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ew FACHTHEMA
Energy 2011
Funktionen für die Anwendung in Smart Grids
Netzleittechnik,
Stationsleittechnik und
Fernwirktechnik
Rückblick auf die Hannover Messe 2011
D
ie Smart Grids sind bei allen
Anbietern von Netzleittechnik, Stationsleittechnik und
Fernwirktechnik angekommen: Auf
der Hannover Messe 2011 zeigten
sie ausnahmslos, dass sie sich den
Herausforderungen stellen, die sich
aus den steigenden Einspeisungen
aus regenerativen Erzeugungsanlagen ergeben. Je nach Portfolioumfang präsentierten sie Gesamtlösungen, ergänzende Funktionen oder
Geräte, die die Netzbetreiber dabei
unterstützen, intelligente Netze zu
realisieren. Meist steht derzeit die
optimale Ausnutzung der bestehenden Netze im Vordergrund, aber
auch ein virtuelles Kraftwerk zur
Bereitstellung von Reserveleistung
wurde gezeigt.
Trend: Lösungen für Smart Grids
Das Thema Smart Grids hat alle Anbieter von Fernwirktechnik, Stationsleittechnik und Netzleittechnik, die
auf der Hannover Messe 2011 ausgestellt haben, erreicht. Von der abwartenden Haltung, die im letzten
Jahr bei manchem noch zu spüren
war, war nichts mehr zu erkennen –
im Gegenteil, in diesem Jahr waren
Lösungen für Smart Grids das
Hauptthema der meisten. Es wer-
Dipl.-Ing. (FH) Kati
Langlotz, Marketingkommunikation,
Unternehmensbereich Energietechnik, ABB AG,
Mannheim.
1
SONDERDRUCK PDF 7053 aus
ew
den die Produkte, Geräte, Gesamtlösungen zur Verfügung gestellt, die
derzeit vom Markt oder auch von
einzelnen Energieversorgungsunternehmen gefordert werden. Allgemein
herrscht bei den Anbietern jedoch
die Auffassung, dass die zukünftigen Anforderungen auch bei den
Energieversorgern noch nicht näher
bekannt sind. Hier ist die enge Zusammenarbeit zwischen Elektrizitätswirtschaft und Industrie gefragt,
vorzugsweise in Pilotprojekten.
Die steigende Einspeisung aus
volatilen, erneuerbaren Energiequellen in das elektrische Energienetz stellt eine zunehmende Herausforderung für die Netzbetreiber
dar, ebenso die künftig vermutlich
zu erwartende größere Zahl von
Elektrofahrzeugen. Der notwendige
Ausbau der Netze, der hieraus resultiert, ist eine längerfristig anstehende Aufgabe und wird zudem nicht
ausreichend sein, um die auftretenden Probleme zu lösen. So sind die
optimale Ausnutzung der bestehenden Primärtechnik, das rechtzeitige
Erkennen und Verhindern von Spannungserhöhungen, die Verminderung
von Netzverlusten und der gezielte
Einsatz von Erzeugern und Verbraucher aktuelle Aufgabenstellungen,
die Netzleittechnik und Fernwirktechnik mit neuen Funktionen zu
lösen vermögen.
Hierfür werden heute Informationen aus den Ortsnetzstationen und
dem Niederspannungsnetz benötigt, die bisher in den traditionellen
Netzen nicht notwendig und daher
weder in die Fernwirktechnik noch
in die Netzleitsysteme eingebunden
waren. Heute werden Zählwerte,
Betriebsmittelzustände und Messwerte benötigt, die in den Ortsnetzstationen durch intelligente Kleinfernwirkgeräte und Zähler erfasst
und zur zentralen Weiterverarbeitung an die Netzleitstelle übertragen
Jg.110 (2011), Heft 17-18, S. 76-86
werden. An diese kleinen RTU besteht die Anforderung, die gleiche
Funktionalität zu bieten wie die
großen, dies jedoch wegen der Vielzahl der zu automatisierenden Ortsnetzstationen zu deutlich geringerem Preis.
Trend: Integration und IT-Security
Ein weiterer Trend, der bereits 2010
abzusehen war, ist die Integration
anderer Softwaresysteme mit dem
Netzleitsystem, beispielsweise GIS,
Netzplanung und ERP. Die Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Optimierung zwingt auch zur Öffnung
der Leitstellen und der Informationen. Dies hat auch Nachteile, denn
der Preis dafür ist, dass IT-Security
auch im Bereich Netzleittechnik ein
großes Thema wird. Netzleitsysteme
haben bisher aus organisatorischen
Gründen ein recht ungestörtes Inseldasein geführt, mit nur wenigen Angriffspunkten aus externen Netzen.
Daher war dieses Thema früher weder im Bewusstsein der Betreiber
noch der Lieferanten.
Weil aber der Trend zur Vernetzung der im EVU vorhandenen Systeme geht, wird die IT-Security aus
Sicht von Netzleittechnikanbietern
wegen der vielen IT-Verbindungen
vom Zähler bis in die Zentrale ein
wichtiges Thema werden. Die Problematik, die daraus entsteht, wird
wie folgt gesehen: Werden die heutigen technischen Möglichkeiten separat betrachtet, ohne die Security
zu berücksichtigen, könnte durch
Vernetzung mit anderen im EVU
vorhandenen Systemen vieles realisiert werden und viele Lösungen für
drängende Aufgaben in Reichweite
rücken. Allerdings kann genau dies
durch die Begrenzungen durch die
IT-Security problematisch werden.
Die Erfordernisse widersprechen
sich gegenseitig, eine individuelle
Risikoabwägung ist hier notwendig.
Trend: Messeauftritt
Ist die Hannover Messe zielführend
für gute Kontaktqualität? Diese Frage stellen sich nahezu alle, wobei
die Antworten unterschiedlich ausfallen, je nach Portfolioumfang und
Zielmarkt. Wer Fernwirktechnik und
Stationsautomatisierung anbietet
und auch auf den internationalen
Markt zielt, beantwortet die Frage
mit »ja«. Für den Bereich Netzleittechnik sieht das Thema anders aus:
Wie auch im letzten Jahr zu erken-
nen war, betrachten die Aussteller
der Netzleittechnik die Hannover
Messe nicht unbedingt als ihre Zielmesse. Die großen Technologieunternehmen haben dies bereits seit
Jahren konsequent durch wenig
Präsenz gezeigt.
Die Netzleittechnikaussteller tendieren zu einem Zweijahresrhythmus des Messeauftritts. 2010 wurde
dies allerdings noch nicht durchgehend offen vertreten. Bei allen wurde dieses Jahr Bedauern geäußert,
dass es in Deutschland nicht genügend kleine, spezialisierte Messen
oder Kongresse gibt, z. B. das Symposium Netzleittechnik bei der
Consulectra, wo überwiegend die
Zielgruppe der Anbieter, die Energieversorger, angesprochen werden
kann. Es wurde auch geäußert, dass
die Kontaktqualität auf der E-World
2011 beispielsweise, sehr gut war,
im Gegensatz zur Hannover Messe
2011.
Ein weiterer Grund dafür, dass Anbieter zu einem Zweijahresrhythmus tendieren, ist, dass es in der
Bild 1. Projekt Meregio: Engpasserkennung durch Höhenschichteinfärbung
Quelle: ABB
Bild 2. Spannungsschutz- und Steuerungsgerät Relion REU615
SONDERDRUCK PDF 7053 aus
Quelle: ABB
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Energy 2011
Bild 3. Kleinfernwirksystem Acos 710
Quelle: IDS
Netzleittechnik keine so großen
Entwicklungsschübe gibt, dass jedes Jahr umfassende Neuigkeiten
zu zeigen wären. Es sind mehr die
Erweiterungen und funktionale Ergänzungen, die im Jahresrhythmus
gezeigt werden können.
Motordifferenzialschutz und die
Spannungsregelung für Transformatoren mit motorgetriebenem Stufenschalter hinzugekommen. Zudem wurde die 650er-Serie um drei
neue Geräte für HochimpedanzSammelschienenschutz, Generatorschutz und Leistungsschalterschutz
erweitert. In der Baureihe 670 steht
die Prozessbuskommunikation für
Messwerte IEC 61850-9-2 LE zur Verfügung.
Im Bereich Netzleittechnik stellte
ABB die aktuellen Ergebnisse des
Smart-Grid-Projekts »Meregio« (Minimum-Emission-Region) vor. Um
Angebot und Nachfrage nach elektrischer Energie zeitnah ausgleichen
zu können, werden zusammen mit
ausgefeilten Kommunikationssystemen auch entsprechende Netzführungssysteme benötigt. Als einer
der Projektpartner in »Meregio« ist
ABB für die Feldversuche im Verteilungsnetz der EnBW – und zwar in
Freiamt, Südbaden, und in Göppingen – für das Netzführungssystem
sowie die Installation von Automatisierungslösungen verantwortlich.
Neben der optimalen Ausnutzung
der bestehenden Netzinfrastruktur
ist es die Aufgabe von ABB, die mit
intelligenten Zählern gewonnenen
Daten bestmöglich in Betriebsführungskonzepte einzubinden. Auf der
Messe wurde gezeigt, wie ein bewährtes Verfahren der Netzführung
im Network Manager angewendet
wird, um aus wenigen Messdaten
aus dem Niederspannungsnetz des-
Technische Neuheiten
Mit der für die IEC 61850 entwickelten Schutz- und Steuerungsproduktfamilie Relion hat die ABB AG,
Mannheim, bereits im Jahr 2009
neue Maßstäbe in der Netzautomatisierung gesetzt. Die funktional aufeinander abgestimmten Geräteserien werden sowohl für komplexe
Aufgabenstellungen in Übertragungs- und Verteilungsnetzen der
primären Energieverteilung eingesetzt, als auch bei einfachen Anforderungen in Kompaktschaltanlagen
der sekundären Energieverteilung.
Relion – mit den bisher verfügbaren
Geräten der Serien 615, 630, 650
und 670 – ist die weltweit erste Produktfamilie auf diesem Gebiet, bei
der die volle Umsetzung des Kommunikationsstandards IEC 61850
vom Beginn der Entwicklung an im
Pflichtenheft verankert war. Neu ist,
dass neben der IEC 61850 jetzt auch
das Kommunikationsprotokoll
IEC 60870-5-103 für alle Geräte der
Relion-Familie eingesetzt werden
kann. Außerdem wurde die 615erSerie um das Spannungsschutz und
Steuerungsgerät REU615 ergänzt
(Bild 1). In der 630er-Serie sind der
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sen aktuellen Zustand zu berechnen. Zusätzlich wurde gezeigt, wie
in der Software die künftige Einspeise- und Lastsituation prognostiziert
und visualisiert wird (Bild 2). Die
Engpasserkennung bildet eine Basis
für vorbeugende Maßnahmen.
Einen Schwerpunkt der Präsentation der BTC AG, Oldenburg, bildeten auch in diesem Jahr Lösungen
für Offshore-Windparks. Bereits im
letzten Jahr wurde das Windparkleit- und -Managementsystem WFC
(Wind Farm Center) auf der Hannover Messe vorgestellt, das auf dem
bewährten BTC-Netzleitsystem Prins
basiert. In diesem Jahr konnte BTC
mit Alpha Ventus und Bard 1 zwei
realisierte WFC-Projekte präsentieren. Das WFC enthält windparkspezifische Funktionen wie Logbuch
und Betriebsdatenbank, Lebensakte
und Instandhaltungsmanagement.
Für den ersten deutschen Windpark Alpha Ventus entwickelte BTC
auf Basis ihrer Erfahrungen aus 30
Jahren Netzleittechnik einen übergeordneten Windparkregler. Dieser
ist dort Teil des Wind Farm Centers.
Er regelt anlagenübergreifend die
Wirk- und Blindleistung von Windparks und sorgt dafür, dass die Netzanschlussbedingungen (Grid Code)
des Netzbetreibers eingehalten werden. Die Lösung ist herstellerunabhängig: Es können nicht nur Anlagen
unterschiedlicher Hersteller geregelt
werden, sondern auch unterschiedlicher Windparkbetreiber, die am
gleichen Netzanschlusspunkt einspeisen. Der Regler wird mittlerweile auch für Onshore-Windparks
weiterentwickelt und ist zum Patent
angemeldet.
Durch die Anforderungen aus dem
Anschluss von Erzeugungsanlagen
nach dem Erneuerbare-EnergienGesetz (EEG) an die Netze ergeben
sich neue Herausforderungen an
Funktionen der Leittechnik. Durch
die steigenden EEG-Einspeisungen
sind die Energieversorger gezwungen, ihre bestehenden Netze optimal auszulasten. Zur Unterstützung
der Netzbetriebsführung hat BTC
daher Funktionen entwickelt, die
diesen neuen Anforderungen Rechnung tragen. So stellte BTC das neue
Einspeisemanagement vor, das der
optimalen Nutzung der Netze zur
Integration von EEG-Anlagen dient.
Mit dem Einspeisemanagement können die Leistungen von EEG- und
Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)
Anlagen automatisch temporär reduziert und die Absenkungen wie-
der zurückgenommen werden. Die
Regulierungsprozesse werden protokolliert.
Eine weitere interessante Funktion ist das Freileitungsmonitoring
von BTC, das auf Basis von Klimafaktoren in Leitungsnähe die optimale Auslastung von Freileitungen
dynamisch berechnet und den
Netzberechnungsprogrammen zuweist. Die Leitungen können damit
unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten höher ausgelastet
werden. Die erfassten und die berechneten Werte werden archiviert
und können jederzeit nachgewiesen werden, beispielsweise gegenüber der Bundesnetzagentur.
Für die Planung und Koordinierung von Schaltmaßnahmen im
Netz hat das Leitsystem Prins eine
neue Funktion zur Schaltantragsverwaltung, die sowohl an einem
Arbeitsplatz des Netzleitsystems als
auch an Büroarbeitsplätzen zur Verfügung steht und somit die Zusammenarbeit zwischen den Organisationseinheiten unterstützt.
Im Mittelpunkt des von der IDS
GmbH, Ettlingen, gezeigten Produkt- und Leistungsportfolios standen intelligente Lösungen für den
technischen Netzbetrieb. Auch bei
IDS wurden in die Netzleittechnik
neue und ganzheitliche Lösungen
für Smart Grids integriert. Dazu gehören beispielsweise die Überwachung und Steuerung von Anlagen
für die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien, die integrative Kommunikationsinfrastruktur
für Ortsnetzautomation und Smart
Metering sowie das integrierte Einspeise- und Engpassmanagement.
Auf der Hannover Messe wurde das
erneuerte Lastflussmodul des Netzleitsystems IDS High-Leit präsentiert. Auf Basis der Informationen
aus den Ortsnetzstationen wird die
Lastflussrichtung visualisiert, die
sich aufgrund einspeisender EEGAnlagen ändern kann. Das System
unterbreitet dem Wartenpersonal
Vorschläge, wie der Lastflussumkehr entgegengewirkt werden kann:
Die regenerativen Erzeugungsanlagen können vom Netzleitsystem aus
gesteuert werden, um ihre Leistung
um 100, 60, 30 oder 0 % zu drosseln.
Zum Einsatz in dezentralen Erzeugungsanlagen bietet IDS das preiswerte Kleinfernwirksystem der Acos7-Serie an. Mit dem Acos 710 (Bild 3)
steht ein Einstiegsgerät mit fest definiertem Funktions- und Leistungsumfang zur Verfügung. Das
Bild 4. Kleinfernwirksystem Acos 720
Quelle: IDS
Kleinfernwirk- und Automatisierungsgerät Acos 720 (Bild 4) hat zusätzlich eine integrierte SPS für kleine Automatisierungsaufgaben und
ist modular um zusätzliche E/AModule erweiterbar.
Die Geräte der Acos-7-Serie werden vor allem den Anforderungen
gerecht, die sich aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und
dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) ergeben. Die Geräte
lassen sich leicht in bestehende Leitsystemumgebungen integrieren und
bieten somit definierte und kostengünstige Lösungen im Bereich der
dezentralen Energieerzeugung wie
Photovoltaik, BHK oder Biogas sowie auch für den Ausbau des Automatisierungsgrads von Mittel- und
Niederspannungsanlagen. Ein breites Spektrum an Datenerfassungsund Übertragungsmöglichkeiten
macht die Geräte universell einsetzbar. Die optional integrierte GSM/
GPRS-Lösung ist vor allem für die
einfache Anbindung von Anlagen
ohne vorhandene Kommunikationsinfrastruktur geeignet.
Die IDS-Gruppe hat sich zudem
Anfang des Jahres mit der Übernahme der Caigos GmbH das Know-
Bild 5. Kleinfernwirksystem ME 4012 PA-N mit 8 Steckplätzen
Quelle: Helmut Mauell
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Energy 2011
Bild 6. Das Leitsystem PSIcontrol in der Netzleitstelle der LEW Augsburg
Quelle: PSI
how geographischer Informationssysteme gesichert und erste Integrationsszenarien mit der Leit- und
IT-Technik gezeigt. Denn GIS-basierte IT-Lösungen werden zukünftig eine entscheidende Rolle bei der
Optimierung der technischen Geschäftsprozesse spielen.
Die Helmut Mauell GmbH, Velbert,
zeigte ihr neues Kleinfernwirksystem ME 4012 PA-N, das Informationen aus dem Mittel- und Niederspannungsnetz bereitstellt (Bild 5).
Diese »Smart RTU« für Ortsnetzstationen bietet digitale und analoge
Ein- und Ausgänge sowie eine
mächtige CPU, die umfangreiche logische und arithmetische Verarbeitungen durchführen kann. Auch hier
wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass sich die Netze hin zu
Smart Grids verändern. Durch die
zunehmenden Einspeisungen aus
alternativen Erzeugungsanlagen
wie Photovoltaik, Windenergieanlagen oder Biomassekraftwerken sind
Lastflüsse in bidirektionaler Richtung im Niederspannungs- und
Mittelspannungsnetz sowie deutlich höhere Belastungen möglich.
Durch Netzausbau allein kann der
Tatsache nicht entgegengewirkt werden. Es besteht künftig mehr Automatisierungsbedarf, die Technik
muss intelligenter werden. Die Smart
RTU von Mauell unterstützt den
Netzbetreiber dabei, die bestehenden Netze zur Erhöhung der Wirt-
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schaftlichkeit besser auszunutzen.
Neben den Basisanwendungen der
Smart RTU stehen umfangreiche
branchenspezifische Automatisierungslösungen für den Strom- und
Gasbereich wie die Spannungsregelung der Transformatoren in Ortsnetzstationen zur Verfügung. Die
komplette Konfiguration und Parametrierung der RTU kann webbasiert durchgeführt werden, ebenso
Bedienung und Beobachtung. Über
die Web-Oberfläche kann die Firmware und Konfigurationssoftware für
neue Automatisierungslösungen
remote geladen werden. Eine Onboard-SD-Karte sorgt für eine Archivierung der Daten auf der RTU.
Die CPU des Systems ME 4012 PA-N
hat drei physikalisch unterschiedliche Kommunikationsschnittstellen:
Ethernet, seriell RS232 und Feldbus
RS485. Über diese Schnittstellen
können je nach Ausprägung die
Standardprotokolle der Normenreihe IEC 60870-5-101, IEC 60870-5103, IEC 60870-5-104 oder Modbus
RTU/TCP kommuniziert werden.
Außerdem steht für dieses System
zusätzlich das Protokoll IEC 61850
zur Verfügung.
Die RTU ist in einem Edelstahlgehäuse untergebracht, um die EMVund Umweltvorschriften in ihrem
jeweiligen Anwendungsbereich zu
erfüllen. Je nach der Größe der Anwendungsfälle stehen vier unterschiedliche Gehäusevarianten zur
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Verfügung. Das System ist 5-kVspannungsfest.
Die PSI AG, Geschäftsbereich
Energie, Aschaffenburg, hat neue
Entwicklungen und internationale
Projektbeispiele aus den Bereichen
Netzleittechnik und Einsatzleittechnik präsentiert. Im Fokus standen vor allem neue Funktionen im
Leitsystem PSIcontrol (Bild 6), die
die Anforderungen von Smart Grids
optimal unterstützen, bei stark zunehmender dezentraler Einspeisung
regenerativer Energien.
Zusätzlich präsentierte PSI den
internationalen Einsatz der PSILeitsysteme beim thailändischen
Netzbetreiber PEA (Provincial Electricity Authority) und beim französischen Verteilungsnetzbetreiber
ErDF (Électricité Réseau Distribution France) für die Stadt Paris. Das
Projekt in Thailand ist technisch
sehr anspruchsvoll, mit topologischen Funktionen, unsymmetrischen Netzberechnungen, Lastabwurf (Load Shedding) und Schaltauftragsverwaltung. Im Projekt
wurden die sehr hohen Anforderungen des Kunden an die Cyber Security erfüllt.
Ein besonderes Highlight des PSIAuftritts war ein virtuelles Kraftwerk
zur Vermarktung von Regelenergie,
ein Projekt, das für die 24/7 Netze
GmbH realisiert wurde. Hierbei
wird aus einer Anzahl von Kleinerzeugern und abschaltbaren Lasten
ein Pool gebildet. Kleinerzeuger sind
beispielsweise Blockheizkraftwerke
oder abschaltbare Kunden bzw.
Kunden mit beeinflussbaren Lasten
wie Walzwerke, Steinbrecher oder
Kühlhäuser. Um Minutenreserve
auf dem Markt anbieten zu können,
muss die Gesamtleistung mindestens 15 MW betragen, die Erzeuger
und Lasten im Pool erreichen diese
Leistung einzeln jedoch bei weitem
nicht und müssen daher gebündelt
werden. Die Herausforderung dabei
ist das Verwalten, Überwachen,
Steuern und das informationstechnische Verbinden sehr vieler technischer Einheiten. Wenn Regelenergie
gebraucht wird, setzt das Modul dies
regelungstechnisch um und setzt
die notwendigen technischen Einheiten ein. Das PSI-Modul verwaltet
die Vergaben an der Börse und stellt
1)
Neplan ist das führende Berechnungs-,
Planungs- und Dokumentationssystem
für Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmenetze.
Bild 7. Schutz- und Leittechnik Sprecon für intelligente Netze
für die Erzeuger und Lasten die Verrechnungsdaten zur Verfügung.
Als weitere Neuheit hat PSI eine
Schnittstelle zwischen dem Netzleitsystem PSIcontrol und dem System
Neplan1) für Sachdaten und Bilder
entwickelt: So ist keine doppelte
Datenpflege erforderlich. Der Kunde hat dadurch immer bestgepflegte, aktuelle Netzdaten.
Für die Sprecher Automation
GmbH, Linz/Schweiz, steht die Weiterentwicklung ihrer bewährten
Schutz- und Leittechnikproduktlinie Sprecon mit ausgestellten Distanz-, UMZ- und TransformatorDifferenzialschutzgeräten, Feldleitund Zentralgeräten im Vordergrund
(Bild 7). Diese kommunizieren mit
IEC 870-5-104-Protokoll durchgängig vom Schutz- und Feldleitgerät
bis zum Netzleitsystem (beispielsweise Sprecon V460) oder mit
IEC 61850 innerhalb der Station.
Neu ist auch ein Webserver für die
Visualisierung und Diagnose der
Geräte der Sprecon-Plattform einschließlich Sprecon-E-T3.
Im Engineering ist Sprecher mit
Sprecon-E »Smart Engineering« auf
Basis der Erfahrungen aus bestehenden Projekten einen Schritt weiter gegangen als üblich: Den Feldund Kombischutzgeräten der Serie
Sprecon-E wird eine umfassende
Basisparametrierung mitgegeben,
wodurch bis zu 90 % des Engineeringaufwands von Stationsleittechnik-Gesamtlösungen eingespart
werden kann.
Die Herausforderung an zukünftig intelligente Netze geht Sprecher
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Quelle: Sprecher Automation
in Kooperation mit der EMH Grid
Solution GmbH & Co. KG und der
Bittner + Krull Softwaresysteme
GmbH an. Sprecher stellt in der Zusammenarbeit seine Leit- und Kommunikationstechnologie für intelligente Ortsnetzstationen, EMH Grid
Solutions seine elektronischen
Lastgang- und Haushaltszähler sowie Bittner + Krull sein Meter-DataManagement (MDM) Argos zur Verfügung. Auf der Messe wurden zwei
EMH-Zähler ausgestellt, die über
SML an die Sprecon-Fernwirktechnik angeschlossen waren. Die Zählwerte können über die Protokolle
IEC 60870-5-104/101 an eine zentrale Stelle übermittelt werden, wo sie
einerseits an das MDM und andererseits an eine Netzleitstelle übergeben werden.
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Energy 2011
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lösungen für Metering, Netzsteuerung (Fernwirktechnik und Schutz),
Last-/Rundsteuerung und PowerQuality-Messung werden dabei mit
Sprecon zu einer einheitlichen modularen Lösung in der Ortsnetzstation zusammengeführt, die gleichzeitig auf alle Daten zugreifen kann.
(40653)
kati.langlotz@de.abb.com
www.abb.de
www.btc-ag.com
www.ids.de
www.mauell.com
www.psienergy.de
www.sprecher-automation.de
ABB AG
Energietechnik
Postfach 10 03 51
68128 Mannheim, Deutschland
Telefon: 0621 381-3000
Telefax:
0621 381-2645
E-Mail:
powertech@de.abb.com
Hinweis:
Technische Änderungen der Produkte sowie Änderungen im Inhalt dieses Dokuments behalten wir uns
jederzeit ohne Vorankündigung vor. Bei Bestellungen sind die jeweils vereinbarten Beschaffenheiten
maßgebend. Die ABB AG übernimmt keinerlei Verantwortung für eventuelle Fehler oder
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Wir behalten uns alle Rechte an diesem Dokument und den darin enthaltenen Gegenständen und
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DEABB 1683 11 de
Durch die bidirektionale Kommunikation und Automatisierung von
Ortsnetzstationen kann – unter Einbeziehung der Daten aus dem Metering und der PQ-Erfassung – den negativen Netzauswirkungen, die
durch Einspeisung aus regenerativen Erzeugungsanlagen entstehen,
entgegengewirkt werden. So lassen
sich beispielsweise Spannungserhöhungen reduzieren und die Versorgungsqualität und -sicherheit erhöhen. Projektspezifisch werden
Normtrennstellen umgeschaltet, regelbare Transformatoren gesteuert
oder die Leistung von Einspeisern
abschaltet bzw. regelt. Der Aufbau
und Betrieb von Inselnetzen ist eine
weitere wichtige lokale Funktion.
Die bis heute fast immer völlig parallel aufgebauten Kommunikations-
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