close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Die Vielfalt ist das, was uns trägt«

EinbettenHerunterladen
MITTELBADISCHE PRESSE
www.bo.de
Dienstag, 3. September 2013
KEHL
Lokalrunde
Das sagt
ein Jugendlicher
über Auenheim
Die Zukunft
der Kehler
Ortschaften
Stefan Heidt (23) engagiert sich in seinem Heimatort Auenheim in mehreren Vereinen
ALLE FOLGEN
IM ÜBERBLICK
Auswahl
»Die Vielfalt ist für mich
das Besondere an Auenheim. Und jeder hat die
Freiheit, daraus auszuwählen, was ihm gefällt.«
Ortsvorsteher
Werner Müll
Querbach
Freitag, 16.8.
In der drittkleinsten
Kehler Ortschaft
wünscht man sich
eine bessere Busanbindung und den
Erhalt der Kita.
Bodersweier
Dienstag, 20.8.
Die drittgrößte
Ortschaft Kehls
kämpft wie Goldscheuer gegen den
Durchfahrtsverkehr
auf der B 36.
Leutesheim
Dienstag, 27.8.
Was die ganz eigene Mentalität der
Leutesheimer ausmacht, lesen Sie
unter anderem in
dieser Folge. Zierolshofen
Freitag, 30.8.
Der Erhalt des kleinen Ladens und
des Bistros sind im
440-Seelen-Dorf
wichtige Themen
für die Zukunft.
Auenheim
Heute
Die Rheinauenlandschaft wird immer
beliebter. Deshalb
will Ortsvorsteher
Werner Müll sie in
Zukunft schützen.
Neumühl
Freitag, 6.9.
Zwischen B 28 und
Bahnlinie gelegen
sucht Neumühl
nach Bauplätzen
im Ortskern und an
dessen Rand.
Kork
Dienstag, 10.9.
Westumfahrung,
Baggersee und Inklusion behinderter Menschen: In
Kork stehen spannende Projekte an.
Odelshofen
Freitag, 13.9.
Erhalt des Kindergartens, Radwege
und Suche nach einem neuen Ortsvorsteher: In Odelshofen gibt es mehrere
Herausforderungen.
Fotos: Martina Nicklaus (6), Hans-
Jürgen Walter (2), Carla Leroux (1), Hubert Bretschneider (1)
S
tefan Heidt (23) aus Auenheim arbeitet als Elektroniker für Betriebstechnik bei einem Energieversorger. Nebenbei absolviert er gerade
abends die Meisterschule. In seiner Freizeit turnt Heidt in der Turnergemeinschaft Hanauerland, ist Beisitzer bei
den Auemer Wallgrawe-Dämonen, zudem Mitglied im Heimatbund und in der
Fischerzunft – auch wenn durch Arbeit
und Abendschule derzeit wenig Zeit für
Vereinstermine bleibt. Für die Zukunft
ist dem 23-Jährigen eines klar: »Ich bleibe mein ganzes Leben in Auenheim!«
DAS MACHT AUENHEIM AUS
Goldscheuer
Dienstag, 13.8.
In Kehls größter
Ortschaft sind der
Umbau der B 36 sowie Bürgerbeteiligung stark im Gespräch.
Hohnhurst
Freitag, 23.8.
Dem südlichsten
Dorf im Hanauerland, mit 250 Einwohnern die kleinste Ortschaft, fehlt
schnelles Internet.
»Die Dorfgemeinschaft stärken«
im bei Kanufa
t nordwestlich von Auenhe alten.
s die Rheinauenlandschaf
erh
das
zu
,
en
tet
ich
tion
ber
era
ll
Gen
Mü
r
e
ter
rne
Ortsvorsteher We
ützen, um sie für spä
sch
zu
ht
Sic
ge
lan
auf
na
doch dafür, Flora und Fau
beliebter wird. Er plädie
hrern und Tauchern immer
■■Was ist das Besondere an Auenheim?
Stefan H eidt: Das Wesentliche an
Auenheim ist unser Dorfkern mit schönen Fachwerkhäusern. Mir gefällt das
fast besser als ein Neubaugebiet oder eine Stadt. Außerdem bietet Auenheim
eine große Vielfalt an
Freizeitangeboten:
Wir
haben ein Freibad, viele
Vereine – etwa den Billardclub oder den Heimatbund –, ein BowlingCenter, den Jugendkeller
und die Rheinauenlandschaft. Das ist toll zum
Spazierengehen, Bootfahren oder Joggen. Als
Angler muss ich ohnehin sagen, dass wir viele gute und schöne Gewässer in Auenheim
haben.
Foto: Ulrich Marx
rt je-
Fotos (6): Mar tina Nicklaus
»Die Vielfalt ist das, was uns trägt«
■■
Was gefällt
dir an deiner Ortschaft?
H eidt: Mir gefällt
eigentlich alles an
Auenheim. Natürlich
Ortsvorsteher Werner Müll sorgt sich um die Rheinauenlandschaft und um die Infrastruktur – auch wenn Netto kommt
Von M a rt i na N ick l aus
mer mehr zu einem Standort-Kriterium.
»Das ist Infrastruktur, die Eltern täglich
orden von Menschen, die Freizeit brauchen«, betont der zweifache Opa.
erleben wollen, kommen am Wo- Deshalb hält Müll Ganztagesbetreuung
chenende hierher«, berichtet Au- im Kindergarten und in der Grundschuenheims Ortsvorsteher Werner Müll le vor Ort für so wichtig.
beim Ortstermin in der RheinauenMit 18 bis 22 Geburten pro Jahr in Aulandschaft. »Hier setzen die Kanufahrer enheim kann sich eine einzügige Grundein«, sagt der 62-Jährige und zeigt auf ei- schule auf Dauer halten. »Bislang hatten
ne Stelle mit flachem Ufer am Prestel- wir zwei Klassen aus Bodersweier«, beBaggersee, in der Nähe des alten Sport- richtet Müll. »Die gehen ab September
platzes. Durch das Internet verbreite nach Leutesheim.« In den frei werdensich der Tipp schnell. Der Ortsvorsteher den Räumen bietet die Schule stattdesund seine Mitbürger beobachten, dass es sen Ganztagesbetreuung bis 17 Uhr an,
immer mehr Kanu-Touren gibt, die vom die von der Caritas übernommen wird.
Auenheimer Baggersee durch die Auen- »Die Kinder werden dabei von Fachlandschaft bis nach Freistett paddeln. kräften pädagogisch umsorgt, außerDas klare Wasser des Baggersees Bünd- dem werden die Hausaufgaben unter
wörth ziehe zudem am Wochenende bis Aufsicht gemacht«, berichtet Müll stolz.
zu 100 Taucher an. »Da die zum Teil von »Wir haben mit sieben, acht Kindern anweit her anreisen, genießen sie meistens gefangen, aber das wird spätestens dann
den ganzen Tag hier, machen ein Lager- mehr werden, wenn die ganztags betreufeuer oder grillen.«
ten Kleinkinder aus dem Kindergarten
Müll versteht die Begeisterung der hochwachsen.«
Freizeitsportler für die RheinauenlandDer Trend gehe zur Ganztagesbeschaft voll und ganz. »Aber der Freizeit- treuung vom Kleinkind bis zum Ende
druck auf die Auen wird immer größer«, der Grundschule. »Und der Trend reißt
mahnt er. Deshalb
nicht ab«, betont
möchte er das FreiMüll.
Deshalb
Der Freizeitdruck auf die Rheinauen müsse man vor
zeitvergnügen so
durch Taucher und Kanufahrer
beschränken, dass
Ort die entspreFlora und Fauna
chenden Angebohat zugenommen, berichtet
auch noch spätete
bereithalten.
Ortsvorsteher Werner Müll
ren Generationen
»Sonst wandern
zugute kommen.
Familien womögSchließlich brüten in den Auen etwa Eis- lich ab«, betont der Ortsvorsteher. »Und
vögel und Schwäne. Was die Taucher als politisch Verantwortlicher will ich
angeht, hat man bereits reagiert: Ei- Schule und Schüler im Ort halten.« Gene Tauchberechtigung ist mittlerweile nerell müsse man die Angebote im Ort
nötig – und pro Tag werden nur 20 aus- so gestalten, dass der Bürger sich wohl
gestellt. »Es ist ein öffentliches Gewäs- fühlt. Im Auenheimer Kindergarten stoser, deshalb können wir es nicht sper- ße man dabei schon an die Kapazitätsren«, erklärt Müll. Stattdessen schwebt grenzen, weil sich die Zahl der Kinder
ihm für die Kanuten eine ähnliche Ein- besser entwickelt hat als prognostiziert
schränkung wie bei den Tauchern vor.
und weil sich durch die KleinkindbeNeben den ökologischen Herausfor- treuung der Berechnungsschlüssel verderungen an den Rheinauen ist Kinder- ändert hat. Im Kindergartengebäude
betreuung ein großes Thema in Auen- müsse man dringend baulich nachbesheim. »Wir müssen es schaffen, dass es sern, findet Werner Müll.
nicht mit allzu großen EinschränkunNeben der Kinderbetreuung ist für
gen verbunden ist, Kinder zu bekom- Müll die Nahversorgung ein Wohlfühlmen«, sagt Werner Müll, der an diesem faktor. »Deshalb kämpfen wir als OrtSommerferientag selbst den Enkel Hen- schaft dafür, dass wir wieder einen Ledrik (8) dabei hat. »Dafür müssen der bensmittelladen bekommen«, sagt der
Gesetzgeber und die Kommunen die Vo- Ortsvorsteher. »Das ist ein strategischer
raussetzungen schaffen.« Kinderbetreu- Standortvorteil.« Nach langen Bemüung wird nach Ansicht des Auenheimer hungen hatte der Ortsvorsteher jüngst
Ortsvorstehers und SPD-Stadtrates im- gute Neuigkeiten zu verkünden: »Die Zu-
H
sage von Netto liegt vor«, berichtet Müll
mit einem Lächeln. »Nach der Sommerpause kann der Gemeinderat die Aufstellung des Bebauungsplans beschließen.«
Somit ist die erste Hürde genommen auf
dem Weg zur Ansiedlung eines Discounters am Ortseingang von Auenheim, von
Kehl her kommend. Die Netto-Filiale
soll dort im Bereich vor dem Ortsschild
– zwischen dem Neubaugebiet Beckäcker, das gerade rechter Hand entsteht,
Die Zusage, dass Netto tatsächlich
in Auenheim einen Markt
eröffnen möchte, löst das größte
Infrastruktur-Problem der Ortschaft
und der Freiburger Straße, die nach Auenheim hinein führt – gebaut werden.
Knapp 800 Quadratmeter soll der Markt
groß werden und 60 Parkplätze zur Verfügung stellen. Damit hätte Auenheim
nach der Schließung des Edeka-Marktes 2011 wieder einen Lebensmittler.
»Das löst eines unserer größten Infrastruktur-Probleme«, sagt ein sichtlich
zufriedener Werner Müll. Beim Thema
Nahversorgung habe den Auenheimern
»schon der Kittel gebrannt«. Zumal, wie
Müll berichtet, »Lebensmittler in Auenheim nicht Schlange stehen.« Umso erfreulicher sei es, dass Netto jetzt zugesagt hat.
Während es in Sachen Lebensmittelgeschäft derzeit gut für Auenheim aussieht, macht die Gastronomie im Ort
dem Ortsvorsteher auf lange Sicht Sorgen. »Wir möchten die Gastronomie erhalten und oberflächlich betrachtet
sieht es nicht schlecht aus. Aber mit dem
Generationswechsel könnte es in den
nächsten Jahren schwierig mit der Gastronomie im Ort werden«, meint Müll.
Die beste Erfahrung habe man mit Familienbetrieben gemacht. Bei der Sporthallengastronomie, die in städtischer
Hand ist, geht es immer darum, einen
»gscheiten Pächter« zu finden. Als Bürger wolle man auch die Gastronomie im
Ort unterstützen. Aber Müll weiß aus eigener Erfahrung, dass hin und wieder
die Lust auf Abwechslung siegt und man
sich doch ins Auto setzt, um auswärts essen zu gehen.
Das Thema fehlende Parkplätze beschäftigt den Ortsvorsteher im Gewer-
begebiet Auenheim-Süd. »Wenn die Betriebsgelände nicht ausreichen, dann
stehen die Lkw oft draußen auf der Straße«, erklärt Müll. Viele Zulieferer, die
das Gewerbegebiet anfahren, machen
zudem dort ihre Ruhepausen. Dadurch
sei das Gebiet bisweilen zugeparkt. »Wir
wollen ein befestigtes Gelände im Gewerbegebiet verpachten, um es als LkwParkplatz zu nutzen«, erklärt Müll.
Während auf dem Neubaugebiet
Beckäcker derzeit auf zwölf Bauplätzen
kräftig gearbeitet wird, soll der nächste
Bauabschnitt 2015/16 angegangen werden. Zum Wohnen ist Auenheim auch
bei Franzosen sehr beliebt. »Neulich hat
ein französischer Auenheimer zu mir
gesagt: Ich bin hierher gezogen, weil es
bis zu meinem Arbeitsplatz in Straßburg genau zwei Ampeln sind«, erzählt
Müll. Dennoch gibt Müll zu: »Diese europäische Vermischung ist für uns, die wir
schon immer hier gelebt haben und noch
die Grenze kannten, nicht immer einfach.« Den Fortschritt, dass das Überschreiten der Grenze selbstverständlich
ist, müsse man jedoch in Generationen sehen.
Sozialarbeit in allen Altersschichten im Ort leisten vor allem
die Vereine, berichtet Müll. Vor
zwei Jahren hat etwa der Turnverein Auenheim (TV), der allein 700
Mitglieder zählt, einen Gymnastikraum an die Turnhalle angebaut.
Von den 210 00 Euro Baukosten gab
es 107 000 Euro von der Stadt Kehl und
42 000 vom Badischen Sportbund. Den
Rest steuerte der Turnverein bei. Außerdem hat der Verein viel Eigenarbeit
in den Anbau gesteckt. »Im Gymnastikraum, der seit einem Jahr in Betrieb ist,
kann der Turnverein etwa Tanzsport
anbieten, das ist gerade sehr im Trend«,
erklärt Müll. »Dadurch kann der Verein
junge Mitglieder halten und das Ergebnis war bei den Tanzveranstaltungen
auf unserem Dorffest zu sehen«, berichtet der Ortsvorsteher. Gleichzeitig gebe
es aber auch Gymnastik für Senioren im
Turnverein und beim DRK. »Die Vielfalt
ist das, was uns trägt.«
Diese Vielfalt im Dorf möchte Müll
erhalten, egal ob in der Natur, im Vereinsleben oder bei der Kinderbetreuung.
Das Dossier zur Serie finden Sie unter
www.bo.de/150-jahre
Stefan Heidt (23) kann sich nicht vorstellen, aus Auenheim
wegzuziehen.
gibt es auch Dinge, über die man sich
aufregt. Aber das Gesamtbild gefällt
mir. Ich würde auch nie aus Auenheim
wegziehen, höchstens mal übergangsweise. Für die Ausbildung war ich in
Pleidelsheim bei Stuttgart, das war auch
eine schöne Erfahrung. Aber für mich
gilt »Auene ist Auene«.
■■Was fehlt dir als junger Erwachsener in Auenheim?
H eidt: Es ist wichtig, dass der Netto jetzt wirklich kommt. Was mir und
meinen Freunden aber außerdem in Auenheim fehlt, ist ein Getränkemarkt.
Es hieß, dass der Netto keinen haben
wird, aber das wäre wirklich ein großer
Wunsch von uns. Bisher fahren wir immer nach Bodersweier. Bei uns geht das,
aber für ältere Menschen ist das schon
schwieriger. Die haben sich früher, als
wir noch den Edeka hatten, immer dort
getroffen und sich unterhalten. Da kam
man immer heim und hat mehr gewusst
als vorher – auch wenn man nur eine
Kiste Sprudel gekauft hat. Ansonsten
fehlt mir eigentlich nichts. Eine Disko
brauch ich bei uns im Dorf nicht, auch
wenn das bei uns im Gewerbegebiet
prinzipiell möglich wäre.
■■Wie siehst du die Zukunft von
Auenheim?
H eidt: Auenheim ist ein schönes
Dorf, warum sollte es nicht wachsen? Ich
hoffe, dass es die Möglichkeit für neue
Wohngebiete gibt. Es ist auf jeden Fall
Potenzial da, dass das Dorf noch größer
wird. Außerdem könnte der Zusammenhalt im Dorf noch gestärkt werden, etwa
durch eine bessere Zusammenarbeit der
Vereine. Man könnte zum Beispiel mal
ein kleineres Dorffest auf die Beine stellen, ganz ohne Jubiläum. Das würde die
Dorfgemeinschaft stärken und die Vereine könnten sich präsentieren.
FAKTEN
burger Stra , rechts der Frei augebiet
im
he
en
Au
n
vo
Am Ortseingang end, entsteht gerade das Neub
m
ße aus Kehl kom
Beckäcker.
Auenheim
Einwohner: 2512
Fläche: 831 Hektar
Anzahl Vereine: 18
Eingemeindung:
1. Januar 1975
Hier, a
m
ger St Orteinga
ng
r
Netto aße und de von Auen
heim,
m N eu
einen
zw
meind
D
b
erat n iscounter augebiet B ischen de
bauen
r Freib
a ch d
e c kä c
en So
.
mmer Damit wir ker, möcht ur
d sich
f eri e n
e
b ef a s
d
sen. er Ge -
ne s
st ei
i
alten
u e r h M ü l l. z
m
i
r
e
e
h
n
n
r
e
e
er W
i n Au
hule tsvorsteh c
s
d
n
r
u
O
r
G
Die Ziele von
ßen
d er g
ro -
plätze,
Lkw-Park parken.
n
le
h
fe
-Süd
aße
f der Str
uenheim
gebiet A r ihre Laster au
e
rb
e
w
e
t.
Im G
Fahre
tz geplan
en viele
wesweg ein Lkw-Parkpla
Nun wird
Layout: Christel Stetter
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
3
Dateigröße
6 349 KB
Tags
1/--Seiten
melden