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Gemüse
Gemüse mit Heilkraft
Essbare Malvengewächse
Die attraktiven Blütenpflanzen wurden früher vorwiegend als Nutzpflanzen
angebaut.
D
ie Stockmalve oder Stockrose ist aus dem sommerlichen Garten nicht wegzudenken. Als Zierstrauch
findet auch der Hibiskus oder Straucheibisch (Hibiscus syriacus) seinen Platz,
und manche zugeflogene wilde Malve
mit ihren filigranen rosa oder violetten
Blüten darf ebenfalls bleiben: Die ansprechenden Blüten der Malvengewächse (Malvaceae) mit ihren 5 gleichen, relativ großen Blütenblättern und den zu
einer säulenförmigen Röhre verwachsenen Staubblättern haben dazu geführt,
dass die Angehörigen dieser Pflanzenfamilie bei uns vor allem als Zierpflanzen
bekannt sind.
Tatsächlich wurden Malvengewächse
allerdings wie die meisten Pflanzen vermutlich zuerst als Nutzpflanzen kultiviert. So gehörte die Gemüsemalve in
China zu den ersten in Gärten angebauten Gemüsearten überhaupt. Das Wort
„Malve“ stammt wahrscheinlich vom hebräischen „malluah“ ab, das ein salatähnliches Gemüse bezeichnet.
Weltweit umfasst die Familie der Malvengewächse mehr als 1000 Arten, von
denen die meisten in wärmeren Klimazonen zu Hause sind, beispielsweise die
Nutzpflanzen Kakao, Maniok und Baumwolle. Es gibt aber auch einige essbare
Malvengewächse, die in unseren Breitengraden gedeihen und deren Anbau auch
unter Mischkultur- und Fruchtwechselaspekten interessant ist.
Gemüsemalve
Malva sylvestris wird vor allem als Heilpflanze genutzt, Blätter und Blüten sind aber wie
die der Gemüsemalve essbar
296
Die Gemüsemalve oder Krause Malve
(Malva verticillata) stammt ursprünglich
aus Ostasien, wurde früher aber auch in
Europa traditionell als Gemüse angebaut, während sie heute etwas in Vergessenheit geraten ist. Die Pflanze ist frostempfindlich und wird bei uns deshalb
meist einjährig kultiviert. Als Ergebnis
der Züchtung besitzt die Gemüsemalve
im Gegensatz zu wilden Malven größere
Blätter und stängelt verzögert auf. Sie
kann also länger beerntet werden und ist
ergiebiger.
Da alle Teile essbar sind, lässt sich die
Pflanze sehr vielseitig nutzen: Die jungen Sprosse und Blätter werden wie Spinat gedünstet, in Suppen verwendet
oder frittiert. Auch roh können die Blätter Salaten beigemischt oder auf Butterbrot gegessen werden. Die Knospen, Blüten und unreifen Samenfrüchte lassen
sich wie Kapern einlegen (siehe ProfiTipp S. 297). Sogar die Wurzeln eignen
sich zum Andicken von Suppen.
Die Krause Malve wird ab Ende April
ins Freiland gesät. Der Boden sollte
durchlässig und nicht zu stark gedüngt
sein, ein halbschattiger Standort ist ideal. Das Aufgehen der Samen kann sich
über einen längeren Zeitraum hinziehen;
dabei ist darauf zu achten, dass der Boden nicht austrocknet. Geerntet werden
kann, sobald die Pflanzen 20 bis 25 cm
hoch sind. Bei regelmäßigem Rückschnitt
wachsen bis zum Spätherbst immer wieder neue Blätter nach.
Wilde Malve
Malva sylvestris, die Wilde Malve, wurde
bereits in der Antike als Gemüse- und
Heilpflanze genutzt. Die jüngeren Blätter sind wie die Blüten roh genießbar,
können aber auch gekocht oder als Tee
Verwendung finden. Die Knospen und
unreifen Samenfrüchte lassen sich wie
die der Gemüsemalve einlegen, die
Früchte roh knabbern oder gekocht verwenden. Die wie in einem Käselaib ringförmig angeordneten Samen gaben einigen wilden Malvenarten (z.B. Malva sylvestris und Malva neglecta) auch den
Beinamen „Käsepappel“. Mit „Pappel“ ist
hier allerdings nicht der gleichnamige
Baum gemeint, sondern „Papp“ bedeutet
„Brei“. Aus den Spaltfrüchten wurde
nämlich traditionell ein stärkender Brei
für Kleinkinder zubereitet.
Die Wilde Malve ist nicht nur stärkend,
sondern auch heilkräftig. Sie enthält in
allen Pflanzenteilen Schleimstoffe, besonders in den Blättern und Blüten. Sie
legen sich als schützender Film über die
Schleimhäute, wirken so bei Mund- und
Halsentzündungen beruhigend und lin-
Obst & Garten | 8 | 2013
dern Hustenreiz. Am besten lässt sich
diese Wirkung nutzen, wenn man aus
den Blättern einen Teeaufguss bereitet
(lange Ziehzeit) und ihn langsam in kleinen Schlucken trinkt oder damit gurgelt.
Auch bei Magen-Darm-Erkrankungen
und zu beruhigenden Waschungen oder
Umschlägen bei empfindlicher und trockener Haut findet die Malve in der
Pflanzenheilkunde Verwendung.
Andere in Mitteleuropa wild vorkommende Malven-Arten wie die Moschusmalve (Malva moschata) oder die Wegmalve
(Malva neglecta) können in gleicher Weise
wie M. sylvestris verwendet werden.
Eibisch
Wegen seiner Heilwirkung fand auch der
Eibisch (Althaea officinalis, auch Alcea
officinalis) seinen Weg in die Bauerngärten. Die Staude mit flaumig behaarten
Blättern wächst auf feuchten, tiefgründigen Böden etwa 1,50 m hoch. Ihre zierlichen, aber zahlreich vorhandenen, blass
rosa gefärbten Blüten locken Bienen und
andere Insekten an. Als Arznei werden
die fleischigen Wurzeln verwendet, die
man im Herbst ausgräbt. Bei dieser Gelegenheit lassen sich die Pflanzen auch gut
teilen und so vermehren.
Auch beim Eibisch sind es hauptsächlich
die malventypischen Schleimstoffe, die besonders bei Husten reizlindernd und beruhigend wirken; daneben enthalten Eibischwurzeln ätherische Öle und Flavanoide. Die einfachste Anwendung ist das
Lutschen gesäuberter Wurzelstücke als
„Hustenbonbon“. Für einen Brusttee
weicht man die getrockneten Wurzeln ein
und lässt sie in warmem, nicht kochendem
Wasser eine halbe Stunde ziehen, um die
Inhaltsstoffe
herauszuziehen.
Ein mit Honig oder Zucker zubereiteter Sirup wird auch von Kindern gerne
eingenommen.
8 | 2013 | Obst & Garten
Stockrosen
Auch die Blüten der als Zierpflanzen gezogenen Stockrosen (Alcea rosea) kann
man als essbare Dekoration oder als
Farbtupfer in Teemischungen verwenden. Stockrosentee mit Honig hilft bei
Heiserkeit und Husten. Im 19. Jh. wurden Blütenblätter der schwarzpurpurnen
gefüllten Form (var. nigra) zum Färben
von Rotwein benutzt.
Stockrosen lieben sonnige Plätze und
als Pfahlwurzler tiefgründige Böden. Die
eher kurzlebigen Stauden versamen sich
gern selbst. Leider ist die Stockrose anfällig für Malvenrost, der bei trockener
und nasser Witterung auftritt. Abhilfe
oder zumindest Verzögerung schafft das
frühzeitige Entfernen befallener Blätter.
Okra
Eine hierzulande wenig bekannte Fruchtgemüsepflanze ist Okra (Abelmoschus
esculentus), auch Gemüseeibisch oder
Lady’s finger genannt. Sie braucht viel
Wärme, da sie aus Afrika stammt; dort
ist sie auch heute wie in Teilen des Mittelmeerraums als Gemüse sehr beliebt.
Wo Auberginen und Tomaten gut gedeihen, ist der Anbau von Okra einen Versuch wert, denn bei Gelingen ist die
Pflanze ertragreich und mit keinem unserer üblichen Gemüse vergleichbar. Am
ehesten ähnelt der Geschmack der Schoten einer Mischung aus grünen Bohnen
und milden Peperoni.
Als Saatgut sind verschiedene Sorten
erhältlich, die teils in Afrika, teils in den
Südstaaten der USA entwickelt wurden
und in Form, Farbe und Größe der Schoten variieren. Gesät werden kann ab Mitte März in Töpfe, eventuell lässt man die
Samen über Nacht vorquellen. Während
der Anzuchtphase sollte die Temperatur
20 °C nicht unterschreiten. Je nach Witterung können die Setzlinge Ende Mai
oder Anfang Juni ausgepflanzt werden.
Da die Pflanzen 50 bis 100 cm hoch und
entsprechend breit werden können, darf
der Pflanzabstand 50 cm betragen.
Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein und vor allem warm. Okra
gehört zu den Starkzehrern und bevorzugt lockeren, humusreichen Boden. Gut
verrotteter Mist oder andere organische
Dünger sind günstig, ebenso eine Vorkultur mit Leguminosen. Wichtig ist, dass
der Boden genügend feucht gehalten,
Staunässe aber vermieden wird.
Okra kann gut zusammen mit Auberginen angebaut werden, da sie ähnliche Boden- und Temperaturverhältnisse brauchen; die Lady’s fingers benötigen aber
eher noch etwas mehr Wärme. Gegen
plötzliche direkte Sonneneinstrahlung
sind sie allerdings empfindlich – nach dem
Auspflanzen also besser noch eine Weile
schattieren und schrittweise an die Sonne
gewöhnen. Grundsätzlich empfiehlt sich
auch im Weinbauklima die anfängliche
Kultur unter Folie oder Vlies, Freilandkultur ist frühestens ab Mitte Juni möglich,
wenn die Gefahr kühler Nächte vorbei ist.
Wenn aufmerksame Gärtner kleine Perlen an der Blattunterseite und an den Stän-
Unten links: Die Gemüsemalve entwickelt
besonders viele und große, krause Blätter,
die als Gemüse oder Salat zubereitet werden
Unten Mitte: Die Heilpflanze Eibisch fand
schon früh ihren Weg in Bauern- und Klostergärten: Sie taucht bereits im 9. Jh. in der
„Capitulare de Villis“ Karls des Großen auf,
in der die Anpflanzung von Gemüse-, Obstund Heilpflanzen angeordnet wurde
Unten rechts: Auch Stockmalvenblüten
wurden früher als sanfte Hustenmedizin
genutzt; die großen Blüten sind nicht nur
am Gartenzaun, sondern auch auf dem Teller
sehr dekorativ
Fotos: Brosius
297
Gemüse
P r o f i -T i p p
„Falsche“ Kapern
Geschlossene Malvenknospen waschen, schichtweise abwechselnd mit
grobem Salz in ein Glasgefäß füllen
(kein Metall, Korrosionsgefahr!). Einen Tag stehen lassen, dann abseihen.
Malvenknospen in kleine, luftdicht
verschließbare Gläser füllen.
Essig mit Lorbeer und einigen
Pfefferkörnern bis zum Siedepunkt
erhitzen und deckend über die Malvenknospen gießen. Glas sofort fest
verschließen. Nach 3 bis 4 Wochen
sind die „Kapern“ fertig. Im ungeöffneten Glas halten sie mehrere
Monate bis Jahre.
Links: Okraschoten werden ganz jung
geerntet, solange die Früchte noch weich
und samtig sind
Rechts: Okrapflanzen wachsen anfangs
langsam, können sich aber zu ausladenden
Büschen entwickeln
geln der Pflanzen entdecken, ist dies kein
Grund zur Sorge. Es handelt sich hierbei
nicht um Schädlinge, sondern um extraflorale Zuckerausscheidungen, die auch bei
anderen Malvengewächsen auftreten. Sie
sollen Insekten anlocken, die wiederum
die Pflanze vor Fraßfeinden schützen.
Okra lohnt den Anbau schon wegen
ihrer großen, dekorativen Blüten. Die eigentlichen Früchte färben sich im reifen
Zustand gelb oder rot. So weit sollte man
es allerdings nicht kommen lassen, denn
essbar sind nur die jungen, grünen, sam-
Obst & Gar ten Rezept
Gemüsetopf mit Okra
Zutaten für 3 bis 4 Portionen:
500 g Okraschoten, 2 Paprikaschoten,
4 große Tomaten, 2 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, 50 ml Olivenöl, Petersilie,
Saft von ½ Zitrone, Salz, Pfeffer
Okraschoten putzen und entstielen.
Paprika entkernen und in Streifen
schneiden. Tomaten und Zwiebeln in
kleine Stücke schneiden. Knoblauch
fein hacken.
Zwiebeln und Knoblauch im Olivenöl anbraten, dann Okra und
Paprika zugeben, schließlich die
Tomaten, salzen und pfeffern. Alles
20-30 Minuten auf kleiner Flamme
schmoren. Bei Bedarf etwas Wasser
zugeben.
Zuletzt gehackte Petersilie und
Zitronensaft zufügen und mit Salz
298
Beim Aufschneiden von Okrafrüchten
tritt der malventypische Schleim aus
(links); um dies zu vermeiden, müssen die
Stielansätze vorsichtig und knapp entfernt werden (rechts), ohne die eigentliche Schote zu verletzen
und Pfeffer abschmecken.
Dazu passt Couscous oder Reis.
j Wer möchte, kann 250 g Lammoder Rinderhack zusammen mit den
Zwiebeln anbraten, weiter nach Rezept.
A.B.
tigen, noch unreifen Samenschoten, die
je nach Sorte bei einer Länge von 10 bis
20 cm geerntet werden. Wichtig ist, die
Pflanzen alle 2 bis 3 Tage durchzupflücken, um die Ausbildung neuer Blüten
und damit Früchte zu fördern. Ein Auszwicken der Triebspitzen fördert zusätzlich die Verzweigung der Pflanzen und
den Fruchtansatz. Unter günstigen Bedingungen sind Okras sehr fruchtbar, 2
bis 3 Pflanzen reichen für den Bedarf
einer Familie aus.
Okraschoten sollten nicht in Wasser
gekocht, sondern gedünstet oder geschmort werden. Sie eignen sich sehr gut
für Gemüseeintöpfe zusammen mit Tomaten, Zucchini, Paprika, Auberginen,
aber auch mit Blattgemüsen wie Spinat
oder Mangold. Die in den Okrafrüchten
enthaltenen Schleimstoffe dienen dabei
als natürliches Verdickungsmittel, besonders, wenn einzelne Schoten vor der
Beigabe in Stücke geschnitten werden.
Dem Genuss von Okraschoten wird eine günstige Wirkung auf die Verdauungsorgane zugeschrieben. Wieder sind es vor
allem die Schleimstoffe, die eine gesunde
Darmflora unterstützen und so Magenund Darmbeschwerden entgegenwirken.
Daneben enthält Okra Vitamin A, das zusätzlich die Schleimhäute des Verdauungstraktes stärkt, Vitamin C und verschiedene Spurenelemente.
Am besten schmecken Okraschoten
frisch geerntet. An einem kühlen Ort
(besser Speisekammer als Kühlschrank)
lassen sie sich bis zu 3 Tage aufbewahren. Größere Mengen können auch eingefroren werden.
Anke Brosius, Freiburg
Obst & Garten | 8 | 2013
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Seele and Geist
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