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Fahrwerk: Das perFekte setup - Zweirad Joos

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Fahrwerk: Das perfekte Setup
06 / 07
präsentiert von
Effizienz &
Kontrolle
Ihr Bike hoppelt durch die Kurve wie ein alter Trabi? Dann
sollten Sie sich um Ihr Fahrwerks-Setup kümmern. Mit dem
richtigen Knowhow holen Sie das Maximum aus Ihrem Bike.
Inhalt
Grundlagen
Grund-Setup
Spezial-Setups
TroubleShooting
2
10
14
15
Liebe Leser.
Fullsuspension-Bikes sind mittlerweile zu echten Hightech-Geräten herangereift. Die Einstellmöglichkeiten der Fahrwerke sind oft
vielfältiger als die eines Rallye-Autos. Doch Hand aufs Herz: Wissen
Sie, was die kleinen Schräubchen
an Dämpfer und Gabel wirklich machen? Effizienter bergauf, komfortabler bergab – mit dem Grundwissen über Federung und Dämpfung
und diversen Einstelltipps auf diesen 16 Seiten holen Sie die volle
Leis­tung aus Ihrem Fahrwerk.
Viel Spaß beim Schrauben!
Markus Greber,
BIKE-Mitarbeiter
IMPRESSUM
Dieses Special ist ein Extraheft von BIKE –
das Mountainbike-Magazin, Europas Nr. 1
Chefredakteur
Josh Welz
Redaktion
Markus Greber
Grafik
Dagmar Dörpholz
Bildredaktion
Georg Grieshaber
Fotos
Markus Greber
Schlussredaktion
Janine Tischer
Illustrationen
Guido Golling/5th Dimension
BIKE-Redaktion
Steinerstraße 15 d, 81369 München
Tel. 089/7296020
e-Mail: bikemag@bike-magazin.de
Internet: www.bike-magazin.de
Erst, wenn Sie die Zusammenhänge im
Fahrwerk verinnerlicht haben, können Sie Ihre
Federung optimal einstellen. Mit diesem
Basiswissen kommen Sie schnell zum Ziel.
02
03
Schritt Für
Schritt
SPECIAL | fa h rt e c h n i k
Schneller, sicherer, komfortabler – mit einem optimalen
Fahrwerks-Setup holen Sie das volle Potenzial aus Ihrem Bike.
technik-Lexikon
Federung Ein Energiespeicher. Beim
Einfedern speichern die Federelemente
(Luft/Stahlfedern) potenzielle Energie, die
sie beim Ausfedern in Form von Bewegungsenergie wieder abgeben.
Dämpfung Die Dämpfung bremst den
Ein-/Ausfedervorgang ab. Als Dämpfungselement wird meist Öl verwendet. Beim
Federungsvorgang presst ein Kolben das
Öl durch Ventile und enge Bohrungen und
verringert damit die Federgeschwindigkeit.
Druckstufendämpfung
(Compression) Die Druckstufendämpfung regelt die Einfedergeschwindigkeit
eines Federelementes.
zugstufendämpfung (Rebound)
Die Zugstufendämpfung regelt die Ausfedergeschwindigkeit eines Federelementes.
Negativ-federweg (SAG) Der Teil
des Federwegs, um den Gabel und
Dämpfer beim Aufsitzen eintauchen.
Ansprechverhalten Je sensibler
eine Federung arbeitet, desto besser ist
das Ansprechverhalten.
Losbrechkraft Das Ansprechverhalten einer Federung am Anfang des Federweges.
High/Lowspeed-Druckstufe
Die Dämpfungseinstellung bei schnellen,
kurzen, bzw. langsamen Schlägen. Lässt
sich nur bei manchen Federelementen getrennt voneinander einstellen.
Plattform Eine Lowspeed-Druckstufeneinstellung, die das Fahrwerkswippen
unterdrückt. Mittlerweile Standard bei den
meisten Federelementen.
Lockout Vollständige Blockierfunktion
der Federung. Macht nur Sinn auf Asphalt.
Shims Kleine Metallplättchen, die den
Öldruck im Inneren eines Dämpfers regulieren helfen.
D
ruckstufe, Zugstufe, Sag,
Losbrechkraft, lineare
und progressive Federung – Begriffe, die früher
Formel-1-Spezialisten und
Auto-Rallye-Profis vorbehalten waren, haben sich innerhalb kürzester Zeit in der Mountainbike-Technik
breitgemacht. Gabeln und Dämpfer mit
differenziertesten Einstellmöglichkeiten,
vielen bunten Knöpfen, Schrauben und
Ventilen sorgen nicht nur beim Kunden
für Verwirrung. Selbst gestandene BikeMechaniker sind bisweilen mit der Neuzeit
des Mountainbikes überfordert. Und wer
ohne das geringste Verständnis für Fahrwerkstechnik einfach drauflos schraubt,
erlebt oft herbe Enttäuschungen. Ein
schlecht eingestelltes Fahrwerk macht
aus den Vorteilen des neuen Fullys handfeste Nachteile. Wippende Federelemente
treiben sportlich ambitionierte Biker
bergauf zum Wahnsinn, bockige Gabeln
machen bergab aus der versprochenen
Sänfte einen Rodeo-Gaul. Kein Wunder,
die Federungshersteller muten dem Biker
viel zu: Bei einem Overkill an EinstellungsParametern ist das richtige Setup mehr
oder weniger Glückssache. Es sei denn,
man beschäftigt sich mit der Materie und
lernt, die physikalischen Zusammenhänge
im Fahrwerk zu verstehen.
Dreh- und Angelpunkt beim FahrwerksTuning ist die Harmonie zwischen Federung und Dämpfung. Doch diese beiden
Begriffe werden auch heute noch gerne
verwechselt. Das Wissen um den Unterschied zwischen Federung und Dämpfung
ist schon die halbe Miete zum perfekten
Setup.
Beginnen wir mit der Federung. Physikalisch betrachtet ist diese nichts anderes
als ein Energiespeicher. Stößt das Rad
auf ein Hindernis, dann federn Gabel und
Federbein ein. Das Federmedium (meist
Luft oder eine Stahlfeder) speichert den
Stoß als sogenannte potenzielle Energie.
Beim Ausfedern gibt es die gespeicherte
Energie in Form von Bewegungsenergie
wieder ab.
Die Federung trennt die Gesamtmasse
(Bike und Fahrer) in die gefederte Masse
(Fahrer, Rahmen, Anbauteile) und die
ungefederte Masse (Laufräder, GabelTauchrohre, Hinterbau). Die ungefederte
Peter BroDschelm
Reiseveranstalter und Transalp-Profi
„Berücksichtigen Sie auf einer
Alpenüberquerung unbedingt das Mehrgewicht des Rucksacks. Die meisten
Touren-fahrer fahren mit zu viel Sag und
zu schneller Zugstufendämpfung.“
04
05
Masse soll den Bodenunebenheiten exakt
und schnell folgen, die gefederte Masse
soll möglichst wenig Schläge abbekommen. Eine effiziente Federung bringt zum
Einen Fahrkomfort, weil die Schläge nicht
unmittelbar an den Fahrer weitergeleitet
werden. Zum Anderen verbessert eine
Federung die Traktion, weil die Räder
im groben Gelände länger Bodenkontakt
behalten.
Besonders wichtig für die Traktion ist der
Negativ-Federweg (Englisch: Sag). Unter
Sag versteht man den Teil des Federwegs,
um den die Federung schon beim Aufsitzen
eintaucht. Ganz ohne Sag könnte die Federung bei plötzlichen Schlaglöchern nicht
in das Bodenloch hineinfedern.
Die Einstellung des Sags erfolgt bei
Luftfederungen ganz einfach über den
Luftdruck (siehe Workshop ab Seite 10).
Bei Stahlfedergabeln (und Dämpfern) reguliert man den Sag über die Federhärte
und zum geringen Teil über die Vorspannung. Hier ist es wichtig zu wissen, dass
die Vorspannung nur als Fein-Justage
fungiert und keinesfalls eine härtere Feder
ersetzt. Muss man die Vorspannungsschraube eines Stahlfeder-Dämpfers um
mehr als vier Umdrehungen zudrehen,
dann braucht man dringend eine härtere
Feder. Bestehen Sie deshalb schon beim
Kauf eines Fullys auf die Überprüfung der
Federhärte und gegebenenfalls auf einen
Austausch gegen eine Feder, die zu Ihrem
Fahrergewicht passt.
Dämpfung bringt Ruhe ins Fahrwerk.
Wie anfangs erwähnt, ist die Federung
ein Energiespeicher. Einmal in Bewegung,
schwingt sie fast unaufhörlich auf und ab –
vergleichbar mit einem Flummi, den man
auf den Boden wirft. Ein Flummi federt nur
und hat kaum Dämpfungseigenschaften.
Mit der Federung alleine würde das Bike
nach jedem Stoß etliche Male auf und ab
schwingen, bis wieder Ruhe ins Fahrwerk
kommt. Die Folgen fehlender Dämpfung
kennt man auch von Autos mit defekten
Stoßdämpfern: Das Fahrzeug schaukelt
sich gefährlich auf, die Reifen verlieren
Bodenkontakt und Traktion.
Jede Federung braucht also auch eine
Dämpfung. Wirft man statt des Flummis
einen Knödel Knetmasse auf den Boden,
dann bleibt der am Boden liegen. Das
ist Dämpfung. Knetmasse hat kaum
Federungs- sondern fast nur Dämpfungseigenschaften.
Die Dämpfung hält die aufschwingende
Federung im Zaum, sie bremst das schaukelnde Fahrwerk ab. Physikalisch würde
man es so ausdrücken: Der Dämpfer wandelt die Bewegungsenergie der Federung
in Wärme um.
Nun trennt man die Dämpfung in zwei
Phasen: Beim Einfedern spricht man von
Druckstufendämpfung, beim Ausfedern
Dämpfungstechnik im detail
Der Blick ins Innere eines Fox-DHX-RC4-Dämpfers.
Getrennt einstellbare High- und Lowspeed-Druckstufen- sowie Zugstufendämpfung, verstellbare Endprogression. Das oberste Level der Dämpfungstechnik.
12
2
1
3
Dämpfungsöl
4
5
6
11
7
9
10
1 Highspeed-Druckstufen-Justageknopf
Ändert die Vorspannung der Feder, die auf das
Highspeed-Druckstufen-Shim-Paket drückt.
2 Lowspeed-Druckstufennadel
Regelt den Ölfluss durch die zentrale Bohrung
im Ausgleichsbehälter und gewährleistet die
Einstellbarkeit der Lowspeed-Druckstufe.
3 lowspeed-Druckstufen-Justageknopf
Bestimmt die Stellung der Low-Speed
Druckstufennadel.
4 boost valve
Regelt die Endprogression der Druckstufe und
wird vom Druck und der Größe der Ausgleichskammer beeinflusst.
5 Internal Floating Piston (IFP)
Gleicht das durch den Dämpferschaft verdrängte Ölvolumen aus und separiert das Öl
von der Luft.
6 IFP-Kammer
Enthält komprimierte Luft und setzt so
das Öl unter Druck.
7 Schrader-Ventil
8
Über dieses Ventil wird die Ausgleichskammer mit Luft befüllt. Mit dem Luftdruck
bestimmt man, ab welchem Dämpferhub die
Boost-Valve-Dämpfung einsetzt.
8 Justage-knopf Zugstufe
Regelt die Einstellung der Zugstufen-Nadel.
9 ZugstufenNadel
Die Stellung der Zugstufennadel definiert die
11 Highspeed-Zugstufen-Shimstack
Lowspeed-Zugstufendämpfung.
Regelt den Ölfluss während des Ausfedervor10 Druckstufen-Shimstack
gangs bei hochfrequenten Schlägen.
Regelt den Ölfluss durch den Dämpferkolben
12 Highspeed-Druckstufen-Shimstack
beim Einfedern und erzeugt so eine gewisse
Kleine Metallplättchen regeln den Ölfluss in
Grund-Druckstufendämpfung.
dem Ausgleichsbehälter beim Einfedern.
➞ Ölfluss beim Ausfedern (Zugstufe) ➞ Ölfluss beim Einfedern (Druckstufe)
Interview Wartungstipps
christoph ritzler,
Fox-Europachef
„Halten Sie die Wartungsintervalle
der Federelemente ein. Den
kleinen Service alle 30 Betriebsstunden
kann man selber machen.“
Woran erkennt man ein wartungs- eine gute Performance behält?
bedürftiges Federelement?
Das Wichtigste ist die Pflege, also die
ritzler Schwierig, denn wenn man
äußerlich schon Schäden wie eine abgeriebene Eloxalschicht sieht, ist es meist
schon zu spät. Man sollte sich tatsächlich
nach den Arbeitsstunden richten und
nach spätestens 30 Stunden eine kleine
Inspektion machen. Für Biker, die hauptsächlich im Trockenen fahren und ein,
zwei Mal pro Woche aufs Bike steigen,
sollte ein Komplett-Service pro Saison
reichen. Vielfahrer, die bei Wind und Wetter unterwegs sind, sollten ihre Gabeln
und Dämpfer nach 100 Stunden einem
Komplett-Service unterziehen.
bewegten Teile und Dichtungen sauber
zu halten. Es dauert wirklich nur eine
Minute, die Standrohre der Gabel und die
Gleitflächen am Dämpfer zu reinigen. Bei
starker Verschmutzung empfehlen wir
Seifenlauge.
Eine kleine Inspektion kann ein geübter
Hobby-Schrauber selbst vornehmen. Bei
Luftdämpfern wird die Luftkammer abgezogen, die Dichtungen in Augenschein genommen, gegebenenfalls getauscht, und
das Fox Fluid, unser spezielles Schmieröl,
getauscht. Bei den Gabeln zieht man beim
Mini-Service die Tauchrohreinheit ab, kontrolliert Dichtungen und Schaumstoffringe
und tauscht das Schmieröl. Für einen großen Komplett-Service muss die Gabel zum
autorisierten Fox-Service-Center.
auf den Kopf zu stellen. Das Schmieröl
fließt dann zu den Schaumstoffringen
und den Dichtungen. Damit hier keine
Luftbläschen in die Leitung der Scheibenbremse wandern, empfehlen wir, die
Bremshebel mit zwei kräftigen Gummiringen zum Lenker zu ziehen. Weiterhin
sollte man möglichst keinen Hochdruckreiniger zum Putzen verwenden. Wenn
doch, dann den Strahl niemals auf die
Dichtungen halten. Außerdem sollte man
das Bike auf den Kopf stellen, dann wäscht
man den Schmutz von den Dichtungen
der Gabel nach unten weg.
Welche Reinigungsmittel empfehlen Sie?
Wie gesagt, am besten Seifenlauge. Finger weg von allen entfettenden Mitteln.
Auf den Gleitflächen befindet sich ein
hauchdünner Ölfilm. Dieser wird durch
Kriechöl und alle lösungsmittelhaltigen
Reinigungssubstanzen verdrängt.
Was kann man selber tun, und Gibt es Geheimtipps für ein lanfür welchen Service sollte man ges Leben der Federelemente?
zur Werkstatt?
Ein guter Tipp ist, das Bike hin und wieder
Was kann man tun, damit die
Gabel/Dämpfer möglichst lange
von Zugstufendämpfung (kurz: Druckstufe und Zugstufe). Die Druckstufe hat
vorwiegend die Aufgabe, die Federung
am Durchschlagen zu hindern und allzu
starkes Fahrwerkswippen bergauf zu unterbinden. Viel wichtiger für die Traktion
ist die Zugstufe. Sie soll den Reifen nach
einem Schlag am Boden halten. Ist die
Zugstufe zu weich, dann verliert das Rad
schnell Bodenkontakt und damit Traktion.
Ist sie zu hart, dann kann das Fahrwerk
bei kurz aufeinanderfolgenden Schlägen
nicht schnell genug ausfedern (Siehe Grafik
auf Seite 8/9).
Highspeed, Lowspeed, Plattform – die
hohe Schule. Wer den Unterschied zwischen Federung und Dämpfung verstanden
hat und mit den Begriffen Druck- und
Zugstufe arbeiten kann, ist bereit für die
hohe Schule der Fahrwerkstechnik. In den
Pionierjahren der Bike-Federungstechnik
kümmerten sich die Entwickler vorwiegend
um eine fein einstellbare Zugstufendämpfung. Die Druckstufe führte ein Schattendasein und war meistens nicht einstellbar.
Doch dann wurden die Federwege immer
größer und das lästige Fahrwerkswippen
rückte immer weiter in den Fokus. Mit
der Druckstufe kann man dieses Wippen
bekämpfen. Der Blick ins Innere eines
Hightech-Dämpfers wie dem Fox DHX RC4
(Seite 05) zeigt ein unüberschaubares Labyrinth an Ölkanälen, Ventilen und Shims.
All das dient dem Zweck, der Dämpfung
eine Art Intelligenz einzuhauchen. Der
Dämpfer soll selbstständig unterscheiden
zwischen langsamen, niederfrequenten
und schnellen, hochfrequenten Schlägen.
Die langsamen Schläge treten zum Beispiel
bergauf im Wiegetritt oder auch beim
Bremsen auf. Hier ist eine starke LowspeedDämpfung gefragt, um das Wippen zu unterdrücken. Möglichst unabhängig davon
soll die Highspeed-Dämpfung bei kurzen
Schlägen die Federung freigeben, damit das
Fahrwerk Komfort und Traktion behält. Die
das perfekte setup garantiert ein höchstmaSS an
Gefederte Masse
Traktion
%
Die Kunst der Fahrwerksabstimmung heißt: so schnell wie
möglich, so langsam wie nötig. Die ungefederte Masse
(Laufräder, Hinterbau, Gabel/Tauchrohre) sollen dem wech-
selnden Untergrund so schnell und präzise folgen wie
möglich. Gleichzeitig soll die gefederte Masse (Fahrer,
Rahmen, Anbauteile) von den Schlägen möglichst ver-
06
07
Hochalpine Bikeparks: Die Anforderungen an das
Fahrwerk sind hier besonders hoch.
Härte sowohl der Lowspeed-, als auch der
Highspeed-Druckstufe lässt sich bei einigen, meist teuren Federelementen getrennt
voneinander einstellen. Einen ähnlichen
Effekt wie die Lowspeed-Druckstufe haben
die sogenannten Plattform-Systeme, die
man mittlerweile an allen hochwertigen
Federelementen findet. Viel „Plattform“
bedeutet folglich wenig Fahrwerkswippen. Hier ist jedoch anzumerken, dass
die vollständige Trennung zwischen Lowund Highspeed-Druckstufe bei keinem
Fe­derelement funktioniert. So führt eine
starke Plattform-Einstellung immer auch
zu Abstrichen im Ansprechverhalten bei
schnellen, kleinen Schlägen. In der Praxis
bedeutet das: Stellen Sie die PlattformEinstellung Ihres Fahrwerks immer nur
so hart wie nötig ein.
Der Weg zum Wunsch-Setup erfolgt
in mehreren Schritten. Die wichtigste
Einstellung ist zunächst die Federhärte, sprich der Negativ-Federweg (Seite
10/11). Dazu sollten Sie zunächst alle
Dämpfungseinstellungen inklusive der
Plattform ganz auf Null stellen. Nehmen
Sie nun als Richtwert den vom Hersteller
empfohlenen Luftdruck. In der Bedienungsanleitung finden Sie die entsprechenden
Tabellen, speziell für Ihr Gewicht. Manche
Hersteller drucken diese Tabellen sogar auf
die Gabeln und Dämpfer. Der Sag richtet
sich nach dem maximalen Federweg, vor
allem aber nach dem Einsatzbereich. Für
den Cross-Country- und All-MountainEinsatz sollte der Sag vorne und hinten
etwa 20 Prozent des Gesamtfederweges
betragen. Für den Enduro- und FreerideEinsatz kann man vor allem hinten den
Christoph Sauser
Cross-Country-Profi, Team Specialized
„Bei steilen Rennkursen fahre
ich hinten weniger Luft als bei flachen.
Denn hier kommt mehr Druck auf die
gabel. bei zu viel luft hinten würde der
hinterbau ziemlich inaktiv bleiben.“
komfort und fahrsicherheit durch traktion.
schont bleiben. Im Optimalfall schlucken die Federelemente weich ein, dass möglichst viel Federweg ausgeschöpft wird.
alle Bodenunebenheiten weg, sodass die gefederte Masse Experimentieren Sie dann mit der Zugstufendämpfung, bis
völlig unbeeindruckt bleibt. Stellen Sie dazu die Federung so die Räder den Hindernissen optimal folgen.
Nicht zu unterschätzen: Vor allem bergauf spielt das
Fully seine Stärken aus. Aber nur mit sensibler Federung.
Fallbeispiele Das sind die häufigsten Fehlerquellen
Traktion 100%
zu wenig negativ-federweg (sag)
Hat Ihre Federung zu wenig Sag, dann bleibt dem Fahrwerk zu wenig
Spielraum, um in Bodenlöcher hineinzufedern. Folge: Fahrzeug und
Fahrer, also gefederte und ungefederte Masse, fallen in die Vertiefung hinein. Fahrkomfort und Traktion leiden. Einhergehend mit zu
wenig Sag ist die zu harte Federung, die das Bike beim nächsten Hindernis erneut hochkatapultiert (Bild 3). Der Sag sollte mindestens 20
Prozent des gesamten Federwegs betragen.
Gefederte Masse
zu wenig zugstufendämpfung
Ist die Zugstufendämpfung zu gering eingestellt, dann wird das Bike
im ruppigen Gelände sehr unruhig. Die Federung arbeitet dann zwar
schnell genug, um kurzen Bodenwellen zu folgen. Aber durch das
schnelle Ausfedern wird die gefederte Masse nach oben katapultiert.
Dadurch wiederum geht Bodenkontakt und damit Traktion verloren. Eine Federung mit zu wenig Zugstufe lässt sich zum Beispiel auf
schnellen Rüttelpisten oder in Wurzel-Passagen kaum kontrollieren.
Gefederte Masse
zu viel zugstufendämpfung
Diese Klassikersituation erfährt man am deutlichsten beim Herunterfahren von mehreren Treppenstufen oder in sehr ruppigem Gelände.
Die Zugstufendämpfung ist so hart eingestellt, dass das Fahrwerk
keine Zeit hat, schnell genug auszufedern, um beim folgenden Hindernis wieder den vollen Federweg zur Verfügung zu stellen. Die Folge:
Man verliert immer mehr nutzbaren Federweg, der Komfort wird
immer schlechter.
Gefederte Masse
zu viel Druckstufendämpfung
Eine zu hohe Druckstufendämpfung führt zu einem ähnlichen Effekt
wie zu wenig Sag. Das Rad stößt auf ein Hindernis, aber die Druckstufe hindert die Federung daran, genügend einzufedern. Infolgedessen fangen die Räder an zu hüpfen und verlieren Bodenkontakt.
Auch die gefederte Masse wird beeinträchtigt, man spürt dann
jeden einzelnen Schlag.
Gefederte Masse
08
09
Sag auf bis zu 40 Prozent des maximalen
Federwegs erhöhen.
Die Dämpfung ist ein dynamischer Prozess,
deshalb gibt es hierfür nur wenige Tipps als
„Trockenübung“. Richten Sie sich auch hier
zunächst nach den Herstellerangaben.
Jetzt gehen Sie am besten auf Probefahrt
und zwar auf einer exakt definierten Test­
runde. Diese Runde sollte nicht zu lang
sein, aber trotzdem alle Hindernisse aus
dem „richtigen Leben“ beinhalten: Steilstufen, Rüttelpisten auf Schotter, WurzelPassagen, steile Uphills. Packen Sie die
Dämpferpumpe ein und variieren Sie die
Federung ruhig zwischen den Extremen,
von viel zu weich bis viel zu hart. Auf
diese Weise „erfahren“ Sie schnell Ihren
persönlichen Luftdruck. Als Faustregel gilt:
Die Federung ist dann richtig eingestellt,
wenn sie auf dem Test-Parcours genau
einmal durchschlägt.
Machen Sie sich dann an die Dämpfungs-
einstellung. Tasten Sie sich hier am besten
von schnell nach langsam vor. Zählen
Sie, wie viele Klicks die Einstellung Ihres
Dämpfers (Gabel) insgesamt hat. Beispiel:
Ein Fox-RP23-Dämpfer hat acht mögliche
Klicks für die Zugstufe. Drehen Sie den
Dämpfer zwei oder drei Klicks in Richtung
hart. Wenn Sie das Gefühl haben, der
Dämpfer federt zu schnell aus, dann drehen Sie ihn schrittweise härter. Verfahren
Sie genauso bei der Plattform: Beginnen
und ihre ursachen.
Sie bei der weichsten Einstellung. Wenn
Sie das Wippen bergauf wirklich stört,
dann drehen Sie härter. Grundsätzlich
gilt für alle Dämpfungseinstellungen: so
weich wie möglich, so hart wie nötig.
Verändern Sie weiterhin zwischen den
Testrunden nur einen Parameter, sonst
können Sie die Änderungen später nicht
mehr nachvollziehen. So gelangen Sie
Schritt für Schritt zu Ihrem idealen, persönlichen Setup.
Stefan Herrmann
Bike-Fahrtechnikexperte
„Ein Fahrwerk muss sensibel sein, aber
auf keinen Fall zu weich. Nur so bleiben
noch genügend Reserven übrig für die
ganz groSSen Schläge. Ein etwas strafferes Fahrwerk gibt mehr rückmeldung.“
Grund-setup
Als Downhill-Profi weiß André
Wagenknecht sein Fahrwerk penibelst genau
abzustimmen. Deshalb ist der Cube-TeamFahrer mitverantwortlich für die Abstimmung der
Serien-Fahrwerke. Hier zeigt André
die ersten Schritte zum perfekten Setup.
federung einstellen
1
2
Luft ablassen
3
Um den passenden Sag bei Dämpfer und Gabel einzustellen, ist das Wissen um den
maximal möglichen Federweg zwingend notwendig. Schrauben Sie die Dämpferpumpe aus und lassen Sie durch Drücken des Luftablassknopfes die Luft entweichen. Komprimieren Sie dabei Hinterbau (1) und Gabel (2) bis zum Anschlag. Dabei
werden die kleinen Gummiringe am Kolben nach innen gedrückt.
4
Luft aufpumpen
Setzen Sie jetzt wieder die Pumpe an
und befüllen Sie die Luftkammern.
Pumpen Sie so lange, bis Gabel und
Dämpfer vollständig ausgefedert sind.
Wenn Sie wollen, können Sie den Luftdruck bei der Gelegenheit gleich nach
Herstellerangabe einstellen.
MAximal-federweg messen
5
Die kleinen Gummiringe am Dämpferkolben und an den Standrohren der Gabel
markieren jetzt den maximal möglichen Federweg. Messen Sie diesen mit einem
Meterstab und zwar genau vom Gummiring bis zu dem Punkt, an dem der Kolben
im Dämpfergehäuse verschwindet (4), beziehungsweise dort, wo die Standrohre
der Gabel in die Tauchrohre laufen (5). Notieren Sie den maximalen Federweg
auf einem Zettel. Schieben Sie jetzt die Gummiringe wieder zurück in die Ausgangsposition.
10
11
7
Fahrposition einnehmen
6
Steigen Sie auf und nehmen Sie Ihre Fahrposition ein. Benutzen Sie auf
Tour einen Rucksack? Dann ziehen Sie ihn (entsprechend befüllt) an –
den Sag misst man mit kompletter Ausrüstung. Am besten, ein Helfer
hält Sie am Lenker fest, damit Sie beide Füße auf die Pedale stellen
können (6). Wippen Sie nun ein paar Mal auf und ab. Damit stellen Sie
sicher, dass die Reibung der Dichtungen die Federelemente nicht blockieren. Der Helfer muss den Gummiring nun wieder zurückschieben.
Beim Absteigen achten Sie darauf, dass Gabel und Dämpfer durch die
Bewegungen nicht weiter einfedern (7). Die Position der Ringe an Gabel
und Dämpfer zeigen nun den genutzten Negativ-Federweg.
SAg messen
8
Die kleinen Gummiringe an Gabel und
Dämpfer geben also den genutzten Negativ-Federweg an. Messen Sie sowohl
hinten (8) als auch vorne (9) und notieren sich die Werte. Jetzt können Sie leicht
ausrechnen, wie viel Anteil der Sag vom
maximalen Federweg hat. Bei zu viel Sag
pumpen Sie nach und wieder­holen die
Messung. Bei zu wenig Sag las­sen Sie mit
Hilfe der Dämpferpumpe etwas Luft aus
den Federelementen. Wiederholen Sie
diesen Schritt, bis der Sag genau passt.
9
dämpfung einstellen
1
Einstellschrauben
kontrollieren
Bei Gabeln mit verstellbarem Federweg:
Stellen Sie den maximalen Federweg ein.
Stellen Sie dann die Plattform-Einstellungen auf niedrigste Stufe und deaktivieren Sie das Lockout (2). Die Einstellschrauben für die Zugstufendämpfung
sind meistens rot. Drehen Sie die Schrauben an Dämpfer und Gabel ganz heraus,
auf die weichste Stufe (1).
2
trockentest
Die Dämpfung ist ein dynamischer
Vorgang, die Einstellung ist als
Trockenübung kaum möglich.
Stellen Sie zunächst die Zugstufendämpfung auf die weichste
Einstellung und dann ein paar
Klicks härter. Als ganz grobe
Grundeinstellung gilt: Beim
Ausfedern der Gabel darf das
Vorderrad nicht den Bodenkontakt verlieren. Für den Hinterbau gilt das Gleiche. Für alle
weiteren Einstellungen an der
Dämpfung gehen Sie jetzt raus
auf die Testrunde.
4
Anhalten, nachjustieren, weiterfahren. Aber verstellen
Sie pro Testrunde immer nur einen Parameter.
Die Testrunde
Für die Feinheiten bei der Federungsabstimmung, vor allem aber für eine vernünftige
Dämpfungsabstimmung, suchen Sie sich eine repräsentative, aber nicht zu lange
Testrunde. Diese sollte alle Geländeformationen aus dem richtigen Leben, wie WurzelPassagen, kleine Drops, einen Schotterweg und Bergauf-Sektionen beinhalten.
Wurzel-passage
Die Paradedisziplin für die Zugstufeneinstellung. Die Federung
muss schnell genug ausfedern und für die nächste Wurzel
wieder ausreichend Hub zur Verfügung stellen.
Drop
Bei der Landung eines Drops dieser Größe dürfen die Feder­
elemente schon mal durchschlagen. Wenn das jedoch auf
Ihrer Testrunde öfters passiert, sollten Sie entweder den
Luftdruck oder die Druckstufendämpfung erhöhen. Achten
Sie hier auch auf die Zugstufe: Die Federung sollte nach einer
solchen Landung nicht zu schnell ausfedern und nicht mehrmals nachschwingen.
Bergauf-Sektion
Gehen Sie in den Wiegetritt und beobachten Sie das Wippverhalten Ihres Bikes. Stellen Sie mit Hilfe der Druckstufen- sowie
der Plattform-Einstellung Ihre Federelemente so ein, dass sich
das Wippen in Grenzen hält, sie trotzdem aber auf die kleinen
Schläge reagieren. Leichtes Fahrwerkswippen, vor allem im
Wiegetritt, sollte man zugunsten einer sensiblen Federung
vernachlässigen. Dadurch verschenkt man keine Energie. Ganz
ohne Wippen geht es nämlich nur mit einem Lockout.
12
13
FOX
Einstelltipps Die wichtigsten Dämpfer
DHX Air Dieser Enduro- und Freeride-Luftdämpfer ist vielfach einstellbar. Neben der
RP 23 Der wohl am meisten verbaute Dämpfer auf dem Markt. Hier lassen sich neben
Vivid R2C Der Stand der Technik von Rock Shox. Diesen Dämpfer findet man vorwiegend an Bikes jenseits der 160-Millimeter-Marke. Besonderheit: Die Zugstufendämpfung ist zweifach einstellbar. Neben der konventionellen Zugstufeneinstellung (rotes
Drehrad) lässt sich bei Bedarf die Zugstufendämpfung am Ende des Federwegs einstellen (Ending Stroke). Hierzu braucht man einen 2,5er-Inbus. Wenn der Hinterbau z. B. bei
Absprüngen (hier federt der Dämpfer meist ganz ein) zu stark kickt, bringt man mit
dieser Verstellung Ruhe ins Fahrwerk. Das blaue Einstellrädchen am Ausgleichsbehälter
ist für die Lowspeed-Druckstufendämpfung zuständig.
Monarch RT 3 Diesen Dämpfer findet man an Bikes mit Federwegen von
rock shox
Zugstufeneinstellung (rotes Rädchen) und der zuschaltbaren Plattform (blauer Hebel)
kann man den Druck sowie das Volumen des großen Ausgleichsbehälters einstellen
(Minimum: 125 PSI). Beide Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig und verändern die
Eigenschaften der Druckstufendämpfung. Ein hoher Luftdruck in der Ausgleichskammer
führt zu einer stärkeren Druckstufendämpfung. Die Größe des Volumens ändert die
Progression der Druckstufe. Je kleiner das Volumen, desto früher setzt diese Progres­
sion ein. Damit kann man das Durchschlagverhalten des Dämpfers beeinflussen.
dem Luftdruck die Zugstufendämpfung (rotes Stellrad) und die Plattform (blauer Hebel)
einstellen. Die Plattform (Pro Pedal) lässt sich in drei unterschiedlich harten Stufen justieren. Ziehen Sie dazu den blauen Knopf nach oben und drehen Sie die gewünschte Plattform-Härte in die Flucht des blauen Hebels. Jetzt können Sie die eingestellte Plattform einoder ausschalten. RP-23-Dämpfer sind in der Regel durch den Bike-Hersteller speziell auf
die Kinematik des Bike-Modells eingestellt. Bei sehr leichten oder schweren Bikern kann es
sinnvoll sein, das Grund-Setup in einem Fox-Service-Center verändern zu lassen.
100 bis 150 Millimetern. Bei den Race-orientierten Bikes sollte der Sag um die 20 Prozent,
bei All-Mountain-Bikes um die 30 Prozent des Federwegs betragen. Praktisch: Am
Kolben ist eine Skala eingeprägt, dort lässt sich der korrekte Sag überprüfen. Ansonsten
bietet der Monarch RT 3, der auf dem Rock-Shox-Motion-Control-System basiert, eine
stufenlose Zugstufendämpfung (rotes Stellrad) sowie eine dreistufige Plattform-Einstellung
(blauer Hebel). Wichtig für die Einstellung des Negativ-Federwegs: Stellen Sie die Plattform
auf die weichste Stufe.
Einstelltipps die wichtigsten Gabeln
FOX
32 Talas RLC
Neben der Zugstufendämpfung
lässt sich oben auf dem rechten
Standrohr das Lockout stufenlos regeln. Mit dem schwarzen
Drehrad (Lockout Force) stellt
man die Losbrechkraft der Gabel
ein. Das Lockout aktiviert man
dann mit dem blauen Hebel.
Zudem lässt sich bei dieser
Gabel die Lowspeed-Druckstufe justieren (blaues Drehrad:
Lowspeed Compression). Wenn
die Gabel zu stark wippt oder
beim Bremsen abtaucht, einfach
ein paar Klicks härterdrehen.
36 Talas rc2
Die Fox-Oberliga für Freerider.
Mit getrennt voneinander regelbarer High- und LowspeedDruckstufe (blauer Hebel auf
dem linken Gabelholm). Also bei
Bremsnicken und zu viel Wippen:
Lowspeed-Druckstufe zudrehen.
Dem Durchschlagen der Gabel
wirkt man mit der HighspeedDruckstufe entgegen. Nutzen Sie
den Federweg nicht aus, öffnen
Sie die Highspeed-Druckstufe.
Natürlich lässt sich auch hier die
Zugstufendämpfung sowie der
Federweg (Talas) einstellen.
rock shox
SID Worldcup
Reinrassige Cross-Country-Gabel
mit reduzierten Einstellmöglichkeiten. Die Dämpfungs-Justage
beschränkt sich hier auf die Zugstufe (am unteren Gabelholm)
und den externen Lockout-Lenkerhebel. Statt dessen gibt es
bei der Federung neben der Positiv-Luftkammer noch eine Negativ-Luftkammer, die der Positiv-Kammer entgegenwirkt. Hier
kann man das Ansprechverhalten der Gabel beeinflussen. Von
hart (wenig Negativ-Luft) bis
weich (viel Negativ-Luft).
Lyric 2 Step
Diese All-Mountain- und Enduro-Gabel bietet alle Einstellmöglichkeiten. Mit dem Negativ-Luftdruck (Two Step) lässt sich die
Sensibilität der Gabel einstellen.
Die Lowspeed-Druckstufe steuert
die Dämpfung bei langsamen
Schlägen (z. B. Wiegetritt), die
Highspeed-Druckstufe regelt das
Dämpfungsverhalten bei schnellen Schlägen. Mehr HighspeedDruckstufe und die Gabel schlägt
weniger schnell durch. Weiterhin
bietet sie natürlich eine Zugstufenverstellung (Rebound).
Reba RLT Ti
Diese All-Mountain-Gabel arbeitet mit Motion Control. Mit dem
„Gate“ am rechten Standrohr
regelt man die Schwelle, ab der
die Druckstufendämpfung
arbeitet. Hier kann man nichts
falsch machen, da Motion
Control im Zweifel bei harten
Schlägen die Dämpfung freigibt.
Dank Dual Air lässt sich zudem
die Sensibilität der Federung einstellen. Und natürlich gibt es
auch hier einen Drehregler für
die Zugstufeneinstellung (unten
am rechten Gabelholm).
spezial-setups
Kein Trail ist gleich, deshalb sind die Anforderungen
an ein Fahrwerk vielfältig. Mit ein und derselben
Einstellung kann Ihr Bike nicht alle Situationen
meistern. Nehmen Sie sich die Zeit und stimmen Sie
immer wieder neu ab – je nach Einsatzbereich.
Mittelgebirgs-Setup
Schotterwege, Wald-Trails, Wurzel-Passagen – aber keine langen Anstiege und Abfahrten. Insofern
sollte das Fahrwerk vorne und hinten möglichst homogen abgestimmt sein. Der Hinterbau nicht zu
weich für effizienten Vortrieb bergauf. Die Zugstufendämpfung relativ schnell, damit die Federelemente auch bei schnellen Schlägen sensibel arbeiten. Zum Thema Plattform-Einstellung: Hier darf’s
ruhig etwas mehr sein. Denn Wippen kann man bei diesem ständigen Auf und Ab nicht gebrauchen.
Transalp-Setup
Hier ist bei der Federungseinstellung vor allem eines zu beachten:
der schwere Rucksack. Die Federung sollte deshalb deutlich härter
eingestellt werden als auf der heimischen Hausrunde. Mit der Federhärte muss auch die Dämpfungseinstellung härter werden –
sowohl in der Zug-, als auch in
der Druckstufe. Sonst ist das Fahrwerk unterdämpft. Und da auch
Fahrwerkswippen auf den kräftezehrenden Transalp-Etappen ein
Thema ist, sollte man die Plattform eine Stufe härter stellen.
Bikepark-Setup
Bikeparks bieten im Regelfall viele gebaute Pisten, mit Steilkurven und
Drops. Dafür weniger Schotter und sonstige Rüttelpisten. Hier ist es
wichtig, dass man möglichst viel Rückmeldung vom Fahrwerk bekommt.
Also: Die Federung nicht zu weich einstellen und auch die Dämpfung lieber
ein paar Klicks zudrehen. Besonders bei Drops ist eine relativ hohe Zugstufendämpfung wichtig, damit sich das Bike nach der Landung nicht aufschaukelt. Die Plattform-Einstellungen Ihres Fahrwerks können Sie hier getrost
auf ganz weich einstellen. Denn Fahrwerkswippen ist im Park kein Thema.
gardasee-setup
Lange, flache Aufstiege auf Asphalt, aber knackige, steile Downhills auf Hardcore-Geröllpisten – diese
Bedingungen findet man nicht nur am Gardasee. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihr Setup nach dem Aufstieg von effizient auf sensibel zu trimmen. Eine Dämpferpumpe gehört hier zum ständigen Begleiter.
Bergauf eine straffe Federung und viel Plattform. Bergab sollten Sie vor allem hinten etwas Luft rauslassen. Durch die Gewichtsverlagerung nach vorne ist die hintere Federung sonst unterfordert.
marathon-setup
Hier geht es um Zeit. Also trimmen
Sie Ihr Fahrwerk auf Effizienz:
straffe Federung, Plattform rein.
Aber Vorsicht, übertreiben Sie es
nicht mit der Dämpfung. Mit einem
überdämpften Fahrwerk sind Sie
langsamer als mit einem Hardtail. Nutzen Sie den Lockout-Hebel
wirklich nur auf Asphalt, schon auf
Schotter sollten Sie den Komfort
Ihrer Federung nutzen.
14
15
Geschwindigkeit, Traktion, Komfort –
aber nur mit dem richtigen Setup.
Troubleshooting
Kleine Ursache, große Wirkung – oft ist es nur ein
kleiner Dreh an den Einstellschrauben, der über
Komfort und Traktion Ihres Bikes entscheidet. Hier
die häufigsten Fehlerquellen und ihre Lösungen.
1
Gabel oder Hinterbau
schlägt oft durch
Luft aus der Gabel/Dämpfer. Vorsicht:
Verändern Sie jeweils nur in kleinen
Ursache: Druckstufendämpfung (High- Schritten und immer nur einen Paramespeed-Druckstufendämpfung) zu weich ter. Sonst wissen Sie später nicht mehr,
oder Federhärte zu gering
was die Ursache war.
Erhöhen Sie zunächst die DruckstufenDas Bike fühlt sich
dämpfung (falls Einstellmöglichkeit vorschwam­mig an. Besonders
handen). Wen Ihre Gabel/Dämpfer über
eine einstellbare Highspeed-Druckstu- in Kurven oder auf schnelfendämpfung verfügt, erhöhen Sie diese. len schotterpisten wird das
Müssen Sie die Druckstufe um mehr als fahrwerk nervös
die Hälfte zudrehen, dann ist der Luft- Ursache: Die Zugstufendämpfung ist zu
druck in der Gabel/Dämpfer zu gering. gering eingestellt.
Erhöhen Sie den Luftdruck schrittweise, Experimentieren Sie mit dem Drehrad
bis die Federelemente nicht mehr durch- für die Zugstufendämpfung. Dieses beschlagen und Sie trotzdem den vollen findet sich meist an der Unterseite der
Tauchrohre. Drehen Sie die Dämpfung
Federweg ausnutzen.
schrittweise zu.
3
2
Federung ist zu hart,
das Fahrwerk spricht
schlecht an, wenig Komfort
4
Das Fahrwerk verhärtet sich auf Schotter
und bei schnellen Schlägen,
der komfort wird immer
schlechter
Ursache: ausgeschlagene Rad- oder
Schwingenlager.
Überprüfen Sie das Rad/Schwingenlagerspiel. Drücken Sie das Hinterrad
kräftig seitlich hin und her. So testen
Sie das Lagerspiel. Lager gegebenenfalls
erneuern lassen.
6
Bei sehr leichten Fahrern (Frauen): Das Fahrwerk spricht trotz korrekt
eingestellter Federung und
Dämpfung schlecht an
Ursache: Grundabstimmung der Feder­
elemente und Kinematik des Fahrwerks
passen nicht zusammen
Hier hilft nur ein Eingriff ins Innenleber von Gabel oder Dämpfer. Wenden
Sie sich dazu aber an ein autorisiertes
Servicecenter des jeweiligen Komponentenherstellers. Sowohl Fox als auch Rock
Shox bieten ein individuelles SpezialTuning an.
7
Das Bike wippt beim
Bergauffahren
Ursache: Das Plattform-System oder
die Lowspeed-Druckstufe ist zu weich
eingestellt.
Bei Federelementen mit einstellbarer
Plattform regeln Sie diese in einen härteren Modus. Alternativ können Sie aber
auch die Lowspeed-Druckstufe härter
einstellen.
8
Ursache: Federhärte zu straff eingeBeim Ausfedern hört
stellt, Druckstufendämpfung zu hart.
man ein lautes, metalPlattform-Einstellung zu hart. Gabel/
lisches Geräusch
Hinterbaufunktion durch Schmutz be- Ursache: Die Zugstufendämpfung ist zu Ursache: Die Zugstufe ist zu weich eineinträchtigt.
hart eingestellt.
gestellt. Zu wenig Sag.
Kontrollieren Sie zuerst letzteres: Reinigen Sie die Gabelholme, prüfen Sie die
Hinterbaufunktion durch Demontieren
des Dämpfers. Wenn alles leichtgängig
funktioniert, dann kontrollieren Sie die
Druckstufendämpfung, bzw. die Plattform-Einstellung. Wenn diese bereits
weich eingestellt ist, lassen Sie etwas
Verringern Sie schrittweise die Zugstufandämpfung, bis der Komfort konstant
bleibt, aber das Fahrwerk trotzdem
nicht unruhig wird.
5
In Kurven fühlt sich
das Bike schwammig und
kippelig an
Manche Federelemente haben nur einen
unzureichenden Endanschlag. Meist ist
aber auch eine zu schwache Zugstufendämpfung mit Schuld. Stellen Sie diese
härter ein. Eventuell könnte es auch
sein, dass Sie zu wenig Negativ-Federweg eingestellt haben. Gehen Sie dann
vor, wie auf Seite 10/11 beschrieben.
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Seele and Geist
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