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ADS - ResearchGate

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Originalarbeit
Depressionsscreening am Telefon mittels der Allgemeinen Depressionsskala
(ADS)
Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Erhebung
Screening for Depression by Telephone Using the German Version of the Center for Epidemiological
Studies Depression Scale (CES-D)
Results from a Representative Survey
Autoren
Janine Stein1, Melanie Luppa1, Jette Mahnke1, 2, Siegfried Weyerer3, Georg Schomerus4, Steffi G. Riedel-Heller1
Institute
1
Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät, Universität Leipzig, Leipzig
Institut für Psychologie, Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, Universität Leipzig, Leipzig
3
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim/Universität Heidelberg, Mannheim, Deutschland
4
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Greifswald, Universität Greifswald, Greifswald
Schlüsselwörter
" depressive Symptomatik
●
" Allgemeine Depressionsskala
●
"
●
"
●
"
●
(ADS)
Reliabilität und Validität
Normierung
Epidemiologie
Keywords
" depressive symptoms
●
" Center for Epidemiological
●
"
●
"
●
"
●
Studies Depression Scale
(CES-D)
Reliability and Validity
normative values
epidemiology
Bibliografie
DOI http://dx.doi.org/
10.1055/s-0033-1343176
Psychiat Prax
© Georg Thieme Verlag KG
Stuttgart · New York
ISSN 0303-4259
Korrespondenzadresse
Dr. Janine Stein
Institut für Sozialmedizin,
Arbeitsmedizin und Public
Health, Universität Leipzig,
Medizinische Fakultät
Philipp-Rosenthal-Straße 55
04103 Leipzig,
Janine.Stein@medizin.unileipzig.de
Zusammenfassung
!
Anliegen: Analyse der Reliabilität und Validität
der Allgemeinen Depressionsskala (ADS) sowie
die Ermittlung von Normwerten im Rahmen
einer Telefonbefragung.
Methode: 868 Personen (18 – 94 Jahre) wurden
interviewt.
Einleitung
!
Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und stellen eine zunehmende Herausforderung für die Gesellschaft und
das Gesundheitssystem dar [1, 2]. Vor diesem
Hintergrund gewinnen die Früherkennung der
Erkrankung sowie die verstärkte Zuwendung zur
epidemiologischen Forschung zunehmend an Bedeutung [3]. Eine frühzeitige Erkennung erster
Symptome ermöglicht rasch einsetzende therapeutische Interventionen und eine angemessene
Behandlung. Auf diesem Wege können die Entwicklung einer klinisch relevanten depressiven
Störung und die damit verbundenen gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Beeinträchtigungen und Konsequenzen eventuell vermindert
oder gar verhindert werden [4]. Im Bereich der
epidemiologischen Forschung leisten Erkenntnisse zu den Ursachen, zur Verbreitung und zu den
Folgen depressiver Erkrankungen einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Depressionen [3].
Die zuverlässige Früherkennung und Diagnostik
depressiver Symptome und Erkrankungen setzt
voraus, dass geeignete Messinstrumente zur Verfügung stehen [4]. Diese Messinstrumente sollten
neben den psychometrischen Hauptgütekriterien
(Objektivität, Reliabilität, Validität) auch das Nebengütekriterium der Normierung erfüllen, um
die zuverlässige Interpretation der Ergebnisse zu
gewährleisten. Im deutschsprachigen Raum wird
Ergebnisse: Die Analyse der psychometrischen
Güte der ADS erbrachte moderate bis gute Werte.
Es wurden Prozentrangnormen ermittelt.
Schlussfolgerung: Die ADS erwies sich als ein reliables und valides Verfahren zur telefonischen Erfassung von depressiven Symptomen. In der vorliegenden Arbeit werden aktuelle Normwerte
speziell für den Einsatz in telefonischen Befragungen vorgelegt.
häufig die Allgemeine Depressionsskala (ADS)
als Selbstbeurteilungsinstrument für depressive
Symptome verwendet [5 – 7]. Ursprünglich wurde
die amerikanische Originalversion der ADS, die
Center for Epidemiological Studies Depression
Scale (CES-D) für epidemiologische Untersuchungen größerer Bevölkerungsstichproben konzipiert und wird seither auf internationaler Ebene
als Screeningverfahren zur frühzeitigen Identifikation depressiver Störungen eingesetzt [8]. Neben der Anwendung als Screeningverfahren in
großen Bevölkerungsstichproben wird die ADS
auch zur Messung des Schweregrads bei Personen
mit bereits diagnostizierter Depression sowie zur
Erfassung einer depressiven Begleitsymptomatik
bei anderen Störungen eingesetzt. Für den Einsatz
stehen eine Langform (ADS-L, 20 Items) oder eine
Kurzform (ADS-K, 15 Items) zur Verfügung. Eine
ausführliche Beschreibung des Verfahrens geben
Stein und Luppa (2012) [6]. Die ADS wurde seit
ihrer Entwicklung mehrfach im Hinblick auf die
psychometrischen Gütekriterien überprüft und
als reliables und valides Instrument zur Erfassung
depressiver Symptome über die Lebensspanne
ausgewiesen [5, 9, 10]. Die zweite, überarbeitete
und neu normierte Auflage des Verfahrens wurde
Anfang des Jahres 2012 veröffentlicht [5]. Die
Neunormierung der ADS basiert auf einer Bevölkerungsstichprobe der Leipziger Repräsentativerhebung aus dem Jahr 2006 und umfasst altersund geschlechtsspezifische Normwerte für ErStein J et al. Depressionsscreening am Telefon … Psychiat Prax
Heruntergeladen von: Universität Leipzig. Urheberrechtlich geschützt.
2
Originalarbeit
Methoden
!
Studiendesign und Stichprobe
Die Analysen basieren auf einer bevölkerungsrepräsentativen
Stichprobe von n = 1000 Personen, die im Rahmen eines umfassenderen Projektes mittels der ADS von USUMA, einem führenden deutschen Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut,
im Rahmen eines Computer Assisted Telephone Interview (CATI)
befragt wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Studie findet
sich in Sikorski et al. (2012) [14]. In die Stichprobe der vorliegenden Studie wurden insgesamt n = 868 Personen eingeschlossen.
Personen mit unvollständigen Untersuchungsergebnissen in der
ADS (n = 78) und Personen, die das Lügenkriterium [15] erfüllten
(Wert von kleiner als – 28, n = 54), wurden aus dem Datensatz
ausgeschlossen. Für die Berechnung des ADS-Summenwerts
wurden die positiv formulierten Items der Skala (4, 8, 12 und
16) umgepolt. Der Bildungsgrad (niedrig, mittel, hoch) wurde
auf der Grundlage der new CASMIN-Bildungsklassifikation [16]
ermittelt.
lichkeiten in den genannten 5 Bereichen (keine Probleme, einige
bzw. mäßige Probleme und extreme Probleme bzw. unfähig)
werden die physischen, mentalen und sozialen Aspekte gesundheitsbezogener Lebensqualität eingeschätzt.
Auf der Basis des standardisierten Fragebogens wurden soziodemografische Variablen (z. B. Alter, Bildung/Beruf, Geschlecht) erhoben. Darüber hinaus wurde das Vorliegen von bestimmten Erkrankungen, insbesondere von Depressionen, erfragt.
Statistische Analysen
Die Datenanalysen wurden mit IBM SPSS Statistics 20 für Windows durchgeführt. Mittels Kolmogorov-Smirnov-Anpassungstests wurde die Verteilung der ADS-Summenwerte analysiert.
Zur Berechnung der Reliabilität wurden die Interne Konsistenz
(Cronbachs Alpha) und die Testhalbierungsreliabilität berechnet.
Potenzielle Gruppenunterschiede in den mittleren ADS-Summenwerten (abhängige Variable) in Bezug auf Geschlecht, Alter,
Bildung, Tätigkeit, Einkommen, Bundesland und Vorliegen depressiver Erkrankungen nach Selbstauskunft (unabhängige Variablen) wurden anhand einfaktorieller bzw. univariater Varianzanalysen überprüft.
Für die Überprüfung der Konstruktvalidität der ADS wurden die
Zusammenhänge mit dem EQ-5D mittels Rangkorrelationen
nach Spearman sowie die faktorielle Struktur der ADS mittels
einer Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation analysiert. Wenn nicht anders berichtet, wurde das Signifikanzniveau
auf α = 0,05 festgelegt.
Auf der Grundlage der nicht normalverteilten ADS-Summenwerte (Rohwerte) wurden Prozentrangnormen [18] für die Gesamtstichprobe (n = 868) und aufgrund des geschlechtsspezifischen
Unterschieds in den Summenwerten der ADS getrennt für Frauen
(n1 = 474) und Männer (n2 = 394) berechnet. Für nicht besetzte
Testrohwerte (ADS-Summenwerte) wurden mittels Interpolation
die entsprechenden Prozentränge wie folgt berechnet:
PRi = PR< + [(TWi – TW<)/( TW> – TW<)] × ( PR> – PR<)
Dabei steht PRi für den gesuchten Prozentrang des nicht besetzten Testwerts (TWi). TW< und TW> stellen den nächstkleineren
bzw. nächstgrößeren Testwert dar und PR< und PR> sind dementsprechend die Prozentränge des nächstkleineren bzw. nächstgrößeren Testwerts.
Instrumente
In der Befragung wurde die deutsche Version der Center for Epidemiological Studies Depression Scale (CES-D) eingesetzt, die
erstmals im Jahr 1993 unter dem Namen „Allgemeine Depressionsskala“ (ADS) veröffentlicht wurde [8, 15]. Die hier eingesetzte Langform der ADS umfasst 20 Items zur Erfassung des Vorliegens typischer depressiver Symptome (z. B. Verunsicherung, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit). Diese Symptome manifestieren
sich auf 6 Ebenen: emotional, motivational, kognitiv, somatisch,
motorisch und interaktional. Anhand einer 4-stufigen Antwortskala (0 = selten oder überhaupt nicht, 1 = manchmal, 2 = öfters, 3
= meistens, die ganze Zeit) soll die Person die Auftretenshäufigkeit der genannten Symptome für den Zeitraum der letzten Woche einschätzen. Als Kennwert der aktuellen depressiven Symptomatik wird der Summenwert aufaddiert, welcher zwischen 0
und 60 Punkten liegt.
Zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurde
die deutsche Version des EQ-5D (EuroQoL) [17] verwendet. Der
EQ-5D besteht aus 5 Items, die den Gesundheitszustand beschreiben: Beweglichkeit/Mobilität, Selbstversorgung, allgemeine Tätigkeiten, Schmerzen/körperliche Beschwerden und Angst/
Niedergeschlagenheit. Anhand von 3 abgestuften AntwortmögStein J et al. Depressionsscreening am Telefon … Psychiat Prax
Ergebnisse
!
Charakteristika der Stichprobe
Insgesamt umfasste die Stichprobe 868 Personen, 54,6 % Frauen
und 45,4 % Männer. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer betrug M = 51,8 Jahre (SD = 18,1), der Altersrange lag zwischen 18 und 94 Jahren. Die vollständige Beschreibung der Stich" Tab. 1 dargestellt.
probe ist in ●
ADS-Summenwerte und Verteilung nach Cut-off-Werten
Für die mittleren ADS-Summenwerte ergab sich in der Gesamtstichprobe (n = 868) ein Mittelwert von 7,3 (SD = 6,3). Bei den
Frauen (n = 474) wurde ein Mittelwert von 7,8 (SD = 6,8) und bei
den Männern (n = 394) ein Mittelwert von 6,6 (SD = 5,6) in den
ADS-Summenwerten beobachtet. Für die ADS-Summenwerte
zeigten sich rechtsschiefe Verteilungen, die signifikant von der
" Tab. 2). Für den von Radloff [8]
Normalverteilung abwichen (●
vorgeschlagenen Cut-off-Wert von 16 ergab sich, dass 8,5 % der
Gesamtstichprobe mit anteilig 11,0 % der Frauen und 5,6 % der
Männer einen höheren ADS-Summenwert als 16 erzielten, d. h.
Heruntergeladen von: Universität Leipzig. Urheberrechtlich geschützt.
wachsene (18 – 91 Jahre) sowie für Kinder und Jugendliche
zwischen 12 und 17 Jahren. In der epidemiologischen Forschung
gewinnen moderne und ökonomische Erhebungsverfahren, wie
z. B. die telefonische Befragung, zunehmend an Bedeutung. Aus
der Literatur ist bekannt, dass die Erhebungsmethode einen Einfluss auf die Itembeantwortung und die Testwerte haben kann
[11, 12]. So wurden für die CES-D systematisch geringere Skalenmittelwerte in Telefonbefragungen im Vergleich zu schriftlichen
Befragungen beobachtet [13]. Die Bereitstellung spezifischer
Normdaten in Abhängigkeit vom Kontext der Befragung in Ergänzung zu den regulär vorliegenden Normdaten erscheint somit wünschenswert.
Basierend auf einer größeren, bevölkerungsrepräsentativen telefonischen Befragung ist das Ziel der vorliegenden Arbeit die Untersuchung der psychometrischen Güte (Reliabilität und Validität) der ADS. Zudem soll als Ergänzung zu den aktuell vorliegenden Normwerten eine Normierung der Skala speziell für die Anwendung in Telefonbefragungen vorgenommen werden.
Originalarbeit
Soziodemografische Charakteristika der Stichprobe (n = 868).
Variablen
n
Alter
Tab. 2
%
ADS- Summenwert
M = 51,8
SD = 18,1
Range = 18 – 94
Altersgruppe
18 – 35
35 – 50
50 – 65
65 +
194
212
219
243
22,4
24,4
25,2
28,0
Geschlecht
Frauen
Männer
474
394
54,6
45,4
Bildungsgrad 1
niedrig
mittel
hoch
Schüler
keine Angabe
216
402
235
12
3
24,9
46,3
27,1
1,4
0,3
Tätigkeit
erwerbstätig
Schüler, Student
Auszubildender
Wehrpflichtiger/Zivildienstleistender
arbeitslos
Hausfrau/Hausmann
Ruhestand
EU-/BU-Rentner
Mutterschutz/Elternzeit
keine Angabe
Einkommen in Euro
398
46
20
3
33
35
310
8
3
12
45,9
5,3
2,3
0,3
3,8
4,0
35,7
0,9
0,3
1,5
2
< 1000
1000 < 1500
1500 < 2000
2000 < 2500
2500 < 3000
3000 +
weiß nicht/keine Angabe
65
129
129
125
97
194
129
7,5
14,9
14,9
14,4
11,2
22,4
14,9
Bundesland
alte Bundesländer
neue Bundesländer
Ermittelte Prozentränge für die ADS-Summenwerte (0 – 60).
726
142
83,6
16,4
1
Einteilung nach der new CASMIN-Bildungsklassifikation (Brauns u. Steinmann 1999)
[16]; 2 durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen des Haushalts; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung
a
Varianzanalysen
Signifikante Unterschiede in den mittleren ADS-Summenwerten
ergaben sich für das Geschlecht (F = 8,184; p < 0,01). So erzielten
Frauen im Mittel einen signifikant höheren Wert (M = 7,8; SD =
6,8) als Männer (M = 6,6; SD = 5,6). Weiterhin ergaben sich signifikante Ergebnisse für die Variablen berufliche Tätigkeit, Einkommen und Depression nach Selbstauskunft. Für die Variable Tätigkeit zeigte sich, dass die Gruppe der Arbeitslosen den weitaus
höchsten Mittelwert in der ADS erzielte (M = 12,3; SD = 8,7; F =
6,280; p < 0,001). Erwerbstätige, Rentner, Auszubildende, Schüler
und Hausfrauen/-männer unterschieden sich in den mittleren
ADS-Summenwerten kaum voneinander, wobei Erwerbstätige
im Mittel die niedrigsten Werte berichteten (M = 6,5; SD = 5,7).
Auch für die Variable Einkommen wurden signifikant unter-
c
gesamt
Frauen
Männer
(n = 868)
(n = 474)
(n = 394)
0
6,1
5,1
7,4
1
13,9
13,1
15,0
2
21,0
19,4
22,8
3
31,0
30,2
32,0
4
40,6
39,9
41,4
5
47,6
45,4
50,3
6
55,8
53,2
58,9
7
63,0
59,5
67,3
8
69,5
66,2
73,4
9
74,7
70,7
79,4
10
77,9
74,3
82,2
11
80,4
77,0
84,5
12
83,2
80,2
86,8
13
85,6
82,5
89,3
14
87,9
85,2
91,1
15
90,0
87,8
92,6
16
91,5
89,0
94,4
17
92,4
90,5
94,7
18
93,1
90,9
95,7
19
94,1
92,6
95,9
20
95,0
93,7
96,7
21
96,2
95,4
97,2
22
96,5
95,8
97,5
23
97,2
96,4
98,2
24
97,7
96,8
98,7
25
98,0
97,5
98,8
26
98,2
97,7
99,9
27
98,5
98,1
99,0
28
98,8
98,7
99,1
29
99,0
98,9
99,2
30
99,3
99,1
100,0
31
99,5
99,2
32
99,6
99,3
33
99,6
99,4
34
99,7
99,4
35
99,8
99,6
36
99,9
99,8
37
99,9
99,9
100,0
100,0
M
7,3
7,8
6,6
SD
6,3
6,8
5,6
Range
0 – 38
0 – 38
0 – 30
Schiefe
1,56 a
1,49 b
1,56 c
Kurtosis
2,96 a
2,51 b
3,13 c
≥ 38
depressive Symptome aufwiesen. Bei Anwendung des von Hautzinger et al. (2012) vorgeschlagenen aktuellen Cut-off-Wertes
von 22 [5] wurden 3,5 % der Probanden der Gesamtstichprobe,
davon 4,2 % der Frauen und 2,5 % der Männer, als depressiv klassifiziert.
Prozentrang
Kolmogorov-Smirnov-Z = 4,40, p < 0,001; b Kolmogorov-Smirnov-Z = 3,33, p < 0,001;
Kolmogorov-Smirnov-Z = 2,88, p < 0,001; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung
schiedliche ADS-Summenwerte in den verschiedenen Einkommensgruppen beobachtet (F = 15,181; p < 0,001). Es zeigte sich,
dass bei Personen mit niedrigerem Einkommen höhere ADSSummenwerte berichtet wurden als bei Personen mit höherem
Einkommen. Probanden, bei denen nach Selbstauskunft eine depressive Erkrankung vorliegt, unterschieden sich durch signifikant höhere ADS-Summenwerte von den Probanden ohne diesbezügliche Erkrankungen (F = 71,227; p < 0,001). Keine signifikanten Unterschiede in den mittleren Summenwerten der ADS
wurden für das Alter (F = 0,568; p = 0,636), die Bildung (F = 1,280;
p = 0,278) sowie für die Zugehörigkeit zu den alten vs. neuen Bundesländern (F = 3,311; p = 0,069) beobachtet. Weiterhin konnten
Stein J et al. Depressionsscreening am Telefon … Psychiat Prax
Heruntergeladen von: Universität Leipzig. Urheberrechtlich geschützt.
Tab. 1
Originalarbeit
Reliabilität, Konstruktvalidität und faktorielle Struktur
der ADS
Die Berechnung der Internen Konsistenz erfolgte über den Alphakoeffizienten von Cronbach und lag in der Gesamtstichprobe bei
α = 0,799. Die Testhalbierungsreliabilität (nach SpearmanBrown) ergab für die Gesamtstichprobe einen Reliabilitätskoeffizienten von r = 0,782.
Mittels Rangkorrelationen wurden die Zusammenhänge zwischen dem Summenwert der ADS und dem Summenwert des
EQ-5D sowie den einzelnen Subskalen des EQ-5D überprüft. Es
ergaben sich signifikant positive Korrelationen zwischen dem
Summenwert des EQ-5D und dem Summenwert der ADS (r =
0,328; p < 0,001, einseitig). Demnach ist ein höheres Ausmaß an
Problemen in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (EQ5D) signifikant mit höheren Depressivitätswerten in der ADS assoziiert. Für alle 5 Subskalen des EQ-5D zeigten sich ebenfalls signifikante, positive Zusammenhänge mit dem ADS-Summenwert.
Die Korrelationen lagen zwischen r = 0,188 (Subskala Beweglichkeit/Mobilität) und r = 0,337 (Subskala Angst/Niedergeschlagenheit). Demzufolge scheinen größere Probleme in allen 5 Bereichen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, vor allem aber
im Bereich Angst/Niedergeschlagenheit, mit erhöhten Depressivitätswerten in der ADS einherzugehen.
Zur Untersuchung der faktoriellen Struktur der ADS wurde eine
Hauptkomponentenanalyse mit orthogonaler Rotation nach der
Varimax-Methode durchgeführt. Die Voraussetzungen für eine
Faktorenanalyse wurden erfüllt: der KMO-Wert lag bei 0,882
und der Bartlett-Test auf Sphärizität war signifikant (Chi-Quadrat = 3103,004; df = 190; p < 0,001). Es gab 5 Eigenwerte über 1,
was für eine Extraktion von 5 Faktoren sprach. Hierbei bildete
sich der 1. Faktor mit einem Eigenwert von 4,84 und einer aufgeklärten Varianz von 24,2 % am deutlichsten ab und die Eigenwerte der übrigen 4 Faktoren lagen knapp über dem Kriterium von 1.
Die 5 extrahierten Faktoren klärten insgesamt 47,2 % der Gesamtvarianz auf. Auf dem 1. Faktor luden Items, die Merkmale des
„depressiven Affekts" charakterisieren (Item 1, 6, 10, 17 und 18).
Der 2. Faktor wurde vor allem durch Items abgebildet, die „interpersonale Erfahrungen" beschreiben (3, 4, 9, 14, 15 und 19). Auf
dem 3. Faktor wiesen die Items 2, 5, 7, 11 und 20 die höchsten
Faktorladungen auf, welche vor allem „somatische Beschwerden
und Antriebslosigkeit" widerspiegelten. Auf dem 4. Faktor ergaben sich hohe Ladungen für die positiv formulierten Items 8, 12
und 16, welche zusammengenommen den Faktor „positiver Affekt" reflektieren. Hierzu konnte auch Item 4 (positiver Vergleich
mit anderen) gezählt werden, welches zwar am höchsten auf
dem 2. Faktor lud, aber dennoch auf dem 4. Faktor eine niedrigere
aber dennoch deutlich positive Ladung zeigte. Auf dem 5. Faktor
zeigte sich allein für Item 13 (weniger als sonst geredet) eine
hohe positive Faktorladung (0,792). Vor diesem Hintergrund erschien der 5. Faktor bei der Interpretation der faktoriellen Struktur der Skala als vernachlässigbar. Das Item 13 wurde schließlich
dem 2. Faktor „interpersonale Erfahrungen" zugeordnet, auf dem
es zwar deutlich niedriger aber dennoch positiv lud (0,107).
Normwerte
Für die Gesamtstichprobe sowie getrennt für Männer und Frauen
wurden Normwerte in Form von Prozentrangwerten berechnet.
" Tab. 2 aufgeführt.
Die berechneten Normwerte sind in ●
Stein J et al. Depressionsscreening am Telefon … Psychiat Prax
Diskussion
!
Ziel dieser Arbeit war die Überprüfung der psychometrischen
Eigenschaften der ADS sowie die Ermittlung aktueller Normdaten für eine größere bevölkerungsrepräsentative Stichprobe aus
Deutschland, die im Rahmen einer telefonischen Befragung untersucht wurde. Verglichen mit den bislang für den deutschsprachigen Raum publizierten Untersuchungsergebnissen zu den
psychometrischen Gütekriterien der ADS (z. B. [5, 15,19]) sind in
der vorliegenden Arbeit vor allem die Größe der Stichprobe (n =
868), deren Repräsentativität für die deutsche Allgemeinbevölkerung (18 – 94 Jahre) sowie die Aktualität der Daten für die Normierung hervorzuheben.
Den Ergebnissen früherer Studien entsprechend [5, 15, 20] konnten in der vorliegenden Arbeit signifikante Gruppenunterschiede
in den mittleren ADS-Summenwerten für die soziodemografischen Variablen Geschlecht, berufliche Tätigkeit, Einkommen
und Vorliegen depressiver Erkrankungen nachgewiesen werden.
So erzielten in der vorliegenden Studie konsistent zur Mehrheit
früherer Untersuchungen Frauen im Mittel höhere Depressivitätswerte als Männer [5, 15, 21, 22]. Dieser Befund steht im Einklang mit aktuellen Zahlen zur Prävalenz von depressiven Erkrankungen, nach denen Frauen deutlich häufiger von Depressionen betroffen sind als Männer [1, 23]. Wie auch in der Studie
von Hautzinger und Bailer (1993) konnten in der vorliegenden
Arbeit signifikante Unterschiede zwischen den ADS-Summenwerten im Hinblick auf die berufliche Tätigkeit gefunden werden.
Die vergleichsweise höchsten Depressivitätswerte wurden von
arbeits- bzw. erwerbslosen Personen, gefolgt von Hausfrauen,
Schülern/Studenten und Auszubildenden berichtet. Diese Ergebnisse decken sich mit internationalen Befunden, dass Arbeitsbzw. Erwerbslosigkeit signifikant mit erhöhten depressiven
Symptomen einhergehen kann [24, 25]. Darüber hinaus scheint
in der vorliegenden Arbeit konsistent zu den Ergebnissen verschiedener Studien [25, 26] sowie in Übereinstimmung mit den
aktuellsten Zahlen der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in
Deutschland“ (DEGS) des Robert Koch-Instituts [23] neben der
beruflichen Tätigkeit auch ein niedrigeres Einkommen bzw. ein
niedrigerer sozioökonomischer Status mit erhöhten depressiven
Symptomen assoziiert zu sein. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass sozioökonomische Faktoren wie Tätigkeit und Einkommen bei der Diagnostik und Behandlung von depressiven Symptomen und Störungen berücksichtigt werden sollten. Schließlich
zeigte sich erwartungsgemäß und in Übereinstimmung mit einer
Vielzahl anderer Studien [5, 8, 15, 19, 22, 26 – 28] in der vorliegenden Arbeit auch, dass Probanden mit einer vorliegenden depressiven Erkrankung signifikant höhere Mittelwerte in der ADS
erzielten als Probanden, bei denen keine depressive Erkrankung
vorliegt bzw. vorlag.
Für die Variablen Alter, Bildung und Zugehörigkeit zu den alten
vs. neuen Bundesländern wurden demgegenüber keine signifikanten Gruppenunterschiede in den mittleren Summenwerten
der ADS evident. Konsistent zu den Ergebnissen von Hautzinger
und Kollegen [5, 15, 19] wurden keine signifikanten Unterschiede in den mittleren ADS-Werten für verschiedene Altersgruppen
gefunden. Im Kontrast dazu stehen die Ergebnisse anderer Studien, in denen jüngere im Vergleich zu älteren Personen höhere
Mittelwerte auf der ADS erzielten [26, 29]. In der Studie von Riediger et al. (1997) hingegen erzielten ältere Personen höhere
Werte auf der ADS als jüngere [21]. Bei dem Vergleich der Ergebnisse verschiedener Studien muss allerdings eine Vielzahl von
Unterschieden im Studiendesign und in der Methodik berück-
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keine signifikanten Interaktionseffekte, wie z. B. zwischen Alter
und Geschlecht, festgestellt werden (F = 1,636; p = 0,179).
sichtigt werden, wie z. B. unterschiedliche Stichprobengrößen
und Alterspannen. So basierte bspw. die Studie von Riediger et
al. (1997) auf einer Stichprobe mit vergleichsweise geringer Altersspanne von 70 – 85 Jahren [21]. Bezüglich der Bildung wurde
in einigen früheren Studien von signifikanten Einflüssen eines
niedrigeren Bildungsgrades auf eine höhere Ausprägung depressiver Symptome berichtet [26, 30]. In der vorliegenden Arbeit
zeigte sich lediglich auf deskriptiver Ebene, dass ein niedriger Bildungsgrad tendenziell mit höheren und ein hoher Bildungsgrad
mit vergleichsweise niedrigen Depressivitätswerten in der ADS
einhergingen. Diese Tendenz erreichte allerdings keine statistische Signifikanz. Denkbar wäre auch hier, dass unterschiedliche
Bildungsklassifikationen und die eingeschränkte Vergleichbarkeit der Studien zu diesen Ergebnissen beigetragen haben könnten. Darüber hinaus konnten in der vorliegenden Arbeit keine
Hinweise dafür gefunden werden, dass die Zugehörigkeit zu den
alten bzw. neuen Bundesländern mit unterschiedlichen Ausprägungen der mittleren ADS-Summenwerte assoziiert ist.
In Hinblick auf die ADS-Summenwerte und die Verteilung nach
Cut-off-Werten wurden in der vorliegenden Studie im Vergleich
mit früheren Untersuchungen der deutschsprachigen Version des
Instruments deutlich niedrigere Mittelwerte, zum Teil reduziert
um bis zu 7 Punkte, beobachtet [5, 15, 19]. Demgegenüber sind
diese erzielten Mittelwerte vergleichbar mit den Werten aus älteren amerikanischen Untersuchungen der englischsprachigen Originalversion des Instruments (CES-D) [8, 22, 31, 32]. So zeigten
sich in der vorliegenden Stichprobe unter Anwendung der in der
Literatur vorgeschlagenen Cut-off-Werte 16 und 22 auch vergleichsweise geringe Anteile der als depressiv klassifizierten Patienten. Im Vergleich zu dem ermittelten Anteil von 8,5 % in der
Gesamtstichprobe der vorliegenden Studie ermittelte Radloff
(1977) für den Cut-off-Wert von 16 in ihrer Studie einen Anteil
von 21 % als depressiv klassifizierte Probanden [8]. Für den Cutoff-Wert von 22 berichteten Hautzinger et al. (2012), dass 16 %
der Frauen und 13 % der Männer einen Wert über 22 erzielten
[5]. In der vorliegenden Studie wurden demgegenüber 4,2 % der
Frauen und 2,5 % der Männer als depressiv auffällig klassifiziert.
Diese konvergierenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass die
Cut-off-Werte von 16 und 22 für die vorliegende Untersuchungsstichprobe vermutlich nicht geeignet sind und korrigiert werden
müssten.
In der vorliegenden Studie wurden für die ADS Reliabilitätskoeffizienten in Höhe von α = 0,79 für die Interne Konsistenz und r =
0,78 für die Testhalbierungsreliabilität beobachtet. Im Vergleich
mit den Ergebnissen früherer Studien fallen diese Koeffizienten
zwar niedriger aus, können aber dennoch als moderat bis gut bewertet werden [5, 8, 15, 19, 21, 33].
Was die Validität der ADS anbelangt, so konnten in der vorliegenden Arbeit Belege für die Konstruktvalidität der Skala gefunden
werden. So erbrachte die Analyse des Zusammenhangs der ADS
mit dem konstruktfernen Testverfahren EQ-5D eine gleichsinnige, positive Korrelation. Wie bereits von Sritharan und Kollegen
(2012) berichtet [34], gingen hohe Depressivitätswerte in der
ADS mit erhöhten Beeinträchtigungen in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, gemessen mit dem EQ-5D, einher. Dieser Zusammenhang bildete sich insbesondere in der Korrelation zwischen der ADS und der EQ-5D-Subskala Angst/Niedergeschlagenheit ab, d. h. höhere Depressivitätswerte in der ADS waren vor allem mit höheren Angaben im Bereich Angst/Niedergeschlagenheit im EQ-5D assoziiert. Diese Ergebnisse entsprechen zudem
den Befunden einer Studie, in denen ähnliche Zusammenhänge
zwischen der ADS und der Short-Form-36 (SF-36; [35]), einem
Verfahren zur Erfassung der Lebensqualität, beobachtet wurden
[36].
Die Ergebnisse der Analyse der faktoriellen Struktur der ADS
sprechen für einen übergeordneten Faktor des Konstrukts „Depressivität“, was die Eindimensionalität der ADS vermuten lässt.
Zudem sprechen die Befunde für 4 Faktoren zweiter Ordnung,
welche als verschiedene Aspekte von Depressivität interpretiert
werden können: (1) „depressiver bzw. negativer Affekt“, (2) „zwischenmenschliche Erfahrungen“, (3) „somatische Beschwerden
und Antriebslosigkeit" und (4) „positiver Affekt“. Dies steht im
Einklang mit früheren Studien [15, 19], in denen ebenfalls von einem einzigen übergeordneten Faktor sowie von 4 untergeordneten Faktoren für die ADS berichtet wurde, die das von Radloff
(1977) gefundene 4-Faktoren-Modell für die englischsprachige
Originalskala inhaltlich weitgehend replizierten [8]. Jedoch wurden im Gegensatz zu den vorliegenden Ergebnissen die 4 Faktoren in der Studie von Radloff (1977) nicht als Faktoren zweiter
Ordnung interpretiert, sondern bildeten eine eindeutige 4-faktorielle Struktur der Skala ab, die in mehreren darauffolgenden Studien nachgewiesen werden konnte [21, 33, 37]. Insgesamt werden in der Literatur kontroverse Befunde zur Dimensionalität
der ADS diskutiert. Weyerer et al. (1992) berichteten für eine
Stichprobe von älteren Probanden (65 – 94 Jahre) einen einzigen
eindeutigen Faktor [10]. In einigen weiteren Studien wurde auch
von einer 3- bzw. 2-faktoriellen Struktur der Skala berichtet
[5, 38 – 40], welche in der vorliegenden Studie nicht bestätigt
werden konnte.
Die vorliegende Arbeit bietet erstmalig Normwerte für die ADS
auf der Grundlage einer telefonischen Befragung an. Im Vergleich
zu den Normwerten, welche auf schriftlichen Befragungen [15]
bzw. auf persönlichen Interviews [5] beruhen, zeigen die hier ermittelten Normwerte eine abweichende Verteilung durch die
vergleichsweise niedrigen ADS-Summenwerte. Als Ursachen
könnten Antworttendenzen, soziale Erwünschtheit, Selektionseffekte (Response-Bias) oder die Erhebungsmethode in Betracht
gezogen werden [12, 41, 42]. Allerdings wurde in der vorliegenden Arbeit möglichen Verzerrungen mit der Bestimmung des Lügenkriteriums, welches stereotypes Antwortverhalten identifiziert, und dem entsprechenden Ausschluss von n = 54 Personen
begegnet. Weiterhin kann nicht ausgeschlossen werden, dass bestimmte negative Antworttendenzen aufgrund der Länge, Wortfolge oder seriellen Position der ADS in der telefonischen Befragung und damit einhergehender Ermüdung, nachlassender Konzentration oder Motivation der Studienteilnehmer hervorgerufen wurden [43]. In früheren Studien wurde zudem beobachtet,
dass Personen mit vorliegender depressiver Symptomatik häufiger die Studienteilnahme verweigerten und infolgedessen in der
Stichprobe i. S. eines Non-Response-Bias eventuell unterrepräsentiert sein könnten [42]. Aus der Literatur ist außerdem bekannt, dass der Erhebungsmodus der telefonischen Befragung
einen vermutlich höheren kognitiven Aufwand erfordert, welcher insbesondere auch unter Zeitdruck zu bewussten oder unbewussten Antworttendenzen im Sinne der Wahl der zuerst auftretenden Antwortkategorie führen könnte [13]. In Übereinstimmung mit den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit konnte für
die englischsprachige Originalversion der ADS bereits belegt werden, dass in telefonischen im Vergleich zu schriftlichen Befragungen weitaus niedrigere Depressivitätswerte erzielt wurden
[11, 13]. Es kann weiterhin geschlussfolgert werden, dass beim
Einsatz der ADS im Rahmen von telefonischen Befragungen spezielle Normen verwendet werden sollten. Die Anwendung der
vorliegenden Normwerte stellt somit eine bedeutsame ErgänStein J et al. Depressionsscreening am Telefon … Psychiat Prax
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Originalarbeit
Originalarbeit
Konsequenzen für Klinik und Praxis
▶ Die Anwendbarkeit der Allgemeinen Depressionsskala
(ADS) als ein reliables und valides Instrument zur Erfassung
depressiver Symptome in Telefonbefragungen konnte in der
vorliegenden Arbeit belegt werden. In der epidemiologischen Forschung nehmen Telefonbefragungen einen wachsenden Stellenwert ein. Eine valide Interpretation der Testergebnisse setzt das Vorhandensein zuverlässiger Normdaten voraus. Es werden aktuelle Normdaten vorgestellt, die
erstmalig für Deutschland basierend auf einer größeren,
bevölkerungsrepräsentativen Telefonbefragung ermittelt
wurden.
Danksagung
Diese Arbeit wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), FKZ: 01EO1001.
Interessenkonflikt
!
Die Autorin gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Abstract
Screening for Depression by Telephone Using the German Version of the Center for Epidemiological Studies
Depression Scale (CES-D) – Results from a Representative Survey
!
Objective: Analyses of the reliability and validity of the German
version of the Center for Epidemiological Studies Depression
Scale (CES-D) and the assessment of normative values.
Method: A representative sample of 868 people (German population, 18 to 94 years) was assessed via structured interviews in a
telephone survey.
Results: According to the cut-off score of 16 points, 8.5 % of the total sample (11.0 % women and 5.6 % men) showed relevant depressive symptoms. When using the cut-off score of 22 points,
3.5 % of the subjects of the total sample, 4.2 % of the women and
2.5% of the men, were classified as depressed. The analysis of the
psychometric properties of the instrument such as internal consistency, test-retest reliability, construct validity and factor
Stein J et al. Depressionsscreening am Telefon … Psychiat Prax
structure revealed moderate to good results. Percentile standard
values were determined.
Conclusion: The German version of the CES-D can be described as
a reliable and valid instrument for detecting depressive symptoms. The present study offers current normative data for the
specific use in telephone surveys.
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zung zu den bereits verfügbaren Normdaten für die ADS dar. Für
diese Arbeit ist allerdings kritisch anzumerken, dass kein Außenkriterium nach dem Goldstandard im Sinne einer kategorialen
Diagnostik von depressiven Störungen nach international anerkannten Klassifikationskriterien [44] ermittelt werden konnte.
Demzufolge konnte auch die Entwicklung eines Cut-off-Werts
im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht realisiert werden, was
den Gegenstand weiterführender Untersuchungen bilden sollte.
Insgesamt ist es mit der vorliegenden Arbeit gelungen, die Reliabilität und Validität der ADS auf der Basis einer großen, bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe aus Deutschland zu belegen.
Darüber hinaus werden erstmalig für den deutschsprachigen
Raum Normwerte vorgelegt, welche speziell in telefonischen Befragungen eingesetzt werden können. Die hier vorgestellten Ergebnisse stellen somit einen wertvollen Beitrag und Ausgangspunkt für zukünftige Forschungsarbeiten dar.
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