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Hinweise zur Labordiagnostik bei Verdacht auf Ebolafieber
Liegt ein begründeter Verdacht auf Ebolafieber vor, definiert durch
 eine Symptomatik vereinbar mit Ebolafieber UND eine entsprechende Reiseanamnese UND einen
Risikokontakt (www.rki.de/ebola-flussschema) oder
 eine Symptomatik vereinbar mit Ebolafieber UND eine Exposition in Deutschland (www.rki.de/ebolauebersicht > Differenzierung von Personen nach Expositionsrisiko),
sollte nach Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt und ggf. Kompetenzzentrum die Verlegung des
Patienten auf eine Sonderisolierstation eines Behandlungszentrums erfolgen, um dort eine labordiagnostische
Abklärung einzuleiten.
Die Routinelabordiagnostik (z.B. klinische Chemie) und spezifische differenzialdiagnostische
Laboruntersuchungen (z.B. auf Malaria) sollten bei begründeten Verdachtsfällen dementsprechend in einer
Sonderisolierstationen (point-of-care-Diagnostik, kleine „Diagnostik-Straße“) durchgeführt werden.
Ist eine diagnostische Abklärung außerhalb einer Sonderisolierstation erforderlich, sollte das Vorgehen
ebenfalls mit dem zuständigen Gesundheitsamt und ggf. Kompetenz-/Behandlungszentrum vereinbart werden.
Die Laboruntersuchung sollte bei einem begründeten Verdacht auf Ebolafieber in einem S4-Labor durchgeführt
werden (Adressen siehe Anhang). Laboruntersuchungen auf Ebolaviren bei asymptomatischen
Kontaktpersonen sind nicht angezeigt.
Im Folgenden sind die einzelnen Schritte für die Durchführung von Ebolavirus-Labordiagnostik bei begründeten
Ebolafieber-Verdachtsfällen beschrieben.
1.
2.
3.
4.
5.
Probenahme
Probenversand/ Probentransport
Laboruntersuchung
Befunderhebung/Bewertung
Befundmitteilung
Anhang
6. Adressen von Laboratorien für die Ebolafieber-Diagnostik
7. Beispiele für Verpackungen
8. Informationen zur orientierenden Diagnostik
*
Ein Protokoll für die PCR-Diagnostik kann vom RKI zur Verfügung gestellt werden.
Stand 07.11.2014
1. Probenahme
2. Probenversand/ Probentransport
 Erstellung eines lückenlosen Probenahmeprotokolls (inklusive Personen und Zeiten).
 Entnahme von Patientenmaterial bei einem begründeten Verdacht auf Ebolafieber bzw. bei einem
bestätigten Ebolafieber-Fall nur unter Beachtung der dafür angemessenen Schutzmaßnahmen
(www.rki.de/ebola-massnahmen)
 Spezielle Anforderungen an die Technik der Probenentnahme und die hygienischen Standards
erfordern neben Handlungsanweisungen eine infektiologische Weiterbildung (einschließlich
praktischer Übungen) von ärztlichem oder Pflegepersonal für die Probenahme.
 Sind für die Probenahme spitze und scharfe medizinische Instrumente erforderlich, sind
Arbeitsgeräte mit Sicherheitsmechanismen („Sicherheitsgeräte“) einzusetzen (s. TRBA 250 Ziffer
4.2.5 Absatz 3 ff.).
 Probenmaterial: Bevorzugtes Material für die Primärdiagnostik ist Serum oder Vollblut (zum
Nachweis der Genesung auch Urin, Stuhl, Schweiß, Konjunktival- und Mundschleimhaut-Abstriche).
 An die Entnahme einer Rückstellprobe denken.
 Vor dem Versand von Proben eines Patienten mit begründetem Verdacht auf Ebolafieber
Kontaktaufnahme mit dem Diagnostik-Labor (Laboradressen siehe Anhang), um die Proben
anzumelden und die Versandmodalitäten abzustimmen.
 Beteiligung des Amtsarztes.
 Erstellung eines lückenlosen Transportprotokolls (inklusive Personen, Probenzustand und Zeiten).
 Versand von Diagnostikproben bei begründetem Verdacht auf Ebolafieber als Klasse 6.2 Kategorie
A; Verpackungsvorschrift P620 mit der Kennzeichnung „Ansteckungsgefährlicher Stoff, gefährlich
für Menschen, UN-Nr. 2814“.
 Anbringen des für die Gefahrgutklasse 6.2 vorgeschriebenen Gefahrzettels (Biohazard-Symbol);
Information „Bei Beschädigung oder Freiwerden Gesundheitsbehörden verständigen“ kann
zusätzlich angebracht werden.
 Verantwortlich für die Anmeldung der Probe, die ordnungsgemäße Klassifizierung und die
Einhaltung der Transportvorschriften: Absender, im Zweifelsfall der Leiter der versendenden
Einrichtung.
 Bestätigung des Probeneingangs durch das Labor an den behandelnden Arzt/Amtsarzt und den
Einsender sofort nach Probeneingang.
 Transport und das Diagnostik-Labor sollten so ausgewählt werden, dass die Probe innerhalb von
sechs Stunden im Labor eintreffen kann.
 Verpackung
 P620 für ansteckungsgefährliche Stoffe der UN-Nr. 2814
 Zusammengesetzte Verpackungen, bestehend aus
 1. Primärverpackung (Probengefäß)
 2. Sekundärverpackung (Schutzgefäß)
 3. Umverpackung.
 Für flüssige Materialien (etwa: Blut) müssen Probengefäß und Schutzgefäß flüssigkeitsdicht
und zwischen beiden Gefäßen mit ausreichend saugfähigem Material angeordnet sein.
 Verpackungen sind im Fachhandel erhältlich.
Stand 07.11.2014
3. Laboruntersuchung
4. Befunderhebung/Bewertung
5. Befundmitteilung
 Diagnostik in der Regel durch die real-time PCR zum Nachweis des Virusgenoms im Blut (Serum
oder Plasma) während der akuten Krankheitsphase.
 Nachweis von spezifischen Antikörpern (IgM, IgG) mittels IF, ELISA, NT möglich, jedoch in der
Akutdiagnostik nicht aussagekräftig.
 Bestätigung eines positiven Erstbefundes in der PCR durch PCR -Amplifikation einer weiteren
Region des Genoms mit derselben Nukleinsäureprobe oder Sequenzierung des PCR-Produktes.
Bei positivem Erstbefund parallel zur Bestätigungsdiagnostik Versendung der Probe an das
Konsiliarlabor für Filoviren, Institut für Virologie, Klinikum der Philipps-Universität Marburg, oder an
das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Bernhard-Nocht-Institut für
Tropenmedizin Hamburg.
Anzucht von Viren ist zur Bestätigung nicht notwendig, kann aber dennoch angestrebt werden, um
das Virus für weitere Charakterisierungen zu vermehren. Die Anzucht von Ebolaviren kann nur aus
nicht-inaktiviertem Patientenmaterial erfolgen. Sie ist nur in Laboratorien der Sicherheitsstufe 4
möglich (zurzeit in Deutschland nur im Konsiliarlabor für Filoviren, Institut für Virologie, Klinikum
der Philipps-Universität Marburg, oder im Nationalen Referenzzentrum für tropische
Infektionserreger, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg). Grundsätzlich spielt die
Anzucht von Ebolaviren in der Primärdiagnostik eine untergeordnete Rolle.
 Bei negativem Bestätigungstest, Wiederholung der Untersuchung mit einer Rückstellprobe.
 Mit dem Untersuchungsergebnis ist innerhalb von 6 - 8 Stunden nach Probeneingang im
Diagnostiklabor zu rechnen, falls keine unvorhergesehenen technischen Probleme auftreten.
 Abhängig vom Zeitpunkt der Probenahme bei einem Verdachtsfall, führen folgende Algorithmen
zum Untersuchungsergebnis:
1. Die Blutentnahme ist ≥ 48 Stunden nach Einsetzen der mit Ebolafieber zu vereinbarenden
Symptomatik erfolgt:
 Erstuntersuchung und Bestätigungsdiagnostik sind positiv:
→ Bestätigter Ebolafieber-Fall.
 Erstuntersuchung ist negativ:
→ Es liegt keine Ebolafieber-Infektion vor.
2. Die Blutentnahme ist < 48 Stunden nach Einsetzen der mit Ebolafieber zu vereinbarenden
Symptomatik erfolgt:
 Erstuntersuchung und Bestätigungsdiagnostik sind positiv:
→ Bestätigter Ebolafieber-Fall.
 Die Erstuntersuchung ist negativ und der Patient erfüllt die Kriterien für einen
begründeten Verdachtsfall:
→ Es sollte eine umfassende Differentialdiagnostik durchgeführt werden.
→ Der Patient wird für den Zeitraum von 48 Stunden weiterhin isoliert, aber nicht
notwendigerweise auf der Sonderisolierstation.
→ Ungeachtet einer bestätigten Differentialdiagnose sollte eine weitere Probe des
Patienten auf Ebolavirus untersucht werden, die frühestens am 3. Tag (> 48 Stunden) nach
Einsetzen der mit Ebolafieber zu vereinbarenden Symptomatik genommen wird.
Erstuntersuchung dieser Probe ist in der PCR negativ:
→ Es liegt keine Ebolafieber-Infektion vor.
Erstuntersuchung und Bestätigungsdiagnostik sind positiv:
→ Bestätigter Ebolafieber-Fall.
Unverzügliche Übermittlung des Laborbefundes (Negativ- und Positivbefund), da Ergebnis für weitere
Maßnahmen relevant, an folgende Beteiligte:
 Einsender/ behandelnde Ärzte. Diese melden gemäß § 6 IfSG an das zuständige
Gesundheitsamt.
 Zuständiges Gesundheitsamt gemäß § 7 IfSG. Von dort Übermittlung gemäß §§ 11, 12 IfSG an
die obersten Landesgesundheitsbehörden und von dort weiter an RKI gemäß IfSG.
In Abstimmung mit dem Konsiliarlabor für Filoviren, Institut für Virologie, Klinikum der Philipps-Universität Marburg, dem
Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg, und
dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr München.
Stand 07.11.2014
Anhang
6. Adressen von Laboratorien für die Ebolafieber-Diagnostik
Laboratorien der Sicherheitsstufe 4
Konsiliarlabor für Filoviren
Institut für Virologie
Klinikum der Philipps-Universität Marburg
Hans-Meerwein-Str. 2
35043 Marburg
Ansprechpartner: Prof. Dr. S. Becker, Dr. M. Eickmann
Telefon: 06421 28 -66254; 06421 28-64315
Telefax: 06421 28-68962
E-Mail: becker@staff.uni-marburg.de; eickmann@staff.uni-marburg.de
Homepage: Philipps-Universität Marburg
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Str. 74
20359 Hamburg
Leitung: Prof. Dr. B. Fleischer
Telefon: 040 42818-401; 040 42818-0 (Zentrale)
Telefax: 040 42818-400
E-Mail: Labordiagnostik@bni-hamburg.de
Fragen zu diagnostischen Indikationen und Verfahren: Mikrobiologische Zentraldiagnostik
Telefon: 040 42818-211
E-Mail: Labordiagnostik@bni-hamburg.de
Fragen zur Therapie: Ambulanz der Klinischen Abteilung
Tel.: 040 312851
Homepage: Bernhard-Nocht-Institut Hamburg
Weitere Laboratorien in Bundesinstituten zur orientierenden Diagnostik für Ebolaviren
Robert Koch-Institut
PD Dr. A. Nitsche (ZBS1)
Dr. A. Kurth (ZBS5)
Nordufer 20
13353 Berlin
Tel.: 030 18754 -2313 (Dr. Nitsche) / -2323 (Dr. Kurth)
Fax: 030 18754 -2605 (Dr. Nitsche) / -2605 (Dr. Kurth)
E-Mail: NitscheA@rki.de (Dr. Nitsche) / KurthA@rki.de (Dr. Kurth)
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Prof. Dr. L. Zöller (Institutsleitung)
Dr. B. R. Thoma (Diagnostik)
Prof. H. Meyer (Virologie)
Institut für Mikrobiologie
Neuherbergstr. 11
80937 München
Tel.: 089 3168 -0 (Zentrale) / 089 3168 -3980 (Prof. Zöller) / 089 3168 -3113 (Dr. Thoma)
089 3168 -3910 (Dr. Meyer)
Fax: 089 3168 -3983
E-Mail: institutfuermikrobiologie@bundeswehr.de
Stand 07.11.2014
Anhang
7. Beispiele für Verpackungen zum Probenversand und Transportunternehmen
Transportunternehmen in Deutschland für ansteckungsgefährliche Stoffe (UN 2814)
Es wird empfohlen, frühzeitig mit dem Transportunternehmen den Probenversand abzusprechen.
1. World Courier
http://www.worldcourier.com/about/locations/europe#ch-germany
2. Trans o Flex
http://www.trans-o-flex.com/de/kontakt/so-erreichen-sie-uns/ihr-weg-zu-uns
Stand 07.11.2014
Anhang
8. Informationen zur orientierenden Diagnostik
Ist eine orientierende Diagnostik außerhalb von S4-Laboren erforderlich, sollte dies in Absprache mit dem
zuständigen Gesundheitsamt und Kompetenzzentrum erfolgen. Diagnostische Erstuntersuchungen mittels PCR
können nach Biostoffverordnung in Verbindung mit der TRBA 100 „Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht
gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien“ (BArbBl. 4/02 S. 122–127) der Schutzstufe
3 zugeordnet werden: "(4) Liegen Verdachtsmomente einer Infektion mit einem biologischen Arbeitsstoff der
Risikogruppe 4 vor, sind alle Untersuchungen mit nicht inaktiviertem Material in der höchst möglichen zur
Verfügung stehenden Schutzstufe, mindestens jedoch unter Bedingungen der Schutzstufe 3 durchzuführen.“
Daher kann orientierende Diagnostik bei Verdacht auf Ebolafieber in Deutschland zusätzlich zu den S4-Laboren
auch in S3-Laboren erfolgen, wobei eine Gefährdung des Personals und eine Weiterverbreitung des Virus
ausgeschlossen werden müssen. Geeignet sind Labore, die folgende Bedingungen erfüllen:
1. Betrieb eines virologischen S3-Labors, in dem der Personenschutz sichergestellt ist.
2. Erfahrung in der molekularen Diagnostik viraler Erkrankungen.
3. Verwendung kommerzieller qualitätskontrollierter Kits zum Nachweis von Ebolavirus-RNA, welche eine
Extraktions- und Amplifikationskontrolle beinhalten (z.B. von Altona Diagnostics, Roche Diagnostics etc.).
4. Erfolgreiche Teilnahme an Ringversuchen zur externen Qualitätskontrolle der Ebolavirus-PCR-Diagnostik.
Bei positivem Erstbefund sollte parallel zur Bestätigungsdiagnostik die Versendung der Probe an das
Konsiliarlabor für Filoviren, Institut für Virologie, Klinikum der Philipps-Universität Marburg, oder an das
Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Hamburg, erfolgen.
Stand 07.11.2014
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