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FLENDER supplies - Siemens

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Getriebeschmierung
für
Stirnrad-, Kegelrad-,
Kegelstirnradgetriebe,
Planetengetriebe und Getriebemotoren
(ausgenommen Schneckengetriebemotoren)
Montage‐ und Betriebsanleitung
BA 7300 de 09/2012
FLENDER supplies
Getriebeschmierung
Schmieröle
12
1
Schmierfette
12
2
Checkliste für Ölbefüllung
12
3
und Ölwechsel
für
Stirnrad-, Kegelrad-,
Kegelstirnradgetriebe,
Planetengetriebe und
Getriebemotoren
Dokumentationsblatt
zum Ölwechsel
12
4
12
(ausgenommen Schneckengetriebemotoren)
12
Montage‐ und Betriebsanleitung
12
Originale Montage‐ und Betriebsanleitung
12
12
12
12
12
BA 7300 de 09/2012
2 / 21
Hinweise und Symbole in dieser Montage‐ und Betriebsanleitung
Anmerkung:
Der Begriff "Montage- und Betriebsanleitung" wird im weiteren Verlauf auch kurz "Anleitung"
oder "Handbuch" genannt.
Rechtliche Hinweise
Warnhinweiskonzept
Diese Anleitung enthält Hinweise, die Sie zu Ihrer persönlichen Sicherheit sowie zur Vermeidung von
Sachschäden beachten müssen. Die Hinweise zu Ihrer persönlichen Sicherheit sind durch ein Warndreieck oder
ein "Ex"‐Zeichen (bei Anwendung der Richtlinie 94/9/EG) hervorgehoben, Hinweise zu alleinigen Sachschäden
durch ein "STOP"‐Zeichen.
WARNUNG vor drohender Explosion!
Die mit diesem Symbol gekennzeichneten Hinweise sind zur Vermeidung von Explosionsschäden
unbedingt zu beachten.
Bei Nichtbeachtung können Tod oder schwere Körperverletzung die Folge sein.
WARNUNG vor drohendem Personenschaden!
Die mit diesem Symbol gekennzeichneten Hinweise sind zur Vermeidung von Personenschäden
unbedingt zu beachten.
Bei Nichtbeachtung können Tod oder schwere Körperverletzung die Folge sein.
WARNUNG vor drohendem Produktschaden!
Die mit diesem Symbol gekennzeichneten Hinweise sind zur Vermeidung von Produktschäden
unbedingt zu beachten.
Bei Nichtbeachtung können Sachschäden die Folge sein.
HINWEIS!
Die mit diesem Symbol gekennzeichneten Hinweise sind als allgemeine Bedienungshinweise
zu beachten.
Bei Nichtbeachtung können unerwünschte Ergebnisse oder Zustände die Folge sein.
WARNUNG vor heißen Oberflächen!
Die mit diesem Symbol gekennzeichneten Hinweise sind zur Vermeidung von Verbrennungsgefahr
bei heißen Oberflächen unbedingt zu beachten.
Bei Nichtbeachtung können leichte oder schwere Körperverletzung die Folge sein.
Beim Auftreten mehrerer Gefährdungen wird immer der Warnhinweis zur jeweils höchsten Gefährdung
verwendet. Wenn in einem Warnhinweis mit dem Warndreieck vor Personenschäden gewarnt wird, dann kann
im selben Warnhinweis zusätzlich eine Warnung vor Sachschäden angefügt sein.
Qualifiziertes Personal
Das zu dieser Anleitung zugehörige Produkt oder System darf nur von für die jeweilige Aufgabenstellung
qualifiziertem Personal gehandhabt werden unter Beachtung der für die jeweilige Aufgabenstellung zugehörigen
Anleitung, insbesondere der darin enthaltenen Sicherheits- und Warnhinweise. Qualifiziertes Personal ist auf
Grund seiner Ausbildung und Erfahrung befähigt, im Umgang mit diesen Produkten oder Systemen Risiken zu
erkennen und mögliche Gefährdungen zu vermeiden.
BA 7300 de 09/2012
3 / 21
Bestimmungsgemäßer Gebrauch von Siemens-Produkten
Beachten Sie Folgendes:
Siemens-Produkte dürfen nur für die im Katalog und in der zugehörigen technischen Dokumentation
vorgesehenen Einsatzfälle verwendet werden. Falls Fremdprodukte und -komponenten zum Einsatz
kommen, müssen diese von Siemens empfohlen oder zugelassen sein. Der einwandfreie und sichere
Betrieb der Produkte setzt sachgemäßen Transport, sachgemäße Lagerung, Aufstellung, Montage,
Installation, Inbetriebnahme, Bedienung und Instandhaltung voraus. Die zulässigen Umgebungs‐
bedingungen müssen eingehalten werden. Hinweise in den zugehörigen Dokumentationen müssen
beachtet werden.
Marken
Alle mit dem Schutzrechtsvermerk ® gekennzeichneten Bezeichnungen sind eingetragene Marken der
Siemens AG. Die übrigen Bezeichnungen in dieser Anleitung können Marken sein, deren Benutzung durch Dritte
für deren Zwecke die Rechte der Inhaber verletzen kann.
Haftungsausschluß
Wir haben den Inhalt der Anleitung auf Übereinstimmung mit der beschriebenen Hard- und Software geprüft.
Dennoch können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden, so daß wir für die vollständige Übereinstimmung
keine Gewähr übernehmen. Die Angaben in dieser Anleitung werden regelmäßig überprüft, notwendige
Korrekturen sind in den nachfolgenden Ausgaben enthalten.
Symbole
Erdungsanschlußstelle
Entlüftungsstelle
gelb
Öleinfüllstelle
gelb
Ölablaßstelle
weiß
Ölstand
rot
Ölstand
rot
Ölstand
rot
Anschlußstelle
Schwingungsüberwachung
Schmierstelle
rot
Fett verwenden
Transportauge
Ringschraube
nicht aufschrauben
Ausrichtfläche, horizontal
Ausrichtfläche, vertikal
Diese Symbole beschreiben den Vorgang der Ölstandskontrolle mit
dem Ölmeßstab.
Diese Symbole weisen darauf hin, daß der Ölmeßstab immer fest
einzuschrauben ist.
BA 7300 de 09/2012
4 / 21
Inhaltsverzeichnis
1.
Schmieröle für Stirnrad-, Kegelrad-, Kegelstirnradgetriebe,
Planetengetriebe und Getriebemotoren
(ausgenommen Schneckengetriebemotoren) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6
1.1
1.2
1.2.1
1.2.2
1.2.3
1.3
1.4
1.5
1.6
1.7
1.7.1
1.7.2
1.8
1.9
1.10
1.11
1.11.1
1.11.2
Ölgruppen und Grundöle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Qualität, Kennziffern, Freigabelisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Erforderliche Qualität der zu verwendenden Getriebeöle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kennziffern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schmierstofffreigabelisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Öltemperaturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeine Ölgebrauchsdauern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Informationen zu Erstbefüllung und Ölwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Arbeitssicherheit, Umweltschutz und allgemeine Hinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorgehensweise beim Entleeren des Getriebes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ablassen der gebrauchten Ölfüllung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Prüfungen und Arbeiten vor Neubefüllung des Getriebes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einfüllen des neuen Getriebeöls . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spülprozedur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorgehensweise beim Wechsel der Ölsorte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ölproben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Entnahme der Ölprobe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bewertung der Testergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6
7
7
8
9
9
9
10
10
11
11
12
13
14
15
15
15
16
2.
Schmierfette für Getriebe und Wälzlager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
18
3.
Checkliste für Ölbefüllung und Ölwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
19
4.
Dokumentationsblatt zum Ölwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
20
BA 7300 de 09/2012
5 / 21
1.
Schmieröle für Stirnrad-, Kegelrad-, Kegelstirnradgetriebe, Planetengetriebe
und Getriebemotoren (ausgenommen Schneckengetriebemotoren)
Diese Montage‐ und Betriebsanleitung gilt nicht für Getriebe der WINERGY AG und
Flender Graffenstaden S.A.S. Diese Werke haben andere Anleitungen.
Für andere nicht in dieser Montage‐ und
“FLENDER‐Getriebe” gelten folgende Anleitungen:
Schiffsgetriebe:
Schneckengetriebe:
1.1
Betriebsanleitung
aufgeführte
BA 7301
BA 7303
Ölgruppen und Grundöle
Siemens Mechanical Drives (MD), Bocholt, unterscheidet bei Getriebeölen für “FLENDER-Getriebe”
folgende Ölgruppen:
•
Standardöle
•
Biologisch abbaubare Öle (auch als BIO abgekürzt)
•
Physiologisch unbedenkliche Öle mit Zulassung nach NSF-H1 (auch als PHY abgekürzt)
Die geprüften und empfohlenen Getriebeöle können auf Basis der folgenden vier Grundöle hergestellt
sein:
•
Mineralöle
•
Poly-α-Olefine (auch als PAO abgekürzt)
•
Polyglykole (auch als PG oder PAG abgekürzt)
•
synthetische Ester
In jeder Ölgruppe können theoretisch alle vier Grundöltypen vorkommen.
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1.2
Qualität, Kennziffern, Freigabelisten
1.2.1
Erforderliche Qualität der zu verwendenden Getriebeöle
Für “FLENDER-Getriebe” sind nur Öle mit CLP-Qualität zugelassen, die gemäß DIN 51517-3 Wirkstoffe
zur Erhöhung des Korrosionsschutzes und der Alterungsbeständigkeit sowie zur Herabsetzung des
Verschleißes im Mischreibungsgebiet enthalten. Die Öle müssen folgende Tests bestanden haben
(siehe auch die Spezifikation der Getriebeölfreigaben für “FLENDER-Getriebe“):
• Freßtragfähigkeit im FZG-Test nach DIN ISO 14635‐1
unter den Prüfbedingungen A/8.3/90
Schadenskraftstufe > 12
• FE-8 Wälzlagertest nach DIN 51819-3 unter
den Prüfbedingungen D-7.5/80-80
Wälzkörperverschleiß < 30 mg
Käfigverschleiß: Wert angeben
• Graufleckentragfähigkeit nach FVA 54 I-IV
GF-Schadenskraftstufe ≥ 10
Graufleckentragfähigkeit
GFT = hoch
• Flender‐Schaumtest
‐ Zunahme des Gesamtvolumens
1 Minute nach dem Abschalten
≤ 15 %
‐ Zunahme der Öl‐Luft‐Dispersion
5 Minuten nach dem Abschalten
≤ 10 %
• Statischer und dynamischer
“FLENDER-Freudenberg-Test” für Wellendichtringe
Freigabe durch Fa. Freudenberg
• Verträglichkeit mit Flüssig-Dichtungen
Freigabe durch Fa. Loctite
• “FLENDER-Mäder-Farbtest”
Freigabe durch Fa. Mäder
Ölgruppe, Grundöl und Viskositätsklasse gemäß der Angaben auf den
Typenschildern und die Hinweise in den Getriebedokumentationen sind
einzuhalten!
Zuwiderhandlungen führen zum Verlust der Gewährleistungsrechte.
Werden in der Anlage Ölfilter verwendet, ist vom Öllieferanten die Bestätigung
einzuholen, daß die Filter die Eigenschaften des Öls nicht negativ beeinflussen.
Eine eigenständige Verwendung von Ölen, die nicht den oben angegebenen
Qualitätsanforderungen entsprechen, setzen die Gewährleistungsverpflichtungen
von Siemens außer Kraft. Weiterhin ist die Beachtung der in dieser Betriebsanleitung
gegebenen Hinweise Voraussetzung für den Erhalt der Gewährleistungsrechte.
Abweichungen sind nur nach Rücksprache mit Siemens statthaft!
Nachträglich veränderte und von der Kundenbestellung abweichende
Einsatzbedingungen machen eine schriftliche Freigabe des zu verwendenden
Getriebeöls durch Siemens erforderlich.
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1.2.2
Kennziffern
Als Hilfestellung für seine Kunden hat Siemens MD, Bocholt, Öle in Freigabelisten zusammengefaßt.
Für diese Öle sind Siemens die oben genannten Testergebnisse von den Ölherstellern nachgewiesen
worden. Auch die weltweite Einhaltung der von Siemens geforderten Eigenschaften, Merkmale und
Mindestanforderungen wurde von den Ölherstellern garantiert.
Über Kennziffern in den Freigabelisten ist die Zuordnung der freigegebenen Öle zu den
Ölgruppen, den Grundölen und den Viskositäten definiert.
Die Kennziffer A13 kennzeichnet z. B. alle Standardmineralöle mit der Viskosität ISO VG 460.
Tabelle 1:
Kennziffern der Schmierstoffzuordnung, Standardöle
CLP-Öle für “FLENDER”-Stirnrad-, Kegelrad- und
Getriebemotoren
Planetengetriebe
sowie
ISO VG:
100
150
220
320
460
680
1000
Mineralöle
A 17
A 16
A 15
A 14
A 13
A 12
A 11
Polyglykole
A 27
A 26
A 25
A 24
A 23
A 22
A 21
Poly-α-Olefine
A 37
A 36
A 35
A 34
A 33
A 32
A 31
Tabelle 2:
Kennziffern der Schmierstoffzuordnung, biologisch abbaubare Öle
CLP-Öle für “FLENDER”-Stirnrad-, Kegelrad- und Planetengetriebe
Getriebemotoren
sowie
ISO VG:
100
150
220
320
460
680
1000
synthetische
Ester
A 47
A 46
A 45
A 44
A 43
A 42
A 41
Tabelle 3:
Kennziffern der Schmierstoffzuordnung, physiologisch unbedenkliche Öle
CLP-Öle für “FLENDER”-Stirnrad-, Kegelrad- und Planetengetriebe
Getriebemotoren
sowie
ISO VG:
100
150
220
320
460
680
1000
Polyglykole
A 57
A 56
A 55
A 54
A 53
A 52
A 51
Poly-α-Olefine
A 67
A 66
A 65
A 64
A 63
A 62
A 61
Tabelle 4:
Kennziffern der Schmierstoffzuordnung
Wälzlagerfette für die Verwendung in “FLENDER-Getrieben”
NLGI‐Klasse:
2
3
Mineralölbasis
H 14
H 13
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1.2.3
Schmierstofffreigabelisten
Die Freigabelisten “T 7300” mit den aktuellen Getriebeölempfehlungen
“FLENDER-Getriebe” sind im Internet als „FAQ“ unter folgendem Link verfügbar:
für
http://support.automation.siemens.com/WW/view/de/44231658
Wir empfehlen vor jedem Ölwechsel zu überprüfen, ob der gewählte Schmierstoff weiterhin
von Siemens freigegeben ist.
Die Freigabe dieser Getriebeöle für die Verwendung in “FLENDER-Getrieben” und die damit
verbundene Aufnahme in die entsprechenden Listen führt nicht dazu, daß Siemens für die Eignung und
Qualität der Öle haftet. Auch für eventuell entstandene Schäden an “FLENDER-Getrieben”, die aus der
Verwendung dieser Getriebeöle resultieren, haftet Siemens nicht.
Der Getriebeölhersteller haftet für die Eignung und die Qualität seines Produktes stets selbst.
1.3
Öltemperaturen
Synthetische Getriebeöle haben gegenüber Mineralölen einen größeren Temperatureinsatzbereich
und einen höheren Viskositätsindex, d. h. einen flacheren Viskositäts-Temperatur‐Verlauf.
Der Temperatureinsatzbereich der am häufigsten eingesetzten Grundöle kann annähernd wie folgt
definiert werden:
─ Mineralöle
ca. - 10 °C bis + 90 °C (kurzzeitig + 100 °C)
─ Polyglykole und Poly-α-Olefine
ca. - 20 °C bis + 100 °C (kurzzeitig + 110 °C)
─ Synthetische Ester
ca. - 15 °C bis + 90 °C
Die oberen und unteren Einsatztemperaturen einzelner Getriebeöle können von den
genannten Werten stark abweichen. Für Betriebsverhältnisse außerhalb der oben
genannten Temperaturbereiche geben Flammpunkt und Pourpoint Hinweise, die in der
Regel nicht als Betriebsgrenzwerte zu verstehen sind. Die Daten und Eigenschaften der
Getriebeöle können den technischen Datenblättern und Sicherheitsdatenblättern der
Ölhersteller entnommen werden.
Ohne Rücksprache mit Siemens dürfen die Einsatztemperaturen des Getriebes und
der Typ des Grundöls nicht geändert werden!
1.4
Allgemeine Ölgebrauchsdauern
Für die von Siemens freigegebenen Getriebeöle (siehe auch Punkt 1.2) werden von den Ölherstellern
die unten aufgeführten Lebensdauern ohne wesentliche Veränderungen der Ölqualitäten garantiert.
Diese Festlegungen gelten für durchschnittlich 80 °C Öltemperatur im Ölsumpf des Getriebes.
─ Mineralöle und synthetische Ester:
2 Jahre oder 10 000 Betriebsstunden
─ Poly-α-Olefine und Polyglykole:
4 Jahre oder 20 000 Betriebsstunden
Die tatsächlichen Gebrauchsdauern können davon abweichen. Hier gilt die Regel, daß eine
Temperaturerhöhung um 10 K die Gebrauchsdauer in etwa halbiert und eine
Temperaturverringerung um 10 K die Gebrauchsdauer in etwa verdoppelt.
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1.5
Informationen zu Erstbefüllung und Ölwechsel
Der Reinheitsgrad des Getriebeöls beeinflußt die Betriebssicherheit und Lebensdauer des Öls und des
Getriebes. Es muß daher stets auf sauberes Öl im Getriebe geachtet werden. Für die Erstbefüllung und
die Ölwechsel sind auch die gegebenenfalls ergänzenden Vorschriften in der Anleitung des Getriebes
zu beachten.
Eine sorgfältige Erstbefüllung sowie ein sorgfältiger Ölwechsel tragen wesentlich zur Erhöhung der
Betriebssicherheit und der Standzeit sowohl des Getriebes als auch des Öls bei.
Beim Öleinfüllen sowie beim Ölwechsel dürfen keine Verunreinigungen wie
Fremdkörper, Wasser oder andere Flüssigkeiten in das Getriebeinnere gelangen.
Bei großen Ölmengen empfiehlt es sich, die Notwendigkeit einer Ölreinigung oder eines
Ölwechsels vom Ergebnis einer Ölanalyse abhängig zu machen.
Zur Protokollierung wird die Verwendung von Tabelle 7 (siehe Kapitel 4) empfohlen.
1.6
Arbeitssicherheit, Umweltschutz und allgemeine Hinweise
Alle Arbeiten am Getriebe sind sorgfältig und nur von qualifiziertem Personal durchzuführen (siehe auch
“Qualifiziertes Personal” auf Seite 3 dieser Anleitung).
Folgende Vorschriften und Dokumente sind zu berücksichtigen:
─ Vorschriften zur Arbeitssicherheit und zum Umweltschutz.
─ Vorschriften zur Altölentsorgung.
Getriebeöle sind wiederverwertbare Stoffe; bei ihrer Entsorgung sind die vor Ort geltenden
gesetzlichen Regelungen zu beachten.
─ Produktdatenblätter der verwendeten Öle, gegebenenfalls einschließlich des Spülöles
─ Sicherheitsdatenblätter der verwendeten Öle und Hilfsmittel
─ Betriebs- und Wartungsanleitungen der zum Erstbefüllen oder zum Ölwechsel vorgesehenen
Getriebe einschließlich der Ölversorgungsanlage
─ Dokumentationsblatt zum Ölwechsel (siehe Tabelle 7)
Folgende Vorbereitungen am Getriebe sind zu treffen:
─ Geeigneter Körperschutz ist zu benutzen (Hautpflegemittel, Handschuhe, Arbeitsschuhe,
Schutzbrille, Gehörschutz usw.).
─ Für ausreichende Platzverhältnisse und Sauberkeit am Arbeitsplatz ist zu sorgen.
─ Bereitstellung von folgenden Hilfsmitteln und Teilen:
─ geeignete Ölauffang- und/oder Entnahmegeräte in ausreichender Größe
─ geeignete gereinigte Geräte und Behälter für eine Ölprobenentnahme (siehe Punkt 1.11)
─ geeignete Geräte zur Beschriftung der Ölprobe
─ ausreichende Menge an sauberem Spülöl (wenn erforderlich)
─ richtige Sorte und ausreichende Menge an Frischöl zur Neubefüllung des Getriebes
─ gereinigtes Befüllsystem und weitere Hilfsmittel einschließlich der Befüllfilter
─ neue Dichtungen (wenn erforderlich)
─ Ölbinde- und Reinigungsmittel
─ fusselfreie und saubere Putzlappen in ausreichender Menge
Bei der Erstbefüllung ist die in Punkt 1.8 beschriebene Vorgehensweise einzuhalten.
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1.7
Vorgehensweise beim Entleeren des Getriebes
Die Verwendung der Checkliste in Tabelle 6 wird als Hilfsmittel empfohlen.
Vor dem Ölwechsel sollte immer eine Ölprobe des noch betriebswarmen Öles aus dem Getriebe
gezogen werden, die für spätere Überprüfungen dokumentiert und aufbewahrt wird (siehe Punkt 1.11).
1.7.1
Ablassen der gebrauchten Ölfüllung
─ Hinweise in der Betriebsanleitung des Getriebes zum Ablassen des Altöles beachten. Dies gilt
besonders auch für Zentralschmieranlagen und andere Ölversorgungseinrichtungen. Wenn keine
entsprechenden Hinweise vorhanden sind, ist der tiefstmögliche Punkt zum Ablassen/Absaugen des
Öles zu verwenden.
─ Getriebe stillsetzen und gegen Inbetriebnahme schützen.
─ Ölstand kontrollieren und dokumentieren.
Ein Ölstand oberhalb der Max-Markierung kann ein Anzeichen für eingedrungene
Fremdflüssigkeit sein (z. B. Wasser).
Ein Ölstand unterhalb der Min-Markierung kann ein Anzeichen für eine Undichtigkeit sein.
Beide Zustände sind als Störung einzustufen und können zu einem Getriebeschaden führen.
Vor Neubefüllung muß die Ursache geklärt und gegebenenfalls behoben werden!
Der Ölwechsel sollte möglichst kurze Zeit nach dem Abschalten des Getriebes erfolgen, um
das Absetzen eventueller Feststoffe zu vermeiden.
Sollte dies nicht möglich sein, muß das Getriebe vor dem Ablassen des Öls nochmals
kurzzeitig in Betrieb genommen werden.
Das Ablassen des Öls sollte möglichst bei warmem Öl (ca. 50 °C) erfolgen.
Verbrühungsgefahr durch austretendes heißes Öl !
─ Sichtkontrolle auf mögliche Leckagen. Bei Leckagen ist die Ursache zu suchen und vor Neubefüllung
zu beheben.
─ Vor dem Ablassen oder Absaugen des Öles alle vorhandenen Entlüftungsöffnungen öffnen.
─ Das Auffanggefäß unter dem Ölablaß positionieren.
─ Öl ablassen oder absaugen, gegebenenfalls vorhandene Öltaschen ebenfalls entleeren.
Verbrühungsgefahr durch austretendes heißes Öl !
Ablaß vorsichtig öffnen.
─ Das ablaufende Öl ist vorschriftsmäßig aufzufangen. Gegebenenfalls sind Nebenaggregate (wie
Ölversorgungsanlagen, Filter) und Verrohrungen ebenfalls zu leeren.
─ Bei Getrieben mit Ölumlaufschmierung und Ölversorgungsanlagen ist das ölführende System nach
den Herstellervorschriften in der Betriebs- und Wartungsanleitung zu entleeren.
Eventuell vorbeifließendes Öl ist sofort mit Ölbindemittel zu binden und
vorschriftsmäßig zu entsorgen!
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1.7.2
Prüfungen und Arbeiten vor Neubefüllung des Getriebes
─ Die abgelassene Ölmenge ist mit der Nennfüllmenge des Herstellers zu vergleichen. Weicht diese
trotz eines korrekten Ölstands erheblich nach unten ab, ist von deutlichen Restmengen Altöl im
Getriebe und/oder in Nebenaggregaten auszugehen.
In diesem Fall ist die unter Punkt 1.9 beschriebene Spülprozedur notwendig.
─ Das abgelassene Öl ist visuell zu prüfen (Aussehen, Farbe, Verschmutzung usw.).
─ Sind starke Verunreinigungen vorhanden (z. B. Wasser, metallische Partikel, Schlamm), ist eine
Fachkraft (bevorzugt Siemens‐Spezialist) zwecks Ursachenfindung hinzuzuziehen.
Das Schmierölsystem muß dann vor der Neubefüllung gründlich gespült werden
(siehe Punkt 1.9).
─ Ölablaßschrauben mit Magnet oder vorhandene Magnetabscheider sind auf metallischen Abrieb zu
prüfen und zu reinigen. Bei Verdacht auf erhöhten Abrieb ist eine Fachkraft (bevorzugt
Siemens‐Spezialist) zwecks Ursachenfindung hinzuzuziehen.
─ Bei Getrieben mit Inspektionsöffnungen sind der Getriebeinnenraum auf Ablagerungen und die
Verzahnung sowie die Lager auf Schäden zu prüfen. Eventuelle Beschädigungen sind zu beseitigen.
Bei starken Ablagerungen oder sonstigen Verunreinigungen ist die unter Punkt 1.9 beschriebene
Spülprozedur nötig. Ist offensichtlich, daß die Verunreinigungen durch eine Spülung allein nicht zu
beseitigen sind, sind diese mechanisch zu entfernen. Vorratsbehälter können z. B. mit einem
Gummischaber restentleert werden.
Vor dem Öffnen von Inspektionsdeckeln an Getrieben ist die Umgebung der
Inspektionsöffnung gründlich zu säubern, damit beim Öffnen des Deckels keine
Verschmutzung von außen in den Getriebeinnenraum gelangen kann.
─ Vorhandene Ölfilter und Dichtungen sind gemäß Vorschrift zu säubern oder zu wechseln.
─ Das Altöl ist vorschriftsmäßig zu entsorgen.
Bei bestimmten synthetischen Ölen oder Verunreinigungen können andere
Entsorgungsmaßnahmen notwendig werden als bei normalen Gebrauchtölen. Die
Öldatenblätter sind zu beachten.
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1.8
Einfüllen des neuen Getriebeöls
Bei Erstbefüllung wird die Verwendung von Tabelle 6 “Ölwechselcheckliste” ab Punkt 27 als
Hilfsmittel empfohlen.
Bei einem Ölwechsel ist das Getriebe grundsätzlich nur mit Frischöl des vorher
verwendeten Produktes zu befüllen. Gegebenenfalls sind die Angaben zur
geforderten Reinheitsklasse in der Betriebsanleitung zu beachten. Für einen
Wechsel der Ölmarke oder gar des Grundöltyps müssen wichtige Gründe vorliegen.
Bei Unverträglichkeiten der vorher und nachher verwendeten Öle ist eine
Spülprozedur notwendig (siehe Punkt 1.9).
Es ist empfehlenswert, für spätere Vergleiche eine Ölprobe des Frischöles vor der Befüllung
als Rückstellprobe aufzubewahren.
Folgende Schritte sind durchzuführen:
─ Sitze der Entlüftungsdeckel, Ablaßschrauben usw. reinigen.
─ Vorher geöffnete Entlüftungsdeckel, Ablaßschrauben usw. bei Bedarf mit neuen Dichtungen
versehen und schließen.
─ Eine eventuell notwendige Spülprozedur ist an dieser Stelle zu integrieren. Soweit dazu keine
Vorschriften vom Getriebe- und/oder Ölhersteller bestehen, wird die Vorgehensweise wie unter
Punkt 1.9 beschrieben empfohlen.
─ Frischöl visuell auf folgende Parameter prüfen:
─ Homogenität
─ Freiheit von festen Verunreinigungen und Wasser (Trübung)
─ Farbe und Aussehen nach den produktspezifischen Daten des Ölherstellers
─ Frischöl bis zum vorgeschriebenen Füllstand einfüllen.
Die Angabe der Ölmenge auf den Typenschildern ist nur ein Richtwert. Entscheidend
für die einzufüllende Ölmenge sind die Markierungen des Ölmeßstabes oder der
sonstigen Ölstandsanzeigesysteme.
─ Frischöl kann verunreinigt sein. Die Ölbefüllung sollte deshalb über einen Filter gemäß Betriebs- und
Wartungsanleitung erfolgen. Sind keine Angaben hierzu vorhanden, haben sich Einfüllfilter mit einer
Filterfeinheit von 10 μm bewährt. Hierbei empfiehlt es sich, das Öl auf 35 bis 40 °C vorzuwärmen.
Manchmal genügt es auch, das zum Befüllen des Getriebes vorgesehene Öl vor dem Einfüllen ca.
2 bis 3 Tage in einem ca. 25 °C warmen Raum zu lagern.
─ Gegebenenfalls Nebenaggregate (Ölanlagen, Filter etc.) und Verrohrungen ebenfalls befüllen.
─ Nach kurzer Betriebszeit (ca. 10 Minuten) und einer Ruhezeit von mindestens 15 Minuten ist der
Ölstand erneut zu prüfen und wenn notwendig Öl nachzufüllen oder abzulassen.
Es wird empfohlen, ca. 5 Betriebsstunden nach dem Ölwechsel eine Ölprobe aus dem
Getriebe zu entnehmen, die für spätere Überprüfungen dokumentiert und aufbewahrt wird.
─ Dokumentationsblatt zum Ölwechsel (siehe Tabelle 7) fertig ausfüllen und aufbewahren.
─ Nach spätestens einer Woche den Ölfilter (falls vorhanden) auf Ablagerungen kontrollieren und
gegebenenfalls reinigen oder ersetzen. Es können sich im System verbliebene Verschmutzungen
gelöst haben und die Filter blockieren.
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1.9
Spülprozedur
Bei einem Wechsel der Ölmarke, speziell des Grundöltyps, bei größeren
Verschmutzungen des eingefüllten Getriebeöls oder nach größeren Reparaturen an
dem Getriebe ist vor der endgültigen Befüllung des Systems mit dem Betriebsöl eine
Spülprozedur erforderlich.
Gegebenenfalls in der Getriebebetriebsanleitung vorhandene Angaben zur Spülung müssen
eingehalten werden. Die nachfolgende Vorgehensweise ist beispielhaft und den örtlichen
Gegebenheiten anzupassen.
Der geschilderte Ablauf ist zusätzlich zu den für einen Ölwechsel beschriebenen
Tätigkeiten vorzusehen und an der entsprechenden Stelle des Ablaufplanes zu integrieren.
─ Getriebe gegen Inbetriebnahme schützen
─ Zur Spülung sollte die später zu verwendende Schmierölsorte verwendet werden, um
Unverträglichkeiten zu vermeiden. Zur besseren Spül‐ und Lösewirkung kann gegebenenfalls eine
niedrigere Viskositätsstufe derselben Ölsorte gewählt werden. Dabei sind die
Schmieranforderungen aller Komponenten einschließlich der Pumpen zu berücksichtigen.
Die Verwendung spezieller Reinigungs‐ oder Spülöle ist möglich und manchmal nicht zu
umgehen.
Bei Verwendung spezieller Reinigungs- oder Spülöle ist die vorherige Abstimmung
mit dem Öllieferanten und Siemens erforderlich.
─ Das Spülöl ist, wie beim Ölwechsel für das Frischöl unter Punkt 1.8 beschrieben, vor der Verwendung
visuell zu prüfen.
─ Das System ist mit dem für die Spülung vorgesehenen Öl soweit zu befüllen, daß ein kurzzeitiger
Betrieb im Leerlauf oder Teillastbereich ohne Störungen möglich ist.
Erwärmtes Spülöl verbessert die Spülwirkung und verkürzt die notwendige Spülzeit. Wegen
der Verbrühungsgefahr sollten 50 °C nicht überschritten werden.
Verbrühungsgefahr durch austretendes heißes Öl !
─ Eventuell vorhandene Nebenaggregate sind bei der Befüllung mit Spülöl zu berücksichtigen. Bei
Bedarf sollten diese separat befüllt und nach dem Spüllauf wieder entleert werden.
─ Das Getriebe ist mit der Spülölfüllung kurzzeitig zu betreiben, um eine intensive Vermischung mit
dem im System verbliebenen Restöl zu erreichen und Verunreinigungen so weit wie möglich zu
lösen. Wenn in den Betriebs- und Wartungsanleitungen keine Spülzeit angegeben wird, werden
mindestens 10 bis 60 Minuten empfohlen. Je größer die Betriebsölmenge und je stärker die
Verschmutzung, umso länger sollte gespült werden.
Es wird empfohlen, während des Spülvorganges das Spülöl im Nebenstrom zu reinigen.
─ Anschließend wird das Spülöl abgelassen. Die Vorgehensweise ist mit dem Ablassen des
Gebrauchtöls identisch (siehe Punkt 1.7.1).
─ Das Spülöl ist visuell zu kontrollieren. Bei nach wie vor im Öl und/oder im Getriebe vorhandenen nicht
zu tolerierenden Verunreinigungen ist diese Spülprozedur zu wiederholen, bis das gewünschte
Ergebnis erreicht wird.
Das Spülöl kann, je nach Zustand, gereinigt und als Spülöl wieder verwendet oder muß entsorgt werden.
Die Verwendung des Spülöls als Betriebsöl ist nicht zulässig.
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1.10
Vorgehensweise beim Wechsel der Ölsorte
Ein Wechsel der Ölsorte sollte nur aus wichtigen Gründen im Ausnahmefall erfolgen.
Insbesondere beim Wechsel auf einen anderen Grundöltyp oder auf ein Öl mit stark
unterschiedlicher Additivtechnologie kann es zu Unverträglichkeiten kommen.
Die Verträglichkeit unterschiedlicher Getriebeöle können letztendlich nur die Ölhersteller
beurteilen. Deshalb ist es dringend ratsam, diese in den Entscheidungsprozeß mit
einzubeziehen.
Bei einem Ölwechsel auf ein Schmieröl mit einem anderen Grundöltyp oder mit
unterschiedlicher Additivtechnologie muß die gesamte Anlage unbedingt nach dem
Ablassen des Gebrauchtöls gründlich gesäubert und gespült werden (siehe
Punkt 1.9). Das Spülöl kann in diesem Fall maximal noch ein zweites Mal zum Spülen
des gleichen Getriebes eingesetzt werden. Danach muß das Spülöl entsorgt werden.
Beim Wechsel der Ölsorte auf eine neue Ölsorte ähnlicher Zusammensetzung ist ebenfalls
eine Spülprozedur entsprechend Punkt 1.9 zu empfehlen.
Die folgenden Punkte müssen bei einem Wechsel des Grundöltyps zusätzlich beachtet werden:
1.11
•
Die Verträglichkeit mit anderen Getriebekomponenten, z. B. Dichtungsmaterialien oder Lacken und
Anstrichen, mit dem neuen Öl muß geprüft werden. Empfehlenswert sind die von Siemens
freigegebenen Öle (siehe Punkt 1.2).
•
Bei Ölen höherer Dichte können Kavitationsprobleme auftreten, gegebenenfalls sind höhere
Saugleitungsquerschnitte notwendig.
Ölproben
1.11.1 Entnahme der Ölprobe
•
Zur Referenz ist eine Frischölprobe des eingesetzten Betriebsschmieröles vor der Getriebebefüllung
von dem Labor untersuchen zu lassen, in dem später auch die Proben des Gebrauchtöles geprüft
werden sollen. Die Testergebnisse sind für spätere Vergleiche zu protokollieren und aufzubewahren.
•
Die Ölprobe ist so zu entnehmen, dass sie repräsentativ ist. Eine Voraussetzung dafür ist eine
möglichst große Homogenität der Ölfüllung. Daher sollte die Entnahme der Ölprobe, wenn möglich,
bei laufendem Getriebe, in betriebswarmen Zustand, an der gleichen Stelle und stets nach der
gleichen Methode durch die gleiche Fachkraft durchgeführt werden. Bei notwendigem Stillstand des
Getriebes ist die Probe innerhalb von 10 Minuten nach Außerbetriebnahme zu entnehmen.
Hierdurch wird eine Entmischung oder Absetzung weitgehend vermieden.
•
Wichtig ist bei der Auswahl der Entnahmestelle, daß das bewegte Öl zugänglich ist. Orte mit nicht
bewegtem Öl oder Proben von der direkten Öl-Oberfläche oder vom Boden sind zu vermeiden. Beim
Vorhandensein eines Filters im Ölkreislauf ist die Entnahmestelle vor den Filter zu legen.
•
Die Entnahmestelle ist vor der Entnahme der Ölprobe zu reinigen. Während der Entnahme der Probe
ist das Eindringen von Feuchtigkeit (Wasser) und Verunreinigungen (z. B. Staub) aus der Umgebung
zu vermeiden.
•
Die benötigte Größe der Probe richtet sich nach dem notwendigen Untersuchungsumfang. Im
Zweifelsfall wird eine Rücksprache mit dem Untersuchungslabor empfohlen. Für
Routineuntersuchungen reichen in der Regel 250 ml. Die Probenbehälter sollen geeignete saubere
und trockene Gefäße mit dichten Verschlüssen sein (siehe die Norm ISO 3722 Hydraulic fluid
power-Fluid sample containers–Qualifying and controlling cleaning methods <4>). Sie müssen
gegenüber dem Probegut bis zur Betriebsöltemperatur beständig sein. Bewährt haben sich
transparente und dicht verschließbare Weithalsflaschen aus Glas oder HD-PE. Wenn eine
Reinigung der Probenbehälter notwendig sein sollte, empfiehlt es sich, diese vor Ort mehrmals mit
dem Betriebsöl gründlich zu spülen. Das Spülöl ist anschließend zu entsorgen.
Milch-, Wein-, Bier-, Mineralwasserflaschen oder andere Behälter, die zur Aufbewahrung
von Lebensmitteln dienen, dürfen nicht als Probenbehälter verwendet werden, auch nicht,
wenn sie entsprechend gereinigt und gekennzeichnet sind.
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•
Der Probenbehälter ist mit einem abriebfesten Stift oder durch ein unverlierbares Etikett zu
beschriften. Die Angabe folgender Daten wird empfohlen:
─ Firma / Anlagenbetreiber
─ Bezeichnung und gegebenenfalls Seriennummer der Anlage
─ gegebenenfalls Entnahmestelle der Probe
─ Ölsorte / Handelsbezeichnung
─ Datum der Probenentnahme
Zusätzlich zu den Angaben auf dem Probenbehälter muß ein Probenbegleitschein ausgefüllt werden,
der eindeutig der Probe zugeordnet werden kann. Eine Kopie des Probenbegleitscheins sollte bei der
Getriebedokumentation abgelegt werden.
•
Nach der Entnahme der Probe ist der Ölstand zu prüfen und falls erforderlich durch die Zugabe von
Frischöl zu korrigieren.
1.11.2 Bewertung der Testergebnisse
Der Wassergehalt im Öl ist wie folgt zu bewerten:
•
Mineralöle, PAO, nicht-wasserlösende Polyglykole, Ester:
< 300 ppm
= 0,03 %
⇒ in Ordnung
300 ppm ‐ 600 ppm = 0,03 % ‐ 0,06 %
> 600 ppm
•
= 0,06 %
⇒ Beobachtung, Trendverhalten prüfen, falls
erforderlich Rücksprache mit Siemens.
⇒ nicht in Ordnung; Ursache ermitteln und
abstellen; falls erforderlich Öl wechseln.
wasserlösende Polyglykole:
< 15.000 ppm
15.000 ppm ‐
20.000 ppm
> 20.000 ppm
= 1,5 %
⇒ in Ordnung
= 1,5 % ‐ 2,0 %
⇒ Beobachtung, Trendverhalten prüfen, falls
erforderlich Rücksprache mit Siemens.
= 2,0 %
⇒ nicht in Ordnung; Ursache ermitteln und
abstellen; falls erforderlich Öl wechseln.
•
Die Abweichung der Ölviskosität der Ölprobe von der Ölviskosität des in den technischen Daten
angegebenen Öles sollte 10 % nicht überschreiten.
•
Die Ölreinheit sollte nicht schlechter sein als nachfolgend angegeben:
-/20/15 nach ISO 4406
Dem Testlabor ist mitzuteilen, daß zum Messen das Öl mit Toluol zu verdünnen ist.
•
Trendanalysen der gemessenen Elementgehalte sind meist wichtiger als die Größe der
Absolutwerte. Ohne Filterung sind naturgemäß höhere Verschmutzungswerte zu erwarten als bei
Anlagen mit Filterung.
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Tabelle 5:
Mögliche Ursachen von Änderungen der Testergebnisse (Trendanalyse)
Änderung
mögliche Ursachen
─
kurzkettige Bestandteile verdampft
─
hochviskose Fremdflüssigkeiten / Fette eingedrungen
─
langkettige Bestandteile gekrackt
─
VI-Verbesserer geschert / verbraucht
─
niedrigviskose Fremdflüssigkeiten eingedrungen
TAN (NZ) ↑
─
Öl gealtert, Säuren entstanden
PQ‐Index ↑
─
Verschleiß von magnetisierbaren Stoffen (insbesondere Fe)
Fe ↑
─
Verschleiß und Oxidation an Zahnrädern und Wälzlagern,
Gehäusekorrosion
Cr ↑
─
Verschleiß an Wälzlagern, Zahnrädern
Ni ↑
─
Verschleiß an Wälzlagern, Zahnrädern
Al ↑
─
Verschleiß Ölpumpenlager
Cu ↑
─
Verschleiß an Wälzlagerkäfig, Gleitlager
Zn ↑
─
aus Grundanstrich ausgewaschen
Zn ↓
─
Additiv mit Zn-Anteil verbraucht
Sn ↑
─
Verschleiß an Gleitlagern
Si ↑
─
Verschmutzung von außen (Staub)
Si ↓
─
Anti-Schaum-Additiv verbraucht
Ca ↑
─
Verschmutzung von außen (z. B. Kalk-Staub)
Öl getrübt
─
Verschmutzung durch Wasser und/oder andere Fremdflüssigkeiten (auch
Öle)
Öl dunkler
─
Öl gealtert
Viskosität ↑
Viskosität ↓
Über die weitere Verwendbarkeit des Öles muß der Öllieferant entscheiden. Er hat
die Einhaltung der Öleigenschaften gemäß der Siemens-Spezifikation zu
garantieren.
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2.
Schmierfette für Getriebe und Wälzlager
In besonderen Einsatzfällen der Getriebe kann eine Fettschmierung der Lager erforderlich sein.
Fette dürfen nur dann verwendet werden, wenn dieses in den Betriebsanleitungen
der Getriebe vorgeschrieben ist. Die Fristen für Nachschmierungen sind unbedingt
einzuhalten.
Wälzlagerfette dienen außer zum Schmieren zum besonderen Abdichten von Lagerstellen, z. B. bei
vertikalen Getriebeanschlußwellen oder bei Umgebungseinwirkung durch Staub oder Spritzwasser.
In geschlossenen Getrieben mit innerer Ölschmierung darf es nicht zu Vermischung des
Getriebeöls mit Lagerfett kommen.
Die Freigabelisten “T 7300” mit den aktuellen Fettempfehlungen für “FLENDER-Getriebe”
sind im Internet als ”FAQ“ unter folgendem Link verfügbar:
http://support.automation.siemens.com/WW/view/de/44231658
Wir empfehlen bei Verwendung von Fetten jährlich zu überprüfen, ob der gewählte
Schmierstoff weiterhin von Siemens freigegeben ist.
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3.
Checkliste für Ölbefüllung und Ölwechsel
Tabelle 6:
Ölwechselcheckliste
1
Ölwechselprotokoll zum Ausfüllen bereit?
□
21
Getriebeinnenteile auf Schäden überprüft,
repariert oder ersetzt (falls erforderlich)?
□
2
Ausreichend Frischöl vorhanden?
□
22
Getriebe und Ölversorgungsanlage mit
Verrohrung gespült (falls erforderlich)?
□
3
Ausreichend großes Auffanggefäß und
Gebrauchtölgefäß(e) vorhanden?
□
23
Ölfilter gesäubert oder ersetzt
(falls erforderlich)?
□
4
Ausreichend Ölbinde- und Reinigungsmittel
vorhanden?
□
24
Dichtungen gewechselt?
□
5
Ausreichend Platz für Ölwechsel vorhanden?
□
25
Geöffnete Entlüftungs‐ und Ablaßstellen wieder
geschlossen?
□
6
Ölproben (Gebraucht- und Frischöl)
entnommen und eingelagert?
□
26
Ursache(n) von Undichtigkeiten beseitigt
(siehe Punkt 10)?
□
7
Schutzbekleidung (Brille, Handschuhe etc.)
vorhanden und verwendet?
□
27
Frischöl visuell geprüft?
□
8
Ölwechsel durch Fachpersonal?
□
28
Öleinfüllöffnung(en) geöffnet?
□
9
Wartungsanleitungen der Getriebe- und/oder
Ölversorgungsanlagenhersteller gelesen?
□
29
Frischöl über Filter bis Markierung an der
Ölstandskontrollstelle eingefüllt?
□
10
Undichtigkeiten des Antriebs und/oder Abtriebs
nach Sichtkontrolle protokolliert?
□
30
Öleinfüllöffnung geschlossen?
□
11
Gebrauchtöl zwischen 30 und 50 °C warm und
Antrieb eingeschaltet?
□
31
Antrieb kurzzeitig (ca. 10 Minuten) in Betrieb
genommen?
□
12
Antrieb stillgesetzt und gegen
Wiederinbetriebnahme gesichert?
□
32
Ölstand geprüft (nach min. 15 Minuten
Ruhezeit)?
□
13
Entlüftungsöffnung geöffnet?
□
33
Öl nachgefüllt oder abgelassen, bis der
Ölstand in Ordnung ist (falls erforderlich)?
□
14
Auffanggefäß unter den Ölablaß gestellt?
□
34
Ölwechselprotokoll komplett ausgefüllt?
□
15
Ablaß vorsichtig geöffnet?
□
35
Ölprobe des Gebrauchtöls geprüft?
□
Achtung ‐ Verbrühungsgefahr!
16
Gebrauchtöl komplett abgelassen?
□
36
Gebrauchtöl sachgerecht entsorgt?
□
17
Nebenaggregate, Öltaschen und Verrohrungen
geleert (wenn vorhanden)?
□
37
Ölprobe des neuen Betriebsöles nach
ca. 5 Stunden entnommen und eingelagert
(zur Kontrolle bei Wechsel der Ölsorte)?
□
18
Vorbeifließendes Öl sofort mit geeignetem
Material gebunden?
□
38
Bindemittel und Putzlappen sachgerecht
entsorgt?
□
19
Gebrauchtöl begutachtet und protokolliert?
□
39
Antrieb wieder in Betrieb genommen?
□
20
Getriebe und sonstige Aggregate gründlich
gesäubert?
□
40
Filter geprüft und gesäubert oder ersetzt
(nach spätestens einer Woche Betrieb)?
□
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4.
Dokumentationsblatt zum Ölwechsel
Tabelle 7:
Ölwechsel‐Ölbefüllungsprotokoll
Ölwechsel-Ölbefüllungsprotokoll
Anlage: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Getriebe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Datum: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Betriebsstunden: . . . . . . . . . . . . . . . . .
letzter Ölwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . .
laut Typenschild
zu verwendendes Öl: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Menge laut Typenschild: . . . . . . . . . . .
Zustand vor dem Ölwechsel
Benennung des Öls: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Getriebe / Ölversorgungsanlage dicht?
ja □
Ölfüllstand: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
nein □
Filter verschmutzt?
ja □
nein □
Betriebstemperatur: . . . . . . . . . . . . . . °C
sonstige Auffälligkeiten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
.......................................................................................................
Gebrauchtöl
Kennzeichnung der Gebrauchtölprobe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Labornummer: . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Menge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ergebnis der visuellen Prüfung des Öls: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Getriebe / Ölversorgungsanlage
Ablagerungen?
ja □
nein □
Ergebnis der visuellen Prüfung des Öls: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Frischöl
Benennung des Öls: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bezeichnung der Frischölprobe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Labornummer: . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
beim Einfüllen gefiltert
eingefüllte Menge: . . . . . . . . . . . . . . . .
ja □
nein □
Filterfeinheit: . . . . . μm
Ergebnis der visuellen Prüfung des Öls: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wurde das Getriebe und/oder die Ölversorgungsanlage vor der Frischölbefüllung gespült?
ja □
mit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
nein □
Auffälligkeiten (falls zutreffend): . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
.......................................................................................................
Bezeichnung der 5‐Stunden Betriebsölprobe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Labornummer: . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Name des Protokollanten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Abteilung: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Datum: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unterschrift:
BA 7300 de 09/2012
20 / 21
Weitere Informationen
"FLENDER gear units" im Internet
www.siemens.de/getriebe
"FLENDER couplings" im Internet
www.siemens.de/kupplungen
Service & Support:
http://support.automation.siemens.com/WW/view/de/10803928/133300
Schmierstoffe:
http://support.automation.siemens.com/WW/view/de/42961591/133000
Siemens AG
Industry Sector
Mechanical Drives
Alfred-Flender-Straße 77
46395 Bocholt
DEUTSCHLAND
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© Siemens AG 2012
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