close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Höchste Zeit, zu retten, was zu retten ist

EinbettenHerunterladen
Hintergrund
Kunden- und Lieferantenbeziehungen 2000
Höchste Zeit, zu retten,
was zu retten ist
Autor: Detlef Blancke, Düsseldorf
D
as neue Jahrtausend beginnt mit vielen Überraschungen. Was einerseits mit Spannung erwartet wird, kann andererseits alle Erwartungen übertreffen. Denn wenn
der Neujahrstag anbricht, dann geht der Krach erst so richtig los, und das liegt nicht
nur am Neujahrsfeuerwerk.
In einer aktuellen Studie zum weltweiten Status der Kalenderjahr-2000-Vorbereitungen hat die Gartner Group, London, 15 000 Unternehmen in 87 Ländern
über ihre Methoden, Strategien, Kostenschätzungen und Pläne für den Jahrtausendwechsel befragt. Laut Gartner haben
sich 23 Prozent aller Unternehmen noch
nicht damit beschäftigt, welche Schlagkraft
die Datumsumstellung auf sie und ihre Zulieferer und Kunden haben wird. Über 80
Prozent dieser Unternehmen gehören zum
Mittelstand. „Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland sehen nicht, welch
große Schäden das Jahr-2000-Problem anrichten kann“, resümiert Andy Kyte,
Marktbeobachter der Gartner Group.
Für Unternehmen, die noch nicht
begonnen haben, das Kalenderjahr-2000Problem zu bewältigen, ist ein geregelter
Übergang in das neue Jahrtausend aus heutiger Sicht nicht mehr möglich. Neben
scheinbar unvermeidbaren Konkursen ist
eine Welle von Schadensersatzansprüchen
und Rechtsverfolgungen zu erwarten. Die
dadurch entstehenden Kosten, wenn auch
nur geschätzt, sind so gigantisch und
schwindelerregend, daß man sie nicht weiter kommentieren muß.
Geschätzte Kalenderjahr-2000-Kosten
Man geht davon aus, daß durch das
Kalenderjahr-2000-Problem weltweit gigantische Kosten entstehen werden: Umstellungskosten zirka eine Milliarde USDollar, Schadensersatzansprüche zirka eine
Milliarde US-Dollar, Rechtsverfolgungskosten zirka 1,2 Milliarden US-Dollar.
Schwachstellen in der Wertschöpfungskette gefährden das Wirtschaftssy8
stem als Ganzes. Dabei nützt es wenig, sich
auf die Schwachstellen der anderen zu berufen. Ein Unternehmen, das durch das
Kalenderjahr-2000-Problem im Konkurs
endet, zieht zwangsläufig andere mit in den
Ruin, die wiederum andere in den Bankrott treiben. Es ist höchste Zeit, die Initiative zu ergreifen und das scheinbar Unvermeidliche zu vermeiden und zu retten, was
zu retten ist. Wenn es nicht gelingt, die Kalenderjahr-2000-Festigkeit für alle, die am
Wirtschaftsleben teilnehmen, sicherzustellen, dann dürfte es mit der Wirtschaft im
Jahr 2000 nicht mehr weit her sein.
Daher müssen alle Bemühungen auf
die Förderung und Unterstützung der Jahr2000-Festigkeit von Industrie, Wirtschaft
und Verwaltung ausgerichtet sein. Hier
sind Politik, Wirtschaft, Verbände, Banken, Versicherungen usw. gleichsam gefordert, sich aktiv zu engagieren und sich zu
dem „Kalenderjahr-2000-Problem in der
Informations- und Kommunikationstechnik“ zu bekennen, um das Schlimmste zu
vermeiden.
Schwachstellen liegen
bei den anderen . . .
Was hilft es, wenn die eigenen Geschäftsprozesse KJ-2000-fest sind, der Lieferant aber nicht liefern kann, weil seine
Produktion zusammengebrochen ist? Wem
nützt es, wenn ein Steuerungsprogramm
KJ-2000-fest ist, die zu steuernde Anlage,
die von einem Lieferanten geliefert wurde,
aber nicht? Welche Maßnahmen sollte man
daher ergreifen, um die Wertschöpfungskette seiner Kunden-/Lieferantenbeziehungen zu erhalten? Die meisten Unternehmen befinden sich sowohl in der Rolle des
Kunden als auch in der des Lieferanten.
Die nachfolgenden Punkte können daher
für beide Kategorien entsprechend zutreffen.
Assessment der Kunden-/
Lieferantenbeziehungen
In einem Assessment der Kunden-/
Lieferantenbeziehungen ist eine Bestandsaufnahme sämtlicher Kunden und Lieferanten durchzuführen und diese entsprechend der Bedeutung für das eigene Unternehmen zu klassifizieren.
• Betrachtung der Lieferverflechtung der
Kunden und Lieferanten
• Welche
Unternehmensabläufe/Geschäftsprozesse haben Schnittstellen zu
welchen Kunden/Lieferanten?
• Welche dieser Abläufe kann das eigene
Unternehmen für wie lange ohne EDV
beziehungsweise Informationstechnik
aufrechterhalten?
• Durchführung einer ABC-Analyse der
Kunden/Lieferanten
• Klassifizierung nach Wichtigkeit für das
eigene Unternehmen
• Klassifizierung nach Risiko für die eigene
Lieferfähigkeit
• Erstellung eines Risiko-Portfolios
• Welche Kunden können für wie lange
ohne Produkte/Dienstleistungen des Unternehmens auskommen, ohne daß die
Geschäftsbeziehung darunter leidet?
• Welche Kunden müssen für wie lange mit
Lagerbeständen versorgt werden, wenn
die eigene Produktion ausgefallen ist?
• Welche Lieferanten sind an dieser Wertschöpfungskette beteiligt?
• Welche dieser Lieferanten sind KJ-2000fest?
• Welche Alternativ-Lieferanten müssen
aufgebaut werden?
• Welche Lagerbestände/Ressourcen müssen eingeplant werden?
• Was kostet das eigene Unternehmen der
Ausfall der Produktion pro Stunde/
Kunde/Auftrag?
Thema Wirtschaft 9/99
Hintergrund
• Wie wirkt sich das auf die Liquiditätsplanung aus?
• Das Gespräch mit dem Partnern suchen
• Prüfen, welche Kunden/Lieferanten für
das eigene Unternehmen essentiell sind,
und spezielle Vorkehrungen/Vereinbarungen treffen, zum Beispiel Lieferung
noch in 1999 oder im 2. Quartal 2000,
Absicherung der gemeinsamen Logistikkette, Vereinbarung über gemeinsames Vorgehen treffen, Maßnahmenkatalog gemeinsam erstellen.
• Informationsmanagement
• Welche Informationen will man welchem
Kunden/Lieferanten über getroffene vorsorgliche Maßnahmen zu welchen Zeitpunkten mitteilen?
• Wie sind Fragebögen von Kunden/
Banken/Versicherungen zu beantworten?
• Betrachtung der bestehenden Verträge
• Welche Vertragsformen gibt es, zum Beispiel Kauf-, Miet-, Wartungsverträge
usw.?
Thema Wirtschaft 9/99
• Welche Risiken bestehen hinsichtlich
Produkt- und Lieferfähigkeit?
• Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das eigene Unternehmen?
• Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen
• Wie kann man einen Streit außergerichtlich beilegen, wenn scheinbar nichts
mehr geht, alle Maßnahmen vergeblich
sind und keine Einigung in Sicht ist?
Schlichten besser
als richten
„Schlichten ist besser als richten“ –
dieses Motto von Dr. Michael Bartsch,
Vorstand der Deutschen Gesellschaft für
Recht und Informatik (DEGRI), sollte immer da zur Anwendung kommen, wo
scheinbar keine Einigung zwischen Kunde
und Lieferant erzielt werden kann und die
Fronten verhärtet sind. Wer weitere
unnötige Kosten und Reibungsverluste
vermeiden möchte, sollte sich an ein
Schlichtungsteam wenden. Schlichtungsteams, die sich aus einem Juristen und einem Sachverständigen zusammensetzen,
versuchen pragmatische Lösungen zu finden, die auch ohne gerichtliche Auseinandersetzung für beide Parteien akzeptabel
sind.
Weitere Informationen zum Thema
Kunden- und Lieferantenbeziehungen
und anderen Kalenderjahr-2000-Themen können direkt per Telefax bei SOS
2000, Das Deutsche Bündnis für das
Kalenderjahr-2000 in der Informations- und Kommunikationstechnologie,
Hansaallee 2, 40547 Düsseldorf, unter
der Nummer 02 11/5 59 74 10 abgerufen werden (Faxgerät auf „Abruf“ oder
„Polling“ stellen).
9
Document
Kategorie
Internet
Seitenansichten
1
Dateigröße
21 KB
Tags
1/--Seiten
melden