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Lohnunternehmen Ausgabe 11/2010 - Bergmann

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65. Jahrgang · November 2010 · 11
Offizielles Organ der
Lohnunternehmer-Berufsorganisation
Beckmann Verlag
Spezial: Pressen
Lohnunternehmen
Beckmann Verlag
Dienstleistung im ländlichen Raum
In dieser
Ausgabe:
Live dabei in der Strohernte bei LU Eveslage | LU Seipp: Unterwegs
mit der mobilen Strohpelletierung | LU Rubenbauer: Pressenreinigung während der Arbeit
Spezial: Pressen
Live dabei
LWK-Vorführung
Gewässerpflege-Profis
treffen sich in Hausstette
Maisernte 2010
Einsatzerfahrungen mit
der NaWaRo-Maus
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Industrie und Handel
Lohnunternehmen 11 | 2010
Etwa 400 Dung- und Universalstreuer produziert Bergmann pro
Jahr. Bei den Streuern wird die
Wiegeeinrichtung immer öfter verlangt, wie auch eine elektronische
Steuerung der Ausbringmenge,
schildert Bergmann.
Bergmann Maschinenfabrik
StreuKraft
Wer mit Verantwortlichen bei
Bergmann redet, merkt bald für
welche Technik dort das Herz
schlägt und wo die Niedersachsen ihre spezielle Kompetenz
sehen. Umsatzträger Nr. 1 nach
wie vor der Streuer. Aber auch mit
Silierwagen, Häckseltransportwagen und Überladewagen sieht
sich Bergmann gut aufgestellt.
Als ein spannendes Segment
entwickeln sich die LKW mit
Wechselaufbauten.
Frau Dr. Jutta Middendorf-Bergmann ist seit Februar 2008 Geschäftsführerin und Eigentümerin der
Bergmann Maschinenfabrik in der dritten Generation. Rechts neben ihr Franz-Josef Hermes und links
im Bild Viktor Ripke.
Die Krise scheint vorbei, jedenfalls ziehen
die Verkaufszahlen auch bei Bergmann seit April
wieder an. Die Einbrüche bei Silierwagen konnten weitestgehend durch Umsätze beim Streuer
und durch Zuwächse beim Häckseltransportwagen ausgeglichen werden, schildert die
Geschäftführung. „Wer für die Landwirtschaft
Maschinen baut weiß, dass die Kunden oft spät
und kurzfristig bestellen.“ Das sagt Franz-Josef
Hermes. Er leitet bei Bergmann die Produktion
und hatte vor einem Jahr im Betrieb Kurzarbeit
und heute das Problem im Aufschwung die
Lieferzeiten kurz zu halten. „Lohnunternehmer können naturgemäß bei den Lieferzeiten
wenig kompromissbereit sein“, betont er und
zeigt Verständnis, denn auch Lohnunternehmer
müssten von heute auf morgen Häckselaufträge
zu- oder absagen wenn die Biogasanlage mit
einigen hundert Hektar mehr Mais locke. „Wer
statt 200 ha 500 ha Mais für Biogas häckseln
muss braucht schnell Zuwachs im Maschinenpark. Diese Entscheidungen fallen nun mal oft
kurzfristig – auch wenn das für die Hersteller
nicht immer einfach ist. “
Etwas entspannter sei die Situation bei
Streuerverkäufen. Da sieht sich Bergmann gut
aufgestellt – sowohl bei der Streutechnik wie
auch im Rennen um Marktanteile. Wer einen
Streuer kauft zeigt sich geduldiger, jedenfalls
was die Lieferzeiten betrifft. Das gelte auch für
die wachsende Zahl der Lohnunternehmer, die
einen LKW mit Wechselaufbauten für Streuer,
Häckselwagen oder Gülletank kaufen. Das sei
noch eine Nische, aber eine schnell wachsende
und Bergmann sei gut dabei, meint Dr. Jutta
Middendorf-Bergmann, geschäftsführende
Gesellschafterin und Eigentümerin der Maschinenfabrik Bergmann. Wir haben sie und
ihre beiden Manager, Franz-Josef Hermes und
Viktor Ripke gefragt, wo Bergmann mit seinen
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100 Mitarbeitern heute steht und wo der Familienbetrieb hin will.
LU: Bei den Bergmann Produkten hat sich einiges im Laufe der Jahrzehnte verändert. Viele
erinnern sich an den Kartoffelvollernter, den
Bergmann fast 40 Jahre lang gebaut hat und
auch an Kipper für die Landwirtschaft. Beide
Produkte wurden eingestellt. Wegen schlechter
wirtschaftlicher Ergebnisse oder hatte man sich
zuviel vorgenommen?
Dr. Jutta Middendorf-Bergmann: Gegründet
wurde das Unternehmen aus einer Schmiede
heraus im Jahre 1896 vom Großvater meines
verstorbenen Mannes hier im Niedersächsischen Goldenstedt und zwar mit dem Bau von
Dreschmaschinen. Bis zum Jahre 1950 hat das
Unternehmen Bergmann rund 52.000 Dreschmaschinen gebaut. Mit dem Einzug des Mähdreschers war dieses Geschäft vorbei und Anfang
der 50er Jahre wurden dann die ersten Dungstreuer entwickelt und gebaut. Eine Spezialität
war damals der seitlich schwenkbare Greifarm,
mit dem der Dungstreuer beladen werden konnte. Zu dieser Zeit haben wir auch begonnen mit
der Produktion von Kartoffelvollerntern, die
wir nach über 40 Jahren Produktion Anfang
der 90er Jahre eingestellt haben. Es war nötig,
unsere Produktpalette zu straffen und unsere
Kernkompetenz zu stärken. Das waren und sind
die Dungstreuer, Häcksel- und Silierwagen und
Überladewagen.
Franz-Josef Hermes (Leiter Produktion): Die
Produktion der Silier- und Häckselwagen kollidierte mit der Produktion der Kartoffelvollernter. Das war zeitlich nicht zu vernünftigen Konditionen in den Griff zu bekommen.
LU: Ist der Stalldungsteuer heute der Umsatzbringer bei Ihnen im Hause?
Hermes: Ja, mit Abstand. Wir bauen etwa 400
Dung- und Universalstreuer im Jahr.
Nummer 1 sind die Streuer
LU: Welche Tonnage wird verlangt?
Hermes: Das Hauptgeschäft macht heute der
Streuer mit einer Tonnage von 16 bis 20 Tonnen.
Der Trend geht aber eindeutig zu noch höherer
Tonnage und zu dreiachsigen Fahrzeugen, nicht
nur bei den Universalstreuern, sondern auch bei
den Silier- und Häckseltransportwagen.
LU: Wie viel Einheiten bei Silierwagen und Häckseltransportwagen produzieren Sie?
Hermes: Zwischen 220 und 250 Silier- und
Häckseltransportwagen in normalen Jahren.
Der Boom an Dung- bzw. Universalstreuern und
Häckseltransportwagen hält immer noch an.
Diese Fahrzeuge waren vom Absatzrückgang
durch die schlechten Milchpreise nicht so stark
betroffen, wie der Silierwagen.
LU: Bei den Silierwagen geht’s weiter aufwärts
mit der Tonnage?
Viktor Ripke (Berater Industrietechnik): Wir
haben unser Angebot bei den Fahrzeugen bewusst nach oben verschoben und bei den kleineren Fahrzeugen abgespeckt. Daher halten sich
umsatzmäßig die Rückgänge bei den Silierwagen im Rahmen. Wir setzen seit Jahren bereits
auf die größeren Einheiten. Das hat begonnen
mit dem „Shuttle“ vor 8 Jahren. Landwirte mit
Viehwirtschaft gehen immer mehr dazu, über
ihre Viehwirtschaft zu professionalisieren und
die Außenwirtschaft an den Lohnunternehmer
abzugeben. Und der Lohnunternehmer kauft
die leistungsfähigen Wagen.
65 m³ – Grenze der Vernunft?
LU: Häckseltransportwagen, bei Ihnen heißen
die HTW, sind bei Bergmann reine Transportfahrzeuge für Mais und Gras ohne Pick up. In der
Spitze haben Sie den HTW 65 im Angebot mit
65 m³ Fassungsvolumen, dreiachsig mit einem
zul. Gesamtgewicht von 34 Tonnen. Wenn Sie
den mit Mais füllen und davor einen passenden
Schlepper hängen, sind Sie schnell am Limit der
zulässigen Gewichte für die Straßenfahrt.
Ripke: ... das Gros der jetzt verkauften Häckseltransportwagen liegt zwischen 40 und 45 m³.
Aber wir können uns nicht verschließen gegen
einen Trend zu mehr als 40 m³. Wir verkaufen
von diesen großen Fahrzeugen von 45 und 65
m³ etwa 50 Einheiten pro Jahr. Und natürlich
weisen wir die Kunden auf die erlaubten Gesamtgewichte hin.
LU: Welche Fahrwerke werden für diese leistungsfähigen Wagen verlangt?
Hermes: Für diese Fahrzeuge werden hydraulische Fahrwerke verlangt, wobei hier hinsichtlich Achsen, Fahrwerk und Reifen entsprechend
umfangreiche Beratung beim Kunden anfällt.
Die Lohnunternehmer haben schon klare Vorstellungen welche Achsen, Bremsengröße und
Radlagerpaarung sie haben wollen
Franz-Josef Hermes:
„Wir sehen die ADR Achse im
Bereich Radlagerpaarung und
Bremsengröße derzeit beim PreisLeistungsverhältnis vorn.“
LU: Welche Achsen bieten Sie an?
Hermes: BPW und ADR, wobei bei den meisten unserer Wagen die ADR-Achsen verbaut
werden. Wir sehen die ADR Achse im Bereich
Radlagerpaarung und Bremsengröße derzeit
beim Preis-Leistungsverhältnis vorn. Sicherlich bieten wir ein BPW-Achsaggregat optional
an, wenn es vom Kunden gewünscht wird. Die
großen dreiachsigen Wagen sind alle zwangsgelenkt verkauft worden. Wir bieten 2 Varianten an - einmal die Verdrängerlenkung und die
elektrohydraulische Lenkung. Gelenkt sind die
vordere und hintere Achse.
LU: Kaufen Sie das Achsaggregat komplett
ein?
Hermes: Nein, wir kaufen Einzelkomponenten,
wie z. B. Achsen und Fahrwerkzylinder. Das
komplette Achsaggregat ist von uns entwickelt worden und wird nach Angaben unserer
Konstruktion gefertigt. Die Zwangslenkung ist
nach den Vorstellungen unserer Konstruktion
entwickelt worden, die Schnittstelle führen wir
nach Norm 26402 aus.
Wiegeeinrichtungen – wofür?
LU: Wie wichtig sind den Kunden Wiegeeinrichtungen?
Ripke: Bei den Häckseltransportwagen bieten
wir die Wiegeeinrichtung neuerdings auch an,
wird aber selten verlangt. Wir haben aktuell ei-
Wir zeigen Ihnen heute,
wie Sie morgen ernten!
Leistungsfähige Agrarmaschinen für
das Ernten, Reinigen und Verladen von Zuckerrüben
Franz Kleine Vertriebs & Engineering GmbH · Ferdinand-Henze-Str. 6 - 10 · 33154 Salzkotten · Germany · www.franz-kleine.com
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nen Lohnunternehmerkunden, der die Wiegeeinrichtung vom Streuer kennt und jetzt auch
am Häckselwagen bestellt hat. Der Grund: Sein
Häcksler hat Durchsatzmessung und die will er
vergleichen bzw. mit dem Gewicht des Häckselgutes auf dem Häckselwagen kalibrieren.
Anders bei den Universalstreuern. Dort wird
die Wiegeeinrichtung immer öfter verlangt. Zusätzlich wird eine elektronische Steuerung der
Ausbringmenge gefordert. Das hat zu tun mit
der Notwendigkeit der teilflächenspezifischen
Räder sind wieder knapp
LU: Lohnunternehmer klagen mittlerweile häufiger über lange Lieferzeiten besonders bei den
Dung- und Universalstreuern. Haben Sie den
Aufschwung unterschätzt?
Hermes: Anfang März haben wir bemerkt, dass
die Nachfrage anzieht und da war es leider nicht
mehr möglich beispielsweise bei den Achsherstellern ausreichend und schnell Einheiten zu
bekommen. Das führt jetzt in der Tat bei uns zu
dings kein spezieller Aufsatz mehr möglich.
LU: Welche Argumente sprechen für den 30,5
Zoll Reifen?
Ripke: Noch bessere Traglasten und besserer Lauf über den Acker durch den größeren
Durchmesser.
LU: Welche Marken bieten Sie mit dieser Dimension an?
Ripke: Allianz, Michelin, Vredestein.
LU: Die Zugmaschinen werden stärker. Entsprechend häufiger hört man von Getriebe- oder
auch Kettenschäden bei den Wagen. Hören Sie
das auch?
Hermes: Wir haben unsere Getriebe und auch
die Vorschubketten rechtzeitig verstärkt. Früher
haben wir 9 mm Kettenglieder verbaut, heute
liegen wir bei 14 oder 16 mm Kettenglieder.
Viktor Ripke:
„Von einem unserer Lohnunternehmerkunden wissen wir, dass
er mit dem LKW-Streuer in
2,5 Jahren rund 12.800 Fuhren
gefahren hat. In der Spitze hat
er eine Tagesleistung von über
1000 Tonnen erreicht.“
Bergmann verkauft von den großen Fahrzeugen von 45 und 65 m³ etwa 50 Einheiten pro Jahr.
Ausbringung.
LU: Was wird gewogen, Zuladung oder Gesamtgewicht?
Hermes: Wir wiegen jeweils die Zuladung
mittels Wiegestäben zwischen Rahmen und
Aufbau, nicht das Gesamtgewicht des Fahrzeuges.
LU: Stichwort elektronische Steuerung – wie
sieht es bei Bergmann hinsichtlich Komfort bei
der Bedienung der Maschinen aus?
Hermes: Im Jahr 2009 haben wir für unsere
Universalstreuer und Silierwagen neue Bedienkonzepte eingeführt. Hierbei kann die Maschine über ein Bediengerät mit Folientastatur in
Verbindung mit einen übersichtlichem Display
bedient werden. Hintergrundbeleuchtung, Fuhrenzähler, Funktionsabfolgen und die Streumengenregelung sind einige Merkmale dieses Konzeptes, das um das ISOBUS-fähige Bediengerät
CCI200 erweitert werden kann. Das CCI200
Terminal bietet dann zusätzlich die Möglichkeit,
die Maschine per Touchscreen zu bedienen und
es kann mit einen TaskController ausgestattet
werden, der das Bindeglied zwischen Hof-PC,
Universalstreuer und GPS darstellt. Über verschiedene Schnittstellen, z.B. USB, kann dann
eine Applikationskarte im XML-Format vom
Hof-PC an das Terminal übergeben werden, die
positionsabhängig die notwendige Streumenge
an die Steuerung übergibt. Anschließend wird
automatisch dokumentiert welche Menge tatsächlich ausgebracht worden ist.
längeren Lieferzeiten. Wir warten aber nicht nur
auf Achsen, sondern z. B. auch auf Räder. Entsprechend fragen wir heute unsere Kunden zu
erst einmal, nach der Wunschbereifung. Dann
können wir schon etwas mehr über den Liefertermin sagen.
LU: Welche Reifen werden verlangt?
Hermes: Ein Trend geht zum Radialreifen, wegen höherer Geschwindigkeiten und Tragfähigkeit. Bei uns spielt sich die Reifenwahl zwischen
den Marken Allianz, Michelin, Nokian und
Vredestein ab.
Ripke: Aber nicht nur die reine Leistung spielt
eine Rolle. Wir haben Kunden, die ihre Reifenwahl davon abhängig machen, welches Profil
am leisesten auf der Strasse läuft. Das sind
Lohnunternehmer, die sich sehr wohl Gedanken
machen über eine Geräuschbelästigung von Anwohnern während der Erntekampagne.
30,5 Zoll Räder bei speziellen
Fahrwerken
LU: Wie steht es mit der Reifengröße, beispielsweise 30,5 Zoll bei den Häckselwagen?
Ripke: Bei allen hydraulischen Fahrwerken bieten wir den 30,5 Zoll Reifen an. Verlangt wird
diese Reifengröße in der Regel bei den Tridemfahrwerken.
LU: …kostet die größere Reifenhöhe Ladevolumen?
Ripke: Wir kommen aufgrund des hydraulischen
Fahrwerkes mit der 4 m Höhe noch gerade hin.
Laderaum geht nicht verloren. Es ist dann aller-
LU: Leistung heißt aber auch schnellere Abladezeiten. Wo liegen Sie?
Ripke: Beim Häckseltransportwagen erreichen
wir eine Abladegeschwindigkeit von 16, 2 m
pro Minute. Ein HTW 40 (40 m³) mit einem
Brückenmaß von 7,40 m müsste theoretisch in
einer halben Minute leer. In der Praxis klappt
das in 40 Sekunden. Damit liegen wir im Wettbewerb weit vorn.
Verteilgenauigkeit vor Streubreite
LU: Wie breit und genau arbeiten die Streuwerke mittlerweile?
Ripke: Bis 24 m können wir streuen, aber es
kommt darauf an, was gestreut werden soll.
Beim trockenen Kalk ist bei 12 bis 15 m Limit.
Beim feuchten Kompost kann ich bis 24 m streuen. Die Wurfschaufeln und Leitbleche können
entsprechend eingestellt werden. Es können
auch weitere Wurfschaufeln montiert werden.
Wir entwickeln unsere Streuwerke selbst und
lassen sie von der DLG prüfen. Das ist eine unserer Kernkompetenzen.
LU: Worauf liegt der Entwicklungsfokus auf
mehr als 24 m Streubreite oder auf bessere
Verteilgenauigkeit?
Hermes: Die Aufgabenstellung ist ganz klar
nicht die Breite zu erhöhen, sondern die Verteilung zu verbessern. Da haben wir gewisse Ideen,
die wir Ihnen aber jetzt noch nicht verraten können. Auf jeden Fall ist das nicht nur mit Veränderungen am Streuwerk getan, sondern immer in
Verbindung mit verschiedenen Regeltechniken
im Zusammenspiel mit GPS.
Das Gespräch führte Hans-Günter Dörpmund,
Redaktion Lohnunternehmen
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Seele and Geist
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