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2.1.3 An – Drücken, Pressen

EinbettenHerunterladen
20
2 Tuina-Techniken
Wirkungen und Therapieziele
• macht Leitbahnen durchgängig und wärmt sie
• eliminiert äußere pathogene Faktoren (Wind, Kälte,
Hitze, Feuchtigkeit)
• löst Verkrampfungen, wirkt schmerzlindernd
• mobilisiert tief liegende Blockaden von Qi und Blut
(Xue)
2
• lockert Sehnen, Bänder und Muskulatur
• verbessert die Gelenkbeweglichkeit, unterstützt die
Gelenkmobilisation
Abb. 2.5 Na am queren Ast des M. trapezius am liegenden Patienten
2.1.3 An – Drücken, Pressen
Video-Clip 2.1.3
An – das Drücken eines Akupunkturpunkts, eines AshiPunkts, auf der Muskulatur oder über Gelenken (Wirbelsäule, Kostovertebralgelenke) – kann mit dem Daumen (›Abb. 2.7), den Fingern (›Abb. 6.20), der
Handwurzel (›Abb. 4.101), der Faust (›Abb. 2.8)
oder dem Ellbogen (›Abb. 4.87) ausgeführt werden.
Durchführung
Abb. 2.6 Na mit zwei Fingern am queren Ast des M. trapezius bei
einem Kind
• Die zu behandelnden Muskeln mit der Hand
(›Abb. 2.5) oder mit den Fingern (›Abb. 2.6)
umgreifen und von der Körperoberfläche abheben.
• Es ist wichtig, sanft und langsam zu beginnen, um
danach z. B. im Nacken das Anheben der Muskeln bis
zu einer Frequenz von 60–80/min und an den Beinen
oder Armen bis zu 100–120/min zu steigern
Die Frequenz (s. Bedienungsanleitung) bedeutet in
diesem Fall das Anheben und Absinkenlassen der
umfassten Muskulatur, ohne den Griff zu lockern.
• Intensiviert werden kann die Greiftechnik durch Halten in gedehnter Position oder durch Schütteln der
Muskulatur.
Praxistipp
Zur Vermeidung von Schwindelanfällen darf die
Frequenz (s. Bedienungsanleitung) im Nacken nicht
zu hoch sein.
Schroll_55042.indb 20
• Akupunktur- oder Ashi-Punkt oder verhärtete Regionen lokalisieren und – je nach anatomischer Struktur
und Größe – mit Fingern, Handwurzel oder Ellenbogen drücken. Der leichte Druck auf die jeweiligen
Strukturen wird langsam gesteigert – der Therapeut
„fühlt sich sozusagen in das Geweben hinein“. Punktuelles Drücken wird auch Dian An genannt.
• Auf großen Muskelpartien an den Beinen und am
Rücken bzw. über der Wirbelsäule wird An am besten unter Ausnutzung des Körpergewichts mit gestreckten Armen und übereinander gelegten Händen
durchgeführt (›Abb. 4.84).
• An lässt sich sehr gut mit Rou – Kneten – kombinieren (›Abb. 4.1, ›Abb. 2.12) und wird in dieser
Form häufig an Akupunkturpunkten oder auf den
Rückenstreckern (›Abb. 4.73) angewendet. Vorsicht ist geboten, da es bei zu starker Manipulation
zu lokalen Gewebsverletzungen kommen kann.
Praxistipp
Ellbogentechniken sind auf jeden Fall mit Vorsicht
anzuwenden, um unnötige Schmerzen und Gewebeverletzungen zu verhindern – je stärker der Ellbogen
gebeugt wird, desto intensiver ist der Druck.
18.02.2013 17:34:14
2.1 Anmo-Techniken – Weichteilmassage
21
2
Abb. 2.7 An mit dem Daumen an Di 4
Abb. 2.9 Sedierendes Mo am oberen Thorax, einhändig
Abb. 2.8 An mit der Faust am dorsalen Oberschenkel
Abb. 2.10 Mo mit zwei Fingern auf einer Kinderhand
Wirkungen und Therapieziele
• reguliert das Qi (entspricht einer Akupressur), wirkt
schmerzlindernd und entspannend
• löst Stagnationen, regt die Blutzirkulation an, macht
Mo wird meist als sedierende Technik ausgeführt, um
an der Oberfläche äußere pathogene Faktoren zu zerstreuen. Eine Ausnahme bildet der Lendenbereich. Hier
ist eine tonisierende Anwendung oftmals indiziert, um
den Funktionskreis Niere zu stützen und zu stärken
(›Abb. 4.72).
Leitbahnen durchgängig
• mobilisiert Gelenke (bei Anwendung über Gelenken
oder der Wirbelsäule), löst Verklebungen
2.1.4 Mo – kreisendes Streichen
Video-Clip 2.1.4
Bei der Technik Mo kreist die flache Hand auf der
Hautoberfläche – mit wenig Druck zügig, sanft und anhaltend. Es sollte zu keiner Verschiebung der Haut gegen das Unterhautgewebe kommen.
Mo wird hauptsächlich mit der flachen Hand
(›Abb. 2.9) ausgeführt. Im Gesicht oder bei Kleinkindern kann die kreisende Bewegung mit dem flach aufgelegten Daumen oder mit zwei Fingern (›Abb. 2.10)
vollzogen werden. Es wird einhändig oder beidhändig
(›Abb. 4.96) angewendet.
Schroll_55042.indb 21
Praxistipp
Bei schwitzenden Patienten bewährt sich Babypuder
als Gleitmittel. Öl würde zu sehr „kleben“ und Reibungswärme entstehen lassen, zusätzlich geht das
Öffnen der Körperoberfläche verloren.
Durchführung
• Flache Hand auf die Hautoberfläche auflegen:
• Als sedierende Technik vom Körperzentrum kreisend nach außen streichen – die Frequenz (s. Bedienungsanleitung) liegt bei ca. 150 U/min. Der Körperkontakt ist sehr geringfügig, es darf keine Reibungswärme zwischen der Haut des Patienten und der
Therapiehand entstehen.
18.02.2013 17:34:15
22
2 Tuina-Techniken
• Zur Tonisierung wird im Lendenbereich langsam
von der Körperseite zur Körpermitte (in Richtung
Du 4) gearbeitet. Das Vorgehen entspricht dem
Schöpfen von Wasser. Tonisierendes Mo wirkt etwas
tiefer im Gewebe als sedierendes Mo.
• Eine harmonisierende Anwendung ergibt sich durch
einen wiederkehrenden Wechsel der Streichrichtung.
•
2
Wirkungen und Therapieziele
•
• harmonisiert den Qi-Fluss, regt die Blutzirkulation
•
•
•
•
•
an der Oberfläche an
zerstreut Wind und Kälte
reguliert das Ying- und Wei-Qi
entspannt Muskeln und Sehnen
wirkt beruhigend auf den Patienten
Varianten: Yun Mo, Yin-Yang Mo
Rolf Rothe1 differenziert folgende Techniken, die bevorzugt am Bauch zur Anwendung kommen.
• Yun Mo: Die kreisende Streichtechnik erfolgt mit
beiden übereinandergelegten Handflächen. Das gesteigerte, tiefere Mo wird hauptsächlich am Bauch
angewendet (›Abb. 4.152).
Wirkungen: Es wirkt Qi bewegend und tonisierend.
• Yin-Yang Mo: Eine Faust umfasst die andere, gemeinsam führen sie mit den Kleinfingerballen die
Kreisbewegung aus. Diese noch tiefer im Bauchgewebe wirkende Technik ist am ehesten mit einer Darmmassage vergleichbar (›Abb. 4.153).
Wirkungen: Sie löst Stagnationen im Darm und fördert die Darmperistaltik.
•
4.118), der Handwurzel (›Abb. 4.73), dem Ellbogen
(›Abb. 2.12) oder dem Fuß (›Abb. 2.39) erfolgen.
Ellenbogen-, Unterarm- und Fußtechniken erfordern
Erfahrung und starkes Einfühlungsvermögen des
Therapeuten. An stark verhärteten Gewebestrukturen
kann zu kräftiger Druck beim Kneten zu Schmerzen
und Verletzungen führen. Zarte oder ältere Patienten
gehen bei diesen eher starken Anwendungen oft in
eine Abwehrspannung.
Akupunktur- oder Ashi-Punkt kreisförmig knetend
behandeln.
Auf größeren Arealen oder einem langen Muskelstrang in kleinen überlappenden Schritten die Position der Hand wechseln. Die Frequenz (s. Bedienungsanleitung) der Knetbewegung ist mit 100–120 U/min
relativ hoch.
Rou kann mit An – Drücken, Pressen – kombiniert
werden, um die Intensität kontinuierlich zu steigern.
Bei tiefen Anwendungen mit hohem Druck (z. B. zum
Auflösen von Myogelosen oder Triggerpunkten) ist
Vorsicht geboten, um Gewebeverletzungen zu vermeiden.
Abb. 2.11 Rou mit dem Daumen an Bl 23
2.1.5 Rou – Kneten
Video-Clip 2.1.5
Rou ist eine auf der Stelle kreisende Knetbewegung, die
auf einem Akupunkturpunkt oder Ashi-Punkt oder auf
einem Muskel angewendet wird. Im Gegensatz dazu
wirkt Mo oberflächlicher und niemals punktuell
(›2.1.4).
Durchführung
• Das Kneten kann mit dem Daumen (›Abb. 2.11),
Abb. 2.12 An Rou mit dem Ellbogen an Gb 30
den Fingern (›Abb. 6.51), dem kleinen (›Abb.
4.13, ›Abb. 4.43) und großen Fischbauch (›Abb.
Schroll_55042.indb 22
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2.1 Anmo-Techniken – Weichteilmassage
Wirkungen und Therapieziele
• verbessert die Gelenkbewegungen, unterstützt Ge-
• wirkt schmerzlindernd, wärmt Leitbahnen, wirkt ab-
• treibt Wind und Kälte aus
23
lenkmobilisation
schwellend und löst Verhärtungen
• treibt Wind und Kälte aus
• regt die Qi- und Blut-Zirkulation an und löst Stagnationen
• reguliert das Qi (entspricht einer Akupressur)
2.1.6 Nie – Pressen
Video-Clip 2.1.6
Nie – das rhythmische Pressen des Bindegewebes oder
der Muskulatur erfolgt mit dem Daumen und zwei bis
vier Fingern.
Durchführung
Nie findet seine Anwendung eher am Bindegewebe, Na
mehr am Muskel. Es erfolgt im Vergleich zu Na kein Anheben und Dehnen der Muskulatur.
• Mit Daumen und Fingern Haut und Bindegewebe
oder ggf. die Muskulatur greifen und zusammenpressen. Auch im Gesicht presst man das Gewebe sanft
und rhythmisch (›Abb. 4.166, ›Abb. 4.167).
• An den Oberschenkeln und Waden wird wellenförmig mit zwei eng einander liegenden Händen gepresst (›Abb. 2.13).
Wirkungen und Therapieziele
• löst Verkrampfungen, wirkt entstauend auf ge-
Varianten: Nie am Rücken und an der
Wirbelsäule nach Rolf Rothe1
• Tonisierendes und hebendes Nie am Rücken:
2
Daumen und abgewinkelter Zeigefinger rollen paravertebral Bindegewebe auf und ziehen diese Hautfalte zügig und parallel zur Körperoberfläche nach kranial. Vom Sakrum beginnend wird in kleinen Schritten aufwärts gearbeitet (›Abb. 4.80).
Wirkungen: Diese Technik bewirkt eine Tonisierung
des Milz- und Nieren-Qi, zudem hebt es das Qi bei
pathologischem Absinken des Qi.
• Absenkendes Nie am Rücken: Beide Hände werden
paravertebral am oberen Thorax aufgelegt. Der Therapeut „krallt“ die Finger, ergreift das Hautgewebe
und zieht es zügig nach kaudal. In Richtung Sakrum
wird diese Technik in kleinen Schritten wiederholt
(›Abb. 4.82).
Wirkungen: Diese Technik senkt aufsteigendes Qi ab,
sie löst Stagnationen und Verklebungen.
• Mobilisierendes Nie an der Wirbelsäule
(›Abb. 2.14): Mit den Daumen und abgewinkelten
Zeigefingern wird auf beiden Seiten der Wirbelsäule
Bindegewebe aufgerollt und diese Hautfalte zügig
senkrecht von der Körperoberfläche abgehoben. Dadurch werden über das Bindegewebe die Facettengelenke der Wirbelkörper mobilisiert.
Wirkungen: Diese Technik macht die Wirbelsäule
durchgängig, mobilisiert Gelenke und löst Verklebungen.
schwollenes Gewebe, aktiviert Leitbahnen
• lockert Sehnen, Bänder und Muskulatur
Abb. 2.14 Mobilisierendes Nie an der LWS
Abb. 2.13 Wellenförmiges Nie mit zwei Händen an der Wade
Schroll_55042.indb 23
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24
2 Tuina-Techniken
CAVE
Diese Technik muss vorsichtig und mit Gefühl ausgeführt werden, um Verletzungen zu vermeiden!
wärme entstehen zu lassen. Die Frequenz (s. Bedienungsanleitung) liegt bei 100–120/min.
CAVE
2.1.7 Ca – Reiben
2
Video-Clip 2.1.7
Bei Ca handelt es sich um ein Reiben mit gleich bleibender Intensität der Vor- und Zurückbewegung. Gearbeitet wird mit der flachen Hand (›Abb. 4.10), dem Daumen (›Abb. 2.15), dem kleinen (›Abb. 4.11) und
großen Fischbauch (›Abb. 4.98) oder den Fingerknöcheln.
Diese Technik eignet sich auch hervorragend, um therapeutische Öle oder Massagecremen in das Gewebe
einzuarbeiten (z. B. wärmende Öle bei Lumbalschmerzen durch Nieren-Yang-Schwäche). Sie kann einhändig
oder beidhändig (›Abb. 4.100) ausgeführt werden. An
Akupunkturpunkten oder Sehnenansätzen wird generell
mit dem Daumen gerieben, bis lokale Wärme entsteht
(entspricht einer Moxabehandlung).
Durchführung
• Die zu wärmende Körperregion, den Akupunkturpunkt oder einen zu behandelnden Muskelstrang
palpieren und untersuchen, um evtl. Hautschäden,
Hautausschläge oder prominente Dornfortsätze als
Kontraindikation auszuschließen.
• Je nach anatomischer Struktur und zu behandelnder
Fläche mit der gewählten Handposition auf der Haut
zügig reiben.
• Anders als bei Tui wird die Rückwärtsbewegung mit
derselben Intensität ausgeführt. Der Druck in das Gewebe sollte genügend hoch sein, um starke Reibungs-
Abb. 2.15 Ca mit dem Daumen an der Dickdarm-Leitbahn im Bereich von Di 10
Schroll_55042.indb 24
Zu starker Druck kann die Haut reizen, röten oder für den
Patienten und Therapeuten unangenehme Hitzeentwicklung
verursachen. Bei Sonnenbrand ist diese Technik kontraindiziert.
Wirkungen und Therapieziele
• wärmt Leitbahnen und Akupunkturpunkte, regt
Netzleitbahnen an
• treibt Wind und Kälte aus
• regt die Qi- und Blut-Zirkulation an, beseitigt lokale
Schwellungen, wirkt schmerzlindernd
• wirkt tonisierend (wie Moxa) und harmonisierend
2.1.8 Gun – Rollen
Video-Clip 2.1.8
Gun wird in China in vier Varianten mit der Hand und
dem Unterarm praktiziert und dient dem großflächigen
und tiefen Behandeln der Muskulatur und des Bindegewebes.
Die Behandlungsdauer ist anhaltend lange, um eine
hohe „Durchgängigkeit“ des Gewebes für Qi und Blut
(Xue) zu erreichen. Gun gehört vorwiegend zu den in
der Tiefe wirkenden Tuina-Techniken.
Durchführung und Varianten
Die Varianten der Grundtechnik werden von Prof. Wu
Zuo Lian, (University of TCM, Sichuan, China) folgendermaßen differenziert2.
• Beim klassischen Ce Gun handelt es sich um ein Rollen der geschlossenen Hand vom Hypothenar über
das 4. und 5. Grundgelenk der Hand bis zum Handrücken und zurück. Die Technik gleicht also einer
vor- und zurückrollenden Faust – als hätten die Finger ein Ei umschlossen. Das Handgelenk vollzieht
während der Vorwärtsbewegung eine Palmarflexion,
damit sich der nötige Vorschub des Handgelenks ergibt. Dabei öffnet sich die Faust tendenziell. Diese
Technik wird mit wenig Kraft, aber anhaltend über
eine längere Zeit durchgeführt, dabei wandert die
rollende Faust entlang der zu behandelnden Körperregion auf und ab (›Abb. 2.16).
18.02.2013 17:34:17
2.1 Anmo-Techniken – Weichteilmassage
Anwendungsbereiche für Ce Gun sind vorwiegend alle großen Muskelgruppen, d. h. der Rücken und der
Nacken, die Schultern und Arme, die Oberschenkel
und das Gesäß. Es bewährt sich jedoch auch im Gesicht, auf den Hand- und Fußflächen. Die größte
Wirkung wird nicht durch den Druck, sondern über
die lange Behandlungsdauer und Gleichmäßigkeit
der Rollbewegung erzielt – Frequenz (s. Bedienungsanleitung) ca. 120–160/min über mehrere Minuten.
In diesem Atlas Tuina wird diese klassische Anwendung des Rollens generell als Gun bezeichnet, da sie
in Europa unter dieser Bezeichnung bekannt ist.
• Zhi Gun ist ein gerades Rollen der Faust über die Fingergrundgelenke durch eine palmare Flexion des
Handgelenks (›Abb. 6.12). Diese Variante von Gun
wird v. a. paravertebral und an den Huato-Jia-JiPunkten angewendet – der Therapeut steht im rechten
Winkel zur Wirbelsäule und rollt auf der abgewandten Seite der Wirbelsäule von medial nach lateral.
CAVE
Ein Rollen über die Wirbelsäule oder Knochenkanten ist
schmerzhaft und muss vermieden werden.
• Xiao Yu Gun hingegen ist ein sanftes Hin- und Herwiegen des kleinen Fischbauchs auf wenig muskulären Körperstellen sozusagen auf Haut und Knochen,
z. B. im Gesicht (›Abb. 4.170). Verwendet man zusätzlich die Finger als Gewicht für schnellere Schwingungen, erinnert das Schlängeln an die Bewegung eines Fisches. Da die Hand gezogen oder geschoben
wird, ist diese Methode nach Rolf Rothe1 auch als
Fischschwanz Tui bekannt (›Abb. 4.70,
›Abb. 6.49).
Abb. 2.16 Klassisches Ce Gun am Rücken, Abfolge in vier Bildern
25
• Bi Yi Gun ist eine Roll- und Schwingtechnik des Unterarmes auf großen Muskeln, wie der Gesäß- oder
Beinmuskulatur (›Abb. 4.99). Hierbei wird das
Muskelgewebe tief gehend geknetet und entkrampft.
Wirkungen und Therapieziele
• wirkt schmerzlindernd, löst Verkrampfungen, regt
2
die Qi- und Blut-Zirkulation an
• bringt tief gehende Lockerung des Gewebes und
durchwärmt das Gewebe
• verbessert die Gelenkbeweglichkeit
2.1.9 Kou Ji – Klopfen, Schlagen
Video-Clip 2.1.9
Kou wird als durchdringendes, „schweres“, langsames
Klopfen definiert, die Wirkung ist eher sedierend und
schleimlösend. Kou dringt z. B. tief in den Thorax
(›Abb. 4.147) oder in die Nebenhöhlen (›Abb. 4.164,
›Abb. 4.165) ein. Auch in tieferen Muskelschichten –
v. a. bei adipösen Patienten – bringt es Feuchtigkeitsund Schleimstagnationen in Bewegung.
Ji hingegen als hochfrequentes, peitschenartiges
Schlagen wirkt belebend, bewegend und tonisierend. Es
eignet sich sehr gut zum Lösen von Qi-Stagnationen und
macht Leitbahnen durchgängig. An Akupunkturpunkten mit dem Rabenschnabel (›Abb. 6.9) ausgeführt,
aktiviert es das Qi. Obwohl Kou Ji meist als gemeinsamer Begriff für die Klopf- und Schlagetechniken verwendet wird, sollten diese beiden Techniken über die
Frequenz (s. Bedienungsanleitung) und Tiefe – wie oben
beschrieben – differenziert werden.
Die Intensität des Kou Ji kann sehr unterschiedlich
sein. Man unterscheidet:
• leicht: durch Bewegungen aus dem Handgelenk
• mittel: durch Bewegungen aus dem Unterarm oder
• stark: durch Bewegungen aus der Schulter
Es ist wichtig, die Intensität an die Konstitution und
Verfassung des Patienten anzupassen sowie die zu behandelnden Strukturen (Muskeln, Bindegewebe) zu berücksichtigen – ein Schlagen auf Knochen und Knochenränder sollte vermieden werden.
Durchführung
Rücken, Gesäß, Arme und Beine sind klassische Anwendungsgebiete, sanfte Variationen werden auch im Gesicht oder auf der Kopfhaut durchgeführt.
Schroll_55042.indb 25
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26
2
2 Tuina-Techniken
Die typischen Handstellungen für Kou Ji sind nach
Rolf Rothe1 differenziert.
• Faustauge – eine Hohlfaust (›Abb. 2.17): Die Kontaktfläche bilden der Kleinfingerballen und der kleine
Finger. Diese Technik entspricht dem Schröpfen –
bei korrekter Ausführung entsteht ein „saugender“
Laut.
• Faustherz – eine geschlossene Faust (›Abb. 4.92):
Die Kontaktfläche bilden die Handwurzel und die
zweiten Glieder der Fingerknochen.
• Rabenschnabel: Die Fingerkuppen werden eng zusammengelegt und bilden einen Schnabel, die Finger
müssen gerade gehalten werden und dürfen beim
Klopfen nicht nachgeben (›Abb. 4.90). Der Kontakt
erfolgt über alle Fingerkuppen.
• Affenhand – abgewinkelte Finger bei gestreckten
Grundgelenken (›Abb. 2.18): Die Kontaktfläche bilden der Handrücken und die dritten Glieder der Fingerknochen, eine Spannung in der Hand ist wichtig.
• Handkante: Die Kontaktfläche bilden die ulnaren Seiten der Kleinfinger. Die Ausführung kann mit beiden
Händen alternierend (›Abb. 4.22) oder gleichzeitig
(›Abb. 4.91) erfolgen. Die Finger sind leicht geöffnet,
sodass ein typischer „schmatzender“ Laut entsteht. Die
Bewegung muss aus den Handgelenken erfolgen und
nicht aus den Unterarmen, da dies vom Patienten als
zu „aggressiv“ empfunden werden könnte.
Wirkungen und Therapieziele
• eliminiert Wind, Kälte und Feuchtigkeit
• macht Leitbahnen durchgängig, beseitigt Qi- und
Blut-Stagnation
• löst Verkrampfungen, mobilisiert Feuchtigkeit und
Schleim
• weicht Vernarbungen auf
2.1.10 Pai – Klatschen
Abb. 2.17 Kou Ji mit dem Faustauge im Nacken
Video-Clip ›2.1.10
Pai – das Klatschen mit der flachen Hand – wird ausschließlich mit der Hohlhand ausgeführt.
Durchführung
• Mit der flachen Hohlhand locker aus dem Handgelenk auf große Körperpartien wie Rücken, Thorax
(›Abb. 2.19), Gesäß, Beine oder Arme klatschen.
• Die Finger sind geschlossen und bilden einen Hohlkörper.
Abb. 2.18 Kou Ji mit der Affenhand an der lateralen Gesäßmuskulatur
Abb. 2.19 Pai mit der Hohlhand am lateraler Thorax
Schroll_55042.indb 26
18.02.2013 17:34:18
2.1 Anmo-Techniken – Weichteilmassage
Wirkungen und Therapieziele
27
ken (›Abb. 2.21) – dabei wird die Vibration über die
Extremität auf die Gelenksflächen übertragen.
• leitet Wind, Kälte und Feuchtigkeit aus
• macht oberflächliche Leitbahnen durchgängig, beseitigt Qi- und Blut-Stagnation
• löst Schleim in den Lungen, lindert Husten
Wirkungen und Therapieziele
• wirkt tonisierend, anregend, bewegt das Qi, aktiviert
die Leitahnen
2.1.11 Zhen – Vibrieren
Video-Clip ›2.1.11
Bei Zhen erzeugt der Therapeut Vibrationen durch eine
Spannung in der eigenen Armmuskulatur. Die so erzeugte Schwingung wird über die flache Hand (›Abb. 4.158)
oder den Schwertfinger auf das Gewebe übertragen.
Durchführung
• löst Verklebungen
2
2.1.12 Ma – Wischen
Video-Clip ›2.1.12
Ma ist eine sehr oberflächliche Wischtechnik der Handwurzel und wird nur auf der Stirn angewendet.
Die Wirkrichtung geht von medial nach lateral, da es
sich um eine ausschließlich sedierende Technik handelt.
• Verwendet wird die flache Hand oder an Akupunkturpunkten der Schwertfinger (›Abb. 2.20): Zeigeund Mittelfinger werden zusammengelegt, der Daumen abgespreizt. Die andere Hand stützt am Sattelgelenk des Daumens und verstärkt den Druck und
die Vibrationen in den Akupunkturpunkt.
• Feine Vibrationen tonisieren, grobe Vibrationen sedieren bzw. lockern das Gewebe und bewegen somit
Qi und Blut (Xue).
• Eingesetzt wird diese Technik hauptsächlich zur Tonisierung von Akupunkturpunkten oder zum Anregen
der Produktion von Synovialflüssigkeit in den Gelen-
Durchführung
• Die Handwurzel wischt „wie ein Hauch“ über die Stirn
(›Abb. 2.22), indem diese eine kreisende Bewegung
Abb. 2.21 Zhen am Hüftgelenke über das gestreckte Bein, Anregen der Synovia-Produktion
Abb. 2.20 Zhen mit dem Schwertfinger an Ren 6
Abb. 2.22 Ma an der Stirn
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18.02.2013 17:34:19
28
2
2 Tuina-Techniken
ausführt und gleichzeitig das Handgelenk nach lateral
flektiert wird. Man könnte diese Wischtechnik am
ehesten mit einer Schleuderbewegung beschreiben.
• Der Kontakt zur Hautoberfläche ist nur angedeutet,
die Frequenz (s. Bedienungsanleitung) der Kreisbewegung ist mit 120–160/min sehr hoch.
• Die wischende Hand wandert von der Stirnmittel zu
Tai Yang und zurück.
Wirkungen und Therapieziele
• öffnet und befreit die Oberfläche
• leitet Wind, Hitze und Kälte aus
• harmonisiert das Wei-Qi
Yao kommt an den Kugelgelenken der Schulter
(›Abb. 2.23, ›Abb. 4.26) und Hüfte (›Abb. 4.130,
›Abb. 4.131, ›Abb. 4.132), den Grundgelenken von
Fingern (›Abb. 4.61) und Zehen, den Kopfgelenken
(›Abb. 2.24) und bedingt auch an Sattelgelenken
(Daumensattelgelenke) oder dem gebeugten Knie
(›Abb. 4.123) zur Anwendung.
Die Anatomie der verschiedenen Gelenke oder auch
eine pathologische Bewegungseinschränkung des Patienten bestimmt das Ausmaß der möglichen Kreisbewegung. Sprung- und Handgelenk (›Abb. 4.53,
›Abb. 4.134) werden ebenfalls mit Yao mobilisiert.
Durchführung
• Proximale Gelenkhälfte mit einer Hand fixieren,
2.2 Tuina-Techniken – manuelle
Therapie
Die Tuina-Techniken (chin.: tui = schieben; na = greifen) integrieren die manipulierenden und mobilisierenden Methoden (Chiropraktik) sowie die Bindegewebstechniken in die Tuina-Therapie. Weitere Formen der
Tuina-Anwendung sind Gu Shang Ke (Traumatologie
und Orthopädie) und Li Liao (Physiotherapie).
Zur optimalen Vorbereitung des umliegenden Gewebes gehen den Gelenksmanipulationen in der TuinaTherapie immer lockernde, wärmende sowie Qi und
Blut (Xue) bewegende Techniken voraus.
Die Tuina-Techniken fanden in der Ming-Dynastie
(14.–17. Jh.) Einzug in die kaiserlichen Medizinschulen
und bilden seither die Grundlage für den Ausdruck Tuina-Therapie. Die Weiterentwicklung dieser manuellen
Techniken und der Traumatologie im Tuina ist nicht
den Medizinschulen, sondern der Volksheilkunde und
den Schulen der chinesischen Kampfkünste (Fan Chaoyang, Hummelsberger, Wislsperger 2006) zu verdanken.
Tuina beinhaltet folgende Techniken: Yao, Dou, Cuo,
Gua, Qia, Nian, Ning, Tan Bo, Yi Zhi Chan, Cai, Ba Shen,
Ban.
während die andere Hand die Kreisbewegung des
distalen Gelenkpartners vollführt.
• Für das Rotieren werden zunächst kleine Radien gewählt, die bis zur maximalen Gelenkbeweglichkeit
bzw. Schmerzgrenze vergrößert werden.
• Es sollte in beide Richtungen therapiert werden.
Abb. 2.23 Yao des Schultergelenks in Rückenlage
2.2.1 Yao – Rotieren
Video-Clip 2.2.1
Yao vollführt eine Kreisbewegung eines Gelenks unter
Traktion. Durch den axialen Zug auf das Gelenk wird ein
Aufdehnen des Gelenkspalts und der Bandstrukturen
erzielt.
Schroll_55042.indb 28
Abb. 2.24 Yao der Kopfgelenke im Sitzen
18.02.2013 17:34:20
2.2 Tuina-Techniken – manuelle Therapie
Wirkungen und Therapieziele
• löst Verklebungen und Stagnationen im Bereich der
Gelenke
• beseitigt Bindegewebe- und Muskelverhärtungen im
Gelenkbereich
• verbessert die Gelenkbeweglichkeit, mobilisiert Gelenke
2.2.2 Dou – Schütteln
Video-Clip 2.2.2
Dou wird in der Tuina-Therapie als Traktionsbehandlung an den Extremitäten und an der Wirbelsäule angewendet.
und das kräftige Klatschen der Extremität auf die
Liege die Gelenke und entsprechende Leitbahnen
aktiviert, z. B. die Blasen-Leitbahn am Bein in Rückenlage.
• Das abwechselnde Schütteln beider Beine kann eingesetzt werden, um die Bandscheiben zu entlasten
und die Wirbelgelenke sanft zu mobilisieren
(›Abb. 2.25).
• Dou ist eine häufig verwendete Abschlusstechnik an
den Extremitäten und bewährt sich v. a. bei ausstrahlenden Schmerzen und einem Taubheitsgefühl in Armen und Beinen.
29
2
Wirkungen und Therapieziele
Durchführung
• macht Gelenke frei und Leitbahnen durchgängig
• wirkt harmonisierend und anregend auf den Qi-Fluss
• lockert Sehnen, Bänder und Muskulatur, wirkt ent-
• Extremität greifen bei gleichzeitiger Fixierung des
• leitet pathogene Faktoren aus
krampfend
Hand- bzw. Fußgelenks (sollten nicht mitmanipuliert
werden). Extremität unter Traktion schütteln durch
Ausnützung des Körpergewichts (›Abb. 4.34,
›Abb. 4.111).
– Schnelle, feine Schüttelbewegungen tonisieren und
aktivieren ein Gelenk, das umliegende Gewebe und
die Leitbahnen (v. a. die TMM).
– Grobe und durchdringende Schüttelbewegungen
wirken sedierend (z. B. zum Ausleiten äußerer pathogener Faktoren).
• Um den Effekt zu steigern, wird während des Schüttelns die Gelenkposition variiert, indem die Extremität stufenweise abduziert und wieder in die Nullstellung gebracht wird.
• An Beinen und Armen werden durch einen abschließenden Impuls (kurzes, impulsartiges Ziehen)
2.2.3 Cuo – Quirlen
Video-Clip 2.2.3
Die Technik Cuo – eine Muskelpartie oder ein Körperteil wird zwischen die Hände genommen und wie eine
Spindel gerollt – erzielt eine intensive Dehnung und Bearbeitung der Muskeln und des Bindegewebes.
Durchführung
Cuo wird mit der flachen Hand (›Abb. 4.119), der
Handwurzel (›Abb. 4.120), dem Tigermaul (›Abb.
2.27) oder dem kleinen Fischbauch (›Abb. 4.20) ausgeführt. Die Technik kann auch an den Kopfgelenken
mobilisierend angewendet werden (›Abb. 4.20).
• Muskel oder Körperpartie zwischen die Hände nehmen und von der Bewegungsrichtung um die eigene
Achse drehen.
• Quirlbewegung an den Extremitäten von proximal
nach distal (›Abb. 2.26) ausführen, um den Qi- und
Blut-Fluss anzuregen. Zur reinen Lockerung der
Muskeln und Sehnen wird auf- und abgearbeitet.
Abb. 2.25 Alternierendes Dou der Beine in Bauchlage
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2 Tuina-Techniken
Praxistipp
Cuo ist ähnlich wie Dou eine typische Abschlusstechnik an den Extremitäten. Beide Anwendungen fördern
stark und anhaltend den Qi- und Blut-Fluss bzw. aktivieren v. a. die TMM. Der Patient hat zum Behandlungsabschluss ein angenehmes Gefühl der Durchgängigkeit für Qi und einer guten Durchblutung.
2
Wirkungen und Therapieziele
• regt die Qi- und Blut-Zirkulation an, wirkt wärmend
• lockert Muskeln, Bänder und Sehnen
• verbessert die Gelenkbeweglichkeit
Variante: LWS-Mobilisation mit Cuo
• Das Tigermaul beidhändig im LWS-Bereich flach
aufsetzen. Die kraniale Hand fixiert den oberen Wirbel, die kaudale Hand schwingt den Lendenbereich
sanft wiegend.
• Beide Hände bewirken das langsame Ausschwingen
des Beckens, wobei jedoch das obere Tigermaul tendenziell den einen Wirbel gegen den nächsten fixiert und das untere Tigermaul vermehr die
Schwingung unterstützt (›Abb. 4.78). Das sanfte
Schwingen des unteren Rumpfes darf nicht
gebremst werden.
• Die beiden Hände rutschen Wirbel für Wirbel nach
kaudal.
2.2.4 Gua – Schaben
Video-Clip 2.2.4
Behandelt mit Gua wird in den Interkostalräumen mit
den Endgliedern der vier Finger oder auf großen Flächen am Rücken oder den Oberschenkeln durch Schaben mit der Tigerkralle.
Durchführung
Diese Technik kann sowohl in Rückenlage
(›Abb. 4.151), im Sitzen als auch in Bauchlage
(›Abb. 2.28) angewendet werden. Wichtig ist es, dem
Abb. 2.26 Cuo mit den flachen Händen an den oberen Extremitäten in Bauchlage
Abb. 2.27 Cuo mit dem Tigermaul an der Wade
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Abb. 2.28 Gua am Thorax in Bauchlage
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