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Gott hat uns in Christus angenommen 3. Sonntag im - Felsisa

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Gott hat uns in Christus angenommen
3. Sonntag im Advent
Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir
durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld
und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander,
Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit einem Mund Gott lobt, den Vater
unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch
angenommen hat zu Gottes Lob. Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden
geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu
bestätigen, die den Vätern gegeben sind; die Heiden aber sollen Gott loben um
der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): "Darum will ich
dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen". Und wiederum heißt es
(5.Mose 32,42): "Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!" Und wiederum (Psalm
117): "Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker!" Und wiederum
spricht Jesaja (11,10): "Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird
aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen."
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben,
dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes.
Römer 15, 4-13
Wir hoffen auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit. Diese
Hoffnung ist das entscheidende Kennzeichen von uns Christen, denn ohne sie wäre
unser Glaube ohne Sinn und leer. Was wir als Christen tun und lassen in unserem
Leben, ist von dieser Zukunft her bestimmt - oder sollte es zumindest sein. Denn wie
ernst oder nicht wir es mit dieser Hoffnung nehmen, sollte sich ganz deutlich in unserem
Leben auswirken. Und umgekehrt sollte unser Leben ein Spiegelbild dieser Hoffnung
sein.
Nun sagt ein Sprichwort: "Hoffen und Harren hält Manchen zum Narren" und meint
damit, dass viele Hoffnungen sich nie erfüllen, und die Menschen, die sich vergebliche
Hoffnungen gemacht haben, dann wie Narren dastehen und sich den Spott der anderen
Menschen gefallen lassen müssen.
Wie steht es mit unserer christlichen Hoffnung? Wird sie sich erfüllen oder werden wir
zum Schluss auch enttäuscht werden und wie Narren, wie Dummköpfe dastehen, die
ihre Zeit, ihr Geld und ihre Arbeit lieber für interessantere Dinge hätten gebrauchen
sollen als zum Aufbau und zur Erhaltung der Kirche?
Diese Frage hat die Christenheit immer wieder angefochten; man könnte sogar sagen,
zu Recht. Es ist ja so wenig, ja eigentlich gar nichts von dieser Herrlichkeit zu merken,
die mit dem Kommen des Herrn Christus anbrechen soll. Wenn wir doch wenigstens
manchmal ein wenig davon sehen könnten, dann wollten wir gern hoffen und aushalten
in dieser Hoffnung. So aber gleichen wir Menschen, die vor einem geschlossenen
Vorhang sitzen und nicht sicher sind, ob der Vorhang sich tatsächlich öffnen wird, um
das freizugeben, was wir uns erhoffen.
Nein, solchen Menschen gleichen wir nicht, sagt der Apostel Paulus. Er weiß zwar
auch, dass wir noch nicht in der Zeit leben, in der wir das Reich Gottes sehen, sondern
erst in der Zeit des Glaubens und deshalb noch keine "Beweise" mit unseren Sinnen
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wahrnehmen können. Aber zugleich weist er darauf hin, dass unsere Hoffnung nicht
unsicher ist wie die Hoffnung auf einen Gewinn bei einem Glücksspiel, sondern dass
sie feste Hoffnung ist, auf die wir uns ganz und gar verlassen können. Sie wird nicht
ausbleiben, sondern ganz bestimmt eintreffen. Sie wird uns nicht zuschanden werden
lassen, sondern uns an das Ziel aller unserer Wünsche und Vorstellungen bringen: Zu
einer Seligkeit, wie wir sie nicht beschreiben und uns jetzt noch nicht vorstellen können,
eben zu der Herrlichkeit, gegenüber der alle Herrlichkeit dieser Welt nur Staub und
Asche ist.
Der Grund dieser Hoffnung, so sagt uns Paulus, ist die heilige Schrift, d.h. das Wort und
die Zusagen und Verheißungen Gottes. "Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur
Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und Trost der Schrift, Hoffnung haben",
schreibt Paulus. Die Bibel zeigt uns viele Menschen als Vorbilder und Beispiele im
Glauben, die ihr Vertrauen auf Gott in schweren und schwersten Zeiten bewährt haben.
Dadurch hilft uns die Schrift zur Geduld und richtet uns auf.
Die eigentliche Hoffnung aber stärkt sie durch das, was sie von dem Herrn Jesus
Christus sagt. Schon das Alte Testament spricht von ihm, sagt Paulus, und belegt das
mit einem Wort aus Jesaja 11: "Es wird kommen der Wurzelspross aus dem Haus Isai...
Auf ihn werden die Völker hoffen." Genau das ist geschehen. Gott hat die
Verheißungen, die er seinem Volk gegeben hat, in Jesus Christus erfüllt. Und Völker
haben auf den Herrn Christus gehofft und sind nicht enttäuscht worden. Und Völker
hoffen noch heute auf ihn.
Was der Apostel vom Alten Testament sagt, gilt noch mehr für das Neue Testament.
Sein ganzer Inhalt soll und kann uns trösten und mit Hoffnung auf die Ewigkeit erfüllen.
Denn darin wird deutlich, dass Gott die im Alten Testament zugesagten Verheißungen
in Jesus Christus erfüllt hat. Darin zeigt sich, wie treu Gott ist in der Erfüllung seiner
Verheißungen. Darum können wir uns auch weiterhin auf seine Treue verlassen. Er wird
auch die Verheißungen, die noch ausstehen, wahr machen. Die Menschen des Alten
Testaments mussten Jahrhunderte warten, bis die vielen Verheißungen auf den
Messias sich erfüllten. Uns zeigt die Bibel, dass die christliche Hoffnung nicht
zuschanden werden läßt, denn kann es etwas Gewisseres geben als das, was der Herr
Christus uns selber verheißen hat?
So spannt sich in der Bibel ein gewaltiger Bogen der Hoffnung und damit des Glaubens
von Abraham bis hin zur Offenbarung von Johannes.
---------Diese feste Hoffnung hat auch eine Wirkung unter uns. Paulus schreibt: "Der Gott aber
der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid untereinander
nach Jesus Christus, auf dass ihr einmütig mit einem Munde lobt Gott."
Dieses einmütige Loben Gottes ist für den Apostel der Anlass gewesen für das, was er
der Gemeinde zu Rom geschrieben hat. Dort war es zwischen den sogenannten
"Starken" und "Schwachen" im Glauben zu Spannungen gekommen über die Frage, ob
man Fleisch essen durfte oder nicht, und ob man bestimmte Speisen essen durfte oder
nicht.
Paulus hat dazu darauf hingewiesen, dass Einheit in der Gemeinde nicht unbedingt
auch Einheitlichkeit bedeuten muss, und dass es in der Gemeinde eine Vielfalt der
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verschiedenen Gaben gibt. Und Paulus hat nicht die Anweisung gegeben, dass die
"Schwachen" ihre Haltung aufgeben und "Starke" werden müßten, aber auch nicht,
dass das Umgekehrte geschieht.
Dabei hat er sich nicht auf die Toleranz berufen, die auch Andersdenkende und lebende respektiert, sondern er hat vom Evangelium und damit von dem Herrn Christus
her argumentiert. Für die rechte Haltung zueinander ist der Herr Christus nicht nur ein
Vorbild, sondern zugleich auch die Ursache: Er hat die Glieder der Gemeinde alle
angenommen. Auf seiner gnädigen Annahme beruht unser Christenstand. Wir leben
vom Angenommensein. Deshalb sollen auch wir im gegenseitigen Annehmen leben.
Der Herr Christus stand noch vor einem größeren Gegensatz als dem von Fleischessern
und Vegetariern, nämlich dem vom Juden und Heiden. Diesen Gegensatz hat er
dadurch aufgehoben, indem er sich an beide dienend hingab und sie in seine Gemeinde
rief. Wurde dieser größere Gegensatz durch Christi Liebe überbrückt, wie viel eher
muss es uns Christen möglich sein, über bestimmte Unterschiede im Glaubensleben
hinweg die Gemeinschaft zu halten.
Vieles kann Platz in der Gemeinde haben. Und eine Weltoffenheit oder eine
Enthaltsamkeit in manchen Dingen, sofern sie aus dem Glauben kommen, können
nebeneinander bestehen, weil wir nicht von dem leben, was wir sind und tun, sondern
von dem, was der Herr Christus ist und tut. Der Glaube glaubt nicht an sich selbst,
sondern an den Herrn Christus. Hat er uns angenommen, dann hat der eine vor dem
anderen nichts mehr voraus, und keiner darf von seiner Weise des Christseins sagen,
sie sei besser als die des anderen.
Wenn es schon einen Unterschied zwischen "starken" und "schwachen" Christen gibt,
so darf das keinesfalls zu Trennung und Absonderung führen, sondern nur dazu, dass
man bereit ist, die Schwächen der anderen zu tragen. Nicht im Gefühl der
Überlegenheit, sondern in dem Wissen, dass der Herr Christus lauter solche Menschen
angenommen hat, die es nicht wert sind.
Mit alledem macht Paulus uns klar, dass die Hoffnung auf Christus ihre Auswirkung hat
in dem gemeinsamen Gotteslob, z.B. hier und heute im Gottesdienst, und dass wir
hierin auch etwas verspüren von der Kraft dieser Hoffnung, durch die Gott uns fähig
macht zu solch einem Lob.
-------Außer vom Grund und der Wirkung der christlichen Hoffnung redet Paulus auch noch
von der Gewissheit dieser Hoffnung. Dabei weist er auf den Advent, d.h. auf die
Ankunft des Herrn Christus in diese Welt. Das Kommen des Sohnes Gottes ins Fleisch,
d.h. die Menschwerdung Gottes zu Weihnachten, macht zwei Dinge deutlich:
Einmal beweist sie die Treue Gottes, weil Gott damit die Verheißungen bestätigt hat,
die er schon vor langer Zeit den Vätern gegeben hatte. Mit der Sendung seines Sohnes
in diese Welt hat Gott seine Wahrhaftigkeit gezeigt, indem er damit alle Prophezeiungen
erfüllt hat. Gott hatte sich an sein Wort gebunden und es mit der Menschwerdung
seines Sohnes erfüllt. Das beweist, dass Gott treu ist - und es auch in Zukunft bleiben
wird.
Ja, das Kommen des Herrn Christus beweist noch mehr, nämlich dass Gott nicht nur
treu, sondern auch barmherzig ist. Das zeigt sich an seinem Verhalten gegenüber den
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Heiden, das heißt gegenüber den Menschen, die nicht zu seinem auserwählten Volk der
Juden gehören. Den Heiden hatte er keine Verheißungen gegeben, ihnen gegenüber
hatte er sich nicht gebunden. Sie konnten sie nicht auf frühere Versprechungen Gottes
berufen wie die Israeliten. Wenn er aber auch ihnen das Evangelium verkündigen läßt,
dann ist das ein klarer Ausdruck der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.
Wer diese Barmherzigkeit erkennt, das heißt die unverdiente Gnade Gottes, der will,
dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Sünde und zur
Annahme des Evangeliums kommen; der gewinnt daraus die Gewissheit, dass Gottes
Erlösung auch für ihn gilt, und der kann nicht anders, als Gott dafür zu loben und zu
danken.
Weil der Herr Christus auch für die Heiden und damit für alle Menschen das Heil
gebracht hat, und weil auf ihn die Heiden hoffen, darum liegt alles daran, dass diese
Hoffnung bleibt und stark wird. Darum schließt Paulus den Abschnitt mit dem
Segenswunsch, den wir auch für uns erbitten: ‘Der Gott, der Hoffnung geben und
erfüllen kann, helfe unserer Gemeinde durch seinen heiligen Geist zu starker, reicher
Hoffnung.’ Hoffnung aber lebt letztlich aus dem Glauben, aus der Freude und dem
Frieden, die der Glaube mit sich bringt. So wolle Gott uns auch diese Voraussetzung
der lebendigen Hoffnung schenken! Amen
Herr, unser Gott, wir danken dir für deine Treue. Lass uns im gläubigen Vertrauen bis
ans Ende bei dir bleiben. Amen.
Peter Ahlers
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Seele and Geist
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