekt annehmen würde. „Nach zwei Jahren
Entwicklung war der erste Prototyp fertig, doch war er leider noch zu gross“, so
Schütz. Implantationstests zeigten, dass
man zu tief in den Schädelknochen hätte bohren müssen, um ihn gut verankern
zu können. Auch die Ventiltechnik sowie
die Usability hatten seiner Einschätzung
nach noch Potenzial für Verbesserungen. Deshalb schlug Cendres+Métaux den
Partnern vor, gemeinsam einen neuen
Prototyp zu entwickeln.
Der Mut zum unternehmerischen Risiko wurde mitgetragen durch die Kommission für Technologie und Innovation
(KTI). Die Förderagentur für Innovationen
des Schweizer Bundes fördert Projekte
wie BAP, die in ein marktfähiges Produkt
münden sollen. „Das KTI hat uns nicht nur
finanziell unterstützt. Die Fachleute dort
haben uns auch geraten, die Wirtschaftlichkeit des Projekts nie aus den Augen
zu verlieren“, so Schütz. Daneben erhielt
Cendres+Métaux auch finanzielle Hilfe
von der Standortförderung des Kantons
Bern.
EIN NETZWERK VON ZULIEFERERN
Genau so wichtig für das Unternehmen
war die Hilfe bei der Suche nach Partnerunternehmen, die Komponenten des
BAP zuliefern sollten – beispielsweise
für Spritzgiessbauteile oder extrudierte
Schläuche aus Kunststoff beziehungsweise Silikon. „Wir haben uns für dieses
Projekt gezielt ein Netzwerk von Partnern im In- und Ausland aufgebaut. Dabei kamen uns die guten Kontakte zu
Unternehmen innerhalb der Schweiz, die
wir über den Medical Cluster gewonnen
haben, sehr zugute“, betont Raïna Rasper,
Project Manager Marketing Medical Division bei Cendres+Métaux. „Wir kennen
durch verschiedene, regelmässig stattfindende Events viele andere Medizintechnikunternehmen aus der Schweiz. Da
hat sich im Laufe der Jahre ein Vertrauen gebildet, ohne das solche Geschäftsbeziehungen nicht möglich wären. Die
Schweiz hat eine hohe Kompetenzdichte,
das hat grosse Vorteile.“
2014_Swiss Medtech Industry
13
DR. GERY COLOMBO, CEO von Hocoma: „Das
Schweizer Netzwerk ist ein sehr guter Nährboden für Start-ups und kleine Player – und
damit auch für Innovationen.“ (Bild: Hocoma)
Auch die Zusammenarbeit zwischen den
Spitälern, Forschern und den Industriepartnern funktionierte nach Auskunft
von Schütz sehr gut: „Alle Projektpartner waren sehr offen und haben das
Projekt als Ganzes im Auge gehabt. Das
Team bestand ja aus Experten verschiedenster Disziplinen – und alle fanden es
spannend, über ihren Tellerrand hinaus
zu schauen, um neue Lösungen und Komponenten zu finden.“ Dass die Kooperation mit der Vielzahl von Projektbeteiligten zum Erfolg führen wird, steht für
Schütz ausser Frage: Derzeit läuft bereits die klinische Studie für den BAP
am Inselspital Bern an. Für 2015 hat
Cendres+Métaux die CE-Kennzeichnung
auf dem Plan.
Die Entwicklung des BAP sei typisch
für die Schweiz, so Emilie Gachet, Analystin beim Finanzdienstleister Credit
Suisse in Zürich: „Die Medizintechnik in
der Schweiz ist so gut vernetzt wie kaum
eine andere Branche im Land. Spitäler,
Forschungseinrichtungen, Hochschulen
und die Industrie arbeiten eng zusammen. Dies fördert die Innovationskraft
der Branche enorm.“
1450 MEDIZINTECHNIKUNTERNEHMEN
Ergänzend zur KTI und dem Medical
Cluster sorgen auch die regionalen Industrienetzwerke für den hohen Vernetzungsgrad der Technologieunternehmen:
Insgesamt 1450 Medizintechnikunternehmen gibt es in der Schweiz: 24 Prozent von ihnen sind Hersteller, 35 Prozent
Zulieferer, 23 Prozent Dienstleister und
14
18 Prozent Händler und Distributoren.
Sie beschäftigen 52 000 Mitarbeiter, was
1,1 Prozent aller Werktätigen in der
Schweiz ausmacht. Hinzu kommen eine
Reihe hochrangiger Hochschuleinrichtungen– allen voran die Eidgenössischen
Technischen Hochschulen (ETH) in Lausanne und Zürich. Und nicht zuletzt
tragen die 300 Spitäler dazu bei, dass
immer wieder medizintechnische Innovationen entstehen, vor allem natürlich die
fünf Universitätsspitäler in Zürich, Bern,
Basel, Lausanne und Genf mit ihren Forschungs- und Entwicklungslabors.
Die Uniklinik Balgrist in Zürich spielte
beispielsweise bei der Entstehung der
robotischen und sensorbasierten Geräte
für die funktionelle Bewegungstherapie,
die die Hocoma AG in Volketswil entwickelt, produziert und vertreibt, eine
zentrale Rolle: Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 als ein Spin-off der auf
Orthopädie spezialisierten Uniklinik gegründet. 2013 erwirtschaftete es mit gut
150 Angestellten einen Umsatz von mehr
als 30 Millionen Schweizer Franken. „Ich
hatte während meiner Studienzeit die
erste Idee zur Entwicklung der Geräte.
Dabei hat uns der Technologietransfer,
den verschiedene Institutionen im Land
unterstützen, sehr geholfen, die Produk-
te überhaupt auf den Markt zu bringen“,
sagt Dr. Gery Colombo, CEO von Hocoma.
„Dieses Schweizer Netzwerk ist ein sehr
guter Nährboden für Start-ups und kleine Player – und damit auch für Innovationen, denn diese entstehen nun einmal
vorrangig in kleinen und mittleren Unternehmen.“ Colombo weiss, wovon er
spricht und das Medizintechnikunternehmen wurde 2010 mit dem „Red Herring
100 Global Award“ als eines der hundert
innovativsten Unternehmen weltweit
ausgezeichnet. Der internationale Award
des US-Medienunternehmens Red Herring ehrt jedes Jahr herausragende Technologieunternehmen und Entrepreneure
aus der ganzen Welt für ihre Leistungen.
LEBENDIGE NETZWERKE Entscheidend
ist für Colombo, dass das Schweizer Medizintechniknetzwerk lebt: „Wir haben eine
lebendige Medizintechnik-Community mit
regem Austausch. Wenn wir bei Hocoma
eine Lösung oder einen Zulieferer für ein
Spezialthema benötigen, greifen wir entweder auf bestehende Kontakte zurück
oder wenden uns beispielsweise an den
Medical Cluster, der die meisten Firmen
kennt. In der Schweiz ist kein Unternehmen auf sich selbst gestellt.“ Diese Aussage untermauern die jüngsten Zahlen
des Swiss Medical Technology Industry
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++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
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HOTSPOT SCHWEIZ
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MEDTECH EUROPE, DER DACHVERBAND DER EUROPÄISCHEN MEDTECH-ORGANISATIONEN,
hat Zahlen und Fakten zur Industrie für das Jahr 2012 veröffentlicht. Die Schweiz ist erstmals
erfasst und schneidet im europäischen Vergleich sehr gut ab.
EINIGE BEISPIELE:
>
>
>
>
>
>
Die europäische Medtech-Industrie beschäftigt insgesamt 575 000 Personen.
Die Schweiz steht hier hinsichtlich Mitarbeiterdichte mit 65 Angestellten
pro 10 000 Einwohnern an erster Stelle.
Beinahe 25 000 Medtech-Firmen, fast 95 Prozent davon KMU, gibt es in Europa.
Die Schweiz steht im Ranking der Länder mit den meisten Betrieben an vierter Stelle.
Der europäische Medtech-Markt wird, bezogen auf die Herstellerpreise,
auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt, was 30 Prozent des Weltmarkts ausmacht.
Die Schweiz belegt hier mit vier Prozent den sechsten Platz.
Die in-vitro-Diagnostik (IVD) bildet den grössten Medtech-Sektor, gefolgt von der
Kardiologie und der diagnostischen Bildgebung. Auch im europäischen IVD-Markt
rangiert die Schweiz an sechster Stelle.
Europas positive Handelsbilanz beträgt 15,5 Milliarden Euro. Mit fünf Milliarden Euro
belegt die Schweizer Medizintechnik beim Exportüberschuss die dritte Position.
2012 wurden 10 000 Patentanmeldungen aus dem Medtech-Bereich vom Europäischen
Patentamt (EPO) erfasst. 38 Prozent davon fielen auf die europäischen Länder, allen
voran auf die Schweiz als hochinnovativer und patentintensivster Standort.
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+++ Panorama
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HOHE INTERNATIONALE AUSRICHTUNG
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Hauptkennziffern der Schweizer Medizintechnikindustrie im Vergleich zu anderen Ländern
(Angaben im Vergleich zur Industrie insgesamt)
Schweiz
Deutschland
Grossbritannien
EU
USA
1,1 %
0,4 %
Beschäftigte
0,2 %
0,3 %
0,3 %
2,3 %
Anteil am
BruttoinlandsProdukt
0,9 %
0,4 %
0,8 %
0,8 %
5,2 %
Anteil am
Export
1,4 %
2,4 %
k. A.
2,9 %
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: SMTI Report 2014
(SMTI) Report 2014, den der Medical
Cluster zusammen mit Partnern erstellt
hat: 94 Prozent der Medizintechnikhersteller in der Schweiz arbeiten demnach
mit Partnern zusammen. Tendenz steigend, im Jahr zuvor lag die Zahl noch bei
91 Prozent. Vor allem die Kooperation
mit Kunden hat sich verstärkt: Die Zahlen
sind innerhalb zweier Jahre von 55 auf
73 Prozent in die Höhe geschnellt. „Dies
zeigt, dass die Unternehmen nur Produkte auf den Markt bringen wollen, die
sofort die Marktbedürfnisse befriedigen“,
sagt Peter Biedermann, Geschäftsführer
des Medical Clusters. Bei den Schweizer
Medizintechnikzulieferern ist die Kooperationsbereitschaft etwas weniger stark
ausgeprägt: Drei Viertel arbeiten mit
Partnern zusammen, und zwar vor allem
mit Kunden und Universitäten.
Denn die Struktur der Industrie ist hochgradig durch kleine Unternehmen geprägt, wie der SMTI Report2014 zeigt:
Die Hälfte beschäftigt weniger als zehn
Mitarbeiter, nur sechs Prozent mehr als
250 Mitarbeiter.
Deshalb identifiziert auch der SMTI Report Zusammenarbeit und langfristige
Beziehungen zu Partnern als einen von
sechs Schlüsselfaktoren für den Erfolg
der Schweizer Medizintechnikbranche.
Dies umso mehr, als sich Schweizer Firmen – genauso wie ihre internationalen
Wettbewerber – den Herausforderungen
des Markts stellen müssen: Dies sind zum
einen der Kostendruck im Gesundheitswesen, der sich auch auf die Healthcare
Provider auswirkt. Und zum anderen die
zunehmenden regulatorischen Anforderungen, die bei kleinen und mittleren
Firmen einen hohen bürokratischen Aufwand verursachen. Daraus folgern die
Autoren: Die kritische Grösse für Medizintechnikfirmen steigt. Viele der kleinen
und mittleren Schweizer Unternehmen
stehen vor der Herausforderung, die kontinuierlich steigenden Anforderungen bewältigen zu müssen. Aus diesem Grund
erwarten Experten der Credit Suisse,
dass es in der Medizintechnikindustrie in
Zukunft mehr als nur Kooperationen in
Projekten oder Netzwerken geben wird.
„Es wird verstärkt Firmenfusionen und
– übernahmen geben, der Markt wird
sich konsolidieren“, sagt Gachet.
VERTIKALE INTEGRATION Nach den
Zahlen des SMTI-Reports 2014 suchen
20 Prozent der befragten Firmen in der
nächsten Zukunft proaktiv die Zusammenarbeit oder Joint Ventures mit nachgelagerten Kunden oder Dienstleistern,
um ihren Marktzugang beziehungsweise
ihre Marktanteile zu vergrössern. „Dabei
hat eine Transformation der Branche eingesetzt“, erklärt Beatus Hofrichter, einer
der Autoren der Studie. „Es geht nicht nur
um Konsolidierung. Es entstehen vielmehr ganzheitliche Anbieter, die Produkte und Dienstleistungen über die gesamte
Wertschöpfungskette im Portfolio haben
werden. Denn Spitäler greifen immer
mehr auf zentrale Einkaufsorganisationen und Full-Service-Provider mit massgeschneiderten Lösungen zurück.“
Stefan Blum und Marcel Fritsch, Portfolio Manager des Aktienfonds BB Medtech Lux der Schweizer Finanzgruppe
Bellevue Asset Management, Küsnacht,
sprechen von einer „Industrialisierung
des Gesundheitswesens“: „Tier-1-Zulieferer bieten ganze Systeme an und werden
zum Dienstleistungs- und Outsourcingpartner.“ Wie in der Automobilindustrie
entwickle sich so über die Zeit eine enge
Partnerschaft mit einer langfristigen
Kompetenzverlagerung zum Tier-1-Zulieferer. Andererseits seien die kleineren
Unternehmen, die Tier-2/3-Subsystemund Komponentenzulieferer, einem drastischen Preisdruckanstieg ausgesetzt
und könnten nur dank stetiger Innovationen langfristig bestehen.
Dass dies den Medizintechnikunternehmen gelingt, davon ist Credit-SuisseExpertin Gachet überzeugt: „Die Schweizer Medizintechnikbranche ist nach wie
vor sehr gut aufgestellt und hat deshalb
auch in Zukunft sehr gute Chancen am
Markt.“ Insofern sind künftig weitere Innovationen à la Bone Anchored Port aus
der Schweiz zu erwarten.
ZUSAMMENARBEIT BRINGT INNOVATIONEN HERVOR 40 Prozent der Herstel-
ler und 22 Prozent der Zulieferer betrachten laut der Studie die Zusammenarbeit
mit Partnern als Quelle für Innovationen.
Für die Hersteller sind Kooperationen mit
der akademischen Welt relativ wichtig:
32 Prozent geben dies als Quelle für Innovationen an. Dabei werden Schweizer
Einrichtungen mit 42 Prozent als wichtig
beziehungsweise sehr wichtig eingestuft.
„Daraus kann man umgekehrt auch
schliessen, dass es ohne den hohen Vernetzungsgrad für viele Medizintechnikunternehmen in der Schweiz schwierig
wäre, auf Dauer am Markt zu bestehen“,
erläutert Credit-Suisse-Analystin Gachet.
Auch Hocomas robotische und sensorbasierte Geräte für die funktionelle
Bewegungstherapie sind ein Beispiel
dafür, dass in der Schweiz Innovationen im Netzwerk entstehen (Bild:
Hocoma).
2014_Swiss Medtech Industry
15
Wieder gute Perspektiven
Der Swiss Medical Technology Industry (SMTI) Report 2014 zeigt: Nach einigen Jahren mit
schwächerem Wachstum befindet sich die Medizintechnikbranche wieder im Aufwind.
Sie erwartet 2014 und 2015 fast 10 Prozent mehr Umsatz. Diese positive Stimmung geht
einher mit fundamentalen Änderungen der Geschäftsmodelle: Der Trend geht hin zu einer
ganzheitlichen Integration über die gesamte Wertschöpfungskette.
„Der Ausblick für die Schweizer Medizintechnik ist wieder exzellent“, stellen Dr. Patrick Dümmler und Beatus Hofrichter von
der Strategieberatung Concep+ fest. Sie
sind die beiden Autoren des SMTI-Reports
2014. „Verglichen mit dem Jahr 2012 blicken die Unternehmen der Branche deutlich positiver in die Zukunft.“
Nachdem das Wachstum in den vergangenen beiden Jahren um die 6 Prozent
betragen hat – und sich damit im Vergleich zu den Jahren zuvor deutlich abgeschwächt hatte – nimmt die Schweizer
Medizintechnikbranche nach den jüngsten
Zahlen nun Anlauf zu neuen Höhenflügen:
Für 2014 erwarten die Unternehmen wieder ein Umsatzplus, das fast im zweistelligen Bereich liegt, genauer gesagt rechnen
sie im Durchschnitt mit 9,7 Prozent. Auch
der Gewinn dürfte wieder deutlich höher ausfallen: Die Unternehmen gehen im
Schnitt von einer Steigerung von 4,8 Prozent aus.
BEGINN EINER NEUEN ÄRA „Der Beginn
einer neuen Ära“ lautet denn auch der Titel der Studie, für die der Medical Cluster
mehr als 340 Firmen befragt hat und für
die er die Umfrageergebnisse zusammen
mit Concep+ ausgewertet hat. Der alle
zwei Jahre erscheinende Report nutzt
auch weitere Quellen wie zum Beispiel persönliche Interviews, um die Stärken und
Schwächen, Entwicklungen, Innovationen
und Trends aufzuzeigen, welche die Medizintechnikbranche in der Schweiz charakterisieren. Darüber hinaus identifiziert er
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
DER KOSTENDRUCK STEIGT
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Die grössten Herausforderungen für Hersteller und Zulieferer
Steigende Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen
95 %
94 %
Verstärkte Hürden für Produktzulassungen
92 %
Preisdruck von Kunden
85 %
94 %
Steigende Anforderungen zum Nachweis des klinischen Produktnutzens
84 %
Wechselkursschwankungen
79 %
87 %
Internationalisierung des Wettbewerbs
82 %
Schnellere Innovationszyklen
80 %
77 %
Hersteller
Zulieferer
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: SMTI Report 2014
16
die Herausforderungen und Chancen – und
die Strategien, die Hersteller, Zulieferer
sowie Service- und Handelsunternehmen
auf dieser Basis entwickeln. „Die Zeit der
Stagnation ist vorbei, die Firmen setzen
zum nächsten Wachstumssprung an“, bestätigt Peter Biedermann, Geschäftsführer
des Medical Cluster. Überraschend ist für
ihn nicht nur die positive Stimmung in der
Branche, sondern auch die Erkenntnis, dass
die Schweiz in Relation zu ihrer Grösse und
ihrer Einwohnerzahl die Top-Position mit
der höchsten Dichte an Medizintechnikaktivitäten weltweit gehalten hat. „Dies ist
bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass
die Schweizer Firmen unter dem starken
Druck des steigenden Schweizer Frankens
zu leiden hatten, so dass Exporte vor zwei
Jahren weniger wettbewerbsfähig waren.“
Die starke Währung stellt daher längst
nicht mehr die grösste Herausforderung
dar. Dazu haben zwei Entwicklungen beigetragen: Die Schweizer Notenbank verhindert mit ihrer Politik, dass der Franken
unter den Wert von 1,20 gegenüber dem
Euro fällt. Ausserdem investieren viele
Schweizer Medizintechnikfirmen nun zusätzlich in ausländische Standorte.
KOSTENDRUCK UND REGULATORISCHE
ANFORDERUNGEN Als grösste Herausfor-
derungen sind heute der spürbare Kostendruck im Gesundheitswesen sowie die
steigenden regulatorischen und administrativen Anforderungen zu sehen – und
zwar für mehr als 90 Prozent der Hersteller und Zulieferer gleichermassen. „Vor ein
paar Jahren haben sich die meisten Staaten an den regulatorischen Richtlinien der
+++ Panorama
DIE TOP 5 MEDIZINTECHNIK-ARBEITGEBER
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Nach Anzahl der Mitarbeiter in der Schweiz
J&J MEDICAL
4500
ROCHE DIAGNOSTICS
2100
SONOVA
1200
BIOTRONIK
1068
MEDTRONIC
1000
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: SMTI Report 2014
FDA in den USA orientiert. Heute bestehen
weltweit sehr viele unterschiedliche, länderspezifische Anforderungen an Medizinprodukte. Dies erschwert der Schweizer
Industrie den Erfolg in der globalisierten
und konsolidierten Umgebung“, erklärt
Biedermann. Denn die Medtech-Branche besteht zum Grossteil aus kleinen
und mittleren Firmen: Rund 50 Prozent
beschäftigt weniger als zehn, nur sechs
Prozent mehr als 250 Mitarbeiter. Biedermann: „Vor allem kleine Unternehmen
haben nicht das Personal und Know-how,
um den steigenden regulatorischen Anforderungen begegnen zu können.“ Immerhin
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
KUNDENNÄHE TREIBT AUSLANDSINVESTITIONEN
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Top 5 Gründe für Auslandsinvestitionen
Nähe zu Märkten/Kunden
85 %
Stärke des Schweizer Franken
39 %
Hohe Arbeitskosten in der Schweiz
39 %
Geringere Einstiegshürden
29 %
Mangel an Experten in der Schweiz
9%
0
20
40
60
80
100 %
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: SMTI Report 2014
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
HOHES MITARBEITERWACHSTUM
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Gesamtzahl der Mitarbeitenden (Hersteller,
Zulieferer, Dienstleister, Händler und Distributoren)
+0,3 %
+3 %
+10 %
+20 %
50 000
51 000
52 000
20 000
45 000
30 000
49 000
40 000
2009
2011
2013
10 000
78 Prozent der Hersteller haben dies in der
Umfrage für den SMTI Report angegeben.
Noch eine Entwicklung könnte nach dem
Report zur Belastung für kleine Unternehmen werden: „In der neuen Ära werden die
Unternehmen vor allem auf eine stärkere
ganzheitliche Integration von Prozessen,
Krankheitsbereichen und/oder Marktkanälen setzen, als wir dies bislang kennen.
Diese Entwicklung wird von den grossen
Firmen getrieben, welche die Integration
forcieren, um ihre Marktanteile auszubauen“, sagt Studienautor Hofrichter. „Die
Dominanz grosser Player wird in Zukunft
dafür sorgen, dass immer weniger kleine
Wettbewerber direkte Geschäftsbeziehungen zu den Kunden haben werden.“
HOHE INNOVATIONSKRAFT Dennoch
sind die Autoren des SMTI-Reports zuversichtlich, dass die Schweizer Medizintechnikfirmen gut aufgestellt sind, um unter
den sich verändernden Vorzeichen auch
künftig erfolgreich bestehen zu können.
Dazu tragen das sehr gute akademische
Rückgrat, die breite Basis an Kompetenzen, die sprichwörtliche Schweizer Qualität und der hohe Innovationsgrad bei: 2013
gaben die Hersteller bis zu 17 Prozent und
die Zulieferer elf Prozent ihres Umsatzes
für Forschung und Entwicklung aus, so der
Report. 44 Prozent des Produktportfolios
ist demnach weniger als fünf Jahre alt.
0
2007
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: SMTI Report 2014
Der SMTI Report 2014 steht zum Download bereit unter:
w www.medical-cluster.ch/smti
2014_Swiss Medtech Industry
17
Wo die Medizintechnik
ihre Heimat hat
SCHAFFHAUSEN
THURGAU
BASEL-STADT
BASEL-LANDSCHAFT
AARGAU
JUR A
Z ÜRICH
APPENZELL AUSSERRHODEN
SOLOTHURN
APPENZELL INNERRHODEN
ST. GALLE N
ZUG
LUZE RN
SCHWYZ
N EUEN B URG
GLARUS
NIDWALDEN
OBWALDEN
BERN
WA A DT
URI
GRAUBÜNDE N
FR EI B URG
TE SSIN
GENF
WALLIS
Die Schweiz verfügt über die höchste Dichte an Medizintechnikunternehmen in Europa. In einigen Regionen ist die
Bedeutung der Branche besonders hoch.
26 KANTONE ZÄHLT DIE SCHWEIZ Das Gros der Medizintechnikfirmen ist dabei in einem breiten Band vom Bodensee im Nordosten bis an den Genfer See im Südwesten des Landes zu
finden. In der Region Basel-Zürich-Zentralschweiz haben viele Medtech-Anbieter ihre
Wurzeln im Maschinenbau, der Elektronik und in der Materialverarbeitung. In der Region
Genf-Lausanne-Bern hingegen ist traditionell die Uhrenindustrie ansässig. Deshalb verfügen hier viele Medizintechnikfirmen über spezielles Know-how etwa aus der Mikrotechnologie oder Automation. Ein weiteres Zentrum befindet sich im Süden im Tessin. Welche
Schwerpunkte einzelne Kantone und Regionen setzen, welche Player und Forschungsinstitute dort ihren Sitz haben und wie die kantonalen Wirtschaftsförderstellen die Branche
unterstützen, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.
18
+++ Innovative Regionen
AARGAU
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
ANZAHL DER UNTERNEHMEN INSGESAMT: 42 000
ANZAHL MITARBEITENDE: 320 000
PLUSPUNKT: Lohnkosten zehn Prozent geringer
als in den umliegenden Wirtschaftszentren
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG: Anteil der Mitar-
beitenden in Forschung und Entwicklung ist fast
doppelt so hoch wie im Schweizer Durchschnitt
Dr. Dominik A. Lysek, CEO (links), und Michael Hug, CTO (rechts), der Credentis AG (Bilder: Credentis).
Hier ist die Innovation zu Hause
Medizintechnikunternehmen finden im Hightech-Kanton Aargau beste Voraussetzungen für
ihren Geschäftserfolg. So auch die Credentis AG. Vom Technopark Aargau aus revolutioniert
sie die Zahnmedizin.
Um Karies zu stoppen und den angegriffenen Zahn zu heilen,
muss der Zahnschmelz remineralisiert werden. Hier kommt
Curodont Repair ins Spiel, ein innovatives Mittel der Aargauer
Credentis AG, das Zahnarztbohrer verstummen lässt und beginnende Karies völlig schmerzfrei heilt. Das Mittel basiert auf
der patentierten Curolox-Technologie. Diese wurde von Forschern der University of Leeds entwickelt und besteht aus kleinen, intelligenten Eiweissmolekülen. Die so genannten Peptide
organisieren sich selbstständig zu einer dreidimensionalen Biomatrix. Dadurch baut sich im Zahnschmelz ein Stützgerüst auf,
in das sich im Speichel enthaltene Mineralien einlagern können.
Neue Hydroxylapatit-Kristalle entstehen und wachsen. Damit
sich das Stützgerüst im Inneren des Zahnschmelzes bilden und
der Zahn sich regenerieren kann, werden die Schmelzporen
auf der Zahnoberfläche mit einer Säure geöffnet. Danach wird
Curodont Repair vom Zahnarzt aufgetragen. Die schmerzfreie
Behandlung dauert maximal 30 Minuten. Das Produkt ist in der
Schweiz und der EU zugelassen. Klinische Studien haben seine
Wirksamkeit und Effektivität bestätigt.
EINE GUTE IDEE ALLEIN REICHT NICHT Dr. Dominik A. Lysek,
Gründer und CEO von Credentis, betont, dass eine innovative
Idee allein nicht ausreicht: „Wir haben unseren Unternehmensstandort im Technopark Aargau in Brugg-Windisch – der perfekte Standort für technologieorientierte Start-ups. Während des
Firmenaufbaus wurden wir kompetent von der Standortförderung Aargau Services unterstützt und konnten von ihrem breiten Netzwerk profitieren. Zudem erhielten wir über drei Jahre
ein Coaching von GENILEM Aargau. Durch den Aargauer Forschungsfonds wurden wir finanziell unterstützt. Das Hightech
Zentrum Aargau begleitete uns bei Forschungsprojekten mit der
Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Ohne diesen breiten
Support wäre die wissenschaftlich fundierte Entwicklung der
Technologie nicht möglich gewesen.“
SEHR GUTE RAHMENBEDINGUNGEN Medizintechnikunternehmen profitieren im Aargau von hervorragenden Rahmenbedingungen: Der Hightech-Kanton ist Standort vieler renommierter Forschungsinstitutionen, wie beispielsweise der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), des Kunststoff Ausbildungs- und Technologiezentrums KATZ oder des Paul Scherrer
Instituts (PSI) – des grössten Forschungszentrums für Naturund Ingenieurwissenschaften der Schweiz. Zusätzlich unterstützt der Kanton mit der Standortförderungs-Initiative „Hightech Aargau“ den Wissens- und Technologietransfer in der Region. Hierfür hat die Aargauer Regierung die Hightech Zentrum
Aargau AG gegründet. Das Hightech Zentrum Aargau erleichtert KMU den Zugang zu Know-how, Technologien, Hochschulen und Industriepartnern. Es führt Innovationsanalysen durch,
sucht nach Lösungsansätzen, Innovationspartnern und finanziellen Fördermöglichkeiten auf Ebene von Kanton, Bund oder
der EU. „Daneben liegt der Aargau zwischen der Pharma-Hochburg Basel und der Drehscheibe Zürich goldrichtig“, hält Lysek
fest. „Dank der sehr guten Verkehrsinfrastruktur sind beide
Orte innerhalb einer Stunde erreichbar. Zudem ist die Nähe zu
den beiden Flughäfen Zürich und Basel entscheidend für ein international ausgerichtetes Unternehmen wie Credentis.“
w www.aargauservices.ch
2014_Swiss Medtech Industry
19
BASEL AREA
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INTERNATIONALITÄT: In Grossunternehmen in
Jahrhundertealtes Werkstoffwissen und etablierte Fertigkeiten finden eine neue Anwendung in der Medizintechnik (Bilder: Depuy Synthes).
der BaselArea (Basel-Stadt, Basel-Landschaft
und Jura) arbeiten Fachleute aus bis zu 150
verschiedenen Nationen zusammen. Zahlreiche Einheimische sprechen Deutsch,
Englisch, Französisch und weitere Sprachen.
OFFENHEIT: BaselArea liegt direkt an der
Grenze zu Deutschland und Frankreich.
Rund 30 Prozent der Einwohner besitzen
einen ausländischen Pass.
Der Mikrotechnik-Hotspot
der Nordwestschweiz
Die Schweiz hat die höchste Dichte an Medizintechnikunternehmen pro Kopf in Europa.
Die Region BaselArea gehört zu einem der dynamischsten Aktivitätszentren.
Die Medtech-Industrie in der Region Basel profitiert als fester
Bestandteil vom starken Life-Science-Cluster. Akteure aus der
Industrie können hier entlang der gesamten Wertschöpfungskette gefunden werden. Dies bedeutet: Medtech-Unternehmen haben Zugang zu Industriepartnern und Ressourcen, die
ihnen Wachstum ermöglichen. Sowohl Grossunternehmen wie
Straumann und Depuy Synthes als auch kleine und mittlere Unternehmen wie Medartis, Composites Busch und Bienair sind in
der Region etabliert. Durch ein dichtes Netzwerk aus Universitäten, Forschungsinstituten, Lieferanten, Herstellern, Händlern,
spezialisierten Dienstleistern und führenden Kliniken ist die Region zur Quelle innovativer Lösungen geworden. Dazu gehört
zum Beispiel die Fachhochschule Nordwestschweiz – mit einem
Schwerpunkt etwa auf der medizinischen Mikrosystemtechnik.
HILFE BEI DER SUCHE NACH KOOPERATIONSPARTNERN Das
regionale Netzwerk i-net Medtech unterstützt Unternehmen
bei der Suche nach Kooperationspartnern und bei der Technologie- und Geschäftsentwicklung. i-net Medtech ist Teil der regionalen Innovationsförderung i-net, welche zudem Aktivitäten
in den Bereichen Nano, Life Sciences, IT und Cleantech anbietet.
„Das i-net-Netzwerk setzt sich mit ausgewählten Dienstleistungen intensiv für Innovation in der Region ein. Es adressiert
die Bedürfnisse bestehender Unternehmen und Hightech-Startups und bringt Partner zusammen, sodass es zu einer Beschleunigung bei neuen Projekten kommt“, sagt Dr. Alfredo E. Bruno,
CEO der Medizintechnikfirma AOT. Mehr als 7500 qualifizierte
Arbeitskräfte in der Region verfügen über grosse Erfahrung in
den Medtech relevanten Bereichen Metallbearbeitung, Keramik, Kunststoff, Werkstofftechnik, Konstruktion und Herstellung von CNC-Maschinen sowie Montage elektronischer Komponenten.
20
Feinmechanik im Einsatz für die Wirbelsäulenchirurgie
KANTON JURA, SPEZIALISIERT AUF MIKROTECHNOLOGIEN
Das industrielle Know-how im Kanton Jura kommt zu einem
Grossteil aus der Uhrmachertradition. Bekannte Unternehmen, die in dieser Region Wertschöpfung erzielen, sind Swatch,
Richemont, LVMH, Fossil und Festina. Ihr Know-how in der Präzisionstechnologie kommt heute der Medtech-Branche zugute.
Ein Beispiel dafür ist Willemin-Macodel SA in Delémont. Das
Unternehmen entwickelt und produziert Werkzeugmaschinen
und Komponenten für Mikro- und Präzisionstechnologie. Jeweils 30 Prozent der 80 Millionen Schweizer Franken Umsatz
entfallen auf die Uhrenindustrie und den Medtech-Sektor.
w www.baselarea.ch w www.i-net.ch/medtech
+++ Innovative Regionen
BERN
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ANZAHL DER MEDTECH-ARBEITSSTÄTTEN: 216
ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN: 2 880
Dieser Offset-Karbon-Fräser-Handgriff für die Hüftchirurgie stammt von MPS Precimed (Foto: MPS Precimed).
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG: Viele renommierte
Forschungsinstitute im Medtech-Bereich,
unter anderem die medizinische Fakultät der
Uni Bern mit dem Universitätsspital Insel, das
Artorg Center for Biomedical Engineering und
das MEM Research Center sowie das Institute
for Human Centered Engineering der Berner
Fachhochschule
Im Zentrum der
Präzisionstechnik
Ausgewiesene Fachleute, hochpräzise Maschinen und eine zertifizierte Qualitätskontrolle:
Damit produziert die MPS Precimed SA in Corgémont Spitzenprodukte für die Orthopädie.
Das Unternehmen ist 2013 mit 50 Angestellten als Tochterfirma der MPS Micro Precision Systems AG entstanden, als die
US-Medizintechnikfirma Greatbatch Medical SA ihre Produktion nach Mexiko verlagerte. Seither ist die Belegschaft um 30
Mitarbeitende gewachsen. Im Mikrotechnikzentrum für den
Bereich Medizintechnik will MPS Precimed die OrthopädieProdukte weiterentwickeln. Hier wird künftig auch das Minimotoren-Know-how der MPS einfliessen, und neue, auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkte sollen auf den Markt
gebracht werden. Für den Ausbau ihrer Tätigkeit plant MPS
Precimed, weitere Stellen zu schaffen.
DAS RICHTIGE UMFELD „Die Medizintechnik aus dem Kanton
Bern ist bekannt und renommiert. Hier finden wir die Spezialisten und das Umfeld, das wir benötigen“, sagt Nicola Thibaudeau,
Verwaltungsrätin der MPS Precimed SA und CEO von MPS
Micro Precision Systems AG (MPS). Sie ist vom Medizin- und
Präzisionstechnikstandort Kanton Bern überzeugt: „Unsere
Kunden, Lieferanten und Händler vertrauen auf ein Unternehmen, das sich in einer Region mit konzentriertem Fachwissen
und einer grossen Tradition in Präzisions- und Mikrotechnik niedergelassen hat.“ Thibaudeau sieht speziell in der Region Biel
eine ungeheure Dynamik mit einem weltoffenen Horizont. Hier
gebe es eine fantastische Synergie zwischen Industrie- und Innovationskultur. Die in der Mikromechanik erforderlichen Kompetenzen sowie Automatisierungskenntnisse seien hier öfter
vorhanden als anderswo.
Mit den Netzwerken Medical Cluster und Präzisionscluster
bestehen zudem Plattformen für Unternehmen, die auf dem
Gebiet der Präzisionsindustrie und Medizintechnik tätig sind.
Der Medical Cluster vereint Hersteller, Zulieferer, Dienstleister,
Forschungs- und Entwicklungsinstitute entlang der gesamten
Wertschöpfungskette in der Medizintechnik. Heute zählt der
Medical Cluster fast 400 Unternehmen aus der ganzen Schweiz
und unterstützt Medtech-Unternehmen in den Bereichen Netzwerkbildung, Wissens- und Technologietransfer, Weiterbildung
und Export.
GROSSES NETZWERK AUF ENGEM RAUM Bei Standortentscheiden ist räumliche Nähe ein Kriterium. Das gilt nicht nur für
Zulieferer, sondern auch für Hersteller wie Medtronic, HaagStreit, Ypsomed, Straumann, Ziemer Group, Bienair, Dräger
Medical Schweiz, Staar Surgical und Bernafon. Auch Unternehmen und Wissenschaftler vernetzen sich zusehends besser
und arbeiten enger zusammen. Beispiele sind Grundlagenforschung, das Durchführen von klinischen Studien oder die SpinOff-Kultur. Der Kanton Bern setzt sich zudem für industrielle
Entwicklungsplattformen wie Innocampus AG in Biel ein. Mit
im Patronat ist Thibaudeau: „Die Schweizer Industrie braucht
aufgrund der bedeutenden globalen Forschungsdynamik eine
strategische Plattform, um technologische Trends auf Chancen
und Risiken zu prüfen.“ MPS positioniert sich mit seinen sechs
Standorten in Biel, Court, Sonvilier, Corgémont, Orvin und Bonfol
mitten im Zentrum der Präzisionstechnik. Räumliche Nähe zeigt
MPS auch bei der Wahl seiner Produktnamen: Die Medizintechnikprodukte tragen als Code Namen von Bergen in der Nähe des
Kunden. So heisst beispielsweise ein Roboter Säntis: Mit seiner
Hilfe können Chirurgen Schrauben in die Wirbelsäule platzieren.
w www.berneinvest.com
2014_Swiss Medtech Industry
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BIOALPS
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ANZAHL DER LIFE-SCIENCE-UNTERNEHMEN:
mehr als 750
ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN: 25 000
PLUSPUNKT: Kernkompetenzen in insgesamt
13 Life Science Kernfeldern
Regenhu ist ein Pionier auf dem Gebiet des 3D Tissue Engineering mit 3D-Bio-Druckern (Bilder: Regenhu).
In ständiger Veränderung
Die Mischung aus grossen Forschungseinrichtungen, innovativen Biotech- und MedtechUnternehmen und medizinischen Zentren hat dafür gesorgt, dass sich der Life Science Cluster
BioAlps in der Westschweiz zu einer Adresse ersten Ranges entwickelt hat.
Der Erfolg der Branche in der Region Westschweiz ergibt sich
aus den gemeinsamen Anstrengungen aller Akteure: proaktive
Behörden, eine sehr gute Infrastruktur und Life-Science-Parks,
die für die Ansiedlung der Medtech-Branche förderlich sind.
Es ist ein Ökosystem, das durch die enge Zusammenarbeit
zwischen Industrie, Bildungseinrichtungen, Technologietransferstellen und Universitätskliniken entstanden ist. Der Beweis
dafür sind zahlreiche Unternehmen aus der Medizintechnik und
Biotechnologie, die sich in der Region etabliert haben – darunter
Baxter, Beckman Coulter, Celgene, CSL Behring, Debiopharm,
Debiotech, Dentsply, Edwards Lifesciences, Ferring, Glenmark,
GSK, Johnson & Johnson Medical, Medtronic, UCB-Farcim und
Stryker. Gegründet 2001, wird die BioAlps Association, der
Life Science Cluster der Westschweiz, durch die Kantone Bern,
Freiburg, Waadt, Neuenburg, Genf, Wallis, Jura, das Schweizer
Staatssekretariat für Wirtschaft und lokale akademische Einrichtungen unterstützt. BioAlps vereinigt mehr als 750 Medizintechnik- und Biotechnologie-Unternehmen, 20 Hochschulen
und viele Fachhochschulen, 500 öffentliche und private Laboratorien, 13 Wissenschaftsparks, Gründerzentren sowie acht Inkubatoren und sieben Technologietransfer-Zentren. Im Bereich
Life Science gibt es mehr als 20 000 Arbeitsplätze mit rund
5 000 Forschern.
HEIMAT FÜR INNOVATIVE UNTERNEHMER Ein Beispiel für
die hohe Innovationskraft der Region ist Regenhu, ein Unternehmen aus dem Kanton Freiburg. Regenhu ist ein Pionier auf
dem Gebiet des 3D-Tissue-Engineering mit Biomaterialien und
3D-Bio-Druckern. Das Unternehmen profitiert von exklusiven,
patentierten Technologien aus dem Umfeld von Universitäten,
Forschungslaboren und Partnern innerhalb des BioAlps-Clusters. Aufbauend auf der Forschung in Biel, Genf und Freiburg
hat Regenhu viele Produkte entwickelt und exportiert diese
weltweit.
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Regenhu profitiert von Technologien aus dem
Umfeld von Universitäten, Forschungslaboren
und Partnern innerhalb des BioAlps-Clusters.
DIE REGION SETZT AUF VIELFALT Eine der grossen Stärken
der Region Westschweiz ist der interdisziplinäre Ansatz: Die
Life-Science-Branche profitiert nicht nur von der Kompetenz in
der biomedizinischen Forschung und der Biotechnologie, sondern auch vom Fachwissen in der Mikro- und Nanotechnologie,
den Biowissenschaften und der Medizintechnik. Das Wissen aus
verschiedenen Disziplinen führt zur Entwicklung neuer Ansätze
und neuer Geräte in der Medizintechnik.
EUROPÄISCHE ZENTRALE DER NEUROWISSENSCHAFTEN Die
Dynamik und Anziehungskraft der Region BioAlps zeigt sich im
Beschluss der EU aus dem Jahr 2013, das Human-Brain-Project
mit einem Betrag von knapp einer Milliarde Euro über mehr
als zehn Jahre zu fördern. Das Flaggschiff-Projekt der École
Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) hat das Ziel, das
menschliche Gehirn mit Hilfe von Computern zu simulieren. Mit
Unterstützung der Familie Bertarelli, der Wyss-Stiftung, der
EPFL und der Universität Genf wird die ehemalige Zentrale von
Merck Serono zum Sitz des neuen Clusters mit dem Namen Biotech-Campus, der sich dem Neuro- und Bioengineering im Rahmen des Human-Brain-Projekts widmet.
> Lesen Sie mehr zum Campus Biotech auf Seite 42/43.
w www.bioalps.org
+++ Innovative Regionen
SCHWYZ
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ANZAHL DER ARBEITSSTÄTTEN INSGESAMT: 13 790
ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN: 75 705
KNOW-HOW-TRANSFER: Das Technologiezentrum
Schwyz (TZS) unterstützt Neuunternehmer mit
innovativen Geschäftsideen mittels fundierter
Konzepte, professioneller Coachings und Netzwerkkontakten.
Geschäftshaus in Küssnacht am Rigi (SZ), bezugsbereit ab November 2014
(Bild: ADT Innova Generalunternehmung).
Ein offenes Wirtschaftsnetzwerk
Der neue, 2014 gegründete Health Tech Cluster Switzerland (HTCS) in der Zentralschweiz
stösst auf grosse Beachtung. Besonders interessant für Unternehmen ist der Ansatz eines
offenen Wirtschaftsnetzwerks.
Der Gesundheitscluster führt Organisationen aus Medizintechnik
sowie aus Gesundheitswesen, Biotechnologie, Pharmatechnik
und Molekularbiologie zusammen. Das Netzwerk umfasst Hersteller, Zulieferer, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen
sowie spezialisierte Dienstleister und Investoren im Bereich der
Gesundheitstechnologien.
OFFENES WIRTSCHAFTSNETZWERK Health Tech Cluster
Switzerland versteht sich als Initiative für ein offenes Wirtschaftsnetzwerk, das international agiert. Das Clustermanagement wird daher in den nächsten Monaten eine Anzahl strategischer Partner evaluieren, mit denen im Forschungs- und Wissenschaftsbereich zusammengearbeitet wird. Zudem werden Kooperationen mit ausländischen Clustern eingegangen. Dadurch
soll den Unternehmen der Markteintritt in die entsprechenden
Absatzregionen erleichtert werden, indem sie vom internationalen Wissens- und Technologietransfer, von der Teilnahme an
Events und Kongressen sowie vom Finden neuer Kunden, Lieferanten und Vertriebspartner profitieren. Dies wird wiederum
die Internationalisierung von innovativen Leistungen und Produkten beschleunigen. Gleiches gilt für die Mitglieder der ausländischen Partnercluster, die Zugang zu den Unternehmen und
Aktivitäten von Health Tech Cluster Switzerland haben.
QUALIFIZIERTE TEILNEHMER Die Zahl der registrierten Organisationen nimmt täglich zu. „Wir freuen uns sehr über das
rege Interesse am lancierten Gesundheitscluster. Die Zahl der
Mitglieder zeigt, dass die Angebote und Dienstleistungen von
HTCS einem echten Bedürfnis entsprechen“, sagt Kurt Zibung.
Er ist Präsident des Technologiezentrums Schwyz (TZS), das als
Trägerverein von Health Tech Cluster Switzerland Dreh- und
Angelpunkt der Initiative ist. „Neben der Mitgliederzahl ist die
Zusammensetzung des Netzwerks von substanzieller Bedeutung. Bereits heute zeichnet sich ein qualifiziertes und breites
fachliches Spektrum ab.“
AKTIVES CLUSTERMANAGEMENT Um bestehenden und neuzuziehenden Organisationen einen Mehrwert zu bieten, ist der
Clustermanager Thomas Meier eingesetzt worden. Er verbindet die drei Eckpfeiler Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und
trägt durch seine aktive Rolle zur Innovationskraft der Mitglieder bei. Weiter stellt er die Vernetzung der Mitglieder untereinander sicher und verschafft Zugang zu Erfahrung, Fachwissen und bestehenden Netzwerken im In- und Ausland. Er führt
Unternehmen mit Investoren zusammen, initiiert den Wissensund Technologietransfer oder vernetzt Mitglieder mit akademischen Forschungs- und Entwicklungspartnern.
IMMOBILIENPROJEKTE Im geographischen Zentrum von
HTCS, zwischen Küssnacht am Rigi und Brunnen im Kanton
Schwyz, sind mehrere Immobilienprojekte in Planung, darunter
der Bau neuer Gebäude, in denen Teilnehmer des Clusters Platz
finden sollen; so zum Beispiel im Industriegebiet Küssnacht
Fänn, in Brunnen Nord, beim Bahnhofsareal Arth-Goldau und
beim Zeughausareal Seewen. Bereits jetzt befinden sich in dieser Zone viele Unternehmen aus der Medizin- und Gesundheitsbranche. Zusammen bieten sie mehrere hundert Arbeitsplätze
an. Kurt Zibung: „Zwischen Küssnacht und Brunnen verfügen
wir demnächst über rund 25 Hektaren zusätzliches Industrieund Gewerbeland. Wir wollen in diesem Gebiet bewusst Unternehmen aus dem wertschöpfungsintensiven Bereich der
Gesundheitstechnologien ansprechen.“
w www.healthtech.ch w www.tzsz.ch
2014_Swiss Medtech Industry
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SOLOTHURN
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ANZAHL DER UNTERNEHMEN INSGESAMT: 10 000
ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN: 126 000
INDUSTRIE: Ein Drittel der Solothurner Arbeitskräfte arbeitet in der Industrie, im schweizerischen Mittel liegt der Anteil bei einem Viertel.
Die Industrie hat ihre Wurzeln in der Uhrenherstellung und Metallverarbeitung.
Ein Beispiel aus Solothurn: Das neue Produkt Ligamys von Mathys Orthopädie, ein Implantat zur Behandlung
von Kreuzbandrissen (Bild: Mathys Bettlach).
Wo die Präzision im Blut liegt
Viele Unternehmen haben sich für die Standortvorteile von Solothurn entschieden: Der vor
allem für seine Implantate bekannte Medtech-Riese Depuy Synthes beispielsweise hat hier
seine Wurzeln.
Das Unternehmen Synthes wurde 2011 an Johnson & Johnson
verkauft und später dann zu Depuy Synthes verschmolzen.
Auch heute noch hat die Firma ihren europäischen Hauptsitz
und Produktionsstandorte im Kanton Solothurn. Ein anderes
Beispiel ist Mathys Orthopädie mit Sitz in Bettlach. Der Hersteller von künstlichem Gelenkersatz und synthetischem Knochenmaterial wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet
und übt sein Hauptgeschäft nach wie vor im Kanton Solothurn
aus. Andere weltbekannte Firmen wie etwa Stryker, Boston
Scientific oder Smith and Nephew haben den Kanton Solothurn
ebenfalls für ihre Aktivitäten gewählt. Wie die Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn die Neuansiedlung von Unternehmen
begleitet, zeigt das Beispiel von Maetrics aus dem Jahr 2013:
Die Firma bietet Beratung in den Bereichen Compliance und
Qualitätssicherheit für die Medizintechnik, Pharmaindustrie
und Biotechnologie.
IN DER MITTE EUROPAS Die Entscheidung für Solothurn fiel
bei Maetrics aus zwei Gründen; der erste ist die geographische
Nähe zu mehreren grossen Schweizer Ballungsgebieten, die per
se in der Mitte Europas liegen. Zum zweiten liegt Solothurn in
der Mitte des orthopädischen Medtech-Clusters. Dadurch hat
Maetrics stets kurze Wege zu seinen Kunden und kann deren
Anforderungen schnell und effizient erfüllen. „Die moderne
Orthopädie muss hier geboren sein, die Arbeitskräfte haben
buchstäblich Präzision im Blut, gepaart mit Wissen und einem
erstaunlichen Gespür für Qualität und Exzellenz. Ausserdem
gibt es hier ein hohes Bildungsniveau und eine positive Arbeitsmoral – alles ansprechende Qualitäten für Unternehmen in der
Branche“, sagt Maetrics-Präsident Mark B. Hassenplug. Unterstützt wurde das Beratungshaus in der Schweizer Gründungsphase von der Solothurn Economic Development Agency (SEDA).
Dazu gehörten Ratschläge, was es bedeutet, Geschäfte in der
Schweiz und in Solothurn zu machen, sowie die Vermittlung von
24
Kontakten zum Medical Cluster und zu lokalen Unternehmen.
George Huntley, Finanzvorstand von Maetrics: „Wir waren sehr
froh über die Hilfe bei der Suche nach einem Büro und dabei,
für Mitarbeiter Wohnraum zu finden. Der Kanton Solothurn ist
sicherlich kein urbanes Zentrum, aber die vielen Standorte in
direkter Reichweite zu haben, ist schön. Darüber hinaus ist es
einer der für die Brieftasche freundlichsten Plätze im schweizerischen Mittelland durch eine anhaltende, gesunde Kostenstruktur für Einzelpersonen und Unternehmen.“ Ein Beispiel
für das allgemeine Preisniveau im Kanton Solothurn: Die Mietkosten für Büros und Wohnungen liegen in der Regel 20 Prozent
unter denen in anderen Schweizer Ballungsräumen.
SEDA ALS ZENTRALER ANSPRECHPARTNER SEDA ist nach
wie vor Maetrics zentraler Ansprechpartner in der Solothurner
Verwaltung – etwa wenn es darum geht, Stellen mit Spezialisten zu besetzen. „Alle bei Maetrics sind sehr zufrieden mit
der Entscheidung für den Standort Solothurn. Mit unseren strategischen Plänen, unsere Marktpräsenz auszubauen und unser
Büro durch die Rekrutierung neuer Fachkräfte zu erweitern,
befinden wir uns weiterhin auf Kurs. Unsere Beziehung mit dem
Kanton Solothurn wird eine lange sein. Wir freuen uns, ein Teil
der hiesigen Gemeinschaft zu sein", betont Hassenplug.
w www.standortsolothurn.ch
+++ Innovative Regionen
ZÜRICH
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ZAHL DER UNTERNEHMEN IM KANTON ZÜRICH:
Sensirion – hier die beiden CEOs Felix Mayer (links) und Moritz Lechner – hat von der Standortförderung des
AWA Zürich profitiert (Bild: Sensirion).
knapp 108 000, davon 360 in der Medizintechnik
VOLKSWIRTSCHAFT: Die Unternehmen im
Kanton erwirtschaften rund ein Fünftel des
schweizerischen Bruttoinlandprodukts
FLEXIBILITÄT: 99 Prozent der Zürcher Betriebe
sind kleine und mittlere Unternehmen mit
weniger als 250 Mitarbeitenden.
Vom Finanz- zum Medizintechnikplatz
In den vergangenen Jahren sind viele Unternehmen aus dem Kanton Zürich zum vitalen Cluster
Life Science zusammengewachsen. Dieser ist durch einen überdurchschnittlichen Anteil an Medizintechnikunternehmen und rege Spin-off-Aktivitäten aus den Zürcher Hochschulen geprägt.
Zürich ist nicht nur ein wichtiger Finanzplatz, sondern auch
Werk- und Denkplatz. Die Medizintechnik hat eine lange Tradition am Standort Zürich und bildet auch das Rückgrat der
Life-Science-Industrie. Ein Fünftel aller Schweizer Medizintechnik-Unternehmen ist im Raum Zürich niedergelassen; ihre
Produktpalette reicht von Hüftschrauben über Zahnimplantate
und Analysegeräte bis hin zu Wundverbänden und Hörgeräten.
Im Kanton Zürich werden Branchengruppen, die aufgrund der
hohen Dichte an Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen eine wichtige Rolle spielen, in Clustern zusammengefasst. Ziel ist es, ansässige Unternehmen zu stärken sowie
die Ansiedlung und Entstehung neuer Firmen zu fördern. Durch
die Vernetzung der Akteure entlang der Wertschöpfungskette
wird die Innovationskraft des jeweiligen Clusters erhöht. Die
Klassifizierung in Branchencluster dient der Veranschaulichung
und weist durchaus Unschärfen auf. Denn manchmal entwickelt
sich ein Unternehmen aus seinem klassischen Umfeld heraus
weiter und strahlt danach in weitere Branchen aus.
ERFOLGSGESCHICHTE SENSIRION Ein schönes Beispiel dafür
ist Sensirion. Das Technologie-Unternehmen ist als Spin-off
der ETH Zürich, einer der weltweit führenden technisch-naturwissenschaftlichen Hochschulen, entstanden und stellt Feuchtsensoren und Sensorlösungen für Gas- und Flüssigkeitsdurchflüsse her, die mittlerweile in Autos, Smartphones, in der Gebäudetechnik und eben in der Medizintechnik zum Einsatz
kommen. Die Herstellung erfolgt auf Grundlage modernster
Halbleitertechnologie, indem Mikrosensorstrukturen durch gezielte mikrosystemtechnische Veredelungsschritte auf einem
speziell entwickelten und patentierten Halbleiterchip prozessiert werden. Der daraus entstehende Sensorchip ermöglicht
eine präzise und zuverlässige Erfassung der gewünschten physikalischen Parameter, wie beispielsweise relative Feuchte, Temperatur oder Massenfluss. Heute, 16 Jahre nach der Gründung,
beschäftigt Sensirion mehr als 550 Mitarbeiter. 2013 wurde der
hundertmillionste Sensor verkauft. Das Amt für Wirtschaft und
Arbeit (AWA) setzt sich mit seiner Standortförderung dafür ein,
dass weitere, vergleichbare Erfolgsgeschichten im Wirtschaftsraum Zürich geschrieben werden. Gerade in der Startphase
sind findige Köpfe froh um Unterstützung, wenn sie gemeinsam
mit anderen Start-ups günstig die Infrastruktur nutzen und sich
austauschen können.
BIO-TECHNOPARK ALS DREH- UND ANGELPUNKT Zentrum des
Zürcher Life-Science-Clusters ist der Bio-Technopark SchlierenZürich. Wo früher Aufzüge und Waggons montiert wurden,
arbeiten heute mehr als 30 Start-ups und etablierte Firmen
an neuartigen Medikamenten und Diagnostika oder biologisch
abbaubaren Implantaten. Ein wichtiger Grund für die Magnetwirkung des Bio-Technoparks Schlieren-Zürich liegt darin,
dass auf dem ehemaligen Industriegelände nicht nur Büros
und Lager vermietet werden, sondern auch fachspezifische
Laborinfrastruktur. Die forschungsintensive Entwicklung und
Produktion im Cluster Life Science profitiert von der breiten
akademischen Basis, die Zürich mit der ETH, der Universität
Zürich, dem Universitätsspital, den anderen Spitälern und der
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW
bietet. Eine breite Grundlagenforschung und angewandte Forschung gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine
florierende Life-Science-Industrie. Gemessen an der gesamten
nominalen Bruttowertschöpfung der Region Zürich ist die LifeScience-Industrie zwar immer noch klein, verzeichnet jedoch
sehr hohe Wachstumsraten. Über zwei Drittel aller Unternehmensgründungen im Life-Science-Bereich im Kanton Zürich
entstehen in der Medizintechnik.
w
www.standort.zh.ch
w www.lifescience-zurich.ch
2014_Swiss Medtech Industry
25
Städtebauliches Wahrzeichen Zürichs ist der
Prime Tower. Das höchste Bürogebäude der Schweiz
bietet Büro- und Dienstleistungsflächen. Mieter sind vor
allem Kunden aus dem gehobenen Dienstleistungssektor
(Bild: Travelstock44 – Juergen Held/gettyimages).
Attraktive Nische für
anspruchsvolle Produkte
Ausländer denken bei der Schweiz meist an Berge
und Banken. Das Land ist darüber hinaus jedoch
auch attraktiver Nährboden für äusserst erfolgreiche
Pharma-, Bio- und Medizintechnikunternehmen.
Wenn es um absolute Zahlen geht – zum
Beispiel bei der Standortfrage für ausländische Investoren – erscheint die Schweiz
im Vergleich oft eines: klein. Bei einer Fläche von 41285 Quadratkilometern und
rund acht Millionen Einwohnern kein
Wunder. Und so nimmt die Schweiz beim
Ranking europäischer Investitionsziele
Platz zwölf ein, weit hinter den Ranglistenersten Grossbritannien, Deutschland
und Frankreich. Ein ganz anderes Bild
ergibt sich jedoch, wenn man die relativen Zahlen betrachtet. Ein Beispiel: Die
Schweiz hat die höchste pro-Kopf-Konzentration von Medizintechnikunternehmen weltweit. Oder: Laut Global Competitiveness Report des World Economic
Forum gilt die Schweiz – bereits zum
fünften Mal in Folge – als konkurrenzfähigstes Land der Welt (gefolgt von Singapur und Finnland). Top-Bewertungen
erhält das Land hier vor allem für seine
Innovationskraft und die Flexibilität seiner Wirtschaft sowie die Qualität des Bildungssystems.
Was macht das kleine Land so attraktiv und erfolgreich? Es sind nicht nur
die niedrigen Steuern und das günstige
Kapital, für das die Schweiz bekannt ist,
es sind auch gut ausgebildete Fachkräfte und topmoderne Forschungsstätten
wie Kliniken, die mit den Unternehmen
zusammenarbeiten, sowie eine unkomplizierte Bürokratie. „Viele internationale
Firmen haben hier ihre Hauptquartiere,
Produktions- oder Forschungsstätten“,
bestätigt Heinrich Christen, Partner und
26
Leiter Medical Devices Industry für Europa, den Mittleren Osten, Indien und Afrika bei der Unternehmensberatung Ernst
& Young in St. Gallen. Auch viele Start-ups
und kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) profitieren von staatlichen Förderungen und dem innovativen Umfeld.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
LEBENSQUALITÄT ALLGEMEIN
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
RANG
2012
HOHE SPRACHKENNTNISSE DER MITARBEITER „Zum Beispiel ist hier eine enge
Zusammenarbeit mit Spitälern möglich
– und wir haben davon sieben führende
auf kleinem Raum“, sagt Heinrich Christen. Das sei vergleichbar mit der Region
um Tübingen in Deutschland oder Boston
in den USA. „Zudem sind wir ein Land
mit einem kleinen Heimmarkt“, erklärt
er. „Dementsprechend sind die Menschen
seit Generationen gewohnt, in alle Welt
zu exportieren – und haben hier nicht nur
einen reichen Erfahrungsschatz und hohes Branchen-Know-how, sondern auch
vielfältige Sprachkenntnisse.“ Abgesehen
davon, dass es in der Schweiz vier offizielle Amtssprachen gibt: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
Kein Wunder, dass das Land der Uhrmacher besonders für die Herstellung
anspruchsvoller Produkte einen attraktiven Nährboden bietet. „Von diesem
Nährboden profitieren nicht nur regionale Headquarter, die von hier aus ihre Aktivitäten in der EU koordinieren“, erklärt
André Güdel, Senior Manager, Business
Development International Corporate
Tax bei der KPMG AG in Zürich. „Auch
wenn es um die Entwicklung und Verwertung von geistigem Eigentum geht oder
STADT
2011
1
1
Wien
2
2
Zürich
Auckland
3
3
4
4
München
5
5
Vancouver
6
5
Düsseldorf
7
7
Frankfurt
8
8
Genf
9
9
Kopenhagen
10
9
Bern
>
In Sachen Lebensqualität ist die Schweiz unter
den internationalen Top Ten stark vertreten.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: Mercer Quality of Living Survey 2012
um wertschöpfungsintensive Produktion,
ist die Schweiz ein guter Standort. Hier
finden Sie die richtigen Fachkräfte und
haben kompetente Ansprechpartner in
Firmen und Behörden. Zunehmend siedeln sich hier auch Unternehmen an, die
vom Branding Effekt 'Made in Switzerland' profitieren wollen, zum Beispiel im
Pharma- und Kosmetikbereich.“
Einen Preis müssen Unternehmen für
dieses attraktive Umfeld allerdings zahlen: Die Löhne in der Schweiz sind vergleichsweise hoch. „Für die Herstellung
von einfachen Plastikhandschuhen ist
die Schweiz eher nicht optimal“, bringt es
André Güdel auf den Punkt und ergänzt:
„Das wird jedoch wettgemacht durch
+++ Wirtschaft & Recht
Der Flughafen Zürich ist ein wichtiger Drehund Angelpunkt für internationale Geschäfte
(Bild: Hiroshi Higuchi/gettyimages).
> „Viele Internationale Firmen haben
hier ihre Hauptquartiere, Produktions- oder Forschungsstätten.“
HEINRICH CHRISTEN, Partner und Leiter Medical
Devices Industry für Europa, den Mittleren Osten,
Indien und Afrika bei der Unternehmensberatung
Ernst & Young, St. Gallen.
eine sehr hohe Produktivität und ein sehr
flexibles Arbeitsrecht.“
KONKURRENZFÄHIG IM WELTWEITEN
WETTBEWERB
Solche Überlegungen
kennt auch Uwe E. Jocham, Direktionspräsident der CSL Behring AG in Bern,
die Arzneimittel aus humanem Plasma
entwickelt und produziert. Das Unternehmen ist bereits seit 65 Jahren in Bern
angesiedelt. Ursprünglich war es Teil
des Schweizerischen Roten Kreuzes und
wurde im Jahr 2000 vom australischen
Pharmaunternehmen CSL Limited übernommen. Mittlerweile hat sich die CSL
Behring Gruppe mit Produktionsstandorten in Australien, USA, Deutschland
und in Bern zum weltweit führenden
Unternehmen im Bereich der Plasmaprotein-Therapeutika entwickelt. In enger
Zusammenarbeit mit dem Mutterhaus
CSL Limited hat CSL Behring in den letzten Jahren an der Entwicklung einer Reihe von neuen rekombinanten Hämophilie-Therapeutika gearbeitet.
Vor zweieinhalb Jahren startete das
Unternehmen die Suche nach einem
Standort für ein neues Werk, in dem drei
rekombinante Gerinnungsfaktoren hergestellt werden sollen. Dabei handelt es
sich um ein für CSL Behring neues Verfahren, und der Konzern suchte global
nach einem idealen Standort. Jocham
erläutert: „In unserer Evaluation waren
Standortfaktoren in ihrer vollen Bandbreite entscheidungsrelevant: politische,
finanzielle, arbeitspolitische Faktoren,
Infra- und Logistikstrukturen, die Zu-
gänglichkeit zum Markt und zu Arbeitskräften sowie auch die Attraktivität des
Lebensraums, damit die Mitarbeitenden
gerne kommen.“ In einer mehrstufigen
Vorselektion in verschiedenen Ländern,
Regionen und Industrieparks wurden potenzielle Kandidaten evaluiert. Am Ende
blieben zwei konkrete Standorte im Rennen: das schweizerische Lengnau im Kanton Bern und ein Biotech-Industriepark in
Singapur.
GUTE ERFAHRUNG MIT BEHÖRDEN
PUNKTET Bei dem Kopf-an-Kopf-Rennen
lagen beide Orte gleichauf, wobei Singapur hinsichtlich Finanzen und Lengnau
bezüglich Verfügbarkeit von Fachpersonal mehr Vorteile bot. „Das Zünglein
an der Waage spielte hier die sehr gute
Erfahrung, die CSL Behring in den vergangenen 14 Jahren am Standort Bern
gemacht hat“, berichtet der Direktionspräsident. „Wir haben dort bereits viele,
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
DIE WICHTIGSTEN STANDORTFAKTOREN AUS INVESTORENSICHT
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Welche Standortfaktoren sind im Hinblick auf Investitionsentscheidungen Ihres Unternehmens
besonders wichtig?
Stabilität und Transparenz des politischen,
rechtlichen und ordnungspolitischen Umfelds
43 %
37 %
Attraktivität des Binnenmarktes
26 %
Personal-/Arbeitskosten
26 %
Potenzielle Produktivitätszuwächse
25 %
Infrastruktur: Transport und Logistik
19 %
Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte
14 %
Soziales Klima
10 %
Unternehmensbesteuerung
9%
Infrastruktur: Telekommunikation
Flexibilität des Arbeitsrechts
Gewerbliche Schutz- und Urheberrechte
Umfeld für Forschung, Entwicklung und Innovation
>
5%
3%
3%
Stabilität und Transparenz ziehen Investoren in die Schweiz.
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Quelle: EY's attractiveness survey 2012
2014_Swiss Medtech Industry
27
sehr grosse Investitionen getätigt – und
bei der Realisierung dieser grossen Projekte mit neuen Produkten und neuen
Produktionsanlagen hat CSL immer sehr
positive Erfahrungen gemacht: Die Kompetenz der Mitarbeitenden sowie der
Planungs- und Realisierungspartner für
die Biotechanlagen war hoch. Die behördliche Unterstützung war hervorragend. Es gab ein zügiges Zulassungsprozedere und eine enge Zusammenarbeit,
so dass einer zeitgerechten Realisierung
nichts im Wege stand.“ Hinzu kommt das
Engagement der Politiker, das auch dem
Mutterkonzern imponierte: „Die politische Erreichbarkeit von Keyplayern ist in
der Schweiz ganz besonders gut. Die politische Ebene war im Entscheidungsprozess gesprächs- und handlungsbereit.“
Ein Rückschlag in der Schlussphase des
Entscheidungsprozesses war das „Ja“
zur eidgenössischen Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“: „Das hat uns
mitten in der Endauswahl getroffen“,
berichtet Jocham. „Da gab es nicht nur
in unserem Konzern grosse Verunsicherung. In der Realität wird sich für uns
nicht viel ändern. Aber als Präsident des
Berner Arbeitgeberverbandes möchte
ich betonen: Das schadet dem sonst so
guten Image der Schweiz und ist langfristig wirtschaftsschädigend. Wir müssen
aufpassen, dass wir das positive Image
der Schweiz als politisch und wirtschaftlich stabiles Land erhalten können.“ Denn
zum einen zieht gerade dieses Image der
wirtschaftlichen und politischen Stabilität Firmen in die Schweiz, wie ausländische Unternehmer in einer Studie
von Ernst & Young aus dem Jahr 2014
bestätigen. Zum anderen profitieren die
Unternehmen von internationalen Fachkräften, die aufgrund der Lebensqualität,
der hohen Löhne und der guten Schulen
gern in die Schweiz kommen. Unter Fachkräftemangel leidet das Land im Gegensatz zu einigen seiner Nachbarn bisher
nicht. André Güdel von der KPMG betont:
„Gute Mitarbeiter zu finden ist nicht einfach, aber in der Schweiz einfacher als an
anderen Orten.“
ZUSAMMENSCHLUSS HILFT KMU Von
diesem Potenzial profitieren auch die vielen innovativen KMU, die neben den bekannten Pharmariesen wie Novartis und
Hoffmann-La Roche die Schweizer Wirtschaft prägen. Doch sie stehen stark unter Druck, denn die hohen Lohn- und Entwicklungskosten sowie Risiken sind für
28
Bei einer Umfrage der Mercer International Consultant Group im Jahr 2012 war die Schweiz hinsichtlich
Lebensqualität mit drei Städten unter den Top Ten vertreten. Auch Bern erzielte ein gutes Ergebnis und
landete auf Rang zehn. Platz zwei und acht belegen Zürich und Genf (Bild: patphot/istockphoto).
sie schwer tragbar. Für Güdel ist klar: „Die
KMU stehen unter hohem Konkurrenzdruck, sind aber gut aufgestellt und müssen innovativ bleiben. Sie sind ausserdem
zunehmend Ziel von Unternehmensübernahmen. Deshalb sind ein kompetenter
Mitarbeiterpool und gute Ideen entscheidend.“ Heinrich Christen ergänzt: „In der
Branche läuft eine Konsolidierungswelle.
KMU müssen sich zusammenschliessen,
um der komplexer werdenden regulatorischen Anforderungen und der Kosten
der globalen Markterschliessung Herr
zu werden.“ Um Unternehmer, Start-ups
und Forschungsstätten dabei zu unterstützen, mit ihren Innovationen schneller
und kostengünstiger auf den Markt zu
kommen, bietet die Schweiz diverse Förderprogramme (siehe Kasten). Auch hier
mit Erfolg: Bisher drehen die Schweizer
schneller am Rädchen als globale Konkurrenten. Das Innovation Union Scoreboard
der Europäischen Kommission sieht die
Schweiz als die mit Abstand innovativste
Volkswirtschaft Europas.
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++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
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FÖRDERUNG VON GUTEN IDEEN
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DIE KTI MEDTECH INITIATIVE fördert den Wissenstransfer zwischen den Laboren und der Industrie,
mit dem Ziel, Resultate aus der Spitzenforschung in markttaugliche Produkte zu transferieren.
Unternehmen sollen dazu animiert werden, ihre Ideen gemeinsam mit Hochschulen zu realisieren.
w www.kti.admin.ch
>
Lesen Sie mehr über die KTI auf Seite 38.
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
DER MEDICAL CLUSTER stellt die wichtigste Netzwerkorganisation von Medizintechnikunternehmen in der Schweiz dar. Hauptziel des Vereins ist die Förderung des Innovationsprozesses
entlang der Wertschöpfungskette Forschung, Produktion und Vermarktung. Der Verein organisiert Fachveranstaltungen und Weiterbildungskurse, Gemeinschaftsstände an ausländischen
Messen, führt Exportseminare durch und betreibt die zwei thematischen Arbeitsgruppen Lean
Management und Human Centered Design. Der Medical Cluster ist Herausgeber der Branchenstudie Swiss Medical Technology Industry Report, die alle zwei Jahre erscheint, sowie des vorliegenden Magazins Swiss Medtech Industry. w www.medical-cluster.ch
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
DER VERBAND FASMED setzt sich für attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen in der
Schweiz ein. Dazu informiert und berät Fasmed seine Mitglieder in fachspezifischen, wirtschaftspolitischen sowie regulatorischen Fragen und pflegt gezielt Kontakte zu den Behörden
sowie zu Partnern im inländischen Gesundheitswesen.
w www.fasmed.ch
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
+++ Wirtschaft & Recht
Ritterschlag für junges Start-up
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
> DIE SWISSTOM AG konnte den Weltmarktführer Maquet als Vertriebs-
partner und damit Türöffner für den gesamten westeuropäischen
Markt gewinnen. Swisstom ist ein kleines Schweizer Start-up mit Sitz
in Landquart, das neuartige Medizinprodukte entwickelt, welche die
Lungenfunktion künstlich beatmeter Patienten auf Intensivstationen
und während der Narkose überwachen. Im Unterschied zu traditionellen
statischen Tomographiemethoden werden die neuartigen dynamischen
Bilder von Swisstom mittels Elektrischer Impedanztomographie (EIT)
ohne jede Nebenwirkung erzeugt. Dem Unternehmen Maquet fehlte bisher in seinem Portfolio noch ein Monitor zur Überwachung der regionalen
Lungenfunktion künstlich beatmeter Patienten. Swisstoms Elektro-Impedanztomograph schliesst nun diese Lücke. w www.swisstom.com
Die neue Technik der Elektrischen Impedanztomographie
(EIT) liefert dynamische Bilder
ohne Nebenwirkungen für den
Patienten (Bild: Swisstom).
Weitere News unter
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
>
Das Tor zum Osten öffnen
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
> DIE EPIMEDICAL SWITZERLAND LTD. zielt mit ih-
rer Niederlassung in der Türkei seit Herbst 2013
auch auf die umliegenden, wirtschaftlich sehr starken Länder. Die Niederlassung besteht aus einem
Medizin-, Verkaufs- sowie Administrations-Team
und konnte die Traumatologie-Systeme des Unternehmens, allen voran Epilock, bereits erfolgreich in
den Markt bringen. Die türkischen Kunden schätzen laut Epimedical die persönliche Rund-um-dieUhr-Betreuung, die professionelle Hilfestellung im
OP und die herausragende Qualität der Implantate
und Instrumente – das Unternehmen spricht von
„Swissness“, die sich, wenn authentisch und täglich gelebt, überall auf der Welt verkaufen lässt.
Animiert durch den Erfolg hat Epimedical seinen
Verkaufsdienst mit einem Sales Manager für Middle
East/North Africa & Commonwealth of Independent States ergänzt und will seine Präsenz in diesen Gebieten weiter verstärken.
w www.epimedical.ch
www.medical-cluster.ch/news
Globaler Export bringt Gewinn
Vincenzo Carrieri, Chief
Executive Offi cer von
Epimedical Switzerland
Ltd. (Bild: Epimedical
Switzerland).
Grösster Arbeitgeber des Zürcher Unterlands
agiert global
DIE STERIMED SA mit Sitz in Lausanne erwar-
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
tet für 2014 eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent. Das verdankt das in der Entwicklung und
Lieferung von Niedertemperatur-Sterilisationssystemen für medizintechnische Verbrauchsgüter
weltweit führende Unternehmen vor allem seinem
globalen Export: Bereits im Jahr 2013 lieferte es
nach Australien, Polen, Deutschland, Israel und
China und verdoppelte damit seinen Umsatz. Dieses Jahr beliefert es Weltmarktführer unter anderem in China. Sterimed will in Vietnam ein weiteres
Unternehmen eröffnen, um den lokalen Unternehmen Sterilisationsdienstleistungen mit hohem
Servicestandard zu bieten, und den Export seiner
Produkte nach Europa und in die USA unterstützen.
DIE BIOTRONIK AG, einer der führenden Hersteller medizintechnischer
Produkte im Bereich der Vaskulären Intervention mit Sitz in Bülach, befindet sich auf enormem Erfolgskurs. In Europa besitzt das Unternehmen bereits höchste Marktanteile und strebt dies nun in globalen Wirtschaftsräumen wie USA, Japan und dem Asien-Pazifik-Raum an. Mit
Eigenentwicklungen wie dem branchenweit ersten Hybrid Drug Eluting
Stent Orsiro sowie dem Drug Releasing Balloon Passeo-18 Lux hat es in
den vergangenen Jahren nicht nur neue Massstäbe in der Medizintechnik
gesetzt, sondern unterstützt auch eine Vielzahl von klinischen Studien
weltweit, um weitere Innovationen voranzutreiben. w www.biotronik.com
>
w www.sterimed.ch
Sterimed ist mit seinen
Niedertemperatur-Sterilisationssystemen auf Erfolgskurs (Bild: Sterimed).
Der Firmensitz der Biotronik AG
in Bülach (Bild: Biotronik).
2014_Swiss Medtech Industry
29
Damit aus Ideen Innovationen entstehen
Risiken abwägen und dann voll auf Innovation setzen – das Unternehmen
Zühlke Ventures finanziert Hightech-Start-ups in einer frühen Phase und begleitet sie
intensiv bis zum Durchbruch im Markt, um sie dann zum Kauf anzubieten.
In eine gute Idee zu investieren, ist ein
risikoreiches Geschäft. Doch Dr. Walter
Hürsch, Dr. Patrick Griss und Dr. Martin
Rutishauser wissen als Executive Partner der Zühlke Ventures AG in Schlieren
(Zürich) genau, worauf sie sich einlassen
– und sie lieben ihre Arbeit. „In grossen
Firmen sind Effizienz und Masse wichtig. Dies macht Strukturen und Prozesse
weniger flexibel. Bei der Arbeit mit Startups geht es hingegen darum, das Neue
zu erkennen und zu konstruieren. Diese
Lust am Erschaffen treibt mich an“, erklärt Patrick Griss. Sein Kollege Walter
Hürsch ergänzt: „Start-ups haben eine
spannende Energie und Strahlkraft: Wie
sich Gründer in ihre Firma reingeben, mit
wieviel Herzblut sie arbeiten. Da macht
es einfach Freude, an der Verwirklichung
ihrer Ideen mitarbeiten zu dürfen.“ Und
diese Verwirklichung ist die grösste Hürde, die Start-ups zu nehmen haben.
te eines Start-ups sei vergleichbar mit einem fein abgestimmten Ökosystem, das
eine neue Art aufnehmen soll. „Speziell in
der Medizintechnik ist vieles von einander abhängig: Technologie, Regulatoren,
Markttrends und verschiedenste Marktteilnehmer. Gleichzeitig verlässt sich der
Markt stark auf Expertenmeinungen und
Studien, welche den Produktnutzen in
verschiedenster Hinsicht validieren“, erklärt Rutishauser.
Alle diese Marktteilnehmer mit ihren
partikulären Interessen – ganz zu schweigen von den Interessenskonflikten – soll
ein Start-up berücksichtigen: Versicherungen, Apotheken, Spitäler, Ärzte und
Patienten. „Wir unterstützen die Startups dabei, sich in diesem für die Medizintechnik wichtigen Innovations-Ökosystem zu positionieren“, sagt Rutishauser,
und Hürsch ergänzt. „Man spricht ja oft
schon von Innovationen, wenn erste Ide-
> „Personalized Health Care wird kommen: Über immer
intelligentere Smartphones und andere mobile Geräte wird
Medizintechnik personalisiert und konsumerisiert. Hersteller
wie Leman Micro Devices, in die wir investiert haben, treiben
diese Entwicklung voran. Das Marktpotenzial ist enorm.“
DR. PATRICK GRISS, Executive Partner der Zühlke Ventures AG
Ein Start-up zum Erfolg zu bringen, ist
eine sehr komplexe Geschichte, betont
Griss: „Jedes geht durch eine absolute
Berg- und Talfahrt: Keine der von uns
begleiteten Firmen stand nicht schon vor
existenziellen Problemen.“ Die Geschich-
30
en da sind. Eine Innovation ist es aber
erst, wenn sie am Markt erfolgreich ist –
das ist die Kunst, die Start-ups vollenden
müssen. Und wir helfen dabei.“
GUTE IDEE BIETET KOSTENVORTEILE
Die Frage dabei ist immer, ob eine gute
Idee auch Erfolg verspricht. „Momentan
muss eine Idee im Gesundheitssystem
einen Kostenvorteil bieten“, sagt Griss.
„Wir investieren gern in Start-ups, welche sehr schnell validieren können, dass
das Produkt einen medizinischen Nutzen
bringt. Das hält Kosten und Risiken tief.“
Rutishauser ergänzt: „Es lohnt sich auch,
zu analysieren, wo grosse multinationale
Firmen strategische Bedürfnisse haben,
und allfällige Lücken gezielt anzugehen
und zu füllen.“
MARKET-PULL WIRD GESUCHT Viele
Start-ups denken von der Technologie
her: Es gibt einen Ingenieur, der eine brillante Idee hat und diese auf den Markt
bringen will. Die Experten sprechen hier
von ' Technologie-push'. Rutishauser erklärt: „Aber das entwickelte Produkt
erfüllt dann häufig die strengen Marktanforderungen und kritischen Bedürfnisse der Anwender nicht ausreichend.“
Die Folge: Das Produkt setzt sich nicht
durch. Manchmal kommt es vor, dass ein
Arzt ein lohnendes Problem entdeckt
und sich dann auf die Suche nach einer
Lösung macht. „Das würden wir dann als
'Market-pull' bezeichnen“, erklärt Griss.
„Als Zühlke Ventures gehen wir vom
'Market-pull' aus und suchen dazu das
Start-up, das den passenden 'Technologie-push' bietet.“
Um diese Unternehmen zu finden,
nutzt Zühlke Ventures verschiedene Kanäle: So sind die Partner unentgeltlich in
verschiedenen Start-up-Organisationen
tätig und besuchen Networking-Events
wie den CEO-Day von KTI-Invest. „Über
Partner-Investoren und das Netzwerk
der Zühlke Gruppe kommen ebenfalls
Start-ups zu uns“, erzählt Hürsch. „Wir
+++ Wirtschaft & Recht
Bild: Z
ühlke V
enture
s
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DR. PATRICK GRISS,
Executive Partner (links)
DR. MARTIN RUTISHAUSER,
Executive Partner (Mitte)
DR. WALTER HÜRSCH,
Executive Partner (rechts)
sind interessante Partner, weil wir neben
den Markt-Aspekten auch die technologische Seite eines Start-up-Prozesses abdecken können.“ Schliesslich sind in der
Zühlke Gruppe, aus der Zühlke Ventures
geboren wurde, jahrzehntelange Fachkompetenzen und ein Erfahrungsschatz
in Engineering und Managementberatung vorhanden. Und die Unternehmensgruppe hat einen guten Ruf.
START-UPS PROFITIEREN VON INTENSIVER BETREUUNG Die Zusammenarbeit,
die Zühlke Ventures einem Start-up
Kunden anbietet, kann auf Wunsch die
anderen Zühlke-Unternehmen mit einschliessen. Sie ist auf alle Fälle eng und
intensiv. Nach einer sehr genauen Prüfungsphase, der Due Diligence, wird einer
der Partner von Zühlke Ventures Mitglied
im Verwaltungsrat des Start-ups und
betreut das Unternehmen intensiv auf
der strategischen Seite. „Wir haben alle
langjährige Management-Erfahrung und
einen Engineering-Background“, erklärt
Hürsch. „Das hilft sehr. Uns geht es dabei
nicht um Kontrolle, sondern um das Mitdenken auf strategischer Ebene.“ Denn
Zühlke Ventures will ein Start-up nach
kurzer Zeit zu einem Exit führen. Hürsch
erklärt: „Ein Start-up, das die Markteinführung aus eigener Kraft angeht, muss
häufig sehr lange auf einen finanziellen
Erfolg warten. Daher ist es für alle Beteiligten oft sinnvoller, das Unternehmen
kurz vor oder nach Markteintritt an ein
grosses Medizintechnik-Unternehmen zu
verkaufen.“ Der frühe Verkauf (Exit) sei
auch deshalb interessant, weil dadurch
der Kapitalbedarf geringer und die Risikodauer kürzer ist. „Eine unserer ersten
Fragen an einen Unternehmens-Gründer
ist daher auch immer: Will der Gründer
irgendwann wieder aussteigen oder soll
das Start-up sein Lebenswerk werden. Ist
letzteres der Fall, kann das für den Gründer sinnvoll sein, für unser Businessmodell ist es dann jedoch nicht interessant.“
DIE CHEMIE MUSS STIMMEN Bei der
Auswahl der passenden Start-ups spielen menschliche Kriterien eine grosse
Rolle: „Die Teamdynamik ist für uns ein
wichtiges Entscheidungskriterium. In
dem umfangreichen Due-Diligence-Prozess spüren wir, ob es eine positive Reibung gibt, ob die Teamzusammensetzung stimmt – und das Unternehmen
kann auch uns kennenlernen“, beschreibt
Hürsch den Vorgang. „Passt die Chemie und die Team-Zusammensetzung,
machen wir weiter.“ Bisher schaute sich
Zühlke Ventures pro Jahr etwa 100 bis
150 Start-ups an und investierte dann in
zwei. Bis 2013 waren es rund 500, und in
fünf wurde investiert. Bei dieser Menge
ist natürlich der Trichter beim Aussieben
sehr steil. Start-ups in der Endauswahl
werden drei bis vier Monate genau angeschaut. Hürsch erklärt: „Selbst wenn wir
uns danach entscheiden, nicht zu investieren, hat das Start-up einen enormen
Nutzen, denn es erhält unsere gesamte
Dokumentation über diesen Due-Diligence-Prozess.“
Für die Schweiz wünschen sich die
drei Leiter von Zühlke Ventures mehr
„Mehrfachtäter“. Griss erläutert: „In
der Schweizer Szene fehlen Unternehmensgründer, die das zweite oder
dritte Start-up-Unternehmen auf die
Beine stellen wollen, so genannte ‚Serial Entrepeneurs‘. Fehler aus früheren
Gründungen machen diese nicht mehr.“
Und Erfahrung spielt bei der Umsetzung
der operativen Ebene eine grosse Rolle.
Auf strategischer Ebene kann wiederum
Zühlke Ventures helfen.
Griss betont: „Als Ideenschmiede ist
die Schweiz ganz vorne dabei – aber es
fehlt noch an der Umsetzung von der
Idee in den Markt. Auf dem Weg zu einer
solchen Innovations-Industrie müssen
Lücken in der Finanzierungslandschaft
geschlossen und Erfahrungen erfolgreicher Unternehmer vermehrt katalysiert
werden.“ Da wünschen sich die Herren
von Zühlke Ventures im positiven Sinne
gern mehr Konkurrenz.
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DIE ZÜHLKE VENTURES AG
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Die Zühlke Ventures AG gehört zur international tätigen Zühlke Gruppe und finanziert
Hightech-Start-ups vom Frühstadium
bis zum Markteintritt – mit dem Ziel des
anschliessenden Verkaufs an ein anderes
Unternehmen. Durch ihr Know-how beschleunigen die Experten von Zühlke die
Produktentwicklung und verkürzen die Zeit
bis zum Markteintritt.
GEGRÜNDET: 2011
MITARBEITER: 3
INVESTITIONEN BIS MITTE 2014:
etwa 6 Millionen Schweizer Franken
2013 GEFÖRDERTE START-UPS: 5
MITARBEITER ZÜHLKE GRUPPE ENDE 2013: 630
UMSATZ ZÜHLKE GRUPPE 2013: 105 Millionen
Schweizer Franken
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
w
www.zuehlke.com
2014_Swiss Medtech Industry
31
Eine harte Angelegenheit
Als es bei der Entwicklung einer Ultraschall-Diagnose-Sonde um die Produktion eines
sehr kleinen und extrem komplexen Bauteils ging, stand ein internationales Entwicklungsteam vor mehreren Herausforderungen. Mit Bangerter fand es einen Partner, der genau
auf solche Herausforderungen spezialisiert ist.
Klein, nein winzig ist die Sonde:
Bei einem Durchmesser von
1,544 Millimetern und einer
Länge von weniger als 2 Millimetern sind schon das Handling für die mechanische Bearbeitung sowie die Qualitätskontrolle sehr anspruchsvoll. Eine
weitere Herausforderung war die Tatsache, dass die Sonde
mit vier Bauteilen aus drei verschiedenen Werkstoffen zu einem Ganzen zusammengefügt werden musste: erstens aus
Glaskeramik, einer gut bearbeitbaren Keramik mit hoher elektrischer Isoliereigenschaft, zweitens aus PZT-Keramik, einem
Bleizirkonat-Bleinitrat-Werkstoff mit Piezoeffekt, und drittens
aus Wolframkarbid mit acht Prozent Nickelanteil und einer
Korngrösse im Submikron-Bereich. Aufgrund der unterschiedlichen Materialeigenschaften der drei Werkstoffe war ein spezielles Klebeverfahren notwendig. Die dritte Herausforderung
bestand in der mechanischen Bearbeitung: Die Konstruktion
erforderte das Schleifen von 64 radial angeordneten Schlitzen
mit einer Breite von jeweils 0,025 Millimetern, wobei die
Schlitze unterschiedliche Tiefen aufzuweisen hatten. Weil
Keramik-Werkstoffe aufgrund ihrer Härte nur mit diamantbeschichteten Werkzeugen bearbeitet werden können, lag die
Schwierigkeit darin, eine so dünne Schleifscheibe nicht nur
herstellen und beschichten, sondern bei der Rotation in hohen
Drehzahlen auch einwandfrei lagern zu können.
WISSEN, ERFAHRUNG UND INTUITION Mit neuen Verfahren
sowie eigens entwickelten Maschinen und Vorrichtungen gelang
es den Ingenieuren bei Bangerter, alle Herausforderungen zu
meistern und das Projekt bis zur Serienreife umzusetzen. „Wir
arbeiten bei solchen Projekten immer sehr eng mit unseren
Kunden zusammen, gehen systematisch vor und hinterfragen
im Hinblick auf die Machbarkeit auch die Konstruktion sowie die
Wahl der Werkstoffe“, sagt Daniel Bangerter, verantwortlich für
Entwicklung und Produktion. „Aber den Ausschlag, ob ein Projekt
gelingt oder nicht, geben unsere langjährige Erfahrung, unser
Fingerspitzengefühl sowie unsere Intuition für das Machbare.
Und natürlich unser Ehrgeiz, auch das scheinbar Unmögliche
möglich zu machen.“
FAMILIENUNTERNEHMEN IN DER ZWEITEN GENERATION Die Ultraschall-Diagnose-Sonde ist ein Beispiel für die Stärken des vor
45 Jahren gegründeten und in zweiter Generation von Daniel und
Marc Bangerter geführten Familienunternehmens aus Aarberg
im Kanton Bern: Seine Kernkompetenz liegt in der Fertigung von
Komponenten aus überharten Materialien – seien es Industriekeramik oder andere überharte Werkstoffe – in kleinsten Dimensionen und in höchster Präzision. Dafür stehen drei Produktionsstandorte mit über 130 Mitarbeitern in der Schweiz zur Verfügung.
32
WERKSTOFF KERAMIK Bei der Firma Bangerter spielen
Anwendungen in der Medizintechnik aufgrund der idealen
Eigenschaften des Werkstoffs Keramik eine tragende Rolle.
Wegen der hohen Beständigkeit gegen Druck, hohe Temperaturen, Verschleiss und chemisch aggressive Medien hält dieser Werkstoff auch extremen Belastungen stand. Dank der
hohen Biokompatibilität und der ästhetischen Eigenschaften
eignet er sich für verschiedene medizinische Anwendungen.
Ob Skalpelle, Endoskopspitzen, Lagerelemente, Blutpumpen,
Zahnimplantate oder Sonden, ob die Komponenten Bestandteile von medizinischen Geräten sind oder in den menschlichen Körper implantiert werden – überall, wo höchste Präzision verlangt und hohe Anforderungen an den Werkstoff
gestellt werden, kommen Keramik-Komponenten von Bangerter
zum Einsatz.
Robotergesteuerte Fertigungsinseln erlauben dem Unternehmen eine
kosteneffiziente Serienproduktion bei konstanter Präzision und Qualität
(Bilder: Bangerter).
Unerlässlich ist die genaue Analyse der Anforderungen und des
Einsatzgebietes zu Beginn jedes Projekts. Diese erlaubt die Beurteilung, welcher Werkstoff am besten geeignet ist. Bangerter
bearbeitet die inerten oxidkeramischen Werkstoffe Aluminiumoxid (Al2O3) und Zirkonoxid (ZrO2) sowie Mischkeramik
(ATZ/ZTA), Siliziumnitrid (Si3N4), Siliziumkarbid (SiC), Saphir und
Hartmetalle (Wolframkarbid- und Titankarbid).
w
www.bangerter.com
+++ Know-how & Komponenten
Kleinstteile in Grossserie
Je winziger die Teile, desto besser. Und je höher die Losgrössen,
desto lieber: Bei der Laubscher Präzision AG in Täuffelen im
Schweizer Kanton Bern kennt man sich mit gedrehten Kleinstteilen in Grossserie für die Medizintechnik bestens aus.
Viele Hersteller in der Medizinbranche haben sich auf kleine Serien bis hin zur Einzelteilfertigung fokussiert. Nicht so Laubscher
Präzision: „Bis zu zwei Millionen Teile verlassen jeden Tag unsere
Produktion, wir sind ein Spezialist für Drehteile in mittleren und
grossen Losgrössen“, sagt Manfred Laubscher, technischer Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz am Bielersee.
Die Losgrössen reichen je nach Kundenwunsch von 500 bis
zu vielen Millionen Stück. In den modernen, hellen Produktionshallen laufen die 400 Dreh-, Fräs- und Schleifautomaten deshalb rund um die Uhr, zum Teil an sechs Tagen in der Woche.
Gearbeitet wird bei Laubscher in drei Schichten. Vor allem beim
Drehen macht dem Unternehmen so schnell niemand etwas vor:
Schliesslich blickt es bereits auf eine Tradition von 168 Jahren
zurück. 1846 gehörte es zu den ersten industriellen Unternehmen in der Schweiz überhaupt: Damals schon wurden Drehteile
hergestellt, vor allem für die Uhrenindustrie im Schweizer Jura
– und da es keine Drehmaschinen gab, stellte Laubscher auch
diese selbst her. Die Zeiten haben sich geändert. Maschinen
baut Laubscher Präzision heute längst nicht mehr. Zwar fertigt
das Unternehmen nach wie vor kleine, hochgenaue Teile für
Uhren: Schrauben, Federgehäuse, Lünetten und Drücker beispielsweise. Doch das wichtigste Standbein ist heute die Medizintechnik, Tendenz steigend.
PRÄZISIONSDREHTEILE NACH KUNDENAUFTRAG Laubscher
Präzision fertigt im Kundenauftrag einbaufertige Präzisionsdrehteile mit Durchmessern von 0,3 bis 42 Millimetern für
medizinische Geräte: Dazu gehören Operationsgeräte für verschiedene medizinische Bereiche, Dentalzubehör, Hörhilfen,
Inhalationsgeräte, vaskuläre Implantate und Teile für viele
weitere Anwendungsbereiche. Für die mikrovaskuläre Chirurgie stellt Laubscher beispielweise Teile her, die so klein sind,
dass sie von keinem anderen Anbieter der Welt gefertigt
werden können. Das Familienunternehmen verarbeitet dabei
alle branchenüblichen Rohmaterialien. Je nach Anforderungen
liefert es die einbaufertigen Teile in polierter, gestrahlter
oder gehärteter Ausführung, galvanisch behandelt und speziell
verpackt. Dabei kommen dem Unternehmen die Erfahrungen
aus der Feinwerktechnik zugute: „Uns ist es wichtig, bestellte
Teile in der geforderten Qualität, in der vorgegebenen Zeit und
zum abgemachten Preis zu liefern. Das haben unsere Mitarbeitenden verinnerlicht“, sagt Laubscher. Die Kunden erwarten eine
besonders hohe Präzision im Mikrometer-Bereich. Laubscher:
„Eine 1/100-Toleranz ist für uns schon äusserst grosszügig.
Die Standardtoleranzen liegen eher bei sechs Mikrometern. Im
Bedarfsfall – wie etwa bei Dentalzubehör – erreichen wir dauerhaft Genauigkeiten von kleiner als vier Mikrometern.“
MITARBEITENDE MIT GROSSEM KNOW-HOW Ein weiterer Faktor,
um hohe Präzision und Qualität sicherzustellen, sei das grosse
Know-how der Mitarbeitenden, mit dem es immer wieder ge-
Typische Medizinprodukte aus der Fertigung von Laubscher
(Bild: Laubscher-Präzisionsdrehteile).
linge, Unmögliches möglich zu machen. „Der Markt entwickelt
sich deutlich in Richtung kleinerer und komplexer Teile. In der
Medizintechnik forciert man minimal-invasive Operationstechniken. Dafür müssen die Geräte zum Teil winzig, aber hochpräzise
sein.“ Um dies sicherzustellen, treibt Laubscher Präzision auch
seine Lieferanten und Partner immer wieder zu Innovationen
an: So regte Manfred Laubscher beispielweise vor ein paar Jahren
beim Drehautomatenhersteller Index an, eine kleine mehrspindlige CNC-Maschine zu entwickeln. Gesagt, getan: Kein Wunder,
dass die Schweizer 2012 die ersten waren, die eine MS 16 in
Betrieb nehmen konnten. Insgesamt verfügt Laubscher Präzision über 320 Drehautomaten, daneben werden thermische
und galvanische Behandlungen im eigenen Betrieb sowie die
Baugruppenmontage von Klein- und Grossserien einschliesslich
anschliessender Funktionsprüfungen angeboten.
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UNTERNEHMEN MIT TRADITION
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Die Laubscher Präzision AG wurde 1846 gegründet und befindet sich
seitdem in Familienbesitz. Heute leiten die Brüder Hans-Peter und
Manfred zusammen mit Dr. Raphael Laubscher das Unternehmen
in der sechsten Generation. Seit einigen Jahren arbeitet bereits die
siebte Generation im Betrieb mit. Rund 250 Mitarbeitende – davon
180 in der Produktion – arbeiten auf einer Produktionsfläche von etwa
20 000 Quadratmetern. Aktuell wird ein weiteres Gebäude mit 4 000
Quadratmetern Fläche erstellt. 60 Prozent der Produktion gehen in den
Export. Laubscher ist nach ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001
(Umweltmanagementsystem) und ISO 13485 für Medizinprodukte zertifiziert.
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w
www.laubscher-praezision.ch
2014_Swiss Medtech Industry
33
Voll integrierte Produktion
Spritzgiessen im Reinraum – das kann so mancher Kunststoffverarbeiter. Doch Mecaplast
bildet darüber hinaus die komplette Wertschöpfungskette als Medtech-Zulieferer ab: Von der
Werkzeugherstellung bis zur sterilen Verpackung, die ebenfalls inhouse produziert wird.
Das Unternehmen bietet Spritzgiessen im Reinraum der ISO Klasse 7/8.
Als ziemlich komplex erweist sich für Mecaplast die Herstellung
eines Zementiersystems für ein innovatives Wirbelkörperimplantat: Das System, in dem der Chirurg den Knochenzement
mischt und mit dem er anschliessend den Zement kontrolliert
injiziert, besteht aus insgesamt 15 verschiedenen Teilen. „Die
Feinplanung aller Produktionsschritte erfordert einen grossen
Aufwand“, verrät Jean-Marc Jaccottet, Geschäftsführer und
Inhaber des Unternehmens mit Sitz in Botterens im Schweizer
Kanton Freiburg. Kein Wunder, denn Mecaplast hat für den
französischen Hersteller des Implantats die komplette Fertigung bis hin zum Versand zur Sterilisierung übernommen: Dies
beginnt bei der Entwicklung der Werkzeuge und deren Herstellung im eigenen Werkzeugbau. Es folgen Tests und Freigaben
entsprechend der mit dem Kunden festgelegten Vorgaben, der
Einkauf des Rohmaterials, das Spritzgiessen im Reinraum und
die Montage aller Teile im Reinraum. Schliesslich gehören auch
das Thermoformen der für das Zementiersystem benötigten
Blister-Verpackungen und die Herstellung dieser Verpackungen
zum Leistungsumfang dieses Auftrags. Um die Sterilisierung
kümmert sich in diesem Fall der Kunde. Mecaplast ist aber
ebenfalls für die Sterilisierung zertifiziert und übernimmt bei
anderen Produkten auch diesen Teil inklusive der internationalen
Logistik bis zum Endkunden.
EIN LIEFERANT UND ANSPRECHPARTNER FÜR ALLES „Unser
Pluspunkt ist, dass wir eine voll integrierte Produktion anbieten können und der Kunde wie im Fall des französischen Medizintechnikherstellers somit einen einzigen Lieferanten und
Ansprechpartner für alles hat“, betont Jaccottet. Das war bei
Mecaplast in der Vergangenheit nicht immer so: Als Jaccottet
vor zwölf Jahren das bereits seit 1971 bestehende Unternehmen mit acht Mitarbeitenden übernahm, konzentrierte man
sich noch auf Werkzeugbau und Spritzgiessen, und zwar ausschliesslich für die Maschinenindustrie und die Haustechnik.
Heute beschäftigt Mecaplast 60 Mitarbeitende – und ist strate-
34
gisch völlig neu aufgestellt: Die Medizintechnik macht heute mit
rund 50 Prozent den grössten Teil des Umsatzes aus; produziert
werden beispielsweise Spritzenkörper, Zahntechnikinstrumente, Dialysepumpen, Verbindungselemente, Wirbelsäulenimplantate oder Perfusionsventile. Die andere Hälfte des Umsatzes
entfällt auf die Branchen Maschinenbau, Pharma, Lebensmittelindustrie, Haustechnik, Elektronik und Uhrenindustrie.
REINRAUM-EXPERTISE BIS ZUR VERPACKUNG Gezielt für Kunden aus der Medizintechnik hat das Unternehmen im Laufe der
Jahre Reinraum-Kompetenz aufgebaut: Produziert wird im
Reinraum der ISO Klasse 7/8. Dies bezieht sich auf das Spritzgiessen, aber auch auf die Beschriftung, Montage, Verpackung,
Versiegelung und Sterilisierung der Produkte. Für die Produktion von Mikrokomponenten bis hin zu grossen Bauteilen verfügt Mecaplast heute insgesamt über 30 Spritzgiessmaschinen
von 150 bis 5000 Kilonewton Schliesskraft. Gefertigt wird in
1K- und 2K-Technik. „Ausserdem haben wir uns in den vergangenen Jahren Expertise in der Verarbeitung von PEEK und
PCU für Implantate und andere Anwendungen aufgebaut“, so
Jaccottet. Den Maschinenpark ergänzen Thermoform-, Tampondruck-, Thermodruck-, Blisterversiegelungs- sowie Ultraschallschweissmaschinen. Und der Werkzeugbau nutzt ein
Mehrachsenfräszentrum sowie Drahterosions-, Senkerodier-,
Fräs- und Drehmaschinen. Und noch eines hat sich bei Mecaplast
in den vergangenen Jahren geändert: Die Kundenstruktur ist
sehr international geworden. So liefern die Schweizer mittlerweile unter anderem nach Deutschland und Frankreich, in die
Niederlande, nach Polen und China, in die USA und nach Singapur.
w
www.mecaplast.ch
Die Palette an Medizinprodukten, die Mecaplast herstellt, ist lang: Dazu gehören
Spritzenkörper, Zahntechnikinstrumente, Dialysepumpen, Verbindungselemente,
Wirbelsäulenimplantate und Perfusionsventile (Bilder: Mecaplast).
+++ Know-how & Komponenten
Messtechnik im Miniaturformat
Mit Druck kann Metallux umgehen: Das Mikroelektronik-Unternehmen aus dem Schweizer
Kanton Tessin fertigt Sensoren, also winzige Messgeräte, die beispielsweise bei der Druckmessung von biologischen Flüssigkeiten zum Einsatz kommen.
Die Drucksensoren werden beispielsweise bei Kathetern eingesetzt.
2,5 Millionen Drucksensoren bringt Metallux SA jedes Jahr
auf den Weltmarkt: Standarddrucksensoren gehören ebenso
dazu wie spezielle Hybridlösungen. Gefertigt werden sie alle in
Mendrisio in der Nähe der italienischen Grenze, zwischen Luganer- und Comersee. Die Medizinbranche ist für Metallux seit
Jahren ein wichtiges Standbein – neben Automotive und Raumfahrt. So haben die Tessiner einen miniaturisierten medizinischen Drucksensor entwickelt, der im Bereich der Biomedizin
zum Einsatz kommt: beispielsweise für das Tissue Engineering.
Hier werden Zellen für die regenerative Medizin in Bioreaktoren
kultiviert. Für die vollständige Überwachung des Prozesses sind
diese mit Steuerungssystemen und Sensoren ausgestattet. Der
Drucksensor musste für diese Anwendung äusserst kompakte
Abmessungen haben: Gerade einmal 1,5 x 6 x 0,65 Millimeter
(B x L x H) sollte er gross oder besser gesagt klein sein. Die Signale am Ausgang des Sensors sind mittels Kabel an die Verarbeitungselektronik angeschlossen. Dies gewährleistet die
Signalanpassung und die Kompatibilität mit den medizinischen
Geräten.
SCHNELL ANSPRECHBARER SENSOR Die vom Drucksensor
gelieferte Empfindlichkeit liegt bei 5uV/V/mmHg, welche die
notwendige elektrische Signalgrösse liefert. Die Druckempfindlichkeit ist im Bereich von 27 bis 40 °C von der Temperatur nur
um weniger als 0,15 Prozent /°C abhängig, auch der Linearitätsfehler ist gering. Mit dem verwendeten Kalibrierungsverfahren ist es möglich, ein Offset gleich Null bei dem gewünschten
Druck zu erhalten und die Schwankung dieses Parameters in
Abhängigkeit von der Temperatur auf höchstens 0,1 Prozent /°C
zu beschränken. Der Sensor spricht ausserdem sehr rasch – mit
Reaktionszeiten unter zwei Millisekunden – auch auf plötzliche
Druckänderungen der untersuchten biologischen Flüssigkeit an.
Der Sensor ist mit einem speziellen Elektronikmodul kalibriert
und temperaturkompensiert. Dieses Modul wurde von Metallux auf Basis langjähriger Erfahrungen mit keramischen pie-
zoresistiven Drucksensoren entwickelt. Doch nicht nur für die
Druckmessung von biologischen Flüssigkeiten kann das winzige Messgerät verwendet werden, sondern auch für die Rückkopplung von elektromechanischen Pumpen, die in medizinischen Spendevorrichtungen eingebaut sind. Eine spezifische
Anwendung dafür sind zum Beispiel Herz-Kreislauf-Blutdruckmessungen.
Insgesamt stellt Metallux eine grosse Palette von Drucksensoren her und entwickelt innovative Hybridlösungen nach kundenspezifischen Projekten: Beratung, Prototypenentwicklung
und Qualifizierung sind die Basis, um den hohen qualitativen
Standard zu erreichen. Das Know-how der Schweizer basiert
dabei auf der Dickfilm-Technologie mit integriertem Siebdruck,
Trimmung und Lötung sowie der modernen Chip & Wire-Technologie.
Das Know-how der Schweizer basiert auf der Dickfilm-Technologie mit integriertem Siebdruck, Trimmung und Lötung sowie der modernen Chip & WireTechnologie (Bilder: Metallux).
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HOHE EXPORTORIENTIERUNG
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1955 in Mendrisio gegründet, steht Metallux als international anerkanntes Qualitätslabel für die Produktion von Standarddrucksensoren wie
auch kundenspezifisch entwickelten Hybridlösungen für die Messtechnik.
Das Unternehmen mit 110 Mitarbeitenden erwirtschaftet 19 Millionen
Schweizer Franken Umsatz pro Jahr, 60 Prozent entfallen dabei auf
Drucksensoren, von denen vier von fünf ins Ausland gehen. Ein zweites
Standbein von Metallux ist die Montage und die Präzisionsfertigung von
Mikroelektronikteilen. In zwei Reinräumen werden moderne BondingVerfahren angewendet. Seit 2006 gehört Metallux zum italienischen
Mechatronik-Unternehmen Eltek Group mit über 100 Millionen Schweizer Franken Umsatz und rund 1000 Mitarbeitenden.
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w
www.metallux.ch
2014_Swiss Medtech Industry
35
„Qualität ist nicht nur ein Fundament,
sondern auch unsere Verantwortung“
Der Mix aus Schweizer Qualitätsanspruch, europäischer Offenheit und globalem Verständnis
macht die Medela zu einem Vorzeigeunternehmen für die Schweiz. Die beiden Dänen
Peter Aggersbjerg und Peter Höst führen bei dem von Olle Larsson gegründeten Hersteller
von Milchpumpen und medizinischer Vakuumtechnologie die Geschäftsbereiche Stillen und
Healthcare. Im Interview erläutern sie, weshalb die Schweiz für sie der perfekte Standort ist.
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MEDELA AUF EINEN BLICK
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1961 legt der Firmengründer Olle Larsson den
Grundstein für Medela. Heute ist das Schweizer Familienunternehmen ein internationaler Hersteller fortschrittlicher Milchpumpen
und medizinischer Vakuumtechnologie und
beschäftigt weltweit rund 1500 Mitarbeiter.
Um auch in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig bleiben zu können, plant Medela,
Produktion, Lager und Logistik von Baar und
Steinhausen nach Buchrain zu verlagern. Am
neuen Standort sollen die Produktionsabläufe
automatisiert und die Materialflüsse rationalisiert werden. In einem weiteren Schritt
soll die Verwaltung folgen. Das 48 000 Quadratmeter grosse Grundstück wurde bereits erworben. 2013 erwirtschaftete das
Unternehmen mit seinen Produkten einen
Gesamtumsatz von 492 Millionen Schweizer
Franken. Seine Innovationen schützt es derzeit mit 160 Patenten und über 1000 Schutzrechten in verschiedenen Ländern.
w www.medela.ch
36
Herr Aggersbjerg, Herr Höst, Sie leben
beide seit einigen Jahren in der Schweiz.
Welches sind Ihrer Meinung nach die
grössten Tugenden der Schweizer Medizintechnik?
AGGERSBJERG: Für mich ist es die starke
traditionelle Verbindung von Innovation
und hoch entwickelter Technologie. Diese qualitätsorientierte Kultur spürt man
hier einfach. Und ich glaube, sie ist ein
wichtiger Teil der Erfolgsgeschichte der
Schweizer Medizintechnik. Zudem gibt
es eine starke Verbindung von Industrie
und Universitäten – das empfinde ich
als grossen Wettbewerbsvorteil. Die
Schweiz ist ausserdem ein kleines Land
– wer hier erfolgreich sein will, muss sich
auch für andere Märkte öffnen.
HÖST: Gerade für die Medizintechnik ist
das Schweizer Qualitätsbewusstsein ein
wichtiges Fundament – und wir tragen
die grosse Verantwortung, diese Basis
weiter zu pflegen. Doch nicht nur die
Innovationen und der technologische
Vorsprung zählen, sondern auch die gute
Vermarktung unserer Produkte. Für alle
diese wichtigen Faktoren ist die Schweiz
ein ausserordentlich guter Standort.
Was bedeutet der Produktionsstandort
Schweiz für Medela?
HÖST: Wir profitieren innerhalb von
Medela von der Nähe zwischen Forschung & Entwicklung und Produktion.
Das ist wichtig, denn wir bewegen
uns mit unseren Innovationsideen
ständig an der Grenze der technischen
Machbarkeit. Dabei sind die konstante
Kommunikation, der Wille zur Verbesserung und das Verständnis füreinander ein
Grundcharakter von Medela. Ausserdem
ist die grosse Zahl von global tätigen und
mittelständischen Medizintechnikunternehmen in der Schweiz eine einzigartige
Mischung, von der wir stark profitieren.
AGGERSBJERG: Wir sind sehr eng mit unseren Lieferanten verbunden; ihre Kompetenz ist für uns enorm wichtig, und
was sie uns liefern, muss von gleich hoher
Qualität sein wie das, was wir selber
produzieren. Viele Lieferanten vor allem
kritischer Teile kommen aus der Schweiz,
sie haben dieselbe Qualitätskultur.
Wie gelingt es Medela, innovativ zu sein?
HÖST: Die enge Zusammenarbeit von
klinischer Forschung und Grundlagenforschung mit unserer Produktentwicklung
ist uns sehr wichtig. Die klinische Forschung zum Beispiel hilft uns zu verstehen, wie Produkte im Alltag funktionieren
und wie sie Ärzte als Anwender nutzen.
In der Produktentwicklung wird dieses
Wissen dann übersetzt. Ich würde sagen:
Innovation ist die gute Verbindung von
Methodik und kreativem Denken – beides
haben wir.
AGGERSBJERG: Im Geschäftsbereich
Stillen pflegen wir eine sehr enge Verbindung zu den Müttern. Neben der
intensiven Grundlagenforschung spielen
in unsere Innovationsarbeit auch Lifestyle-orientierte Bedürfnisse hinein. Vor
allem aber geht es um das Verständnis
für die Bedürfnisse unserer Kunden, und
das gewinnen wir nur, wenn wir einen
+++ Im Gespräch
PETER HÖST
President, Leiter Geschäftsbereich Healthcare
bei Medela (links)
PETER AGGERSBJERG
Bilder: Medela
President, Leiter Geschäftsbereich Stillen
bei Medela (rechts)
engen Kontakt zu ihnen pflegen. Jede
Innovation ist schliesslich nur dann wertvoll, wenn der Kunde bereit ist, dafür
auch zu bezahlen.
Sie investieren viel in die Forschung –
warum ist das ein so grosses Anliegen?
HÖST: Die Neugierde zu wissen, wie und
warum etwas funktioniert, war schon
eine Charaktereigenschaft des schwedischen Firmengründers Olle Larsson. Sie
wird durch seinen Sohn Michael Larsson,
den heutigen Verwaltungsratspräsidenten, weitergetragen. Wenn wir auf der
Basis von gesicherten Erkenntnissen
arbeiten, sind wir glaubwürdig. Nicht nur
für unsere Kunden, sondern auch vor
uns selber. Dieses Streben nach Wissen
ist eine Basis unserer Unternehmenskultur.
AGGERSBJERG: Dabei legen wir grossen
Wert auf die Grundlagenforschung, die
nicht konkret auf eine Produktentwicklung hinzielt. Dieses Wissen geben wir,
zum Beispiel in unserem jährlichen Stillsymposium, offen an alle interessierten
Kreise weiter.
Entwickeln und produzieren Sie alle
neuen Produkte allein oder arbeiten Sie
mit anderen Firmen an Projekten?
AGGERSBJERG: Wir arbeiten in beiden
Geschäftsbereichen teilweise sehr eng
mit Partnern zusammen – auch das ist
Teil unserer Innovationskraft. Trotzdem
ist für uns wichtig, dass die Kerntechnologie, die wir mit Patenten schützen, bei
Medela bleibt.
Welche Position hat Medela in der
Schweiz und im Weltmarkt?
AGGERSBJERG: Wir haben 18 Tochtergesellschaften und Distributionspartner in
90 Ländern, aber wir bearbeiten überall
einen Nischenmarkt. Medela ist in vielen
Ländern eine starke Marke, besonders
wenn es um Stillen und Muttermilch
geht; im Bereich Healthcare sind wir in
einzelnen Ländern und Märkten auf dem
besten Weg zu einer starken Marktposition.
HÖST: Wir streben an, in unseren Nischenmärkten Nummer eins oder zwei zu
sein; in der Schweiz wollen wir Nummer
eins bleiben. In gewissen Fällen, wie der
digitalen Cardio-Thoraxdrainage, haben
wir eine ganz neue Produktkategorie
geschaffen, in der wir weltweit Marktführer sind.
Wo sehen Sie das grösste Entwicklungspotenzial für Medela?
AGGERSBJERG: Im Bereich Stillen geht
es uns darum, mit unseren Produkten
die Zeit zu verlängern, in der Mütter
ihren Babys Muttermilch geben. Neue
Forschungsresultate zeigen, wie wertvoll Muttermilch für die Entwicklung
von Neugeborenen ist. Dazu wollen wir
unser Wissen um die Vorteile der Muttermilch weitergeben. Und auch geografisch haben wir grosses Potenzial in Asien,
das für uns aktuell eine strategische
Fokusregion ist, und in Lateinamerika.
HÖST: Im Healthcare-Bereich sehen wir
Entwicklungspotenzial in der Datenkommunikation, durch die wir einen besseren
Austausch zwischen unseren Produkten
und den Anwendern ermöglichen. Wir
werden uns stärker auf Dienstleistungen
fokussieren, denn unsere Kunden in
den Krankenhäusern suchen immer
mehr nach ganzheitlichen Lösungen.
Und schliesslich werden wir uns in der
gesamten Medela noch stärker Richtung
Automatisierung ausrichten. Doch all das
steht und fällt mit motivierten Mitarbeitern, die Wissen und Hingabe bei der
Entstehung neuer Produkte einbringen.
Wo und wie finden Sie diese Mitarbeiter?
HÖST: Die Ausbildungsstruktur in der
Schweiz ist zum Glück ausgezeichnet.
Deshalb arbeiten wir eng mit Universitäten zusammen und unterstützen und
fördern die Ausbildung dort. Bei Medela
bilden wir derzeit zwölf junge Menschen
aus. Wir investieren viel Zeit und Geld
in die Fortbildung unserer Mitarbeiter
– sowohl für Spezialisten als auch für
Generalisten.
AGGERSBJERG: Wir sind uns aber sehr
wohl bewusst, dass wir nicht das „Wissen“ einstellen, sondern die Menschen.
Wir müssen zwar Fachkräfte finden,
wollen aber Mitarbeiter einstellen, die
unsere Werte teilen und die Medela-Kultur leben.
HÖST: Als globales Unternehmen müssen
und wollen wir eine globale Kultur haben. Aber die Schweizer Kultur, die wir
leben, ist auch ein zentraler Wert. Und
wir zwei Dänen sind ein gutes Beispiel
dafür, dass das funktioniert.
2014_Swiss Medtech Industry
37
Förderung des Rohstoffs „graue Zellen“
KTI – STAATLICHE INNOVATIONSFÖRDERUNG
Wie aus guten Ideen erfolgreiche Wirtschaftsleistung wird: Als Förderagentur für Innovation des
Schweizer Bundes hilft die Kommission für Technologie und Innovation (KTI), Hochschulen und
Unternehmen enger zusammenzubringen und Produktideen schneller auf den Markt zu bringen.
Den wertvollsten Rohstoff des Landes,
die ideenreichen grauen Zellen seiner
Einwohner, unterstützt der Schweizer
Bund mit vielfältigen Massnahmen. Zentrale Koordinationsstelle ist die Kommission für Technologie und Innovation
(KTI). Sie fördert gemeinsame Projekte
zwischen Hochschulen und Unternehmen, unterstützt Jungunternehmer und
Start-up-Gründungen, und sie treibt die
Bildung von Netzwerken voran, damit die
potenziellen Partner schneller und leichter zusammenfinden.
Dahinter steckt die Erfahrung: Nur
wer brillante Ideen schnell auf den Markt
bringt, kann sich gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen. Die KTI
begleitet deshalb mit F&E-Projekten die
Entwicklung neuer Produkte, Verfahren, Prozesse und Dienstleistungen. Sie
übernimmt dabei maximal die Hälfte der
Kosten. Der Förderbetrag geht direkt an
die beteiligte Hochschule. Diese Form der
Unterstützung sorgt dafür, dass schnell
und marktorientiert nach Lösungen gesucht wird.
DIE RICHTIGEN PARTNER FINDEN Häufig fehlen besonders kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) das Geld und die
Infrastruktur, um neue Ideen voranzutreiben. Die KTI unterstützt sie deshalb auch
beim Finden der richtigen (Hochschul-)
Partner. Mit diesen können sie ihre Produktideen prüfen oder umsetzen lassen.
Unternehmen mit limitierten Ressourcen
steht dadurch das Fachwissen junger, gut
ausgebildeter Forscher zu Verfügung.
Ebenso profitieren sie von der internationalen Forschungsinfrastruktur der Hochschulen. Ihre Innovationen können sie
dadurch schneller auf den Markt bringen.
38
Die öffentliche Forschung hingegen profitiert vom Praxisbezug der Wirtschaft
und den zusätzlichen finanziellen Mitteln
für ihre Forscher. Eine Win-Win-Situation
für Innovationsleistungen entsteht so.
Wer erst am Anfang steht und ein Unternehmen mit einer guten Idee gründen
will, braucht nebst einem starken Durchhaltevermögen noch zusätzliche Unterstützung – vor allem in Form von Knowhow, finanziellen Mitteln und einem
professionellem Team. Auch hier kann
die KTI helfen: Sie bietet Unternehmen
Coaching und Trainings an. Im Rahmen
des Beratungs- und Ausbildungsprogramms „CTI Entrepreneurship" werden
potenziellen und bereits tätigen Jungunternehmern gezielte Ausbildungsmodule,
zum Beispiel zum Thema Gründung und
Marketing oder ausländische Märkte,
angeboten. Die Kursleiter und Coachs
verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz, da sie selbst aus Industrie und
Start-ups kommen.
ERFOLGREICHE UNTERSTÜTZUNG Unterstützung erhalten angehende Unternehmer über die Initiative KTI Start-up.
Mit Erfolg: 85 Prozent der von der KTI
seit 1996 geprüften und unterstützten
Start-ups sind noch im Geschäft. Sie haben volkswirtschaftlich wichtige, hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen.
Damit öffentliche Forschungsinstitutionen und Unternehmer, vor allem KMU,
leicht zusammenfinden, braucht es natürlich Netzwerke und Netzwerker. Auch
dafür engagiert sich die KTI in ihrem so
genannten WTT-Support (Wissens- und
Technologietransfer): Indem sie nationale thematische Netzwerke, wie zum Beispiel Swiss Biotech fördert, unter anderem über webbasierte Plattformen und
Fachevents.
Des Weiteren unterstützt sie seit
vergangenem Jahr Netzwerker in Form
von Innovationsmentoren. Diese sind Ansprechpersonen und Begleiter der KMU
auf der Suche nach den richtigen Partnern. Die Innovationsmentoren kennen
das Umfeld der öffentlichen Forschung
sowie die Fördermöglichkeiten und verstehen aus eigener Erfahrung (Innovations-)Herausforderungen von KMU.
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DIE KTI MEDTECH INITIATIVE
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Die KTI Medtech Initiative unterstützt seit 1997 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beim
Weg vom Labor zur Anwendung am Patienten beziehungsweise dem Erfolg am Markt. Sie
verfolgt in erster Linie zwei Ziele: die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Medtech-Sektors
zu unterstützen und den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Medtech-Unternehmen
zu fördern. Die KTI organisiert unter anderem den jährlichen Medtech Event mit 400 bis 500
Teilnehmern. Zudem verleiht sie jährlich den Medtech Award.
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w
www.kti.admin.ch
+++ Forschung & Entwicklung
Swiss Medtech Award
Das Publikum hat entschieden: Aus drei zukunftsweisenden,
von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI)
geförderten Projekten hat es ein neuartiges Venendruckmessgerät zum Gewinner gewählt.
Die stolzen Gewinner: (von links) Vincent Baumann,
Mitinhaber der Veinpress GmbH, und Prof. Orçun
Göksel, Projektleiter ETH Zürich, mit Auszeichnung
und Trophäe aus Valser Quarzitstein (Bild: KTI).
Einmal im Jahr nominiert die KTI drei
von ihr geförderte Projekte für den mit
10 000 Franken dotierten KTI Swiss
Medtech Award. Den Gewinner kürten
die Teilnehmer des KTI Medtech Events,
bei dem sich Experten der Branche für
Gespräche und Ideenaustausch am
2. September im Kursaal in Bern trafen.
PLATZ EINS belegt im Jahr 2014 die
Veinpress GmbH aus Münsingen mit
einem neuartigen Venendruckmessgerät, mit dem in Zukunft auf bestimmte
schmerzhafte Katheteruntersuchungen
verzichtet werden kann, denn das Gerät misst von aussen, ohne den Patienten Schmerzen zuzufügen. Der zentrale
Venendruck (ZVD) ist in der Medizin ein
wichtiger Parameter. Er wird beispielsweise auf Intensivstationen bei gewissen
Krankheitsbildern stündlich gemessen.
Das wiederverwendbare Veinpress-System ist mit vielen marktgängigen Ultraschallgeräten kompatibel,
viel günstiger als ein Einmalkatheter und verursacht keine Komplikationen (Bild: KTI).
für Innere Medizin und
hat sich intensiv mit dynamischer Ultraschallgehen und Anfang 2015 die erste komdiagnostik
beschäfmerzielle Version des Venendruckmesstigt. Ihm gelang es,
geräts auf den Markt bringen.“
gemeinsam mit einem
Maschineningenieur, eiDR. ULRICH BAUMANN, Veinpress GmbH
nen Prototypen für ein
schmerzfreies VenenDer ZVD erlaubt Rückschlüsse auf den druckmessgerät zu entwickeln: Mithilfe
Füllungszustand des Blutgefässsys- einer elastischen Membran, Olivenöl als
tems. Dies ist zum Beispiel bei Blutungen schallleitendem Mittel sowie einem Ulrelevant. Bisher muss man zur Messung traschallmesskopf und -gerät wird der
des ZVD einen Katheter einlegen. Das ist periphere Venendruck gemessen, der
schmerzhaft, aufwendig und birgt die mit dem ZVD genau korreliert. „VergliGefahr von schweren Komplikationen, chen mit der Messung mittels Katheweil zum Beispiel die Lunge verletzt ter beträgt die Genauigkeit 95 Prozent,
werden kann (Pneumothorax). Dr. med. das ist nahezu perfekt“, sagt Baumann.
Ulrich Baumann war 15 Jahre Chefarzt Nebst vier universitären Zentren forscht
> „Wir möchten bald in die Zulassung
auch die NASA mit dem Druckmesser
von Veinpress. Auf Vermittlung des
Competence Center for Medical Technology in Bern konnte ein KTI-Projekt mit
dem Institut für Bildverarbeitung der
Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) realisiert werden.
Die ETH entwickelte eine Software für
die Ultraschallmessung, welche unabhängig von der untersuchenden Person
die Messung des ZVD in Echtzeit ermöglicht. Das Gerät ist mit vielen marktgängigen Ultraschallgeräten kompatibel.
Produziert wird der Druckmesser
von der Meridian AG, einem Hersteller von medizinischen Geräten in Thun.
Veinpress geht davon aus, rund zehn
Prozent der weltweit durchgeführten
Kathetermessungen ersetzen zu können.
2014_Swiss Medtech Industry
39
> „Der Stuhl ermöglicht ein kontinuierliches
Bewegen ohne Anstrengung, das ist revolutionär.“
Bild: KTI
ROMAN KUSTER, MSc Bewegungswissenschaften ETH Zürich
leidvoller Erfahrung kam Daniel Baumgartner, heute Dozent an der ZHAW, als
Post-Doktorand am Institut für Biomechanik der ETH Zürich auf die Idee eines
Stuhls, der die natürliche Beweglichkeit
von Becken und Wirbelsäule aktiviert.
Er liess dies gleich patentieren.
Revolutionär ist die Sitzschale: Sie ist
auf Rollen gelagert und gleitet in einer
halbrunden Bahn nach links und rechts.
Wer so sitzt, kann ohne Mühe mit den
Hüften wippen und den Bewegungsspielraum ausnutzen, aber dennoch mit
ruhigem Oberkörper arbeiten. Umgesetzt wurde das Projekt an der ZHAW
in Winterthur in einer Masterarbeit von
Lukas Gossweiler. Ein erster Prototyp
und Messungen im Bewegungslabor der
ZHAW waren vielversprechend. Daraus
entstand ein zweijähriges KTI-Projekt;
Gossweiler und Baumgartner gründeten
dazu das Start-up Rotavis.
In einer weiteren Masterarbeit führte Bewegungswissenschaftler Roman
Kuster an der ZHAW Analysen zum „freien“ Sitzen durch. Dazu nutzte er einen
Gehbarren, wie er für die Gangtherapie
nach Unfällen eingesetzt wird. Aus den
Ergebnissen leitete er die Rahmenbedingungen für die Mechanik des Stuhls
ab. Im Herbst 2014 kommt der Stuhl auf
den Markt. Die Umsetzung erfolgt zusammen mit dem Medizintechnikunternehmen Hocoma aus Volketswil.
so genannte Motilität, gestört
ist, bietet die Untersuchung
„Das Ziel des KTI-Projekts, funkder Motilität die beste Möglichkeit zur Diagnose. Die
tionsfähige Kapseln in Kindergrösse
Motilis Medica hat daher
zu entwickeln, haben wir erreicht.“
einen Detektor entwickelt,
VINCENT SCHLAGETER, CEO Motilis Medica SA
der um den Bauch getragen
wird. Dieser observiert spezielle Glaskapseln, die auf
ihrer Reise durch den Darm elektromaPLATZ DREI ging an Motilis Medica aus
Lausanne, für eine weiterentwickel- gnetische Wellen ausstrahlen. In einem
te Glaskapsel für die Darmanalyse bei früheren KTI-Projekt mit der Haute Ecole
Kindern. Mit ihrer Hilfe kann das Reiz- d’Ingénierie et de Gestion du Canton de
darmsyndrom (RDS) leichter diagnos- Vaud (HEIG) hatte das Unternehmen betiziert werden. Bisher ist die Diagnose reits Kapseln mit acht Millimetern Durchvon RDS kompliziert: Mit Ultraschall- und messer entwickelt. Für den Einsatz in der
Blutuntersuchungen sowie Magen- und Pädiatrie ist diese Kapsel aber zu gross.
Darmspiegelungen müssen organische Im Rahmen des aktuellen KTI-Projekts
Ursachen ausgeschlossen werden. Erst sollte sie daher auf sechs Millimeter
dann kann der Arzt durch Erfragen von verkleinert werden – was mit StandardSymptomen auf RDS schliessen. Da bei komponenten nicht zu erreichen war. Die
RDS meist die Bewegung des Darms, die erforderliche Entwicklung einer anwen-
dungsspezifischen integrierten Schaltung,
einer ASIC, übernahm die École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) unter
der Leitung von Dr. Catherine Dehollain.
Die Wissenschaftler erreichten nicht nur
eine Verkleinerung der Kapselgrösse,
sondern auch eine höhere Leistungsfähigkeit.
PLATZ ZWEI errang das Unternehmen
Rotavis AG, das gemeinsam mit der
Hocoma AG und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
(ZHAW) eine Weltneuheit mit kommerziellem Potenzial entwickelt hat: einen
neuartigen Bürostuhl, der die Bewegungen beim Gehen imitiert und so die Wirbelsäule entlastet und Rückenschmerzen vorbeugt.
Rückenleiden sind die Volkskrankheit Nummer eins: In der Schweiz verursachen sie jährlich zehn Millionen Ausfalltage – in Beruf, Schule, Studium oder
Haushalt. Häufige Ursache der Schmerzen ist langes, statisches Sitzen, das
die Wirbelsäule belastet. Aus eigener
>
40
Die Glaskapsel sendet auf ihrer Reise durch den
Darm elektromagnetische Wellen aus – so können
von aussen problemlos die Darmbewegungen
gemessen werden (Bild: KTI).
+++ Forschung & Entwicklung
Chirurgentraining in der
virtuellen Realität
Virtamed gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Start-up-Unternehmen der
vergangenen Jahre: Die OP-Simulatoren, die das Unternehmen seit 2007 entwickelt
und vertreibt, haben ihren Ursprung in einem Forschungsprojekt an der ETH Zürich.
Es war reichlich skandalös, was Leonardo da Vinci mit den Körpern Verstorbener trieb, wenn er – von Wissensdurst
getrieben – ihre Leichen bei Nacht und
Nebel sezierte und zeichnete, dabei erstmals Arterienverkalkung beschrieb und
Leberzirrhose skizzierte. Heute hätte es
das Universalgenie leichter, denn dank
minimal-invasiver Techniken kann man
selbst am lebenden Körper mit video-endoskopischen Methoden hochpräzise
Eingriffe mit geringem Blutverlust vornehmen. Doch da der Chirurg nun das
Operationsfeld nicht mehr im Blick hat,
muss er sich genaue Kenntnisse der Anatomie und der Organe verschaffen, um
diese nicht zu verletzen.
SCHÜTZENHILFE FÜR INNOVATION Dieses Wissen liefert ihm ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Gabor Székely im Rahmen des Schweizer
Forschungsschwerpunkts CO-ME (Computer Aided and Image Guided Medical
Interventions), das sich mit der Simulation chirurgischer Eingriffe am 3D-Modell
befasste. Im Jahr 2005 entwickelte ein
schweizweites Team am Computer Vision Lab der ETH Zürich ein Trainingsgerät
für virtuelle endoskopische Diagnostik
und chirurgische Intervention in der Gebärmutter, den hochrealistischen Hystsim. Es folgte intensive Forschung, und
2007 gründete Dr. Stefan Tuchschmid
das Unternehmen Virtamed. Im gleichen
Jahr wurde das Start-up in das Coaching
Programm für Start-ups der Kommission für Technologie und Innovation (KTI)
aufgenommen, und bereits nach 14 Monaten mit dem KTI-Start-up-Label ausgezeichnet. Zusätzlich erhielt die Firma
Unterstützung im Rahmen der KTI F&E
Projektförderung, sodass – in Kooperation mit der ETH Zürich, dem Universitätsspital Balgrist und der ZHAW Winterthur – nach und nach Simulatoren mit
dem heute weltweit höchsten Realitätsgrad entstanden, die Chirurgen in neuen Operationstechniken schulen. „Dabei
trainieren sie mit Original-Instrumenten
Knie- und Schulterarthroskopie, Resektion von Prostata oder Hysteroskopie,
ohne jegliche Gefährdung von Patienten“,
erklärt Tuchschmid. „Für Echtheit sorgt
das taktile Feedback, entweder auf Software basierend oder auf anatomischen
Modellen, die wir mit virtueller Realität
verknüpfen.“ Abnehmer sind Ausbildungsspitäler und Trainingszentren sowie international tätige Hersteller von
Medizintechnik.
VON DER HOCHSCHULE IN DIE SPIN-OFFBRUTSTÄTTE Inzwischen ist das Virtamed-
Team auf 30 Mitglieder angewachsen
und siedelte in das Life-Science-Umfeld
von Schlieren um, wo Spin-offs mit weltweit tätigen Konzernen kooperieren.
„Über das Projekt Startsmart Schlieren
ist es uns gelungen, mit dem starken
Wachstum unserer Firma mitzuhalten“,
sagt Tuchschmid.
Stets ist die Crew auf der Pirsch nach
neuen Ideen. Als das American Board of
Orthopaedic Surgery beschloss, die chirurgische Ausbildung in Arthroskopie
weiter zu verbessern und mit dem Programm Fast (Fundamentals of Arthroscopic Surgery Training) zu standardisieren, integrierte Virtamed dieses flugs
in ihren virtuellen Chirurgie-Simulator
Arthros. Das neu entwickelte Modul für
den Urosim liefert Simulationstraining
für die Entfernung von Blasentumoren.
Originalinstrumente aus dem OP, detailgetreu
nachmodelliert für die virtuelle Simulation
(Bild: Virtamed).
Und im Gespräch mit Chirurgen erarbeitet
Virtamed ständig „Extras“ wie etwa den
Simproctor. Er gibt Hinweise, färbt beim
diagnostischen Rundgang die zu visualisierende Anatomie ein und zeigt, wie der
Patient positioniert wird oder wie die Instrumente zu halten sind.
ECHTE WERTSCHÖPFUNGSKETTE „Weltweit Erfolg verbucht Virtamed, da es dem
Chirurgen realistische und detailgetreue
Bilder mit rascher Reaktionszeit liefert“,
betont Prof. Székely. „Zudem bieten die
Simulatoren haptische Wahrnehmung,
also Ertasten und Fühlen, sowie ein breites Spektrum an Interaktionen.“ Einen
wichtigen Beitrag leistete das Projekt
CO-ME. Prof. Lutz-P. Nolte, der als Direktor
des Instituts für Chirurgische Technologien
und Biomechanik der Universität Bern
die Arbeiten begleitete, erinnert sich:
„Schon während der Entwicklungsarbeit
reifte der Entschluss, die Idee mit einer
eigenen Firma im Markt umzusetzen.“
w www.virtamed.com
2014_Swiss Medtech Industry
41
Das Silicon Valley der
Life Sciences
Am Genfer See entsteht auf dem ehemaligen Gelände von
Merck Serono der neue Campus Biotech. Er will die Stärke
eines Netzwerkes aus akademischen Zentren, Serviceeinrichtungen sowie Industrie Start-ups an einem Platz bündeln und
zur weltweiten Nummer eins der Biotech-Branche aufsteigen.
Ehemals Merck Serono – nun Campus Biotech: Der
attraktive Gebäudekomplex ist auf Forschung und
Entwicklung ausgerichtet und bietet mit 40 000
Quadratmetern Bürofläche, Laboren, Cafeteria und
Fitnessräumen eine attraktives Umfeld für das
neue Netzwerk (Bild: Campus Biotech).
Am neuen Wyss-Institut am Campus Biotech
dreht sich mit dem Fachgebiet Neuroengineering
alles um Neuronen: So zum Beispiel um die
Entwicklung von verbesserten Hörgeräten, die
Rekonstruktion der Netzhaut des Auges oder
Gehirn-Computer-Schnittstellen für Gelähmte
(Bild: Sergey Nivens-fotolia.com).
42
Es begann mit einer Krise: Das Pharmaunternehmen Merck Sereno schloss
2013 seinen Standort in Genf. Über 1250
Arbeitsplätze gingen verloren. Doch nun
geht es weiter mit einer riesigen Chance. Durch die Übernahme des Geländes
durch das Konsortium Campus Biotech
soll auf dem ehemals leerstehenden
Areal ein einzigartiger, zentraler Knotenpunkt für Biotechnik und Life Sciences
entstehen.
Hinter dem Konsortium stehen neben den Schweizer Milliardären, Investoren und Unternehmern Hansjörg Wyss
und der Bertarelli-Familie auch die Wyss
Foundation, die ETH Lausanne (EPFL)
sowie die Universität Genf. Das hochgesteckte Ziel des Konsortiums: Aus dem
geplanten multidisziplinären Campus
Biotech einen weltweit führenden Standort für moderne Biotechnologie und Neurowissenschaften zu machen – indem
hohe Fachkompetenz, Investitionen und
Unternehmertun unter einem Dach vereint werden, um Spitzenforschung in Lösungen und Produkte umzuwandeln. Der
Campus Biotech soll zum Silicon Valley
der Life Sciences werden.
40 000 Quadratmeter Bürofläche
umfasst der von Merck Serono zurückgelassene Gebäudekomplex. Er wurde
ehemals von der Familie Bertarelli als Firmensitz ihres Biotechnik-Unternehmens
Serono, des damals drittgrössten der
Welt, entworfen und gebaut – bevor das
Unternehmen 2007 an Merck verkauft
wurde. Der Gebäudekomplex bietet vielfältig nutzbare Räume: von Büro- über
Laborflächen bis hin zu Cafeteria und Fitnessräumen.
INTERDISZIPLINÄRE FORSCHUNGSGRUPPEN ZIEHEN EIN Bereits jetzt steht
fest: 19 000 Quadratmeter der Fläche
werden die EPFL und die Universität Genf
nutzen. Den grössten Teil davon werden
Forschungsgruppen der beiden Unis belegen, so zum Beispiel das europäische
Human Brain Project (HBP), Neuroprothese-Gruppen und das fakultätsübergreifende Swiss Centre for Affective
Sciences. 8 000 Quadratmeter werden
durch das neue „Wyss Zentrum für Biound Neuroengineering“ genutzt werden.
Möglich wird dieses neue Wyss-Institut
durch eine Spende von 100 Millionen
Schweizer Franken durch Hansjörg Wyss.
Es soll nach dem Vorbild des bestehenden „Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering“ errichtet werden, das
es bereits an der Harvard Universität in
Boston, USA, gibt.
KONKRETE PRODUKTE SIND DAS ZIEL
Ebenso wie im Institut in den USA soll
auch in Genf multidisiziplinär gearbeitet
werden, um biologische Methoden zur
Lösung medizinischer Probleme zu ent-
+++ Forschung & Entwicklung
DR. BENOIT DUBUIS
Chief Operating Officer des Campus
und Leiter des Aufbaus des Wyss
Instituts (Bild: Campus Biotech).
wickeln und in konkrete Produkte umzuwandeln. Im Gegensatz zum Institut in
Harvard jedoch wird sich das Wyss-Institut am Campus Biotech auf das Fachgebiet Neuroengineering konzentrieren.
So zum Beispiel auf die Entwicklung von
verbesserten Hörgeräten, die Rekonstruktion der Netzhaut des Auges oder
Gehirn-Computer-Schnittstellen für Gelähmte. Die Bertarelli-Stiftung ihrerseits
wird das neue Wyss-Institut mit den
beiden bereits existierenden EPFL-Lehrstühlen und zwei weiteren Lehrstühlen
unterstützen. Mehr als 1 000 Mitarbeiter
sollen auf dem neuen Campus tätig sein.
Als Chief Operating Officer des Campus
und Leiter des Aufbaus des Wyss Institute konnte Dr. Benoit Dubuis gewonnen
werden. Dubuis bekleidete bereits verschiedene Führungspositionen in Pharmakonzernen und verfügt über reichhaltige Erfahrung. So gründete er 2001 die
Life-Science-Dachorganisation BioAlps
in der Region um den Genfer See und
ist seit 2008 deren Präsident. Er wurde 2002 der erste Dekan der Fakultät
für Life Science an der EPFL. Seit 2004
leitet Dubuis das Zentrum Eclosion, das
am ehemaligen Serono-Standort in Genf
Start-up-Unternehmen unterstützt.
JOHN P. DONOGHUE BERUFEN Als Direktor des Wyss-Instituts und als ausserordentlicher Professor an die EPFL sowie
Gastprofessor an die Universität Genf
konnte der international anerkannte
Neurowissenschaftler John P. Donoghue
berufen werden. Donoghue ist Gründer
des Institute for Brain Science der Brown
University und einer der Gründungsväter
der Verschmelzung von Neurowissenschaft und Kybernetik, einem Gebiet,
das heute als Neuroprothetik bezeichnet
wird. Er ist bekannt für die Entwicklung
innovativer
Gehirn-Computer-Schnittstellen für Gelähmte. „Die Vision des
Campus und die Prinzipien, auf deren
Grundlage das Center gegründet wurde,
bieten eine ganz besondere Chance, unsere Denkweise über Biotechnologie und
Biowissenschaften im Zusammenhang
mit der modernen Wissenschaft, der
Wirtschaft und nachhaltiger Entwicklung zu verändern. Ich freue mich sehr,
Teil dieser neuen Initiative zu sein, um
die Zusammenarbeit zu maximieren und
gemeinsam mit anderen Teams auf dem
Campus Biotech diesen Sektor zu revolutionieren", sagt John P. Donoghue.
Start-ups und andere Unternehmen
mit dem selben Themenschwerpunkt
sind eingeladen, sich ebenfalls auf dem
Campus Biotech anzusiedeln und zur erfolgreichen Mischung aus Akademie und
Entrepeneurship beizutragen, damit die
grosse Vision des Campus, die Zukunft
der Wissenschaft bereits heute greifbar
JOHN P. DONOGHUE
Der amerikanische Neurowissenschaftler übernimmt die Leitung am
Wyss Center und wurde als Professor
an die ETH Lausanne und die Universität Genf berufen (Bild: Campus
Biotech).
zu machen, wahr wird. Die Mitstreiter
wollen nicht weniger als die drängendsten Herausforderungen der Biotechnologie und Biowissenschaften lösen, um die
Welt zu verändern.
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CAMPUS BIOTECH
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BRUTTOFLÄCHE: 40 000 Quadratmeter
ARBEITSRÄUME: 1300
KONFERENZRÄUME: 55
CAFETERIA RESTAURANT: 460 Sitzplätze
PARKPLÄTZE: 330
FITNESS: 550 Quadratmeter
RECHENZENTRUM: 600 Quadratmeter
LANDSCHAFTSPLANUNG: 4270 Quadratmeter
und 200 Bäume
Der Gebäudekomplex verfügt über ein nachhaltiges Energiekonzept.
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w
www.campusbiotech.ch
2014_Swiss Medtech Industry
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Einfache Herzfrequenzmessung
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In Zusammenarbeit mit dem privaten Forschungs- und Entwicklungszentrum CSEM hat das durch einen Spin-off von Nokia entstandene
Start-up-Unternehmen PulseOn ein kleines Messgerät fürs Handgelenk
entwickelt. Mit diesem lässt sich die Herzfrequenz innerhalb und ausserhalb des Trainings zuverlässig und genau bestimmen. Dank drahtloser Konnektivität mit iOS- und Android-Applikationen kann anhand der
Herzfrequenzdaten zudem ein aussagekräftiges und personalisiertes
Trainingsfeedback erstellt werden. Das neue Produkt basiert auf der patentierten Technologie für die Überwachung physiologischer Parameter
des CSEM, die auf einer so genannten multiparametrischen opto-inertialen Messtechnik beruht. Durch eine Optimierung der opto-mechanischen Elemente und des Designs der optischen Sensoren steigerten die
CSEM-Ingenieure die Signalqualität und Genauigkeit des Geräts. Zudem
war es notwendig, Aspekte der Elektronik und des Multi-Channel-Processing zu verbessern, die mit dem Energieverbrauch und der Grösse
des Geräts in Verbindung stehen. Im Rahmen der Entwicklungsarbeiten entstand auch ein anwendungsspezifischer integrierter Schaltkreis
(ASIC) mit extrem niedrigem Energieverbrauch für tragbare biomedizinische Messgeräte, der eine weitere Verkleinerung des Produkts ermöglichte. w www.pulseon.com
Jens Krauss, CSEM SA (links) und Tero Mennander,
PulseOn (rechts), (Bild: PulsOn).
Gelenk-Implantate
ohne Ablaufdatum
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Konventionelle
Mikrotomographie
mit intensiver Röntgenstrahlung erlaubt
die Visualisierung von
Verkalkungen
(Plaque, im Bild weiss)
und Muskelgewebe,
hier schwarz dargestellt (Bild: Biomaterials Science Center
der Universität Basel).
Arterienverkalkungen besser erfassen
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Mit einer neuen Methode lassen sich verkalkte und verengte Blutgefässe bei Atherosklerose auf einige Mikrometer genau vermessen, damit
Medikamente gezielt lokal freigesetzt werden können. Ein Forschungsteam
aus drei europäischen Ländern unter Leitung von Prof. Bert Müller vom
Biomaterials Science Center der Universität Basel hat dafür im Rahmen
des Projekts „NO-stress“ bestehende Verfahren kombiniert sowie die Verengungen visualisiert und quantitativ erfasst. Das neue Abbildungsverfahren nutzt die klassische Röntgenabsorption, zusätzlich aber auch den so
genannten Phasenkontrast, der etwa mittels Gitterinterferometrie gemessen wird: Da die Phasenänderungen der Röntgenstrahlen beim Durchgang
durch Materie weniger stark von der Ordnungszahl der darin enthaltenden
Elemente abhängen, lassen sich die Weichgewebe in der Umgebung von
Hartgeweben viel besser sichtbar machen. w www.unibas.ch
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Durch die tägliche Beanspruchung und Bewegung im Körper nutzen sich selbst die besten
künstlichen Gelenke ab. Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt
(Empa) fanden nun heraus, dass dies am Korrosionsverhalten des Haftvermittlers zwischen
der DLC-Schicht („diamond-like carbon“) und dem
Metallkörper liegt. Diese Schicht besteht bislang
aus Silizium und korrodiert im Laufe der Jahre.
Die Forscher wählten nach Tests Tantal als Haftvermittler. Geprüft wurde die neue Beschichtung
auf einem so genannten Total Disc Replacement
– einem beweglichen Bandscheibenimplantat.
100 Millionen Zyklen, also ungefähr 100 Jahre Bewegung, wurden in einem Gelenksimulator nachgestellt. Das kleine Bandscheibenimplantat hielt
stand und blieb ohne Abrieb und Korrosion vollständig einsatzfähig. Bald soll der neue Haftvermittler in Kombination mit DLC-Beschichtungen
auch bei anderen Gelenken zum Einsatz kommen.
w www.empa.ch
Glänzendes Ergebnis: Links ist das Implantat mit der optimierten DLC-Beschichtung zu sehen, in der Mitte das DLC-beschichtete Implantat mit ungenügendem Haftvermittler
und entsprechender Korrosion – rechts das unbeschichtete
Implantat (Bild: Empa).
+++ Forschung & Entwicklung
Heisse Nanopartikel für Krebstherapien
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Ein Forscherteam der ETH Zürich hat Nanopartikel für die Krebstherapie entwickelt, die einfach herzustellen und vielfältig einsetzbar sind.
Diese so genannten plasmonischen Partikel absorbieren Licht im nahen
Infrarot-Bereich und heizen sich dabei auf. So könnten sie beispielsweise
Tumorgewebe durch Hitze abtöten. Für solche therapeutisch eingesetzten Nanopartikel ist Gold ein beliebtes Material. Es muss jedoch in eine
spezielle Form gebracht werden, zum Beispiel in Stäbchen- oder Schalenform. Diese in ausreichender Menge herzustellen, ist bisher aufwendig und teuer. Ein Forscherteam unter der Leitung von Sotiris Pratsinis,
Professor für Partikeltechnologie am Institut für Verfahrenstechnik, hat
nun einen Trick gefunden, plasmonische Goldteilchen in grosser Menge
herzustellen. Dazu überzogen die Forschenden jedes einzelne Teilchen
mit einer Siliziumdioxid-Schicht und liessen die Partikel aggregieren. Die
Siliziumdioxid-Schicht diente dabei als Platzhalter zwischen den einzelnen Kugeln im Aggregat und verhinderte, dass sich die Teilchen beim
Erwärmen verformten und so ihre plasmonischen Eigenschaften verloren. Durch den genau bestimmten Abstand zwischen mehreren Goldpartikeln bringen die Forschenden die Teilchen in eine Konfiguration, die
Infrarotlicht absorbiert und Hitze erzeugt. Die neuen Partikel wurden
bereits an Brustkrebszellen in der Petrischale erfolgreich getestet.
Schema der Nanoaggregate aus Gold- und Eisenoxid-Partikeln mit
Siliziumdioxidhülle. Links: Elektronenmikroskopische Aufnahme
eines Aggregats (Bild: Georgios Sotiriou / ETH Zürich).
w www.ethz.ch
Parkinson-Erkrankung:
Mini-Elektrode gegen Zittern
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Querschnitt einer im Labor
hergestellten Lymphkapillare
(rot). Verankerungsfilamente
sind grün, Zellkerne blau gefärbt
(Bild: Chirurgische Klinik/Universitäts-Kinderkliniken, Zürich /
Tissue Biology Research Unit).
Haut mit Blut- und Lymphgefässen
im Labor erzeugt
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Forschende des Kinderspitals Zürich und der Universität Zürich haben erstmals Hautzellen gezüchtet, die Blut- und Lymphgefässe enthalten. Es ist ihnen gelungen, alle notwendigen Typen von Hautzellen aus
menschlichem Hautgewebe zu isolieren und so einen der Vollhaut ähnlichen Hautersatz und damit ein komplexeres Organ herzustellen. Mit
aus der menschlichen Unterhaut isolierten Lymphgefässzellen haben
die Forschenden Lymphkapillaren erstellt. Zusammen mit den ebenso
entwickelten Blutkapillaren ist somit eine schnelle und effiziente Gefässversorgung des Hautsubstituts gewährleistet. Dies war bisher ein
wichtiges ungelöstes Problem in der molekularen Gewebebiologie und
in der regenerativen Medizin. Solche mit Lymph- und Blutgefässen versehenen Hautsubstitute sollen in Zukunft sowohl die Ansammlung von
Gewebsflüssigkeit verhindern als auch eine rasche Blutversorgung des
Transplantats gewährleisten. Dadurch könnten das Einheilen und die organtypische Struktur eines solchen Hautersatzes entscheidend verbessert werden. w www.skingineering.ch w www.uzh.ch
Bessere Lebensqualität für Parkinson-Patienten: Ärzte des Inselspitals Bern und Ingenieure der
ETH Lausanne haben eine Mini-Elektrode entwickelt. Sie schaltet das parkinsontypische lästige
Zittern ab, ohne dabei Nebenwirkungen wie Muskelkrämpfe hervorzurufen. Bisher eingepflanzte
„Hirnschrittmacher“ – Elektroden, die auf Befehl
des Patienten kleine Stromstösse in die betroffene
Hirnregion abgeben – stimulieren zu grosse Hirnregionen und lösen dadurch Muskelkrämpfe aus.
Mit der neu entwickelten, nur wenige Quadratmillimeter kleinen Mini-Elektrode mit drei selektiv
einschaltbaren Stromkontakten hingegen treten
die Muskelkrämpfe nicht auf, denn sie stimuliert
gezielt jene winzige Hirnregion, die für das Parkinson-Zittern verantwortlich ist. Bisher profitierten
am Inselspital 13 Patienten von der verbesserten
Methode. Die „Deep Brain Stimulation“ (DBS) genannte Technik kommt für jene Patienten in Frage,
die nicht auf die eingesetzten Medikamente ansprechen. w www.insel.ch
Claudio Pollo setzt
einem Patienten eine
DBS-Minisonde ein
(Bild: Susi Bürki).
2014_Swiss Medtech Industry
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vier Fragen an … +++
Hilfreiche Netzwerke
PETER BIEDERMANN (PB)
Geschäftsführer Medical Cluster
FABIAN STADLER (FS)
Generalsekretär Fasmed
Was fasziniert Sie an der Medizintechnik?
PB: Sie ist interdisziplinär und unglaublich breit aufgestellt. Zudem ist
sie segensreich für die Patienten und
die Gesellschaft. Hier finden sich dynamische Unternehmen und interessante
Menschen. Die Branche ist übersichtlich,
familienähnlich. Es ist spürbar, dass
Kooperationen über das eigene Unternehmen hinaus gesucht sind. Hier einen
Beitrag leisten zu können, spornt mich an.
FS: Dass sie viele Menschen heilen
hilft. Die Innovationskraft, Vielfalt und
Leistungsfähigkeit der Medizintechnik
ist beeindruckend. In der Schweiz ist
sie mit einem Anteil von 2,1 Prozent am
Bruttoinlandsprodukt, 1,1 Prozent aller
Arbeitsstellen und über 24 Prozent am
Schweizer Handelsüberschuss auch ökonomisch von grösster Bedeutung und
toppt diesbezüglich sogar die EU und USA.
Welche Innovation hat Sie persönlich
bisher am meisten beeindruckt?
PB: In meinem persönlichen Umfeld
habe ich erfahren, wie hilfreich aktive
Implantate in der Neurochirurgie und
minimalinvasive Eingriffe am Herzen sind.
Kürzlich wurde eine gute Bekannte erfolgreich am Auge operiert. Noch vor einigen
Jahrzehnten hätte sie das Augenlicht
verloren.
Welche Charaktereigenschaft, die als
„typisch schweizerisch“ gilt, halten Sie im
Medical Cluster für Erfolg versprechend?
PB: Wir arbeiten mit Unternehmen
zusammen, die täglich höchste Qualität
und Zuverlässigkeit liefern müssen. Das
wird auch von uns erwartet. So konservative Eigenschaften wie Glaubwürdigkeit, Pünktlichkeit und gute Arbeit sind
auch für uns handlungsleitend. Um unsere
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PROFIL
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MEDICAL CLUSTER
Der Medical Cluster ist ein Netzwerk von
Herstellern, Zulieferern, Dienstleistungsund Forschungsunternehmen in der Wertschöpfungskette Medizintechnik aus der
ganzen Schweiz. Mit seinen Veranstaltungen,
Konferenzen, Foren und Dienstleistungen
trägt er dazu bei, dass Firmen und Experten
sich austauschen und neue Kooperationen
entstehen können.
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FASMED
Der Fasmed, Dachverband der Schweizer
Medizintechnik, umfasst mit rund 230 Mitgliedsfirmen die bedeutendsten MedtechUnternehmen in der Schweiz. Damit die
Medizintechnik ihren Beitrag zu einer erstklassigen Versorgung leisten kann, setzt sich
Fasmed für den Erhalt und die Förderung
der marktwirtschaftlichen Strukturen im
Schweizer Gesundheitswesen ein.
Dienstleistungen in bester Qualität erbringen zu können, setzen wir auf ein breites
und kompetentes Netzwerk mit Personen, die die gleichen Werte wie wir teilen.
Wie begegnen Medical Cluster und
Fasmed den Herausforderungen der
Branche – zunehmender Preisdruck und
Schnelllebigkeit des Marktes?
PB: Bisher haben wir hauptsächlich
Plattformen für den Austausch von
Wissen und Technologien bereitgestellt
wie Fachveranstaltungen, Konferenzen,
und gemeinsame Messeauftritte. Unsere
künftigen Plattformen werden die Möglichkeiten des Internets besser nutzen,
um den Menschen in dieser Industrie
rasche und effiziente Suchmöglichkeiten
zur Verfügung zu stellen. Wer in Zukunft
erfolgreich innovieren und verkaufen will,
muss sich rasch und gezielt vernetzen.
Dazu wollen wir geeignete Instrumente
aufbauen.
FS: In Bern wie auch in Brüssel
machen wir uns für attraktive Rahmenbedingungen stark und wirken auf die
vielfach nicht sachgerechten Regulierungen ein. Wir informieren unsere
Mitglieder ständig über die aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen sowie
Lösungsmöglichkeiten und beraten sie in
branchenspezifischen, wirtschaftspolitischen und juristischen Fragen. Dadurch
erhalten sie einen Wissensvorsprung. Zudem haben die Mitglieder die Möglichkeit,
in fünf Sektionen, sieben Arbeitsgruppen
und diversen Projekten die Aktivitäten
des Dachverbandes aktiv mitzugestalten.
+++ Typisch Schweiz
2014_Swiss Medtech Industry
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