close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Deutsch-tschechische Jugendfotoseminare Ich sehe was, was du

EinbettenHerunterladen
Karlheinz Strötzel
Deutsch-tschechische Jugendfotoseminare
Ich sehe was, was du nicht siehst
Oder Fotografie als Annäherung
Nach über einem Jahrzehnt seit der Wende stellt sich die Frage: Haben sich die „WeltAnschauungen“ von Jugendlichen aus Ost und West inzwischen angeglichen? Oder
beeinflussen noch kulturelle und gesellschaftliche Traditionen die jeweiligen Ansichten?
Organisation:
Veranstalter auf tschechischer Seite waren Artama Prag und auf deutscher Seite der
"Deutsche Jugendfotopreis" (finanziert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend) Verbindung mit der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien
NRW e.V.. Das Projekt wurde unterstützt durch
die Bundesvereinigung Kulturelle
Jugendbildung in Remscheid, das deutsch-tschechische Koordinationsbüro für
Jugendaustausch in Regensburg “Tandem”, den deutsch-tschechischen Zukunftsfond und
durch Materialspenden der Firmen FOMA und ILFORD.
Vorgeschichte:
1995 begann die Diskussion um einen Deutsch-Tschechischen Vertrag. Es gab viele
Probleme mit den Vertriebenenverbänden, die einen solchen Vertrag verhindern wollten.
Um das Vorhaben voranzutreiben wurde auf Initiative von Vaclav Havel und Roman Herzog
die Durchführung eine großen Jugendtreffens mit politische Foren in der tschechischen
Republik beschlossen.
Policka
Das erste Treffen fand 1996 statt und wurde ein großes Politik- und Medienereignis.
Deutsche und tschechische Parlamentarier diskutierten mit den Jugendlichen in einem
großen Plenum. Die Distanz zwischen Deutschen und Tschechen war doch noch größer,
als viele erwartet hatten. Bei diesem 1. Deutsch-tschechischen Jugendtreffen wurde auch in
einer Arbeitsgruppe Fotografie binational zusammengearbeitet. Jugendliche aus ganz
Deutschland fotografierten gemeinsam mit tschechischen Jugendlichen. Aus den
Ergebnissen des deutschen Teils der Gruppe entstand eine Fotoausstellung, die unter dem
Titel”Begegnungen in Policka” Porträts von Begegnungen mit Menschen in der böhmischen
Stadt zeigte. Hatten die Jugendlichen auch zunächst große Hemmungen, Personen zum
Fotografieren anzusprechen, so machten es die Menschen in Policka leicht, diese
Hemmungen abzubauen. Mangelnde Sprachkenntnisse waren kein Hinderungsgrund für
das Kennen lernen über die Fotografie. Freundliche Passanten halfen oft als Dolmetscher
aus, wenn Deutsch, Englisch oder Gestik für eine Kommunikation nicht ausreichte. Eine
Erfahrung, die sich auch bei späteren Workshops bestätigte.
Die Fotos haben auch zu einem fortlaufenden Briefkontakt geführt. So schrieb z.B. ein
älterer Herr aus Brünn: Ich hätte mir nicht vorstellen können, mit einem Deutschen einen
Briefverkehr zu beginnen. Der Briefkontakt besteht bis heute. Ein tschechischer Teilnehmer
hat sich mittlerweile an acht Fotoseminaren beteiligt und ist seit drei Seminaren mein Co1
Referent und Übersetzer. Vor Beginn des Seminars in Policka hatte er einen Fotoapparat
zum 18. Geburtstag geschenkt bekommen.
Roman Herzog schrieb in seinem Grußwort für das 2.Jugendtreffen, dass die Jugendlichen
inzwischen die Chancen für sich selbst auch stellvertretend für die ältere Generation
wahrgenommen hätten, der es schwerer fallen würde, Brücken der Verständigung und guter
Nachbarschaft zu knüpfen.
In Policka war die Fotografie noch eine von vielen Arbeitsgruppen. Als Fortsetzung zur
Fotoarbeitsgruppe auf den Deutsch-Tschechischen Jugendtreffen in Policka, Auerbach (D)
und in Decin (CZ) entstand daher die Idee eines eigenständigen Seminars von Deutschen
und Tschechen, indem die Fotografie im Mittelpunkt stehen sollte.
Bechyne (CZ)
Im September 97 und 98 fand im malerischen südböhmischen Bechýné ein Fotoseminar
unter der Leitung von Jan Smock (Prag) und Karlheinz Strötzel (Raesfeld) statt. Jeweils 10
Jugendliche aus Deutschland und Tschechien versuchten ihre subjektiven Eindrücke von
der südböhmischen Stadt mit unterschiedlicher Themenstellung fotografisch festzuhalten.
Die Jugendlichen aus Deutschland kamen aus verschiedenen
Bundesländern und waren Teilnehmer am "Deutschen
Jugendfotopreis", die tschechischen Jugendlichen aus den
beiden Landesteilen und der Hauptstadt Prag. Auch die
tschechischen Jugendlichen hatten an Fotowettbewerben
teilgenommen.
Besonders im Verlaufe der Arbeit im ersten Fotoworkshop in
Bechýné wurden sehr differenzierte Herangehensweisen an
die Fotomotive zwischen Deutschen und Tschechen deutlich.
Die Fotografien der tschechischen Jugendlichen zeigten
überwiegend kleine Ausschnitte, Licht und Schatten, Details
und Strukturen, die zudem zumeist sehr dunkel vergrößert
wurden und so eher mystisch wirkten. Man konnte Bezüge zur
Tradition der Prager Fotografen wie z.B. Jan Lauschmann,
Josef Sudek, Frantšiek Drtikol oder Stanislav Tùma erkennen.
Westdeutsche Jugendliche interessierten sich besonders für das leben in „Plattenbauten“,
während sich die tschechischen Jugendlichen eher dem „Geheimnis“ des alten Klosters
(Arbeitsort während des Workshops) oder den Licht- und Schattenverhältnissen in den
kleinen Dorfstraßen nachgingen.
In den mitgebrachten Arbeiten der Fotoschüler aus Prag, die auf einer gestellten Thema
beruhen, ließen sich keine großen Unterschiede feststellen. Eklatant fiel dies nur bei den
freien Fotoarbeiten auf. Hier vermittelte sich noch die Sehweise der “tschechischen
Klassiker”. In den Bildern wurden häufig Metapher versteckt, die für den Betrachter
unterschiedliche Interpretationen möglich machen.
Diese verschlüsselte Bildsprache findet man in allen osteuropäischen Ländern wieder. Sie
betrifft aber vor allem die Fotografen, die sich in der inneren Emigration befanden.
Die Verschlüsselung von Bildinhalten kennt man besonders aus der Malerei z.B. im stilleben
des 17. Jahrhunderts. So finden wir auf dem Genrebild „Eingeschlafenes Mädchen“ eine
Obstschale auf dem Tisch. Sie ist Hinweis auf die „Früchte des Bösen“, danach hat sich die
junge Frau dem Trunk ergeben und eine außereheliche Liebesbeziehung gepflegt.
2
Die deutschen Jugendlichen fotografierten dagegen mehr im Stil einer Fotoreportage. Im
Austausch mit den Ergebnissen der fotografischen Exkursionen in der Gesamtgruppe trat
dann eine Veränderung ein. Auch die deutschen Jugendlichen entdeckten die Mystik in
ihren Fotografien, während von den
tschechischen Jugendlichen nun auch
Porträts und Reportagefotos gezeigt wurden.
Unterschiedlich war auch die Vorgehensweise von Deutschen und Tschechen.
Während die deutschen Jugendlichen den
Themenvorschlag
ausgiebig
diskutieren
wollten,
bestanden
die
tschechischen
Jugendlichen auf klaren Vorgaben.
Fotoaktion mit Lichtspuren im Kloster
Augsburg
In Augsburg waren 1999 Bildsequenzen, möglichst mit einem persönlichen Bezug, das
Thema. Dabei sollten in den Bildserien auch Menschen gezeigt werden.
Während die Deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr spontan an die Bearbeitung
des Themas herangingen, setzten die tschechischen Teilnehmer ihre Bildideen nach einem
zuvor gefertigten Storyboard um, in dem jede Szene zuvor festgehalten wurde. Beispielhaft
seien hier einige Arbeiten erwähnt:
Matìj Cech beschrieb in seiner Bahnhofssequenz
autobiographische Szenen seiner Kindheit.
“Ich war sechs Jahre alt. Wir sind zu unserer Oma
gefahren. Der Zug scheint unheimlich groß zu sein,
leider hatte ich damals keine Zeit ihn näher zu
untersuchen. Ich fand es ärgerlich. Dieses Gefühl
kehrt zurück, wenn ich es eilig habe.”
Jakub Stulc zeigt in seiner Serie Situationen auf dem
Bahnhof. Die inhaltliche Bewertung der Fotos sind je
nach Betrachtungsweise der deutschen und
tschechischen Jugendlichen sehr unterschiedlich.
Andrea und Helmut zeigen Szenen des Alltags:
Arbeit, Einkaufen, der Schrebergarten. Sie
inszenierten sie Bilder und fotografierten in
unterschiedlichen Ausschnitten und Perspektiven.
Die bekannten Plätze und Tätigkeiten in einem eng
begrenzten Augsburger Stadtviertel erscheinen so
rätselhaft.
3
Zdenék Šilhán “Der Titel der Bildsequenz ist
“Aladins Lampe in Augsburg””.
Die Serie zeigt Lampen und Schatten von
Personen. Aufnahmen, die Bezüge zu Prag
oder eine böhmische Kleinstadt vermitteln.
Udo Geißler, Felix Poplawsky und Veronika Flür
zeigen in ihrer Serie Situationen in der
“Fuggerei”.
In einer zweiten Serie spielt ein Einkaufswagen
die Hauptrolle. Passanten werden gebeten,
Gegenstände von sich in den wagen zu geben. So kommen ganz unterschiedliche Dinge
hinein: ein Brot vom Bäcker, ein Schlauch von einer Baustelle, eine leere Bierdose usw..
Pavel Triska zeigt geheimnisvolle Strukturen im Pflaster.
Während die deutschen Teilnehmer eher den Vorgang der
Straßenerneuerung dokumentierten, zeigen Pavel Triska
Bilder eine Welt voller Metapher.
Renata Pomazalová fotografierte eine Serie über “stille
Fenster”.
Gerade die Kommunikation mit und über die Fotografie hat
viel dazu beigetragen mehr über das Nachbarland und die
Menschen zu erfahren. Eine intensive Bildbesprechung, in
der neben den technischen Aspekten besonders die
Bildinhalte und die Bildsprache im Mittelpunkt stehen, ist
immer ein wichtiger Teil der deutsch-tschechischen
Fotoseminare.
In Auswertungsgesprächen zum Ende der Seminare wird
deutlich, wie wichtig das Erkennen der Bildsprache des jeweiligen anderen ist und wie viel
man sich durch die Kommunikation darüber näher gekommen ist.
Die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Mitteln der Fotografie ist daher auch eine
ganz andere, als bei den deutsch-tschechischen Jugendtreffen in Auerbach oder Decin.
Das Interesse an der Fotografie verbunden mit dem gegenseitigen Kennen lernen war in
diesen Fotogruppen nicht ausgeprägt. Die deutschen und tschechischen Gruppen haben
eher nebeneinander als miteinander fotografiert. Dies verlangt natürlich auch
Kooperationsfähigkeit der Referenten
auf der deutschen und tschechischen
Seite.
Ostrava
1999 wurde die Workshopreihe in
Ostrava/ mährisch Ostrau fortgesetzt.
4
Hier ging es um die Darstellung einer sich wandelnden Industriestadt. Bedingt durch
zahlreiche organisatorische Pannen auf tschechischer Seite gestaltete sich das Seminar
kompliziert. Das Thema Industrie überforderte einige der beteiligten Jugendlichen. Sie
fanden nur schwer Zugang zu den Zeugnissen der Industriegeschichte im Bergwerk und der
Stahlindustrie.
Es sind aber eine Reihe interessanter Fotos auch den Arbeitersiedlungen und in
stillgelegten Industrieanlagen entstanden, die auch Eingang in eine Wanderausstellung
fanden.
Remscheid
2000 war das Thema in Remscheid-Lennep der Mensch in seiner Umgebung.
Dazu wurde auf dem Marktplatz von Lennep ein „open air“ Studio“ aufgebaut. Die
Jugendlichen mussten Passanten ansprechen, die sich
vor dem neutralen Hintergrund fotografieren ließen. Die
Porträtierten konnten die Fotos später bei der Redaktion
der Lokalzeitung abholen.
In einem zweiten Teil den Seminars sollten die zu
Porträtierenden an ihrem Arbeitsplatz, Wohnung usw.
aufgesucht und fotografiert werden. Dazu wurde auch
eine Exkursion nach Köln unternommen. Entstanden sind
hier Reportagen über eine
Baustelle, die Dombauhütte,
einen Frisiersalon, eine Kfz-Werkstatt usw. Erstmals wurde der
Workshop auch digital dokumentiert.
In einer späteren Auswertung des Seminars gaben die
Jugendlichen an, das ihnen das Thema zu Beginn nicht sehr
gefallen habe, weil sie sehr viele Berührungsängste abbauen
mussten. Es hatte ihnen aber sehr viel Spaß gemacht, weil viele
neue Erfahrungen dadurch gesammelt werden konnten.
Besonders wichtig war ihnen die Erstellung der gemeinsamen
Fotohausstellung.
Herauszustellen
ist,
dass
es
den
tschechischen Jugendlichen wesentlich leichter viel, Passanten
anzusprechen. Mangelnde Sprachkenntnisse waren bei der
Kontaktaufnahme kein Hinderungsgrund
Sumperk
2002 fand das Seminar wieder in der tschechischen Republik statt. Als Ort wurde
Sumperk/Mähren im Altvatergebirge im tschechisch polnischen Nationalpark ausgesucht.
Hier fand gleichzeitig ein slowakisch-tschechischer Theaterworkshop statt.
In Anlehnung daran hieß das Thema Mensch und Landschaft.
Trotz vieler Beispiele aus der tschechischen Landschaftsfotografie fanden die Jugendlichen
nur schwer Zugang zu diesem Thema. Bei diversen Wanderungen entwickelte sich dies
aber stetig neu.
5
Von tschechischer Seite waren diesmal wegen des Hochwassers weniger Teilnehmer als
sonst an diesem Fotoworkshop beteiligt. Einige Jugendliche hatten sich wegen der
Erfahrungen mit der Porträtfotografie im vergangenen Jahr in Remscheid wieder zum
Seminar angemeldet. Sie hatten mit dem Thema Landschaftsfotografie zunächst Probleme,
konnte aber beim Thema Menschen den „neuen“ Teilnehmern Hilfestellung geben. Eine
besondere Affinität hatten die tschechischen Teilnehmer zum Thema Pantomime. Sie ist in
der tschechischen Republik sehr verbreitet. Einige der tschechischen Teilnehmer hatten
dazu auch eigene Erfahrungen in Workshops gemacht.
Marl
Im heißen Sommer 2003 fand unter dem Thema
„Ruhrgebiet im Wandel“ der inzwischen 10. DeutschTschechische Fotoworkshop in Marl statt. Fotografiert
wurde im Übertagebetrieb des Bergwerks Auguste Viktoria
und auf dem große Volksfest „Cranger Kirmes“. Aus den
Ergebnissen des Workshops wurde eine Ausstellung
konzipiert, die gemeinsam mit der Ausstellung aus dem
nordmährischen Industriegebiet Ostrava in Marl ausgestellt
wurde.
Entstanden sind eindrucksvolle Porträts von Bergleuten
und Ansichten aus dem Bergwerk. In den Bildern der
tschechischen Teilnehmerinnen lassen sich durchaus
wieder Bezüge zur Tradition der tschechischen Fotografie
festmachen.
2004 fand der Workshop in Prag,
2005 mit dem Thema „Fußball im Revier“ im Vorfeld der Fußball-WM statt. Leider konnte
die Workshopreihe im Anschluss daran nicht mehr fortgesetzt werden.
Zusammenfassung:
Die Fragestellung zu Beginn lautete:
Haben sich die „Welt-Anschauungen“ von Jugendlichen aus Ost und West nach über einem
Jahrzehnt seit der Wende inzwischen angeglichen? Oder beeinflussen noch kulturelle und
gesellschaftliche Traditionen die jeweiligen Ansichten? kann
dahin beantwortet werden, dass aus meiner Erfahrung der
vergangenen Jahre es eine steige Angleichung in der
Umsetzung von Themen in der Fotografie gibt, gleichwohl
weiterhin kulturelle Eigenheiten weiter bestehen. Dies
begründet sich auch in Unterschieden im jeweiligen
Schulsystem.
Vermittlung von Wissen findet nicht nur über die Sprache statt.
Gerade in unserem Medienzeitalter ist die Auseinandersetzung
mit Bilderwelten und unterschiedlichen Sichtweisen von
elementarer Bedeutung. In der Auseinandersetzung mit einem
Thema, der Anwendung und dem Erlernen von Fähigkeiten in
einem gemeinsamen bionationalen Arbeitsprozess liegen viele
Chancen des gegenseitigen Kennenslernens.
6
Die Nutzung der Fotografie durch die Massenkommu-nikationsmedien insbesondere im TV
und Internet weitet sich immer mehr aus. Sie erhält eine neue qualitative und quantitative
Gewichtung. Im gleichen Maße verkümmert aber die Wahrnehmungsfähigkeit der
Rezipienten. Mit der Produktion ästhetischer Scheinwelten, die scheinbar individuell
hervorgebracht werden, wird nichts anderes produziert, als die vorherrschende Sehweise,
wie wir sie aus Fotozeitschriften, Illustrierten und Daily-Soaps kennen.
Die Auseinandersetzung mit der Fotografie in diesen Fotoworkshops geht daher von der
alltäglichen Fotopraxis, Zielsetzungen, Normen und Funktionen der Fotografie aus und setzt
sich zum Ziel, Gemeinsamkeiten und Differenzen kennen zulernen und in der Praxis
umzusetzen. Dabei geht im Sinne des Erfahrungsaustausches durch Differenzierung der
Wahrnehmungsmöglichkeiten das Fotografieren weit über das normale Knipsen hinaus.
Das Lesen der Fotos und deren Darstellung führt Schrittweise zum bewussten Erfassen der
Möglichkeiten der Fotografie des Kontextes. Die fotografische Arbeit erfolgt in Kleingruppen.
Gerade in unserem Medienzeitalter ist die Auseinandersetzung mit Bilderwelten und
unterschiedlichen Sichtweisen von elementarer Bedeutung. In der Beschäftigung mit einem
Thema, der Anwendung und dem Erlernen von Fähigkeiten in einem gemeinsamen
bionationalen Arbeitsprozess liegen viele Chancen des gegenseitigen Kennenslernens.
Mit den positiven Erfahrungen aus den 10 gemeinsamen Fotoseminaren kann vom Beginn
einer Tradition von deutsch-tschechischen Fotoseminaren gesprochen werden. Für die
Kontinuität der deutsch-tschechischen Fotoseminare bürgen neben den Veranstaltern
Artama, das Kinder- und Jugendfilmzentrum (gefördert durch das Ministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend), die Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien auch die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zum wiederholten Male an diesem Treffen
teilgenommen haben. Bemerkenswert ist auch, dass die Teilnehmer der Workshops teils
bereits über Jahre untereinander in Briefkontakt stehen. Die in den Seminaren gemeinsam
gemachten Erfahrungen und das Fotografieren scheinen nachhaltige Spuren hinterlassen
zu haben.
Ein tschechischer Teilnehmer nahm das Thema des Workshops für seine Magisterarbeit.
Eine deutsche Teilnehmerin studiert inzwischen in Brünn/Mären.
Es gab in den vergangenen Jahren bereits mehrfach mit einer Reihe von spontanen Treffen
mit tschechischen Teilnehmern in Prag und Dresden. Viele TeilnehmerInnen stehen in
Briefkontakt oder nutzen das Internet für den Austausch ihre Bilder.
Dabei hat sich der Eindruck erhärtet, dass sich gerade über die Fotografie viel über die
Sehweise der anderen kennen lernen lässt.
In einem größer gewordenen gemeinsamen Europa ist persönliches Kennen lernen wichtig,
da das die Voraussetzung für eine Vertrauensbildung erst schafft.
“Begegnet euch, so oft und so gut es geht! Macht besser, was die Generationen vor uns
und vor euch schlecht gemacht haben..... Die Deutschen und die Tschechen haben eine
gute Zukunft als Nachbarn und vor allem als Freunde im vereinten Europa”, Roman Herzog
auf dem 1.Jugendtreffen in Policka.
7
Die Ausstellungen wurden u.a. in Policka, Bechýné, Hradec Kralove, Prag, Trutnov,
Svitavy, Augsburg, Dortmund, Köln, Leipzig, Raesfeld, Regensburg, Remscheid, München,
Marl und Graz gezeigt.
Literaturhinweise:
Karlheinz Strötzel: Ich sehe was, was du nicht siehst: Interkulturelles Lernen am Beispiel
Deutsch-Tschechischer Fotoseminare. In: A.Holzbrecher,J. Schmolling: Imaging,
Wiesbaden 2004, VS-Verlag für Sozialwissenschaften S.161-174
Karlheinz Strötzel: Interkulturelle Bildinterpretation – Bilddiskussion im Rahmen des 12.
Deutsch-Tschechischen Fotoseminars Marl 2005, In: A.Holzbrecher, J.Schmolling:
Fotografie und Text: Wiesbaden 2006, VS-Verlag für Sozialwissenschaften S, 345 -359
8
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
4
Dateigröße
844 KB
Tags
1/--Seiten
melden