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"Endlich mal vorher wissen, was in der Zeitung steht"

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© Schwäbische Post 29.01.2007
GÄSTE GESTALTEN DIE SCHWÄPO / Die Aalener Gemeinderäte haben
parteiübergreifend, mit bester Laune und (fast) ohne Frotzeleien gearbeitet
"Endlich mal vorher wissen, was in der
Zeitung steht"
Norbert Rehm als Sekretär von Professor Friedrich Klein, Albrecht Schmid als scharfzüngiger
Leitartikler und Uschi Barth als Spionin: So ging es gestern in der Schwäpo-Redaktion zu.
Am Ende kam eine meinungsfreudige Ausgabe heraus, und die Stimmung war
fraktionsübergreifend professionell heiter.
VON RAFAEL BINKOWSKI
•
Gute Laune in der Gemeinderats-Redaktion: Norbert Rehm (rechts) arbeitet mit
Redakteur Rafael Binkowski am Leitartikel, während Uschi Barth und Ute Hommel
im Hintergrund am Spion basteln.
Der "Chef vom Dienst" Manfred Moll (vorne rechts) diskutiert mit der Redaktion.
Von links Rainer Wiese, Anja Rettenmaier, Ulrike Schneider, Albrecht Schmid,
Rafael Binkowski, Uschi Barth, Norbert Rehm, Friedrich Klein, Ute Hommel und
Sascha Kurz.
Eine Redaktionskonferenz so bunt wie eine Gemeinderatssitzung. Da frotzelt der SPDVormann Albrecht Schmid über die Länge der Haushaltsreden und schaut augenzwinkernd zu
Norbert Rehm. Dieser wird auch von Uschi Barth ermahnt: "Du bist hier nur die kleinste
Fraktion, vergiss das nicht." Aber anders als in mancher Ratssitzung bleiben kleine ironische
Seitenhiebe das Maximum an Konfrontation.
Ansonsten haben sich die fünf Räte schnell zu einem effektiven und gutgelaunten Kollektiv
zugeschweißt. Gut vorbereitet präsentiert jeder Neu-Redakteur seine Themen: Ute Hommel
hat eine Schulklasse und einen Geburtsvorbereitungskurs besucht, um über Babyboom und
Kinderwunsch zu schreiben. Norbert Rehm hat hochrangige Ostalb-Politiker angeschrieben,
um deren Meinungen zum Oberzentrum einzusammeln. Und Albrecht Schmid bereitet sich
auf einen Kommentar über die "Verantwortung der Presse" vor. "Jetzt sage ich euch mal die
Meinung", meint der lebensfrohe Sozialdemokrat. "Das wird aber gegengelesen", wirft Dr.
Rainer Wiese ein, sonst Chefredakteur, heute nur Assistent der kommunalpolitisch versierten
Interims-Redakteure.
Dann geht es ans Werk. Weil Prof. Friedrich Klein mit der PC-Tastatur nicht so firm ist,
springt Norbert Rehm als Sekretär ein und tippt fröhlich die professoralen Zeilen über
europäische Umweltpolitik. "Ich kann alles", meint Rehm, der nebenher versucht, den
abgesprungenen Schubartpreis-Juror Jochen Hieber zu erreichen und an einer Glosse bastelt.
Dynamisch und effektiv auf vielen Baustellen: So sieht Rehm auch sonst gerne seine Rolle.
Friedrich Klein setzt dagegen auf seine wortreiche Fachkompetenz, will für sein sperriges,
aber wichtiges Thema nur wenig Platz und merkt selbstkritisch an: "Das muss ja auch alles
von den Lesern gelesen werden." Uschi Barth sucht unterdessen nach einem Radiergummi
und der passenden Formulierung für ihren Kommentar.
"Du schreibsch aber scho, dass Aalen Oberzentrum werden soll", fragt Norbert Rehm vom
Nebentisch. Parteifreundin Uschi Barth lässt sich nicht reinschwätzen: "Du schreibsch deinen
Artikel, ich meinen Kommentar. Basta." Und so wird ihre schriftliche Meinungsäußerung
deutlich diplomatischer. "Was anderes würde man mir sowieso nicht glauben", meint die
Regionalrätin.
Und was macht die organisierte Arbeiterbewegung? Gründlich und fundiert schreibt Ute
Hommel (SPD) ihre lesenswerte Geschichte. "Ich will erklären, warum fast alle Jugendlichen
Kinder wollen, mit 30 aber noch kinderlos sind", sagt sie. Und bekommt plötzlich Lust auf
einen Kommentar. An einem solchen bastelt auch Albrecht Schmid, der ein deutliches Wort
zur kommunalpolitischen Berichterstattung der Schwäpo findet. "Jetzt teste ich mal euer
Demokratieverständnis", strahlt er.
Ute Hommel versucht sich später als Erfasserin der Barth'schen Spion-Beiträge. Denn auch
die CDU-Rätin ist die Schreibmaschine lieber als der PC. Die schwäbischen Verse verlangen
von Ute Hommel allerhand ab: "Dabei bricht man sich ja die Finger."
Schließlich trifft man sich um 17 Uhr zur Blattabnahme. Manfred Moll, der geduldige "Chef
vom Dienst" präsentiert die Ergebnisse der sichtlich zufriedenen Räte. Die freuen sich auf den
nächsten Tag: "Endlich wissen wir einmal vorher, was über uns in der Zeitung steht".
© Schwäbische Post 29.01.2007
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Seele and Geist
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