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Ich weiß was, was du nicht weißt - Kinderfastenaktion

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Schule in Sicht ?
Ich weiß was, was du nicht weißt
Auf unserer Erde besuchen 100 Millionen Kinder zwischen 8 und 18 Jahren keine
Schule. Und fast alle davon leben in Entwicklungsländern. Einer von 5 Erwachsenen
kann nicht lesen und schreiben! In Deutschland kaum vorstellbar, hier lernen so gut
wie alle Menschen als Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen, manche nicht gern,
aber auch für diese ist es doch selbstverständlich. Und natürlich wissen diese deutschen Kinder dann viel mehr als die anderen in anderen Ländern, die nie eine Schule
besucht haben. Aber stimmt das denn? Wissen sie wirklich MEHR? Oder lernen sie nur
andere Dinge? Heißt Bildung, lesen, schreiben und rechnen können oder gibt es da
noch mehr, was man wissen soll? Gibt es Bildung nur in der Schule oder lernen wir
noch anderswo? Kann Bildung etwas kosten oder soll sie auf jeden Fall umsonst
sein? Sind die Deutschen dumm, weil der PISA-Test in unserem Land vergleichsweise schlecht ausgefallen ist? Mit diesen und anderen Fragen zum Thema Bildung
beschäftigt sich die Fastenaktion von MISEREOR 2007. Das Thema Bildung ist ganz wichtig, denn eigentlich wäre es gut, wenn es nicht so viele unterschiedliche Meinungen darüber
gäbe, was Bildung eigentlich ist. MISEREOR unterstützt die, die denken, dass Bildung viel mehr
ist als nur lesen, schreiben und rechnen können.
Klar, das muss man können, sonst kann man später
schwer einen Beruf lernen. Aber dazu kommt dann
auch, dass die Bildung den Menschen helfen soll,
die Welt zu entdecken, sich selbst als Menschen
und als Mitglied einer Gemeinschaft anzuerkennen
und natürlich auch, die eigenen Rechte zu kennen
und auch einzufordern. Bildung ist ein international
anerkanntes Menschenrecht, so wie Essen und
Trinken. Und wir wissen auch, dass dort, wo
Menschen eine Grundbildung bekommen, das
Leben der Menschen insgesamt besser wird.
Zum Beispiel sterben weniger Kinder, weil die
Mütter mehr über Gesundheit wissen. Leider
aber gibt es immer noch viele Länder, in denen
sehr wenige Kinder ein Recht auf Bildung haben. Das hat unterschiedliche Gründe wie Armut der Eltern, schlecht ausgebildete Lehrer,
zu wenige Schulen und so weiter. Damit das besser wird, haben viele
Länder zusammen 1990 einen Aktionsplan gemacht, der zum Ziel hat,
dass es bis zum Jahr 2015, also bis in 8 Jahren, nur noch halb so viele
Analphabeten (Menschen, die nicht lesen und schreiben können) geben wird. MISEREOR unterstützt diesen Aktionsplan und will, dass es wirklich bald Bildung für alle gibt. Und diese
Grundbildung muss kostenlos sein. Nur mit Hilfe von Bildung können Menschen Armut überwinden und ihre Lebenssituation aus eigener Kraft verbessern. Und genau das ist eines der wichtigsten Ziele von MISEREOR.
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Hindi
© 2007 MISEREOR
Kinderfastenaktion 2007
Schule in Sicht ?
Wer kann sich einen Schulbesuch
leisten?
„Ein Haus ohne Kinder ist wie ein Körper ohne
Seele“, sagt man in Indien. Ein schönes Bild. Aber
Kinder sind nicht nur ein Glück für die Familie, sie
sind in armen Familien auch eine zusätzliche
Arbeitskraft und vergrößern durch ihre Mitarbeit
die Überlebenschancen einer Familie. Bereits im
Grundschulalter arbeiten Kinder auf den Feldern,
hüten die Herden, verkaufen Zeitungen oder
Erdnüsse, drehen in Fabriken Zigaretten oder knüpfen Teppiche. Der Schulbesuch wird zur
Nebensache, die Hauptsache ist der Beitrag zum
Familienunterhalt. Die Grundschule ist in Indien
zwar umsonst, aber selbst die Hefte, Stifte, Bücher
und die Schuluniform, die Eltern kaufen müssen,
sind für viele Familien viel zu teuer.
Die Armut in Indien ist also ein wichtiger Grund
dafür, dass auch heute noch 40 von 100 Indern nicht lesen und
schreiben können. Ein anderer Grund ist, dass der indische Staat zu wenig Geld
für die Bildung ausgibt. Die Klassen sind viel zu groß, oft gibt es in einer Klasse 60 Schüler! Die
Schulen und Klassenräume haben gar kein Unterrichtsmaterial, die Lehrer sind nicht gut ausgebildet oder kommen in die weiter abgelegenen Dörfer nur unregelmäßig zum Unterricht, und der
Lehrplan, also was die Kinder lernen sollen, hat gar nichts mit ihrem Leben zu tun und interessiert sie deshalb auch nicht. Wegen all dieser Dinge gehen viele Kinder nicht mehr in die Schule.
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© 2007 MISEREOR
Kinderfastenaktion 2007
Schule in Sicht ?
Jungen dürfen in die Schule –
Mädchen nicht
Ein dritter Grund für den ungenügenden Schulbesuch indischer Kinder sind die Unterschiede,
welche die indische Gesellschaft zwischen Jungen und Mädchen macht. 52 von 100 Inderinnen
können nicht lesen und schreiben, aber nur 28 von 100 Indern. Das liegt daran, dass die Eltern
oft denken, für die Mädchen sei es wichtiger, im Haushalt von der Mutter zu lernen, denn
Mädchen sind „fremder Reichtum“. Da sie in die Familie ihres Mannes gehen, kommt alles, was
sie gelernt haben, nach der Hochzeit der Familie des Mannes zugute. Die Inder sagen es so:
„Die Ausbildung einer Tochter ist wie das Säen in das Feld des Nachbarn.“ Jungen dagegen sind
„eigener Reichtum“. Sie bleiben ihr Leben lang mit den Eltern zusammen. Wenn eine Familie
arm ist, werden deshalb oft nur die Jungen zur Schule geschickt, damit sie eine gute Arbeit finden und die Lage der Familie verbessern können. Für einen Mann ist es sehr wichtig, einen
ordentlichen Beruf zu lernen oder vielleicht sogar auf die Hochschule zu gehen. Das macht ihn
wichtig und als Heiratskandidaten auch interessanter als die Männer, die das nicht geschafft
haben.
Ob Kinder zur Schule gehen oder nicht, entscheiden die Eltern. Haben diese als Kinder auch
gearbeitet statt zur Schule zu gehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ihre Kinder auch
nicht in die Schule schicken. Aus arbeitenden Kindern werden Erwachsene ohne Bildung, die
arm bleiben, Kinder bekommen und diese auch arbeiten lassen, weil sie selbst nie etwas anderes kennen gelernt haben. Vor allem spielt eine Rolle, ob die Mutter in die Schule gegangen ist
oder nicht. Im indischen Bundesstaat Kerala im Südwesten wird das bewiesen. Hier gibt es
schon seit längerer Zeit ein relativ gutes Schul- und Gesundheitssystem. 99 % aller Jungen UND
Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren gehen in die Schule, und der Staat hat durch die Förderung
der Bildung die Armut sehr stark verringert. Hier wird man in
Indien am ältesten, es sterben die wenigsten Kinder, die
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Frauen heiraten später und bekommen nicht so viele Kinder
und die Gesundheit der Menschen
ist auch viel besser.
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© 2007 MISEREOR
Kinderfastenaktion 2007
Schule in Sicht ?
Steine brechen statt Brüche rechnen
Für jedes indische Kind zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr gibt es die Schulpflicht. Das bedeutet, dass die indischen Kinder, genau wie die deutschen, laut Gesetz in die Schule gehen müssen. Doch die Praxis sieht in Indien oft anders aus. Viele Kinder,
vor allem die auf dem Land, werden als Arbeitskräfte dringend
gebraucht. Ihre Eltern können sie entweder gar nicht oder nur
wenige Jahre zur Schule schicken. Und wer sich schon an den
kostenlosen Grundschulen das Schulmaterial nicht leisten kann,
der denkt gar nicht erst an eine weiterführende Schule, die dann
Schulgeld kostet. Auch wenn sich viele Eltern sicher eine gute
Schulbildung für ihre Kinder wünschen, denn dann hätten sie
bessere Berufschancen und könnten mehr Geld verdienen.
Allerdings gehen auch arbeitende Kinder manchmal zusätzlich
zur Schule. Viele arbeiten vor oder nach dem Schulbesuch. Aber
von diesen Kindern, die versuchen, beides zu machen, brechen
viele die Schule ab, d. h. sie gehen irgendwann einfach nicht
mehr zur Schule.
Indien ist weltweit das Land mit den meisten arbeitenden Kindern. Niemand weiß genau, wie
viele es sind, geschätzt wird die Zahl auf zwischen 17,5 und 44 Millionen
Kinder. Die indische Regierung gibt immer die niedrige Zahl an, zählt aber nur
Kinder, die über Unternehmen registriert sind und „vergisst“ alle anderen.
Hilfswerke schätzen eher die letzte Zahl oder noch mehr, das wären etwa so
viele wie die Hälfte aller Einwohner Deutschlands! Die meisten Kinder in
Indien arbeiten in der Landwirtschaft (etwa 80%) und im Dienstleistungsbereich (etwa 10%), der Rest arbeitet in der Industrie, in Bergwerken oder in
Steinbrüchen. Die Arbeit in den Steinbrüchen ist sehr schwer und gefährlich,
viele Kinder verletzen sich mit den Werkzeugen oder den Chemikalien, die
zum Bearbeiten und Polieren der Steine gebraucht werden.
Für die Arbeitgeber sind Kinder eine praktische Sache. Sie werden viel
schlechter bezahlt als Erwachsene mit dem Argument, sie könnten nicht so
viel leisten. Sie kennen oft ihre Rechte nicht, machen alles, was man ihnen
sagt, fehlen selten und beschweren sich nicht. Sie haben auch keine
Gewerkschaft, die ihre Rechte vertritt (außer bei den Butterflies, dort gibt es
sogar eine Kindergewerkschaft!). Dazu kommt, dass Kinderarbeit, zum
Beispiel beim Knüpfen von Teppichen, eine Tradition ist und deshalb nicht als
schlecht angesehen wird.
Das Teppichknüpfen ist für uns die bekannteste Art von Kinderarbeit, wenn wir an Indien denken, obwohl sie nur 3% aller indischen Kinder betrifft. 6-10 jährige sitzen jeden Tag 12-14
Stunden am Knüpfrahmen in düsteren und schlecht belüfteten Räumen. Meistens leiden die
Augen unter der Arbeit und durch den Staub der Wollfäden bekommen die meisten Kinder auch
Atembeschwerden oder werden an der Lunge krank. Zum Glück gibt es aber auch
Teppichfabriken, die keine Kinder beschäftigen. Das wird kontrolliert, und wenn wir
hier einen Teppich kaufen, der ein Siegel hat, dass er ohne Kinderarbeit hergestellt
wurde, dann kann man sich darauf verlassen, dass das auch so ist.
© 2007 MISEREOR
Kinderfastenaktion 2007
Schule in Sicht ?
Lernen bei den
Butterflies-Straßenkindern
Kinder, die auf der Straße leben und das Geld zum Leben selbst verdienen müssen, haben meistens keine Möglichkeit, in eine richtige Schule zu gehen. Schon allein die Schuluniform können
sie nicht bezahlen und es fällt ihnen wegen ihrer Arbeit auch schwer, jeden Tag pünktlich um 8
Uhr in der Schule zu sein. Die Straßenkinderorganisation Butterflies weiß aber, wie wichtig es
für alle Kinder ist, etwas zu lernen. Deshalb haben sie sich für die besondere Situation der
Straßenkinder auch besondere Arten des Lernens ausgedacht. Eine davon ist das Lernen auf der
Straße. In Delhi zum Beispiel sind die Mitarbeiter von Butterflies zweimal am Tag zu festen
Zeiten an 10 verschiedenen Treffpunkten, die die
Kinder schon kennen.
Dann holen sie aus einer
großen Kiste Hefte, Stifte
und Bücher und so entsteht schnell eine kleine
Schulklasse. Niemand
muss etwas mitbringen
und jeder, der will und der
es schafft, zu kommen, ist
willkommen und kann
mitmachen. Die Kinder
lernen
hauptsächlich
Lesen, Schreiben und
Rechnen, es bleibt aber
auch noch Zeit, damit sie
über ihre Probleme sprechen können. Denn in der
Straßenschule sollen die
Kinder zwar lernen, was
andere Kinder in anderen
Schulen auch lernen, aber
dabei sollen ihre besonderen Lebenserfahrungen berücksichtigt werden. Müssen einige Kinder z. B. dringend
Multiplizieren lernen, weil sie schon oft beim Verkauf des Altpapiers betrogen wurden, dann lernen sie Multiplizieren mit Altpapiermengen und Geldsummen, nicht mit Bonbons und Orangen,
wie vielleicht die anderen Kinder. Auch werden den Kindern in der Straßenschule andere nützliche Fähigkeiten für ihr Leben beigebracht, zum Beispiel gut verhandeln oder selbstbewusst auftreten oder wie und wo man sich am besten Hilfe sucht, wenn man welche
braucht. Andererseits versucht die Organisation Butterflies aber auch, Kinder dazu zu
bringen und ihnen dabei zu helfen, die öffentliche Schule zu besuchen, denn für
jedes Kind ist es auf jeden Fall gut, einen Schulabschluss mit einem Zeugnis einer
Schule zu haben, wenn es später eine ordentliche Arbeit finden will.
© 2007 MISEREOR
Kinderfastenaktion 2007
Schule in Sicht ?
Die Kinder, die in das Butterflies-Haus kommen, können dort auch lernen, mit einem Computer
umzugehen. Das ist für die Kinder, die ja nicht täglich zu Hause fernsehen oder am Computer
sitzen, natürlich eine besonders aufregende und auch wichtige Erfahrung. Ohne
Computerkenntnisse kann man ja heutzutage fast nirgendwo mehr Arbeit finden. Außerdem
gehört zu der etwas anderen Butterflies-Schule auch eine gemeinsame Küche, wo die Kinder
neben dem Kochen auch lernen, was zu einer guten Ernährung gehört, und vor allem, dass man
zum Kochen auf jeden Fall gut rechnen können muss wegen der Mengen und gut organisiert
sein muss, was die Zeiteinteilung angeht.
Bildung heißt aber bei Butterflies nicht nur, etwas zu lernen, was für einen späteren Beruf wichtig sein kann, sondern auch Dinge, die die Persönlichkeit der Kinder stärken. Dazu gehört z. B.
das Theaterspiel. Die Kinder stellen Situationen aus ihrem eigenen Leben dar und führen ihre
selbst geschriebenen kleinen Stücke dann an bestimmten Stellen der Stadt als Straßentheater
auf. Außerdem machen die Butterflies-Kinder ein eigenes Radioprogramm! Regelmäßig berichten die Kinder vom Alltag der Straßenkinder. Aber auch von Kinohelden und Kricketspielen.
Lernen bei den Butterflies-Straßenkindern, das heißt Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, wie
bei uns auch. Aber Lernen bei den Butterflies-Straßenkindern heißt auch, zu lernen, im Leben
besser klar zu kommen; in einem Leben, das nicht behütet ist wie das vieler Kinder in
Deutschland, sondern in dem sich die Straßenkinder ganz alleine zurecht finden müssen. Das
Butterflies-Lernprogramm kann ihnen dabei sicher helfen.
DIE THEATERGRUPPE
Das hat mir z. B. gut gefallen, denn in den
Stücken, die wir gespielt haben, ging es immer
um Themen, die uns Straßenkinder beschäftigen. Um Streit und Prügel von der Polizei, um
die ständige Suche nach Essen und um die vielen anderen Probleme, die wir Kinder auf der
Straße haben.
© 2007 MISEREOR
Kinderfastenaktion 2007
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