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Ausgabe Samstag : „Jung begeistert“ - Evangelische Zeitung

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EVANGELISCHE
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Foto: epd-bild
KIRCHENtages
ZEITUNG
Son
Jung begeistert
31
THEM A DES TAGE S |SEI TE 21 BIS
Wieviel
Jahre
brauchst du?
PUBLIKUMSMAGNET| SEITE 19
Schmunzeln und Staunen
Bei Hirnforscher Spitzer
wurde genau hingehört
Unsere Tagestipps
Wohlstandsevangelium,
Diskussionsveranstaltung
16 UHR ERLÖSERKIRCHE BORGFELDE
Fahrradgottesdienst
REPORTAGE | SEITE 15
14 UHR FISCHMARKT
Treibhaus Hamburg
Die lange Nacht der Psalmen
Stadtrundgang auf den
Spuren des Klimawandels
20 UHR EPIPHANIENKIRCHE
Programmtipps
SEITE 13
KI RCHENTAG
2|
KO M M E N T I E R T
Halbzeit beim Kirchentag
Wie die Tage
vergehen
Halbzeitbilanz: Gerade begonnen, ist
der Kirchentag auch schon wieder fast
vorbei. Zum gestrigen Bergfest kam
dann auch die Politprominenz. Gut gelaunt und ohne Wahlkampfreden im
Gepäck. Stattdessen Themen, mit denen
sie beim Kirchentagspublikum auf Zustimmung stoßen konnten. Steuergerechtigkeit, verantwortungsvolle Finanzgeschäfte, Nachhaltigkeit, Verbot
von Lebensmittelspekulation. Der Applaus kam verlässlich. Statt der Frage, ob
Kirche politischer sein müsste, blieb jedoch dieses Mal das Gefühl, Politik
müsste politischer sein.
Wie in Dresden dominiert bislang
also auch in Hamburg das Stimmungsvolle. Nur, dass es in der Millionenstadt
Hamburg beinahe noch eine größere
Leistung ist als in Dresden, dass das
Kirchentagsgefühl tatsächlich auf große Teile der Metropole übergeschwappt
ist.
Großen Zuspruch scheint beim Kirchentag nicht zuletzt das Thema „Älterwerden“ zu finden. Denn auch wenn
sich der Kirchentag um jugendlichen
Nachwuchs sichtlich keine Sorgen machen muss, fällt doch auf, dass der Anteil der älteren Menschen deutlich ins
Gewicht fällt. Da stoßen Veranstaltungen wie Sexualität im Alter und Älterwerden im Berufsleben automatisch
auf Interesse.
Die „Evangelische Kirchentageszeitung“ nimmt das zum Anlass, in ihrem
heutigen Themenschwerpunkt nach
der Bedeutung des Alters zu fragen: Wie
viel Jahre brauchst du? Nach Meinung
der meisten Teilnehmer könnte der Kirchentag jedoch auch nach der Halbzeit
noch jahrelang weiter gehen. Halbzeitbilanz wie das Wetter; ungetrübt.
Carsten Splitt
EVANGELISCHE
KIRCHENtages
ZEITUNG
Impressum
„Evangelische Kirchentagseszeitung“, die kostenlose
Tageszeitung für den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg, ist eine Koproduktion der „Evangelischen Zeitung“ und der „Kirchenzeitung für Mecklenburg-Vorpommern.
Herausgeber: Ev. Presseverband Nord e.V. /
Ev. Presseverband für Mecklenburg-Vorpommern e.V. /
Lutherisches Verlagshaus GmbH
Tagesauflage: 50.000 Exemplare
Verantwortlich für den Inhalt:
Tilman Baier, Michael Eberstein, Carsten Splitt (V.i.S.d.P.)
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Bodo Elsner.
Druck: Druckzentrum Schleswig-Holstein, Büdelsdorf
Postanschrift und Leserservice:
Evangellische Kirchentageszeitung. Königstraße 54,
22767 Hamburg. Tel. 0431/55779-241
mail: kitag@evangelische-zeitung.de
twitter: @evangelische
Internet: www.kirchentageszeitung.de
4. Mai 2013
Ein Sommermärchen
Margot Käßmann träumte auf dem Roten Sofa von einer „95-Tage-Weltausstellung“
HAMBURG – „Dieses Mal wird es
nicht so deutsch-national wie 1717,
1817 oder 1917“, versprach Margot
Käßmann mit Blick auf die 500-JahrFeier der Reformation im Jahr 2017.
Sie bemühe sich als Botschafterin
der EKD für das Reformationsjubiläum um ein Gefühl wie seinerzeit
bei der Fußball-Weltmeisterschaft in
Deutschland („ein Sommermärchen“), sagte Käßmann auf dem Roten Sofa der evangelischen Zeitungen. Sie stelle sich vor, dass 2017 die
„Welt zu Gast bei Geschwistern“ sei.
Und das Jubiläum sollten „95 Tage
Weltausstellung der Reformation“
sein, die zeige, dass die Reformation
nicht nur kirchliche Bedeutung habe,
sondern ein kulturelles Ereignis sei.
„Durch die Reformation ist zum
Beispiel die Volksschule entstanden“,
sagte Käßmann und verwies auf Luthers Bedeutung für die deutsche
Sprache. Auf die Frage, wann sie mit
einem gemeinsamen Abendmahl mit
Katholiken und Orthodoxen rechne,
antworte sie lachend mit PaulusWorten: „Seid fröhlich in der Hoffnung.“
Käßmann rief die rund 1000 Zuhörer vor der Bühne auf, sich einzusetzen: „Der Sinn des Lebens ist dir
schon zugesagt. Jetzt nimm die Verantwortung wahr und leben sinnvoll.“ Fast zwölf Jahre verbringe ein
Mensch durchschnittlich vor dem
Fernseher. Wie peinlich sei es, vor
den Herrgott treten zu müssen, um
nur dieses vorweisen zu können.
Gerhard Ulrich und die
Gemeinschaft der Suchenden
In wenigen Tagen tritt Gerhard Ulrich
sein Amt als Landesbischof der neuen Nordkirche an. Auf dem Roten Sofa gestand er, ein fauler und schlechter Schüler gewesen zu sein, den Kindergottesdienst geschwänzt zu haben
und eigentlich zunächst eine Schauspiel-Ausbildung am Ernst-DeutschTheater begonnen zu haben. Doch
bei Proben zu dem kirchenkritischen
Stück „Abelar und Eloise“ habe sich
für ihn eine neue Welt aufgetan. Und
er sei seinen Eltern dankbar, dass sie
ihm die Freiheit zu dieser Lebenswende gegeben hätten.
Erhalten habe er sich sein Bild von
der Kirche als „Gemeinschaft der Suchenden“. Und Ulrich betonte, vor
dem Predigen stehe das Hören und
das Erkennen, dass man selbst des
Wortes bedürftig sei. Klare Worte auch
zum Thema Missbrauch in der Kirche: „Wir haben damals nicht richtig
hingeschaut oder gar weggeschaut.“
Jetzt müsse die Aufmerksamkeit den
Opfern gelten, denen aus der Opferrolle herausgeholfen werden müsse.
Geduld, so räumte Bischof Ulrich
Nina Hagen
griff auf dem
Roten Sofa
auch zur Gitarre.
Fotos: Philipp
Eberstein
HEUTE AUF D EM R O T E N S O FA
Margot Käßmann war beim Interview
bestens gelaunt.
schließlich ein, sei nicht seine Stärke.
„Ich kann nicht geduldig sein, wenn
die Schere zwischen Arm und Reich
weiter auseinandergeht oder ein Diktator Gift auf sein Volk sprüht.“ Der
Prophet rate ja auch: „Jetzt ist die
Zeit.“
Nina Hagen und das „süße Leben
der Errettung“
Mit einer Performance von Nina Hagen endete der zweite Tag auf dem
Roten Sofa. Die Blues- und Rock-Sängerin mit dem Pippi-LangstrumpfOutfit griff nach dem halbstündigen
Interview, in dem sie ihren Weg zurück zum Glauben darstellte, zur Gitarre und sang vor großem Publikum
in Englisch und Deutsch vom „süßen
Leben der Errettung“ oder auch mit
Brecht: „Wach auf, du verrotteter
Christ.“ Sie berichtete von ihrer Taufe
in der reformierten Gemeinde Schüttorf vor zwei Jahren, zeigte sich begeistert vom jahrelangen und erst
jüngst erfolgreichen Kampf der Contergan-Opfer um eine angemessene
Rente und lobte den Kampf der Bauern gegen Saatgutkonzerne.
Zur Ökumene sagte Nina Hagen,
„wir sind alle Geschwister, und die da
oben marschieren hoffentlich auch
bald mit.“ Dennoch habe sie ihre neuen christlichen Lieder nicht in einer
katholischen Kirche in Traunreuth
singen dürfen. „Diese Bande, die
Pius-Brüder, haben das verhindert.
Dabei ist die Musik, die wir spielen,
das Wort Gottes. Sie haben wohl nicht
richtig hingehört.
11 – 11.30 Uhr:
Dr. Anselm Grün
Benediktinerpater und Buchautor
und Prof. Shi Chao-hwei
buddhistische Zen-Meisterin
aus Taiwan
(Stephan Kosch)
11.45 – 12.15 Uhr:
Gisela Friedrichsen
Gerichtsreporterin DER SPIEGEL
(Maren Warnecke)
12.30 – 13 Uhr:
Dr. Ulrich Fischer
Landesbischof der
Evangelischen Landeskirche in Baden,
EKD-Medienbischof
(Jörg Bollmann, Direktor
Gemeinschaftswerk der Evangelischen
Publizistik, Frankfurt/Main)
13.15 – 13.45 Uhr:
Dr. Eckart von Hirschhausen
Kabarettist, Moderator und Autor
(Christine Senkbeil u. Sybille Marx,
Redakteurinnen Mecklenburgische &
Pommersche Kirchenzeitung, Greifswald)
14 – 14.30 Uhr:
Samuel Koch
Schauspielstudent,
Buchautor („Zwei Leben“)
(Karin Ilgenfritz, Redakteurin
Unsere Kirche, Bielefeld)
15.30 – 16 Uhr:
Dr. Petra Bahr
Pfarrerin,
Kulturbeauftragte des Rates der EKD
(Michael Eberstein)
16.15 – 16.45 Uhr:
Prof. Dr. Gerhard Wegner
Theologe, Direktor des
Sozialwissenschaftlichen Instituts
der EKD
(Michael Eberstein)
17 – 17.30 Uhr:
Peer Steinbrück
MdB, SPD-Kanzlerkandidat
(Jörg Bollmann)
17.45 – 18.15 Uhr:
Bettina Tietjen
TV- und Radiomoderatorin,
Norddeutscher Rundfunk
(Jörg Bollmann)
Standort des Roten Sofas am CCHVorplatz vorm Haupteingang.
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
Jetzt nörgeln wir mal
|
3
U M F R AG E
Ein wunderbarer Kirchentag. Nur eins stört: die Anderen. Sie stehlen uns Platz und Geld.
Von Sybille Marx
HAMBURG – Die ersten
werden die letzten sein,
steht das nicht irgendwo in
der Bibel? Aber schade, hier
vor Saal G des Hamburger
Congress Centrums gilt das
wohl nicht: Die ersten 756
Kirchentagsbesucher, die
da waren, sitzen drin bei
Hirnforscher Spitzer. Die
letzten, die kamen, stehen
draußen. Ein Baden-Württemberger
grummelt:
„Könnten die bei so einem
Redner nicht einen größeren Saal wählen?“
Kirchentags-Geschäftsführerin Lena Schneider
sagt, in der Planung schätze man natürlich, wieviele
kommen könnten, und
wähle danach den Raum.
Der größte – den übrigens
Joachim Gauck bekam –
hat 7000 Plätze. „Mit unserer Schätzung liegen wir
meistens auch ziemlich
richtig, aber eben nicht immer”, sagt Schneider. An
über dreißig Veranstaltungsorten bereite man
deshalb noch eine Übertragung vor. Aber an allen 230
Orten in Hamburg Videoleinwände aufzustellen,
Kamerateams zu beschäftigen – das wäre viel zu teuer.
Apropros zu teuer, liebe
Kirchentags-Macher: Wieso kostet die Tageskarte 29
Euro! Stellen wir uns vor:
Eine Seniorengruppe aus
Annemarie Ochs (68): „Es ist schon frustrierend, wenn man eine Stunde wartet
und dann doch nicht rein kommt. Mir ist
das in einer Kirche passiert und bei Hirnforscher Manfred Spitzer. Aber den konnte
ich glücklicherweise draußen per Audioübertragung hören.“
„Saal überfüllt!“ oder auch „Kirche überfüllt!“, wie hier beim Rockgottesdienst in der St. Petrikirche Altona: ein Bild, auf das Kirchentagsbesucher auch in Hamburg öfter stoßen. Doch nur
an 30 von 230 Veranstaltungsorten gibt es eine Videoleinwand.
Foto: Simone Viere
dem drei Stunden entfernten Greifswald möchte für
einen Tag anreisen, um die
berühmte Kirchentagsatmosphäre zu atmen. Gegen
18 Uhr reisen die älteren
Herrschaften wieder ab,
das Abendprogramm ist für
sie zu spät. Und dafür 30
Euro plus Buskosten. Geht
es nicht etwas billiger?
Lena Schneider sieht die
Sache so: „Der Kirchentag
bietet für 29 Euro ganz
schön viel!” Die Tageskarten sollten fairerweise etwa
so teuer sein wie die Dauerkarte. Und ohnehin deckten die Eintrittsgelder nur
knapp ein Drittel von dem,
was der Kirchentag kostet.
Trotzdem: Ein paar geschäftstüchtige Unternehmer, die sich über Gebühr
an uns bereichern, scheint
es zu geben: Da ist zum
Beispiel dieser Essensstand
auf dem Messegelände, an
dem eine schlichte Portion
Reis mit Gemüse 9 Euro
kostet. Wucher! Könnten
Sie das nicht verbieten,
Frau Schneider? „Messeangebote sind tatsächlich relativ teuer”, sagt die Geschäftsführerin. Problem:
Der Messecaterer hat die
alleinige Konzession. „Immerhin haben wir erreichen können, dass wir auf
dem Gelände Alternativen
anbieten dürfen, zum Beispiel im Gläsernen Restaurant.”
Alles in allem laufe der
Kirchentag doch super, gemessen auch an der Herausforderung: 2500 Veranstaltungen mit 120 000
Dauerteilnehmern
plus
40 000 Tagesgästen müssen
koordiniert werden. „Alle
Partner bescheinigen uns
einen sehr guten Organisationsgrad.” In vielen Details
könne man aber dazu lernen und brauche viel Rückmeldung. Also, wer jetzt
noch was zu nörgeln hat:
Bitte schön!
Peter Kercher (56): „Ärgerlich, dass es
keine Videoübertragungen in andere Säle
gibt. Ich habe gleich bei zwei Veranstaltungen keinen Platz bekommen. Bei prominenten Leuten müssen die Veranstalter
doch mit einem großen Andrang rechnen.“
Wiebke Dittmer (29): „Ich wäre gern zu
einem Filmgottesdienst im Kino gegangen, aber der Saal war schon voll. Ich freu
mich aber für die Veranstalter!“
So viel Gelassenheit brauchst du
Überfüllte Veranstaltungen und Gedränge in der U-Bahn treffen auch den allzu menschlichen Nerv bei den Kirchentagsbesuchern
Von Anke Brockmeyer
HAMBURG – Kirchentag – Menschen,
die zusammenkommen und den christlichen Glauben feiern. Tausende sind in
Hamburg, genau mit diesem Ziel. In
manchen Momenten allerdings verhalten sich einige dieser Christen nur allzu
menschlich. Etwa, wenn es darum geht,
dass Veranstaltungen überfüllt sind,
Workshop-Gruppen keine Plätze mehr
freihaben – oder auch ganz profan beim
Einsteigen in S- und U-Bahn. Spätestens
am zweiten Tag sollte jeder Kirchentagsbesucher verstanden haben, dass es einfacher und schneller geht, erst Ankommende aus den Waggons aussteigen zu
lassen statt eilig vorzupreschen. Auch
bei den oftmals überfüllten Veranstaltungen gilt es, Ruhe zu bewahren, auch
wenn jemand sich auf eine Veranstaltung besonders gefreut hat und nun
nicht mehr eingelassen wird. Doch auch
hier ist Gelassenheit angebracht, denn
auf jeder Großveranstaltung – und genau das ist der Kirchentag – gibt es an einigen Events besonders großes Interesse, sodass die Plätze nicht immer für alle ausreichen.
Äußerungen wie „Jetzt haben Sie mir
den ganzen Kirchentag verdorben“ nützen niemandem – weder dem enttäuschten Besucher noch dem Organisator, der sich viel Mühe gegeben und
augenscheinlich das Interesse des Kirchentagspublikums perfekt getroffen
hat.
Natürlich ist die Enttäuschung nachvollziehbar. Oft haben die Gäste lange
Wege zurückgelegt, um genau diese Veranstaltung zu besuchen, nicht selten ist
es auch für ein Alternativprogramm nun
zu spät. Dennoch sollte niemand vergessen, warum er tatsächlich auf dem
Kirchentag ist: um Gleichgesinnte zu
treffen, eine besinnliche Atmosphäre zu
erleben und mit anderen Christen den
Glauben zu feiern. Eine Rückbesinnung
auf wirklich Wichtiges tut da manchmal
gut. Wie die Reaktion einer Kirchentagsbesucherin, die sich spontan auf einer
Wiese niederließ, nachdem sie den Platz
in ihrer Wunschveranstaltung nicht
mehr bekommen hatte. „Dann genieße
ich einfach diesen Frühlingstag in Gottes wunderbarer Natur“, sagte sie. Das
ist Kirchentag. Und das sollten wir alle
nicht vergessen, wenn in der U-Bahn
oder am Einlass zum Konzert mal wieder dichtes Gedränge herrscht.
Und wenn Sie wieder einmal vor der
Tür stehen und nicht mehr eingelassen
werden, denken Sie an das diesjährige
Kirchentagsmotto „Soviel du brauchst“.
Wie viel Event braucht jeder Einzelne?
Und wie viel Rücksichtnahme brauchen
wir alle, um gut miteinander auszukommen?
4|
Ausgleich für
die Armen
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
Ideen für eine bessere Welt
In seiner Bibelarbeit spricht der Sänger Eddi Hüneke von Gemeinwohlökonomie
Von Petra Döllefeld
HAMBURG – „Erlassjahr – wie kann das
gehen?“ Es waren eine Menge Themen
und Stichworte, die in dieser knappen
Stunde Bibelarbeit zum Erlassjahr-Text
in 5. Mose 15, 1-11 Erwähnung fanden.
Monika Griefahn, einst Mitbegründerin
von Greenpeace Deutschland und heute Umweltdirektorin bei Aida Cruises,
sprach gemeinsam mit ihrer Tochter
Nora Griefahn eine weite Spanne von
Missständen bei Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung an: von der
Ausbeutung von Bodenschätzen über
hybrides Saatgut bis zur Vermögensverteilung und sozialen Unterschieden.
Auch im Bibeltext wurden soziale Unterschiede angesprochen: Arme und Reiche, Verleihende und Menschen, die etwas borgen. Aber auch Lösungsideen:
Schulden erlassen und das Herz nicht
verhärten. Eine Gesellschaft ohne Armut,
das sei die Vision des Textes, erklärte Nora Griefahn. „Die Vorstellung davon lässt
die Herzen vieler Menschen höher schlagen. Nicht ohne Grund würde immer
wieder über ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Dabei gehe es jedoch nicht nur um Geld. „Es geht darum,
Kreisläufe zu schließen, einen positiven
Fußabdruck zu hinterlassen“, sagte die
Studentin. „Was es braucht, ist Kreativität und der Wille, nicht nur in der Kategorie Geld zu denken.“
Viele Initiativen versuchten dies bereits, ergänzte Monika Griefahn. „Es gibt
Hoffnung.“ Die ägyptische Initiative
„Sekem“, ein Unternehmen, das Brunnen bohrt und Wüsten urbar macht, dabei mehrere tausend Menschen beschäftigt und faire Kredite vergibt, sei
dafür ein Beispiel. „Sie nähern sich einem Ideal, dass jede Familie ihr Auskommen hat und Gerechtigkeit
herrscht“, sagte die Umweltdirektorin.
Ausgleich, darum gehe es sowohl im
Text als auch in der Gegenwart, sagte
Griefahn. „Wir können nicht leben,
wenn alles um uns herum zerstört ist“,
machte sie klar. „Die Situation der Armen ist der Maßstab für die Reichen“,
ergänzte ihre Tochter. Denn schließlich
schaffe ein funktionierender Sozialstaat
für alle ein besseres Leben. „Ich profitiere ja auch von einem Land, in dem
Frieden herrscht.“ Bei Landgrabbing
(Landnahme) hingegen werde der Boden behandelt wie jedes andere Wirtschaftsgut. „Wer wie viel braucht, spielt
dabei keine Rolle.“Zum Ende der Bibelarbeit berichteten die beiden Frauen
von ihrem Verein „Wiege zur Wiege“
(Cradle to Cradle). Das Prinzip sei, die
Rohstoffe der Erde zu ge-brauchen,
nicht zu ver-brauchen. Dabei sollen
Dinge so hergestellt werden, dass ein
giftfreier, nützlicher und gerechter
Kreislauf entsteht, so Monika Griefahn.
All das war viel Stoff für eine Stunde –
vielleicht zu viel.
Eddi Hüneke stimmte
mehrere Lieder zum
gemeinsamen Singen
mit der Gitarre an.
Foto: Markus Kowalski
Von Markus Kowalski
HAMBURG – Entschlossen kommt der „Wise
Guy“ auf die Bühne. Er
nimmt die Gitarre, aber
das Kabel muss noch getauscht werden. Er will
losspielen, doch das Plektrum fehlt. „Das wirkt, als
wäre ich gerade aus dem
Bett gestolpert“, scherzt
Eddi Hüneke zu Beginn
seiner Bibelarbeit.
Er hat eine unkonventio-
nelle Art an diesem Freitagmorgen. Damit gewinnt
er spürbar die Sympathien
der Kirchentagsbesucher.
Die meisten davon sind Jugendliche. Weil alles belegt
ist, warten draußen vor der
Halle noch hunderte Besucher, für die die Bibelarbeit
nach außen übertragen
wird.
Nachdem Hüneke ein
erstes Lied mit dem Publikum gesungen hat, fragt
Hüneke, wer welcher Konfession und Religion ange-
hört. Die Mehrheit ist
evangelisch, es melden
sich aber auch einige
Nicht-Christen und Atheisten. Sein Kommentar: „Wir
haben alle gemeinsam,
dass wir die Wahrheit nicht
für uns gepachtet haben.
Ein Wahr und Falsch gibt
es wahrscheinlich nicht.“
Sehr ernst spricht er
dann über den Einsturz
der Textilfabrik in Bangladesch. Natürlich seien wir
nicht direkt für den Tod der
Arbeiterinnen verantwortlich, aber wir tragen eine
Mitschuld: „Unsere Kaufentscheidungen sind der
Nährboden für Korruption
und Ausbeutung, den wir
billigend in Kauf nehmen.“
Er nimmt sich selbst nicht
von der Mitschuld aus.
„Weltweit werden Menschen unter unmenschlichen Bedingungen in einer
Art modernen Sklaverei gehalten. Sie machen diesen
Job, weil sie wenigstens
diesen Hungerlohn brauchen, um überleben zu
können.“ Wir bräuchten
einen
Bewusstseinssprung. Bei jeder Kaufentscheidung müsse man darauf achten, ob damit einem anderen Menschen
oder der Umwelt geschadet werde.
„Es gibt Wege, wie die
Wirtschaft geordnet werden kann, damit sie dem
Menschen dient und nicht
der Mensch der Wirtschaft.“ Weil die Konsumenten eine Macht haben,
das System zu ändern,
wirbt er für die Gemeinwohlökonomie.
Dabei
wird der Steuersatz für Unternehmen nach der Gemeinnützigkeit der Arbeit
berechnet. „Warum müssen ein Waffenfabrikant
und ein Bio-Bauer den selben Mehrwertsteuersatz
abgeben?“ Seine Denkanstöße kommen gut beim
Publikum an. „Die Wirtschaft ist nur ein Zweck;
wir sollten sie nicht anbeten wie das goldene Kalb.“
Er spricht vom Umdenken
und von der Möglichkeit
einer besseren Welt.
Erneut stimmt Hüneke
mit der Gitarre das gemeinsame Singen an, nun
ist es das Kirchentags-Lied
„Damit ihr Hoffnung
habt“. Die Strophen trägt
er vor, doch im Refrain
singt plötzlich der ganze
Saal mit. Jugendliche klatschen begeistert. Ein Moment, in dem sich alle
Hoffnungen sammeln und
die bessere Welt wieder erreichbar scheint.
Bischöfe schreiben sich E-Mails
Bischof Friedrich Weber und Bischof Gerhard Feige bei der Dialog-Bibelarbeit
Von Charlotte Morgenthal
HAMBURG – Zwei Bischöfe
schreiben sich gegenseitig
E-Mails. So entstand die
Dialog-Bibelarbeit
zwischen dem braunschweigischen Landesbischof Friedrich Weber und dem katholischen Bischof Gerhard
Feige aus Magdeburg.
Frage und Antwort waren
allerdings eher in Predigtlänge verfasst, als in der üblichen Länge von elektronischer Post. Beide Referenten wurden damit dem
schwierigen Thema „Erlassjahr“ aus dem fünften Buch
Mose aber durchaus gerecht. Feige erzählte von einer Schuldnerberatung in
Magdeburg, bei der die
Schuldner am Tag des
Schuldenerlasses gemeinsam mit ihren Beratern ein
Fest feiern. „Müsste etwas
Ähnliches nicht global zum
Tragen kommen? Oder ist
das in großen Zusammenhängen eine Utopie?“, fragte der katholische Bischof
den evangelischen Geistlichen. „Zeitnah werden wir
keine Gesellschaft ohne Arme haben“, mahnte Weber
daraufhin.
Beide Bischöfe wurden
sich im elektronisch-ökumenischen Austausch allerdings schnell einig: Den
Schuldenerlass auf die globale Wirtschaft auszuweiten, bleibe schwierig. „Es
geht nicht um gewinnorientierte Landeskredite“,
sagte Weber. Spannend
bleibe allerdings die Idee,
das alte periodische System
der Landwirtschaft „alle sieben Jahre sollt ihr einen
Schuldenerlass durchführen“ auf den sozialen Bereich anzuwenden.
Eine Untersuchung der
braunschweigischen Landeskirche habe gezeigt:
Migranten gerieten überraschenderweise nicht häufiger in prekäre Situationen.
„Sie verfügen über Netzwerke und organisieren Hilfe von Freunden und Familie“, sagte Weber. Im Vordergrund von armen Menschen stünde aber zunächst
nicht die materielle Hilfe,
sondern die Hilfe beim Organisieren des Alltags beispielsweise mit gesundheitlichen Problemen.
Dennoch appellierte Weber: „Wenn Dich etwas berührt und bedrückt, dann
verschließe Deine Hand
nicht, tu’ etwas!“ Damit solle der Staat keinesfalls aus
der Pflicht genommen werden. Es sei wichtig, dass die
meisten auch Steuern zahlen, sagte der Braunschweiger. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte um die Steuerhinterziehung des Bayern-München Präsidenten
Ulli Hoeneß, sagte Weber
„die meisten“ und erntete
dafür Applaus.
U NTERHALTUNG
4. Mai 2013
|
5
PREISRÄTSEL
Kommen Sie zum „Roten Sofa“ der Kirchenpresse und gewinnen Sie!
Lösungswort
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Seitenrand, trennen ihn ab und werfen ihn heute, Sonnabend, dem 4. Mai 2013, in der Zeit von 11 bis 13 Uhr in die Box am „Roten Sofa“ der Kirchenpresse vor dem Congress-Zentrum Hamburg (Marseiller Str. 2). Die Ziehung und Bekanntgabe der Gewinner
erfolgt täglich vom 2. - 4. Mai (Donnerstag bis Sonnabend) um 13 Uhr .auf der Bühne des „Roten Sofas“ der Kirchenpresse am
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Foto: epd Bild
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in der HafenCity.
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BILD ER DES KI RCHENTAGES
6|
Ein Nachbau der „Arche Noah” hat als Bibelerlebnispark an den Landungsbrücken festgemacht.
Foto: Viere
4. Mai 2013
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Hamburger Michel
auf einem Podium zum Thema „Gestalten statt spekulieren –
Soziale Marktwirtschaft im Griff der Finanzmärkte”. Foto: epd
Politstars mittendrin
Auch Frank-Walter Steinmeier
(SPD) ist aktiv beim Kirchentag
dabei.
Foto:DEK T
Eine volle Halle auch beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel – Besucher protestieren mit einem Banner gegen „Stuttgart 21”.
Wundertüte Kirchentag – was da wohl drinsteckt?
Foto: epd
Die Kinderkathedrale ist eröffnet.
Foto: epd
Die Kinder gestalteten die Wände ihrer „Kirche“
Foto: epd
Foto: epd
4. Mai 2013
Bei Jonatan aus Oberfranken gibt es
Umarmungen umsonst. Foto: Simone Viere
BILD ER DES KI RCHENTAGES
Gemeinsam ein Wandbild enstehen lassen, mit allem „was du
brauchst”. Mitmalen kann, wer Lust dazu hat.
Foto: Viere
|
7
„Was tust du hier?” – Maskentheater in der Bugenhagenkirche
Barmbek.
Foto: Luise MArie Gerber
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besuchte am Freitag auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg bei ihrem Rundgang
über die Messe das Zentrum Umwelt, Frieden und Gerechtigkeit: v.li. die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, Klaus Breyer vom DBU,
Angela Merkel und Birgit Weinbrenner, Projektleiterin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.
Foto: epd
Überdimensionale Getreide-Skulpturen stehen
auf dem „Kornfeld in der Stadt” vor der Hauptkirche St. Michaelis.
Foto:epd
Schon 30 Minuten vor Beginn war die Halle (Börsensaal der Handelskammer) völlig überfüllt. Bereits um 18 Uhr bildeten sich Schlangen, die auf Einlass warteten, um 19.30 Uhr
Foto: DEK T
startete das Frauenmahl. Neben leckerem Essen gab es Tischreden zur Zukunft von Religion und Kirche.
K U LT U R AUF DEM KI RCHENTAG
8|
K U LT U R A M SA M S TAG
11 Uhr Bühne Planten un Blomen
Wieviel Humor braucht die Kirche?
4. Mai 2013
Verführung gibt es überall
Die Kirchentagsoper „Vom Ende der Unschuld“ – eine Parabel über Dietrich Bonhoeffer
Talks, Kabarett, Clownerie
11 Uhr KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Bis hierher und nicht weiter?
Theaterstück zum Forum Erinnern
Sänger, Schauspieler und Orchester bilden
auf der Bühne
eine enge Gemeinschaft. Auf
dem Bauernhof
wird Hochzeit
gefeiert: Germa
(Julia Henning)
heiratet den
(Ver-)führer und
Despoten
Drako.
12 Uhr Bühne an der Reeperbahn
Außer Thesen nichts gewesen?
Klerikales Kabarett Komondo (Witten)
12.30 Uhr Dreifaltigkeitskirche Harburg
Gott ist mein Lied
Christliche Filmmusik, auch zum Mitsingen
14.30 Uhr Bühne Planten un Blomen
Engel in Ausbildung/Clownsschule
für Pfarrerinnen, Pfarrer, Christenmenschen
15 Uhr Friedrich-Ebert-Halle
Let’s Bridge the Gap – Engagement für
eine gerechte Welt
Foto: rhc
Tanzperformance, Bundesjugendballett
Renate Hagenlocher-Closius
16 Uhr Christianskirche (Ottensen)
Und es ward: Hiroshima
Collage über Anfang und Ende der Schöpfung, von der Komponistin Felicitas Kukuck
19.30 Uhr Markthale (Klosterwall)
Paul Gerhardt Gets the Blues
Gerhardt neu hören:poetisch, mitreißend
19.30 Uhr St. Gertrud (immenhof)
Himmlischer Gesang
Erstaufführung der Himmlischen Lieder
(1641/41) von J. Rist (Züricher Mimenchor)
20 Uhr Halle B6, Messegelände
Haydn: Die Schöpfung
Großkonzert: Gesungen, gespielt, getanzt
20 Uhr CCH, Saal G
Take Two (NDR Chor und Bigband)
Thema: Wie reich wir sind
HAMBURG – Eine eigene
Oper für den Kirchentag ist
Wagnis und Herausforderung zugleich. In ihr das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer in den
Mittelpunkt des Geschehens rücken zu wollen,
kommt einer Quadratur des
Kreises gleich. In dem Auftragswerk „Vom Ende der
Unschuld“ begab man sich
auf den schwierigen Pfad.
Die opulente Inszenierung (Regie Kirsten Harms),
an der 250 Mitwirkende beteiligt sind, wurde und wird
an drei Abenden auf Kampnagel stürmisch gefeiert –
und lässt auch viele Besucher ratlos zurück.
Erklärtermaßen
sollte
sich die Oper nicht konkret
an die Biographie des Theologen und Widerstandskämpfers anlehnen, sondern als Parabel ins Gleichnishafte verlegt werden.
Dieser Intension zu folgen,
fällt, besonders wenn man
mit dem Leben und Werk
Bonhoeffers eng vertraut
ist, nicht immer leicht. Ähnelt doch der in der Oper
„Heman“ genannte Protagonist (Ferdinand von
Bothmer) in Habitus, Kleidung bis hin zum gescheitelten Haar zu sehr dem
großen Vorbild. Dass Bon-
hoeffers Zwillingsschwester
Sabine und ihr jüdischer
Ehemann nur in der Emigration überleben konnten,
muss in der Parabel vergessen werden.
Auch die in einen Bauernhof verlegte Handlung,
in dem Despot Drako
(Krzysztof Szumanski) sein
Unwesen treibt, kommt hin
und wieder klischeehaft,
vereinfacht und archaisch
„deutsch“ daher.
Der Bauernhof als Symbol eines Landes, das am
Abgrund steht, ein Diktator,
der dem ausgedörrten Land
Heil und Wohlstand durch
einen Staudamm verspricht. Heman ist der Ein-
zige, der sich gegen den
Despoten auflehnt und ihn
zu beseitigen versucht.
Hohes Lob gebührt den
Mitwirkenden – Solisten
ebenso wie den Chören St.
Nikolai, dem Orchester
(einschließlich dem aus
Kindern und Jugendlichen
bestehenden
Ensemble
„The Young ClassX“) und
dem musikalischen Leiter
Matthias Hoffmann-Borggrefe.
Komponist Stephan Peiffer vereinigt in seinem Werk
eindrucksvoll und mutig
die verschiedensten Stilelemente, von der Gregorianik
über Schütz bis hin zur
Volksmusik.
Premiere ohne Ohrwurmmelodien
Schülerreporterin berichtet von ihren Eindrücken von der Bonhoeffer-Oper
Von Luise Marie Gerber
HAMBURG – Vor Kampnagel
drängen sich die Menschen. Ich
brauche etwas Geduld, bis ich
in das Gebäude komme. Dies
ist mein erster Opernbesuch,
und ich bin sehr gespannt, was
mich erwartet.
Der Eingang führt unter die
Tribüne. Unter dem Gewicht
der Besucher knackt die Trägerkonstruktion. Oben ist es etwas
heller, weiches gelbes Licht versucht sich gegen die schwarze
Einrichtung durchzusetzen. Etwas orientierungslos versuche
ich meinen Platz zu finden.
Auf der Bühne stehen die
Stühle und Notenständer für
das Orchester. Auf dem Fußboden liegen Zettel verstreut. Un-
zählige Mistgabeln lehnen nebeneinander aufgereiht an der
Rückwand. Ich frage mich, was
sie dort zu suchen haben.
Die ersten Musiker kommen
auf die Bühne. Gespannte Erwartung macht sich im Saal
breit, nur noch ab und zu unterbrochen von Husten.
Am Rande des Orchesters
nehmen Frauen und Männer in
schwarzen Anzügen und Blazer
Platz. Sie haben dunkelbraune
Decken auf dem Schoß, die
mich etwas verwirren, da mir
ihre Funktion nicht klar ist.
Endlich geht es los, und die Sache klärt sich: Diese Leute gehören zum Chor und verkörpern in Decken gehüllte Hofbewohner. Daher also auch die
Mistgabeln. Der Hof steht kurz
vor dem Ruin, als ein Verwandter des Hofbewohners Drako
mit der Idee auftaucht, einen
Staudamm zu bauen. Er setzt
sich durch, doch nun haben die
anderen Höfe kein Wasser
mehr. So verbünden deren Bewohner sich und sprengen den
Damm.
Die Musik habe ich
mir viel harmonischer vorgestellt.
In diese Rahmenhandlung
hinein kommt Heman, der
Sohn der Gutsbesitzerin. Seine
Figur orientiert sich an Dietrich
Bonhoeffer. Den Theologen habe ich schon im Schulunter-
richt kennengelernt. Daher
weiß ich, dass Hemans verzweifelter Plan, Drako zu töten, an
das geplante Hitlerattentat von
Bonhoeffer angelehnt ist. Es ist,
als hätte man Bonhoeffer in unsere Zeit versetzt.
Die ganze Oper ist von viel
Bewegung gekennzeichnet. Ich
finde es außergewöhnlich, dass
der Chor häufiger durchs Orchester läuft. Dieses sitzt nicht,
wie ich es erwartet hätte im Orchestergraben, sondern mitten
auf der Bühne.
Die Musik habe ich mir viel
harmonischer vorgestellt. Aber
genau wie in der Musik gibt es
ja auch in der Handlung unzählige Spannungen und Konflikte.
Besonders die Leistungen der
Sänger haben mich sehr beein-
druckt, da die Melodien nicht
eingängig sind. Ein Ohrwurm
wird daraus bestimmt nicht.
Auch die Lautstärke variiert
stark, von fast unhörbar bis ohrenbetäubend.
Mehr als zwei Jahre harter Arbeit stecken in der Aufführung,
die sich wirklich gelohnt hat.
Ein faszinierendes Kunstwerk.
Bonhoeffer kommt zwar nicht
direkt vor, doch ich denke, dass
seine Beweggründe und Gedanken in dieser Oper sehr eindrücklich beschrieben und vertont wurden.
Luise Marie
Gerber ist
Schülerreporterin.
4. Mai 2013
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
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9
Sonne und Schatten an der Elbe
400 Kirchentagsbesucher wallfahrten per Schiff den Lebensstrom Hamburgs entlang
Von Anke Brockmeyer
Gemeinsam singen, gemeinsam
erleben: Auf der
Schiffswallfahrt
entstand schnell
eine besondere
Atmosphäre, die
auch dem ruhigen Dahingleiten des Schiffes
auf dem Strom
geschuldet war.
Döhling weiter, stigmatisieren,
grenzen aus. Nachdenklich
stimmende Worte, während
das Schiff weiter durch die
frühlingshaft
aufblühende
Landschaft fuhr, vorbei an Deichen, idyllischen Stränden,
aber auch an riesigen Hafenanlagen.
Die Ruhe des Stroms und die
gemeinsame Reise schufen eine
besondere Atmosphäre an
Bord. Konzentriert und feierlich
verfolgten die Mitreisenden die
Bibelarbeit, reichten Brot und
Wein beim Abendmahl weiter,
sangen und beteten.
Nach vier Stunden tauchten
sie wieder ein in den Trubel der
Großstadt – aber vielleicht ist
es doch gelungen, ein wenig
„religiöse Wellness“ zu tanken.
Die Schiffswallfahrt wird am
heutigen Sonnabend noch einmal angeboten, Abfahrt ist um
14 Uhr hinter der Fischauktionshalle. Die Bibelarbeit hält
Ulrich Khuon, Intendant des
Deutschen Theaters in Berlin.
HAMBURG – Hamburg und
Schifffahrt – das gehört untrennbar zusammen. So ist es
nur logisch, dass der Kirchentag nicht nur an, sondern auch
auf der Elbe stattfindet. Der
Hamburger Pastor Tobias Woydack und der Öffentlichkeitsreferent Thomas Krätzig haben
deshalb gestern als Initiative
der beiden Hamburger Kirchenkreise West und Ost zwei
Schiffs-Wallfahrten zum Thema „Sonnen- und Schattenseiten der Elbe“ angeboten, die
von mehr als 400 Kirchentagsbesuchern wahrgenommen
wurde.
„Dieses Angebot passt einfach zu Hamburg“, findet Woydack. Eine Flussfahrt mit Bibelarbeit rund um die Elbinsel,
eingebettet in die wechselnde
Landschaft der Norder- und
Süderelbe, erwartete die Gäste.
„Wir haben uns absichtlich für
eine eher ungewöhnliche
Route entschieden, weil wir ein
Angebot abseits der Hafenrundfahrten machen wollten“,
erklärte der Pastor. Vorbei an
jenen Zeichen, ja auch Mahnmalen, die für Hamburgs
Reichtum und wirtschaftlichen
Erfolg stehen: das Terminal Altenwerder, für das ein ganzes
Dorf weichen musste und dessen Kirche sich einsam über
den Containern erhebt, das
neue Kohlekraftwerk Moorburg, das in seinem Bau heftig
Alltag blieb
außen vor
Chance statt Risiko Du musst nicht auf
Von Sophia Benzmann
Foto:
Anke Brockmeyer
Podiumsdiskussion zum Nutzen sozialer Medien
Von Christoph Miether
HAMBURG – Im Hörsaal des
Hamburg Museums fanden
sich zu dem Vortrag „Kinder
geistlich begleiten“ gestern
ausschließlich Erwachsene ein.
Den Vortrag hielt der ehemalige Pfarrer Rüdiger Maschwitz.
Er fand, „dass es nicht Ziel ist,
die Kinder zu manipulieren
oder zu erziehen, sondern ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, sich selbst zu verwirklichen“. Sein Vortrag zeigte Wege auf, Kindern spirituelle Begleitung auch durch individuelle Methodiken zu ermöglichen. Maschwitz benutzte dazu als Anekdote ein Sandspiel
über die Geschichte von Moses
Volk, dass durch Gott aus der
Wüste geführt wird.
Der Vortrag sprach jedoch lediglich Pädagogen an, Besucher, die sich ganz praktische
Methoden und Ratschläge erhofft hatten, wurden enttäuscht. Wünschenswert für
Interessierte wäre eine stärkerer Bezug zum Alltag gewesen,
um Techniken und Methoden
eines erfahrenen Pastors und
Familienvaters in der Realität
umsetzen zu können.
umstritten war, aber auch die
Vier- und Marschlande, auf deren fruchtbaren Böden das Gemüse für Hamburg angebaut
wird. „Die Elbe ist der Lebensstrom dieser Stadt“, machte
Woydack deutlich.
Mit Armut und Reichtum,
mit Wirtschaft und Ökologie
beschäftigte sich die Bibelarbeit von Jan-Dirk Döhling, Alttestamentler aus Bochum,
dann auch. „Meint ihr, ihr
könntet religiöse Wellness tan-
HAMBURG – Die sozialen Medien standen im Mittelpunkt
einer
Podiumsdiskussion
„Un-social Media“. Geladen
waren insgesamt sechs Gäste,
die von der moderierenden
Journalistin Irene Dänzer-Vanotti jeweils zu zweit auf der
Bühne Platz nahmen.
Zunächst sprach der Geschäftsführer von Wikimedia
Deutschland, Pavel Richter,
über Nutzen, Qualität und das
Funktionieren der Wikipedia,
dem wohl bekanntesten Tochterprojekt von Wikimedia. Abgelöst wurde er von HansWerner Kögel, der einen Überblick bezüglich der Internetpräsenz von Gemeindebriefen
gab.
Eine halbe Stunde nach Beginn stellte eine Zuhörerin eine Zwischenfrage. Sie hatte
mit dem Titel andere Themen
assoziiert, wie die gesellschaftlichen Auswirkungen
von Sozialen Medien. Die Moderatorin versprach, dass diese Punkte noch behandelt
werden.
Nach der Pause bewertete
NDR-Online-Redakteur Niels
Rasmussen die Rolle von Internet und sozialen Netzwerken wie Facebook. Ihre Entwicklung sei „eine Chance,
kein Risiko“. Denn während
via Facebook zahlreiche Rückmeldungen zu Rundfunkbeiträgen erfolgen, haben Artikel
im Internet den Vorteil, immer
verfügbar, aktuell und meist
kostenlos zu sein.
Die Nachfolgeredner, darunter der britische Bischof
und Blogger Nicholas Baines,
bezogen sich ebenfalls überwiegend auf die neuen Möglichkeiten von Sozialen Medien. Baines etwa meinte,
über Twitter und seinen Blog
komme er mit viel mehr Menschen in Kontakt als zuvor.
All das war informativ, nur
kamen die Redner nicht mehr
zum erwarteten Thema, streiften nur kurz den „Druck zur
Kommunikation“, den Kommentarfunktion und LikeButtons verursachen können.
„Digital Natives“, also Menschen, die mit dem Internet
aufgewachsen sind, fehlten
übrigens auf der Bühne. Vielleicht lag es daran.
ken, während am Ufer in sicherem Abstand tiefe Armut und
abgründiger Reichtum gleichgültig und gleich gültig vorbeiziehen?“, hieß es darin. Wachstum, sagte er, der Leitbegriff
unseres Wirtschaftssystems, sei
eigentlich ein ökologischer Begriff. „Würde man sich daran
erinnern, wüsste man auch,
dass in der Natur kein Organismus, keine Pflanze, kein Tier
unbegrenzt wachsen kann.“
Worte schaffen Fakten, so
der Hochzeit
zu Kana tanzen,
um Gottes
Wunder zu erleben.
Doch manche Orte machen es dir leichter:
Willkommen im Kloster Nütschau.
Gott sei Dank.
www.kloster-nuetschau.de
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BILD ER DES KI RCHENTAGES
Das Oratorium „Hiskia“ wurde in der Hauptkirche St. Nikolai uraufgeführt.
Foto: DEK T
4. Mai 2013
Der Applaus galt allen Teilnehmern des „SongTalent“.
Foto: DEK T
So klingt Hamburg
Vor einem Gottesdienst in der St.
Pauli Kirche: Bläser empfangen
die Besucher. Foto: Christoph Miether
Doppelt schön ist es, auch selbst
zu singen.
Foto: epd
Musik geht in die Beine.
Volle Halle: In der Fabrik fand die Finalshow vom „SongTalent 2013“ statt. Sieger wurde der Frankfurter Musiker Christian Schellenberg mit seinem Lied „Soviel du brauchst“.
Foto: DEK T
Foto: epd
Superstar Fritz Baltruweit.
Foto: epd
Proben für das „War Requiem“ von Benjamin Britten
Foto: DEK T
4. Mai 2013
BILD ER VOM KI RCHENTAG
Kirchentagsbesucher sollen für „evangelisch.de” das Gesangbuch auf Video einsingen. „Fünf Tage, 500 Lieder” lautet das Motto der Aktion „Vielklang”. Foto: epd
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Musik ist auch in den Messehallen an vielen Orten zu hören – hier singt eine Band im Café
„Pause inklusiv”.
Foto: Simone Viere
Max Mutzke lockte viele Menschen in die Hafencity
Foto: epd
Zahlreiche Fans feierten beim Konzert von „Max Mutzke & monoPunk” am Donnerstagabend am Strandkai in der Hafencity. Der Sänger präsentierte sein aktuelles Album „Durch Einander”.
Foto: epd
Technogottesdienst im Kaiserkeller des Clubs „Große Freiheit 36” auf St. Pauli
Foto: epd
Mitsingen beim Liederabend von
Fritz Baltruweit.
Foto: epd
Rockgottesdienst in der St. Petrikirche Altona.
Foto: Simone Viere
12 |
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
Für alle Kinder Abrahams
Die Blaue Moschee in Hamburg lädt auch Juden und Christen zum Gebet ein
Von Sophia Benzmann
HAMBURG – Im Zentrum von
Hamburgs Blauer Moschee
liegt er: der größte Gebetsteppich Europas. Handgeknüpft,
von 18 Webern in drei Jahren
Arbeit. Aber nicht nur das ist
hier besonders: Seit 50 Jahren
zeigt sich die Moschee mit den
markanten Minaretten auch
als Ort der kulturellen Vielfalt.
Ausdrücklich sind Menschen
aus den drei abrahamitischen
Religionen Islam, Christentum und Judentum allen Nationalitäten eingeladen, hier
zu beten oder den Rat bedeutender Gelehrter einholen.
Mohammed A. Hosseini, ein
Gemeindemitglied der Moschee, begrüßt die rund 50 Kirchentagsbesucher. Sein Vortrag
ist ein theologischer Abriss
über den Islam, bei dem auch
Fragen der Besucher geklärt
werden. Die Blaue Moschee,
gekrönt von einer 22 Meter
großen Kuppel, ist in iranischer
Architektur gebaut, erklärt
Hosseini ihnen. Das wiederkehrende Blau auf Teppichen,
Wänden und der Kuppel soll
ein Symbol für die Nähe zum
Himmel sein. Die Gemeinde ist
genauso international durchmischt wie die Stadt, längst ist
hier auch eine deutschsprachige muslimische Gemeinde herangewachsen. Dennoch steht
das Haus Gottes allen Interessierten offen.
Die Besucher schlüpfen in
Schuhüberzieher, um die heilige Stätte nicht zu beschmutzen. Dann suchen sie sich einen Platz, um Hosseinis Vortrag zu lauschen. Thema sind
die Rolle der Frau im Islam, ein
Leben nach Gottes Geboten
und der Dialog zwischen den
abrahamitischen Religionen.
Hosseini beschreibt „den Menschen als so komplex, dass er
eine Bedienungsanleitung von
Allah braucht“. Diese Anleitung biete der Koran. Der Islam
Treffpunkt auf dem größten Gebetsteppich Europas in der Blauen Moschee Hamburg.
Foto: Sophia Benzmann
bedeute Hingabe zu Gott. Und
es sei Gottes Wunsch, dass sich
die Menschen lieben.
Husseini betont die vielen
Übereinstimmungen mit dem
Christen- und Judentum. Auch
im Koran werde Jesus und seine heilige Mutter Maria auf
schönste Art und Weise beschrieben, sagt er. In die Besu-
chermenge kommt aber erst
Regung, als Hosseini damit
fortfährt, dass die Liebe zu Gott
alle abrahamitischen Religionen verbinde.
Die zuerst leise ausgesprochenen Fragen der Besucher
werden hitziger, als Hosseini
auf die Stellung der Frau im Islam zu sprechen kommt. Im
Koran werde sie als Gottes
Ebenbild der Schönheit beschrieben, erklärt er. Zudem
unterschieden Frau und Mann
sich im Islam nur körperlich,
nicht spirituell. Sie seien
gleichgestellt und deshalb beteten sie in der heiligsten Moschee in Mekka auch auf einer
Ebene.
Eine Frau aus der Besuchergruppe sagt beim Gehen: „Wie
schön wäre es doch, wenn alle
Religionen gemeinsam beten
könnten.“ Ein schöner Platz
dafür wäre der handgeknüpfte
Gebetsteppich gleich an der
Alster. Blau wie der Himmel.
Heute: Vortrag, 14-16.30 Uhr
Vorsicht Fettnäpfchen!
Wenn ein Clown seine Grenzen testet und einen Streit auf der Bühne entfacht
HAMBURG – „Und, wie geht
es deinem Mann so?“ – eine oft
gestellte, scheinbar unverfängliche Frage bei einem kurzen
Plausch. Lautet die Antwort
aber: „Er hat sich vor kurzem
von mir getrennt“ wird es unangenehm. In Fettnäpfchen
wie diese ist wohl jeder schon
einmal getreten.
Der Workshop „(Inter-)Kulturelle Fettnäpfchen“ im Zentrum Jugend griff dieses Thema auf. In spielerischen
Übungen tauschten die Jugendlichen ihre Erfahrungen
aus und beschäftigten sich mit
möglichen Ursachen für interkulturelle und kulturelle Missverständnisse.
Durch den Workshop führten der Clown Matthias und
die Workshopleiterin Vera. Zunächst erhielten alle Teilnehmer eine Karte mit einer bestimmten Gestik wie Schulterklopfen, Umarmung oder Verbeugung. Aufgabe war dann,
sich untereinander mit diesen
Gesten zu begrüßen. Schnell
wurde klar, dass eine Begrüßung sehr unterschiedlich
aussehen kann. Denn nicht
überall schüttelt man sich die
Hände wie in Deutschland. In
anderen Kulturen, in denen
man zur Begrüßung die Hände
vor der Brust kreuzt, kann das
Ausstrecken der Hand als Aggression missdeutet werden.
Deshalb können kulturelle
Unterschiede immer auch zu
Missverständnissen führen.
Matthias erklärt: „Man kommt
immer mit seiner Interpretation angelaufen, nur weil man
das in seiner eigenen Kultur so
kennt.“
Missverständnisse
passieren aber nicht nur im
Ausland. Die Jugendlichen berichteten einander in Kleingruppen von erlebten Fettnäpfchen. Schließlich stellten
sie eine der Situationen im Plenum den anderen vor.
Immer wieder redete der
Clown seiner Kollegin frech
dazwischen oder packte seine
knisternde Chipstüte aus.
Schließlich reichte es seiner
Kollegin: „Matthias, ist dir
überhaupt irgendwas unangenehm?“ Wieso sein Verhalten
ein Problem sei, schien der
Clown nicht zu verstehen.
„Einfach immer drauf los! Man
muss einfach laut sein und
bunt. Dann finden einen alle
toll.“ Doch was als Clown im
Zirkus funktioniert, ist im echten Leben nicht immer angebracht. Im Workshop wurde
klar, dass es auch auf Einfühlsamkeit und Beobachtungsgabe ankommt.
Das unhöfliche Benehmen
des Clowns war nur Teil des
Programms. Er ist in Wahrheit
Theologiestudent. Vor Jahren
hat er mit der Vereinten Evangelischen Mission einen Freiwilligendienst im Ausland erlebt. Das hat ihn geprägt:
„Wenn man zurück kommt,
möchte man seine Erfahrungen teilen“. Auch Vera organisiert momentan einen Partneraustausch mit Namibia.
Wer mehr über Freiwilligendienste im Ausland erfahren
möchte, hat dazu am heutigen
Samstag hier auf dem Kirchentag die Gelegenheit. „Einmal
hin und anders zurück“ lautet
der Workshop der VEM–Netzwerk Jugend und beginnt um
11 Uhr im Workshopzentrum
am Friedrich-Ebert-Gymnasium, Alter Postweg 30-38.
4. Mai 2013
BERICH TE UND TERMI NE
Mein Foto vom Kirchentag
Leser präsentieren ihr schönstes Erlebnis - Machen Sie mit!
HAMBURG – Junge Baumeister werkeln in den
Bauhütten der „Kinder-Kathedrale” an Altarschmuck,
verzieren Kirchenfenster
oder lernen die Gutenbergpresse kennen, erzählt Leser Holger Wiese. Das Foto,
das er uns schickte, zeigt
seinen Sohn Daniel mit anderen Kindern an diesem
Gemeinschaftsprojekt.
„Daniel hat sich für das Gestalten am Bodenmosaik
entschieden. Farbig prächtig, ausdrucksstark sind
seine Bilder auch Zuhause.” Für das Mosaik lasse
sich der Siebenjährige vom
Grün der umgebenden
Wallanlagen inspirieren
und vom gerade entdeckten Eichhörnchen. „Mal sehen was noch zu schaffen
ist, Daniel möchte auch
noch am Altar mitarbeiten
- ganz nach dem Motto: So
viel die Kathedrale braucht
und ich leisten kann.”
Wir suchen Ihr Foto! Sie haben ein gelungenes Kirchentags-Foto im Kasten? Dann mailen Sie
es bis 17 Uhr an kitag@evangelische-zeitung.de und erzählen Sie uns die Geschichte: Wer
sind Sie, was sehen wir auf dem Foto und in welcher Situation entstand es? Die Redaktion
der Kirchentageszeitung druckt das beste Foto ab.
Foto: Holger Wiese
Wirklich barrierefrei?
Die „Evangelische Kirchentageszeitung” fragt bei Menschen mit Beeinträchtigung nach.
Von Gyde Wartenberg
HAMBURG – Barrierefreiheit ist ein Schwerpunkt
des Kirchentags. In diesem
Jahr ist das 30-jährige Jubiläum des barrierefreien
Kirchentags.
Um den Kirchentag für
jeden einfach zugänglich
und verständlich zu machen, gibt Hilfe in öffentlichen
Verkehrsmitteln,
Fahrdienste und barrierefreie Gemeinschafts- und
Privatunterkünfte. Barrierefreie
Veranstaltungen
sind im Programmheft gekennzeichnet, bei denen
Stellflächen für Rollstühle
gewährleistet sind. Leichte
Sprache oder Gebärdensprache machen auch Gottesdienste für alle Besucher
verständlich.
Soweit die Theorie. Aber
wie barrierefrei ist der Kirchentag tatsächlich, und
was kann man noch verbessern? Eine Schülerreporterin fragt direkt bei
dem Kirchentagsbesucher
mit Beeinträchtigung nach.
Volker Westermann: Es
gibt zu wenige behindertengerechte Toiletten, die oft
nicht gut ausgeschildert sind.
Iris Westermann: Barrierefreie Veranstaltungen sollten
auch in der App zu finden
sein. Sonst großes Lob!
Angela Voigt: Beim Kirchentag werde ich als Individuum
angesehen, nicht als Einheit
mit meiner Begleitperson.
Reinhold Netz: Meine Anreise aus Südfrankreich verlief
reibungslos. Abhol- und Fahrdienst sind sehr zuverlässig.
Annette Schütz: Liedtexte
und die Tagungsmappe sollten auch für sehbehinderte
Menschen lesbar sein.
Wiebke Koch: Ein großer
Pluspunkt ist, dass ich mir einen Rollstuhl ausleihen
konnte.
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T I P P S D E R R E DA K T I O N
HAMBURG – Rund 2500 Veranstaltungen bietet der Kirchentag. Die Redaktion der Kirchentageszeitung möchte
Ihnen die Auswahl erleichtern. Das
sind unsere Tipps für heute:
11–13 Uhr Zukunft der Kirchen: Brauchen
wir unterschiedliche?
mit Landesbischof Frank Otfried July, Präses
Manfred Rekowski, Wolfgang Thierse, Erstunterzeichner „Ökumene Jetzt“ und Dr. Olav
Fykse Tveit, Generalsekretär Ökum. Rat der
Kirchen
Frosta-Bühne an den Magellan-Terrassen
11–13 Uhr Fortschritt oder Stillstand?
Was bringt der Katechismus der Neuapostolischen Kirche für die Ökumene?
Das Rauhe Haus, Wichern-Forum, Beim
Rauhen Hause 21
11-12.30 Uhr Preisverleihung des Webfish, Jurywettbewerb für die besten evangelischen Webseiten
Ökumenisches Forum, Shanghaiallee 12-14
11 Uhr Christliche Gemeinschaften stellen
sich vor
Mit der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten, der Communität Christusbruderschaft,
der Gemeinschaft „Gemeinsames Leben“
und der Diakonischen Basisgemeinschaft
„Brot & Rosen“
Jerusalem-Kirche, Schäferkampsallee 36
12.30-14.30 Uhr Chortreffen der Gebärdenchöre mit Mittagsgebet
Halle B1, Erdgeschoss, Messeglände
14 Uhr „Er fuhr seinen Weg fröhlich weiter“, Fahrradgottesdienst auf dem Fischmarkt
14–16.30 Uhr Rolle der Gebetshäuser –
Dialog zwischen Christen und Muslimen
mit Dr. Detlef Görrig (Referat für Islam und
Weltreligionen Dialog in der EKD), Dr. Hujjat al-Islam Maasumi (Islamisches Zentrum
Hamburg) und Imam Ayatollah Dr. Reza
Ramezani, Islamisches Zentrum Hamburg.
Imam Ali Moschee, Schöne Aussicht 36
15.30-16.30 Uhr „Ich hüll‘ dich golden
ein“, Segnungsgottesdienst
Große Wallanlagen, Kinderkathedrale am
Hamburgmuseum, Holstenwall
16-18 Uhr Wohlstandsevangelium, Diskussionsveranstaltung mit dem African
Christian Council Hamburg
Erlöserkirche (Borgfelde), Jungestr. 7
18.30–20 Uhr Gemeinsame Verantwortung – gemeinsam beten, christlich-islamischer Gottesdienst
St. Georgskirche, St. Georgs Kirchhof
19-22 Uhr „Der liebe Gott und der Klabautermann“, Der Rhythmus der Küste –
ein Fest
Fischauktionshalle, Große Elbstraße 9
19.30-21 Uhr „Am Himmel hell und klar“,
Alle Bläser sind zum Mitmusizieren eingeladen
Bühne am Rathausmarkt
20-22 Uhr Frauen und Männer – sich
selbst belachen und gemeinsam freuen,
Playbacktheater und Musik
Handelskammer, Börsensaal, Adolphsplatz 1
20-23 Uhr „In 150 Psalmen durch die
Nacht“, ein lange Nacht der Psalmen mit
Musik, Zauber, Tanz und Posaunen
Epiphanienkirche Winterhude, Großheidestraße 44
22-24 Uhr h.o.l.y. und VJ Skinfiltr8r,
Christliche DJs legen auf: Elektro-Worship
und Llive-Gebete mit Cellistenbegleitung
St. Pauli, Pinnasberg 80
14 |
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4. Mai 2013
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Der Künstler thematisiert darin die von Kindern oft gestellte Frage nach
"dem Himmel". Erwachsene sagen ihnen, dass Menschen, die sterben, dort
hinkommen. Aber wie sieht es im Himmel aus?
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Jan wundert sich
Jan sieht eine kleine Blume, einen mächtigen Baum und dann einen riesigen
Berg. Wie groß mögen da erst die
Sonne, die Milchstraße oder das ganze
Universum sein? Kindern wird hier die
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REPORTAGE
4. Mai 2013
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15
Spuren der Bedrohung
Ein etwas anderer Stadtspaziergang durch Hamburg
Von Paula Mittermayer
Es wird unruhig in der
Messehalle B 7. Wo eben
noch
Podiumsbesucher
saßen, wird nun die Halle
geleert,
alle
Menschen
müssen raus. Die Kanzlerin
kommt. Dafür muss vorab
die Sicherheit gewährleistet
werden.
Während
die
Kirchentagsbesucher
allmählich den Weg nach
draußen finden, hält sich
eine Gruppe Menschen noch
wacker an einem der Stände.
Die Gruppe für die Führung
„Treibhaus Hamburg – ein
Stadtrundgang
auf
den
Spuren des Klimawandels”
hat
sich
noch
nicht
formiert. Zu viele Leute
haben Interesse an dem
informativen Stadtrundgang.
Es dauert ein wenig, bis
sich alle Teilnehmer und
die zwei Führerinnen durch
das
Durcheinander
von
Menschen,
Polizei
und
Pfadfindern den Weg nach
draußen gebahnt haben.
Nicht mehr als dreißig Leute
haben Sarina Fröhling und
Lisa Koeritz für die Führung
eingeplant. Viele müssen
sie auf die Abendführung
vertrösten, die jedoch auch
schon fast ausgebucht ist.
Sarina und Lisa, beide absolvieren derzeit ein Freiwilliges
Ökologischen Jahr, nehmen
die Kirchentagsbesucher mit
auf einen Rundgang durch
das Schanzen- und das Karoviertel. Dem Klima dabei
immer auf der Spur. Denn
die vielen Klimasünden,
die wir alle verursachen,
lauern auch in Hamburg
direkt vor der Haustür.
Bevor sich die Gruppe in
Bewegung setzt, präsentiert
Sarina, mit Headset und
Lautsprecher
ausgestattet,
noch ein paar Fakten. „Bis
2020 möchte Hamburg seine
CO2- Emission um 40 Prozent senken.“ Auch die Auszeichnung als Umwelthauptstadt 2011 spricht sie an,
sieht den Verdienst jedoch
skeptisch. Der Bau des neuen
Kohlekraftwerkes ist ein
Kritikpunkt. „Die hohe Luftverschmutzung in Hamburg verstößt sogar gegen
die EU-Richtlinien“, erklärt
Sarina den Teilnehmern.
Auch die Container- und
Kreuzfahrtschiffe
stellen
eine große Belastung für
Hamburg da. Klimawandel
findet hier und jetzt statt.
Nicht weit muss die Gruppe
gehen, um an der ersten
Station Halt zu machen. Die
Rundgänger sind umgeben
von langen Backsteingebäuden und großen Fabrikhallen.
Es ist der Hamburger Fleischgroßmarkt. Wo früher noch
Massen an Vieh gehalten wurden, fahren heute Lastwagen
ein und aus. Der Viehgestank
in unmittelbarer Stadtnähe
war den Hamburgern bald
lästig und sie verbannten
die
Mastanlagen
und
Stallungen aus der Stadt.
Fleischindustrie jedoch wird
hier immer noch betrieben.
Bevor Sarina näher auf die
Bedeutung des Fleisches
eingeht, sind die Besucher
gefragt. Flink verteilt Lisa
einen Apfel, Brot, Würstchen,
eine Paprika und einen
kleinen Becher Milch an die
Gruppe. Auf dem Gehweg stehen unterschiedlich große
Quader. „Sie verdeutlichen
den
Kohlendioxidausstoß“
erklärt Sarina. Der größte
Würfel symbolisiert zwanzig
Tonnen CO2, der kleinste
Würfel stellt 0,3 Tonnen
dar. Sarina stellt die Frage:
„Welches
Lebensmittel
verbraucht wie viel CO2?”
Die Würstchen finden
schnell ihren Platz auf dem
großen Würfel. Doch wie sieht
es aus mit Obst und Gemüse?
Die Besucher kommen ins
Straucheln. Und die Milch?
Wird bei ihrer Herstellung
mehr CO2 ausgestoßen als
beim Brot? Doch gemeinsam
wird die richtige Reihenfolge
gefunden.
Die
leckeren
Würstchen auf dem deutlich
größeren Würfel - das gibt zu
denken.„Für ein Kilo Fleisch
braucht man acht Kilo
Getreide” erzählt Sarina. Mit
Hilfe von weiteren Zahlen,
Daten und der Bemerkung,
dass
jeder
Bürger
im
Jahr durchschnittlich 82
Kilogramm
Lebensmitte
wegwirft, darunter auch
Fleisch, motiviert Sarina
die
Führungsteilnehmer,
ihren Lebensmittelkonsum
zu
bedenken.
Weniger
Fleisch, mehr Bio, bewusster
kaufen.
Ganz
einfach.
Die Gruppe zieht weiter
Weg von den großen Fleischhallen in Richtung SchanzenViertel. Es geht vorbei an
Bekleidungsläden und Boutiquen. Auf einem Parkplatz
macht die Gruppe Halt.
„Wieviele
Kleidungsstücke
kaufen Sie sich im Jahr?“, fragt
Sarina. Die meisten müssen
überlegen. Dreißig. Manch
einer sagt mehr. Achtzig.
Ganz schön viel. „Das ist
auch schwer zu ermitteln”so
Sarina. „Zwischen 40 und
70 Kleidungsstücke kauft
der Deutsche im Jahr.“
Was hat nun Kleidung mit
dem Klima zu tun? Lisa
verteilt laminierte Schilder an
einige Teilnehmer. Sie zeigen
die Reise einer Jeans. Und
prompt wird der Hamburger
Klimaspaziergang zu einer
kleinen Weltreise. Angefangen in Indien, wo durch den
Einsatz von Chemikalien und
viel Wasser die Baumwolle,
der nötige Rohstoff für die
Jeans, wächst. Nach der Ernte
geht es für die Baumwolle
nach China, zum Spinnen.
Dann geht es von der
Volksrepublik in die Republik
China, nach Taiwan, wo das
Garn nun gefärbt wird.
Zehn Kilogramm CO2 kommen auf jeden Container, der im Hamburger Hafen umgeschlagen wird. Neun Millionen Container sind es im Jahr.
Schlappe 4500 Kilometer
hat die Baumwolle bis
dahin erst verfahren und
verflogen. Die Reise ist aber
noch längst nicht vorüber:
Nach Polen geht es zum
Weben;
aus
Frankreich
fliegen
Innenfutter
und
Waschanleitung ein und
zurück geht es auf die
Philippinen zum Nähen.
Bis die Jeans dann von uns
im Laden gekauft wird, hat
sie stolze 40 000 Kilometer
hinter sich. Ein weiter Weg.
„Aber es gibt Alternativen“,
betont Sarina. „Kleidung aus
fair-gehandelter Baumwolle,
auch aus anderen Rohstoffen
wie aus Flach oder Hanf.”
Und auch hier gilt, wie beim
Fleisch: Weniger ist mehr.
Sich zu überlegen, wie
viel man braucht.
Einige weitere Stationen wird
die Gruppe noch erreichen.
Immer wieder macht Sarina
deutlich, welche Dinge des
täglichen Gebrauchs zu den
schlimmsten
Klimakillern
gehören. Neben Fleisch und
Kleidung beispielsweise auch
Papier, das wir in Mengen
verbrauchen. Den Verbrauch
senken – darauf kommt es
Sarina an.
T E RMIN E
statt
statt
2 Klaus Schumacher
jetzt
2 Dr. Dietrich Sagert, Zentrum
für ev. Predigtkultur,
Lutherstadt Wittenberg
i
I Hauptkirche
St. Katharinen,
Katharinenkirchhof 1
(464 … f8)
p 339
Bibelarbeiten
statt
statt
2 Prof. Jürgen Flimm
jetzt
2 Evelyn Finger, Redakteurin
und Literaturwissenschaf tlerin,
Hamburg
Christoph Störmer, Hauptpastor Hauptkirche St. Petri,
Hamburg
i
I Hauptkirche St. Petri,
Bei der Petrikirche 2
(482 … g8)
09 30
09.30
Samstag
Samstag
Inga Krefis-Vooelkel
Liebe Kirchentagsgäste!
Wie viele „Gute Orte für alle“ gibt
es für Sie bei diesem Kirchentag und in Hamburg? Nehmen
Sie sich an diesem letzten Taag
noch einmal Zeit, den blauen
Anhänger auszufüllen, um Ihren
persönlichen guten Ort mitzuteilen. Ich möchte diesen „guten
Ort“ in der Kirchentagszeitung
nutzen, um mich bei den rund
5.500 Helferinnen und Helfern,
40.000 Mitwirkenden und allen
ehrenamtlichen Mitarbeitenden
des Kirchentages für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken,
der zu diesem wunderschönen
Kirchentag geführt hat!
Noch einmal haben wir hier für
Sie alle wichtigen Änderungen für
den heutigen Samst
Samstag
ag und den
onntag
Schlussgottesdienst am SSonntag
zusammengetragen.
Tsschüss aus Hamburg – wir sehen
uns 670 km südlich von hier in
Stuttgart beim 35. Deutschen
Evangelischen Kirchentag vom
3. bis 7. Juni 2015 wieder!
Kommen Sie morgen gut nach
Hause!
p 342
entfällt
11
.00 –12.30
11.00–12.30
p 344
2 Asian Worship and Music
e Worship and the Struggle
for Justice and Peace
r
I St. Pauli Kirche
W
Weitere
eitere Gottesdienste
11.00
1
1.00
00
statt
statt
1
0.30 -11.30
10.30-11.30
p 343
3 Miteinander
Mitmachlieder für Kinder
NEU
jetzt
3 Trommelzauber
Mitmachkkonzert für die
ganze Faamilie – raan an die
Trommel!
r
Taamborena-Trrommelzauber,
Hamburg
I Große Wallanlagen,
Freilichtbühne (434 … e7)
Faamiliengottesdienst
neu zusätzlich
Carina Lohse, Hamburg
Annika Woydack, Hamburg
Eckard Vincke, Halle/Westfalen
I Große Wallanlagen,
Kinder-Kathedrale am
Hamburgmuseum,
Holstenwall (446 … e7)
2 Wasser des Lebens
1
0. 30 –11.30
10.30–11.30
Kinder im Zentrum
10.30–12.00
1
0.30 –12.00
NEU
1 Kirche und Diakonie als
Arbeitgeber
Ein Streitgesprrääch
Frank Bsirske, Vorsitzender
Verdi, Berlin
Prof. Dr. Gerhard Robbers,
Jurist und Kirchentagspräsident, Trrier
Moderation: Uli Röhm,
Wirtschaffttsjournalist,
Jugenheim
i
I St. Georgskirche,
St. Georgs Kirchhof
(410 … g7)
PPodium
odium Arbeit
10.30
1
0.30
0
30
Hannover
statt
statt W Christuskirche
(Eimsbüttel),
Bei der Christuskirche 2
(266 …D5)
jetzt I St. Marien-Dom, Am
Mariendom 1 (278 … h7)
2 Landesbischof Ralf Meister,
p 351
p 361
p 362
Ein – nicht nur –
theologisches Gesprrääch
über Glaubenshaltungen
statt
st
att
Prof. Dr. Christoph Schwöbel
jetzt
Prof. Dr. Christoph Seibert,
Theologe, Hamburg
i
M CCH, Saal 2, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
1 In Hingabe frei?
11.00-13.00
11.00 -13.00
Podienreihe
Podienreihe Muslime und
Christen
Arbeiten und Leben
auf dem Schiff
statt
statt
Frank Bsirske
jetzt
Arne von Spreckelsen,
Gewerkschaf ter, Berlin
neu zusätzlich
Torben
o
Hass, Kapitän,
Flensburg
Dr. Dierk Lindemann,
Rechtsanwalt, Hamburg
Dr. Vaalerie Wilms MdB, Berlin
i
I Fischauktionshalle,
Große Elbstr. 9 (350 … d8)
e – wenig Geld
1 Weite Wege
11.00–13.00
1
1.00 –13.00
Zentrum Menschen, Meer und
Hafen
Brraauchen wir
unterschiedliche?
neu zusätzlich
Andrea Schneider, Pastorin,
Rundfunkbeauf tragte
Vereinigung
e i i
Ev. Freikirchen,
Oldenburg
Bischof Jan Janssen, Oldenburg
Kirchenpräsident Dr. Voolker
Jung, Darmstadt
Dr. Detlef Stäps, Domkapitular, Rottenburg/Neckar
I Frosta-Bühne an
den Magellan-Teerrassen
errass
(392 … f8)
1 Zukunft der Kirchen
1
1.00 –13.00
11.00–13.00
Bühne MagellanTerrassen
Magellan-Terrassen
1
1.00 –13.00
11.00–13.00
p 348
e
revolutionärr, jung
1 Weiblich,
Gesellsc
D Frraauen verräändern Gesellschaft
att
statt
E st
Amira Yah
a yaoui
jetzt
Rosa Yaassin Hassan, syrische
Autorin und Aktivistin,
Hamburg
i
W Universität, Audimax,
Von
o -Melle-Park 4
(872 … F6)
Forum Ar
abischer R
aum
Arabischer
Raum
NEU
p 384
Prof. Dr. Katajun Amirpur,
islamische Theologin, Hamburg
Dr. Olav Fyk
y se Tveit, Generalsekretär Ö
Ökum. Rat der
Kirchen (ÖRK), Genf/Schweiz
Erzbischof Dr. Robert Zollitsch,
Vor
o sitzender Deutsche Bischofskoonferenz, Freiburg/Breisgau
Moderation: Dr. Beatrice
von Weizsäcker, Publizistin,
München
Musik: BiHuN (Bläserkreis in
Hessen und Nassau), Frankfurt
i
M CCH, Saal 2, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
1 Der neue Papst Franziskus
D Ökumenische und
E interreligiöse Erwartungen
1
4.00 –15.30
14.00–15.30
Forum Ökumene
14.00
1
4.00
4
00
TTen
en Sing
entfällt
13
13.30–14.15
.30 –14.15
3 Und Action …
bk I Markthalle
13.30
1
3.30
3
30
Rock und Pop
Pop
entfällt
12
12.30–14.00
.30 –14.00
p 376
3 Für immer – Rock aus
Mittelhessen
I Hühnerposten
12
12.30–14.00
.30 –14.00
NEU
o
Songwritin
Songwriting
3 Workshop:
für Einsteiger
Marion Fiedler, Singer-Songwriterin, Dresden
W Christuskirche
(Altona), Gruppenraum,
Suttnerstr. 18 (260 … C6)
entfällt
1
12.30–13.30
2.30 –13.30
p 374
3 Deutschsprachiger
Praise-Rock mit Tiefgang
W Christuskirche (Altona)
Christliche Popularmusik
Popularmusik
entfällt
12
12.30–14.00
.30 –14.00
p 374
o
HipHop und
un
1 Workshop:
Rap selbstgestrickkt
W Christuskirche (Altona)
12.30
1
2.30
2
30
Gospel und Spiritual
entfällt
11.30–13.00
11.30 –13.00
p 371
3 African Gospel Singers
H Paul-Gerhardt-Kirche
(Wilhelmsburg)
11.30
1
1.30
30
ÄNDERUNGEN
Ä N D E R UN G EN FFÜR
ÜR S
SAMSTAG,
AMSTTAG, 4
4.. M
MAI
AI 2
2013
013
entfällt
2 Prof. Dr. Dr. h. c. mult.
Eberhard Jüngel
i
I St. Marien-Dom
4. Mai 2013
p 391
p 399
seine Akktteure heute
statt
st
att Samir Nasr
jetzt Omar Khaled, Student,
Kairo/Ägypten
i
W Universität, Audimax,
Von
o -Melle-Park 4
(872 … F6)
1 Blogger, Bilder und
D Parteien
E Der arraabische Frühling und
15.00–18.00
15.00 –18.00
Forum Arabischer
Arabischer Raum
Raum
15.00
1
5.00
5
00
entfällt
1
14.30–15.30
4.30 –15.30
p 394
Deutschsprachiger
Praise-Rock mit Tiefgang
b
H Friedrich-Ebert-Halle
Zentrum Regenbogen
entfällt
14.30–16.00
14.30 –16.00
p 393
o
Pro Homo!
1 Workshop:
Identität in Popularmusik
O Das Rauhe Haus
1
4.30 –15.30
14.30–15.30
p 392
1 Ist die Kirche ein gastlicher
D Ort für alle?
onve
E Kath. und evv. Koonventionsg texte zur Inklusion
statt
st
att Cornelia Coenen-Marx
jetzt Dieter Kaufmann, Oberkirchenrat, Vor
o standsvorsitzender
Diakkoonisches Werk
Württemberg, Stuttgart
i
M CCH, Saal 4, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
Zentrum Inklusion
Zukunft?
neu zusätzlich
Peter Conradi, Architekt,
Stuttgart
Dirkk-Michael Grötzsch, ehemaliger Sprecher Neues Forum
Oldenburg
Michael Harr, Pfarrer gegen
Stuttgart 21, Ingersheim
Hannes Rockenbauch, Stadtrat und Sprecher Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21
Jan Witza, Jugendbildungsreferent, Dresden
I Frosta-Bühne an den
Magellan-Teerrassen
erras
(392 … f8)
1 Hat Unzufriedenheit
14.30–16.00
14.30 –16.00
Bühne Magellan-Terrassen
Magellan-Terrassen
14.30
1
4.30
4
30
Aktuelle Programmänderungen
Kirchentag
Kirchentag
ag Aktuell
Akktuell
t
16 |
p 404
Junge Leute fragen
Zeitzeugen
statt Wolfgang Tiefensee MdB
jetzt Erika Riemann, Autorin,
Hamburg
Andreas Thieme, Rockmusiker,
Hamburg
b
H FriedrichEbert-Gymnasium,
Turnhalle, Alter Postweg 30–38 (380 … AB1)
1 Gespräch: Ich war dabei –
15.00–16.30
Zentrum Jugend
15.00–18.00
p 403
1 Vermarktete Körper –
D befreite Körper
E Vorstellungen von Körper,
Sexualität und Spiritualität
statt Gunilla Ekberg PhD
Prof. Dr. Godwin Lämmermann
jetzt Angela Bähr, Fachbereichsleiterin Migration und
Frauensozialarbeit, Diakonie
Hamburg
Prof. Dr. Karl Braun, Ethnologe
und Kulturwissenschaftler,
Marburg
neu zusätzlich
Prof. Dr. Sabine Kienitz,
Kulturanthropologin,
Hamburg
i
I Handelskammer,
Börsensaal, Adolphsplatz 1 (452 … f8)
Zentrum
Geschlechtergerechtigkeit
15.00–18.00
p 403
1 Neue Gemeindemodelle
Beispiele, Erfahrungen,
Nachfragen
statt Ulrike Greim
jetzt Sabine Dreßler, Pastorin,
Braunschweig
k
O Dreifaltigkeitskirche
(Hamm), Gemeindehaus,
Horner Weg 17 (284 … K7)
Zentrum Gemeinde
15.00-18.00
p 401
1 Alles lassen
Vom Sinn der Einsamkeit
Gespräch
statt Prof. Dr. Thomas Macho,
Philosoph, Berlin
jetzt Prof. Dr. Joachim Jacob,
Literaturwissenschaftler,
Gießen
sK W Abaton, Großes Kino,
Allende-Platz 3 (100 … F6)
Filmreihe
Bilder der Einsamkeit
15.00–18.00
p 400
1 Das Ende der Schriftkultur?
Die Heilige Schrift im
Wandel der Zeichen
statt Prof. Dr. Jochen Hörisch
jetzt Prof. Dr. Margit Böck,
Institut für Deutschdidaktik,
Klagenfurt/Österreich
i
M Halle B3,
Obergeschoss,
Messegelände (692 … e6)
Zentrum Bibel
4. Mai 2013
Die Fundstelle des Kirchentages
(CCH, Saal 2, Garderobe) ist
telefonisch zu erreichen unter:
040 3569-5310
16.30–18.00
p 425
1 Was sollen wir essen?
Blick über den Tellerrand
statt Cornelia Füllkrug-Weitzel
jetzt Sonja Weinreich, Referentin
Brot für die Welt –
Ev. Entwicklungsdienst, Berlin
i
H Friedrich-EbertHalle, Alter Postweg 30–38 (386 … AB1)
Zentrum Jugend
16.30
Rock und Pop
entfällt
16.00–17.00
p 422
3 Powerschlager aus Berlin
Innenhof
Ost
M
statt 15.30–16.30
p 416
jetzt 17.30–18.30
3 Soviel a cappella wie du
brauchst
Eine Stunde a cappella – von
geistlich bis Pop
Vokalensemble conSonanz,
Hamburg
i M St. Gertrud (Uhlenhorst),
Immenhof 10 (422 … I6)
Kirchenmusik und Klassik
16.00–17.00
NEU
3 Sphärischer Jazz-Pop
Musik mit der Seele hören
Land Über, Radebeul
M Innenhof Ost, Pavillon,
Messegelände (692 … e6)
Jazz, Folk, Blues
16.00
15.00–18.00
p 409
1 Globale Schnäppchenjagd
D Land und Rohstoffe –
E wirtschaftliche Interessen
und gerechter Zugang
statt Alexander Müller
jetzt Dr. Wilfried Bommert, Autor,
Journalist und Sprecher
Institut für Welternährung,
Berlin
M Halle B7,
Messegelände (692 … e6)
Umwelt und Wandel
15.00–18.00
p 406
1 E-Health: Gesundheit
im Netz
Vom Wandel der Medizin im
Computerzeitalter
statt Dr. med. Karl Jähn
Dr. Werner Bartens
jetzt Prof. Dr. Werner A. Scherbaum,
Internist und Herausgeber
Gesundheitsplattform Fragden-Professor.de, Düsseldorf
Christoph Koch, Journalist,
Hamburg
i
M Halle B4, Obergeschoss, Messegelände
(692 … e6)
Podienreihe Lebensreichtum –
Lebensrisiken
Lyrik und Prosa
p 450
Str. 2 (236 … f6)
M CCH, Saal 4, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
M CCH, Saal G, Marseiller
Museen
Donnerstag, Freitag, Samstag
10.30–17.00
NEU
Archäologisches Museum
Dauerausstellung und
Sonderausstellung Lego
Zeitreise
H Archäologisches
Museum Hamburg,
Stadtmuseum Harburg/
Helms-Museum,
Museumsplatz 2
Ausstellungen
i
jetzt
i
statt
20.00–22.00
3 Mehr als genug
Großkonzerte
20.00
18.30–20.00
NEU
3 Workshop: PopStimmbildung
Hans-Georg Stapff, Buchdorf
W Christuskirche
(Altona), Gruppenraum,
Suttnerstr. 18 (260 … c6)
Christliche Popularmusik
18.30
Kabarett
entfällt
17.30–19.00
p 433
3 Evangelisch? Bloß nicht! –
Katholisch? Never!
si O Wichernkirche
17.30
17.00–19.00
p 432
3 Preisgekrönte Kurzgeschichten zur Losung
Lesung der Preisträger,
Würdigung und Diskussion
neu zusätzlich
Stefan Etgeton, Hamburg
Amelie Schmid, Hamburg
Pamela Stehen, Hamburg
Maren Töbermann, Hamburg
Tina Uebel, Hamburg
jetzt ohne
Gothart Magaard
Dr. Rainer Moritz
I Ehemaliges Hauptzollamt, Zollhalle, Alter
Wandrahm 20 (296 … g8)
kirchentag.de shop
Gültig vom 1.–5. Mai 2013 | 1 Gutschein pro Person und Einkauf |
an allen Verkaufsstellen im Kirchentagsgebiet |
gilt nicht für Onlinebestellungen
Für einen Einkauf im KirchentagsShop beim
34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg
Gutschein 0,50 €
Alle Karten für Oper vergeben
Vom Ende der Unschuld ist
in voller Länge am 4. Juli ab
20.05 Uhr in der Sendung
Opernkonzert auf NDR Kultur
zu hören.
Wir bitten um Ihr Verständnis!
17.00–18.00
p 428
2 Baut das Haus des Herrn –
Soviel ihr braucht
Familiengottesdienst in der
Kinder-Kathedrale
neu zusätzlich
Hartmut Wild, MarburgMichelbach
Joachim Bertsch, Köln
I Große Wallanlagen,
Kinder-Kathedrale am
Hamburgmuseum,
Holstenwall (446 … e7)
Kinder im Zentrum
17.00
Gospel und Spiritual
entfällt
16.30–17.30
p 427
3 Moderner Gospel
O Christengemeinde Elim
jetzt
NEU
3 Himmelwärts
Lieder, die den Himmel
öffnen
Jonathan Böttcher,
Heppenheim
i
W Christuskirche
(Altona), Suttnerstr. 18
(260 … C6)
Christliche Popularmusik
statt
16.30–17.30
3 Lobpreis mal anders p 426
16.30–18.00
p 425
1 Wenn die Kunst mit der
Kirche …
Künstler erleben Gemeinde –
Gemeinde erlebt Kunst
neu zusätzlich
Valérie Wagner, Artist in
Parish, Hamburg
Thomas Warnke, Pastor,
Hamburg
i
I Hauptkirche
St. Katharinen,
Katharinenkirchhof 1
(464 … f8)
Zentrum Kulturkirche
ÄNDERUNGEN FÜR SAMSTAG, 4. MAI 2013
T E R MIN E
p 466
17
Kirchentag aktuell
Herausgegeben vom
34. Deutschen
Evangelischen Kirchentag
Verantwortlich:
Silke Lechner
Redaktion:
Inga Krefis-Voelkel
Änderungserfassung:
Julia Gundlach, Rachel
Rentz, Miriam Stolz
Layout und technische
Realisierung:
Hilke Barenthien,
Sarah Reinhold,
Thomas Walk
Schlussgottesdienst p 560
Die Kollekte kommt zu gleichen
Teilen zwei Projekten in Afrika
zugute:
Basisgesundheitsversorgung für
die Menschen im Südsudan
Schwerpunkt des Projektes ist
der Bau und Wiederaufbau von
Gesundheitsstationen und Tiefbrunnen. Zudem sind Aufklärung zur Krankheitsvorbeugung
und Hygieneschulungen sowie
die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal wichtige
Bestandteile der langfristigen
Hilfe vor Ort.
Land als Überlebensfrage –
Unterstützung von Kleinbauern
gegen Land Grabbing in
Mosambik
INKOTA setzt sich mit seiner
Partnerorganisation Associação
Rural de Ajuda Mutua (ORAM)
für die Landrechte von Kleinbauern in Mosambik ein und
schützt sie durch den Erwerb
von Landtiteln vor dem Verlust
der Lebensgrundlage.
Kirchentags-Spendenkonto
Konto-Nr.: 40 62340
Ev. Darlehensgenossenschaft eG (BLZ 210 602 37)
Grünen
neu zusätzlich
Erzpriester Georgios Manos,
Hamburg
i
O Bühne im Stadtpark
(224 … H3)
2 Unter Feigenbaum und
g Weinstock
G Schlussgottesdienst im
10.00–11.30
Schlussgottesdienst
10.00
Sonntag
|
18 |
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
„Die Autorität des bittenden Christus“
Die Forderung nach mehr Transparenz im Rüstungsgeschäft beim Podium „Krieg als Geschäft?“
Von Paula Mittermayer
HAMBURG – Es ist wie in einem gut sortierten Fachgeschäft: Kampfjets, nuklearwaffenfähige U-Boote, Raketen und Handfeuerwaffen
und Mienen – der weltweite
Waffenhandel boomt. Dass
dabei nicht nur der rein wirtschaftliche Aspekt, sondern
vielmehr auch die Verantwortung für die Folgen eine wichtige Rolle spielen muss, betonte das Podium „Krieg als Geschäft? Rüstung made in Germany“. Und die Ansage war
deutlich: Mehr Transparenz
bei politischen Entscheidungen und im Handel.
Der gebürtige Südafrikaner
und frühere dortige Kongressabgeordnete Andrew Feinstein,
der seit einiger Zeit in London
lebt, eröffnete das Podium mit
einem kurzen Vortrag. Schließlich kennt sich der Waffenexperte aus. 1999 untersuchte er
den Verkauf südafrikanischer
Kampfflugzeuge. Sein Vortrag
jedoch hat einen andern
Schwerpunkt. „20 Milliarden
Dollar gehen im Jahr durch
Korruption verloren“, erzählt
der 49-Jährige und fügt hinzu:
„40 Prozent aller Korruption im
weltweiten Handel findet sich
im Waffengeschäft.“
Zu seiner Zeit in Südafrika
habe die Regierung 26 Kampfflugzeuge gekauft. Zwölf davon
blieben immer am Boden. Im
Nachhinein fehlte der südafrikanischen Regierung das Geld
für Medikamente zur HIV-Bekämpfung. Hunderttausend
Menschen starben.
Kopfschüttelnd sitzen die
vielen Besucher auf den Papphockern. Feinstein erzählt von
Bestechung und Steuerhinter-
ziehung. Er fordert: „Im Waffenhandel braucht es mehr
Transparenz und Kontrolle.“
Lauter Beifall aus dem Saal beendet seinen Vortrag.
Die Stimmung im Publikum
ist von Anfang an einheitlich
und präsent: Kein Verkauf von
Waffen – vor allem nicht an
Krisenländer. Diese Einstellung
der Kirchentagsbesucher bekommen auch die beiden Podiumsgäste zu spüren. Während Friedensforscher Jan Grebe durch Applaus in seinen Ansichten bestätigt wird, hat das
Publikum für Georg Wilhelm
Adamowitsch,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutsche Sicherheitsund Verteidigungsindustrie,
maximal Pfiffe übrig.
Grebe appelliert, „nicht zu
schnell zu militärischen Interventionen zu greifen. Das löst
nicht die Probleme.“ Lautes
Klatschen kommt aus der
Menge. Auf die Frage der Moderatorin Ines Pohl zur aktuellen Drohnen-Politik verfängt
sich Adamowitsch erneut im
Allgemeinen: dem wirtschaftlichen Aspekt der Rüstungsindustrie, abweisende Korruptionsereignisse und dem Verweis
auf das Kriegswaffenkontrollgesetz, was schwammig den
Handel in Krisengebiete reguliert. Von ethischer Verantwortung ist nicht die Rede.
Anders bei Feinstein und
Grebe und vor allem dem Publikum. Während des Podiums
können die Gäste Fragen und
Anregungen
aufschreiben.
Diese werden in einer Auswahl
von den Publikumsanwälten
Tillmann Elliesen und Dr. Michael Rohde dem Podium
übergeben. Was sind alternative Interventionsformen? Mehr
Bürgerbeteiligung bei zivilen
Friedensdiensten wird gefordert. Aber da ist auch das Gefühl der Hilflosigkeit. All das
beschäftigt die Kirchentagbesucher. Auf die direkte Publikumsfrage, wie Georg Wilhelm
Adamowitsch noch ruhig
schlafen könne, entgegnete er:
„Ich musste ja heute Morgen
pünktlich hier sein.“ Allgemeines Kopfschütteln.
Den anschließenden Impuls
gibt EKD Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider. „Die Realität
und Wünsche im Bereich Friedenssicherung und Sicherheitspolitik gehen sehr weit
auseinander.“ Doch Schneider
weiß um die Stärke der Menschen, die durch ihr zahlreiches Erscheinen zu der Veranstaltung deutliches Interesse
am rüstungspolitischen Geschehen haben. „Viele Bürger
sind sich der neuen ethischen
Verantwortung bewusst.“
Die Rolle der Kirche sieht er
weniger politisch. Die Politik
und die Unternehmer treffen
die
Entscheidungen,
so
Schneider. „Unsere Rolle als
Christen ist, den öffentlichen
Diskurs zu führen.“ Entscheidungen wird die Kirche kaum
treffen können. Doch die ethische Verantwortung, die das
Evangelium lehrt, davon lebe
der säkulare Staat. „Die Kirche
spricht mit der Autorität des
bittenden Christus“, versteht
Schneider diese Rolle.
Und dennoch fordert er klare
Maßnahmen, wie die parlamentarische Berichterstattung
über Rüstungsexporte und
über Beschlüsse im Bundessicherheitsrat. Für mehr Transparenz und mehr Kontrolle
wirbt er. Ein letzter Blick zu
den Podiumsgästen: „Und dafür will ich auch einen Adamowitsch gewinnen.“
Friedensforscher Jan Grebe fordert mehr Transparenz und Kontrolle
beim Waffenhandel.
Fotos: Paula Mittermayer
Will als Christ zu ethischen Bildung beitragen: EKD Ratsvorsitzender
Nikolaus Schneider.
De Maiziére: „Mehr Wertschätzung für Soldaten“
Die Ziele des Einsatzes in Afghanistan seien von Anfang an zu unrealistisch formuliert worden
HAMBURG – Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat mehr Wertschätzung für Soldaten in Auslandseinsätzen gefordert. „Wir
haben 200.000 Soldaten, die in
Afghanistan waren, denen darf
man mal danke sagen“, sagte er.
Dies könne die Bundeswehr
allein nicht leisten, es sei Aufga-
be der Gesellschaft - auch der
Kirche. Der Friedensbeauftragte
der Evangelischen Kirche in
Deutschland, Renke Brahms,
mahnte in der Diskussion mit
dem Minister den Vorrang ziviler vor militärischen Hilfen an.
De Maizière stimmte dem zu
und wurde vom Kirchentagspublikum überwiegend mit Ap-
plaus empfangen. Kriegsgegner
trugen indes Transparente mit
Forderungen wie „Bundeswehr
abschaffen“ oder „Truppen raus
aus Afghanistan“ durch die Hallen.
Der Minister rief die Menschenrechtsorganisationen dazu auf, enger mit der Bundeswehr zusammenzuarbeiten. Die
Türen dafür stünden offen. Allerdings gebe es oft Berührungsängste mit dem Militär. „Ein Teil
dieser Ängste ist übertrieben.“
Die Ziele des AfghanistanEinsatzes seien von Anfang an
zu unrealistisch formuliert worden, räumte der Minister ein.
„Sie waren auch menschenrechtlich zu sehr aufgeladen.“
Der kirchliche Friedensbeauftragte Brahms sagte, Konflikte
ließen sich nicht allein mit militärischen Mitteln lösen. Einsätze ohne zivile Hilfen machten
deshalb keinen Sinn. „Wenn wir
uns ein stehendes Heer leisten,
warum leisten wir uns nicht eine stehende Gruppe zur Krisenprävention?“, fragte er.
4. Mai 2013
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
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19
Was Müll und Moral verbindet
Mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung brachte Manfred Spitzer fast tausend Kirchentags-Besucher zum Schmunzeln und Staunen
Von Sybille Marx
HAMBURG – Stellen Sie sich
vor, Sie schlendern an einem
Briefkasten vorbei, in dem ein
Umschlag mit Geld klemmt.
Ein Fünf-Euro-Schein schimmert hindurch, keiner beobachtet Sie... Klauen Sie den
Umschlag oder nicht? „Jeder
Achte tut es“, sagt Hirnforscher
Manfred Spitzer, und seine launige Stimme hallt aus den
Lautsprechern des Congress
Centrums Hamburg (CCH).
Aber verblüffend sei vor allem
eins: Wenn man rund um den
Briefkasten Müll und Graffitis
drapiere, verdopple sich die
Zahl der Diebstähle. „Das
heißt, wenn der Kontext es nahelegt, dass soziale Normen
verletzt werden dürfen, dann
werden sie auch verletzt, und
zwar egal, welche Normen!“
Über 750 Kirchentags-Besucher sitzen an diesem Freitagvormittag im CCH, um den Ulmer Hirnforscher, der so oft in
Talkshows über die Folgen von
exzessivem Computerkonsum
für unsere Hirne schimpft, einmal live zu erleben. Viele weitere mussten umdrehen, weil
Saal überfüllt! Diese Besucher folgten Manfred Spitzer gestern per Audioübertragung.
sie keinen Platz mehr bekamen – oder sich auf der Dachterrasse des Gebäudes um die
Lautsprecher gruppieren, über
die sein Vortrag „Laufen-lernen-Lieben“ übertragen wird.
Dicht an dicht sitzen diese
rund 100 Besucher nun hier
draußen, haben ihre Jacken
wie Decken ausgebreitet, manche halten ihr Gesicht in die
Sonne, andere schreiben mit.
Druck auf Ältere wächst
Franz Müntefering widerspricht Soziologin van Dyck
Von Hartmut Schulz
HAMBURG – Der gesellschaftliche Druck auf alte Menschen
wächst, dass sie allein die Verantwortung dafür tragen,
möglichst lange fit und gesund
zu bleiben. Diese These hat die
Jenaer Soziologin Silke van
Dyk gestern auf der Veranstaltung „Aktiv und immer älter
werden im Beruf“ beim Kirchentag vertreten. Dabei werde ausgeblendet, dass viele
Menschen in und nach einem
harten Berufsleben dies gar
nicht leisten können. „Wenn
Sie unter Stress und Lärm in
der Arbeitswelt leiden, können
Sie so viel Brokkoli essen und
walken, wie Sie wollen. Das
wird an ihrer gefährdeten Gesundheit nichts ändern“, sagte die Verfasserin von entsprechenden Fachstudien.
Kein Beifall an dieser Stelle
spendete Franz Müntefering
(73). Der Sozialdemokrat und
Bundestagsabgeordnete war
Bundesminister für Arbeit und
Soziales im ersten Kabinett
von Angela Merkel. Er war es,
der damals in der Großen Koalition die Rente mit 67 durchgesetzt hatte und sie bis heute
verteidigt. Die Ausführungen
von van Dyk seien zu pessimistisch. Die Menschen seien
durchaus bereit, eine längere
Lebensarbeitszeit zur Sicherung der Sozialsysteme und
der Rente zu akzeptieren. „So
lange du im Kopf klar bist, hast
du Verantwortung für diese
Gesellschaft.“
Widerspruch gab es von Ulrich Peter, stellvertretender
Vorsitzender der Gewerkschaft
für Kirche und Diakonie in
Berlin-Brandenburg. Es gebe
heute 145 000 Rentenempfänger über 75 Jahre in Deutschland, die ihre zum Leben nicht
ausreichenden Bezüge mit
Jobs aufbessern. „Das sind
nicht alle Johannes-HeestersTypen, der mit 100 Jahren
noch auf der Bühne stand.“
Spitzer bleibt noch kurz bei
dem
Briefkasten-Beispiel:
„Wenn man in eine Schule
kommt, in der die Vorhänge
verschlissen von der Decke
hängen, weiß also jeder Schüler: Hier darf ich mich daneben
benehmen“, folgert er. Müll
und Moral hätten ja auf den
ersten Blick nichts miteinander
zu tun. „Aber so simmer halt,
wir Menschen.“ Statt darüber
Foto: Sybille Marx
zu jammern, gelte es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das Gute im Menschen zum Vorschein komme.
Zustimmendes Nicken auf
der Dachterrasse, immer wieder auch ein paar Lacher. Spitzer spricht an diesem Vormittag über ziemlich viele Themen: das menschliche Gehirn
als Landschaft mit Trampelpfaden, den Schmerz der Einsam-
keit, der im Hirn an derselben
Stelle sitzt wie ein Schmerz an
der Hand und also auch mit
Schmerzmitteln
behandelt
werden kann. Über unser Gedächtnis, das sich beim Bücherlesen viel mehr merkt als
beim Googeln, weil wir am
Computer immer denken:
kann ich ja wieder googeln.
Und über Versuche, die zeigen,
dass es den von den Wirtschaftswissenschaftlern angenommenen „Homo oeconomikus“, der beim Geld grundsätzlich nur an seinen eigenen Vorteil denkt, gar nicht gibt.
Am Ende liegt auf den Gesichtern vieler Zuhörer so etwas wie Zufriedenheit. Gelacht, gestaunt und geschmunzelt haben sie. Weil Spitzer Erkenntnisse aus der Hirnforschung pointiert und witzig
präsentiert. Aber vor allem
weckt er dabei auch noch Hoffnung. Wenn wir wissen, wie der
Mensch tickt, sagt Spitzer, können wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie die
guten Seiten in uns fördern.
Und, so formuliert er sein
zweites Fazit: „Wir sind viel
besser als unser Ruf!“
U NTERHALTUNG
20 |
Die besten
Jahre
Von Christine Senkbeil
„Heute gehe ich zum Männer-Yoga!“,
sagt Lukas zu den Freunden, als sie aus
dem U-Bahn-Getümmel wieder auftauchen und sich in ein neues Abenteuer
Kirchentag stürzen wollen. „Ich werde
wohl zum Greiffiti-Gottesdienst für Jugendliche gehen“, sagt Hannah, während sie noch in ihrem dicken blauen
Veranstaltungsplan blättert. Markus hat
den gleichen Plan wie gestern. Und wie
vorgestern. „Ich geh trommeln“, sagt er.
„Und ich geh mit zum Männer-Yoga!“, beschließt Matthäus fröhlich, der
kleinste im Bunde. „Daraus wird
nichts“, beugt Lukas vor. „Dazu fehlen
dir ein paar Jahre. Eintritt nur für Män-
ner. Du bleibst hier an der Bastelstrecke,
malst Mandalas und bewegst dich nicht
weg, klar? Ich hole dich hier wieder ab.“
Matthäus murrt. Aber Lukas klingt,
als wäre er nicht umzustimmen. Als
sein großer Freund im rostroten Zelt
verschwindet, folgt er ihm aber doch –
Mandalas malen kann er später immer
noch. Vielleicht findet er ja ein Loch im
Zelt und kann kurz gucken, wie Lukas
lustige Verrenkungen macht.
„Na? Was zu sehen?“, fragt plötzlich
eine Stimme. Es ist eine alte Stimme.
Und sie gehört einem sehr alten Mann,
der im Schneidersitz neben dem Eingang hockt – als wäre er soeben geradewegs aus dem Nirwana hier gelandet.
„Warum gehst du nicht hinein?“, fragt
der Weißhaarige weiter.
„Dazu fehlen mir ein paar Jahre“, antwortet Matthäus. „So“, sagt der Mann.
„Wenn das so ist: Ich habe jede Menge
davon – du kannst gern welche abhaben.“ Matthäus scheint zu überlegen.
4. Mai 2013
„Und wie viele?“, fragt er dann. Nun
überlegt der Schneidersitz-Greis. „So
Stücker zwanzig könnte ich wohl spendieren“, antwortet er dann und
schmunzelt dabei. „Dann wärst du ein
schmucker Mittzwanziger, nach dem
die jungen Frauen sich umdrehen. Und
ich wär flotte 60 und würde beim LotusSitz meine Beine wieder hinter den Kopf
stecken können.“
„Du machst Scherze“, sagt Matthäus
zweifelnd. „Mach ich nicht“, sagt der Alte. „Guck hier.“ Mit seiner schmalen
Hand umgreift er einen seiner Knöchel,
hebt das Bein hoch in die Luft und zieht
es mühelos bis zum Ohr. „Siehst du?“,
fragt er und es klingt fast ärgerlich.
„Weiter komme ich nicht mehr. Alles
verkalt.“ „Wau!“, staunt Matthäus. Er
versucht, die gleiche Bewegung nachzuahmen und plumpst dabei zur Seite
wie ein nasser Sack. „Du bist ja gelenkiger als Tante Käthes Katze.“ „Findest du
wirklich?“, fragt der Greis und lächelt
fast ein bisschen stolz. „Yoga eben. Seit
dem sechsten Lebensjahr“, erklärt er.
„Wahnsinn“, sagt Matthäus. „Und dabei siehst du so alt aus, wie ein Kloben
Holz.“ Zeltplanen rascheln, ein rotgelockter Pfadfinder mit lustigen Sommersprossen guckt aus dem Zelteingang. Er schaut zuerst auf Matthäus,
dann auf den Alten, deutet eine kleine
Verbeugung an und bittet höflich: „Alles
ist bereit, Meister Jen-Den. Würden Sie
jetzt kommen und uns in ihre Kunst
einführen?“
„Ich komme“, sagt der Greis und ist
schneller entknotet, als Matthäus gucken kann. „Und du kommst am besten
mit“, wendet er sich an den Jungen.
„Sonst fehlen dir nachher ein paar Jahre Yoga, wenn du so ein alter Kloben
Holz bist, wie ich.“
„Aber das hier ist doch Männeryoga“,
sagt der Kleine. „Mann ist Mann“, sagt
der Pfadfinder und lächelt. „Das geht
hier nicht nach Jahren.“
Liebe ist alles? Alles was wir brauchen!
Die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr ließ sich von Jugendlichen zum stärksten Gefühl der Welt befragen
Von Christine Senkbeil
HAMBURG – Es war ein emotionaler Moment, den Petra
Bahr im Zentrum Jugend den
jungen Zuschauern der TalkRunde „Liebe ist alles? Alles
was wir brauchen!“ bescherte.
Umso mehr, da in den Gesichtern der Gäste eine halbe Stunde zuvor Zeichen der Enttäuschung zu sehen waren. Kabarettist Eckhart von Hirschhausen, der Star des Tages, hatte
kurzfristig abgesagt. Die Veranstalter von JANA, der Jugendakademie Neu Allermöhe, improvisierten tapfer.
„Was ist Liebe?“ war die Frage, die der junge Moderator
mit Petra Bahr durchdeklinierte. Die Pastorin mit der selbst
ernannt „schönsten Pfarrstelle
der Welt“ – nämlich der der
EKD-Kulturbeauftragten – kam
den jungen Leuten durch eine
sehr persönliche Auslegung
dieser Frage nahe. Sie verglich
die Gottesliebe mit der, die wir
in unseren Beziehungen für einander empfinden. „Eine andere Vergleichsmöglichkeit haben wir ja gar nicht.“ Sie selbst
habe sich bei ihrem ersten Kirchentag das erste Mal verliebt,
mit 15 Jahren. „Diesen Mann
habe ich gestern hier auf dem
Kirchentag wieder gesehen –
mit seinen vier Kindern“, erzählt sie lachend. Ihre große
Liebe, seit 15 Jahren ist sie
glücklich verheiratet, verdanke sie dem Umstand, dass ihre
eigentliche Begleitung nach
Amsterdam für das betreffende
Wochenende abgesagt hatte.
Petra Bahr
Foto: Senkbeil
Es wurde keine Liebe auf den
ersten Blick. Eine, die wachsen
musste , um die es ein Ringen
war.
Ohne Schmerz sei Liebe
nicht zu haben, versicherte sie
den Jugendlichen – und ihre
Worte wurden gehört, denn sie
waren nicht mehr leer. „Es ist
auch in der Beziehung zu Gott
so. Sie ist genauso wie eine
menschliche
Beziehung“,
machte sie deutlich. „Sie kann
einmal abreißen, vielleicht
auch über einen längeren Zeitraum. Aber man muss immer
wieder anknüpfen, miteinander reden. Nehmt eure Liebe zu
Gott so wichtig, wie die zu eurem Partner: kämpft darum!“
Eine ganz andere Form der
Liebe lernte sie auf eine ganz
besondere Weise kennen – und
zwar von einem Moment auf
den anderen. Die Liebe zu ihrem Sohn Paolo. Jahrelang hatten sie und ihr Mann sich Kinder gewünscht – es sollte nicht
sein. „Und dann eines Tages
bekam ich einen Anruf von einer Hilfsorganisation, dass ein
Kind auf dem Bürgersteig geboren worden sei und nun eine
Familie bräuchte. „Das war der
intensivste Moment einer Liebe, den ich je erlebt habe. Diese Liebe war nicht geplant –
aber von dieser Sekunde an
wusste ich, dass sie ein ganzes
Leben tragen wird.“
Ein Gottesgeschenk. Inzwischen, so sagt sie, sei diese Liebe fünf Jahre alt und wusele auf
dem Kirchentag herum. Und
der kleine Paolo sei auch derjenige, der die selbstverständlichste aller Antworten auf die
Frage hatte, was Liebe denn
sei. „Er kam auf mich zu, hat
mich umgefasst und gesagt:
`Mama, ich habe dich doch
lieb!“
4. Mai 2013
BILD ER DES KI RCHENTAGES
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4. Mai 2013
T HE MA DES TAGES
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23
Bild:epd
Wie viele Jahre
brauchst Du?
Von Reinhard Lassek
Für Jugendliche ist die Frage „Wie viele Jahre brauchst
Du?“ geradezu eine Provokation. Liebend gern würden
sie ihre Jugendzeit verkürzen,
um das Leben endlich ohne
elterliche Bevormundung zu
gestalten. Die Jugend weiß
nichts von ihrer Jugend. Und
das ist auch gut so. Jugendliche Unbekümmertheit setzt
nun einmal voraus, dass es
noch kein Gespür für die Strecke gibt, die es im Lebensvollzug zurückzulegen gilt. Die
Jugend kann nicht begreifen,
in welch unwiederbringlicher
Phase des Aufbruchs und der
Hoffnungen sie lebt. Ein Fünfzehnjähriger kann sich einfach nicht vorstellen, dass ein
doppelt so alter Zeitgenosse
noch einen bedeutsamen Anteil an der Zukunft hat.
In der Tat, wer selber schon
Kinder oder gar Enkelkinder
hat, ist in vielerlei Hinsicht
festgelegt. Auf der Flasche
sitzt gewissermaßen bereits
der Korken. Wahre jugendliche Offenheit kann solche
familiären Festlegungen -
selbst wenn sie doch etwas
sehr Schönes und unbedingt
Gewolltes sind - noch nicht
ertragen. Junger Most will gären! Später dann bekommen
wir andere Probleme mit der
Zeit: Sie verläuft uns nicht
mehr zu langsam, sondern
zu schnell. Der jugendlichen
Zeitdehnung folgt ein Leben
im Zeitraffer – Midlife-Crisis
inklusive. Die Frage „Wie viele
Jahre brauchst Du?“ mutiert
zur Frage „Wie viele Jahre bleiben Dir?“.
„Lang leben will halt alles, aber alt werden will kein
Mensch.“ So charakterisierte
Mitte des 19. Jahrhunderts
der österreichische Komödiendichter und Schauspieler
Johann Nestroy das widersprüchliche Wunschdenken
des Menschen. Doch noch
ist das Altern ein unvermeidlicher Prozess. Zellphysiologisch setzt dieser sogar noch
vor der Geburt ein. Wir altern
buchstäblich mit dem ersten
Herzschlag. Daher finden sich
bereits im Herzmuskel Neugeborener Ablagerungen von
Lipofuszin, einem typischen
Alterspigment. Der körperli-
che Leistungszenit liegt in der
Regel vor dem 30. Lebensjahr.
Insofern erlebt jeder – sofern
alles gut läuft – so etwas wie
seine „Goldnen Zwanziger“.
Der geistige Höhepunkt indes
wird durchaus auch mal ein
halbes Jahrhundert später erreicht. So wurde etwa Konrad
Adenauer im Alter von 73 Jahren erstmals Bundeskanzler.
Er regierte dann 14 Jahre lang.
Noch sind solche Altersrekorde eher ungewöhnlich.
Doch was wird eines gar nicht
mehr allzu fernen Tages eigentlich passieren, wenn uns
mittels der Gentechnologie
eine Art „Methusalem-Gen“
eingepflanzt wird? Solche
Langlebigkeits-Gene sind vor
Jahren schon entdeckt worden. Die Vision des Psalmisten – „Und wenn sie auch alt
werden, werden sie dennoch
blühen, fruchtbar und frisch
sein.“ – gewinnt im Tierversuch jedenfalls an Konkretion. Die Aussicht auf eine
gentechnische Manipulation
unserer Lebensuhr bereitet
vielen Menschen bereits allergrößtes Unbehagen. Nicht
etwa, dass nicht jeder gern
möglichst lang „fruchtbar und
frisch“ bleiben möchte. Doch
teilen viele mit dem Schriftsteller Henning Mankell die
Befürchtung, „dass das Leben
sein Maß verlöre, wenn man
ewig leben könnte“. Mankell
geht sogar noch einen Schritt
weiter, wenn er konstatiert:
„In der Begrenzung des Lebens liegt seine Schönheit“.
So wie die Jugendzeit oftmals nachträglich als Zeit
vollkommenen Glücks überhöht wird, so wird das Alter
zumeist in übertrieben düsteren Farben ausgemalt. Abnehmende Lebenskraft und
Leistungsfähigkeit
führen
jedoch nicht unweigerlich zu
abnehmender Lebensfreude.
Oftmals ist sogar das Gegenteil zu beobachten. Ein „goldener Herbst“ ist mitunter
den Frühlingsstürmen oder
der sommerlichen Schwüle
sogar vorzuziehen. Und was
unsere Angst vor winterlicher
Kälte anbelangt, so birgt selbst
das hohe Alter noch beachtliche Qualitäten. Vorausgesetzt
allerdings, dass man nicht nur
materielle, sondern auch geistige Vorsorge trifft. Die Fra-
ge „Wie viele Jahre brauchst
Du?“ könnte auch lauten „Wie
lange brauchst Du, um auf
das Alter vorbereitet zu sein?“.
Goethe fasste seine Alterserwartung in die für uns auch
heute noch ebenso schönen
wie hoffnungsvollen Worte:
„Mir bleibt genug! Es bleibt
Idee und Liebe!“
REINHARD LASSEK ist promovierter Biologe, Wissenschaftsjournalist und Pastorensohn .
T HE MA DES TAGES
24 |
4. Mai 2013
Die restlichen Jahre zufrieden genießen
Die Kirchentageszeitung fragte, wieviel Jahre wir zum Leben brauchen.
Von Bernd Honig
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland steigt seit Jahrzehnten.
Damit ergeben sich auch Interessenverlagerungen der Menschen. Heute planen
Fünfzigjährige noch 30 Jahre in ihre Zukunft. Das war früher nicht so. In der Lebensmitte wird das Lebenskonzept häufig auf den Prüfstand gestellt. Und es gilt
spätere Problemfelder abzusichern: Finanzplanung, Versicherungen für das Al-
ter. Wie und wo leben? In der Rückschau auf das bislang Erreichte werden häufig
neue Pläne geschmiedet oder auf die Verwirklichung von Träumen hingewirkt.
Jugendlichen und jungen Erwachsenen erscheint das Rentenalter, ihr Lebensabend weit entfernt. Ältere Mitmenschen und Rentner können aufgrund ihrer
Lebenserfahrung genaue, realistische Ziele benennen, wissen aber, dass vieles
nur in Gedanken zu bewerkstelligen ist. Die Kirchentageszeitung fragte, wie lange
wir leben wollen und warum.
HEIDRUN JÜRGENSEN:
„Ich will nicht um jeden Preis alt werden.
Man muss es so akzeptieren, wie es kommt.
Ganz ehrlich, das liegt nicht in meinen Händen. Ich nehme es, wie es kommt. Allerdings
möchte ich jetzt noch solange es geht reisen. Und mich jeden Tag freuen. Ich kann
nicht sagen, bis zu dem oder dem Alter.“
HARTMUT KRAUL:
„Ich habe keinen konkreten Alterswunsch.
Ich möchte nur weiterhin mein Alter bei guter Gesundheit genießen. Und, wenn möglich, meine Reisepläne verwirklichen. Das
genügt mir.“
MARIANNE MISSFELDT:
„ Ich will meine Rente erreichen. Mein Mann
ist schon Rentner. Natürlich reisen wir gerne. Und mein größter Traum wäre es, einen
Bio-Bauernhof als Ruhesitz in Italien zu
betreiben. Dort würde ich auch Holsteiner
Acker-Pferde halten.“
RAINER SCHNEIDER:
„Ich will hundert Jahre alt werden. Und
selbstverständlich gesund bleiben, damit
ich weiter meinen Hobbys Segeln und Motorradfahren frönen kann. Aber ich muss
da ja nicht mehr als Vorschoter segeln. Das
lässt sich noch realisieren. Es sollte nur stets
weitergehen.“
GERDA BAUMERT:
„Ich möchte noch so lange, wie ich gesund
und munter bin, leben. Und noch so viele
Reisen machen, wie es meine finanzielle
Lage erlaubt und wie es möglich ist. Vietnam und Kambodscha stehen auf dem Plan.
Und Freude haben an meinem Enkelkind
Elli. Keine konkrete Zahl an Jahren habe ich
im Hinterkopf.“
NADIYA MYKHALYANYCH:
„Ach, ich denke, ich möchte nicht 100 Jahre alt werden. Aber Gott bestimmt, wann
Schluss ist. Ich bin noch nicht einmal 30
Jahre alt. Mir ist wichtig, dass ich selbst mit
mir in Frieden lebe und zufrieden bin. Das
ist für mich Erfüllung des Lebens.“
LA-TOYA MÜLLER:
„Ich möchte 100 Jahre alt werden. Oh, das
ist noch lange hin. Ich will berufstätig sein
und im Einzelhandel arbeiten. Ich wünsche
mir eine gute Familie, ein Häuschen und
Glück auf jeden Fall. Das wär’s schon.“
ANDRÉ PFLÜGER:
„Kommt drauf an. Man muss sehen, was
das Leben bringt. Ich denke, in kleinen
Schritten. Wir können eh nicht in die Zukunft sehen. Und ich wünsche mir, möglichst lange fit zu bleiben. Ich komme aus
Köln und mache gerade eine Fahrradtour
nach Flensburg.“
MATIULLAH ACHAKZAI:
„Zuerst sage ich: Ich bin hier in Deutschland
glücklich, denn ich stamme aus Afghanistan. Ein langes und erfülltes Leben wünscht
doch jeder, oder? Ich möchte dabei aber gesund bleiben. Sonst will ich eher nicht 80
Jahre oder älter werden.“
KIM ENGELBRECHT:
„Ich bin noch so jung. Da weiß ich nicht, wie
lange ich hier auf Erden bleiben möchte.
Vielleicht bis Anfang 80. Ich will nicht reich
werden, sondern nur seelisch glücklich und
gedanklich frei sein. Ich habe schon Schweres hinter mir. Drogen und so weiter.“
KEVIN TOMÁS:
„Wenn ich fit bin, würde ich gerne ein Jahrhundert lang leben. Diese vielen Jahre würde ich schon gerne mitnehmen. Aber sonst
habe ich noch nicht viel darüber nachgedacht. Erst ist einmal wichtig, dass ich mein
Studium Englisch und Spanisch abschließe,
damit ich Übersetzer werden kann.“
HILDEGARD KEMPE:
„Ich bin 82 Jahre alt. Ich freue mich, dass
ich wieder in meiner eigenen Wohnung leben kann. Das ist wichtig. Denn ich habe
mich gerade aus dem Pflegeheim herausgeklagt. Ich will die restlichen Jahre zufrieden
genießen. Zu Hause, nicht im Heim! Jeden
Tag gehe ich zum Mittagessen. Die Gemeinschaft dort ist schön.“
4. Mai 2013
T HE MA DES TAGES
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Jetzt ist deine Zeit
Von Markus Kowalski
Er ist einer der fünf Wise
Guys, die mit A-cappellaGesang auf den Bühnen des
Landes und vielen Kirchentagen zu hören sind. Seit August vergangenen Jahres ist
Edzard (Eddi) Hüneke auch
Buchautor. Mit „Jetzt ist deine Zeit. Mein Weg, das Leben
zu genießen“ hat der Bariton, der aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, einen „biografisch-spirituellen
Ratgeber“ geschrieben. Was
für ihn Momente bedeuten,
darüber sprach Eddi Hüneke
im Interview mit dem Kirchentageszeitungs-Schülerreporter Markus Kowalski.
Was war der Anlass für Ihr
Buch?
Eddi Hüneke: Neben der
Anfrage vom Verlag (lacht)
war der Anlass vor allem, dass
ich mich immer wieder mit
dem spirituellen Lehrer Isaac
Shapiro auseinandergesetzt
habe und feststellen musste,
dass er sehr allgemeinverständliche Lehren hat, die es
aber nicht zusammengefasst
in einem Buch in deutscher
Sprache gibt. Und der Versuch
war, das ein bisschen mit meiner Biografie zu mischen.
Was bedeutet der Titel „Jetzt
ist deine Zeit“ für uns als Menschen, die wir uns gerne an
Vergangenes erinnern oder die
Zukunft planen?
Shapiro erinnert daran,
dass wir als Menschen in Gedanken viel zu oft von dem
Moment abschweifen. Wenn
wir genauer zu der Erfahrung
des Augenblicks hinsehen,
können wir uns entscheiden,
wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken: Auf Gedanken, auf Projektionen oder
auf andere Wahrnehmungen.
Und die Frage ist, wovon wir
mehr haben.
Wenn man da genauer auf
den Moment schaut, auch
wenn er scheinbar banal ist,
dann kann man großartige
Erfahrungen machen. So wird
uns die Tiefe des Lebens jederzeit zugänglich.
Sie haben bei einem Konzert
einmal gesagt: „Der Moment ist
das einzige, was wir jemals haben“. Im Buch schreiben Sie im
Vorwort „Die Zukunft existiert
nicht“. Wie kam es für Sie zu der
Einstellung, sich nur noch auf
den Moment zu konzentrieren?
Es war gar nicht meine Idee,
das haben andere Menschen
ja schon seit Langem gesagt.
Es ist meiner Meinung nach
nur eine Beobachtung. Das
liegt ja schon in der Grammatik: Die Zukunft „wird“ passieren. Die gibt es also jetzt nicht,
sondern sie wird es irgendwann geben. Dann, wenn sie
relevant wird, ist sie auch wieder die Erfahrung vom „Jetzt“.
Das Nachdenken darüber ist
natürlich nicht unwichtig.
Aber das, was wir wirklich haben und erleben, ist eben weder die Vergangenheit noch
die Zukunft, sondern dieser
Moment. Das ist einfach nur
eine Beobachtung.
Ich stelle fest, dass mein eigenes Verhalten dieser Beobachtung häufig zuwider läuft.
Ich verhalte mich manchmal so, als wäre alles andere
wichtig - aber nicht dieser
Moment. Es bringt nichts,
auf eine bessere Erfahrung
zu warten. Damit verschenkt
man das Einzige, was man in
dem Moment hat, nämlich
die Erfahrung selbst.
Ist es also ein unerreichtes
Ideal?
Das ist ein Ideal, was ich
beileibe nicht immer erreiche, ganz im Gegenteil. Aber
es lohnt sich jedesmal. (überlegt kurz) Nee, nee, ich bin da
nicht der Dalai-Lama.
Sie haben erst VWL soz. studiert, wechselten dann aber
nach 3 Semestern im Jahr 1994
zu Theologie. Erst 2009 haben
Sie auch dieses Studium abgebrochen, weil die Wise Guys
mehr Zeit beanspruchten. Sind
die Jahre des Studiums für Sie
verlorene Jahre – schließlich
haben Sie am Ende keinen Abschluss.
Das natürlich nicht. Ich
sage immer, dass ich das Studium erfolgreich abgebrochen habe.
Zum einen habe ich dabei sehr schöne Erfahrungen
gemacht, die mich geprägt
haben, zum Beispiel eine Studienfahrt nach Rom. Auch
für das Gelernte brauche ich
keinen Abschluss. Zum anderen war es auch eine wichtige
Erfahrung, mich zu entscheiden. Neben dem Studium und
den Wise Guys habe ich auch
noch eine Frau und vier Kinder. Da war es wichtig, irgendwann Stellung zu beziehen.
Wie viele Jahre brauchen Sie zum
Leben?
Ich hoffe natürlich immer,
dass ich noch viele Jahre habe.
Aber ich brauche eigentlich
gar keine Jahre, keine Wochen, ich brauche eigentlich nur den Moment zum
Leben.
Was haben Sie sich für
die nächsten Jahre vorgenommen, beruflich wie auch
privat?
Wir waren gerade in Indien
bei dem Butterflies-Projekt,
wo Straßenkindern in Delhi
eine Zukunft gegeben wird. Das
war für uns eine großartige Erfahrung. Für mich ist ein wichtiges Ziel,
eine noch stärkere Verbindung unserer Konzertbesucher zu dem Projekt
herzustellen und zu zeigen, dass jeder
hier vor Ort etwas tun kann. Mir wäre es
wichtig, auch die globalen Zusammenhänge der Vernetzung, aber auch der
Ausbeutung wahrzunehmen und aufzuzeigen.
Mein Ziel ist es aber auch, weiterhin den Spaß am Beruf mit der
Freude an der Familie zu vereinbaren, einfach bewusst Zeit mit
den Kindern zu haben und das zu
genießen. Ich vermute, dass diese
Zeit viel schneller vorbei ist, als es
mir lieb ist.
Sie haben den Kirchentag ja schon
oft besucht, vor allem mit den Wise
Guys sind Sie ja ein Höhepunkt im Programm. Wie hat sich der Kirchentag für
Sie über die Jahre verändert?
Für uns war der Kirchentag von
Anfang an ein großer Höhepunkt,
aber das Programm und die Konzerte sind von Mal zu Mal größer
geworden. Mittlerweile ist es so,
dass wir auf dem Kirchentag ein
wirkliches „Star-Sein“ erleben:
Wir werden hier von sehr vielen
Leuten wahrgenommen und
erkannt, auch wenn wir uns außerhalb der Konzerte bewegen.
Wir werden umringt und nach
Autogrammen gefragt. Dadurch
ist es schwer, überhaupt noch
ein normales Leben während
des Kirchentags zu führen. Ein
kleiner Einblick in den Alltag
von Hollywood-Stars... für mich
ist der Kirchentag daher mehr
eine öffentliche als eine private
Veranstaltung geworden. Dennoch freue ich mich sehr auf den
Kirchentag in Hamburg.
„Jetzt ist deine Zeit“ von Eddi Hüneke und Roland Wagner ist
erschienen im Kreuz Verlag und kostet 16, 99 Euro.
(ISBN-10: 3451610973)
„Jetzt ist deine Zeit“ ist auch der Titel eines Liedes von
Eddi Hüneke, zu hören auf der Wise Guys-CD „Zwei Welten“.
Jetzt ist deine Zeit
Text Eddi & Dän, Musik Eddi
Dies ist die Zeit,
in der alle Gedanken zerfließen
Dies ist die Zeit, die uns bleibt,
um sie ganz zu genießen
Als wäre heute der letzte Tag
deines Lebens
Als wäre jeder Gedanke an
Morgen vergebens
Egal, ob es dir gerade so passt:
Dieser Moment ist alles, was du
hast.
Bist du dafür bereit?
Jetzt ist deine Zeit!
Dies ist die Zeit, um sich nur dem
Moment hinzugeben.
Dies ist die Zeit, um ihn so wie er
ist zu erleben
Du bist nur hier und unbeirrt
von dem was war und dem, was
wird.
Es ist alles hier für dich bereit.
Jetzt ist deine Zeit!
T HE MA DES TAGES
26 |
BUCHTIPP
Es klingt wie ein
platter Witz:
„Kommt ein
Mensch an das
Himmelstor...“
So ähnlich
muss sich
Richard
Horn die
Frage gestellt
hab en,
was
er
wohl bis zu diesem
Zusammentreffen mit Petrus getan
haben sollte, um sagen zu können: Ich habe
gelebt. Jedenfalls hat Horn daraus ein Buch
gemacht. „101 Dinge, die man getan haben
sollte, bevor das Leben vorbei ist“.
Manches kommt dem Leser recht praktisch vor: mit bloßen Händen einen Fisch
gefangen, die 100 besten Bücher gelesen
(bloß welche?) oder ohne Streichhölzer Feuer gemacht zu haben, das klingt vernünftig.
Aber was habe ich davon, schon mal auf
der Datumsgrenze gestanden zu haben?
Oder warum soll es im Himmel Bonuspunkte bringen, schon mal Lokalverbot bekommen , in einem Drei-Sterne-Restaurant die
Zeche geprellt oder das Kamasutra in die
Praxis umgesetzt zu haben? Okay, vielleicht
ließe sich das wenigstens wieder aufwiegen, wenn ich auch angeben könnte, jemandem das Leben gerettet zu haben?
Nun zählt das Buch nicht nur auf, was
man alles erlebt oder getan haben sollte,
um am Himmelstor zu bestehen. Horn gibt
zu jedem einzelnem Hinweis auch noch
Tipps zur Planung, Vorbereitung und Ausführung. Damit passt es in die Reihe der
Veröffentlichungen desselben Autors, deren Titel mit „101 Dinge“ beginnen. Etwa
„101 Dinge, die du getan haben solltest,
bevor du alt und langweilig bist“. Es drängt
sich der Eindruck auf, Thorne habe es sich
zur Aufgabe gemacht, 101 nutzlose Bücher
zu veröffentlichen. Doch Bücher wie „101
Dinge, die du tun solltest, um ein Superheld
zu werden (oder ein Superbösewicht)“, „101
Dinge, die Sie sich sparen können“ oder
„101 Dinge, die man übers Kochen wissen muss“ müssen nicht vom selben Autor
stammen. Vielleicht schreiben Sie selbst das
Buch: „101 Dinge, die ich an dir liebe“?
Richard Horne setzt auf die Marotte
zahlreicher Menschen, die ihrem Leben mit
todo-Listen eine Struktur, wenn nicht sogar
Sinn geben wollen. Zu seinen Vorgaben
gehört „Riskier was“, „ sei kreativ“ oder „
Spring über deinen Schatten“. Soweit, so
gut. Aber „101 Dinge...“ fügt sich ein in die
Reihe der Nonsense-Bücher, die sich als Mitbringsel eignen, aber nicht zum Lesen. Tipp:
Schenken Sie es jemanden, der über diesen
speziellen Humor verfügt. Oder jemanden,
den Sie nicht mögen.
Richard Horne u.a.: 101 Dinge, die du
getan haben solltest, bevor das Leben
vorbei ist, Bloomsbury 2012, 12,90 Euro
4. Mai 2013
„Ich habe mich schon immer nach
Gott gesehnt“
Nach einigen Irrwegen fand die Punk-Lady des Rock,
Nina Hagen, zum Christentum
Von Michael Eberstein
„Ich habe mich schon als
Kind immer nach Gott
gesehnt. Und der liebe
Gott ist mir tatsächlich
mit ausgestreckten Armen
entgegengekommen“, hat
Nina Hagen einst dem
Zeit-Magazin
verraten.
Dennoch hat es ein halbes
Jahrhundert gedauert, bis
die Sängerin sich taufen
ließ. Dazwischen lagen
fast so viele Irrwege wie
Lebensjahre.
Vor vier Jahren ließ sich
die Punk-Rock-Diva in der
reformierten Kirche im
niedersächsischen Schüttorf taufen, als einzige
Erwachsene neben fünf
Kindern. Auf ihrer Internetseite schrieb sie am Tag
danach: “Ich bin so dankbar und so glücklich!”
Die Künstlerin habe nach
mehreren Enttäuschungen bei der Glaubenssuche, etwa ihrer Hinwendung zum Hinduismus,
in seiner Gemeinde endlich eine “spirituelle Heimat” gefunden, sagte der
Schüttorfer Pastor KarlWilhelm ter Horst.
Mit 17 wollte Nina Hagen, noch in der DDR,
nach eigenem Bekunden „den Gottesbeweis
herbeizwingen. Ich habe
LSD genommen, weil
ich gehört hatte, dass so
etwas auch die Naturvölker machen, um mit
Gott in Verbindung zu
treten. Das Ergebnis war
ein LSD-Trip, der nur aus
Schmerzen bestand. Es
war die Hölle.“ Sie habe
Gottes Hilfe herbeigefleht
und erkannt: Er liebt mich
so, wie mich noch nie ein
Mensch geliebt hat und
wie auch kein Mensch je
lieben kann. Und er sei
auch bei ihr geblieben. Später, als sie
längst dem aus
der DDR ausgewiesenen Wolf
Biermann
in
den Westen gefolgt war, habe
sie „am Strand
von
Malibu
schon selbst ein
Ufo gesehen.“ Und war
überzeugt, dass es „gute
und böse Außerirdische“
gibt.
Aber über Gott habe
sie eigentlich schon immer gesungen, sagt Nina
Hagen, etwa 1985 unter
anderem das Lied “The
Lord’s Prayer” (Vater Unser). Überhaupt habe es
in den 1980er-Jahren ganz
viele Platten von ihr gegeben, auf denen Jesus-Lieder waren, sagt sie, aber
„da haben nur immer alle
weggehört.”
Im Magazin „Focus“
empfahl die Sängerin:
„Wenn Sie Ihre Bibel mal
durchlesen, würden Sie
sich bestimmt auch von
Jesus inspirieren lassen!”
Ihr „Abstecher” in den
Hinduismus sei ihr dagegen schlecht bekommen.
Sie sei nach Indien gereist,
um dort einem Guru zu
dienen. “Ich habe mich
vor ihm verneigt, Honig,
Joghurt und Wasser über
seine Götzen gekippt, bin
morgens um 4.30 Uhr
aufgestanden, obwohl ich
saumüde war, und habe
mich in den kalten Fluss
geschleppt. Alles, um dem
lieben Gott irgendwas zu
beweisen. Dabei kannte
ich Jesus ja schon ganz
gut.“ Doch sie sei „Jesus entwischt“, sagt
sie. Heute habe sie
zu Gott „eine Standleitung“, er müsse
nicht einmal anrufen, um mit
ihr Ver-
bindung aufzunehmen.
Musik bezeichnet Nina
Hagen als den „Atem Gottes“. Sie ströme aus Gott
heraus. Nach ihrer Taufe
veröffentlichte sie ein Album “Personal Jesus”, das
Gospel-Lieder
enthielt.
Ein Jahr später erschien
“Volksbeat” - und die
Texte handeln wieder
von Jesus, nur die Musik
ist rockiger geworden.
Die Songs klingen wieder
nach Punk und Ska. Hagen ist zu ihren musikalischen Wurzeln zurückgekehrt.
Und sie hat auch den
Widerspruch nicht aufgegeben. Nina Hagen
hält biblische Positionen
zu Homosexualität für
„faschistisches
Gedankengut“. Dem Hamburger Magazin „Hinnerk“
erklärte sie: „Gott liebt
Homosexualität, die ist
genauso heilig wie Heterosexualität.“ Und für sie
steht fest: „die Faschisten
und Control-Freaks unter
den Christen sind auf dem
falschen Weg, nämlich auf
dem
unchristlichen.“
Fast
schon selbstverständlich
tritt die Sängerin auch für
ein
Recht auf Abtreibung ein. Schon als
Teenager hat sie nach eigenen Angaben selbst abgetrieben. Sie räumt auch
ein, dass sie früher schon
mal ihrem Leben ein Ende
setzen wollte, erstmals
mit 14. „Ich wollte mich
von dieser Welt und von
diesen Menschen, die die
Liebe verraten, verabschieden und der Welt die
Nase drehen. Aber Jesus
hat mich davon abgehalten und mir erklärt, wie
wichtig es ist, zu leben bis
zum bitteren Ende. Und
erst dann nach Hause zu
gehen. Und nicht schon
vorher eine Abkürzung zu
nehmen. Denn es kann
immer noch Menschen
geben, die einen brauchen”.
Auch andere Aussagen
mögen manchem Christen nicht gefallen, etwa,
wenn sie von einem „völlig unbiblischen Dogma“,
der
Marienverehrung,
spricht. „Bei der katholischen Sekte soll man
zum Beispiel zur Mutter von Jesus beten.
Dabei hat Jesus nie
gesagt: ‘Betet meine Mutter an’”.
Nina Hagen:
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München, 2010.
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T HE MA DES TAGES
28 |
4. Mai 2013
Bild:epd
„Eine gute Entwicklung
genommen”
Der langjährige Pressesprecher
des Deutschen Evangelischen Kirchentages
lässt eine Ära Revue passieren
Von Michael Eberstein
Mehr als vier Jahrzehnte ist
Rüdiger Runge schon dem
Kirchentag verbunden. Im
vergangenen Jahr wurde
der langjährige Sprecher
in den Vorruhestand verabschiedet. Es waren spannende Jahre, sowohl von politischen Umbrüchen in der
Welt als auch von technischen Revolutionen in den
Medien gekennzeichnet.
„Das war schon eine gemächlichere Arbeit, damals“,
erinnert sich Runge an die
Anfänge. Das war noch in
der Schreibmaschinen-Ära,
als Manuskripte mehrfach
abgetippt und korrigiert
wurden, als nur das Telefon als schnellstes Medium
zum Übermitteln der Berichte zur Verfügung stand.
Erstmals 1969 schnupperte
Runge als 16-jähriger Schüler aus Bergisch-Gladbach
beim Stuttgarter Kirchentag
die besondere Atmosphäre
des größten Christentreffens
in Deutschland. Er war auch
1971 als Abiturient beim
Pfingstreffen in Augsburg
dabei, in dem Jahr, in dem
sich der Verein Deutscher
Evangelischer
Kirchentag
eine „Denkpause“ verordnet
hatte. Und zwei Jahre später
arbeitete der PsychologieStudent erstmals im Pressezentrum des Kirchentags
mit. Insgesamt sieben Mal
sammelte Runge in dem
wachsenden Aufgabenfeld
bei Kirchentagen dort Erfahrungen, bevor er 1986 hauptberuflich zum Kirchentag
stieß - als Referent im Generalsekretariat des Vereins.
In jenen Jahren machte
Runge auch erste Erfahrungen mit Textverarbeitungssystemen. Das Taschenbuch
zum Kirchentag 1987 in
Frankfurt entstand schon
so. Noch aber lebte die Pressearbeit von Riesenmengen
Papier. Die Zahl der begleitenden Journalisten wuchs
auf mehr als 1000; jeder
wollte die Informationen
über Personen, Themen,
Programme und Predigten
möglichst rasch in seinem
Pressefach vorfinden. „Das
geht heute digital natürlich
viel schneller“, sagt Runge.
Aber vom einst erträumten
papierlosen Büro ist der Kirchentag auch heute noch
ebenso weit entfernt wie die
staatliche Bürokratie.
Von der Schreibmaschine
zum PC beziehungsweise
Laptop war es dann auch
kein Sprung, sondern eine
lange Übergangszeit in den
1990-er Jahren, erinnert sich
Runge. Viele Journalistenkollegen hielten lange an der
Schreibmaschine fest, andere wünschten sich Drucker,
um ihre auf dem Computer
getippten Manuskripte fürs
Fax-Gerät aufzubereiten. Bis
zur digitalen Übertragung
war es dann noch einmal ein
großer Schritt. Heute gibt es
keinen mehr, der nicht mit
Laptop und Smartphone
Texte und Bilder praktisch in
Echtzeit sendet.
Doch nicht allein die technischen
Veränderungen
machten die vergangenen
Jahrzehnte für den Pressesprecher des Kirchentags
so spannend. Deshalb habe
er es nie bereut, 1996 die
Seiten gewechselt zu haben, vom Journalismus zur
Pressearbeit. Rüdiger Runge
hatte zunächst nach dem
Psychologiestudium und einem Journalistenkursus der
Christlichen
Presseakademie beim Fachmagazin „Psychologie heute“ gearbeitet.
Bis zum letzten Arbeitstag als
Rüdiger Runge, der Ende 2012 in den Ruhestand trat, gehörte dem Kollegium des Deutschen Evangelischen
Kirchentages 26 Jahre lang an, 16 Jahre lang war er sein Pressesprecher.
Kirchentagssprecher habe er
sich deshalb auch eher als
Partner der Journalisten verstanden, weniger als ihr Gegenüber.
„Aber die Anforderungen
veränderten sich“, sagt Runge. Den Typus Kirchen-Journalist gebe es heute immer
seltener, den leisteten sich
nur noch große Redaktionen. Häufiger sei der Praktikant vom Privatradio. „Die
müssen schon mit elementareren Informationen versorgt werden“, erklärt Runge. Gleichzeitig habe sich
der Stil der Berichterstattung
geändert. „Es wird viel mehr
personalisiert“, sagt er, weniger inhaltlich berichtet.
In Verbindung damit werde
auch in der Öffentlichkeit
eher der Eventcharakter des
Kirchentags
wahrgenommen.
Das war früher durchaus
anders. Der Kirchentag wurde als politische Zeitansage
betrachtet, leistete sich sogar
eine Streitkultur, die bis in
die Gesellschaft ausstrahlte.
Ob Ost-West-Annäherung,
Nachrüstung,
Apartheid,
Friedens- oder Anti-AtomBewegung – vor allem in
den 1980-er Jahren war der
Kirchentag das allseits beachtete Forum dieser Streitthemen. „Nach dem Fall
der Ost-West-Grenzen war
die politische Polarisierung
nicht mehr so stark ausgeprägt“, erinnert sich Rüdiger
Runge, „in den 90-er Jahren
rückten eine nachdenkliche
Suche nach neuen Orientierungen und auch die persönliche Lebensgestaltung
in den Mittelpunkt.“ Fragen
nach dem Sinn des Lebens,
die individuelle Lebensführung und das Zusammenleben, etwa zwischen den
Geschlechtern,
bekamen
größere Bedeutung. „Und
die öffentliche Wahrnehmung richtete sich auf die
Teilnahme von Spitzenpolitikern wie Bundeskanzler
oder -präsident am Kirchentag“, berichtet Runge.
Unverändert aber sei der
spirituelle Charakter des Kirchentages geblieben. Seinetwegen ströme immer noch
die Mehrzahl zum Kirchentag. Daneben hätten aber
auch Großveranstaltungen
mit Festivalcharakter große
Bedeutung gewonnen. „Das
ist schon toll, wenn allein zu
einem Wise-Guys-Konzert
60 000 Menschen kommen“,
schwärmt der ehemalige
Pressesprecher.
Insgesamt habe der Kirchentag eine gute Entwicklung genommen; er habe
sich mit der Gesellschaft
verändert und sei damit weiterhin für junge Menschen
interessant. Und er sei dabei auch geblieben, was ihn
von Anfang an ausgezeichnet habe, meint Runge, eine
„einzigartige Mischung aus
Glauben und Gesellschaft,
Spiritualität und Spaß.“
T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
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Welch kurze Zeit, welch lange Zeit
Im Schwank “Die Lebenszeit” verteilt Gott an Tiere und Menschen die Lebenslänge – keiner ist zufrieden
Eine Treppe, das menschliche Leben als ein Auf- und
Abstieg – so sahen Darstellungen der Lebenszeit in
Abbildungen im 18. und 19.
Jahrhundert aus. Diese Lebenstreppe löste Kreise, Räder oder Bäume in der Symbolik der Lebenszeit ab. Auch
Märchen beschäftigen sich
immer wieder mit der Länge
des Lebens. Allegorien, die menschliche
Lebensabschnitte mit
Tieren
gleichsetzen,
waren zur Zeit der Gebrüder Grimm verbreitet. Im Schwank „Die
Lebenszeit“ teilt Gott
Tieren und Menschen
die Anzahl der Jahre
zu, die sie leben dürfen. Während die Tiere
um weniger Lebenszeit bitten, als ihnen
Gott vorschlägt, ist der
Mensch mit der angedachten Lebenslänge
unzufrieden. Beide haben ihre Gründe dafür.
„Als Gott die Welt geschaffen hatte und allen
Kreaturen ihre Lebenszeit bestimmen wollte,
kam der Esel und fragte
„Herr, wie lange soll ich
leben?“ „Dreißig Jahre,“ antwortete Gott,
„ist dir das recht?“ „Ach
Herr,“ erwiderte der
Esel, „das ist eine lange Zeit. Bedenke mein
mühseliges Dasein: von
Morgen bis in die Nacht
schwere Lasten tragen, Kornsäcke in die Mühle
schleppen, damit andere das
Brot essen, mit nichts als mit
Schlägen und Fußtritten ermuntert und aufgefrischt zu
werden! erlaß mir einen Theil
der langen Zeit.“ Da erbarmte
sich Gott und schenkte ihm
achtzehn Jahre. Der Esel ging
getröstet weg und der Hund
erschien. „Wie lange willst du
leben?“ sprach Gott zu ihm,
„dem Esel sind dreißig Jahre
zu viel, du aber wirst damit
zufrieden sein.“ „Herr,“ antwortete der Hund, „ist das
dein Wille? bedenke was ich
laufen muß, das halten meine
Füße so lange nicht aus; und
habe ich erst die Stimme zum
Bellen verloren und die Zähne
Hund, und bist immer guter
Dinge.“ „Ach Herr,“ antwortete er, „das sieht so aus, ist aber
anders. Wenns Hirsenbrei
regnet, habe ich keinen Löffel.
Ich soll immer lustige Streiche
machen, Gesichter schneiden
damit die Leute lachen, und
wenn sie mir einen Apfel reichen und ich beiße hinein, so
ist er sauer. Wie oft steckt die
das genug?“ „Welch eine kurze
Zeit!“ rief der Mensch, „wenn
ich mein Haus gebaut habe,
und das Feuer auf meinem
eigenen Herde brennt: wenn
ich Bäume gepflanzt habe, die
blühen und Früchte tragen,
und ich meines Lebens froh
zu werden gedenke, so soll
ich sterben! o Herr, verlängere
meine Zeit.“ „Ich will dir die
Bis in die Neuzeit hinein wurde
das menschliche Leben als eine
Folge von Altersstufen verstanden.
Diese Auffassung wurde in dem
Bild einer Treppe veranschaulicht,
die einen vorgegebenen Auf- und
Abstieg zeigte. Der menschliche
Lebenslauf wurde dabei meist in
Stufen zu zehn Jahren unterteilt,
mit dem Höhepunkt des Lebens
auf der fünften Dekade.
Bilderbogen „Das Stufenalter des
Menschen“, Nürnberg um 1835,
kolorierter Kupferstich.
Foto: LWL-Museum für Kunst und
Kultur/Sabine Ahlbrand-Dornseif.
zum Beißen, was bleibt mir
übrig als aus einer Ecke in die
andere zu laufen und zu knurren?“ Gott sah, dass er recht
hatte und erließ ihm zwölf
Jahre. Darauf kam der Affe.
„Du willst wohl gerne dreißig
Jahre leben?“ sprach der Herr
zu ihm, „du brauchst nicht zu
arbeiten, wie der Esel und der
Traurigkeit hinter dem Spaß!
Dreißig Jahre halte ich das
nicht aus.“ Gott war gnädig
und schenkte ihm zehn Jahre.
Endlich
erschien
der
Mensch, war freudig, gesund
und frisch und bat Gott ihm
seine Zeit zu bestimmen.
„Dreißig Jahre sollst du leben,“ sprach der Herr, „ist dir
achtzehn Jahre des Esels zulegen“ sagte Gott. „Das ist nicht
genug“ erwiderte der Mensch.
„Du sollst auch die zwölf Jahre
des Hundes haben.“ „Immer
noch zu wenig.“ „Wohlan,“
sagte Gott, „ich will dir noch
die zehn Jahre des Affen geben, aber mehr erhältst du
nicht.“ Der Mensch ging fort,
Perlen des Glaubens heute auf dem Kirchentag
11.00
11.00
15.00
686/G1
war aber nicht zufrieden gestellt.
Also lebt der Mensch siebenzig Jahr. Die ersten dreißig
sind seine menschlichen Jahre, die gehen schnell dahin; da
ist er gesund heiter, arbeitet
mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen
die achtzehn Jahre des Esels,
da wird ihm eine Last nach
der andern aufgelegt:
er muß das Korn tragen, das andere nährt,
und Schläge und Tritte
sind der Lohn seiner
treuen Dienste. Dann
kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt
er in den Ecken, knurrt
und hat keine Zähne
mehr zum Beißen. Und
wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die
zehn Jahre des Affen
den Beschluß. Da ist
der Mensch schwachköpfig und närrisch,
treibt alberne Dinge
und wird ein Spott der
Kinder.”
Aus:
Die Lebenszeit.
(1857) (Kinder- und
Haus-Märchen Band 2,
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30 |
T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
Der Libero genießt die „Nachspielzeit“
Der ehemalige Landessuperintenden Hartmut Badenhop blickt auf acht sehr unterschiedlich geprägte Lebensjahrzehnte zurück
Von Michael Eberstein
„Nicht den Jahren Sinn geben, sondern den Sinn in den
Jahren entdecken." Davon ist
Hartmut Badenhop überzeugt. Wer das könne, erhalte
„sehr viel Manna“. Dankbar
erkennt der hannoversche
Landessuperintendent i.R. im
Rückblick auf acht Lebensjahrzehnte mit sehr unterschiedlichen Phasen: „Ich bin
eigentlich immer viel zu gut
durchs Leben gekommen.“
Aufgewachsen in einem „Diakoniekloster“, der PestalozziStiftung in Burgwedel (Region
Hannover), spricht der 1930 geborene jüngste Sohn eines Pfarrers von einer „unbeschwerten
Jugend“ mit Fürsorgezöglingen
als Spielkameraden.
Das zweite Lebensjahrzehnt
Hartmut Badenhops war geprägt von der wachsenden
Liebe zur Musik und dem Erlernen mehrerer Instrumente.
Im dritten Lebensjahrzehnt
standen das Theologiestudium, erste Erfahrungen im
Pfarramt und die Familiengründung im Vordergrund.
In den 1960er Jahren, seinem vierten Lebensjahrzehnt,
lernte Badenhop in der kirch-
Hartmut Badenhop vor seiner „Ikonografie“ – Bildern
von Menschen,
die ihn beeindruckten.
Foto:M. Eberstein
lichen Jugendarbeit den Wert
des Teams zu schätzen.
Es folgte ein „politisches“
Jahrzehnt. Als Mitglied der
Landessynode gehörte Badenhop zu den Initiatoren und
Gründern der „Gruppe offene
Kirche“ (GOK), die den Demokratisierungsprozess in der
evangelischen Kirche vorantreiben wollte.
In den 1980er Jahren rückte
Badenhop in die Kirchenleitung auf. Als Landessuperintendent sah er sich in der Rolle
eines Libero. Das schaffte auch
die nötige Freiheit, um bei der
Vorbereitung und Durchführung des Kirchentags 1983 in
Hannover tatkräftig mitzuhelfen. Im Anschluss daran wirkte
er fast ein Jahrzehnt im Kirchentagspräsidium mit.
Bevor Badenhop Mitte der
1990er Jahre in den Ruhestand
ging, den er als „Nachspielzeit“ betrachtet, konnte er
noch die Sanierung „seiner“
Predigtkirche gestalten. Die
Neustädter Hof- und Stadtkirche neben dem Landeskirchenamt zählt er zu den wichtigsten Kirchen Hannovers,
weil „die Beamten sie gegen
den König durchsetzten.“
Badenhop hat auch schwere
Stunden erlebt. Sein Erstgeborner kam 1959 zu früh zur
Welt und starb. Nach drei gesunden Söhnen wurde sein
Jüngster 1970 mit Down Syndrom geboren. Doch Badenhop weiß: „Das Leben beschenkt einen, auch mit den
schlimmen Dingen.“ Denn
dazu gebe es auch die Kraft,
sie zu bestehen.
Dieses Wissen und die Rückehr zur kirchlichen Frömmigkeit verdankt der Ruhestands-Pastor diesem jüngsten Sohn Martin. Feste Rituale
geben dem Jungen den nötigen Halt, formulierte Tischgebete sind für ihn bis heute eine Hilfe. „Der wäre unser Pastor geworden“, ist sich sein Vater sicher. Tatsächlich begleitet Martin bis heute seinen Vater zu Gottesdienstbesuchen
und er entscheidet, in welche
Kirche sie gehen.
Martin gibt auch seinem Vater Halt nach dem Tod der
Ehefrau. „Belastung und Segen“ sei so ein Kind, sagt Badenhop, „eine Heimsuchung
im doppelten Wortsinn.“ Vielleicht auch durch Martin kam
Badenhop zu der Erkenntnis:
„Im Staunen und im NichtSelbstverständlich-Nehmen
liegt der Kern des Glaubens."
Gott orientiert sich nicht an der Haarfarbe
Helmut Aßmann zum Thema „Biblisches Alter und Gottes Begrenzung – die Bedeutung des Alters in der Bibel“
Mir fällt bei dem Thema „biblisches Alter“ immer als erstes
Methusalem ein. 969 Jahre alt
soll der Mann geworden sein.
Was kann man in einem solch
langen Leben alles erleben?
Wenn man sich allein die mögliche Menge an Kindern und
Kindeskindern überlegt, wird
einem blümerant. Methusalem
ist am Ende aber doch gestorben. Irgendwie beruhigend.
Danach Abraham, stolze 99
Jahre alt, wird — nach mehrfacher Ansage — Vater eines Sohnes. Eine dermaßen abenteuerlich späte Elternschaft, dass
sich das Gelächter seiner Frau
Sara darüber bis in die Namensgebung dieses Sohnes
fortgesetzt hat: Isaak.
Dann Neues Testament: Zacharias, hochbetagt, bekommt
ebenfalls einen Sohn in Aussicht gestellt, Johannes der Täufer wird er später heißen, dem
verschlägt es im Tempel darüber schlicht die Sprache, bis zur
Namensgebung. Aber auch dieser Sohn kommt tatsächlich,
obwohl es seiner Frau, wie die
Lutherbibel es ebenso vornehm
wie hausbacken ausdrückt,
schon nicht mehr „nach der
Frauen Weise" ging.
Simeon, der alte Mann aus
dem Tempel, wird eigens vom
Geist Gottes zu einem allseits
unerwarteten Zusammentreffen mit der Heiligen Familie
losgeschickt, um der christlichen Kirche eines der anrührendsten liturgischen Stücke zu
vermachen, das Nunc dimittis
aus Lk.2,29-32. Was seine Gesinnungsgenossin
Hanna,
ebenfalls in hohem Alter, zu
dieser Situation gesagt hat, ist
uns leider nicht überliefert.
Also alte Leute allenthalben.
Kein Jüngling namens Paris, der
göttlich hübschen Frauen
Komplimente macht, keine Helena, die anderen Leuten die
Köpfe bis zum Krieg verdreht.
Der biblische Herkules ist eher
ein spiritueller Querschläger als
ein gutes Vorbild, und die großen Führer des auserwählten
Volkes sind vom jugendlichen
Alter Alexanders des Großen
um Generationen entfernt.
Auch die später als Apostel auflaufenden Jünger Jesu machen
nicht gerade durch frühreifen
Ernst in den Evangelien von
sich reden.
Das waren noch Zeiten! Als
die alten Menschen allen Ernstes Träger von Verheißungen,
Figuren des Aufbruchs, Ort des
Neubeginns sein konnten. Als
Gott sich offenbar nicht darum
geschert hat, wie viel Lebenssaft noch in den Adern, Muskeln und Knochen von Haus
aus und nach Alterslage her zu
finden waren, sondern einfach
seine Sache gemacht hat,
mochten die alten oder jungen
Leute dazu denken und empfinden, was sie wollten. Als das
Jungsein das eine und das Altsein das andere und beides unmittelbar zu Gott war. Ja, als es
nicht darauf ankam, wie viel an
Jahren einer aufgehäuft hat,
sondern darauf, wie viel an Vertrauen in ihm steckte. Als Gott
die Farbe des Haares nicht als
Orientierung für die Innovationskraft der religiösen Tradition benutzt hat.
Nicht dass damals die späten
Jahre freundlicher gewesen wären. Der große König David hat
auf seine alten Tage notorisch
gefroren — da halfen selbst
junge Mädchen dem alten
Schwerenöter nicht mehr. Und
im Buch Prediger findet sich im
letzten Kapitel gar das harsche
Wort von den „bösen Tagen",
wenn die Augen dunkel, die
Zähne selten und die Beine
wacklig werden. Gern gealtert
sind die Leute auch damals
nicht. Und besser als die heutigen Senioren haben sie ganz
gewiss nicht ausgesehen.
Ist das nun das Loblied eines
alternden Geistlichen auf das
alt gewordene Kirchenpublikum? Eine Absage an den Jugendwahn einer lebenshungrigen Moderne, als biblische
Rechtfertigung getarnt? Kann
durchaus sein. Je älter einer
wird, um so komplexer werden
von ihm vorgetragenen Gründe, auch für ihn. Ungeachtet
dessen gilt: je länger einer lebt,
um so länger hat er Zeit, Gott
an sich arbeiten zu lassen. Das
ist nicht immer eine schöne Sache. Aber eine göttliche. Weil sie
so menschlich ist.
Helmut Aßmann ist Superintendent im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt
–
T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
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31
Mit welchen Tätigkeiten
verbringen wir unser Leben?
Wir essen, verreisen, hören
Musik, gehen ins Theater. Wir
duschen, spielen mit unseren Kindern, stehen im Stau.
Wieviel Zeit der Mensch nach
ZWEI WOCHEN KÜSST DER MENSCH,
ZWEI WOCHEN BETET ER.
einem Leben mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung
von 80,2 Jahren tatsächlich im
Auto oder im Internet verbracht
hat, wurde in diversen Studien
30 JAHRE 24,4 JAHRE 7 JAHRE
Konsumiert er Medien
Schläft der Mensch
Arbeitet der Mensch
zz…
Zzzz
erforscht.
Die Hamburger Grafikagentur gobasil hat diese blanken
Zahlen in Bilder gegossen. Alle
Werte beziehen sich auf die
durchschnittliche Lebenserwar-
12 JAHRE UND 3 MONATE: Fernsehen
tungen deutscher Frauen und
10 JAHRE UND 5 MONATE: Radio hören
Männer, basierend auf den
4 JAHRE UND 3 MONATE: Internet stöbern
Statistiken der letzten fünf Jahre. (Leichte Rundungsdifferen-
1 JAHR UND 11 MONATE: Musik hören
5 JAHRE
Wendet er für Essen auf
1 JAHR UND 3 MONATE: Tageszeitung lesen
1 JAHR UND 3 MONATE: Bücher lesen
zen durch Zusammenführung
4 MONATE: Zeitschriften lesen
mehrerer Quellen und Durch-
3 MONATE: Video/DVD schauen
2 JAHRE+
2 JAHRE+
10 MONATE 6 MONATE
Verplaudert, vertratscht und
verscherzt er
Verbringt der Deutsche im Auto
(6 Monate davon im Stau)
schnittsbildung. Kein Anspruch
auf Vollständigkeit.)
Weiterführende
Quellenhinweise:
ARD/ZDF-Langzeitstudie
Massenkommunikation,
2010.
Ridder, C.-M. & Engel,
B. (2011). Massenkommunikation 2010:
Mediennutzung im
Intermediavergleich.
Media Perspektiven, o.Jg.,
523-536.|
GEO Wissen, 2005:
Die deutsche Lebensbilanz
– Womit wir unsere Zeit
verbringen: eine Abrechnung in Jahren, Monaten
und Wochen. (2005, Oktober). GEO Wissen, o.JG.,
76-77.
Illustration: Sebastian
Weiß & Oliver Schwartz,
www.gobasil.com
Erschienen im WILLOW
MAGAZIN 04/11, Willow
Creek D/CH, www.willowcreek.de“
1 JAHR+
7 MONATE
Betätigt er sich sportlich
1 JAHR
9 MONATE
9 MONATE
Geht der Deutsche ins
Museum, Kino, Theater oder zu Konzerten
Wäscht und bügelt der Deutsche
Spielt er mit seinen Kindern
6 MONATE
4 MONATE
3 MONATE
3 MONATE
Sitzt er auf der Toilette
Spielt er am Computer
Vertreibt er sich die
Zeit in Kneipen
Nimmt er an Vereinssitzungen teil
2 WOCHEN
2 WOCHEN
Küsst er
Betet er
OB IHR NUN ESST ODER TRINKT ODER WAS IHR
AUCH TUT, DAS TUT ALLES ZU GOTTES EHRE.
1. Korinther 10,31
ANZEI GEN
32 |
4. Mai 2013
überall
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KI RCHENTAG
2|
KO M M E N T I E R T
Halbzeit beim Kirchentag
Wie die Tage
vergehen
Halbzeitbilanz: Gerade begonnen, ist
der Kirchentag auch schon wieder fast
vorbei. Zum gestrigen Bergfest kam
dann auch die Politprominenz. Gut gelaunt und ohne Wahlkampfreden im
Gepäck. Stattdessen Themen, mit denen
sie beim Kirchentagspublikum auf Zustimmung stoßen konnten. Steuergerechtigkeit, verantwortungsvolle Finanzgeschäfte, Nachhaltigkeit, Verbot
von Lebensmittelspekulation. Der Applaus kam verlässlich. Statt der Frage, ob
Kirche politischer sein müsste, blieb jedoch dieses Mal das Gefühl, Politik
müsste politischer sein.
Wie in Dresden dominiert bislang
also auch in Hamburg das Stimmungsvolle. Nur, dass es in der Millionenstadt
Hamburg beinahe noch eine größere
Leistung ist als in Dresden, dass das
Kirchentagsgefühl tatsächlich auf große Teile der Metropole übergeschwappt
ist.
Großen Zuspruch scheint beim Kirchentag nicht zuletzt das Thema „Älterwerden“ zu finden. Denn auch wenn
sich der Kirchentag um jugendlichen
Nachwuchs sichtlich keine Sorgen machen muss, fällt doch auf, dass der Anteil der älteren Menschen deutlich ins
Gewicht fällt. Da stoßen Veranstaltungen wie Sexualität im Alter und Älterwerden im Berufsleben automatisch
auf Interesse.
Die „Evangelische Kirchentageszeitung“ nimmt das zum Anlass, in ihrem
heutigen Themenschwerpunkt nach
der Bedeutung des Alters zu fragen: Wie
viel Jahre brauchst du? Nach Meinung
der meisten Teilnehmer könnte der Kirchentag jedoch auch nach der Halbzeit
noch jahrelang weiter gehen. Halbzeitbilanz wie das Wetter; ungetrübt.
Carsten Splitt
EVANGELISCHE
KIRCHENtages
ZEITUNG
Impressum
„Evangelische Kirchentagseszeitung“, die kostenlose
Tageszeitung für den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg, ist eine Koproduktion der „Evangelischen Zeitung“ und der „Kirchenzeitung für Mecklenburg-Vorpommern.
Herausgeber: Ev. Presseverband Nord e.V. /
Ev. Presseverband für Mecklenburg-Vorpommern e.V. /
Lutherisches Verlagshaus GmbH
Tagesauflage: 50.000 Exemplare
Verantwortlich für den Inhalt:
Tilman Baier, Michael Eberstein, Carsten Splitt (V.i.S.d.P.)
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Bodo Elsner.
Druck: Druckzentrum Schleswig-Holstein, Büdelsdorf
Postanschrift und Leserservice:
Evangellische Kirchentageszeitung. Königstraße 54,
22767 Hamburg. Tel. 0431/55779-241
mail: kitag@evangelische-zeitung.de
twitter: @evangelische
Internet: www.kirchentageszeitung.de
4. Mai 2013
Ein Sommermärchen
Margot Käßmann träumte auf dem Roten Sofa von einer „95-Tage-Weltausstellung“
HAMBURG – „Dieses Mal wird es
nicht so deutsch-national wie 1717,
1817 oder 1917“, versprach Margot
Käßmann mit Blick auf die 500-JahrFeier der Reformation im Jahr 2017.
Sie bemühe sich als Botschafterin
der EKD für das Reformationsjubiläum um ein Gefühl wie seinerzeit
bei der Fußball-Weltmeisterschaft in
Deutschland („ein Sommermärchen“), sagte Käßmann auf dem Roten Sofa der evangelischen Zeitungen. Sie stelle sich vor, dass 2017 die
„Welt zu Gast bei Geschwistern“ sei.
Und das Jubiläum sollten „95 Tage
Weltausstellung der Reformation“
sein, die zeige, dass die Reformation
nicht nur kirchliche Bedeutung habe,
sondern ein kulturelles Ereignis sei.
„Durch die Reformation ist zum
Beispiel die Volksschule entstanden“,
sagte Käßmann und verwies auf Luthers Bedeutung für die deutsche
Sprache. Auf die Frage, wann sie mit
einem gemeinsamen Abendmahl mit
Katholiken und Orthodoxen rechne,
antworte sie lachend mit PaulusWorten: „Seid fröhlich in der Hoffnung.“
Käßmann rief die rund 1000 Zuhörer vor der Bühne auf, sich einzusetzen: „Der Sinn des Lebens ist dir
schon zugesagt. Jetzt nimm die Verantwortung wahr und leben sinnvoll.“ Fast zwölf Jahre verbringe ein
Mensch durchschnittlich vor dem
Fernseher. Wie peinlich sei es, vor
den Herrgott treten zu müssen, um
nur dieses vorweisen zu können.
Gerhard Ulrich und die
Gemeinschaft der Suchenden
In wenigen Tagen tritt Gerhard Ulrich
sein Amt als Landesbischof der neuen Nordkirche an. Auf dem Roten Sofa gestand er, ein fauler und schlechter Schüler gewesen zu sein, den Kindergottesdienst geschwänzt zu haben
und eigentlich zunächst eine Schauspiel-Ausbildung am Ernst-DeutschTheater begonnen zu haben. Doch
bei Proben zu dem kirchenkritischen
Stück „Abelar und Eloise“ habe sich
für ihn eine neue Welt aufgetan. Und
er sei seinen Eltern dankbar, dass sie
ihm die Freiheit zu dieser Lebenswende gegeben hätten.
Erhalten habe er sich sein Bild von
der Kirche als „Gemeinschaft der Suchenden“. Und Ulrich betonte, vor
dem Predigen stehe das Hören und
das Erkennen, dass man selbst des
Wortes bedürftig sei. Klare Worte auch
zum Thema Missbrauch in der Kirche: „Wir haben damals nicht richtig
hingeschaut oder gar weggeschaut.“
Jetzt müsse die Aufmerksamkeit den
Opfern gelten, denen aus der Opferrolle herausgeholfen werden müsse.
Geduld, so räumte Bischof Ulrich
Nina Hagen
griff auf dem
Roten Sofa
auch zur Gitarre.
Fotos: Philipp
Eberstein
HEUTE AUF D EM R O T E N S O FA
Margot Käßmann war beim Interview
bestens gelaunt.
schließlich ein, sei nicht seine Stärke.
„Ich kann nicht geduldig sein, wenn
die Schere zwischen Arm und Reich
weiter auseinandergeht oder ein Diktator Gift auf sein Volk sprüht.“ Der
Prophet rate ja auch: „Jetzt ist die
Zeit.“
Nina Hagen und das „süße Leben
der Errettung“
Mit einer Performance von Nina Hagen endete der zweite Tag auf dem
Roten Sofa. Die Blues- und Rock-Sängerin mit dem Pippi-LangstrumpfOutfit griff nach dem halbstündigen
Interview, in dem sie ihren Weg zurück zum Glauben darstellte, zur Gitarre und sang vor großem Publikum
in Englisch und Deutsch vom „süßen
Leben der Errettung“ oder auch mit
Brecht: „Wach auf, du verrotteter
Christ.“ Sie berichtete von ihrer Taufe
in der reformierten Gemeinde Schüttorf vor zwei Jahren, zeigte sich begeistert vom jahrelangen und erst
jüngst erfolgreichen Kampf der Contergan-Opfer um eine angemessene
Rente und lobte den Kampf der Bauern gegen Saatgutkonzerne.
Zur Ökumene sagte Nina Hagen,
„wir sind alle Geschwister, und die da
oben marschieren hoffentlich auch
bald mit.“ Dennoch habe sie ihre neuen christlichen Lieder nicht in einer
katholischen Kirche in Traunreuth
singen dürfen. „Diese Bande, die
Pius-Brüder, haben das verhindert.
Dabei ist die Musik, die wir spielen,
das Wort Gottes. Sie haben wohl nicht
richtig hingehört.
11 – 11.30 Uhr:
Dr. Anselm Grün
Benediktinerpater und Buchautor
und Prof. Shi Chao-hwei
buddhistische Zen-Meisterin
aus Taiwan
(Stephan Kosch)
11.45 – 12.15 Uhr:
Gisela Friedrichsen
Gerichtsreporterin DER SPIEGEL
(Maren Warnecke)
12.30 – 13 Uhr:
Dr. Ulrich Fischer
Landesbischof der
Evangelischen Landeskirche in Baden,
EKD-Medienbischof
(Jörg Bollmann, Direktor
Gemeinschaftswerk der Evangelischen
Publizistik, Frankfurt/Main)
13.15 – 13.45 Uhr:
Dr. Eckart von Hirschhausen
Kabarettist, Moderator und Autor
(Christine Senkbeil u. Sybille Marx,
Redakteurinnen Mecklenburgische &
Pommersche Kirchenzeitung, Greifswald)
14 – 14.30 Uhr:
Samuel Koch
Schauspielstudent,
Buchautor („Zwei Leben“)
(Karin Ilgenfritz, Redakteurin
Unsere Kirche, Bielefeld)
15.30 – 16 Uhr:
Dr. Petra Bahr
Pfarrerin,
Kulturbeauftragte des Rates der EKD
(Michael Eberstein)
16.15 – 16.45 Uhr:
Prof. Dr. Gerhard Wegner
Theologe, Direktor des
Sozialwissenschaftlichen Instituts
der EKD
(Michael Eberstein)
17 – 17.30 Uhr:
Peer Steinbrück
MdB, SPD-Kanzlerkandidat
(Jörg Bollmann)
17.45 – 18.15 Uhr:
Bettina Tietjen
TV- und Radiomoderatorin,
Norddeutscher Rundfunk
(Jörg Bollmann)
Standort des Roten Sofas am CCHVorplatz vorm Haupteingang.
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
Jetzt nörgeln wir mal
|
3
U M F R AG E
Ein wunderbarer Kirchentag. Nur eins stört: die Anderen. Sie stehlen uns Platz und Geld.
Von Sybille Marx
HAMBURG – Die ersten
werden die letzten sein,
steht das nicht irgendwo in
der Bibel? Aber schade, hier
vor Saal G des Hamburger
Congress Centrums gilt das
wohl nicht: Die ersten 756
Kirchentagsbesucher, die
da waren, sitzen drin bei
Hirnforscher Spitzer. Die
letzten, die kamen, stehen
draußen. Ein Baden-Württemberger
grummelt:
„Könnten die bei so einem
Redner nicht einen größeren Saal wählen?“
Kirchentags-Geschäftsführerin Lena Schneider
sagt, in der Planung schätze man natürlich, wieviele
kommen könnten, und
wähle danach den Raum.
Der größte – den übrigens
Joachim Gauck bekam –
hat 7000 Plätze. „Mit unserer Schätzung liegen wir
meistens auch ziemlich
richtig, aber eben nicht immer”, sagt Schneider. An
über dreißig Veranstaltungsorten bereite man
deshalb noch eine Übertragung vor. Aber an allen 230
Orten in Hamburg Videoleinwände aufzustellen,
Kamerateams zu beschäftigen – das wäre viel zu teuer.
Apropros zu teuer, liebe
Kirchentags-Macher: Wieso kostet die Tageskarte 29
Euro! Stellen wir uns vor:
Eine Seniorengruppe aus
Annemarie Ochs (68): „Es ist schon frustrierend, wenn man eine Stunde wartet
und dann doch nicht rein kommt. Mir ist
das in einer Kirche passiert und bei Hirnforscher Manfred Spitzer. Aber den konnte
ich glücklicherweise draußen per Audioübertragung hören.“
„Saal überfüllt!“ oder auch „Kirche überfüllt!“, wie hier beim Rockgottesdienst in der St. Petrikirche Altona: ein Bild, auf das Kirchentagsbesucher auch in Hamburg öfter stoßen. Doch nur
an 30 von 230 Veranstaltungsorten gibt es eine Videoleinwand.
Foto: Simone Viere
dem drei Stunden entfernten Greifswald möchte für
einen Tag anreisen, um die
berühmte Kirchentagsatmosphäre zu atmen. Gegen
18 Uhr reisen die älteren
Herrschaften wieder ab,
das Abendprogramm ist für
sie zu spät. Und dafür 30
Euro plus Buskosten. Geht
es nicht etwas billiger?
Lena Schneider sieht die
Sache so: „Der Kirchentag
bietet für 29 Euro ganz
schön viel!” Die Tageskarten sollten fairerweise etwa
so teuer sein wie die Dauerkarte. Und ohnehin deckten die Eintrittsgelder nur
knapp ein Drittel von dem,
was der Kirchentag kostet.
Trotzdem: Ein paar geschäftstüchtige Unternehmer, die sich über Gebühr
an uns bereichern, scheint
es zu geben: Da ist zum
Beispiel dieser Essensstand
auf dem Messegelände, an
dem eine schlichte Portion
Reis mit Gemüse 9 Euro
kostet. Wucher! Könnten
Sie das nicht verbieten,
Frau Schneider? „Messeangebote sind tatsächlich relativ teuer”, sagt die Geschäftsführerin. Problem:
Der Messecaterer hat die
alleinige Konzession. „Immerhin haben wir erreichen können, dass wir auf
dem Gelände Alternativen
anbieten dürfen, zum Beispiel im Gläsernen Restaurant.”
Alles in allem laufe der
Kirchentag doch super, gemessen auch an der Herausforderung: 2500 Veranstaltungen mit 120 000
Dauerteilnehmern
plus
40 000 Tagesgästen müssen
koordiniert werden. „Alle
Partner bescheinigen uns
einen sehr guten Organisationsgrad.” In vielen Details
könne man aber dazu lernen und brauche viel Rückmeldung. Also, wer jetzt
noch was zu nörgeln hat:
Bitte schön!
Peter Kercher (56): „Ärgerlich, dass es
keine Videoübertragungen in andere Säle
gibt. Ich habe gleich bei zwei Veranstaltungen keinen Platz bekommen. Bei prominenten Leuten müssen die Veranstalter
doch mit einem großen Andrang rechnen.“
Wiebke Dittmer (29): „Ich wäre gern zu
einem Filmgottesdienst im Kino gegangen, aber der Saal war schon voll. Ich freu
mich aber für die Veranstalter!“
So viel Gelassenheit brauchst du
Überfüllte Veranstaltungen und Gedränge in der U-Bahn treffen auch den allzu menschlichen Nerv bei den Kirchentagsbesuchern
Von Anke Brockmeyer
HAMBURG – Kirchentag – Menschen,
die zusammenkommen und den christlichen Glauben feiern. Tausende sind in
Hamburg, genau mit diesem Ziel. In
manchen Momenten allerdings verhalten sich einige dieser Christen nur allzu
menschlich. Etwa, wenn es darum geht,
dass Veranstaltungen überfüllt sind,
Workshop-Gruppen keine Plätze mehr
freihaben – oder auch ganz profan beim
Einsteigen in S- und U-Bahn. Spätestens
am zweiten Tag sollte jeder Kirchentagsbesucher verstanden haben, dass es einfacher und schneller geht, erst Ankommende aus den Waggons aussteigen zu
lassen statt eilig vorzupreschen. Auch
bei den oftmals überfüllten Veranstaltungen gilt es, Ruhe zu bewahren, auch
wenn jemand sich auf eine Veranstaltung besonders gefreut hat und nun
nicht mehr eingelassen wird. Doch auch
hier ist Gelassenheit angebracht, denn
auf jeder Großveranstaltung – und genau das ist der Kirchentag – gibt es an einigen Events besonders großes Interesse, sodass die Plätze nicht immer für alle ausreichen.
Äußerungen wie „Jetzt haben Sie mir
den ganzen Kirchentag verdorben“ nützen niemandem – weder dem enttäuschten Besucher noch dem Organisator, der sich viel Mühe gegeben und
augenscheinlich das Interesse des Kirchentagspublikums perfekt getroffen
hat.
Natürlich ist die Enttäuschung nachvollziehbar. Oft haben die Gäste lange
Wege zurückgelegt, um genau diese Veranstaltung zu besuchen, nicht selten ist
es auch für ein Alternativprogramm nun
zu spät. Dennoch sollte niemand vergessen, warum er tatsächlich auf dem
Kirchentag ist: um Gleichgesinnte zu
treffen, eine besinnliche Atmosphäre zu
erleben und mit anderen Christen den
Glauben zu feiern. Eine Rückbesinnung
auf wirklich Wichtiges tut da manchmal
gut. Wie die Reaktion einer Kirchentagsbesucherin, die sich spontan auf einer
Wiese niederließ, nachdem sie den Platz
in ihrer Wunschveranstaltung nicht
mehr bekommen hatte. „Dann genieße
ich einfach diesen Frühlingstag in Gottes wunderbarer Natur“, sagte sie. Das
ist Kirchentag. Und das sollten wir alle
nicht vergessen, wenn in der U-Bahn
oder am Einlass zum Konzert mal wieder dichtes Gedränge herrscht.
Und wenn Sie wieder einmal vor der
Tür stehen und nicht mehr eingelassen
werden, denken Sie an das diesjährige
Kirchentagsmotto „Soviel du brauchst“.
Wie viel Event braucht jeder Einzelne?
Und wie viel Rücksichtnahme brauchen
wir alle, um gut miteinander auszukommen?
4|
Ausgleich für
die Armen
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
Ideen für eine bessere Welt
In seiner Bibelarbeit spricht der Sänger Eddi Hüneke von Gemeinwohlökonomie
Von Petra Döllefeld
HAMBURG – „Erlassjahr – wie kann das
gehen?“ Es waren eine Menge Themen
und Stichworte, die in dieser knappen
Stunde Bibelarbeit zum Erlassjahr-Text
in 5. Mose 15, 1-11 Erwähnung fanden.
Monika Griefahn, einst Mitbegründerin
von Greenpeace Deutschland und heute Umweltdirektorin bei Aida Cruises,
sprach gemeinsam mit ihrer Tochter
Nora Griefahn eine weite Spanne von
Missständen bei Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung an: von der
Ausbeutung von Bodenschätzen über
hybrides Saatgut bis zur Vermögensverteilung und sozialen Unterschieden.
Auch im Bibeltext wurden soziale Unterschiede angesprochen: Arme und Reiche, Verleihende und Menschen, die etwas borgen. Aber auch Lösungsideen:
Schulden erlassen und das Herz nicht
verhärten. Eine Gesellschaft ohne Armut,
das sei die Vision des Textes, erklärte Nora Griefahn. „Die Vorstellung davon lässt
die Herzen vieler Menschen höher schlagen. Nicht ohne Grund würde immer
wieder über ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Dabei gehe es jedoch nicht nur um Geld. „Es geht darum,
Kreisläufe zu schließen, einen positiven
Fußabdruck zu hinterlassen“, sagte die
Studentin. „Was es braucht, ist Kreativität und der Wille, nicht nur in der Kategorie Geld zu denken.“
Viele Initiativen versuchten dies bereits, ergänzte Monika Griefahn. „Es gibt
Hoffnung.“ Die ägyptische Initiative
„Sekem“, ein Unternehmen, das Brunnen bohrt und Wüsten urbar macht, dabei mehrere tausend Menschen beschäftigt und faire Kredite vergibt, sei
dafür ein Beispiel. „Sie nähern sich einem Ideal, dass jede Familie ihr Auskommen hat und Gerechtigkeit
herrscht“, sagte die Umweltdirektorin.
Ausgleich, darum gehe es sowohl im
Text als auch in der Gegenwart, sagte
Griefahn. „Wir können nicht leben,
wenn alles um uns herum zerstört ist“,
machte sie klar. „Die Situation der Armen ist der Maßstab für die Reichen“,
ergänzte ihre Tochter. Denn schließlich
schaffe ein funktionierender Sozialstaat
für alle ein besseres Leben. „Ich profitiere ja auch von einem Land, in dem
Frieden herrscht.“ Bei Landgrabbing
(Landnahme) hingegen werde der Boden behandelt wie jedes andere Wirtschaftsgut. „Wer wie viel braucht, spielt
dabei keine Rolle.“Zum Ende der Bibelarbeit berichteten die beiden Frauen
von ihrem Verein „Wiege zur Wiege“
(Cradle to Cradle). Das Prinzip sei, die
Rohstoffe der Erde zu ge-brauchen,
nicht zu ver-brauchen. Dabei sollen
Dinge so hergestellt werden, dass ein
giftfreier, nützlicher und gerechter
Kreislauf entsteht, so Monika Griefahn.
All das war viel Stoff für eine Stunde –
vielleicht zu viel.
Eddi Hüneke stimmte
mehrere Lieder zum
gemeinsamen Singen
mit der Gitarre an.
Foto: Markus Kowalski
Von Markus Kowalski
HAMBURG – Entschlossen kommt der „Wise
Guy“ auf die Bühne. Er
nimmt die Gitarre, aber
das Kabel muss noch getauscht werden. Er will
losspielen, doch das Plektrum fehlt. „Das wirkt, als
wäre ich gerade aus dem
Bett gestolpert“, scherzt
Eddi Hüneke zu Beginn
seiner Bibelarbeit.
Er hat eine unkonventio-
nelle Art an diesem Freitagmorgen. Damit gewinnt
er spürbar die Sympathien
der Kirchentagsbesucher.
Die meisten davon sind Jugendliche. Weil alles belegt
ist, warten draußen vor der
Halle noch hunderte Besucher, für die die Bibelarbeit
nach außen übertragen
wird.
Nachdem Hüneke ein
erstes Lied mit dem Publikum gesungen hat, fragt
Hüneke, wer welcher Konfession und Religion ange-
hört. Die Mehrheit ist
evangelisch, es melden
sich aber auch einige
Nicht-Christen und Atheisten. Sein Kommentar: „Wir
haben alle gemeinsam,
dass wir die Wahrheit nicht
für uns gepachtet haben.
Ein Wahr und Falsch gibt
es wahrscheinlich nicht.“
Sehr ernst spricht er
dann über den Einsturz
der Textilfabrik in Bangladesch. Natürlich seien wir
nicht direkt für den Tod der
Arbeiterinnen verantwortlich, aber wir tragen eine
Mitschuld: „Unsere Kaufentscheidungen sind der
Nährboden für Korruption
und Ausbeutung, den wir
billigend in Kauf nehmen.“
Er nimmt sich selbst nicht
von der Mitschuld aus.
„Weltweit werden Menschen unter unmenschlichen Bedingungen in einer
Art modernen Sklaverei gehalten. Sie machen diesen
Job, weil sie wenigstens
diesen Hungerlohn brauchen, um überleben zu
können.“ Wir bräuchten
einen
Bewusstseinssprung. Bei jeder Kaufentscheidung müsse man darauf achten, ob damit einem anderen Menschen
oder der Umwelt geschadet werde.
„Es gibt Wege, wie die
Wirtschaft geordnet werden kann, damit sie dem
Menschen dient und nicht
der Mensch der Wirtschaft.“ Weil die Konsumenten eine Macht haben,
das System zu ändern,
wirbt er für die Gemeinwohlökonomie.
Dabei
wird der Steuersatz für Unternehmen nach der Gemeinnützigkeit der Arbeit
berechnet. „Warum müssen ein Waffenfabrikant
und ein Bio-Bauer den selben Mehrwertsteuersatz
abgeben?“ Seine Denkanstöße kommen gut beim
Publikum an. „Die Wirtschaft ist nur ein Zweck;
wir sollten sie nicht anbeten wie das goldene Kalb.“
Er spricht vom Umdenken
und von der Möglichkeit
einer besseren Welt.
Erneut stimmt Hüneke
mit der Gitarre das gemeinsame Singen an, nun
ist es das Kirchentags-Lied
„Damit ihr Hoffnung
habt“. Die Strophen trägt
er vor, doch im Refrain
singt plötzlich der ganze
Saal mit. Jugendliche klatschen begeistert. Ein Moment, in dem sich alle
Hoffnungen sammeln und
die bessere Welt wieder erreichbar scheint.
Bischöfe schreiben sich E-Mails
Bischof Friedrich Weber und Bischof Gerhard Feige bei der Dialog-Bibelarbeit
Von Charlotte Morgenthal
HAMBURG – Zwei Bischöfe
schreiben sich gegenseitig
E-Mails. So entstand die
Dialog-Bibelarbeit
zwischen dem braunschweigischen Landesbischof Friedrich Weber und dem katholischen Bischof Gerhard
Feige aus Magdeburg.
Frage und Antwort waren
allerdings eher in Predigtlänge verfasst, als in der üblichen Länge von elektronischer Post. Beide Referenten wurden damit dem
schwierigen Thema „Erlassjahr“ aus dem fünften Buch
Mose aber durchaus gerecht. Feige erzählte von einer Schuldnerberatung in
Magdeburg, bei der die
Schuldner am Tag des
Schuldenerlasses gemeinsam mit ihren Beratern ein
Fest feiern. „Müsste etwas
Ähnliches nicht global zum
Tragen kommen? Oder ist
das in großen Zusammenhängen eine Utopie?“, fragte der katholische Bischof
den evangelischen Geistlichen. „Zeitnah werden wir
keine Gesellschaft ohne Arme haben“, mahnte Weber
daraufhin.
Beide Bischöfe wurden
sich im elektronisch-ökumenischen Austausch allerdings schnell einig: Den
Schuldenerlass auf die globale Wirtschaft auszuweiten, bleibe schwierig. „Es
geht nicht um gewinnorientierte Landeskredite“,
sagte Weber. Spannend
bleibe allerdings die Idee,
das alte periodische System
der Landwirtschaft „alle sieben Jahre sollt ihr einen
Schuldenerlass durchführen“ auf den sozialen Bereich anzuwenden.
Eine Untersuchung der
braunschweigischen Landeskirche habe gezeigt:
Migranten gerieten überraschenderweise nicht häufiger in prekäre Situationen.
„Sie verfügen über Netzwerke und organisieren Hilfe von Freunden und Familie“, sagte Weber. Im Vordergrund von armen Menschen stünde aber zunächst
nicht die materielle Hilfe,
sondern die Hilfe beim Organisieren des Alltags beispielsweise mit gesundheitlichen Problemen.
Dennoch appellierte Weber: „Wenn Dich etwas berührt und bedrückt, dann
verschließe Deine Hand
nicht, tu’ etwas!“ Damit solle der Staat keinesfalls aus
der Pflicht genommen werden. Es sei wichtig, dass die
meisten auch Steuern zahlen, sagte der Braunschweiger. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte um die Steuerhinterziehung des Bayern-München Präsidenten
Ulli Hoeneß, sagte Weber
„die meisten“ und erntete
dafür Applaus.
U NTERHALTUNG
4. Mai 2013
|
5
PREISRÄTSEL
Kommen Sie zum „Roten Sofa“ der Kirchenpresse und gewinnen Sie!
Lösungswort
Kommen Sie heute bis 13 Uhr zum „Roten Sofa“ der Kirchenpresse – und gewinnen Sie!
Die Lösung des Preisrätsels finden Sie in dieser Ausgabe der KirchentagesZeitung. Finden Sie heraus, auf welchen Text sich die
Preisfrage bezieht und kommen Sie auf die richtige Antwort. Der Bildausschnitt bringt Sie auf die richtige Spur.
Schreiben Sie das Lösungswort zusammen mit Namen, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse auf den Gewinncoupon am rechten
Seitenrand, trennen ihn ab und werfen ihn heute, Sonnabend, dem 4. Mai 2013, in der Zeit von 11 bis 13 Uhr in die Box am „Roten Sofa“ der Kirchenpresse vor dem Congress-Zentrum Hamburg (Marseiller Str. 2). Die Ziehung und Bekanntgabe der Gewinner
erfolgt täglich vom 2. - 4. Mai (Donnerstag bis Sonnabend) um 13 Uhr .auf der Bühne des „Roten Sofas“ der Kirchenpresse am
CongressCentrum Hamburg - Marseiller Str. 2. Die ersten drei Gewinner erhalten attraktive Preise. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Infos zum täglichen Programm auf dem „Roten Sofa“ der Kirchenpresse unter http://www.emvd.de/emvd/rotessofa2013
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Foto: epd Bild
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Dieser Coupon kann täglich im Zeitraum von 11 bis 13 Uhr in die Box am Roten Sofa eingeworfen werden. Wenn Sie bei der Ziehung nicht vor Ort sein können, hinterlassen Sie bitte Ihre Telefonnummer oder Email-Adresse, damit wir Sie im Gewinnfall kontaktieren können.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Preisfrage:
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BILD ER DES KI RCHENTAGES
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Ein Nachbau der „Arche Noah” hat als Bibelerlebnispark an den Landungsbrücken festgemacht.
Foto: Viere
4. Mai 2013
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Hamburger Michel
auf einem Podium zum Thema „Gestalten statt spekulieren –
Soziale Marktwirtschaft im Griff der Finanzmärkte”. Foto: epd
Politstars mittendrin
Auch Frank-Walter Steinmeier
(SPD) ist aktiv beim Kirchentag
dabei.
Foto:DEK T
Eine volle Halle auch beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel – Besucher protestieren mit einem Banner gegen „Stuttgart 21”.
Wundertüte Kirchentag – was da wohl drinsteckt?
Foto: epd
Die Kinderkathedrale ist eröffnet.
Foto: epd
Die Kinder gestalteten die Wände ihrer „Kirche“
Foto: epd
Foto: epd
4. Mai 2013
Bei Jonatan aus Oberfranken gibt es
Umarmungen umsonst. Foto: Simone Viere
BILD ER DES KI RCHENTAGES
Gemeinsam ein Wandbild enstehen lassen, mit allem „was du
brauchst”. Mitmalen kann, wer Lust dazu hat.
Foto: Viere
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„Was tust du hier?” – Maskentheater in der Bugenhagenkirche
Barmbek.
Foto: Luise MArie Gerber
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besuchte am Freitag auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg bei ihrem Rundgang
über die Messe das Zentrum Umwelt, Frieden und Gerechtigkeit: v.li. die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, Klaus Breyer vom DBU,
Angela Merkel und Birgit Weinbrenner, Projektleiterin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.
Foto: epd
Überdimensionale Getreide-Skulpturen stehen
auf dem „Kornfeld in der Stadt” vor der Hauptkirche St. Michaelis.
Foto:epd
Schon 30 Minuten vor Beginn war die Halle (Börsensaal der Handelskammer) völlig überfüllt. Bereits um 18 Uhr bildeten sich Schlangen, die auf Einlass warteten, um 19.30 Uhr
Foto: DEK T
startete das Frauenmahl. Neben leckerem Essen gab es Tischreden zur Zukunft von Religion und Kirche.
K U LT U R AUF DEM KI RCHENTAG
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K U LT U R A M SA M S TAG
11 Uhr Bühne Planten un Blomen
Wieviel Humor braucht die Kirche?
4. Mai 2013
Verführung gibt es überall
Die Kirchentagsoper „Vom Ende der Unschuld“ – eine Parabel über Dietrich Bonhoeffer
Talks, Kabarett, Clownerie
11 Uhr KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Bis hierher und nicht weiter?
Theaterstück zum Forum Erinnern
Sänger, Schauspieler und Orchester bilden
auf der Bühne
eine enge Gemeinschaft. Auf
dem Bauernhof
wird Hochzeit
gefeiert: Germa
(Julia Henning)
heiratet den
(Ver-)führer und
Despoten
Drako.
12 Uhr Bühne an der Reeperbahn
Außer Thesen nichts gewesen?
Klerikales Kabarett Komondo (Witten)
12.30 Uhr Dreifaltigkeitskirche Harburg
Gott ist mein Lied
Christliche Filmmusik, auch zum Mitsingen
14.30 Uhr Bühne Planten un Blomen
Engel in Ausbildung/Clownsschule
für Pfarrerinnen, Pfarrer, Christenmenschen
15 Uhr Friedrich-Ebert-Halle
Let’s Bridge the Gap – Engagement für
eine gerechte Welt
Foto: rhc
Tanzperformance, Bundesjugendballett
Renate Hagenlocher-Closius
16 Uhr Christianskirche (Ottensen)
Und es ward: Hiroshima
Collage über Anfang und Ende der Schöpfung, von der Komponistin Felicitas Kukuck
19.30 Uhr Markthale (Klosterwall)
Paul Gerhardt Gets the Blues
Gerhardt neu hören:poetisch, mitreißend
19.30 Uhr St. Gertrud (immenhof)
Himmlischer Gesang
Erstaufführung der Himmlischen Lieder
(1641/41) von J. Rist (Züricher Mimenchor)
20 Uhr Halle B6, Messegelände
Haydn: Die Schöpfung
Großkonzert: Gesungen, gespielt, getanzt
20 Uhr CCH, Saal G
Take Two (NDR Chor und Bigband)
Thema: Wie reich wir sind
HAMBURG – Eine eigene
Oper für den Kirchentag ist
Wagnis und Herausforderung zugleich. In ihr das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer in den
Mittelpunkt des Geschehens rücken zu wollen,
kommt einer Quadratur des
Kreises gleich. In dem Auftragswerk „Vom Ende der
Unschuld“ begab man sich
auf den schwierigen Pfad.
Die opulente Inszenierung (Regie Kirsten Harms),
an der 250 Mitwirkende beteiligt sind, wurde und wird
an drei Abenden auf Kampnagel stürmisch gefeiert –
und lässt auch viele Besucher ratlos zurück.
Erklärtermaßen
sollte
sich die Oper nicht konkret
an die Biographie des Theologen und Widerstandskämpfers anlehnen, sondern als Parabel ins Gleichnishafte verlegt werden.
Dieser Intension zu folgen,
fällt, besonders wenn man
mit dem Leben und Werk
Bonhoeffers eng vertraut
ist, nicht immer leicht. Ähnelt doch der in der Oper
„Heman“ genannte Protagonist (Ferdinand von
Bothmer) in Habitus, Kleidung bis hin zum gescheitelten Haar zu sehr dem
großen Vorbild. Dass Bon-
hoeffers Zwillingsschwester
Sabine und ihr jüdischer
Ehemann nur in der Emigration überleben konnten,
muss in der Parabel vergessen werden.
Auch die in einen Bauernhof verlegte Handlung,
in dem Despot Drako
(Krzysztof Szumanski) sein
Unwesen treibt, kommt hin
und wieder klischeehaft,
vereinfacht und archaisch
„deutsch“ daher.
Der Bauernhof als Symbol eines Landes, das am
Abgrund steht, ein Diktator,
der dem ausgedörrten Land
Heil und Wohlstand durch
einen Staudamm verspricht. Heman ist der Ein-
zige, der sich gegen den
Despoten auflehnt und ihn
zu beseitigen versucht.
Hohes Lob gebührt den
Mitwirkenden – Solisten
ebenso wie den Chören St.
Nikolai, dem Orchester
(einschließlich dem aus
Kindern und Jugendlichen
bestehenden
Ensemble
„The Young ClassX“) und
dem musikalischen Leiter
Matthias Hoffmann-Borggrefe.
Komponist Stephan Peiffer vereinigt in seinem Werk
eindrucksvoll und mutig
die verschiedensten Stilelemente, von der Gregorianik
über Schütz bis hin zur
Volksmusik.
Premiere ohne Ohrwurmmelodien
Schülerreporterin berichtet von ihren Eindrücken von der Bonhoeffer-Oper
Von Luise Marie Gerber
HAMBURG – Vor Kampnagel
drängen sich die Menschen. Ich
brauche etwas Geduld, bis ich
in das Gebäude komme. Dies
ist mein erster Opernbesuch,
und ich bin sehr gespannt, was
mich erwartet.
Der Eingang führt unter die
Tribüne. Unter dem Gewicht
der Besucher knackt die Trägerkonstruktion. Oben ist es etwas
heller, weiches gelbes Licht versucht sich gegen die schwarze
Einrichtung durchzusetzen. Etwas orientierungslos versuche
ich meinen Platz zu finden.
Auf der Bühne stehen die
Stühle und Notenständer für
das Orchester. Auf dem Fußboden liegen Zettel verstreut. Un-
zählige Mistgabeln lehnen nebeneinander aufgereiht an der
Rückwand. Ich frage mich, was
sie dort zu suchen haben.
Die ersten Musiker kommen
auf die Bühne. Gespannte Erwartung macht sich im Saal
breit, nur noch ab und zu unterbrochen von Husten.
Am Rande des Orchesters
nehmen Frauen und Männer in
schwarzen Anzügen und Blazer
Platz. Sie haben dunkelbraune
Decken auf dem Schoß, die
mich etwas verwirren, da mir
ihre Funktion nicht klar ist.
Endlich geht es los, und die Sache klärt sich: Diese Leute gehören zum Chor und verkörpern in Decken gehüllte Hofbewohner. Daher also auch die
Mistgabeln. Der Hof steht kurz
vor dem Ruin, als ein Verwandter des Hofbewohners Drako
mit der Idee auftaucht, einen
Staudamm zu bauen. Er setzt
sich durch, doch nun haben die
anderen Höfe kein Wasser
mehr. So verbünden deren Bewohner sich und sprengen den
Damm.
Die Musik habe ich
mir viel harmonischer vorgestellt.
In diese Rahmenhandlung
hinein kommt Heman, der
Sohn der Gutsbesitzerin. Seine
Figur orientiert sich an Dietrich
Bonhoeffer. Den Theologen habe ich schon im Schulunter-
richt kennengelernt. Daher
weiß ich, dass Hemans verzweifelter Plan, Drako zu töten, an
das geplante Hitlerattentat von
Bonhoeffer angelehnt ist. Es ist,
als hätte man Bonhoeffer in unsere Zeit versetzt.
Die ganze Oper ist von viel
Bewegung gekennzeichnet. Ich
finde es außergewöhnlich, dass
der Chor häufiger durchs Orchester läuft. Dieses sitzt nicht,
wie ich es erwartet hätte im Orchestergraben, sondern mitten
auf der Bühne.
Die Musik habe ich mir viel
harmonischer vorgestellt. Aber
genau wie in der Musik gibt es
ja auch in der Handlung unzählige Spannungen und Konflikte.
Besonders die Leistungen der
Sänger haben mich sehr beein-
druckt, da die Melodien nicht
eingängig sind. Ein Ohrwurm
wird daraus bestimmt nicht.
Auch die Lautstärke variiert
stark, von fast unhörbar bis ohrenbetäubend.
Mehr als zwei Jahre harter Arbeit stecken in der Aufführung,
die sich wirklich gelohnt hat.
Ein faszinierendes Kunstwerk.
Bonhoeffer kommt zwar nicht
direkt vor, doch ich denke, dass
seine Beweggründe und Gedanken in dieser Oper sehr eindrücklich beschrieben und vertont wurden.
Luise Marie
Gerber ist
Schülerreporterin.
4. Mai 2013
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
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Sonne und Schatten an der Elbe
400 Kirchentagsbesucher wallfahrten per Schiff den Lebensstrom Hamburgs entlang
Von Anke Brockmeyer
Gemeinsam singen, gemeinsam
erleben: Auf der
Schiffswallfahrt
entstand schnell
eine besondere
Atmosphäre, die
auch dem ruhigen Dahingleiten des Schiffes
auf dem Strom
geschuldet war.
Döhling weiter, stigmatisieren,
grenzen aus. Nachdenklich
stimmende Worte, während
das Schiff weiter durch die
frühlingshaft
aufblühende
Landschaft fuhr, vorbei an Deichen, idyllischen Stränden,
aber auch an riesigen Hafenanlagen.
Die Ruhe des Stroms und die
gemeinsame Reise schufen eine
besondere Atmosphäre an
Bord. Konzentriert und feierlich
verfolgten die Mitreisenden die
Bibelarbeit, reichten Brot und
Wein beim Abendmahl weiter,
sangen und beteten.
Nach vier Stunden tauchten
sie wieder ein in den Trubel der
Großstadt – aber vielleicht ist
es doch gelungen, ein wenig
„religiöse Wellness“ zu tanken.
Die Schiffswallfahrt wird am
heutigen Sonnabend noch einmal angeboten, Abfahrt ist um
14 Uhr hinter der Fischauktionshalle. Die Bibelarbeit hält
Ulrich Khuon, Intendant des
Deutschen Theaters in Berlin.
HAMBURG – Hamburg und
Schifffahrt – das gehört untrennbar zusammen. So ist es
nur logisch, dass der Kirchentag nicht nur an, sondern auch
auf der Elbe stattfindet. Der
Hamburger Pastor Tobias Woydack und der Öffentlichkeitsreferent Thomas Krätzig haben
deshalb gestern als Initiative
der beiden Hamburger Kirchenkreise West und Ost zwei
Schiffs-Wallfahrten zum Thema „Sonnen- und Schattenseiten der Elbe“ angeboten, die
von mehr als 400 Kirchentagsbesuchern wahrgenommen
wurde.
„Dieses Angebot passt einfach zu Hamburg“, findet Woydack. Eine Flussfahrt mit Bibelarbeit rund um die Elbinsel,
eingebettet in die wechselnde
Landschaft der Norder- und
Süderelbe, erwartete die Gäste.
„Wir haben uns absichtlich für
eine eher ungewöhnliche
Route entschieden, weil wir ein
Angebot abseits der Hafenrundfahrten machen wollten“,
erklärte der Pastor. Vorbei an
jenen Zeichen, ja auch Mahnmalen, die für Hamburgs
Reichtum und wirtschaftlichen
Erfolg stehen: das Terminal Altenwerder, für das ein ganzes
Dorf weichen musste und dessen Kirche sich einsam über
den Containern erhebt, das
neue Kohlekraftwerk Moorburg, das in seinem Bau heftig
Alltag blieb
außen vor
Chance statt Risiko Du musst nicht auf
Von Sophia Benzmann
Foto:
Anke Brockmeyer
Podiumsdiskussion zum Nutzen sozialer Medien
Von Christoph Miether
HAMBURG – Im Hörsaal des
Hamburg Museums fanden
sich zu dem Vortrag „Kinder
geistlich begleiten“ gestern
ausschließlich Erwachsene ein.
Den Vortrag hielt der ehemalige Pfarrer Rüdiger Maschwitz.
Er fand, „dass es nicht Ziel ist,
die Kinder zu manipulieren
oder zu erziehen, sondern ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, sich selbst zu verwirklichen“. Sein Vortrag zeigte Wege auf, Kindern spirituelle Begleitung auch durch individuelle Methodiken zu ermöglichen. Maschwitz benutzte dazu als Anekdote ein Sandspiel
über die Geschichte von Moses
Volk, dass durch Gott aus der
Wüste geführt wird.
Der Vortrag sprach jedoch lediglich Pädagogen an, Besucher, die sich ganz praktische
Methoden und Ratschläge erhofft hatten, wurden enttäuscht. Wünschenswert für
Interessierte wäre eine stärkerer Bezug zum Alltag gewesen,
um Techniken und Methoden
eines erfahrenen Pastors und
Familienvaters in der Realität
umsetzen zu können.
umstritten war, aber auch die
Vier- und Marschlande, auf deren fruchtbaren Böden das Gemüse für Hamburg angebaut
wird. „Die Elbe ist der Lebensstrom dieser Stadt“, machte
Woydack deutlich.
Mit Armut und Reichtum,
mit Wirtschaft und Ökologie
beschäftigte sich die Bibelarbeit von Jan-Dirk Döhling, Alttestamentler aus Bochum,
dann auch. „Meint ihr, ihr
könntet religiöse Wellness tan-
HAMBURG – Die sozialen Medien standen im Mittelpunkt
einer
Podiumsdiskussion
„Un-social Media“. Geladen
waren insgesamt sechs Gäste,
die von der moderierenden
Journalistin Irene Dänzer-Vanotti jeweils zu zweit auf der
Bühne Platz nahmen.
Zunächst sprach der Geschäftsführer von Wikimedia
Deutschland, Pavel Richter,
über Nutzen, Qualität und das
Funktionieren der Wikipedia,
dem wohl bekanntesten Tochterprojekt von Wikimedia. Abgelöst wurde er von HansWerner Kögel, der einen Überblick bezüglich der Internetpräsenz von Gemeindebriefen
gab.
Eine halbe Stunde nach Beginn stellte eine Zuhörerin eine Zwischenfrage. Sie hatte
mit dem Titel andere Themen
assoziiert, wie die gesellschaftlichen Auswirkungen
von Sozialen Medien. Die Moderatorin versprach, dass diese Punkte noch behandelt
werden.
Nach der Pause bewertete
NDR-Online-Redakteur Niels
Rasmussen die Rolle von Internet und sozialen Netzwerken wie Facebook. Ihre Entwicklung sei „eine Chance,
kein Risiko“. Denn während
via Facebook zahlreiche Rückmeldungen zu Rundfunkbeiträgen erfolgen, haben Artikel
im Internet den Vorteil, immer
verfügbar, aktuell und meist
kostenlos zu sein.
Die Nachfolgeredner, darunter der britische Bischof
und Blogger Nicholas Baines,
bezogen sich ebenfalls überwiegend auf die neuen Möglichkeiten von Sozialen Medien. Baines etwa meinte,
über Twitter und seinen Blog
komme er mit viel mehr Menschen in Kontakt als zuvor.
All das war informativ, nur
kamen die Redner nicht mehr
zum erwarteten Thema, streiften nur kurz den „Druck zur
Kommunikation“, den Kommentarfunktion und LikeButtons verursachen können.
„Digital Natives“, also Menschen, die mit dem Internet
aufgewachsen sind, fehlten
übrigens auf der Bühne. Vielleicht lag es daran.
ken, während am Ufer in sicherem Abstand tiefe Armut und
abgründiger Reichtum gleichgültig und gleich gültig vorbeiziehen?“, hieß es darin. Wachstum, sagte er, der Leitbegriff
unseres Wirtschaftssystems, sei
eigentlich ein ökologischer Begriff. „Würde man sich daran
erinnern, wüsste man auch,
dass in der Natur kein Organismus, keine Pflanze, kein Tier
unbegrenzt wachsen kann.“
Worte schaffen Fakten, so
der Hochzeit
zu Kana tanzen,
um Gottes
Wunder zu erleben.
Doch manche Orte machen es dir leichter:
Willkommen im Kloster Nütschau.
Gott sei Dank.
www.kloster-nuetschau.de
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BILD ER DES KI RCHENTAGES
Das Oratorium „Hiskia“ wurde in der Hauptkirche St. Nikolai uraufgeführt.
Foto: DEK T
4. Mai 2013
Der Applaus galt allen Teilnehmern des „SongTalent“.
Foto: DEK T
So klingt Hamburg
Vor einem Gottesdienst in der St.
Pauli Kirche: Bläser empfangen
die Besucher. Foto: Christoph Miether
Doppelt schön ist es, auch selbst
zu singen.
Foto: epd
Musik geht in die Beine.
Volle Halle: In der Fabrik fand die Finalshow vom „SongTalent 2013“ statt. Sieger wurde der Frankfurter Musiker Christian Schellenberg mit seinem Lied „Soviel du brauchst“.
Foto: DEK T
Foto: epd
Superstar Fritz Baltruweit.
Foto: epd
Proben für das „War Requiem“ von Benjamin Britten
Foto: DEK T
4. Mai 2013
BILD ER VOM KI RCHENTAG
Kirchentagsbesucher sollen für „evangelisch.de” das Gesangbuch auf Video einsingen. „Fünf Tage, 500 Lieder” lautet das Motto der Aktion „Vielklang”. Foto: epd
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Musik ist auch in den Messehallen an vielen Orten zu hören – hier singt eine Band im Café
„Pause inklusiv”.
Foto: Simone Viere
Max Mutzke lockte viele Menschen in die Hafencity
Foto: epd
Zahlreiche Fans feierten beim Konzert von „Max Mutzke & monoPunk” am Donnerstagabend am Strandkai in der Hafencity. Der Sänger präsentierte sein aktuelles Album „Durch Einander”.
Foto: epd
Technogottesdienst im Kaiserkeller des Clubs „Große Freiheit 36” auf St. Pauli
Foto: epd
Mitsingen beim Liederabend von
Fritz Baltruweit.
Foto: epd
Rockgottesdienst in der St. Petrikirche Altona.
Foto: Simone Viere
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BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
Für alle Kinder Abrahams
Die Blaue Moschee in Hamburg lädt auch Juden und Christen zum Gebet ein
Von Sophia Benzmann
HAMBURG – Im Zentrum von
Hamburgs Blauer Moschee
liegt er: der größte Gebetsteppich Europas. Handgeknüpft,
von 18 Webern in drei Jahren
Arbeit. Aber nicht nur das ist
hier besonders: Seit 50 Jahren
zeigt sich die Moschee mit den
markanten Minaretten auch
als Ort der kulturellen Vielfalt.
Ausdrücklich sind Menschen
aus den drei abrahamitischen
Religionen Islam, Christentum und Judentum allen Nationalitäten eingeladen, hier
zu beten oder den Rat bedeutender Gelehrter einholen.
Mohammed A. Hosseini, ein
Gemeindemitglied der Moschee, begrüßt die rund 50 Kirchentagsbesucher. Sein Vortrag
ist ein theologischer Abriss
über den Islam, bei dem auch
Fragen der Besucher geklärt
werden. Die Blaue Moschee,
gekrönt von einer 22 Meter
großen Kuppel, ist in iranischer
Architektur gebaut, erklärt
Hosseini ihnen. Das wiederkehrende Blau auf Teppichen,
Wänden und der Kuppel soll
ein Symbol für die Nähe zum
Himmel sein. Die Gemeinde ist
genauso international durchmischt wie die Stadt, längst ist
hier auch eine deutschsprachige muslimische Gemeinde herangewachsen. Dennoch steht
das Haus Gottes allen Interessierten offen.
Die Besucher schlüpfen in
Schuhüberzieher, um die heilige Stätte nicht zu beschmutzen. Dann suchen sie sich einen Platz, um Hosseinis Vortrag zu lauschen. Thema sind
die Rolle der Frau im Islam, ein
Leben nach Gottes Geboten
und der Dialog zwischen den
abrahamitischen Religionen.
Hosseini beschreibt „den Menschen als so komplex, dass er
eine Bedienungsanleitung von
Allah braucht“. Diese Anleitung biete der Koran. Der Islam
Treffpunkt auf dem größten Gebetsteppich Europas in der Blauen Moschee Hamburg.
Foto: Sophia Benzmann
bedeute Hingabe zu Gott. Und
es sei Gottes Wunsch, dass sich
die Menschen lieben.
Husseini betont die vielen
Übereinstimmungen mit dem
Christen- und Judentum. Auch
im Koran werde Jesus und seine heilige Mutter Maria auf
schönste Art und Weise beschrieben, sagt er. In die Besu-
chermenge kommt aber erst
Regung, als Hosseini damit
fortfährt, dass die Liebe zu Gott
alle abrahamitischen Religionen verbinde.
Die zuerst leise ausgesprochenen Fragen der Besucher
werden hitziger, als Hosseini
auf die Stellung der Frau im Islam zu sprechen kommt. Im
Koran werde sie als Gottes
Ebenbild der Schönheit beschrieben, erklärt er. Zudem
unterschieden Frau und Mann
sich im Islam nur körperlich,
nicht spirituell. Sie seien
gleichgestellt und deshalb beteten sie in der heiligsten Moschee in Mekka auch auf einer
Ebene.
Eine Frau aus der Besuchergruppe sagt beim Gehen: „Wie
schön wäre es doch, wenn alle
Religionen gemeinsam beten
könnten.“ Ein schöner Platz
dafür wäre der handgeknüpfte
Gebetsteppich gleich an der
Alster. Blau wie der Himmel.
Heute: Vortrag, 14-16.30 Uhr
Vorsicht Fettnäpfchen!
Wenn ein Clown seine Grenzen testet und einen Streit auf der Bühne entfacht
HAMBURG – „Und, wie geht
es deinem Mann so?“ – eine oft
gestellte, scheinbar unverfängliche Frage bei einem kurzen
Plausch. Lautet die Antwort
aber: „Er hat sich vor kurzem
von mir getrennt“ wird es unangenehm. In Fettnäpfchen
wie diese ist wohl jeder schon
einmal getreten.
Der Workshop „(Inter-)Kulturelle Fettnäpfchen“ im Zentrum Jugend griff dieses Thema auf. In spielerischen
Übungen tauschten die Jugendlichen ihre Erfahrungen
aus und beschäftigten sich mit
möglichen Ursachen für interkulturelle und kulturelle Missverständnisse.
Durch den Workshop führten der Clown Matthias und
die Workshopleiterin Vera. Zunächst erhielten alle Teilnehmer eine Karte mit einer bestimmten Gestik wie Schulterklopfen, Umarmung oder Verbeugung. Aufgabe war dann,
sich untereinander mit diesen
Gesten zu begrüßen. Schnell
wurde klar, dass eine Begrüßung sehr unterschiedlich
aussehen kann. Denn nicht
überall schüttelt man sich die
Hände wie in Deutschland. In
anderen Kulturen, in denen
man zur Begrüßung die Hände
vor der Brust kreuzt, kann das
Ausstrecken der Hand als Aggression missdeutet werden.
Deshalb können kulturelle
Unterschiede immer auch zu
Missverständnissen führen.
Matthias erklärt: „Man kommt
immer mit seiner Interpretation angelaufen, nur weil man
das in seiner eigenen Kultur so
kennt.“
Missverständnisse
passieren aber nicht nur im
Ausland. Die Jugendlichen berichteten einander in Kleingruppen von erlebten Fettnäpfchen. Schließlich stellten
sie eine der Situationen im Plenum den anderen vor.
Immer wieder redete der
Clown seiner Kollegin frech
dazwischen oder packte seine
knisternde Chipstüte aus.
Schließlich reichte es seiner
Kollegin: „Matthias, ist dir
überhaupt irgendwas unangenehm?“ Wieso sein Verhalten
ein Problem sei, schien der
Clown nicht zu verstehen.
„Einfach immer drauf los! Man
muss einfach laut sein und
bunt. Dann finden einen alle
toll.“ Doch was als Clown im
Zirkus funktioniert, ist im echten Leben nicht immer angebracht. Im Workshop wurde
klar, dass es auch auf Einfühlsamkeit und Beobachtungsgabe ankommt.
Das unhöfliche Benehmen
des Clowns war nur Teil des
Programms. Er ist in Wahrheit
Theologiestudent. Vor Jahren
hat er mit der Vereinten Evangelischen Mission einen Freiwilligendienst im Ausland erlebt. Das hat ihn geprägt:
„Wenn man zurück kommt,
möchte man seine Erfahrungen teilen“. Auch Vera organisiert momentan einen Partneraustausch mit Namibia.
Wer mehr über Freiwilligendienste im Ausland erfahren
möchte, hat dazu am heutigen
Samstag hier auf dem Kirchentag die Gelegenheit. „Einmal
hin und anders zurück“ lautet
der Workshop der VEM–Netzwerk Jugend und beginnt um
11 Uhr im Workshopzentrum
am Friedrich-Ebert-Gymnasium, Alter Postweg 30-38.
4. Mai 2013
BERICH TE UND TERMI NE
Mein Foto vom Kirchentag
Leser präsentieren ihr schönstes Erlebnis - Machen Sie mit!
HAMBURG – Junge Baumeister werkeln in den
Bauhütten der „Kinder-Kathedrale” an Altarschmuck,
verzieren Kirchenfenster
oder lernen die Gutenbergpresse kennen, erzählt Leser Holger Wiese. Das Foto,
das er uns schickte, zeigt
seinen Sohn Daniel mit anderen Kindern an diesem
Gemeinschaftsprojekt.
„Daniel hat sich für das Gestalten am Bodenmosaik
entschieden. Farbig prächtig, ausdrucksstark sind
seine Bilder auch Zuhause.” Für das Mosaik lasse
sich der Siebenjährige vom
Grün der umgebenden
Wallanlagen inspirieren
und vom gerade entdeckten Eichhörnchen. „Mal sehen was noch zu schaffen
ist, Daniel möchte auch
noch am Altar mitarbeiten
- ganz nach dem Motto: So
viel die Kathedrale braucht
und ich leisten kann.”
Wir suchen Ihr Foto! Sie haben ein gelungenes Kirchentags-Foto im Kasten? Dann mailen Sie
es bis 17 Uhr an kitag@evangelische-zeitung.de und erzählen Sie uns die Geschichte: Wer
sind Sie, was sehen wir auf dem Foto und in welcher Situation entstand es? Die Redaktion
der Kirchentageszeitung druckt das beste Foto ab.
Foto: Holger Wiese
Wirklich barrierefrei?
Die „Evangelische Kirchentageszeitung” fragt bei Menschen mit Beeinträchtigung nach.
Von Gyde Wartenberg
HAMBURG – Barrierefreiheit ist ein Schwerpunkt
des Kirchentags. In diesem
Jahr ist das 30-jährige Jubiläum des barrierefreien
Kirchentags.
Um den Kirchentag für
jeden einfach zugänglich
und verständlich zu machen, gibt Hilfe in öffentlichen
Verkehrsmitteln,
Fahrdienste und barrierefreie Gemeinschafts- und
Privatunterkünfte. Barrierefreie
Veranstaltungen
sind im Programmheft gekennzeichnet, bei denen
Stellflächen für Rollstühle
gewährleistet sind. Leichte
Sprache oder Gebärdensprache machen auch Gottesdienste für alle Besucher
verständlich.
Soweit die Theorie. Aber
wie barrierefrei ist der Kirchentag tatsächlich, und
was kann man noch verbessern? Eine Schülerreporterin fragt direkt bei
dem Kirchentagsbesucher
mit Beeinträchtigung nach.
Volker Westermann: Es
gibt zu wenige behindertengerechte Toiletten, die oft
nicht gut ausgeschildert sind.
Iris Westermann: Barrierefreie Veranstaltungen sollten
auch in der App zu finden
sein. Sonst großes Lob!
Angela Voigt: Beim Kirchentag werde ich als Individuum
angesehen, nicht als Einheit
mit meiner Begleitperson.
Reinhold Netz: Meine Anreise aus Südfrankreich verlief
reibungslos. Abhol- und Fahrdienst sind sehr zuverlässig.
Annette Schütz: Liedtexte
und die Tagungsmappe sollten auch für sehbehinderte
Menschen lesbar sein.
Wiebke Koch: Ein großer
Pluspunkt ist, dass ich mir einen Rollstuhl ausleihen
konnte.
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T I P P S D E R R E DA K T I O N
HAMBURG – Rund 2500 Veranstaltungen bietet der Kirchentag. Die Redaktion der Kirchentageszeitung möchte
Ihnen die Auswahl erleichtern. Das
sind unsere Tipps für heute:
11–13 Uhr Zukunft der Kirchen: Brauchen
wir unterschiedliche?
mit Landesbischof Frank Otfried July, Präses
Manfred Rekowski, Wolfgang Thierse, Erstunterzeichner „Ökumene Jetzt“ und Dr. Olav
Fykse Tveit, Generalsekretär Ökum. Rat der
Kirchen
Frosta-Bühne an den Magellan-Terrassen
11–13 Uhr Fortschritt oder Stillstand?
Was bringt der Katechismus der Neuapostolischen Kirche für die Ökumene?
Das Rauhe Haus, Wichern-Forum, Beim
Rauhen Hause 21
11-12.30 Uhr Preisverleihung des Webfish, Jurywettbewerb für die besten evangelischen Webseiten
Ökumenisches Forum, Shanghaiallee 12-14
11 Uhr Christliche Gemeinschaften stellen
sich vor
Mit der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten, der Communität Christusbruderschaft,
der Gemeinschaft „Gemeinsames Leben“
und der Diakonischen Basisgemeinschaft
„Brot & Rosen“
Jerusalem-Kirche, Schäferkampsallee 36
12.30-14.30 Uhr Chortreffen der Gebärdenchöre mit Mittagsgebet
Halle B1, Erdgeschoss, Messeglände
14 Uhr „Er fuhr seinen Weg fröhlich weiter“, Fahrradgottesdienst auf dem Fischmarkt
14–16.30 Uhr Rolle der Gebetshäuser –
Dialog zwischen Christen und Muslimen
mit Dr. Detlef Görrig (Referat für Islam und
Weltreligionen Dialog in der EKD), Dr. Hujjat al-Islam Maasumi (Islamisches Zentrum
Hamburg) und Imam Ayatollah Dr. Reza
Ramezani, Islamisches Zentrum Hamburg.
Imam Ali Moschee, Schöne Aussicht 36
15.30-16.30 Uhr „Ich hüll‘ dich golden
ein“, Segnungsgottesdienst
Große Wallanlagen, Kinderkathedrale am
Hamburgmuseum, Holstenwall
16-18 Uhr Wohlstandsevangelium, Diskussionsveranstaltung mit dem African
Christian Council Hamburg
Erlöserkirche (Borgfelde), Jungestr. 7
18.30–20 Uhr Gemeinsame Verantwortung – gemeinsam beten, christlich-islamischer Gottesdienst
St. Georgskirche, St. Georgs Kirchhof
19-22 Uhr „Der liebe Gott und der Klabautermann“, Der Rhythmus der Küste –
ein Fest
Fischauktionshalle, Große Elbstraße 9
19.30-21 Uhr „Am Himmel hell und klar“,
Alle Bläser sind zum Mitmusizieren eingeladen
Bühne am Rathausmarkt
20-22 Uhr Frauen und Männer – sich
selbst belachen und gemeinsam freuen,
Playbacktheater und Musik
Handelskammer, Börsensaal, Adolphsplatz 1
20-23 Uhr „In 150 Psalmen durch die
Nacht“, ein lange Nacht der Psalmen mit
Musik, Zauber, Tanz und Posaunen
Epiphanienkirche Winterhude, Großheidestraße 44
22-24 Uhr h.o.l.y. und VJ Skinfiltr8r,
Christliche DJs legen auf: Elektro-Worship
und Llive-Gebete mit Cellistenbegleitung
St. Pauli, Pinnasberg 80
14 |
ANZEI GEN
4. Mai 2013
Bü ch
hllin
in g
c heerr- FFrrü
üh
Himmelsmelodie
Der Künstler thematisiert darin die von Kindern oft gestellte Frage nach
"dem Himmel". Erwachsene sagen ihnen, dass Menschen, die sterben, dort
hinkommen. Aber wie sieht es im Himmel aus?
14,90 Euro
ISBN 978-3-8048-4496-4
Jan wundert sich
Jan sieht eine kleine Blume, einen mächtigen Baum und dann einen riesigen
Berg. Wie groß mögen da erst die
Sonne, die Milchstraße oder das ganze
Universum sein? Kindern wird hier die
unendliche Größe der Schöpfung vor
Augen geführt.
ISBN 978-3-8048-4269-4
14,90 Euro
www.kirchenshop-online.de
REPORTAGE
4. Mai 2013
|
15
Spuren der Bedrohung
Ein etwas anderer Stadtspaziergang durch Hamburg
Von Paula Mittermayer
Es wird unruhig in der
Messehalle B 7. Wo eben
noch
Podiumsbesucher
saßen, wird nun die Halle
geleert,
alle
Menschen
müssen raus. Die Kanzlerin
kommt. Dafür muss vorab
die Sicherheit gewährleistet
werden.
Während
die
Kirchentagsbesucher
allmählich den Weg nach
draußen finden, hält sich
eine Gruppe Menschen noch
wacker an einem der Stände.
Die Gruppe für die Führung
„Treibhaus Hamburg – ein
Stadtrundgang
auf
den
Spuren des Klimawandels”
hat
sich
noch
nicht
formiert. Zu viele Leute
haben Interesse an dem
informativen Stadtrundgang.
Es dauert ein wenig, bis
sich alle Teilnehmer und
die zwei Führerinnen durch
das
Durcheinander
von
Menschen,
Polizei
und
Pfadfindern den Weg nach
draußen gebahnt haben.
Nicht mehr als dreißig Leute
haben Sarina Fröhling und
Lisa Koeritz für die Führung
eingeplant. Viele müssen
sie auf die Abendführung
vertrösten, die jedoch auch
schon fast ausgebucht ist.
Sarina und Lisa, beide absolvieren derzeit ein Freiwilliges
Ökologischen Jahr, nehmen
die Kirchentagsbesucher mit
auf einen Rundgang durch
das Schanzen- und das Karoviertel. Dem Klima dabei
immer auf der Spur. Denn
die vielen Klimasünden,
die wir alle verursachen,
lauern auch in Hamburg
direkt vor der Haustür.
Bevor sich die Gruppe in
Bewegung setzt, präsentiert
Sarina, mit Headset und
Lautsprecher
ausgestattet,
noch ein paar Fakten. „Bis
2020 möchte Hamburg seine
CO2- Emission um 40 Prozent senken.“ Auch die Auszeichnung als Umwelthauptstadt 2011 spricht sie an,
sieht den Verdienst jedoch
skeptisch. Der Bau des neuen
Kohlekraftwerkes ist ein
Kritikpunkt. „Die hohe Luftverschmutzung in Hamburg verstößt sogar gegen
die EU-Richtlinien“, erklärt
Sarina den Teilnehmern.
Auch die Container- und
Kreuzfahrtschiffe
stellen
eine große Belastung für
Hamburg da. Klimawandel
findet hier und jetzt statt.
Nicht weit muss die Gruppe
gehen, um an der ersten
Station Halt zu machen. Die
Rundgänger sind umgeben
von langen Backsteingebäuden und großen Fabrikhallen.
Es ist der Hamburger Fleischgroßmarkt. Wo früher noch
Massen an Vieh gehalten wurden, fahren heute Lastwagen
ein und aus. Der Viehgestank
in unmittelbarer Stadtnähe
war den Hamburgern bald
lästig und sie verbannten
die
Mastanlagen
und
Stallungen aus der Stadt.
Fleischindustrie jedoch wird
hier immer noch betrieben.
Bevor Sarina näher auf die
Bedeutung des Fleisches
eingeht, sind die Besucher
gefragt. Flink verteilt Lisa
einen Apfel, Brot, Würstchen,
eine Paprika und einen
kleinen Becher Milch an die
Gruppe. Auf dem Gehweg stehen unterschiedlich große
Quader. „Sie verdeutlichen
den
Kohlendioxidausstoß“
erklärt Sarina. Der größte
Würfel symbolisiert zwanzig
Tonnen CO2, der kleinste
Würfel stellt 0,3 Tonnen
dar. Sarina stellt die Frage:
„Welches
Lebensmittel
verbraucht wie viel CO2?”Die
Würstchen finden schnell
ihren Platz auf dem großen
Würfel. Doch wie sieht es
aus mit Obst und Gemüse?
Die Besucher kommen ins
Straucheln. Und die Milch?
Wird bei ihrer Herstellung
mehr CO2 ausgestoßen als
beim Brot? Doch gemeinsam
wird die richtige Reihenfolge
gefunden.
Die
leckeren
Würstchen auf dem deutlich
größeren Würfel - das gibt zu
denken.„Für ein Kilo Fleisch
braucht man acht Kilo
Getreide” erzählt Sarina. Mit
Hilfe von weiteren Zahlen,
Daten und der Bemerkung,
dass
jeder
Bürger
im
Jahr durchschnittlich 82
Kilogramm
Lebensmitte
wegwirft, darunter auch
Fleisch, motiviert Sarina die
Führungsteilnehmer, ihren
Lebensmittelkonsum
zu
bedenken. Weniger Fleisch,
mehr Bio, bewusster kaufen.
Ganz einfach. Die Gruppe
zieht weiter. Weg von den
großen
Fleischhallen
in
Richtung
SchanzenViertel. Es geht vorbei an
Bekleidungsläden
und
Boutiquen.
Auf
einem
Parkplatz
macht
die
Gruppe
Halt.
„Wieviele
Kleidungsstücke
kaufen
Sie sich im Jahr?“, fragt
Sarina. Die meisten müssen
überlegen. Dreißig. Manch
einer sagt mehr. Achtzig.
Ganz schön viel. „Das ist
auch schwer zu ermitteln”so
Sarina. „Zwischen 40 und
70 Kleidungsstücke kauft
der Deutsche im Jahr.“Was
hat nun Kleidung mit dem
Klima zu tun? Lisa verteilt
laminierte Schilder an einige
Teilnehmer.
Sie
zeigen
die Reise einer Jeans. Und
prompt wird der Hamburger
Klimaspaziergang
zu
einer
kleinen
Weltreise.
Angefangen in Indien, wo
durch den Einsatz von
Chemikalien und viel Wasser
die Baumwolle, der nötige
Rohstoff für die Jeans,
wächst. Nach der Ernte geht
es für die Baumwolle nach
China, zum Spinnen. Dann
geht es von der Volksrepublik
in die Republik China, nach
Taiwan, wo das Garn nun
Zehn Kilogramm CO2 kommen auf jeden Container, der im Hamburger Hafen umgeschlagen wird. Neun Millionen Container sind es im Jahr.
gefärbt wird.Schlappe 4500
Kilometer hat die Baumwolle
bis dahin erst verfahren
und verflogen. Die Reise
ist aber noch längst nicht
vorüber: Nach Polen geht es
zum Weben; aus Frankreich
fliegen
Innenfutter
und
Waschanleitung ein und
zurück geht es auf die
Philippinen zum Nähen.
Bis die Jeans dann von uns
im Laden gekauft wird, hat
sie stolze 40 000 Kilometer
hinter sich. Ein weiter Weg.
„Aber es gibt Alternativen“,
betont Sarina. „Kleidung aus
fair-gehandelter Baumwolle,
auch aus anderen Rohstoffen
wie
aus
Flach
oder
Hanf.”Und auch hier gilt,
wie beim Fleisch: Weniger
ist mehr. Sich zu überlegen,
wie viel man braucht. Einige
weitere Stationen wird die
Gruppe noch erreichen.
Immer wieder macht Sarina
deutlich, welche Dinge des
täglichen Gebrauchs zu den
schlimmsten
Klimakillern
gehören. Neben Fleisch und
Kleidung beispielsweise auch
Papier, das wir in Mengen
verbrauchen. Den Verbrauch
senken – darauf kommt es
Sarina an.
REPORTAGE
4. Mai 2013
|
15
Spuren der Bedrohung
Ein etwas anderer Stadtspaziergang durch Hamburg
Von Paula Mittermayer
Es wird unruhig in der
Messehalle B 7. Wo eben
noch
Podiumsbesucher
saßen, wird nun die Halle
geleert,
alle
Menschen
müssen raus. Die Kanzlerin
kommt. Dafür muss vorab
die Sicherheit gewährleistet
werden.
Während
die
Kirchentagsbesucher
allmählich den Weg nach
draußen finden, hält sich
eine Gruppe Menschen noch
wacker an einem der Stände.
Die Gruppe für die Führung
„Treibhaus Hamburg – ein
Stadtrundgang
auf
den
Spuren des Klimawandels”
hat
sich
noch
nicht
formiert. Zu viele Leute
haben Interesse an dem
informativen Stadtrundgang.
Es dauert ein wenig, bis
sich alle Teilnehmer und
die zwei Führerinnen durch
das
Durcheinander
von
Menschen,
Polizei
und
Pfadfindern den Weg nach
draußen gebahnt haben.
Nicht mehr als dreißig Leute
haben Sarina Fröhling und
Lisa Koeritz für die Führung
eingeplant. Viele müssen
sie auf die Abendführung
vertrösten, die jedoch auch
schon fast ausgebucht ist.
Sarina und Lisa, beide absolvieren derzeit ein Freiwilliges
Ökologischen Jahr, nehmen
die Kirchentagsbesucher mit
auf einen Rundgang durch
das Schanzen- und das Karoviertel. Dem Klima dabei
immer auf der Spur. Denn
die vielen Klimasünden,
die wir alle verursachen,
lauern auch in Hamburg
direkt vor der Haustür.
Bevor sich die Gruppe in
Bewegung setzt, präsentiert
Sarina, mit Headset und
Lautsprecher
ausgestattet,
noch ein paar Fakten. „Bis
2020 möchte Hamburg seine
CO2- Emission um 40 Prozent senken.“ Auch die Auszeichnung als Umwelthauptstadt 2011 spricht sie an,
sieht den Verdienst jedoch
skeptisch. Der Bau des neuen
Kohlekraftwerkes ist ein
Kritikpunkt. „Die hohe Luftverschmutzung in Hamburg verstößt sogar gegen
die EU-Richtlinien“, erklärt
Sarina den Teilnehmern.
Auch die Container- und
Kreuzfahrtschiffe
stellen
eine große Belastung für
Hamburg da. Klimawandel
findet hier und jetzt statt.
Nicht weit muss die Gruppe
gehen, um an der ersten
Station Halt zu machen. Die
Rundgänger sind umgeben
von langen Backsteingebäuden und großen Fabrikhallen.
Es ist der Hamburger Fleischgroßmarkt. Wo früher noch
Massen an Vieh gehalten wurden, fahren heute Lastwagen
ein und aus. Der Viehgestank
in unmittelbarer Stadtnähe
war den Hamburgern bald
lästig und sie verbannten
die
Mastanlagen
und
Stallungen aus der Stadt.
Fleischindustrie jedoch wird
hier immer noch betrieben.
Bevor Sarina näher auf die
Bedeutung des Fleisches
eingeht, sind die Besucher
gefragt. Flink verteilt Lisa
einen Apfel, Brot, Würstchen,
eine Paprika und einen
kleinen Becher Milch an die
Gruppe. Auf dem Gehweg stehen unterschiedlich große
Quader. „Sie verdeutlichen
den
Kohlendioxidausstoß“
erklärt Sarina. Der größte
Würfel symbolisiert zwanzig
Tonnen CO2, der kleinste
Würfel stellt 0,3 Tonnen
dar. Sarina stellt die Frage:
„Welches
Lebensmittel
verbraucht wie viel CO2?”
Die Würstchen finden
schnell ihren Platz auf dem
großen Würfel. Doch wie sieht
es aus mit Obst und Gemüse?
Die Besucher kommen ins
Straucheln. Und die Milch?
Wird bei ihrer Herstellung
mehr CO2 ausgestoßen als
beim Brot? Doch gemeinsam
wird die richtige Reihenfolge
gefunden.
Die
leckeren
Würstchen auf dem deutlich
größeren Würfel - das gibt zu
denken.„Für ein Kilo Fleisch
braucht man acht Kilo
Getreide” erzählt Sarina. Mit
Hilfe von weiteren Zahlen,
Daten und der Bemerkung,
dass
jeder
Bürger
im
Jahr durchschnittlich 82
Kilogramm
Lebensmitte
wegwirft, darunter auch
Fleisch, motiviert Sarina
die
Führungsteilnehmer,
ihren Lebensmittelkonsum
zu
bedenken.
Weniger
Fleisch, mehr Bio, bewusster
kaufen.
Ganz
einfach.
Die Gruppe zieht weiter
Weg von den großen Fleischhallen in Richtung SchanzenViertel. Es geht vorbei an
Bekleidungsläden und Boutiquen. Auf einem Parkplatz
macht die Gruppe Halt.
„Wieviele
Kleidungsstücke
kaufen Sie sich im Jahr?“, fragt
Sarina. Die meisten müssen
überlegen. Dreißig. Manch
einer sagt mehr. Achtzig.
Ganz schön viel. „Das ist
auch schwer zu ermitteln”so
Sarina. „Zwischen 40 und
70 Kleidungsstücke kauft
der Deutsche im Jahr.“
Was hat nun Kleidung mit
dem Klima zu tun? Lisa
verteilt laminierte Schilder an
einige Teilnehmer. Sie zeigen
die Reise einer Jeans. Und
prompt wird der Hamburger
Klimaspaziergang zu einer
kleinen Weltreise. Angefangen in Indien, wo durch den
Einsatz von Chemikalien und
viel Wasser die Baumwolle,
der nötige Rohstoff für die
Jeans, wächst. Nach der Ernte
geht es für die Baumwolle
nach China, zum Spinnen.
Dann geht es von der
Volksrepublik in die Republik
China, nach Taiwan, wo das
Garn nun gefärbt wird.
Zehn Kilogramm CO2 kommen auf jeden Container, der im Hamburger Hafen umgeschlagen wird. Neun Millionen Container sind es im Jahr.
Schlappe 4500 Kilometer
hat die Baumwolle bis
dahin erst verfahren und
verflogen. Die Reise ist aber
noch längst nicht vorüber:
Nach Polen geht es zum
Weben;
aus
Frankreich
fliegen
Innenfutter
und
Waschanleitung ein und
zurück geht es auf die
Philippinen zum Nähen.
Bis die Jeans dann von uns
im Laden gekauft wird, hat
sie stolze 40 000 Kilometer
hinter sich. Ein weiter Weg.
„Aber es gibt Alternativen“,
betont Sarina. „Kleidung aus
fair-gehandelter Baumwolle,
auch aus anderen Rohstoffen
wie aus Flach oder Hanf.”
Und auch hier gilt, wie beim
Fleisch: Weniger ist mehr.
Sich zu überlegen, wie
viel man braucht.
Einige weitere Stationen wird
die Gruppe noch erreichen.
Immer wieder macht Sarina
deutlich, welche Dinge des
täglichen Gebrauchs zu den
schlimmsten
Klimakillern
gehören. Neben Fleisch und
Kleidung beispielsweise auch
Papier, das wir in Mengen
verbrauchen. Den Verbrauch
senken – darauf kommt es
Sarina an.
T E RMIN E
statt
statt
2 Klaus Schumacher
jetzt
2 Dr. Dietrich Sagert, Zentrum
für ev. Predigtkultur,
Lutherstadt Wittenberg
i
I Hauptkirche
St. Katharinen,
Katharinenkirchhof 1
(464 … f8)
p 339
Bibelarbeiten
statt
statt
2 Prof. Jürgen Flimm
jetzt
2 Evelyn Finger, Redakteurin
und Literaturwissenschaf tlerin,
Hamburg
Christoph Störmer, Hauptpastor Hauptkirche St. Petri,
Hamburg
i
I Hauptkirche St. Petri,
Bei der Petrikirche 2
(482 … g8)
09 30
09.30
Samstag
Samstag
Inga Krefis-Vooelkel
Liebe Kirchentagsgäste!
Wie viele „Gute Orte für alle“ gibt
es für Sie bei diesem Kirchentag und in Hamburg? Nehmen
Sie sich an diesem letzten Taag
noch einmal Zeit, den blauen
Anhänger auszufüllen, um Ihren
persönlichen guten Ort mitzuteilen. Ich möchte diesen „guten
Ort“ in der Kirchentagszeitung
nutzen, um mich bei den rund
5.500 Helferinnen und Helfern,
40.000 Mitwirkenden und allen
ehrenamtlichen Mitarbeitenden
des Kirchentages für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken,
der zu diesem wunderschönen
Kirchentag geführt hat!
Noch einmal haben wir hier für
Sie alle wichtigen Änderungen für
den heutigen Samst
Samstag
ag und den
onntag
Schlussgottesdienst am SSonntag
zusammengetragen.
Tsschüss aus Hamburg – wir sehen
uns 670 km südlich von hier in
Stuttgart beim 35. Deutschen
Evangelischen Kirchentag vom
3. bis 7. Juni 2015 wieder!
Kommen Sie morgen gut nach
Hause!
p 342
entfällt
11
.00 –12.30
11.00–12.30
p 344
2 Asian Worship and Music
e Worship and the Struggle
for Justice and Peace
r
I St. Pauli Kirche
Weitere
Weitere Gottesdienste
11.00
1
1.00
00
statt
statt
1
0.30 -11.30
10.30-11.30
p 343
3 Miteinander
Mitmachlieder für Kinder
NEU
jetzt
3 Trommelzauber
Mitmachkkonzert für die
ganze Faamilie – raan an die
Trommel!
r
Taamborena-Trrommelzauber,
Hamburg
I Große Wallanlagen,
Freilichtbühne (434 … e7)
Faamiliengottesdienst
neu zusätzlich
Carina Lohse, Hamburg
Annika Woydack, Hamburg
Eckard Vincke, Halle/Westfalen
I Große Wallanlagen,
Kinder-Kathedrale am
Hamburgmuseum,
Holstenwall (446 … e7)
2 Wasser des Lebens
1
0. 30 –11.30
10.30–11.30
Kinder im Zentrum
10.30–12.00
1
0.30 –12.00
NEU
1 Kirche und Diakonie als
Arbeitgeber
Ein Streitgesprrääch
Frank Bsirske, Vorsitzender
Verdi, Berlin
Prof. Dr. Gerhard Robbers,
Jurist und Kirchentagspräsident, Trrier
Moderation: Uli Röhm,
Wirtschaffttsjournalist,
Jugenheim
i
I St. Georgskirche,
St. Georgs Kirchhof
(410 … g7)
PPodium
odium Arbeit
10.30
1
0.30
0
30
Hannover
statt
statt W Christuskirche
(Eimsbüttel),
Bei der Christuskirche 2
(266 …D5)
jetzt I St. Marien-Dom, Am
Mariendom 1 (278 … h7)
2 Landesbischof Ralf Meister,
p 351
p 361
p 362
Ein – nicht nur –
theologisches Gesprrääch
über Glaubenshaltungen
statt
st
att
Prof. Dr. Christoph Schwöbel
jetzt
Prof. Dr. Christoph Seibert,
Theologe, Hamburg
i
M CCH, Saal 2, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
1 In Hingabe frei?
11.00-13.00
11.00 -13.00
Podienreihe
Podienreihe Muslime und
Christen
Arbeiten und Leben
auf dem Schiff
statt
statt
Frank Bsirske
jetzt
Arne von Spreckelsen,
Gewerkschaf ter, Berlin
neu zusätzlich
Toorben Hass, Kapitän,
Flensburg
Dr. Dierk Lindemann,
Rechtsanwalt, Hamburg
Dr. Valerie
a
Wilms MdB, Berlin
i
I Fischauktionshalle,
Große Elbstr. 9 (350 … d8)
e – wenig Geld
1 Weite Wege
11.00–13.00
11.00 –13.00
Zentrum Menschen, Meer und
Hafen
Brraauchen wir
unterschiedliche?
neu zusätzlich
Andrea Schneider, Pastorin,
Rundfunkbeauf tragte
Veereinigung
i i
Ev. Freikirchen,
Oldenburg
Bischof Jan Janssen, Oldenburg
Kirchenpräsident Dr. Volk
o er
Jung, Darmstadt
Dr. Detlef Stäps, Domkapitular, Rottenburg/Neckar
I Frosta-Bühne an
den Magellan-Teerrassen
errass
(392 … f8)
1 Zukunft der Kirchen
11.00–13.00
11.00 –13.00
Bühne Magellan-Terrassen
Magellan-Terrassen
11.00–13.00
11.00 –13.00
p 348
1 Weeiblich, revolutionärr, jung
Gesellsc
D Frraauen verräändern Gesellschaft
att
statt
E st
Amira Yah
a yaoui
jetzt
Rosa Yassin
a
Hassan, syrische
Autorin und Aktivistin,
Hamburg
i
W Universität, Audimax,
Von
o -Melle-Park 4
(872 … F6)
Forum Arabischer
Arabischer Raum
Raum
NEU
p 384
Prof. Dr. Katajun Amirpur,
islamische Theologin, Hamburg
Dr. Olav Fyk
y se Tveit, Generalsekretär Ö
Ökum. Rat der
Kirchen (ÖRK), Genf/Schweiz
Erzbischof Dr. Robert Zollitsch,
Voorsitzender Deutsche Bischofskoonferenz, Freiburg/Breisgau
Moderation: Dr. Beatrice
von Weizsäcker, Publizistin,
München
Musik: BiHuN (Bläserkreis in
Hessen und Nassau), Frankfurt
i
M CCH, Saal 2, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
1 Der neue Papst Franziskus
D Ökumenische und
E interreligiöse Erwartungen
14.00–15.30
1
4.00 –15.30
Forum Ökumene
14.00
1
4.00
4
00
TTen
en Sing
entfällt
13
13.30–14.15
.30 –14.15
3 Und Action …
bk I Markthalle
13.30
1
3.30
3
30
Pop
Rock und Pop
entfällt
12
12.30–14.00
.30 –14.00
p 376
3 Für immer – Rock aus
Mittelhessen
I Hühnerposten
12
12.30–14.00
.30 –14.00
NEU
o
Songwritin
Songwriting
3 Workshop:
für Einsteiger
Marion Fiedler, Singer-Songwriterin, Dresden
W Christuskirche
(Altona), Gruppenraum,
Suttnerstr. 18 (260 … C6)
entfällt
1
12.30–13.30
2.30 –13.30
p 374
3 Deutschsprachiger
Praise-Rock mit Tiefgang
W Christuskirche (Altona)
Christliche Popularmusik
Popularmusik
entfällt
12
12.30–14.00
.30 –14.00
p 374
o
HipHop und
un
1 Workshop:
Rap selbstgestrickkt
W Christuskirche (Altona)
12.30
1
2.30
2
30
Gospel und Spiritual
entfällt
11.30–13.00
11.30 –13.00
p 371
3 African Gospel Singers
H Paul-Gerhardt-Kirche
(Wilhelmsburg)
11.30
1
1.30
30
ÄNDERUNGEN
Ä N D E R UN G EN FÜR
F ÜR SAMSTAG,
SAMSTTAG, 4.
4. MAI
M AI 2013
2013
entfällt
2 Prof. Dr. Dr. h. c. mult.
Eberhard Jüngel
i
I St. Marien-Dom
4. Mai 2013
p 391
p 399
seine Akktteure heute
statt
statt Samir Nasr
jetzt Omar Khaled, Student,
Kairo/Ägypten
i
W Universität, Audimax,
Von
o -Melle-Park 4
(872 … F6)
1 Blogger, Bilder und
D Parteien
E Der arraabische Frühling und
15.00–18.00
15.00 –18.00
Forum Arabischer
Arabischer Raum
Raum
15.00
1
5.00
5
00
entfällt
1
14.30–15.30
4.30 –15.30
p 394
Deutschsprachiger
Praise-Rock mit Tiefgang
b
H Friedrich-Ebert-Halle
Zentrum Regenbogen
entfällt
14.30–16.00
14.30 –16.00
p 393
o
Pro Homo!
1 Workshop:
Identität in Popularmusik
O Das Rauhe Haus
14.30–15.30
1
4.30 –15.30
p 392
1 Ist die Kirche ein gastlicher
D Ort für alle?
onve
E Kath. und evv. Koonventionsg texte zur Inklusion
statt
st
att Cornelia Coenen-Marx
jetzt Dieter Kaufmann, Oberkirchenrat, Voorstandsvorsitzender
Diakkoonisches Werk
Württemberg, Stuttgart
i
M CCH, Saal 4, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
Zentrum Inklusion
Zukunft?
neu zusätzlich
Peter Conradi, Architekt,
Stuttgart
Dirkk-Michael Grötzsch, ehemaliger Sprecher Neues Forum
Oldenburg
Michael Harr, Pfarrer gegen
Stuttgart 21, Ingersheim
Hannes Rockenbauch, Stadtrat und Sprecher Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21
Jan Witza, Jugendbildungsreferent, Dresden
I Frosta-Bühne an den
Magellan-Teerrassen
erras
(392 … f8)
1 Hat Unzufriedenheit
14.30–16.00
1
4.30 –16.00
Magellan-Terrassen
Bühne MagellanTerrassen
14.30
1
4.30
4
30
Aktuelle Programmänderungen
Kirchentag
Kirchentag
ag Aktuell
Akktuell
t
16 |
p 404
Junge Leute fragen
Zeitzeugen
statt Wolfgang Tiefensee MdB
jetzt Erika Riemann, Autorin,
Hamburg
Andreas Thieme, Rockmusiker,
Hamburg
b
H FriedrichEbert-Gymnasium,
Turnhalle, Alter Postweg 30–38 (380 … AB1)
1 Gespräch: Ich war dabei –
15.00–16.30
Zentrum Jugend
15.00–18.00
p 403
1 Vermarktete Körper –
D befreite Körper
E Vorstellungen von Körper,
Sexualität und Spiritualität
statt Gunilla Ekberg PhD
Prof. Dr. Godwin Lämmermann
jetzt Angela Bähr, Fachbereichsleiterin Migration und
Frauensozialarbeit, Diakonie
Hamburg
Prof. Dr. Karl Braun, Ethnologe
und Kulturwissenschaftler,
Marburg
neu zusätzlich
Prof. Dr. Sabine Kienitz,
Kulturanthropologin,
Hamburg
i
I Handelskammer,
Börsensaal, Adolphsplatz 1 (452 … f8)
Zentrum
Geschlechtergerechtigkeit
15.00–18.00
p 403
1 Neue Gemeindemodelle
Beispiele, Erfahrungen,
Nachfragen
statt Ulrike Greim
jetzt Sabine Dreßler, Pastorin,
Braunschweig
k
O Dreifaltigkeitskirche
(Hamm), Gemeindehaus,
Horner Weg 17 (284 … K7)
Zentrum Gemeinde
15.00-18.00
p 401
1 Alles lassen
Vom Sinn der Einsamkeit
Gespräch
statt Prof. Dr. Thomas Macho,
Philosoph, Berlin
jetzt Prof. Dr. Joachim Jacob,
Literaturwissenschaftler,
Gießen
sK W Abaton, Großes Kino,
Allende-Platz 3 (100 … F6)
Filmreihe
Bilder der Einsamkeit
15.00–18.00
p 400
1 Das Ende der Schriftkultur?
Die Heilige Schrift im
Wandel der Zeichen
statt Prof. Dr. Jochen Hörisch
jetzt Prof. Dr. Margit Böck,
Institut für Deutschdidaktik,
Klagenfurt/Österreich
i
M Halle B3,
Obergeschoss,
Messegelände (692 … e6)
Zentrum Bibel
4. Mai 2013
Die Fundstelle des Kirchentages
(CCH, Saal 2, Garderobe) ist
telefonisch zu erreichen unter:
040 3569-5310
16.30–18.00
p 425
1 Was sollen wir essen?
Blick über den Tellerrand
statt Cornelia Füllkrug-Weitzel
jetzt Sonja Weinreich, Referentin
Brot für die Welt –
Ev. Entwicklungsdienst, Berlin
i
H Friedrich-EbertHalle, Alter Postweg 30–38 (386 … AB1)
Zentrum Jugend
16.30
Rock und Pop
entfällt
16.00–17.00
p 422
3 Powerschlager aus Berlin
Innenhof
Ost
M
statt 15.30–16.30
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3 Soviel a cappella wie du
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Eine Stunde a cappella – von
geistlich bis Pop
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Hamburg
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Kirchenmusik und Klassik
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3 Sphärischer Jazz-Pop
Musik mit der Seele hören
Land Über, Radebeul
M Innenhof Ost, Pavillon,
Messegelände (692 … e6)
Jazz, Folk, Blues
16.00
15.00–18.00
p 409
1 Globale Schnäppchenjagd
D Land und Rohstoffe –
E wirtschaftliche Interessen
und gerechter Zugang
statt Alexander Müller
jetzt Dr. Wilfried Bommert, Autor,
Journalist und Sprecher
Institut für Welternährung,
Berlin
M Halle B7,
Messegelände (692 … e6)
Umwelt und Wandel
15.00–18.00
p 406
1 E-Health: Gesundheit
im Netz
Vom Wandel der Medizin im
Computerzeitalter
statt Dr. med. Karl Jähn
Dr. Werner Bartens
jetzt Prof. Dr. Werner A. Scherbaum,
Internist und Herausgeber
Gesundheitsplattform Fragden-Professor.de, Düsseldorf
Christoph Koch, Journalist,
Hamburg
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M Halle B4, Obergeschoss, Messegelände
(692 … e6)
Podienreihe Lebensreichtum –
Lebensrisiken
Lyrik und Prosa
p 450
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M CCH, Saal G, Marseiller
Str. 2 (236 … f6)
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Museum Hamburg,
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18.30
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17.30–19.00
p 433
3 Evangelisch? Bloß nicht! –
Katholisch? Never!
si O Wichernkirche
17.30
17.00–19.00
p 432
3 Preisgekrönte Kurzgeschichten zur Losung
Lesung der Preisträger,
Würdigung und Diskussion
neu zusätzlich
Stefan Etgeton, Hamburg
Amelie Schmid, Hamburg
Pamela Stehen, Hamburg
Maren Töbermann, Hamburg
Tina Uebel, Hamburg
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20.05 Uhr in der Sendung
Opernkonzert auf NDR Kultur
zu hören.
Wir bitten um Ihr Verständnis!
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2 Baut das Haus des Herrn –
Soviel ihr braucht
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16.30–17.30
p 427
3 Moderner Gospel
O Christengemeinde Elim
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3 Himmelwärts
Lieder, die den Himmel
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Heppenheim
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16.30–17.30
3 Lobpreis mal anders p 426
16.30–18.00
p 425
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Kirche …
Künstler erleben Gemeinde –
Gemeinde erlebt Kunst
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Parish, Hamburg
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Hamburg
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Katharinenkirchhof 1
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Zentrum Kulturkirche
ÄNDERUNGEN FÜR SAMSTAG, 4. MAI 2013
T E R MIN E
p 466
17
Kirchentag aktuell
Herausgegeben vom
34. Deutschen
Evangelischen Kirchentag
Verantwortlich:
Silke Lechner
Redaktion:
Inga Krefis-Voelkel
Änderungserfassung:
Julia Gundlach, Rachel
Rentz, Miriam Stolz
Layout und technische
Realisierung:
Hilke Barenthien,
Sarah Reinhold,
Thomas Walk
Schlussgottesdienst p 560
Die Kollekte kommt zu gleichen
Teilen zwei Projekten in Afrika
zugute:
Basisgesundheitsversorgung für
die Menschen im Südsudan
Schwerpunkt des Projektes ist
der Bau und Wiederaufbau von
Gesundheitsstationen und Tiefbrunnen. Zudem sind Aufklärung zur Krankheitsvorbeugung
und Hygieneschulungen sowie
die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal wichtige
Bestandteile der langfristigen
Hilfe vor Ort.
Land als Überlebensfrage –
Unterstützung von Kleinbauern
gegen Land Grabbing in
Mosambik
INKOTA setzt sich mit seiner
Partnerorganisation Associação
Rural de Ajuda Mutua (ORAM)
für die Landrechte von Kleinbauern in Mosambik ein und
schützt sie durch den Erwerb
von Landtiteln vor dem Verlust
der Lebensgrundlage.
Kirchentags-Spendenkonto
Konto-Nr.: 40 62340
Ev. Darlehensgenossenschaft eG (BLZ 210 602 37)
Grünen
neu zusätzlich
Erzpriester Georgios Manos,
Hamburg
i
O Bühne im Stadtpark
(224 … H3)
2 Unter Feigenbaum und
g Weinstock
G Schlussgottesdienst im
10.00–11.30
Schlussgottesdienst
10.00
Sonntag
|
18 |
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
4. Mai 2013
„Die Autorität des bittenden Christus“
Die Forderung nach mehr Transparenz im Rüstungsgeschäft beim Podium „Krieg als Geschäft?“
Von Paula Mittermayer
HAMBURG – Es ist wie in einem gut sortierten Fachgeschäft: Kampfjets, nuklearwaffenfähige U-Boote, Raketen und Handfeuerwaffen
und Mienen – der weltweite
Waffenhandel boomt. Dass
dabei nicht nur der rein wirtschaftliche Aspekt, sondern
vielmehr auch die Verantwortung für die Folgen eine wichtige Rolle spielen muss, betonte das Podium „Krieg als Geschäft? Rüstung made in Germany“. Und die Ansage war
deutlich: Mehr Transparenz
bei politischen Entscheidungen und im Handel.
Der gebürtige Südafrikaner
und frühere dortige Kongressabgeordnete Andrew Feinstein,
der seit einiger Zeit in London
lebt, eröffnete das Podium mit
einem kurzen Vortrag. Schließlich kennt sich der Waffenexperte aus. 1999 untersuchte er
den Verkauf südafrikanischer
Kampfflugzeuge. Sein Vortrag
jedoch hat einen andern
Schwerpunkt. „20 Milliarden
Dollar gehen im Jahr durch
Korruption verloren“, erzählt
der 49-Jährige und fügt hinzu:
„40 Prozent aller Korruption im
weltweiten Handel findet sich
im Waffengeschäft.“
Zu seiner Zeit in Südafrika
habe die Regierung 26 Kampfflugzeuge gekauft. Zwölf davon
blieben immer am Boden. Im
Nachhinein fehlte der südafrikanischen Regierung das Geld
für Medikamente zur HIV-Bekämpfung. Hunderttausend
Menschen starben.
Kopfschüttelnd sitzen die
vielen Besucher auf den Papphockern. Feinstein erzählt von
Bestechung und Steuerhinter-
ziehung. Er fordert: „Im Waffenhandel braucht es mehr
Transparenz und Kontrolle.“
Lauter Beifall aus dem Saal beendet seinen Vortrag.
Die Stimmung im Publikum
ist von Anfang an einheitlich
und präsent: Kein Verkauf von
Waffen – vor allem nicht an
Krisenländer. Diese Einstellung
der Kirchentagsbesucher bekommen auch die beiden Podiumsgäste zu spüren. Während Friedensforscher Jan Grebe durch Applaus in seinen Ansichten bestätigt wird, hat das
Publikum für Georg Wilhelm
Adamowitsch,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutsche Sicherheitsund Verteidigungsindustrie,
maximal Pfiffe übrig.
Grebe appelliert, „nicht zu
schnell zu militärischen Interventionen zu greifen. Das löst
nicht die Probleme.“ Lautes
Klatschen kommt aus der
Menge. Auf die Frage der Moderatorin Ines Pohl zur aktuellen Drohnen-Politik verfängt
sich Adamowitsch erneut im
Allgemeinen: dem wirtschaftlichen Aspekt der Rüstungsindustrie, abweisende Korruptionsereignisse und dem Verweis
auf das Kriegswaffenkontrollgesetz, was schwammig den
Handel in Krisengebiete reguliert. Von ethischer Verantwortung ist nicht die Rede.
Anders bei Feinstein und
Grebe und vor allem dem Publikum. Während des Podiums
können die Gäste Fragen und
Anregungen
aufschreiben.
Diese werden in einer Auswahl
von den Publikumsanwälten
Tillmann Elliesen und Dr. Michael Rohde dem Podium
übergeben. Was sind alternative Interventionsformen? Mehr
Bürgerbeteiligung bei zivilen
Friedensdiensten wird gefordert. Aber da ist auch das Gefühl der Hilflosigkeit. All das
beschäftigt die Kirchentagbesucher. Auf die direkte Publikumsfrage, wie Georg Wilhelm
Adamowitsch noch ruhig
schlafen könne, entgegnete er:
„Ich musste ja heute Morgen
pünktlich hier sein.“ Allgemeines Kopfschütteln.
Den anschließenden Impuls
gibt EKD Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider. „Die Realität
und Wünsche im Bereich Friedenssicherung und Sicherheitspolitik gehen sehr weit
auseinander.“ Doch Schneider
weiß um die Stärke der Menschen, die durch ihr zahlreiches Erscheinen zu der Veranstaltung deutliches Interesse
am rüstungspolitischen Geschehen haben. „Viele Bürger
sind sich der neuen ethischen
Verantwortung bewusst.“
Die Rolle der Kirche sieht er
weniger politisch. Die Politik
und die Unternehmer treffen
die
Entscheidungen,
so
Schneider. „Unsere Rolle als
Christen ist, den öffentlichen
Diskurs zu führen.“ Entscheidungen wird die Kirche kaum
treffen können. Doch die ethische Verantwortung, die das
Evangelium lehrt, davon lebe
der säkulare Staat. „Die Kirche
spricht mit der Autorität des
bittenden Christus“, versteht
Schneider diese Rolle.
Und dennoch fordert er klare
Maßnahmen, wie die parlamentarische Berichterstattung
über Rüstungsexporte und
über Beschlüsse im Bundessicherheitsrat. Für mehr Transparenz und mehr Kontrolle
wirbt er. Ein letzter Blick zu
den Podiumsgästen: „Und dafür will ich auch einen Adamowitsch gewinnen.“
Friedensforscher Jan Grebe fordert mehr Transparenz und Kontrolle
beim Waffenhandel.
Fotos: Paula Mittermayer
Will als Christ zu ethischen Bildung beitragen: EKD Ratsvorsitzender
Nikolaus Schneider.
De Maiziére: „Mehr Wertschätzung für Soldaten“
Die Ziele des Einsatzes in Afghanistan seien von Anfang an zu unrealistisch formuliert worden
HAMBURG – Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat mehr Wertschätzung für Soldaten in Auslandseinsätzen gefordert. „Wir
haben 200.000 Soldaten, die in
Afghanistan waren, denen darf
man mal danke sagen“, sagte er.
Dies könne die Bundeswehr
allein nicht leisten, es sei Aufga-
be der Gesellschaft - auch der
Kirche. Der Friedensbeauftragte
der Evangelischen Kirche in
Deutschland, Renke Brahms,
mahnte in der Diskussion mit
dem Minister den Vorrang ziviler vor militärischen Hilfen an.
De Maizière stimmte dem zu
und wurde vom Kirchentagspublikum überwiegend mit Ap-
plaus empfangen. Kriegsgegner
trugen indes Transparente mit
Forderungen wie „Bundeswehr
abschaffen“ oder „Truppen raus
aus Afghanistan“ durch die Hallen.
Der Minister rief die Menschenrechtsorganisationen dazu auf, enger mit der Bundeswehr zusammenzuarbeiten. Die
Türen dafür stünden offen. Allerdings gebe es oft Berührungsängste mit dem Militär. „Ein Teil
dieser Ängste ist übertrieben.“
Die Ziele des AfghanistanEinsatzes seien von Anfang an
zu unrealistisch formuliert worden, räumte der Minister ein.
„Sie waren auch menschenrechtlich zu sehr aufgeladen.“
Der kirchliche Friedensbeauftragte Brahms sagte, Konflikte
ließen sich nicht allein mit militärischen Mitteln lösen. Einsätze ohne zivile Hilfen machten
deshalb keinen Sinn. „Wenn wir
uns ein stehendes Heer leisten,
warum leisten wir uns nicht eine stehende Gruppe zur Krisenprävention?“, fragte er.
4. Mai 2013
BERICHT E VOM KI RCHENTAG
|
19
Was Müll und Moral verbindet
Mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung brachte Manfred Spitzer fast tausend Kirchentags-Besucher zum Schmunzeln und Staunen
Von Sybille Marx
HAMBURG – Stellen Sie sich
vor, Sie schlendern an einem
Briefkasten vorbei, in dem ein
Umschlag mit Geld klemmt.
Ein Fünf-Euro-Schein schimmert hindurch, keiner beobachtet Sie... Klauen Sie den
Umschlag oder nicht? „Jeder
Achte tut es“, sagt Hirnforscher
Manfred Spitzer, und seine launige Stimme hallt aus den
Lautsprechern des Congress
Centrums Hamburg (CCH).
Aber verblüffend sei vor allem
eins: Wenn man rund um den
Briefkasten Müll und Graffitis
drapiere, verdopple sich die
Zahl der Diebstähle. „Das
heißt, wenn der Kontext es nahelegt, dass soziale Normen
verletzt werden dürfen, dann
werden sie auch verletzt, und
zwar egal, welche Normen!“
Über 750 Kirchentags-Besucher sitzen an diesem Freitagvormittag im CCH, um den Ulmer Hirnforscher, der so oft in
Talkshows über die Folgen von
exzessivem Computerkonsum
für unsere Hirne schimpft, einmal live zu erleben. Viele weitere mussten umdrehen, weil
Saal überfüllt! Diese Besucher folgten Manfred Spitzer gestern per Audioübertragung.
sie keinen Platz mehr bekamen – oder sich auf der Dachterrasse des Gebäudes um die
Lautsprecher gruppieren, über
die sein Vortrag „Laufen-lernen-Lieben“ übertragen wird.
Dicht an dicht sitzen diese
rund 100 Besucher nun hier
draußen, haben ihre Jacken
wie Decken ausgebreitet, manche halten ihr Gesicht in die
Sonne, andere schreiben mit.
Druck auf Ältere wächst
Franz Müntefering widerspricht Soziologin van Dyck
Von Hartmut Schulz
HAMBURG – Der gesellschaftliche Druck auf alte Menschen
wächst, dass sie allein die Verantwortung dafür tragen,
möglichst lange fit und gesund
zu bleiben. Diese These hat die
Jenaer Soziologin Silke van
Dyk gestern auf der Veranstaltung „Aktiv und immer älter
werden im Beruf“ beim Kirchentag vertreten. Dabei werde ausgeblendet, dass viele
Menschen in und nach einem
harten Berufsleben dies gar
nicht leisten können. „Wenn
Sie unter Stress und Lärm in
der Arbeitswelt leiden, können
Sie so viel Brokkoli essen und
walken, wie Sie wollen. Das
wird an ihrer gefährdeten Gesundheit nichts ändern“, sagte die Verfasserin von entsprechenden Fachstudien.
Kein Beifall an dieser Stelle
spendete Franz Müntefering
(73). Der Sozialdemokrat und
Bundestagsabgeordnete war
Bundesminister für Arbeit und
Soziales im ersten Kabinett
von Angela Merkel. Er war es,
der damals in der Großen Koalition die Rente mit 67 durchgesetzt hatte und sie bis heute
verteidigt. Die Ausführungen
von van Dyk seien zu pessimistisch. Die Menschen seien
durchaus bereit, eine längere
Lebensarbeitszeit zur Sicherung der Sozialsysteme und
der Rente zu akzeptieren. „So
lange du im Kopf klar bist, hast
du Verantwortung für diese
Gesellschaft.“
Widerspruch gab es von Ulrich Peter, stellvertretender
Vorsitzender der Gewerkschaft
für Kirche und Diakonie in
Berlin-Brandenburg. Es gebe
heute 145 000 Rentenempfänger über 75 Jahre in Deutschland, die ihre zum Leben nicht
ausreichenden Bezüge mit
Jobs aufbessern. „Das sind
nicht alle Johannes-HeestersTypen, der mit 100 Jahren
noch auf der Bühne stand.“
Spitzer bleibt noch kurz bei
dem
Briefkasten-Beispiel:
„Wenn man in eine Schule
kommt, in der die Vorhänge
verschlissen von der Decke
hängen, weiß also jeder Schüler: Hier darf ich mich daneben
benehmen“, folgert er. Müll
und Moral hätten ja auf den
ersten Blick nichts miteinander
zu tun. „Aber so simmer halt,
wir Menschen.“ Statt darüber
Foto: Sybille Marx
zu jammern, gelte es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das Gute im Menschen zum Vorschein komme.
Zustimmendes Nicken auf
der Dachterrasse, immer wieder auch ein paar Lacher. Spitzer spricht an diesem Vormittag über ziemlich viele Themen: das menschliche Gehirn
als Landschaft mit Trampelpfaden, den Schmerz der Einsam-
keit, der im Hirn an derselben
Stelle sitzt wie ein Schmerz an
der Hand und also auch mit
Schmerzmitteln
behandelt
werden kann. Über unser Gedächtnis, das sich beim Bücherlesen viel mehr merkt als
beim Googeln, weil wir am
Computer immer denken:
kann ich ja wieder googeln.
Und über Versuche, die zeigen,
dass es den von den Wirtschaftswissenschaftlern angenommenen „Homo oeconomikus“, der beim Geld grundsätzlich nur an seinen eigenen Vorteil denkt, gar nicht gibt.
Am Ende liegt auf den Gesichtern vieler Zuhörer so etwas wie Zufriedenheit. Gelacht, gestaunt und geschmunzelt haben sie. Weil Spitzer Erkenntnisse aus der Hirnforschung pointiert und witzig
präsentiert. Aber vor allem
weckt er dabei auch noch Hoffnung. Wenn wir wissen, wie der
Mensch tickt, sagt Spitzer, können wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie die
guten Seiten in uns fördern.
Und, so formuliert er sein
zweites Fazit: „Wir sind viel
besser als unser Ruf!“
U NTERHALTUNG
20 |
Die besten
Jahre
Von Christine Senkbeil
„Heute gehe ich zum Männer-Yoga!“,
sagt Lukas zu den Freunden, als sie aus
dem U-Bahn-Getümmel wieder auftauchen und sich in ein neues Abenteuer
Kirchentag stürzen wollen. „Ich werde
wohl zum Greiffiti-Gottesdienst für Jugendliche gehen“, sagt Hannah, während sie noch in ihrem dicken blauen
Veranstaltungsplan blättert. Markus hat
den gleichen Plan wie gestern. Und wie
vorgestern. „Ich geh trommeln“, sagt er.
„Und ich geh mit zum Männer-Yoga!“, beschließt Matthäus fröhlich, der
kleinste im Bunde. „Daraus wird
nichts“, beugt Lukas vor. „Dazu fehlen
dir ein paar Jahre. Eintritt nur für Män-
ner. Du bleibst hier an der Bastelstrecke,
malst Mandalas und bewegst dich nicht
weg, klar? Ich hole dich hier wieder ab.“
Matthäus murrt. Aber Lukas klingt,
als wäre er nicht umzustimmen. Als
sein großer Freund im rostroten Zelt
verschwindet, folgt er ihm aber doch –
Mandalas malen kann er später immer
noch. Vielleicht findet er ja ein Loch im
Zelt und kann kurz gucken, wie Lukas
lustige Verrenkungen macht.
„Na? Was zu sehen?“, fragt plötzlich
eine Stimme. Es ist eine alte Stimme.
Und sie gehört einem sehr alten Mann,
der im Schneidersitz neben dem Eingang hockt – als wäre er soeben geradewegs aus dem Nirwana hier gelandet.
„Warum gehst du nicht hinein?“, fragt
der Weißhaarige weiter.
„Dazu fehlen mir ein paar Jahre“, antwortet Matthäus. „So“, sagt der Mann.
„Wenn das so ist: Ich habe jede Menge
davon – du kannst gern welche abhaben.“ Matthäus scheint zu überlegen.
4. Mai 2013
„Und wie viele?“, fragt er dann. Nun
überlegt der Schneidersitz-Greis. „So
Stücker zwanzig könnte ich wohl spendieren“, antwortet er dann und
schmunzelt dabei. „Dann wärst du ein
schmucker Mittzwanziger, nach dem
die jungen Frauen sich umdrehen. Und
ich wär flotte 60 und würde beim LotusSitz meine Beine wieder hinter den Kopf
stecken können.“
„Du machst Scherze“, sagt Matthäus
zweifelnd. „Mach ich nicht“, sagt der Alte. „Guck hier.“ Mit seiner schmalen
Hand umgreift er einen seiner Knöchel,
hebt das Bein hoch in die Luft und zieht
es mühelos bis zum Ohr. „Siehst du?“,
fragt er und es klingt fast ärgerlich.
„Weiter komme ich nicht mehr. Alles
verkalt.“ „Wau!“, staunt Matthäus. Er
versucht, die gleiche Bewegung nachzuahmen und plumpst dabei zur Seite
wie ein nasser Sack. „Du bist ja gelenkiger als Tante Käthes Katze.“ „Findest du
wirklich?“, fragt der Greis und lächelt
fast ein bisschen stolz. „Yoga eben. Seit
dem sechsten Lebensjahr“, erklärt er.
„Wahnsinn“, sagt Matthäus. „Und dabei siehst du so alt aus, wie ein Kloben
Holz.“ Zeltplanen rascheln, ein rotgelockter Pfadfinder mit lustigen Sommersprossen guckt aus dem Zelteingang. Er schaut zuerst auf Matthäus,
dann auf den Alten, deutet eine kleine
Verbeugung an und bittet höflich: „Alles
ist bereit, Meister Jen-Den. Würden Sie
jetzt kommen und uns in ihre Kunst
einführen?“
„Ich komme“, sagt der Greis und ist
schneller entknotet, als Matthäus gucken kann. „Und du kommst am besten
mit“, wendet er sich an den Jungen.
„Sonst fehlen dir nachher ein paar Jahre Yoga, wenn du so ein alter Kloben
Holz bist, wie ich.“
„Aber das hier ist doch Männeryoga“,
sagt der Kleine. „Mann ist Mann“, sagt
der Pfadfinder und lächelt. „Das geht
hier nicht nach Jahren.“
Liebe ist alles? Alles was wir brauchen!
Die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr ließ sich von Jugendlichen zum stärksten Gefühl der Welt befragen
Von Christine Senkbeil
HAMBURG – Es war ein emotionaler Moment, den Petra
Bahr im Zentrum Jugend den
jungen Zuschauern der TalkRunde „Liebe ist alles? Alles
was wir brauchen!“ bescherte.
Umso mehr, da in den Gesichtern der Gäste eine halbe Stunde zuvor Zeichen der Enttäuschung zu sehen waren. Kabarettist Eckhart von Hirschhausen, der Star des Tages, hatte
kurzfristig abgesagt. Die Veranstalter von JANA, der Jugendakademie Neu Allermöhe, improvisierten tapfer.
„Was ist Liebe?“ war die Frage, die der junge Moderator
mit Petra Bahr durchdeklinierte. Die Pastorin mit der selbst
ernannt „schönsten Pfarrstelle
der Welt“ – nämlich der der
EKD-Kulturbeauftragten – kam
den jungen Leuten durch eine
sehr persönliche Auslegung
dieser Frage nahe. Sie verglich
die Gottesliebe mit der, die wir
in unseren Beziehungen für einander empfinden. „Eine andere Vergleichsmöglichkeit haben wir ja gar nicht.“ Sie selbst
habe sich bei ihrem ersten Kirchentag das erste Mal verliebt,
mit 15 Jahren. „Diesen Mann
habe ich gestern hier auf dem
Kirchentag wieder gesehen –
mit seinen vier Kindern“, erzählt sie lachend. Ihre große
Liebe, seit 15 Jahren ist sie
glücklich verheiratet, verdanke sie dem Umstand, dass ihre
eigentliche Begleitung nach
Amsterdam für das betreffende
Wochenende abgesagt hatte.
Petra Bahr
Foto: Senkbeil
Es wurde keine Liebe auf den
ersten Blick. Eine, die wachsen
musste , um die es ein Ringen
war.
Ohne Schmerz sei Liebe
nicht zu haben, versicherte sie
den Jugendlichen – und ihre
Worte wurden gehört, denn sie
waren nicht mehr leer. „Es ist
auch in der Beziehung zu Gott
so. Sie ist genauso wie eine
menschliche
Beziehung“,
machte sie deutlich. „Sie kann
einmal abreißen, vielleicht
auch über einen längeren Zeitraum. Aber man muss immer
wieder anknüpfen, miteinander reden. Nehmt eure Liebe zu
Gott so wichtig, wie die zu eurem Partner: kämpft darum!“
Eine ganz andere Form der
Liebe lernte sie auf eine ganz
besondere Weise kennen – und
zwar von einem Moment auf
den anderen. Die Liebe zu ihrem Sohn Paolo. Jahrelang hatten sie und ihr Mann sich Kinder gewünscht – es sollte nicht
sein. „Und dann eines Tages
bekam ich einen Anruf von einer Hilfsorganisation, dass ein
Kind auf dem Bürgersteig geboren worden sei und nun eine
Familie bräuchte. „Das war der
intensivste Moment einer Liebe, den ich je erlebt habe. Diese Liebe war nicht geplant –
aber von dieser Sekunde an
wusste ich, dass sie ein ganzes
Leben tragen wird.“
Ein Gottesgeschenk. Inzwischen, so sagt sie, sei diese Liebe fünf Jahre alt und wusele auf
dem Kirchentag herum. Und
der kleine Paolo sei auch derjenige, der die selbstverständlichste aller Antworten auf die
Frage hatte, was Liebe denn
sei. „Er kam auf mich zu, hat
mich umgefasst und gesagt:
`Mama, ich habe dich doch
lieb!“
4. Mai 2013
BILD ER DES KI RCHENTAGES
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|
21
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Unterwegs auf dem Jakobsweg
Thomas Zahrnt berichtet von seinen PilgerErlebnissen auf dem spanischen Jakobsweg
von den Pyrenäen bis zum Atlantik.
Moderation: Pilgerpastor Bernd Lohse
Samstag, 4. Mai 2013 um 13.30 Uhr
Open Air Bühne vor der Halle B6 (zwischen
den Durchgängen zu Halle B5 und Halle B7)
Besuchen Sie uns auch
in der Kirchentagsbuchhandlung
Messehallen: Halle B6 EG, Stand 27
Lutherische Verlagsgesellschaft
4. Mai 2013
T HE MA DES TAGES
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23
Bild:epd
Wie viele Jahre
brauchst Du?
Von Reinhard Lassek
Für Jugendliche ist die Frage „Wie viele Jahre brauchst
Du?“ geradezu eine Provokation. Liebend gern würden
sie ihre Jugendzeit verkürzen,
um das Leben endlich ohne
elterliche Bevormundung zu
gestalten. Die Jugend weiß
nichts von ihrer Jugend. Und
das ist auch gut so. Jugendliche Unbekümmertheit setzt
nun einmal voraus, dass es
noch kein Gespür für die Strecke gibt, die es im Lebensvollzug zurückzulegen gilt. Die
Jugend kann nicht begreifen,
in welch unwiederbringlicher
Phase des Aufbruchs und der
Hoffnungen sie lebt. Ein Fünfzehnjähriger kann sich einfach nicht vorstellen, dass ein
doppelt so alter Zeitgenosse
noch einen bedeutsamen Anteil an der Zukunft hat.
In der Tat, wer selber schon
Kinder oder gar Enkelkinder
hat, ist in vielerlei Hinsicht
festgelegt. Auf der Flasche
sitzt gewissermaßen bereits
der Korken. Wahre jugendliche Offenheit kann solche
familiären Festlegungen -
selbst wenn sie doch etwas
sehr Schönes und unbedingt
Gewolltes sind - noch nicht
ertragen. Junger Most will gären! Später dann bekommen
wir andere Probleme mit der
Zeit: Sie verläuft uns nicht
mehr zu langsam, sondern
zu schnell. Der jugendlichen
Zeitdehnung folgt ein Leben
im Zeitraffer – Midlife-Crisis
inklusive. Die Frage „Wie viele
Jahre brauchst Du?“ mutiert
zur Frage „Wie viele Jahre bleiben Dir?“.
„Lang leben will halt alles, aber alt werden will kein
Mensch.“ So charakterisierte
Mitte des 19. Jahrhunderts
der österreichische Komödiendichter und Schauspieler
Johann Nestroy das widersprüchliche Wunschdenken
des Menschen. Doch noch
ist das Altern ein unvermeidlicher Prozess. Zellphysiologisch setzt dieser sogar noch
vor der Geburt ein. Wir altern
buchstäblich mit dem ersten
Herzschlag. Daher finden sich
bereits im Herzmuskel Neugeborener Ablagerungen von
Lipofuszin, einem typischen
Alterspigment. Der körperli-
che Leistungszenit liegt in der
Regel vor dem 30. Lebensjahr.
Insofern erlebt jeder – sofern
alles gut läuft – so etwas wie
seine „Goldnen Zwanziger“.
Der geistige Höhepunkt indes
wird durchaus auch mal ein
halbes Jahrhundert später erreicht. So wurde etwa Konrad
Adenauer im Alter von 73 Jahren erstmals Bundeskanzler.
Er regierte dann 14 Jahre lang.
Noch sind solche Altersrekorde eher ungewöhnlich.
Doch was wird eines gar nicht
mehr allzu fernen Tages eigentlich passieren, wenn uns
mittels der Gentechnologie
eine Art „Methusalem-Gen“
eingepflanzt wird? Solche
Langlebigkeits-Gene sind vor
Jahren schon entdeckt worden. Die Vision des Psalmisten – „Und wenn sie auch alt
werden, werden sie dennoch
blühen, fruchtbar und frisch
sein.“ – gewinnt im Tierversuch jedenfalls an Konkretion. Die Aussicht auf eine
gentechnische Manipulation
unserer Lebensuhr bereitet
vielen Menschen bereits allergrößtes Unbehagen. Nicht
etwa, dass nicht jeder gern
möglichst lang „fruchtbar und
frisch“ bleiben möchte. Doch
teilen viele mit dem Schriftsteller Henning Mankell die
Befürchtung, „dass das Leben
sein Maß verlöre, wenn man
ewig leben könnte“. Mankell
geht sogar noch einen Schritt
weiter, wenn er konstatiert:
„In der Begrenzung des Lebens liegt seine Schönheit“.
So wie die Jugendzeit oftmals nachträglich als Zeit
vollkommenen Glücks überhöht wird, so wird das Alter
zumeist in übertrieben düsteren Farben ausgemalt. Abnehmende Lebenskraft und
Leistungsfähigkeit
führen
jedoch nicht unweigerlich zu
abnehmender Lebensfreude.
Oftmals ist sogar das Gegenteil zu beobachten. Ein „goldener Herbst“ ist mitunter
den Frühlingsstürmen oder
der sommerlichen Schwüle
sogar vorzuziehen. Und was
unsere Angst vor winterlicher
Kälte anbelangt, so birgt selbst
das hohe Alter noch beachtliche Qualitäten. Vorausgesetzt
allerdings, dass man nicht nur
materielle, sondern auch geistige Vorsorge trifft. Die Fra-
ge „Wie viele Jahre brauchst
Du?“ könnte auch lauten „Wie
lange brauchst Du, um auf
das Alter vorbereitet zu sein?“.
Goethe fasste seine Alterserwartung in die für uns auch
heute noch ebenso schönen
wie hoffnungsvollen Worte:
„Mir bleibt genug! Es bleibt
Idee und Liebe!“
REINHARD LASSEK ist promovierter Biologe, Wissenschaftsjournalist und Pastorensohn .
T HE MA DES TAGES
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4. Mai 2013
Die restlichen Jahre zufrieden geniessen
Die Kirchentageszeitung fragte, wieviel Jahre wir zum Leben brauchen.
Von Bernd Honig
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland steigt seit Jahrzehnten.
Damit ergeben sich auch Interessenverlagerungen der Menschen. Heute planen
Fünfzigjährige noch 30 Jahre in ihre Zukunft. Das war früher nicht so. In der Lebensmitte wird das Lebenskonzept häufig auf den Prüfstand gestellt. Und es gilt
spätere Problemfelder abzusichern: Finanzplanung, Versicherungen für das Al-
ter. Wie und wo leben? In der Rückschau auf das bislang Erreichte werden häufig
neue Pläne geschmiedet oder auf die Verwirklichung von Träumen hingewirkt.
Jugendlichen und jungen Erwachsenen erscheint das Rentenalter, ihr Lebensabend weit entfernt. Ältere Mitmenschen und Rentner können aufgrund ihrer
Lebenserfahrung genaue, realistische Ziele benennen, wissen aber, dass vieles
nur in Gedanken zu bewerkstelligen ist. Die Kirchentageszeitung fragte, wie lange
wir leben wollen und warum.
HEIDRUN JÜRGENSEN:
„Ich will nicht um jeden Preis alt werden.
Man muss es so akzeptieren, wie es kommt.
Ganz ehrlich, das liegt nicht in meinen Händen. Ich nehme es, wie es kommt. Allerdings
möchte ich jetzt noch solange es geht reisen. Und mich jeden Tag freuen. Ich kann
nicht sagen, bis zu dem oder dem Alter.“
HARTMUT KRAUL:
„Ich habe keinen konkreten Alterswunsch.
Ich möchte nur weiterhin mein Alter bei guter Gesundheit genießen. Und, wenn möglich, meine Reisepläne verwirklichen. Das
genügt mir.“
MARIANNE MISSFELDT:
„ Ich will meine Rente erreichen. Mein Mann
ist schon Rentner. Natürlich reisen wir gerne. Und mein größter Traum wäre es, einen
Bio-Bauernhof als Ruhesitz in Italien zu
betreiben. Dort würde ich auch Holsteiner
Acker-Pferde halten.“
RAINER SCHNEIDER:
„Ich will hundert Jahre alt werden. Und
selbstverständlich gesund bleiben, damit
ich weiter meinen Hobbys Segeln und Motorradfahren frönen kann. Aber ich muss
da ja nicht mehr als Vorschoter segeln. Das
lässt sich noch realisieren. Es sollte nur stets
weitergehen.“
GERDA BAUMERT:
„Ich möchte noch so lange, wie ich gesund
und munter bin, leben. Und noch so viele
Reisen machen, wie es meine finanzielle
Lage erlaubt und wie es möglich ist. Vietnam und Kambodscha stehen auf dem Plan.
Und Freude haben an meinem Enkelkind
Elli. Keine konkrete Zahl an Jahren habe ich
im Hinterkopf.“
NADIYA MYKHALYANYCH:
„Ach, ich denke, ich möchte nicht 100 Jahre alt werden. Aber Gott bestimmt, wann
Schluss ist. Ich bin noch nicht einmal 30
Jahre alt. Mir ist wichtig, dass ich selbst mit
mir in Frieden lebe und zufrieden bin. Das
ist für mich Erfüllung des Lebens.“
LA-TOYA MÜLLER:
„Ich möchte 100 Jahre alt werden. Oh, das
ist noch lange hin. Ich will berufstätig sein
und im Einzelhandel arbeiten. Ich wünsche
mir eine gute Familie, ein Häuschen und
Glück auf jeden Fall. Das wär’s schon.“
ANDRÉ PFLÜGER:
„Kommt drauf an. Man muss sehen, was
das Leben bringt. Ich denke, in kleinen
Schritten. Wir können eh nicht in die Zukunft sehen. Und ich wünsche mir, möglichst lange fit zu bleiben. Ich komme aus
Köln und mache gerade eine Fahrradtour
nach Flensburg.“
MATIULLAH ACHAKZAI:
„Zuerst sage ich: Ich bin hier in Deutschland
glücklich, denn ich stamme aus Afghanistan. Ein langes und erfülltes Leben wünscht
doch jeder, oder? Ich möchte dabei aber gesund bleiben. Sonst will ich eher nicht 80
Jahre oder älter werden.“
KIM ENGELBRECHT:
„Ich bin noch so jung. Da weiß ich nicht, wie
lange ich hier auf Erden bleiben möchte.
Vielleicht bis Anfang 80. Ich will nicht reich
werden, sondern nur seelisch glücklich und
gedanklich frei sein. Ich habe schon Schweres hinter mir. Drogen und so weiter.“
KEVIN TOMÁS:
„Wenn ich fit bin, würde ich gerne ein Jahrhundert lang leben. Diese vielen Jahre würde ich schon gerne mitnehmen. Aber sonst
habe ich noch nicht viel darüber nachgedacht. Erst ist einmal wichtig, dass ich mein
Studium Englisch und Spanisch abschließe,
damit ich Übersetzer werden kann.“
HILDEGARD KEMPE:
„Ich bin 82 Jahre alt. Ich freue mich, dass
ich wieder in meiner eigenen Wohnung leben kann. Das ist wichtig. Denn ich habe
mich gerade aus dem Pflegeheim herausgeklagt. Ich will die restlichen Jahre zufrieden
genießen. Zu Hause, nicht im Heim! Jeden
Tag gehe ich zum Mittagessen. Die Gemeinschaft dort ist schön.“
T HE MA DES TAGES
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4. Mai 2013
Die restlichen Jahre zufrieden genießen
Die Kirchentageszeitung fragte, wieviel Jahre wir zum Leben brauchen.
Von Bernd Honig
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland steigt seit Jahrzehnten.
Damit ergeben sich auch Interessenverlagerungen der Menschen. Heute planen
Fünfzigjährige noch 30 Jahre in ihre Zukunft. Das war früher nicht so. In der Lebensmitte wird das Lebenskonzept häufig auf den Prüfstand gestellt. Und es gilt
spätere Problemfelder abzusichern: Finanzplanung, Versicherungen für das Al-
ter. Wie und wo leben? In der Rückschau auf das bislang Erreichte werden häufig
neue Pläne geschmiedet oder auf die Verwirklichung von Träumen hingewirkt.
Jugendlichen und jungen Erwachsenen erscheint das Rentenalter, ihr Lebensabend weit entfernt. Ältere Mitmenschen und Rentner können aufgrund ihrer
Lebenserfahrung genaue, realistische Ziele benennen, wissen aber, dass vieles
nur in Gedanken zu bewerkstelligen ist. Die Kirchentageszeitung fragte, wie lange
wir leben wollen und warum.
HEIDRUN JÜRGENSEN:
„Ich will nicht um jeden Preis alt werden.
Man muss es so akzeptieren, wie es kommt.
Ganz ehrlich, das liegt nicht in meinen Händen. Ich nehme es, wie es kommt. Allerdings
möchte ich jetzt noch solange es geht reisen. Und mich jeden Tag freuen. Ich kann
nicht sagen, bis zu dem oder dem Alter.“
HARTMUT KRAUL:
„Ich habe keinen konkreten Alterswunsch.
Ich möchte nur weiterhin mein Alter bei guter Gesundheit genießen. Und, wenn möglich, meine Reisepläne verwirklichen. Das
genügt mir.“
MARIANNE MISSFELDT:
„ Ich will meine Rente erreichen. Mein Mann
ist schon Rentner. Natürlich reisen wir gerne. Und mein größter Traum wäre es, einen
Bio-Bauernhof als Ruhesitz in Italien zu
betreiben. Dort würde ich auch Holsteiner
Acker-Pferde halten.“
RAINER SCHNEIDER:
„Ich will hundert Jahre alt werden. Und
selbstverständlich gesund bleiben, damit
ich weiter meinen Hobbys Segeln und Motorradfahren frönen kann. Aber ich muss
da ja nicht mehr als Vorschoter segeln. Das
lässt sich noch realisieren. Es sollte nur stets
weitergehen.“
GERDA BAUMERT:
„Ich möchte noch so lange, wie ich gesund
und munter bin, leben. Und noch so viele
Reisen machen, wie es meine finanzielle
Lage erlaubt und wie es möglich ist. Vietnam und Kambodscha stehen auf dem Plan.
Und Freude haben an meinem Enkelkind
Elli. Keine konkrete Zahl an Jahren habe ich
im Hinterkopf.“
NADIYA MYKHALYANYCH:
„Ach, ich denke, ich möchte nicht 100 Jahre alt werden. Aber Gott bestimmt, wann
Schluss ist. Ich bin noch nicht einmal 30
Jahre alt. Mir ist wichtig, dass ich selbst mit
mir in Frieden lebe und zufrieden bin. Das
ist für mich Erfüllung des Lebens.“
LA-TOYA MÜLLER:
„Ich möchte 100 Jahre alt werden. Oh, das
ist noch lange hin. Ich will berufstätig sein
und im Einzelhandel arbeiten. Ich wünsche
mir eine gute Familie, ein Häuschen und
Glück auf jeden Fall. Das wär’s schon.“
ANDRÉ PFLÜGER:
„Kommt drauf an. Man muss sehen, was
das Leben bringt. Ich denke, in kleinen
Schritten. Wir können eh nicht in die Zukunft sehen. Und ich wünsche mir, möglichst lange fit zu bleiben. Ich komme aus
Köln und mache gerade eine Fahrradtour
nach Flensburg.“
MATIULLAH ACHAKZAI:
„Zuerst sage ich: Ich bin hier in Deutschland
glücklich, denn ich stamme aus Afghanistan. Ein langes und erfülltes Leben wünscht
doch jeder, oder? Ich möchte dabei aber gesund bleiben. Sonst will ich eher nicht 80
Jahre oder älter werden.“
KIM ENGELBRECHT:
„Ich bin noch so jung. Da weiß ich nicht, wie
lange ich hier auf Erden bleiben möchte.
Vielleicht bis Anfang 80. Ich will nicht reich
werden, sondern nur seelisch glücklich und
gedanklich frei sein. Ich habe schon Schweres hinter mir. Drogen und so weiter.“
KEVIN TOMÁS:
„Wenn ich fit bin, würde ich gerne ein Jahrhundert lang leben. Diese vielen Jahre würde ich schon gerne mitnehmen. Aber sonst
habe ich noch nicht viel darüber nachgedacht. Erst ist einmal wichtig, dass ich mein
Studium Englisch und Spanisch abschließe,
damit ich Übersetzer werden kann.“
HILDEGARD KEMPE:
„Ich bin 82 Jahre alt. Ich freue mich, dass
ich wieder in meiner eigenen Wohnung leben kann. Das ist wichtig. Denn ich habe
mich gerade aus dem Pflegeheim herausgeklagt. Ich will die restlichen Jahre zufrieden
genießen. Zu Hause, nicht im Heim! Jeden
Tag gehe ich zum Mittagessen. Die Gemeinschaft dort ist schön.“
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Jetzt ist deine Zeit
Von Markus Kowalski
Er ist einer der fünf Wise
Guys, die mit A-cappellaGesang auf den Bühnen des
Landes und vielen Kirchentagen zu hören sind. Seit August vergangenen Jahres ist
Edzard (Eddi) Hüneke auch
Buchautor. Mit „Jetzt ist deine Zeit. Mein Weg, das Leben
zu genießen“ hat der Bariton, der aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, einen „biografisch-spirituellen
Ratgeber“ geschrieben. Was
für ihn Momente bedeuten,
darüber sprach Eddi Hüneke
im Interview mit dem Kirchentageszeitungs-Schülerreporter Markus Kowalski.
Was war der Anlass für Ihr
Buch?
Eddi Hüneke: Neben der
Anfrage vom Verlag (lacht)
war der Anlass vor allem, dass
ich mich immer wieder mit
dem spirituellen Lehrer Isaac
Shapiro auseinandergesetzt
habe und feststellen musste,
dass er sehr allgemeinverständliche Lehren hat, die es
aber nicht zusammengefasst
in einem Buch in deutscher
Sprache gibt. Und der Versuch
war, das ein bisschen mit meiner Biografie zu mischen.
Was bedeutet der Titel „Jetzt
ist deine Zeit“ für uns als Menschen, die wir uns gerne an
Vergangenes erinnern oder die
Zukunft planen?
Shapiro erinnert daran,
dass wir als Menschen in Gedanken viel zu oft von dem
Moment abschweifen. Wenn
wir genauer zu der Erfahrung
des Augenblicks hinsehen,
können wir uns entscheiden,
wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken: Auf Gedanken, auf Projektionen oder
auf andere Wahrnehmungen.
Und die Frage ist, wovon wir
mehr haben.
Wenn man da genauer auf
den Moment schaut, auch
wenn er scheinbar banal ist,
dann kann man großartige
Erfahrungen machen. So wird
uns die Tiefe des Lebens jederzeit zugänglich.
Sie haben bei einem Konzert
einmal gesagt: „Der Moment ist
das einzige, was wir jemals haben“. Im Buch schreiben Sie im
Vorwort „Die Zukunft existiert
nicht“. Wie kam es für Sie zu der
Einstellung, sich nur noch auf
den Moment zu konzentrieren?
Es war gar nicht meine Idee,
das haben andere Menschen
ja schon seit Langem gesagt.
Es ist meiner Meinung nach
nur eine Beobachtung. Das
liegt ja schon in der Grammatik: Die Zukunft „wird“ passieren. Die gibt es also jetzt nicht,
sondern sie wird es irgendwann geben. Dann, wenn sie
relevant wird, ist sie auch wieder die Erfahrung vom „Jetzt“.
Das Nachdenken darüber ist
natürlich nicht unwichtig.
Aber das, was wir wirklich haben und erleben, ist eben weder die Vergangenheit noch
die Zukunft, sondern dieser
Moment. Das ist einfach nur
eine Beobachtung.
Ich stelle fest, dass mein eigenes Verhalten dieser Beobachtung häufig zuwider läuft.
Ich verhalte mich manchmal so, als wäre alles andere
wichtig - aber nicht dieser
Moment. Es bringt nichts,
auf eine bessere Erfahrung
zu warten. Damit verschenkt
man das Einzige, was man in
dem Moment hat, nämlich
die Erfahrung selbst.
Ist es also ein unerreichtes
Ideal?
Das ist ein Ideal, was ich
beileibe nicht immer erreiche, ganz im Gegenteil. Aber
es lohnt sich jedesmal. (überlegt kurz) Nee, nee, ich bin da
nicht der Dalai-Lama.
Sie haben erst VWL soz. studiert, wechselten dann aber
nach 3 Semestern im Jahr 1994
zu Theologie. Erst 2009 haben
Sie auch dieses Studium abgebrochen, weil die Wise Guys
mehr Zeit beanspruchten. Sind
die Jahre des Studiums für Sie
verlorene Jahre – schließlich
haben Sie am Ende keinen Abschluss.
Das natürlich nicht. Ich
sage immer, dass ich das Studium erfolgreich abgebrochen habe.
Zum einen habe ich dabei sehr schöne Erfahrungen
gemacht, die mich geprägt
haben, zum Beispiel eine Studienfahrt nach Rom. Auch
für das Gelernte brauche ich
keinen Abschluss. Zum anderen war es auch eine wichtige
Erfahrung, mich zu entscheiden. Neben dem Studium und
den Wise Guys habe ich auch
noch eine Frau und vier Kinder. Da war es wichtig, irgendwann Stellung zu beziehen.
Wie viele Jahre brauchen Sie zum
Leben?
Ich hoffe natürlich immer,
dass ich noch viele Jahre habe.
Aber ich brauche eigentlich
gar keine Jahre, keine Wochen, ich brauche eigentlich nur den Moment zum
Leben.
Was haben Sie sich für
die nächsten Jahre vorgenommen, beruflich wie auch
privat?
Wir waren gerade in Indien
bei dem Butterflies-Projekt,
wo Straßenkindern in Delhi
eine Zukunft gegeben wird. Das
war für uns eine großartige Erfahrung. Für mich ist ein wichtiges Ziel,
eine noch stärkere Verbindung unserer Konzertbesucher zu dem Projekt
herzustellen und zu zeigen, dass jeder
hier vor Ort etwas tun kann. Mir wäre es
wichtig, auch die globalen Zusammenhänge der Vernetzung, aber auch der
Ausbeutung wahrzunehmen und aufzuzeigen.
Mein Ziel ist es aber auch, weiterhin den Spaß am Beruf mit der
Freude an der Familie zu vereinbaren, einfach bewusst Zeit mit
den Kindern zu haben und das zu
genießen. Ich vermute, dass diese
Zeit viel schneller vorbei ist, als es
mir lieb ist.
Sie haben den Kirchentag ja schon
oft besucht, vor allem mit den Wise
Guys sind Sie ja ein Höhepunkt im Programm. Wie hat sich der Kirchentag für
Sie über die Jahre verändert?
Für uns war der Kirchentag von
Anfang an ein großer Höhepunkt,
aber das Programm und die Konzerte sind von Mal zu Mal größer
geworden. Mittlerweile ist es so,
dass wir auf dem Kirchentag ein
wirkliches „Star-Sein“ erleben:
Wir werden hier von sehr vielen
Leuten wahrgenommen und
erkannt, auch wenn wir uns außerhalb der Konzerte bewegen.
Wir werden umringt und nach
Autogrammen gefragt. Dadurch
ist es schwer, überhaupt noch
ein normales Leben während
des Kirchentags zu führen. Ein
kleiner Einblick in den Alltag
von Hollywood-Stars... für mich
ist der Kirchentag daher mehr
eine öffentliche als eine private
Veranstaltung geworden. Dennoch freue ich mich sehr auf den
Kirchentag in Hamburg.
„Jetzt ist deine Zeit“ von Eddi Hüneke und Roland Wagner ist
erschienen im Kreuz Verlag und kostet 16, 99 Euro.
(ISBN-10: 3451610973)
„Jetzt ist deine Zeit“ ist auch der Titel eines Liedes von
Eddi Hüneke, zu hören auf der Wise Guys-CD „Zwei Welten“.
Jetzt ist deine Zeit
Text Eddi & Dän, Musik Eddi
Dies ist die Zeit,
in der alle Gedanken zerfließen
Dies ist die Zeit, die uns bleibt,
um sie ganz zu genießen
Als wäre heute der letzte Tag
deines Lebens
Als wäre jeder Gedanke an
Morgen vergebens
Egal, ob es dir gerade so passt:
Dieser Moment ist alles, was du
hast.
Bist du dafür bereit?
Jetzt ist deine Zeit!
Dies ist die Zeit, um sich nur dem
Moment hinzugeben.
Dies ist die Zeit, um ihn so wie er
ist zu erleben
Du bist nur hier und unbeirrt
von dem was war und dem, was
wird.
Es ist alles hier für dich bereit.
Jetzt ist deine Zeit!
T HE MA DES TAGES
26 |
BUCHTIPP
Es klingt wie ein
platter Witz:
„Kommt ein
Mensch an das
Himmelstor...“
So ähnlich
muss sich
Richard
Horn die
Frage gestellt
hab en,
was
er
wohl bis zu diesem
Zusammentreffen mit Petrus getan
haben sollte, um sagen zu können: Ich habe
gelebt. Jedenfalls hat Horn daraus ein Buch
gemacht. „101 Dinge, die man getan haben
sollte, bevor das Leben vorbei ist“.
Manches kommt dem Leser recht praktisch vor: mit bloßen Händen einen Fisch
gefangen, die 100 besten Bücher gelesen
(bloß welche?) oder ohne Streichhölzer Feuer gemacht zu haben, das klingt vernünftig.
Aber was habe ich davon, schon mal auf
der Datumsgrenze gestanden zu haben?
Oder warum soll es im Himmel Bonuspunkte bringen, schon mal Lokalverbot bekommen , in einem Drei-Sterne-Restaurant die
Zeche geprellt oder das Kamasutra in die
Praxis umgesetzt zu haben? Okay, vielleicht
ließe sich das wenigstens wieder aufwiegen, wenn ich auch angeben könnte, jemandem das Leben gerettet zu haben?
Nun zählt das Buch nicht nur auf, was
man alles erlebt oder getan haben sollte,
um am Himmelstor zu bestehen. Horn gibt
zu jedem einzelnem Hinweis auch noch
Tipps zur Planung, Vorbereitung und Ausführung. Damit passt es in die Reihe der
Veröffentlichungen desselben Autors, deren Titel mit „101 Dinge“ beginnen. Etwa
„101 Dinge, die du getan haben solltest,
bevor du alt und langweilig bist“. Es drängt
sich der Eindruck auf, Thorne habe es sich
zur Aufgabe gemacht, 101 nutzlose Bücher
zu veröffentlichen. Doch Bücher wie „101
Dinge, die du tun solltest, um ein Superheld
zu werden (oder ein Superbösewicht)“, „101
Dinge, die Sie sich sparen können“ oder
„101 Dinge, die man übers Kochen wissen muss“ müssen nicht vom selben Autor
stammen. Vielleicht schreiben Sie selbst das
Buch: „101 Dinge, die ich an dir liebe“?
Richard Horne setzt auf die Marotte
zahlreicher Menschen, die ihrem Leben mit
todo-Listen eine Struktur, wenn nicht sogar
Sinn geben wollen. Zu seinen Vorgaben
gehört „Riskier was“, „ sei kreativ“ oder „
Spring über deinen Schatten“. Soweit, so
gut. Aber „101 Dinge...“ fügt sich ein in die
Reihe der Nonsense-Bücher, die sich als Mitbringsel eignen, aber nicht zum Lesen. Tipp:
Schenken Sie es jemanden, der über diesen
speziellen Humor verfügt. Oder jemanden,
den Sie nicht mögen.
Richard Horne u.a.: 101 Dinge, die du
getan haben solltest, bevor das Leben
vorbei ist, Bloomsbury 2012, 12,90 Euro
4. Mai 2013
„Ich habe mich schon immer nach
Gott gesehnt“
Nach einigen Irrwegen fand die Punk-Lady des Rock,
Nina Hagen, zum Christentum
Von Michael Eberstein
„Ich habe mich schon als
Kind immer nach Gott
gesehnt. Und der liebe
Gott ist mir tatsächlich
mit ausgestreckten Armen
entgegengekommen“, hat
Nina Hagen einst dem
Zeit-Magazin
verraten.
Dennoch hat es ein halbes
Jahrhundert gedauert, bis
die Sängerin sich taufen
ließ. Dazwischen lagen
fast so viele Irrwege wie
Lebensjahre.
Vor vier Jahren ließ sich
die Punk-Rock-Diva in der
reformierten Kirche im
niedersächsischen Schüttorf taufen, als einzige
Erwachsene neben fünf
Kindern. Auf ihrer Internetseite schrieb sie am Tag
danach: “Ich bin so dankbar und so glücklich!”
Die Künstlerin habe nach
mehreren Enttäuschungen bei der Glaubenssuche, etwa ihrer Hinwendung zum Hinduismus,
in seiner Gemeinde endlich eine “spirituelle Heimat” gefunden, sagte der
Schüttorfer Pastor KarlWilhelm ter Horst.
Mit 17 wollte Nina Hagen, noch in der DDR,
nach eigenem Bekunden „den Gottesbeweis
herbeizwingen. Ich habe
LSD genommen, weil
ich gehört hatte, dass so
etwas auch die Naturvölker machen, um mit
Gott in Verbindung zu
treten. Das Ergebnis war
ein LSD-Trip, der nur aus
Schmerzen bestand. Es
war die Hölle.“ Sie habe
Gottes Hilfe herbeigefleht
und erkannt: Er liebt mich
so, wie mich noch nie ein
Mensch geliebt hat und
wie auch kein Mensch je
lieben kann. Und er sei
auch bei ihr geblieben. Später, als sie
längst dem aus
der DDR ausgewiesenen Wolf
Biermann
in
den Westen gefolgt war, habe
sie „am Strand
von
Malibu
schon selbst ein
Ufo gesehen.“ Und war
überzeugt, dass es „gute
und böse Außerirdische“
gibt.
Aber über Gott habe
sie eigentlich schon immer gesungen, sagt Nina
Hagen, etwa 1985 unter
anderem das Lied “The
Lord’s Prayer” (Vater Unser). Überhaupt habe es
in den 1980er-Jahren ganz
viele Platten von ihr gegeben, auf denen Jesus-Lieder waren, sagt sie, aber
„da haben nur immer alle
weggehört.”
Im Magazin „Focus“
empfahl die Sängerin:
„Wenn Sie Ihre Bibel mal
durchlesen, würden Sie
sich bestimmt auch von
Jesus inspirieren lassen!”
Ihr „Abstecher” in den
Hinduismus sei ihr dagegen schlecht bekommen.
Sie sei nach Indien gereist,
um dort einem Guru zu
dienen. “Ich habe mich
vor ihm verneigt, Honig,
Joghurt und Wasser über
seine Götzen gekippt, bin
morgens um 4.30 Uhr
aufgestanden, obwohl ich
saumüde war, und habe
mich in den kalten Fluss
geschleppt. Alles, um dem
lieben Gott irgendwas zu
beweisen. Dabei kannte
ich Jesus ja schon ganz
gut.“ Doch sie sei „Jesus entwischt“, sagt
sie. Heute habe sie
zu Gott „eine Standleitung“, er müsse
nicht einmal anrufen, um mit
ihr Ver-
bindung aufzunehmen.
Musik bezeichnet Nina
Hagen als den „Atem Gottes“. Sie ströme aus Gott
heraus. Nach ihrer Taufe
veröffentlichte sie ein Album “Personal Jesus”, das
Gospel-Lieder
enthielt.
Ein Jahr später erschien
“Volksbeat” - und die
Texte handeln wieder
von Jesus, nur die Musik
ist rockiger geworden.
Die Songs klingen wieder
nach Punk und Ska. Hagen ist zu ihren musikalischen Wurzeln zurückgekehrt.
Und sie hat auch den
Widerspruch nicht aufgegeben. Nina Hagen
hält biblische Positionen
zu Homosexualität für
„faschistisches
Gedankengut“. Dem Hamburger Magazin „Hinnerk“
erklärte sie: „Gott liebt
Homosexualität, die ist
genauso heilig wie Heterosexualität.“ Und für sie
steht fest: „die Faschisten
und Control-Freaks unter
den Christen sind auf dem
falschen Weg, nämlich auf
dem
unchristlichen.“
Fast
schon selbstverständlich
tritt die Sängerin auch für
ein
Recht auf Abtreibung ein. Schon als
Teenager hat sie nach eigenen Angaben selbst abgetrieben. Sie räumt auch
ein, dass sie früher schon
mal ihrem Leben ein Ende
setzen wollte, erstmals
mit 14. „Ich wollte mich
von dieser Welt und von
diesen Menschen, die die
Liebe verraten, verabschieden und der Welt die
Nase drehen. Aber Jesus
hat mich davon abgehalten und mir erklärt, wie
wichtig es ist, zu leben bis
zum bitteren Ende. Und
erst dann nach Hause zu
gehen. Und nicht schon
vorher eine Abkürzung zu
nehmen. Denn es kann
immer noch Menschen
geben, die einen brauchen”.
Auch andere Aussagen
mögen manchem Christen nicht gefallen, etwa,
wenn sie von einem „völlig unbiblischen Dogma“,
der
Marienverehrung,
spricht. „Bei der katholischen Sekte soll man
zum Beispiel zur Mutter von Jesus beten.
Dabei hat Jesus nie
gesagt: ‘Betet meine Mutter an’”.
Nina Hagen:
Bekenntnisse.
Pattloch Verlag
München, 2010.
296 Seiten,
18 Euro.
ISBN 9783-62902272-1
ANZEI GEN
4. Mai 2013
|
27
Wir sind evangelisch
wir-e.de
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Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
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Kirchentag 2013 // Hamburg
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T HE MA DES TAGES
28 |
4. Mai 2013
Bild:epd
„Eine gute Entwicklung
genommen”
Der langjährige Pressesprecher
des Deutschen Evangelischen Kirchentages
lässt eine Ära Revue passieren
Von Michael Eberstein
Mehr als vier Jahrzehnte ist
Rüdiger Runge schon dem
Kirchentag verbunden. Im
vergangenen Jahr wurde
der langjährige Sprecher
in den Vorruhestand verabschiedet. Es waren spannende Jahre, sowohl von politischen Umbrüchen in der
Welt als auch von technischen Revolutionen in den
Medien gekennzeichnet.
„Das war schon eine gemächlichere Arbeit, damals“,
erinnert sich Runge an die
Anfänge. Das war noch in
der Schreibmaschinen-Ära,
als Manuskripte mehrfach
abgetippt und korrigiert
wurden, als nur das Telefon als schnellstes Medium
zum Übermitteln der Berichte zur Verfügung stand.
Erstmals 1969 schnupperte
Runge als 16-jähriger Schüler aus Bergisch-Gladbach
beim Stuttgarter Kirchentag
die besondere Atmosphäre
des größten Christentreffens
in Deutschland. Er war auch
1971 als Abiturient beim
Pfingstreffen in Augsburg
dabei, in dem Jahr, in dem
sich der Verein Deutscher
Evangelischer
Kirchentag
eine „Denkpause“ verordnet
hatte. Und zwei Jahre später
arbeitete der PsychologieStudent erstmals im Pressezentrum des Kirchentags
mit. Insgesamt sieben Mal
sammelte Runge in dem
wachsenden Aufgabenfeld
bei Kirchentagen dort Erfahrungen, bevor er 1986 hauptberuflich zum Kirchentag
stieß - als Referent im Generalsekretariat des Vereins.
In jenen Jahren machte
Runge auch erste Erfahrungen mit Textverarbeitungssystemen. Das Taschenbuch
zum Kirchentag 1987 in
Frankfurt entstand schon
so. Noch aber lebte die Pressearbeit von Riesenmengen
Papier. Die Zahl der begleitenden Journalisten wuchs
auf mehr als 1000; jeder
wollte die Informationen
über Personen, Themen,
Programme und Predigten
möglichst rasch in seinem
Pressefach vorfinden. „Das
geht heute digital natürlich
viel schneller“, sagt Runge.
Aber vom einst erträumten
papierlosen Büro ist der Kirchentag auch heute noch
ebenso weit entfernt wie die
staatliche Bürokratie.
Von der Schreibmaschine
zum PC beziehungsweise
Laptop war es dann auch
kein Sprung, sondern eine
lange Übergangszeit in den
1990-er Jahren, erinnert sich
Runge. Viele Journalistenkollegen hielten lange an der
Schreibmaschine fest, andere wünschten sich Drucker,
um ihre auf dem Computer
getippten Manuskripte fürs
Fax-Gerät aufzubereiten. Bis
zur digitalen Übertragung
war es dann noch einmal ein
großer Schritt. Heute gibt es
keinen mehr, der nicht mit
Laptop und Smartphone
Texte und Bilder praktisch in
Echtzeit sendet.
Doch nicht allein die technischen
Veränderungen
machten die vergangenen
Jahrzehnte für den Pressesprecher des Kirchentags
so spannend. Deshalb habe
er es nie bereut, 1996 die
Seiten gewechselt zu haben, vom Journalismus zur
Pressearbeit. Rüdiger Runge
hatte zunächst nach dem
Psychologiestudium und einem Journalistenkursus der
Christlichen
Presseakademie beim Fachmagazin „Psychologie heute“ gearbeitet.
Bis zum letzten Arbeitstag als
Rüdiger Runge, der Ende 2012 in den Ruhestand trat, gehörte dem Kollegium des Deutschen Evangelischen
Kirchentages 26 Jahre lang an, 16 Jahre lang war er sein Pressesprecher.
Kirchentagssprecher habe er
sich deshalb auch eher als
Partner der Journalisten verstanden, weniger als ihr Gegenüber.
„Aber die Anforderungen
veränderten sich“, sagt Runge. Den Typus Kirchen-Journalist gebe es heute immer
seltener, den leisteten sich
nur noch große Redaktionen. Häufiger sei der Praktikant vom Privatradio. „Die
müssen schon mit elementareren Informationen versorgt werden“, erklärt Runge. Gleichzeitig habe sich
der Stil der Berichterstattung
geändert. „Es wird viel mehr
personalisiert“, sagt er, weniger inhaltlich berichtet.
In Verbindung damit werde
auch in der Öffentlichkeit
eher der Eventcharakter des
Kirchentags
wahrgenommen.
Das war früher durchaus
anders. Der Kirchentag wurde als politische Zeitansage
betrachtet, leistete sich sogar
eine Streitkultur, die bis in
die Gesellschaft ausstrahlte.
Ob Ost-West-Annäherung,
Nachrüstung,
Apartheid,
Friedens- oder Anti-AtomBewegung – vor allem in
den 1980-er Jahren war der
Kirchentag das allseits beachtete Forum dieser Streitthemen. „Nach dem Fall
der Ost-West-Grenzen war
die politische Polarisierung
nicht mehr so stark ausgeprägt“, erinnert sich Rüdiger
Runge, „in den 90-er Jahren
rückten eine nachdenkliche
Suche nach neuen Orientierungen und auch die persönliche Lebensgestaltung
in den Mittelpunkt.“ Fragen
nach dem Sinn des Lebens,
die individuelle Lebensführung und das Zusammenleben, etwa zwischen den
Geschlechtern,
bekamen
größere Bedeutung. „Und
die öffentliche Wahrnehmung richtete sich auf die
Teilnahme von Spitzenpolitikern wie Bundeskanzler
oder -präsident am Kirchentag“, berichtet Runge.
Unverändert aber sei der
spirituelle Charakter des Kirchentages geblieben. Seinetwegen ströme immer noch
die Mehrzahl zum Kirchentag. Daneben hätten aber
auch Großveranstaltungen
mit Festivalcharakter große
Bedeutung gewonnen. „Das
ist schon toll, wenn allein zu
einem Wise-Guys-Konzert
60 000 Menschen kommen“,
schwärmt der ehemalige
Pressesprecher.
Insgesamt habe der Kirchentag eine gute Entwicklung genommen; er habe
sich mit der Gesellschaft
verändert und sei damit weiterhin für junge Menschen
interessant. Und er sei dabei auch geblieben, was ihn
von Anfang an ausgezeichnet habe, meint Runge, eine
„einzigartige Mischung aus
Glauben und Gesellschaft,
Spiritualität und Spaß.“
T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
|
29
Welch kurze Zeit, welch lange Zeit
Im Schwank “Die Lebenszeit” verteilt Gott an Tiere und Menschen die Lebenslänge – keiner ist zufrieden
Eine Treppe, das menschliche Leben als ein Auf- und
Abstieg – so sahen Darstellungen der Lebenszeit in
Abbildungen im 18. und 19.
Jahrhundert aus. Diese Lebenstreppe löste Kreise, Räder oder Bäume in der Symbolik der Lebenszeit ab. Auch
Märchen beschäftigen sich
immer wieder mit der Länge
des Lebens. Allegorien, die menschliche
Lebensabschnitte mit
Tieren
gleichsetzen,
waren zur Zeit der Gebrüder Grimm verbreitet. Im Schwank „Die
Lebenszeit“ teilt Gott
Tieren und Menschen
die Anzahl der Jahre
zu, die sie leben dürfen. Während die Tiere
um weniger Lebenszeit bitten, als ihnen
Gott vorschlägt, ist der
Mensch mit der angedachten Lebenslänge
unzufrieden. Beide haben ihre Gründe dafür.
„Als Gott die Welt geschaffen hatte und allen
Kreaturen ihre Lebenszeit bestimmen wollte,
kam der Esel und fragte
„Herr, wie lange soll ich
leben?“ „Dreißig Jahre,“ antwortete Gott,
„ist dir das recht?“ „Ach
Herr,“ erwiderte der
Esel, „das ist eine lange Zeit. Bedenke mein
mühseliges Dasein: von
Morgen bis in die Nacht
schwere Lasten tragen, Kornsäcke in die Mühle
schleppen, damit andere das
Brot essen, mit nichts als mit
Schlägen und Fußtritten ermuntert und aufgefrischt zu
werden! erlaß mir einen Theil
der langen Zeit.“ Da erbarmte
sich Gott und schenkte ihm
achtzehn Jahre. Der Esel ging
getröstet weg und der Hund
erschien. „Wie lange willst du
leben?“ sprach Gott zu ihm,
„dem Esel sind dreißig Jahre
zu viel, du aber wirst damit
zufrieden sein.“ „Herr,“ antwortete der Hund, „ist das
dein Wille? bedenke was ich
laufen muß, das halten meine
Füße so lange nicht aus; und
habe ich erst die Stimme zum
Bellen verloren und die Zähne
Hund, und bist immer guter
Dinge.“ „Ach Herr,“ antwortete er, „das sieht so aus, ist aber
anders. Wenns Hirsenbrei
regnet, habe ich keinen Löffel.
Ich soll immer lustige Streiche
machen, Gesichter schneiden
damit die Leute lachen, und
wenn sie mir einen Apfel reichen und ich beiße hinein, so
ist er sauer. Wie oft steckt die
das genug?“ „Welch eine kurze
Zeit!“ rief der Mensch, „wenn
ich mein Haus gebaut habe,
und das Feuer auf meinem
eigenen Herde brennt: wenn
ich Bäume gepflanzt habe, die
blühen und Früchte tragen,
und ich meines Lebens froh
zu werden gedenke, so soll
ich sterben! o Herr, verlängere
meine Zeit.“ „Ich will dir die
Bis in die Neuzeit hinein wurde
das menschliche Leben als eine
Folge von Altersstufen verstanden.
Diese Auffassung wurde in dem
Bild einer Treppe veranschaulicht,
die einen vorgegebenen Auf- und
Abstieg zeigte. Der menschliche
Lebenslauf wurde dabei meist in
Stufen zu zehn Jahren unterteilt,
mit dem Höhepunkt des Lebens
auf der fünften Dekade.
Bilderbogen „Das Stufenalter des
Menschen“, Nürnberg um 1835,
kolorierter Kupferstich.
Foto: LWL-Museum für Kunst und
Kultur/Sabine Ahlbrand-Dornseif.
zum Beißen, was bleibt mir
übrig als aus einer Ecke in die
andere zu laufen und zu knurren?“ Gott sah, dass er recht
hatte und erließ ihm zwölf
Jahre. Darauf kam der Affe.
„Du willst wohl gerne dreißig
Jahre leben?“ sprach der Herr
zu ihm, „du brauchst nicht zu
arbeiten, wie der Esel und der
Traurigkeit hinter dem Spaß!
Dreißig Jahre halte ich das
nicht aus.“ Gott war gnädig
und schenkte ihm zehn Jahre.
Endlich
erschien
der
Mensch, war freudig, gesund
und frisch und bat Gott ihm
seine Zeit zu bestimmen.
„Dreißig Jahre sollst du leben,“ sprach der Herr, „ist dir
achtzehn Jahre des Esels zulegen“ sagte Gott. „Das ist nicht
genug“ erwiderte der Mensch.
„Du sollst auch die zwölf Jahre
des Hundes haben.“ „Immer
noch zu wenig.“ „Wohlan,“
sagte Gott, „ich will dir noch
die zehn Jahre des Affen geben, aber mehr erhältst du
nicht.“ Der Mensch ging fort,
Perlen des Glaubens heute auf dem Kirchentag
11.00
11.00
15.00
686/G1
war aber nicht zufrieden gestellt.
Also lebt der Mensch siebenzig Jahr. Die ersten dreißig
sind seine menschlichen Jahre, die gehen schnell dahin; da
ist er gesund heiter, arbeitet
mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen
die achtzehn Jahre des Esels,
da wird ihm eine Last nach
der andern aufgelegt:
er muß das Korn tragen, das andere nährt,
und Schläge und Tritte
sind der Lohn seiner
treuen Dienste. Dann
kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt
er in den Ecken, knurrt
und hat keine Zähne
mehr zum Beißen. Und
wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die
zehn Jahre des Affen
den Beschluß. Da ist
der Mensch schwachköpfig und närrisch,
treibt alberne Dinge
und wird ein Spott der
Kinder.”
Aus:
Die Lebenszeit.
(1857) (Kinder- und
Haus-Märchen Band 2,
Große Ausgabe. S. 354355, Auflage: 7. Auflage
(Ausgabe letzter Hand)
Erscheinungsdatum: 1857
www.perlen-des-glaubens.de
Erfahrungsräume – mit den Perlen des Glaubens auf den Spuren
meiner Biografie, Referentin: Dr. Kirstin Faupel-Drevs
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Die Lieder-CD
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30 |
T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
Der Libero genießt die „Nachspielzeit“
Der ehemalige Landessuperintenden Hartmut Badenhop blickt auch acht sehr unterschiedlich geprägte Lebensjahrzehnte zurück
Von Michael Eberstein
„Nicht den Jahren Sinn geben, sondern den Sinn in den
Jahren entdecken." Davon ist
Hartmut Badenhop überzeugt. Wer das könne, erhalte
„sehr viel Manna“. Dankbar
erkennt der hannoversche
Landessuperintendent i.R. im
Rückblick auf acht Lebensjahrzehnte mit sehr unterschiedlichen Phasen: „Ich bin
eigentlich immer viel zu gut
durchs Leben gekommen.“
Aufgewachsen in einem „Diakoniekloster“, der PestalozziStiftung in Burgwedel (Region
Hannover), spricht der 1930 geborene jüngste Sohn eines Pfarrers von einer „unbeschwerten
Jugend“ mit Fürsorgezöglingen
als Spielkameraden.
Das zweite Lebensjahrzehnt
Hartmut Badenhops war geprägt von der wachsenden
Liebe zur Musik und dem Erlernen mehrerer Instrumente.
Im dritten Lebensjahrzehnt
standen das Theologiestudium, erste Erfahrungen im
Pfarramt und die Familiengründung im Vordergrund.
In den 1960er Jahren, seinem vierten Lebensjahrzehnt,
lernte Badenhop in der kirch-
Hartmut Badenhop vor seiner „Ikonografie“ – Bildern
von Menschen,
die ihn beeindruckten.
Foto:M. Eberstein
lichen Jugendarbeit den Wert
des Teams zu schätzen.
Es folgte ein „politisches“
Jahrzehnt. Als Mitglied der
Landessynode gehörte Badenhop zu den Initiatoren und
Gründern der „Gruppe offene
Kirche“ (GOK), die den Demokratisierungsprozess in der
evangelischen Kirche vorantreiben wollte.
In den 1980er Jahren rückte
Badenhop in die Kirchenleitung auf. Als Landessuperintendent sah er sich in der Rolle
eines Libero. Das schaffte auch
die nötige Freiheit, um bei der
Vorbereitung und Durchführung des Kirchentags 1983 in
Hannover tatkräftig mitzuhelfen. Im Anschluss daran wirkte
er fast ein Jahrzehnt im Kirchentagspräsidium mit.
Bevor Badenhop Mitte der
1990er Jahre in den Ruhestand
ging, den er als „Nachspielzeit“ betrachtet, konnte er
noch die Sanierung „seiner“
Predigtkirche gestalten. Die
Neustädter Hof- und Stadtkirche neben dem Landeskirchenamt zählt er zu den wichtigsten Kirchen Hannovers,
weil „die Beamten sie gegen
den König durchsetzten.“
Badenhop hat auch schwere
Stunden erlebt. Sein Erstgeborner kam 1959 zu früh zur
Welt und starb. Nach drei gesunden Söhnen wurde sein
Jüngster 1970 mit Down Syndrom geboren. Doch Badenhop weiß: „Das Leben beschenkt einen, auch mit den
schlimmen Dingen.“ Denn
dazu gebe es auch die Kraft,
sie zu bestehen.
Dieses Wissen und die Rückehr zur kirchlichen Frömmigkeit verdankt der Ruhestands-Pastor diesem jüngsten Sohn Martin. Feste Rituale
geben dem Jungen den nötigen Halt, formulierte Tischgebete sind für ihn bis heute eine Hilfe. „Der wäre unser Pastor geworden“, ist sich sein Vater sicher. Tatsächlich begleitet Martin bis heute seinen Vater zu Gottesdienstbesuchen
und er entscheidet, in welche
Kirche sie gehen.
Martin gibt auch seinem Vater Halt nach dem Tod der
Ehefrau. „Belastung und Segen“ sei so ein Kind, sagt Badenhop, „eine Heimsuchung
im doppelten Wortsinn.“ Vielleicht auch durch Martin kam
Badenhop zu der Erkenntnis:
„Im Staunen und im NichtSelbstverständlich-Nehmen
liegt der Kern des Glaubens."
Gott orientiert sich nicht an der Haarfarbe
Helmut Aßmann zum Thema „Biblisches Alter und Gottes Begrenzung – die Bedeutung des Alters in der Bibel“
Mir fällt bei dem Thema „biblisches Alter“ immer als erstes
Methusalem ein. 969 Jahre alt
soll der Mann geworden sein.
Was kann man in einem solch
langen Leben alles erleben?
Wenn man sich allein die mögliche Menge an Kindern und
Kindeskindern überlegt, wird
einem blümerant. Methusalem
ist am Ende aber doch gestorben. Irgendwie beruhigend.
Danach Abraham, stolze 99
Jahre alt, wird — nach mehrfacher Ansage — Vater eines Sohnes. Eine dermaßen abenteuerlich späte Elternschaft, dass
sich das Gelächter seiner Frau
Sara darüber bis in die Namensgebung dieses Sohnes
fortgesetzt hat: Isaak.
Dann Neues Testament: Zacharias, hochbetagt, bekommt
ebenfalls einen Sohn in Aussicht gestellt, Johannes der Täufer wird er später heißen, dem
verschlägt es im Tempel darüber schlicht die Sprache, bis zur
Namensgebung. Aber auch dieser Sohn kommt tatsächlich,
obwohl es seiner Frau, wie die
Lutherbibel es ebenso vornehm
wie hausbacken ausdrückt,
schon nicht mehr „nach der
Frauen Weise" ging.
Simeon, der alte Mann aus
dem Tempel, wird eigens vom
Geist Gottes zu einem allseits
unerwarteten Zusammentreffen mit der Heiligen Familie
losgeschickt, um der christlichen Kirche eines der anrührendsten liturgischen Stücke zu
vermachen, das Nunc dimittis
aus Lk.2,29-32. Was seine Gesinnungsgenossin
Hanna,
ebenfalls in hohem Alter, zu
dieser Situation gesagt hat, ist
uns leider nicht überliefert.
Also alte Leute allenthalben.
Kein Jüngling namens Paris, der
göttlich hübschen Frauen
Komplimente macht, keine Helena, die anderen Leuten die
Köpfe bis zum Krieg verdreht.
Der biblische Herkules ist eher
ein spiritueller Querschläger als
ein gutes Vorbild, und die großen Führer des auserwählten
Volkes sind vom jugendlichen
Alter Alexanders des Großen
um Generationen entfernt.
Auch die später als Apostel auflaufenden Jünger Jesu machen
nicht gerade durch frühreifen
Ernst in den Evangelien von
sich reden.
Das waren noch Zeiten! Als
die alten Menschen allen Ernstes Träger von Verheißungen,
Figuren des Aufbruchs, Ort des
Neubeginns sein konnten. Als
Gott sich offenbar nicht darum
geschert hat, wie viel Lebenssaft noch in den Adern, Muskeln und Knochen von Haus
aus und nach Alterslage her zu
finden waren, sondern einfach
seine Sache gemacht hat,
mochten die alten oder jungen
Leute dazu denken und empfinden, was sie wollten. Als das
Jungsein das eine und das Altsein das andere und beides unmittelbar zu Gott war. Ja, als es
nicht darauf ankam, wie viel an
Jahren einer aufgehäuft hat,
sondern darauf, wie viel an Vertrauen in ihm steckte. Als Gott
die Farbe des Haares nicht als
Orientierung für die Innovationskraft der religiösen Tradition benutzt hat.
Nicht dass damals die späten
Jahre freundlicher gewesen wären. Der große König David hat
auf seine alten Tage notorisch
gefroren — da halfen selbst
junge Mädchen dem alten
Schwerenöter nicht mehr. Und
im Buch Prediger findet sich im
letzten Kapitel gar das harsche
Wort von den „bösen Tagen",
wenn die Augen dunkel, die
Zähne selten und die Beine
wacklig werden. Gern gealtert
sind die Leute auch damals
nicht. Und besser als die heutigen Senioren haben sie ganz
gewiss nicht ausgesehen.
Ist das nun das Loblied eines
alternden Geistlichen auf das
alt gewordene Kirchenpublikum? Eine Absage an den Jugendwahn einer lebenshungrigen Moderne, als biblische
Rechtfertigung getarnt? Kann
durchaus sein. Je älter einer
wird, um so komplexer werden
von ihm vorgetragenen Gründe, auch für ihn. Ungeachtet
dessen gilt: je länger einer lebt,
um so länger hat er Zeit, Gott
an sich arbeiten zu lassen. Das
ist nicht immer eine schöne Sache. Aber eine göttliche. Weil sie
so menschlich ist.
Helmut Aßmann ist Superintendent im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt
–
30 |
T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
Der Libero genießt die „Nachspielzeit“
Der ehemalige Landessuperintenden Hartmut Badenhop blickt auf acht sehr unterschiedlich geprägte Lebensjahrzehnte zurück
Von Michael Eberstein
„Nicht den Jahren Sinn geben, sondern den Sinn in den
Jahren entdecken." Davon ist
Hartmut Badenhop überzeugt. Wer das könne, erhalte
„sehr viel Manna“. Dankbar
erkennt der hannoversche
Landessuperintendent i.R. im
Rückblick auf acht Lebensjahrzehnte mit sehr unterschiedlichen Phasen: „Ich bin
eigentlich immer viel zu gut
durchs Leben gekommen.“
Aufgewachsen in einem „Diakoniekloster“, der PestalozziStiftung in Burgwedel (Region
Hannover), spricht der 1930 geborene jüngste Sohn eines Pfarrers von einer „unbeschwerten
Jugend“ mit Fürsorgezöglingen
als Spielkameraden.
Das zweite Lebensjahrzehnt
Hartmut Badenhops war geprägt von der wachsenden
Liebe zur Musik und dem Erlernen mehrerer Instrumente.
Im dritten Lebensjahrzehnt
standen das Theologiestudium, erste Erfahrungen im
Pfarramt und die Familiengründung im Vordergrund.
In den 1960er Jahren, seinem vierten Lebensjahrzehnt,
lernte Badenhop in der kirch-
Hartmut Badenhop vor seiner „Ikonografie“ – Bildern
von Menschen,
die ihn beeindruckten.
Foto:M. Eberstein
lichen Jugendarbeit den Wert
des Teams zu schätzen.
Es folgte ein „politisches“
Jahrzehnt. Als Mitglied der
Landessynode gehörte Badenhop zu den Initiatoren und
Gründern der „Gruppe offene
Kirche“ (GOK), die den Demokratisierungsprozess in der
evangelischen Kirche vorantreiben wollte.
In den 1980er Jahren rückte
Badenhop in die Kirchenleitung auf. Als Landessuperintendent sah er sich in der Rolle
eines Libero. Das schaffte auch
die nötige Freiheit, um bei der
Vorbereitung und Durchführung des Kirchentags 1983 in
Hannover tatkräftig mitzuhelfen. Im Anschluss daran wirkte
er fast ein Jahrzehnt im Kirchentagspräsidium mit.
Bevor Badenhop Mitte der
1990er Jahre in den Ruhestand
ging, den er als „Nachspielzeit“ betrachtet, konnte er
noch die Sanierung „seiner“
Predigtkirche gestalten. Die
Neustädter Hof- und Stadtkirche neben dem Landeskirchenamt zählt er zu den wichtigsten Kirchen Hannovers,
weil „die Beamten sie gegen
den König durchsetzten.“
Badenhop hat auch schwere
Stunden erlebt. Sein Erstgeborner kam 1959 zu früh zur
Welt und starb. Nach drei gesunden Söhnen wurde sein
Jüngster 1970 mit Down Syndrom geboren. Doch Badenhop weiß: „Das Leben beschenkt einen, auch mit den
schlimmen Dingen.“ Denn
dazu gebe es auch die Kraft,
sie zu bestehen.
Dieses Wissen und die Rückehr zur kirchlichen Frömmigkeit verdankt der Ruhestands-Pastor diesem jüngsten Sohn Martin. Feste Rituale
geben dem Jungen den nötigen Halt, formulierte Tischgebete sind für ihn bis heute eine Hilfe. „Der wäre unser Pastor geworden“, ist sich sein Vater sicher. Tatsächlich begleitet Martin bis heute seinen Vater zu Gottesdienstbesuchen
und er entscheidet, in welche
Kirche sie gehen.
Martin gibt auch seinem Vater Halt nach dem Tod der
Ehefrau. „Belastung und Segen“ sei so ein Kind, sagt Badenhop, „eine Heimsuchung
im doppelten Wortsinn.“ Vielleicht auch durch Martin kam
Badenhop zu der Erkenntnis:
„Im Staunen und im NichtSelbstverständlich-Nehmen
liegt der Kern des Glaubens."
Gott orientiert sich nicht an der Haarfarbe
Helmut Aßmann zum Thema „Biblisches Alter und Gottes Begrenzung – die Bedeutung des Alters in der Bibel“
Mir fällt bei dem Thema „biblisches Alter“ immer als erstes
Methusalem ein. 969 Jahre alt
soll der Mann geworden sein.
Was kann man in einem solch
langen Leben alles erleben?
Wenn man sich allein die mögliche Menge an Kindern und
Kindeskindern überlegt, wird
einem blümerant. Methusalem
ist am Ende aber doch gestorben. Irgendwie beruhigend.
Danach Abraham, stolze 99
Jahre alt, wird — nach mehrfacher Ansage — Vater eines Sohnes. Eine dermaßen abenteuerlich späte Elternschaft, dass
sich das Gelächter seiner Frau
Sara darüber bis in die Namensgebung dieses Sohnes
fortgesetzt hat: Isaak.
Dann Neues Testament: Zacharias, hochbetagt, bekommt
ebenfalls einen Sohn in Aussicht gestellt, Johannes der Täufer wird er später heißen, dem
verschlägt es im Tempel darüber schlicht die Sprache, bis zur
Namensgebung. Aber auch dieser Sohn kommt tatsächlich,
obwohl es seiner Frau, wie die
Lutherbibel es ebenso vornehm
wie hausbacken ausdrückt,
schon nicht mehr „nach der
Frauen Weise" ging.
Simeon, der alte Mann aus
dem Tempel, wird eigens vom
Geist Gottes zu einem allseits
unerwarteten Zusammentreffen mit der Heiligen Familie
losgeschickt, um der christlichen Kirche eines der anrührendsten liturgischen Stücke zu
vermachen, das Nunc dimittis
aus Lk.2,29-32. Was seine Gesinnungsgenossin
Hanna,
ebenfalls in hohem Alter, zu
dieser Situation gesagt hat, ist
uns leider nicht überliefert.
Also alte Leute allenthalben.
Kein Jüngling namens Paris, der
göttlich hübschen Frauen
Komplimente macht, keine Helena, die anderen Leuten die
Köpfe bis zum Krieg verdreht.
Der biblische Herkules ist eher
ein spiritueller Querschläger als
ein gutes Vorbild, und die großen Führer des auserwählten
Volkes sind vom jugendlichen
Alter Alexanders des Großen
um Generationen entfernt.
Auch die später als Apostel auflaufenden Jünger Jesu machen
nicht gerade durch frühreifen
Ernst in den Evangelien von
sich reden.
Das waren noch Zeiten! Als
die alten Menschen allen Ernstes Träger von Verheißungen,
Figuren des Aufbruchs, Ort des
Neubeginns sein konnten. Als
Gott sich offenbar nicht darum
geschert hat, wie viel Lebenssaft noch in den Adern, Muskeln und Knochen von Haus
aus und nach Alterslage her zu
finden waren, sondern einfach
seine Sache gemacht hat,
mochten die alten oder jungen
Leute dazu denken und empfinden, was sie wollten. Als das
Jungsein das eine und das Altsein das andere und beides unmittelbar zu Gott war. Ja, als es
nicht darauf ankam, wie viel an
Jahren einer aufgehäuft hat,
sondern darauf, wie viel an Vertrauen in ihm steckte. Als Gott
die Farbe des Haares nicht als
Orientierung für die Innovationskraft der religiösen Tradition benutzt hat.
Nicht dass damals die späten
Jahre freundlicher gewesen wären. Der große König David hat
auf seine alten Tage notorisch
gefroren — da halfen selbst
junge Mädchen dem alten
Schwerenöter nicht mehr. Und
im Buch Prediger findet sich im
letzten Kapitel gar das harsche
Wort von den „bösen Tagen",
wenn die Augen dunkel, die
Zähne selten und die Beine
wacklig werden. Gern gealtert
sind die Leute auch damals
nicht. Und besser als die heutigen Senioren haben sie ganz
gewiss nicht ausgesehen.
Ist das nun das Loblied eines
alternden Geistlichen auf das
alt gewordene Kirchenpublikum? Eine Absage an den Jugendwahn einer lebenshungrigen Moderne, als biblische
Rechtfertigung getarnt? Kann
durchaus sein. Je älter einer
wird, um so komplexer werden
von ihm vorgetragenen Gründe, auch für ihn. Ungeachtet
dessen gilt: je länger einer lebt,
um so länger hat er Zeit, Gott
an sich arbeiten zu lassen. Das
ist nicht immer eine schöne Sache. Aber eine göttliche. Weil sie
so menschlich ist.
Helmut Aßmann ist Superintendent im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt
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T HE MA DES TAGES
4. Mai 2013
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31
Mit welchen Tätigkeiten
verbringen wir unser Leben?
Wir essen, verreisen, hören
Musik, gehen ins Theater. Wir
duschen, spielen mit unseren Kindern, stehen im Stau.
Wieviel Zeit der Mensch nach
ZWEI WOCHEN KÜSST DER MENSCH,
ZWEI WOCHEN BETET ER.
einem Leben mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung
von 80,2 Jahren tatsächlich im
Auto oder im Internet verbracht
hat, wurde in diversen Studien
30 JAHRE 24,4 JAHRE 7 JAHRE
Konsumiert er Medien
Schläft der Mensch
Arbeitet der Mensch
zz…
Zzzz
erforscht.
Die Hamburger Grafikagentur gobasil hat diese blanken
Zahlen in Bilder gegossen. Alle
Werte beziehen sich auf die
durchschnittliche Lebenserwar-
12 JAHRE UND 3 MONATE: Fernsehen
tungen deutscher Frauen und
10 JAHRE UND 5 MONATE: Radio hören
Männer, basierend auf den
4 JAHRE UND 3 MONATE: Internet stöbern
Statistiken der letzten fünf Jahre. (Leichte Rundungsdifferen-
1 JAHR UND 11 MONATE: Musik hören
5 JAHRE
Wendet er für Essen auf
1 JAHR UND 3 MONATE: Tageszeitung lesen
1 JAHR UND 3 MONATE: Bücher lesen
zen durch Zusammenführung
4 MONATE: Zeitschriften lesen
mehrerer Quellen und Durch-
3 MONATE: Video/DVD schauen
2 JAHRE+
2 JAHRE+
10 MONATE 6 MONATE
Verplaudert, vertratscht und
verscherzt er
Verbringt der Deutsche im Auto
(6 Monate davon im Stau)
schnittsbildung. Kein Anspruch
auf Vollständigkeit.)
Weiterführende
Quellenhinweise:
ARD/ZDF-Langzeitstudie
Massenkommunikation,
2010.
Ridder, C.-M. & Engel,
B. (2011). Massenkommunikation 2010:
Mediennutzung im
Intermediavergleich.
Media Perspektiven, o.Jg.,
523-536.|
GEO Wissen, 2005:
Die deutsche Lebensbilanz
– Womit wir unsere Zeit
verbringen: eine Abrechnung in Jahren, Monaten
und Wochen. (2005, Oktober). GEO Wissen, o.JG.,
76-77.
Illustration: Sebastian
Weiß & Oliver Schwartz,
www.gobasil.com
Erschienen im WILLOW
MAGAZIN 04/11, Willow
Creek D/CH, www.willowcreek.de“
1 JAHR+
7 MONATE
Betätigt er sich sportlich
1 JAHR
9 MONATE
9 MONATE
Geht der Deutsche ins
Museum, Kino, Theater oder zu Konzerten
Wäscht und bügelt der Deutsche
Spielt er mit seinen Kindern
6 MONATE
4 MONATE
3 MONATE
3 MONATE
Sitzt er auf der Toilette
Spielt er am Computer
Vertreibt er sich die
Zeit in Kneipen
Nimmt er an Vereinssitzungen teil
2 WOCHEN
2 WOCHEN
Küsst er
Betet er
OB IHR NUN ESST ODER TRINKT ODER WAS IHR
AUCH TUT, DAS TUT ALLES ZU GOTTES EHRE.
1. Korinther 10,31
ANZEI GEN
32 |
4. Mai 2013
überall
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dabei
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as inklusive
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Filmfestival
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Samstag,
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amstag, 04.05.13
04.05.13 15
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GesprächspartnerInnen:
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Seele and Geist
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