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Landwirtschaft: Studien zur Wettbewerbsfähigkeit
Quelle: „Migros Infomail Oktober 2014“
Gleich drei Studien zur Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft veröffentlichte kürzlich der
Bund. Dabei stehen einerseits die Landwirtschaft selber und andererseits auch die vor- und
nachgelagerten Bereiche im Zentrum des Interesses. Wichtigstes Fazit: Nahrungsmittelindustrie und Detailhandel haben ihre Margen nicht zulasten der Landwirtschaft erhöht.
Die erste Studie, durchgeführt von BAK BASEL Economics AG, befasst sich mit der Beschaffungsseite. Da die Produktionskosten der Schweizer Landwirtschaft nach wie vor viel
höher sind als im Ausland, würde deren Reduktion die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Auch
wenn die Einkaufspreise für die Landwirte in der Schweiz deutlich höher sind als für ihre
ausländischen Kollegen: Zwischen 2000 und 2012 war der Anstieg des Preisindexes hierzulande schwächer als im Ausland. Das heisst: Zumindest relativ gesehen hat sich die Situation gegenüber den Nachbarländern verbessert. Die Studie führt die Differenzen der Einkaufspreise (etwa für Saatgut) auf verschiedene Faktoren zurück: die hohe Kostenstruktur
in der Schweiz (Arbeitskosten, Bodenpreise), Handelshemmnisse (Zölle und technische
Handelshemmnisse) und die relativ hohe Kaufkraft der Landwirte.
Vor dem Hintergrund einer weiteren möglichen Marktöffnung gilt es nun zu überlegen, ob
und falls ja, wie die Preisdifferenzen abzubauen sind. Die Studie erwähnt hier bekannte
Massnahmen wie weitere Zollsenkungen (insbesondere bei Saatgut und Futtermitteln) und
den Abbau technischer Handelshemmnisse in den Bereichen Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel und Maschinen. Die Studie empfiehlt deshalb nach wie vor ein Landwirtschaftsabkommen zwischen der Schweiz und der EU. Abgesehen davon könnten auch Einkaufsgemeinschaften und Informationen zu Direktimporten und zu Preisvergleichen den
Landwirten dienlich sein, günstiger zu importieren.
Die zweite Studie, erarbeitet von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwirt-schaft HAFL in Zollikofen, untersucht die unternehmerischen Handlungsspielräume
zur Kostenoptimierung der Schweizer Landwirtschaft. Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Fallbeispielen zeigen, dass viele Betriebe mit einer besseren Organisation Kosten senken und die Lebensqualität der Betriebsleiter und ihrer Familien verbessern könnten. Die
Studie stellt auch fest, dass die Einkommenslimiten bei den Direktzahlungen in der Vergangenheit auf vielen Untersuchungsbetrieben zu Investitionen geführt haben, die der betriebswirtschaftlichen Kostensenkung klar zuwider laufen. Bestrebungen zur Steuerminimierung können ebenfalls zu unüberlegten und unsinnigen Investitionen in Maschinen
führen. Um die vorhandenen grossen Potentiale der überbetrieblichen Zusammenarbeit in
ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht besser erschliessen zu können, sollten in
diesem Bereich kompetente Beratungskräfte überkantonal koordiniert und eingesetzt werden. Die Studienautoren schlagen zudem auch vor, dass die Direktzahlun-gen Anreize zur
Kostensenkung bieten sollten. Zu diskutieren wäre eine Art „Direktzahlungsbonus“ für
tiefere Produktionskosten. Wie das umgesetzt werden könnte, steht zwar noch in den Sternen, aber die Grundidee dazu ist nicht abwegig.
Die dritte Studie, welche vom Zentrum für Wirtschaftspolitische Forschung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur durchgeführt wurde, untersucht die asymmetrische Marktstruktur der Land- und Ernährungswirtschaft. Rund 60‘000 Landwirtschaftsbetrieben stehen einige hundert Verarbeitungsbetriebe und diverse grössere Detailhändler
gegenüber. Dies könnte gemäss Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) den Verdacht aufkommen lassen, dass die der Landwirtschaft nachgelagerten Branchen diese Marktstruktur
zu ihren Gunsten ausnutzen. Hier kann aber gleich Entwarnung gegeben werden: Die Studie
liefert nämlich keinerlei Hinweise darauf, dass eine systematische Fehlfunktion der Märkte
für landwirtschaftliche Produkte in der Schweiz vorliegt und vielmehr von einer effizienten
Steuerung von Produktion und Absatz auszugehen ist. Die Nahrungsmittelindustrie und der
Detailhandel sind also durch die Ergebnisse der Studie vom häufig gehörten Vorwurf, dass
sie ihre Margen zu Lasten der Landwirtschaft verbessert hätten, freigesprochen. Analysen
über die Weitergabe der Preise durch die Wertschöpfungsketten (Preistransmission) ergaben
schliesslich, dass sich sowohl Produzentenpreissenkungen als auch -preiserhöhungen auf die
nachgelagerten Stufen übertrugen.
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Gesundheitswesen
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