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"Geld ist das, was man daraus macht"

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Presseberichte
"Geld ist das, was man daraus macht"
ESSLINGEN: Der Schauspieler Jo Jung schreibt ein aufklärendes Theaterstück für
Grundschulkinder - Keine Kapitalismuskritik
Von Gaby Weiß
Er erinnert sich noch genau an den Moment, in dem es "klick" machte: Vor gut zwei Jahren
stand Jo Jung im Rundfunkstudio hinter dem Mikrophon und sprach einen Beitrag über die
Verschuldung von Kindern und Jugendlichen. Das Thema ließ den Esslinger Schauspieler nicht
mehr los. Mit "Was heißt'n hier Geld?" schrieb er jetzt ein Theaterstück, mit dem
Grundschulkinder auf pfiffige Art und Weise über den sinnvollen Umgang mit Geld aufgeklärt
werden.
Die Zahlen sind alarmierend: Das Bundesamt für Familie schätzt, dass jeder vierzehnte
Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren Schulden von mehr als 400 Euro auf seinem Konto
hat. "Wir müssen etwas tun", war sich Jo Jung, selbst Vater, sicher, "wir müssen aufklären, und
zwar schon die Kleinsten". Gemeinsam mit der Stuttgarter Medienagentur V4 Media und mit
Unterstützung der Sparda-Bank entwickelte Jo Jung ein Clownstheaterstück, das Dritt- und
Viertklässler für das Thema sensibilisiert.
Clowns im Klassenzimmer
Zwei Schauspieler, der kleine Freddy in der roten Latzhose mit seinem Sparschwein, und
Gibnimm im schnieken Anzug mit Aktenkoffer, reisen an, um direkt im Klassenzimmer oder in
der Schulaula jede Menge Wissen übers Geldausgeben und übers Geldsparen, über Kredit,
Zinsen und Schulden zu vermitteln: Spielerisch, mit frechen Sprüchen und witzigen Liedern, auf
unterhaltsame Weise und ohne erhobenen Zeigefinger.
Bei ersten Probeaufführungen in Schulen, beim "Treffpunkt Pädagogik" vor 700 Lehrerinnen
und Lehrern und bei der Schulrätekonferenz sorgten die beiden Clowns für strahlende
Gesichter bei Groß und Klein. Freddy, gespielt von Barbara Zechel, die auch schon an der WLB
engagiert war, und Gibnimm, gespielt von Volker Helfrich, erzählen die Geschichte des Geldes:
Vom Tauschgeschäft mit Perlen oder Kühen bis zu den ersten Münzen bei den Römern. Freddy
gibt sein Taschengeld immer schon zu Monatsanfang aus, während Gibnimm ein Geizkragen
ist wie Dagobert Duck höchstpersönlich. Im Laufe des dreißigminütigen Theaterstücks erfahren
alle miteinander, dass Geld nicht einfach so aus dem Automaten kommt, sondern dass es Geld
nur für geleistete Arbeit gibt.
Material für Lehrer
Für die Lehrer gibt es umfangreiches Begleitmaterial zur Vor- und Nachbereitung des Themas
im Unterricht, bis hin zur Einladung zu einem Elternabend. Mit der Wahl des Titels erweisen Jo
Jung und Sascha Haas dem Aufklärungsklassiker des modernen Kinder- und Jugendtheaters
ihre Reminiszenz: "Was heißt hier Liebe?" hieß das Berliner Kultstück, 1976 vom Theater Rote
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Grütze uraufgeführt, dessen unaufgeregter Umgang mit der ersten Liebe und allem was
dazugehört den modernen Sexualkundeunterricht mit begründete. "In Österreich wird darüber
nachgedacht, an den Schulen Aufklärungsunterricht in Sachen Geld und Finanzen einzuführen.
Vielleicht kann unser Stück ja dazu führen, dass endlich das Geld auch in unseren Schulen zum
Unterrichtsthema wird," fordert Haas.
Aufklärung tut Not: Denn ein geändertes Konsumverhalten, immer aggressiver gestaltete
Werbung, die Kinder und Jugendliche längst als zahlungskräftige Klienten entdeckt hat, und
verführerische Ratenkaufangebote sind nicht nur für Erwachsene Anreiz, immer mehr Geld
auszugeben. "Nach dem Motto: Nur wer was kauft, kann auch was sparen," formuliert Sascha
Haas die Gefahr. Kinder, so Joachim Jung, können raffinierte Marketingstrategien noch nicht
durchschauen: "Die wissen nicht, dass ein Handy-Angebot für null Euro einen Haken haben
muss." Der Auftritt des Clownsduos mit seiner pfiffigen Geschichte rund ums Geld endet mit
dem zentralen Satz: "Geld ist das, was man daraus macht." Ganz wichtig ist den
Theatermachern, dass sie keine Kapitalismuskritik üben wollen, das betont Jo Jung
ausdrücklich, "aber wir hoffen, dass wir mit diesem Theaterstück so manchem Kind den Schritt
in die Schuldenfalle ersparen können".
21.03.2006 © Eßlinger Zeitung 2005 - Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die
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