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Informationen zum Thema: Kollegiale Beratung Was ist kollegiale

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Informationen zum Thema: Kollegiale Beratung
Was ist kollegiale Beratung ?
Herkömmliche Beratungsformen bauen auf ein klassisches Gegenüber von Berater und „Ratsuchendem“ auf.
Der Berater ist dann meist ein professionell qualifizierter wie z.B. ein Supervisor oder Unternehmensberater. Das
„Kollegiale“ bedeutet nun wörtlich, dass Kollegen sich untereinander beraten – ohne den Beratungsprofi
hinzuzuziehen. Dies braucht die Vereinbarung und Beachtung einiger Bedingungen, eine Klärung der
Arbeitsweisen und –inhalte sowie evtl. eine professionelle Einführung durch externe Hilfe.
KB ist eine regelmässige, strukturierte Reflexion des beruflichen Handelns in einer Gruppe von KollegInnen
derselben oder verschiedener Einrichtungen. Sie sollte in einer stabilen Gruppe 1-2 x monatlich über mindestens
1 Jahr stattfinden.
Sie kann auch regelmäßige Arbeitsform von Teams sein, um z.B. schwierige Arbeitssituationen im Blick auf
Kunden/Patienten/Bewohner... kritisch reflektieren zu können.
Gegenstand der Beratung können berufliche Fragen und Probleme der Mitglieder sein. KB braucht und fördert
die Selbstorganisation, ist allerdings dabei auf klare Vereinbarungen mit den jeweiligen Entscheidungsträgern
angewiesen.
Wem nützt Kollegiale Beratung ?
Für die TeilnehmerInnen kann der Nutzen z. B. sein:
• persönliche Entlastung und Klärung
• Weiterentwicklung der beruflichen Handlungskompetenzen
• Stärkung der kommunikativen und kooperativen Kompetenzen, ...
Daraus entsteht auch ein Nutzen für die Kunden.
Ebenso hat der Arbeitgeber davon den Nutzen, dass MitarbeiterInnen sich mit den Prozessen in ihrer Arbeit
auseinandersetzen und sich entwickeln.
KB ist nicht geeignet, um Konflikte und Probleme zu bearbeiten, die entweder innerhalb der Gruppe selbst
vorhanden sind oder die die Organisation als ganze betreffen, in der die KB stattfindet, weil dazu die KB-Gruppe
meist keinen Auftrag hat bzw. überfordert ist.
Hier sollten externe Supervisoren oder Organisationsberater hinzugezogen werden.
Was braucht Kollegiale Beratung ?
• Professionelle Einführung in die Arbeitsweisen und Bedingungen durch qualifizierte Berater / Trainer
(Empfehlung)
• 4 – 8 interessierte und motivierte TeilnehmerInnen
• klare und verbindliche Verträge über die gemeinsame Arbeit und deren Rahmenbedingungen
• klare und verbindliche Verträge mit Vorgesetzten, z. B. über Freistellung, Räume, Zeit, Schweigepflicht,
Einbindung in Konzepte des Hauses zur Personalentwicklung,...
• Gelegentliche externe Begleitung durch einen Supervisor zur Überprüfung und
Reflexion der KB-Arbeit und / oder zur
beratenden Begleitung z. B. in Konfliktsituationen in der Gruppe bzw.der Institution.
Wie läßt sich kollegiale Beratung initiieren?
Hier möchte ich einige Beispiele anführen, die Wege aufzeigen, wie Menschen KB in Gang gebracht haben und
für sich nutzen:
Eine Gruppe von TeilnehmerInnen einer Fort- oder Weiterbildung verabredet sich nach Abschluß der
Maßnahme zu regelmäßigen, strukturieren Arbeitstreffen. Sie sind eine KB-Gruppe mit TeilnehmerInnen aus
verschiedenen Arbeitsbereichen bzw. Institutionen.
© Ingo Bensch-Venner 2000
Seite 1 von 3
Zuerst veröffentlicht in:"Das Treppenhaus" 1/2000
Manchmal ist es auch bei Bildungsveranstaltungen integrierter Bestandteil des Konzepts, dass kleine
Untergruppen sich zwischen den einzelnen Bildungsteilen u/o auch später noch zu kollegialer Beratung treffen.
Mit solchen Kombinationsprojekten mache ich in meiner Praxis gute Erfahrungen, weil sie dabei die
vorhandenen Arbeitsbeziehungen auf längere Sicht nutzbar machen und das im Kurs Erarbeitete im Dialog mit
der Praxis langfristig sichern und reflektieren helfen.
Eine Supervisionsgruppe entschloß sich nach Abschluß des Supervisionsprozesses zu regelmäßiger KB. Da alle
TeilnehmerInnen dieser Gruppe aus der gleichen Abteilung einer Einrichtung kommen, könnte die Gruppe
langfristig neben den frei gewählten Themen auch konkrete Arbeitsaufträge bzw. Problemstellungen ihrer
Abteilung übernehmen, um klärend bzw. unter verschiedenen Blickwinkeln Problembearbeitungen einzuüben.
Dann ist sie an der Schwelle zum Qualitätszirkel, wenn sie konkrete Aufträge hat und Ergebnisse unmittelbar in
die Praxis zurückfließen sollen.
Schließlich ist es immer möglich, sich im eigenen Umfeld eine Gruppe zu suchen oder selbst zu bilden, indem
Kollegen oder Bekannte angesprochen werden. Kollegiale Beratung im eigenen Team zu praktizieren ist dann
empfehlenswert, wenn in einer zu beratenden Situation immer auch noch KollegInnen da sind, die mehr Distanz
dazu und andere Blickwinkel haben, sonst „ertrinkt“ die Gruppe möglicherweise im eigenen Sumpf und dreht
sich dabei im Kreis.
Dann ist sicher professionelle und externe Unterstützung angesagt.
Wie läuft eine kollegiale Beratung ab ?
Es gibt verschiedene Verfahren der KB, die sich in der Praxis bewährt haben. Eines wird von
FALLNER/GRÄSSLIN ausführlich beschrieben.
Ein anderes, das ich hier exemplarisch vorstellen möchte, bezieht sich auf die Schritte von Balintgruppen.
Nachweislich können Gruppen diese Beratungsmethode nach einer gewissen Erprobungs- und Übungsphase
auch ohne Berater selbstgesteuert nutzen, um Probleme und Fragen aus dem beruflichen Alltag zu reflektieren
und nach Handlungsalternativen zu suchen.
Beispiel: Balintgruppe
Dieses Verfahren der Gruppen-Beratung geht zurück auf den Arzt Michael Balint, der es für Fallbesprechungen
bei Ärzten entwickelte. Inzwischen hat es sich allerdings auch für die Arbeit mit anderen Berufsgruppen
bewährt. Ziel der Balintgruppe ist, dem anderen bewußt zu machen, was er aufgrund seiner Wahrnehmung
vergißt, ausblendet,... wo seine Fixierungen liegen.
Weil es bei vielen Problemen einen „Lösungsdruck“ gibt, der zu voreiligen Schlüssen oder rezeptartigen
Ratschlägen ( Erlösung ) verführen kann, ist die Balintgruppe mit ihrer klaren Strukturierung eine Unterstützung
dabei, daß Menschen selber ihre Lösung finden können.
Die Gruppenarbeit vertraut auf die Ressourcen der TeilnehmerInnen.
Das Wissen ist vorhanden, jedoch unstrukturiert.
Die Vorgehensweise in Stichworten
Jede/r meldet eine Frage/Situation überschriftartig = kurz an.
Die Gruppe wählt ein Thema aus, was bereits einen intensiven Prozeß ausmacht.
Der „Fallträger“ erzählt. Die anderen hören einfühlend zu, versuchen sich in die Situation hineinzudenken,
fragen nach, bis sich alle ein Bild davon machen können.
Der „Fallträger“ geht aus der Gruppe in den Beobachter-Status, setzt sich nach außen, und die Gruppe wird zur
Beratergruppe, die sich schrittweise auf die Suche begibt:
Die Gruppe identifiziert sich mit dem „Fallträger“:„Wenn ich an Deiner Stelle wäre...“
© Ingo Bensch-Venner 2000
Seite 2 von 3
Zuerst veröffentlicht in:"Das Treppenhaus" 1/2000
Wichtig sind die dabei entstehenden Gefühle
Phantasien und Vermutungen zum eben Beschriebenen ...
Analyse und Diagnose: Was steckt da alles drin ? Das Problem ist...
Verschiedene Lösungsalternativen suchen
Der „Fallträger“ hört sich dies alles von außen an, wie die Gruppe mit seiner Situation arbeitet, kann sich
Notizen machen, soll aber nicht ins Gespräch eingreifen und kommt jetzt wieder in die Gruppe:
Jede/r macht nun einen Vorschlag für den „Fallträger“
„Fallträger“ hat das Schlußwort (feed-back): Betroffenheit, weiter suchen, Schritte, ... (bitte nicht die
Empfehlungen der TeilnehmerInnen bewerten oder ordnen, sondern lieber „sacken lassen“ )
Ein Gruppenmitglied soll während der gemeinsamen Arbeit von etwa 90 Minuten die Gesprächsleitung
übernehmen. Dies impliziert keine Beraterrrolle – die Gruppe ist Beraterin – sondern die Beachtung einiger
vereinbarter „Gesprächsregeln“ sowie die Einhaltung der Schritte.
Mit zunehmender Erfahrung gehen die Beratungsschritte im Mittelteil, während der „Fallträger“ nicht mitredet,
ineinander über.
Das stark assoziative Vorgehen ermöglicht das Freisetzen vieler Ressourcen und hilft „Blinde Flecke“ im
eigenen beruflichen Handeln zu entdecken.
Literatur:
FALLNER, H./ GRÄSSLIN, H-M (1990)
Kollegiale Beratung – eine Systematik zur Reflexion des beruflichen Alltags
Hille, Ursel Busch Fachverlag
BENSCH-VENNER, I. / HOFMANN, B. (1999)
Supervision – Chancen und Wege
Stuttgart / New York, Georg Thieme-Verlag
(nur noch über NeuSicht zu beziehen)
TIETZE, K.-O. (2003)
Kollegiale Beratung
Reinbek, rororo
© Ingo Bensch-Venner 2000
Seite 3 von 3
Zuerst veröffentlicht in:"Das Treppenhaus" 1/2000
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Bildung
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