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Empfang der Trotzköpfe, Besserwisser und liebenswerten Exoten

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BUCHMESSE
Empfang der Trotzköpfe,
Besserwisser und
liebenswerten Exoten
Egon Ammann sprach am
Empfang des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands
(SBV V) auf der Frankfurter
Buchmesse deutliche Worte
zum Fall der Preisbindung
und zum Selbstverständnis der
Buchhändler.
Der langen Rede kurzer Sinn: Zum
Empfang am Schweizer Gemeinschaftsstand fanden sich einmal
mehr Dutzende von Menschen ein.
SBVV-Präsident Urs Breitenstein wies
in seiner – durchaus mit Spannung
erwarteten Rede – auf sieben Punkte
hin, die zu besprechen wichtig wären,
aber eben der Zeitnot zum Opfer fallen mussten. Den einen oder anderen Punkt wird man bestimmt in
nächster Zeit wieder antreffen, etwa
Egon Ammann: «Seien Sie stolz Buchhändler zu
sein!»
Schweizer Buchhandel 10/07
die Diskussion um die Re-Reform der
Rechtschreibung, um Ansätze einer
neuen Schweizer Bildungspolitik.
Oder eben den Diskurs um die Folgen des «ominösen» 2. Mai, auf den
Breitenstein nicht einging. Er überliess dieses Feld dem Verleger Egon
Ammann, der in deutlichen Worten
seiner Enttäuschung Ausdruck gab:
«Wenn ich bedenke, dass ich aus
einem Land komme, in dem das
Buch als Kulturträger auf dem Altar
des markttechnischen Glaubensbekenntnis geopfert wurde, in dem
die Preisbindung von höchsten Magistraten aufgehoben worden ist,
schäme ich mich Bürger dieses Staates zu sein. (…) Die Aufhebung der
Preisbindung durch eine visionslose
magistrale Kulturpolitik unserer Exekutive hat eine grosse Chance, das
Kultur- und Leseland Schweiz mit innovativen und weit reichenden kulturpolitischen Akzenten global in die
politischen Schlagzeilen zu bringen,
vertan.» Ammann machte deutlich,
dass mehr an der Preisbindung hängt
als nur die Preisbindung. Das Buch
als transportables Gedächtnis einer
Gesellschaft, als freiheitlichstes und
unkontrollierbarstes Instrument des
intellektuellen und ästhetischen Austauschs unter den Menschen. Sein Fazit: «Wir Schweizer stehen einmal
mehr als kulturell harmlos-eigensinnige Trotzköpfe und Besserwisser in
der zumindest deutschsprachigen
Öffentlichkeit da. Immerhin als liebenswerte Exoten, worüber ich mich
immer wieder aufs Neue, gerade hier
in Frankfurt, wundere.»
Ammann betrieb aber nicht nur
Politikerschelte, sondern kehrte
auch vor der eigenen Branchen-Tür:
«Engstirnig und kleinmütig sind leider auch einzelne Mitglieder unserer
Branche. Ich fordere gerade die kleinen, kleineren und mittelgrossen
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Unternehmen auf, nicht zuletzt in
dieser Situation, nach dem Fall der
Preisbindung, mit dem Bewusstsein
ihres beruflichen Könnens, mit Berufsstolz und dem Glauben an ihr
sinnvolles Angebot, (…), ihre und damit unsere Ware Buch mit Fantasie,
Kompetenz und Fröhlichkeit – die
richtigen Bücher an die den Büchern
zugehörigen Leser – zu verkaufen.»
Seine Bedienungsanleitung, nicht
nur für die Frankfurter Buchmesse,
zuhanden der Buchhändlerinnen
und Buchhändler: «Sichten Sie mit
beruflicher Akribie das kaum überschaubare Angebot. (…) Kaufen Sie
ein Ihnen und Ihrem Kundenkreise
entsprechendes Sortiment ein, berücksichtigen Sie Ihre Lesewünsche
und Erlebnisse, die Sie als persönliche Empfehlungen an Ihre Kunden
weitergeben, suchen Sie Gespräche
mit ihren Kunden, seien Sie stolz,
Buchhändler zu sein, und zeigen Sie
diesen Stolz auch – und Sie werden
Erstaunliches erleben.»
Auf zum nationalen
Buch- und Lesefest
Mit einer «harmlosen» Philippika rief
Ammann zum Schluss dazu auf, die
BuchBasel und das dazugehörende
Festival «zu unserem jährlich wieder
kehrenden beruflichen Höhepunkt,
zu unserem nationalen Buch- und damit Lesefest» zu machen. Der SBVV
wird nächstes Jahr zum ersten Mal aktiv in Basel dabei sein. « Das ist ein guter Schritt in die Zukunft. Treten wir
also zusammen als eine starke selbstbewusste Branche auf, denn vergessen wir nicht, wir haben etwas anzubieten, von dem Land auf und Land
ab noch viel zu wenige wissen: Dass
mit Büchern unser kurzes Erdendasein bereichert, vertieft, versinnlicht
werden kann.»
Martin Walker
www.swissbooks.ch
Neu
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Bilder: cb./wkr.
Der dritte Band der UlvadorTrilogie des bekannten Schweizer
Kinderliedermachers.
Vor, während (manchmal) und nach den Ansprachen am Empfang am Schweizer Gemeinschaftsstand gibts
Gesprächsstoff genug, um mit vollem, von Provins Valais gesponserten Glas zu verweilen. Der von Regula
von Bergen und (erstmals) Janine Ade betreute Stand zeigte vor warmem Farbhintergrund Entwicklungsstufen in ausgewählten Arbeiten der Illustratoren Jörg Müller und Hannes Binder,
Ein Magnet hilft dem lesenden Gedächtnis
Zimmer 21 heisst das Atelier für Industriedesign – ein schlichter Name, ein grosses Vorhaben: Corinna von Gottberg ist zum ersten Mal auf die Buchmesse gereist. «Aufs Geratewohl», sagt die in Zürich lebende Designerin aus dem Nachbarland. Sie hat ein magnetisches Lesezeichen entworfen und erst mal in Handarbeit ausgeführt. Damit ist sie zur Messe gereist und
hat «einige Verlage angesprochen, die schon Buchzeichen im Verlagsprogramm führen». Zurück in der
Schweiz ist die Designerin ganz zufrieden, auch wenns
bisweilen «extrem voll» gewesen war auf der Messe.
Interesse für ihre «Erfindung» hat sie jedenfalls gefunden. Nun treibt sie ihre Entwicklung voran, will sie industriell herstellen lassen. Damit die Stückkosten
(UVP: vier Franken) gesenkt werden, muss sie mit Herstellern reden und auch wissen, was
so ein personalisiertes Lesezeichen kosten wird. Mehr Infos gibts auf www.zimmer21.de.
www.swissbooks.ch
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Geheimnisvolle Inseln, ein buntes
Segelschiff voll Kinder, den Wind
in den Haaren und Freunde
zur Seite: das und noch viel mehr
macht den Reiz der UlvadorBücher aus.
Neue Abenteuer von Letizia und
der wilden Besatzung des
«Purpur-Pelikan» im
fantastischen Burana-Meer.
235 Seiten, Hardcover
Illustrationen von Urban Hüsler
Für Kinder von 9 bis 99
Fr. 29.90
ISBN 978-3-905806-01-4
WWWANDREWBONDCH
Schweizer Buchhandel 10/07
BUCHMESSE
Auf dem Weg in die digitalisierte
Buchwelt fehlen noch Kilometer
Egal, ob nun die deutschen
Lokführer den rekordsüchtigen
Buchmessemanagern einen
Strich durch die Besucherbilanz
gezogen haben: Die 59. Buchmesse in der Mainmetropole ist
noch weit entfernt von ihrem
Anspruch, Inhaltemesse zu sein.
cb. Vom Balkon des Forums dröhnte
eigenartiger Sound auf die Agora
(dort, wo sich die rauchenden Messebesucher in den letzten Herbstsonnenstrahlen wärmten): Nein, es war
nicht das Meeresrauschen an der Barceloneser Küste, es war der auf digitale Tonspur aufgenommene Fallwind,
den die Messebesucher zu hören bekamen.
Schweizer Buchhandel 10/07
Kopfschmerzen verursacht dieses
Geräusch aber nicht – höchstens die
Querelen, die unter Kataloniens Autoren ausgebrochen waren: Nach
Frankfurt kommen durfte nur, wer
katalanisch schreibt. Die Einführung
eines literarischen Heimatscheins
kann man bei Lichte betrachtet nur
mit einem Lächeln quittieren.
Ernsthaftere Auseinandersetzungen versprach sich Messedirektor
Juergen Boos vom Fokus auf die Digitalisierung der Buchwelt. Frankfurt
soll letztlich Drehscheibe für das sein,
womit künftig global Geld verdient
wird: Inhalte, ob sie nun gedruckt
oder digital vorliegen. Den über
280 000 MessebesucherInnen dürfte
diese Diskussion egal sein, denn sie
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stürzen sich nach wie vor mit Lust und
Laune auf den «Ur-Content»: das
Buch.
So teilt sich die Messe in ein «unten», wo die Buchliebhaber gelegentlich auch an so exotischen Ständen
vorbeischlendern, an denen Buchstützen verkauft werden, und in ein
«oben» (Halle 4.2), allwo die Digitalisierung der Inhalte längst schon
zum Businessalltag gehört: Die wissenschaftlichen Verleger wissen zwar
längst, wo die Musik gespielt wird,
aber sie klammern sich genauso ans
gedruckte Buch. Beispiel? Da bietet
ein noch junger Verlag ein Verzeichnis aller Hochschulabsolventen
Deutschlands an, die die erste Etappe
ihre akademische Laufbahn (Disser-
www.swissbooks.ch
BUCHMESSE
tation) mit einem «Summa cum laude» abgeschlossen haben: Die Ermittlung dieser Doktoranden erfolgt
via elektronischer Post, die Präsentation in Printform.
Um die Existenz des Buchs muss einem in unserer digitalisierten Welt
nicht bange sein. Solange die Messe
auch als Plattform genutzt wird, bereits erschienene Bücher mit Glanz
und Gloria zu ehren (Deutscher
Schweizer Buchhandel 10/07
Buchpreis, Deutscher Jugendliteraturpreis), wird die Buchmesse weiterhin mit Betonung auf Buch und mit
gewohnt lässiger Magie die Profis und
die Zaungäste einer Branche anziehen, denen es eben erstens wichtiger
ist, von Angesicht zu Angesicht über
Lizenzprozente zu feilschen, und
zweitens noch wichtiger ist, unter den
über 400 000 Neuerscheinungen aus
fünf Kontinenten genau jenes Buch
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zu entdecken, nach dem sie schon
jahrelang gesucht haben.
Dazwischen bleibt viel Zeit für Gespräche, für Mutmassungen, Gerüchte, für glamouröse Auftritte wie für
peinliche Selbstdarstellungen. Und
ebenso sicher wird sein, dass die
60. Buchmesse sich von der 59. nicht
sehr wesentlich unterscheiden wird.
Ausser: Die Lokführer bekommen
endlich ihren verdienten Lohn …
www.swissbooks.ch
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Bilder: cb/wkr.
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Keine Messe ohne Empfänge – die traditionellsten neben dem Schweizer
Empfang am Messedonnerstag sind der internationale des Epoca Verlags
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-7&2 (Trockenfleisch-Variationen): Verleger Urs Kummer, Vertreter Walter Goldsmith,
BZ-Chef Andreas Grob und SBH-Redaktor Martin Walker (v. l. n. r., Bild oben),
sowie der Empfang (Käse-Variationen) des Haupt-Verlags: Verleger Matthias
Haupt in der Mitte (Bild unten).
Ebenso fröhlich sind jeweils die Buchhandelsklassen der Lehrlinge aus
Winterthur und Bern auf der Buchmesse unterwegs (Bilder linke Seite) – wenn
auch noch nicht so geübt in der Wahrnehmung, dafür mit nicht nachlassender
Neugier. Auf dem oberen Bild sind die Auszubildenden aus Winterthur
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versammelt; im unteren jene aus Bern.
www.swissbooks.ch
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Schweizer Buchhandel 10/07
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Seele and Geist
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