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"Was wäre ,wenn...?"

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open-air-Gottesdienst 10.07.2010
Predigt zum open-air-Gottesdienst am 10. Juli 2010 –
gehalten von Pfarrer Heiko Dringenberg
Was wäre ,wenn...?"
Fünf Brote und zwei Fische. Das reicht: es ist genug für alle da.
Was zeigt: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden
Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.
So lässt sich kurz und knapp zusammen fassen, was Lukas im Evangelium
aufgeschrieben hat und Menschen zu allen Zeiten erfahren und weiter
gegeben haben.
Die Jesus Geschichte von der Speisung der 5000 hat solchen Nachklang, dass
sie in allen Evangelien aufgeschrieben ist.
Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan
hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt
zurück, die heißt Betsaida.
Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach
zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.
Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen:
Lass das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und
Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste.
Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben
nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen
sollen und für alle diese Leute Essen kaufen.
Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern:
Lasst sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig.
Und sie taten das und ließen alle sich setzen.
Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und
dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten.
Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an
Brocken übrig ließen, zwölf Körbe voll.
Ihr Lieben,
was wäre wenn?
Wenn wir mal all die klugen Erklärungen von Exegeten und Experten beiseite
lassen würden.
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open-air-Gottesdienst 10.07.2010
Wenn wir mal nicht grübelten, ob und wenn ja, wie sich die Geschichte
abgespielt haben könnte.
Wenn wir uns gar nicht erst dem Versuch und der Versuchung aussetzten, das
Wunder zu enträtseln.
Was wäre, wenn der, von dem die Rede ist, heute selbst zu uns sprechen
würde, hier im Park des Franz-Lenze-Platzes.
Am Abend eines heißen Tages wie er in Israel keine Seltenheit ist. Und unter
freiem Himmel, wie ihn Jesus zum Predigen nutzte.
Gesetzt den Fall, Er wäre hier und würde uns zu sich lassen, wie die Menge
damals. Gesetzt den Fall, wir erlebten mit, wie Blinden die Augen aufgehen,
Stumme ihre Stimme wieder erheben können. Wie Menschen aus bösem Bann
befreit, wie zerschlagene Gemüter, verletzte Seelen, zerbrochene Herzen
geheilt werden. Gesetzt den Fall, wir würden ihn predigen hören von Gottes
neuer Welt, die nicht erst im Jenseits, nicht nur nach unserem Tod auf uns
wartet, sondern hier und jetzt beginnt, klein und unscheinbar wie Senfsaat und
Sauerteig, verborgen wie die Saat im Acker.
Ich glaube, wir würden schnell verstehen, wie das mit dem Satt werden
gemeint ist und was das mit der Speisung auf sich hatte. Dass zu dieser
Sättigung mehr gehört als ein voller Bauch, der doch bald wieder leer ist und
neuen Hunger anmeldet.
Wir würden spüren: es ist genug für alle da, denn der, dem das Brot gebracht
und der Fisch gereicht wird und der zuerst betet und dann austeilt, der hat
was, das uns über alles Essen und Trinken hinaus fehlt. Da ist noch mehr als
die Kraft aus Brot und Wein.
Das Wort macht den Unterschied. Sein Wort. Aus dem Gott spricht. Das Gott
beglaubigt. Er selbst steht hinter der Predigt und dem Prediger. Mehr noch:
kein Blatt passt zwischen dem verkündigten Gott und dem Gottesverkünder.
Das Wort, sein Wort macht den Unterschied.
Er redet und der Himmel öffnet sich. Wir hören zu und werden Zeuge, dass es
uns anrührt und durchdringt, durch Leib und Seele geht und alle Fragen, alle
Zweifel, alle Enttäuschung und Anfechtung zum Schweigen bringt.
Auf einmal gewinnt Gottes Wort Gestalt und Kontur, wird lebendig und kräftig
und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Da wird nicht länger über, nicht
von Gott geredet, da spricht Gott selbst. Das Wort wird Fleisch und wohnt
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mitten unter uns und wir sehen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des
eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Geber und Gabe, Austeiler und Verteiltes sind nicht voneinander zu trennen,
gehören zusammen. Er gibt nicht etwas her, sondern gibt sich ganz und gar
selbst. Gott, zum Greifen nah, der Unfassbare berührbar, spürbar.
Gesetzt den Fall, er wäre mitten unter uns, wen störte da noch ein knurrender
Magen, wer schielte auf die Uhr, weil Fußball kommt, wenn seine freundliche
Einladung zu hören wäre: Kommt, es ist alles bereitet. Seht und schmeckt die
Freundlichkeit Gottes. Lasst Euch bedienen und stärken auf Eurem weiteren
Weg.
Und glaubt ihr im Ernst, er würde vorher fragen: wer ist katholisch, wer
evangelisch. Glaubt ihr wirklich, er würde dem einen das Brot des Lebens
geben und dem andern verweigern? Glaubt ihr, der Kelch des neuen Bundes
würde nur den Kehlen und nur den Seelen gereicht, die das richtige Gebetbuch
in der Tasche haben?
Unsinn, würde er sagen: kommt her zu mir. Ich urteile nicht nach dem, was ihr
könnt und leistet, nicht mal nach dem, was ihr glaubt oder zu glauben meint.
Sondern ich guck Euch an und sehe, was ihr braucht, was Euch fehlt. An
meinem Tisch sind alle willkommen, und besonders die, die Lasten mit sich
rumschleppen, dies schwer im Leben haben und nicht mehr weiter wissen.
Der Tisch des Herrn steht allen offen und niemand spiele sich auf, als Herr des
Tisches über den Zugang zu entscheiden.
Gesetzt den Fall, er wäre hier, es würde Schluss sein mit den Machtspielchen, ,
den theologischen Disputen und den kleinlichen Bedenken, dem von oben
verordneten: Es braucht noch Zeit, wir sind noch nicht so weit.
Er würde sagen: Kommt: jetzt ist Zeit, und dann das Brot nehmen, es teilen
und weiter reichen und sagen:
„Nehmt und esst, das ist mein Leib. Brot vom Himmel, Brot des Lebens. Wer
davon ab kriegt, wird nicht mehr hungern. Nehmt und trinkt. Dieser Kelch ist
der neue Bund in meinem Blut, das für Euch vergossen wird zur Vergebung der
Sünden. Nichts steht mehr zwischen Gott und Euch, nichts kann Euch länger
trennen von ihm. Nicht mal der Tod. Denn ich bin bei Euch. An jedem Tag. Von
Anfang an und über die letzte Stunde hinaus. Fürchtet Euch nicht!“
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Gesetzt den Fall, er würde wieder teilen, Wort und Brot und Wein und wir
würden satt wie die damals, würden nicht abgespeist, nicht vertröstet, nicht
abgewiesen, sondern beschenkt, beglückt, gesegnet, glaubt ihr wirklich, wir
würden eifersüchtig darauf achten, ob den Evangelischen oder den Katholiken
das Brot auf die Zunge gelegt wird? Glaubt ihr wirklich, jemand würde dummen
Sprüchen folgen und Geiz für geil halten. Meint ihr im Ernst, jemand müsste
sich mit dem Gefühl herumplagen, er käme zu kurz, wenn er von Gott selbst
bewirtet würde?
Wäre er hier und wir könnten seine Gastfreundschaft genießen, wie könnten
dann Hände geschlossen bleiben und Herzen verschlossen. Nein, wir würden
teilen, weiter geben, anderen das zukommen lassen, was uns zuvor selbst
geschenkt wurde. Und würden dabei seine Kraft in uns spüren, mit seinem
Gottvertrauen glauben, in seiner Freiheit unsere Wege gehen.
Wir hätten es doch gar nicht mehr nötig, uns nach vorn zu drängen, das eigene
Schäfchen ins Trockene zu bringen, uns auf Kosten von anderen zu profilieren.
Weil wir gewiss wären: Gott weiß, was wir brauchen, was uns fehlt. Er wird uns
geben, was zum Leben nötig ist. Es ist genug für alle da, es reicht für jede/n.
Wir würden gestärkt nach Hause und gesegnet auf Reisen gehen, im Frieden
und im Reinen mit Gott und der Welt. Dank würde lauer sein als die Klage und
das Lob allen Jammer übertönen.
Was wäre, wenn?
Was wäre, wenn wir ihm trauten: Ich bin doch bei Euch, ich bin in Eurer Mitte,
mein Geist will Euer Herz erfüllen. Vertraut mir, glaubt mir doch: ich lass euch
nicht allein, es ist genug für alle da.
Was wäre, wenn?
Dann hätte Katja Ebstein recht, die damals sang:
Wunder gibt es immer wieder heute oder morgen können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen musst du sie auch sehn.
Wunder gibt es immer wieder
heute oder morgen
können sie geschehn.
Wunder gibt es immer wieder
wenn sie dir begegnen
mußt du sie auch sehn.
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Seele and Geist
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