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Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing
Kanzelrede, Begrüßung am 9. November 2014, 11.30 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Gäste,
als Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing ist es mir eine große Freude, Sie heute zu
unserer Kanzelrede begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Udo Hahn. Herzlich willkommen
heiße ich Sie auch im Namen von Brigitte Grande. Sie leitet seit wenigen Wochen den
Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing. Beide, Akademie und Freundeskreis,
veranstalten gemeinsam die Kanzelrede und laden dazu zweimal im Jahr in die Erlöserkirche
an der Münchner Freiheit in München-Schwabing ein. Frau Grande ist die Nachfolgerin von
Prof. Dr. Hans-Joachim König, der acht Jahre den Gesamtfreundeskreis der Akademie mit
rund 1.500 Mitgliedern leitete.
Die Kanzelrede, sehr geehrte Damen und Herren, ist seit 1997 ein viel beachtetes Format
unserer Arbeit. An dieser Stelle haben schon Joachim Gauck, Gesine Schwan, Heribert Prantl,
Felix Finkbeiner, Leslie Mandoki sowie Christian Stückl gesprochen. Und jetzt: Dr. Charlotte
Knobloch. Schön, dass Sie bei uns sind!
Die heutige Kanzelrede ist eine doppelte Premiere: Zum einen ist Frau Dr. Knobloch die erste
Rednerin, die zum zweiten Mal die Kanzelrede der Evangelischen Akademie Tutzing hält.
Zum anderen findet in diesem Rahmen erstmals eine Preisverleihung statt – wir ehren
Charlotte Knobloch mit dem „Tutzinger Löwen“.
Dr. Charlotte Knobloch wurde 1932 in München geboren – als Tochter des Rechtsanwalts
Fritz Neuland. Sie überlebte den Holocaust in einem Versteck auf dem Land. 1945 kehrte sie
nach München zurück. Seit 1985 ist sie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde
München und Oberbayern. Sie war u.a. Vize-Präsidentin des World Jewish Congress und des
European Jewish Congress sowie Vize-Präsidentin und Präsidentin des Zentralrats der Juden
in Deutschland
Die Errichtung des neuen Jüdischen Zentrums mit Gemeindezentrum und Synagoge für die
auf rund 9.500 Mitglieder angewachsene Gemeinde der Stadt ist auf das Engste mit Charlotte
Knobloch verbunden. Die neue Münchener Hauptsynagoge Ohel Jakob wurde am 9.
November 2006 eröffnet. Das von der Stadt München gebaute und betriebene Jüdische
Museum sowie das Gemeindezentrum folgten im März 2007.
Neben den höchsten staatlichen und universitären Auszeichnungen und Ehrungen wurden
an Dr. Charlotte Knobloch eine Vielzahl deutscher, israelischer und internationaler
Preise verliehen.
Heute kommt eine weitere Auszeichnung hinzu – der „Tutzinger Löwe“. Er steht für
Weltoffenheit und Toleranz. Wir würdigen mit dieser Auszeichnung, verehrte Frau Dr.
Knobloch, Ihr Engagement für eine jüdische Gegenwart und Zukunft in Deutschland, wir
würdigen Ihren Maßstab setzenden Einsatz für Versöhnung sowie Ihr unbeugsames Eintreten
gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Und wir würdigen Ihre Unterstützung des
jüdisch-christlichen Dialogs.
Ich gratuliere Ihnen sehr herzlich und darf Ihnen den „Tutzinger Löwen“ überreichen…
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Sehr geehrte Damen und Herren, einhundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs,
75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, 76 Jahre nach der Reichspogromnacht –
und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, der friedlichen Revolution in Deutschland – sprechen
manche Historiker im Lichte der Ereignisse von 2014 als einem Epochenjahr, einem Jahr, in
dem entscheidende Weichenstellungen stattfinden. Hoffentlich geht es in die richtige
Richtung.
„Nie wieder!? – Geschichte prüft uns in der Gegenwart“ – so lautet das Thema, zu dem
Charlotte Knobloch vortragen wird.
Nie wieder – dieser Mahnruf hat z. B. evangelische und katholische Akademien in
Deutschland entstehen lassen. Als Diskurs-Orte, an denen die unterschiedlichen Kräfte, die
unsere Zivil- und Bürgergesellschaft prägen, um Lösungen wichtiger Fragen ringen. Als Orte
der Toleranz und der Zivilcourage. Wissen und Bildung machen es möglich, tolerant zu sein.
Mit Passivität hat das nichts zu tun, denn es geht nicht um Duldung, sondern um
Anerkennung und Wertschätzung, auf andere zuzugehen und verstehen zu wollen. Darauf
kommt es mehr denn je an. Und: Zivilcourage an den Tag zu legen, mutig Vorurteilen
entgegen zu treten. Diese sind – beklagenswert genug – unter Christinnen und Christen
gegenüber dem Judentum nach wie vor weit verbreitet.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in ihren drei Studien unter dem Titel
„Christen und Juden“ 1975, 1991 und 2000 einen wichtigen Beitrag zur Klärung zentraler
Fragen geleistet. In der 3. Studie, an deren Erarbeitung ich mitwirken durfte, wird als Konsens
festgehalten:
· Die Absage an den Antisemitismus
· Das Eingeständnis christlicher Mitverantwortung und Schuld am Holocaust
· Die Erkenntnis der unlösbaren Verbindung des christlichen Glaubens mit dem Judentum
· Die Anerkennung der bleibenden Erwählung Israels als Gottes Volk
· Die Bejahung des Staates Israel
Dass diese kirchenoffizielle Haltung noch nicht bei allen Mitgliedern angekommen ist, macht
die Größe dieser Aufgabe deutlich.
Eine offene Gesellschaft hat viele Feinde – sage ich unter Anspielung an das wohl wichtigste
Werk des Philosophen Karl Popper, das 1945 erschien. Den Feinden der offenen Gesellschaft
dürfen wir nicht das Feld überlassen. Schweigen, wegsehen – das ist keine Option. Wie es
scheint, verehrte Frau Dr. Knobloch, prüft uns die Geschichte in der Gegenwart. Helfen Sie
alle mit, sehr geehrte Damen und Herren, dass wir gemeinsam diese Prüfung bestehen.
Ehe Charlotte Knobloch gleich das Wort ergreift, möchte ich noch dem Kirchenvorstand der
Erlöserkirche zusammen mit Pfarrer Gerson Rabe sehr herzlich danken, dass wir hier zu Gast
sein dürfen. Der Dank gilt ferner unserem Kooperationspartner ARD-alpha, der die
Kanzelrede in der Reihe „Denkzeit“ senden wird – und zwar am 24. Januar, 22.30 Uhr. Wenn
Sie eine persönliche Einladung zur Kanzelrede erhalten möchten, teilen Sie uns dies bitte mit.
Und jetzt hat Charlotte Knobloch das Wort. Vielen Dank, dass Sie uns mit Ihrem Vortrag
herausfordern und inspirieren werden!
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Seele and Geist
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