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Begreifen was uns bewegt - Ottobock

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ÖSTERREICH
Ausgabe 14 | März 2010
www.ottobock.at
DIALOG
Das Magazin der Otto Bock Healthcare Products GmbH
Begreifen was uns bewegt
Foto: © Christoph Topitschnig
INHALTSVERZEICHNIS
Foto: © ÖPC/Franz Baldauf
DIALOG 14
Foto: © Conveen Sitting Bulls
2
6
9
Inhaltsverzeichnis
EDITORIAL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
OTTO BOCK STELLT SICH VOR
Research & Development Office . . . . . . . . . . . . . . 4
REPORTAGE
Räder am Ball . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
BERICHT
Ausgezeichnete Lehrlingsausbildung . . . . . . . . . . . 8
Schifahren mit C-Leg® in Jerzens . . . . . . . . . . . . . . 8
Titelbild:
Österreich-Haus: (v.l.n.r.) Martin Hollitsch –
Geschäftsleiter Vertrieb Österreich,
Dr. Hans Dietl – CTO Otto Bock Firmengruppe
und Geschäftsführer Otto Bock Österreich,
Reinhold Sampl – Athlet Paralympics „VANCOUVER
2010“, BM a.D. Maria Rauch-Kallat –
Präsidentin des Österreichischen Paralympischen
Committees, Professor Hans Georg Näder –
Geschäftsführender Gesellschafter der Firmengruppe
Otto Bock, President & CEO der Otto Bock
HealthCare GmbH
Copyright GEPA-pictures
IMPRESSUM
Herausgeber und Medieninhaber:
Otto Bock Healthcare Products GmbH
Kaiserstraße 39, 1070 Wien
Redaktion und Konzeption:
Otto Bock Public Relations
Notburga Halbauer
Zuzana Sahin
Layout:
JoHeinDesign, Wien
Druck:
AV+Astoria Druckzentrum, Wien
Fotos:
alle Fotos © Otto Bock, sofern keine andere Angabe
© 2010 Otto Bock Healthcare Products GmbH, Wien
Sport und Mobilität als Erlebnis bei den
Winter-Paralympics 2010 in Vancouver . . . . . . . . . 9
LEBENSNAH
„Sportlichkeit bedeutet Unabhängigkeit
im Alltag“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
AKTUELLES
Bewegung im Rollisport-Segment . . . . . . . . . . . . . 11
Engagement der Otto Bock Stiftung auf Haiti . . . . . 12
10
DIALOG 14
Foto: © Otto Bock/Foto Weinwurm
EDITORIAL
Sehr geehrte
Damen und Herren,
im vergangenen Februar war Sport
das Thema Nr. 1 in den Medien.
Nicht nur Sportfans haben die Olympischen Spiele aufmerksam verfolgt.
Gerade bei den olympischen Spielen wird die Bedeutung von Sport in
unserer Gesellschaft auch von der
breiten Bevölkerung wahrgenommen. Sport gibt Kraft für die Aufgaben im Alltag. Sportliche Erfolge
steigern das Selbstbewusstsein und
das körperliche Wohlbefinden. Diese Tatsache gilt speziell für Menschen mit Handicap.
Sportlern mit Handicap wird dank
der Paralympischen Spiele immer
mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Die Vorbildfunktion, die viele paralympische Spitzensportler auszeichnet, ist weniger daran zu messen,
wie nah sie an die Leistungen von
Olympioniken herankommen. Die
Botschaft der Paralympics reicht
weiter. Sie verändert über den Sport
hinausgehend auch das Bewusstsein über das Leben mit Behinderung in der Öffentlichkeit. Hinter der
Leistung eines Sportlers steht die
Rückgewinnung der Mobilität im Alltag.
Otto Bock fördert als verantwortlich
handelndes Unternehmen den paralympischen Sport. Wir betrachten es
als eine wichtige Aufgabe, unsere
Gesellschaft auf das Thema „Handicap“ aufmerksam zu machen, zu
sensibilisieren und Interesse zu
wecken.
Otto Bock geht verschiedene Wege
um dieses Ziel zu erreichen (Seite 9).
Matthias Wastian beweist, dass
Sportlichkeit für einen Rollstuhlfahrer mehr Unabhängigkeit im Alltag
bedeutet. Dank regelmäßigen sportlichen Einsatzes als Rollstuhlbasketballer und Kapitän bei dem Spitzenverein „Sitting Bulls“ ist er für die Hürden des täglichen Lebens bestens
gerüstet. Mehr über sich verrät er im
Gespräch auf den Seiten 10 und 11.
Über die Erfolge seiner Mannschaft
„Sitting Bulls“ und die Spielregeln im
Rollstuhlbasketball berichten wir im
Detail auf den Seiten 6 und 7.
Rollstuhlbasketballer benützen bei
ihren Wettkämpfen besonders entwickelte Sportrollstühle. Im Rahmen
einer Kooperation mit Wolturnus bietet Otto Bock eine Vielfalt verschie-
dener Rollstühle für individuelle
Sportarten an – unter anderem auch
für Rollstuhlbasketball (Seite 11).
Wie Sie sehen, haben wir für die aktuelle Ausgabe den Schwerpunkt auf
„Sport“ gelegt. Die verschiedenen
Beiträge sollen uns allen erleichtern
zu begreifen, was uns bewegt.
Gute Unterhaltung mit dieser Ausgabe des DIALOG wünscht Ihnen
Ihr Hans Dietl
Hans Dietl
geboren 1957 in Wien, ist bereits seit 1987 im Unternehmen. Während seiner Tätigkeit als Entwicklungsingenieur und später als Leiter der Forschungs- und
Entwicklungsabteilung hat er maßgeblich an der Entwicklung zahlreicher Produkte mitgewirkt, darunter
z. B. das myoelektrische Kinderhandsystem und
das C-Leg®. Seit 2000 ist er Geschäftsführer der
Otto Bock Healthcare Products GmbH in Österreich
und seit 2006 auch technischer Geschäftsführer der
Otto Bock HealthCare GmbH in Duderstadt,
Deutschland. Hans Dietl hat gleichzeitig die Funktion
des Unternehmenssprechers der Otto Bock Healthcare Products GmbH inne.
3
4
DIALOG 14
REPORTAGE
Otto Bock stellt sich vor
Otto Bock stellt sich vor –
Research & Development Office
Die Unterstützung der Abteilung Research & Development Office ist bei Otto Bock für den reibungslosen Ablauf von Entwicklungsprojekten unabdingbar. Die KollegInnen dieser Abteilung
erweitern und entlasten das Entwicklungsprojektteam, indem sie bestimmte Aufgaben übernehmen und ihr Spezialwissen zur Verfügung stellen.
In den vergangenen Jahren wuchs
die Abteilung Research & Development Office rasant.
Ursprünglich war in der „Dokumentation“ – so hieß die Abteilung früher
– hauptsächlich die Dokumentation
der Entwicklungprojekte, das Risikomanagement und die Gestaltung
und Erstellung von Bedienungsanleitungen angesiedelt.
„Eine Gruppe von fünf Mitarbeitern
übernahm unter der Leitung von
Herrn Dietl – damals F&E Leiter –
diese Aufgaben“, so Jürgen Weiss
zu den Anfängen seiner Abteilung.
Herr Weiss ist seit sechs Jahren Abteilungsleiter: „Seit der Gründung
der Abteilung sind jährlich neue Themen und Aufgaben dazugekommen.
Das Wachstum, das unser Unternehmen auszeichnet, findet sich
auch im R&D Office wieder.“
Heute arbeiten 16 MitarbeiterInnen
in der Abteilung Research & Development Office. Aufgrund der ständig wachsenden Aufgabenvielfalt
wurde die Struktur der Abteilung in
den letzten Jahren mehrmals angepasst werden. „Mit steigender Spezialisierung und wechselnden AufgaRegulatory
Affairs:
Dr. M. Mileusnic
(2 v.l.),
Dipl.-Ing.(FH)
R. Wolkerstorfer
(4 v.l.)
International
Regulatory
Affairs:
Dipl.-Ing. R.
Maczejka (li.),
Dipl.-Ing.
J. Weiss (mi.)
Risikomanagement:
M. Wunsch (re.)
Technische Redaktion: (v.l.n.r.) R. Fronhofer, N. Korntheuer, B. Schrimpl,
H. Sonneck
ben veränderten sich auch die Verantwortlichkeiten der einzelnen Kollegen ständig. Das stellt eine große
Herausforderung für uns alle dar.
Verantwortungsbereiche müssen in
die Gruppe aber auch in Richtung
Entwicklungsmannschaft klar kommuniziert sein, um auf beiden Seiten
Unsicherheiten zu vermeiden“, erläutert Jürgen Weiss. In den einzelnen
Gruppen werden die gemeinsamen
Spielregeln festgelegt und jede/r MitarbeiterIn kann selbstverantwortlich
in diesem Rahmen agieren. Herr
Weiss unterstützt sein Team aktiv,
um Arbeitsprozesse reibungslos und
effektiv abzuwickeln. Er ist für die
Umsetzung der vorgegeben Ziele
der gesamten Abteilung verantwortlich.
Unterstützung für F&E
Das R&D Office entlastet die Entwickler, damit sich diese auf ihre
Kernaufgaben konzentrieren können. Somit schafft das R&D Office
optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Abwicklung von Entwicklungsprojekten. „Es ist wichtig, dass
im Vorfeld ganz genau durchdacht
wird, ob eine Aufgabenverlagerung
vom Entwickler zum R&D Office für
das Gesamtprojekt sinnvoll ist und
das Arbeiten optimiert“, meint Jürgen
Weiss.
Zu den Aufgaben und der Verantwortung des R&D Office gehört
auch, einzelne Arbeitspakete aus
dem Produkt-Entwicklungsablauf
vollständig zu koordinieren und umzusetzen.
Diese Aufgaben sind auf fünf Teams
aufgeteilt: Projektoffice, Technische
Redaktion, Risikomanagement, Regulatory Affairs und International Regulatory Affairs.
Otto Bock stellt sich vor
REPORTAGE
DIALOG 14
Regulatory Affairs und
International Regulatory Affairs
Der Teamname gibt Auskunft über
die Kernaufgabe der Abteilung. Eine
der wichtigsten Aufgaben ist die Recherche von marktspezifischen
rechtlichen Anforderungen an das
Inverkehrbringen von Produkten.
Hierzu werden Gesetzesänderungen, die Otto Bock Produkte betreffen, recherchiert – durch Informationen aus Newslettern, Gremien, Teilnahme an Tagungen & Kongressen
– und in den jeweiligen Prozessablauf implementiert.
Als Hersteller von Medizinprodukten
werden an Otto Bock Produkte und
Leistungen seitens der Gesetzgeber
verschiedene Anforderungen gestellt. Damit die Produkte die entsprechende Qualität, Sicherheit
oder die erforderlichen Merkmale
aufweisen, ist es erforderlich, dass
Prozesse in der Entwicklung und Fertigung in einer dafür vorgesehenen
Art ablaufen. Es muss sicher gestellt
werden, dass diese Prozesse im Unternehmen so ablaufen, wie es vorgeschrieben ist. Dabei ist enge Zusammenarbeit mit der Abteilung
Qualitätsmanagement unabdingbar, da diese Abläufe ins Qualitätshandbuch aufgenommen werden.
Zu den Tätigkeiten gehört auch die
Marktüberwachung, um Informationen über Mitbewerb, deren Produkte und verwendete Technologien zu
sammeln. Damit werden notwendige
Vorbeugemaßnahmen zur Verbesserung oder Änderung bei Otto Bock
Produkten rechtzeitig ausgelöst.
Das Team ist auch für die Einreichung, Gestaltung und Überwachung (Monitoring) klinischer Prüfungen verantwortlich. Eine klinische
Studie/Prüfung dient einerseits zur
kontrollierten Erprobung neuer Konzepte am Patienten und andererseits
zum Nachweis der klinischen Sicherheit zur Erlangung von Marktfreigaben seitens der Zulassungsbehörden.
Der jüngste Bereich übernimmt mit
der Aufgabe „Aufbau einer internationalen Struktur“ Gruppenfunktion.
Damit soll an den verschiedenen
Standorten die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an Medizinproduktehersteller unterstützt werden. Das Ziel ist einerseits Rechtssicherheit für unsere Produkte zu ge-
Team Projekt Office: (v.l.n.r.) Dipl.-Ing.(FH) J. Frankl, R. Locher MSc, M. Sparrer BA, T. Korab,
M. Fleck, Mag. R. Bautzmann, Dipl.-Ing. F. Ruess
währleisten und andererseits neuen
Produkten einen raschen Markteintritt zu ermöglichen. Auch der Ablauf
internationaler Aktionen wie Rückrufe oder Vorkommnismeldungen soll
dadurch verbessert werden.
Technische Redaktion
Die MitarbeiterInnen dieses Bereiches erstellen alle Begleitdokumente im Zusammenhang mit unseren
Produkten. Das sind z. B. Gebrauchsanweisungen, Patienteninformationen, Software-Anleitungen
und Serviceanleitungen. Die Gestaltung von Aufklebern und Schildern
zählt ebenso zu den Aufgaben wie
das Fotografieren von MitarbeiterInnen und Produkten. Die Erstellung
und Bearbeitung von Bildern und Videoaufnahmen ist eine wichtige Unterstützung für die Abteilung internationale Schulung und Public Relations.
Risikomanagement
Begleitend zu den Entwicklungsaktivitäten läuft eine Risikoanalyse mit
dem Ziel, die Produktsicherheit zu
maximieren. Ein Team von Entwicklern, Mitarbeitern aus der Fertigung,
z. T. Angehörigen der Heilberufe und
dem Risikomanager aus dem R&D
Office identifizieren sicherheitsrelevante Funktionen, Teile und Anwendungsfälle. Sie entwickeln gemeinsam ein Sicherheitskonzept bestehend aus konstruktiven Maßnahmen, Schutzvorrichtungen und Sicherheitshinweisen. Bei bereits am
Stilisierte Grafik
für Bedienungsanleitung,
von Technischer
Redaktion
angefertigt
Markt befindlichen Produkten ist die
Durchführung von Risikobewertungen im Rahmen von Reklamationen
eine wichtige Aufgabe für den Risikomanager.
Team Projekt Office
Dieses Team unterstützt in erster Linie den Projektleiter eines Entwicklungsprojekts in organisatorischen
Belangen und bei der projektbezogenen technischen Dokumentation.
Dazu zählen klassische Aufgaben
aus dem Projektmanagement wie
Projektplanung und Controlling sowie die Moderation von Besprechungen. Im Rahmen des Dokumentationsmanagements werden neue Dokumentvorlagen erstellt und deren
formal richtige Anwendung überprüft. Auf Anfrage führen die Mitarbeiter des Projekt Office auch eine
inhaltliche Plausibilitätskontrolle der
erstellten Dokumente durch.
■
5
DIALOG 14
REPORTAGE
Rollstuhlbasketball
Räder am Ball
Von 12. bis 14. März fand in Klosterneuburg das europäische Rollstuhlbasketball-Turnier zur
Qualifikation zum Europacupfinale statt. Ausrichter der Veranstaltung war der lokale österreichische Spitzenverein „Sitting Bulls“. Den Zuschauern wurde drei Tage lang Rollstuhlbasketball auf europäischem Spitzenniveau geboten.
Rollstuhlbasketball ist ein Sport, der
hauptsächlich von Menschen mit
körperlicher Behinderung betrieben
wird. Auch Fußgänger dürfen mitspielen. Die Regeln sind an die des
klassischen Basketballs angelehnt
und in einigen Punkten an die Anforderungen des Rollstuhlgebrauchs
angepasst. Als einer der wichtigsten
ist hier das Klassifizierungssystem zu
nennen, das einen Ausgleich zwischen Mitspielern mit unterschiedlich starken Behinderungen herstellt.
Rollstuhlbasketball wurde 1946 von
ehemaligen Basketballspielern in
den USA erfunden. Sie wollten trotz
Kriegsverletzungen ihren Sport fortführen. Mittlerweile wird diese Sportart in schätzungsweise 80 Ländern
von über 25.000 behinderten (und
zum Teil nichtbehinderten) Männern
und Frauen gespielt.
Die International Wheelchair Basketball Federation ist der internationale Dachverband, seit 1993 eine
unabhängige Sportorganisation mit
über 50 Mitgliedsstaaten. Rollstuhlbasketball ist seit den Paralympics
Euroleague
2010 in
Klosterneuburg
am 14. März:
Sitting Bulls –
Silverspokes
Gent 57:41
in Rom 1960 offizielle paralympische
Sportart.
sind einzuhalten, wie z. B. Größe und
Form des Sitzkissens.
Die Spielregeln
Funktionale Klassifizierung
der Spieler
Rollstuhlbasketball wird von zwei
Mannschaften mit je fünf Spielern
gespielt. Es ist das Ziel jeder Mannschaft, den Ball in den Korb des Gegners zu werfen und die andere Mannschaft daran zu hindern, Korberfolge zu erzielen. Das Spiel wird von
Schiedsrichtern, Kampfrichtern, einem Kommissar und einem Klassifizierer geleitet.
Die Mannschaft, die am Ende der
Spielzeit die größere Punktzahl erzielt hat, ist Gewinner des Spiels.
Das Spielfeld ist ein Rechteck mit
ebener, harter Oberfläche, frei von
Hindernissen mit einer Länge von 28
und einer Breite von 15 Metern.
Rollstühle
Besondere Aufmerksamkeit wird
dem Rollstuhl gewidmet, da er Teil
des Spielers ist. Detaillierte Auflagen
Die funktionale Klassifizierung der
Spieler schafft einen Ausgleich zwischen Menschen mit unterschiedlich
starker Behinderung. Es wird hierbei
je nach Behinderungsgrad zwischen
acht Stufen unterschieden. Die Bewertung richtet sich nach der Fähigkeit, verschiedene Bewegungen
auszuführen. Die niedrigste Punktzahl und damit höchste Behinderungsstufe stellt die 1,0 dar. Gänzlich unbehinderte Spieler werden mit
4,5 bewertet. Die Unterteilung erfolgt
in 0,5er-Schritten.
In gemischten Mannschaften erhalten Frauen zusätzlich einen generellen Punktabzug von 1,5 Punkten. Eine Frau kann somit auch eine negative Punktzahl erreichen.
Mannschaft
Jede Mannschaft besteht aus:
• höchstens zwölf spielberechtigten Mannschaftsmitgliedern, einschließlich Kapitän
• einem Trainer und gegebenenfalls einem Co-Trainer
• fünf Spieler jeder Mannschaft
müssen während des Spiels auf
dem Spielfeld sein und können
ausgewechselt werden. Sie dürfen insgesamt nicht mehr als 14,5
Punkte erreichen.
Conveen Sitting Bulls – seit
Jahrzehnten Spitzenmannschaft
Foto: © Conveen Sitting Bulls
6
Einer der bekanntesten Rollstuhlbasketballmannschaften ist der
sechsfache Staatsmeister „Conveen Sitting Bulls“ aus Klosterneuburg.
Andreas Zankl gründete die Mannschaft und bestritt 1989 mit der
Mannschaft in der Rolle des Trainiers die erste Meisterschaft.
REPORTAGE
DIALOG 14
Foto: © Conveen Sitting Bulls
Rollstuhlbasketball
Foto: © Conveen Sitting Bulls
Andreas Zankl ist national in der
österreichischen Meisterschaft auch
als Nichtbehinderter spielberechtigt
und übt dadurch auf nationaler Ebene auch die Funktion des Spielertrainers aus. Er trainiert außerdem
die österreichische Nationalmannschaft, die zum großen Teil aus den
Spielern des Vereins „Sitting Bulls“
besteht.
„Ich begeisterte mich schon als Kind
für Basketball. Wenn ich etwas angestellt habe oder meine Hausauf-
Andreas Zankl: Trainer der Mannschaft
gaben nicht gemacht habe, durfte
ich nicht zum Training. Das war die
größte Strafe für mich“, erinnert sich
Andreas Zankl. Seit seinem zehnten
Lebensjahr spielt er leidenschaftlich
Basketball, unter anderem spielte er
auch in der Bundesliga. Zum Rollstuhlbasketball ist er über seine Tätigkeit im größten Rehabilitationszentrum der AUVA, am Weißen Hof
in Klosterneuburg, gekommen. Seit
1986 ist er am Weißen Hof als Behindertensportlehrer tätig. Andreas
Zankl über seinen Aufgabenbereich:
„Ich mache Rollstuhltraining, Krafttraining und in weitere Folge Behindertensport. Nach dem Grundtraining können die Patienten mit dem
Behindertensport beginnen. Sie können selbst wählen, welchen Sport sie
ausüben möchten. Angeboten werden unter anderem Tischtennis, Basketball, Schwimmen, Tennis und
Leichtathletik.“
Durch Training und Sport neue
Kraft gewinnen
Durch seine Tätigkeit am Weißen
Hof hatte er schon immer Kontakt zu
potenziellen Basketballspielern. Die
Teammitglieder von „Sitting Bulls“
konnte Herr Zankl am Weißen Hof
motivieren und fürs Team gewinnen.
Durch die Möglichkeit in der Mannschaft mitzuspielen eröffnen sich für
die einzelnen Spieler neue Perspektiven. Durch Erfolgserlebnisse gewinnen sie ein neues Selbstbewusstsein und auch viel Kraft für den Alltag.
Die Mitglieder der Mannschaft sind
nicht hauptberuflich Sportler, sondern führen ein konventionelles Leben mit Familie und Beruf. Trotz alledem nehmen sie sich die Zeit für das
Training. Auch wenn es nicht leicht
fällt zweimal pro Woche zum Training zu kommen, sind die Spieler
durch ihre Erfolge und den Ansporn
ihres Trainers motiviert durchzuhalten.
Eine weitere Herausforderung ist die
Finanzierung des Teams und der
Wettkämpfe. Der Verein ist auf entsprechende Sponsoren angewiesen. Der Name „Conveen“ ist auf
Produkte eines Sponsors der Mannschaft zurückzuführen, der Hygieneartikel herstellt.
Um überhaupt an einem Wettkampf
teilzunehmen, ist zu allererst die Zahlung des Nenngeldes notwendig.
Wenn ein Spiel im Ausland stattfindet, muss nicht nur die Mannschaft
dort hinreisen, sondern auch die
Ausrüstung der Mannschaft wird an
den Austragungsort transportiert. All
das ist mit hohen Kosten verbunden.
Die Ausrüstung als solches ist kostenintensiv. Die Sportrollis erfordern regelmäßige Wartung wie z. B.
regelmäßige Erneuerung vom Verbrauchsmaterial wie Reifen und
Schläuche. Bei der Auswahl der
Wettkampfbeteiligung müssen Prioritäten gesetzt werden.
Der sportliche Benefit bei einem
Match mit einem ebenbürtigen oder
sogar besseren Mannschaftsgegner
rechtfertigt die finanziellen Belastungen einer Teilnahme bei Auslandswettkämpfen.
Trotz dieser Stolpersteine ist „Sitting
Bulls“ sehr erfolgreich. Bis jetzt
schafften sie es bereits zweimal ins
Finale zu kommen, obwohl die Mannschaft über keine Wechselspieler
und/oder international bekannte
Spitzenspieler verfügte.
Zankl: „Wir sind heuer in der glücklichen Lage, dass wir mit dem international bekannten Spieler Joachim
Gustavsson aus Schweden eine Saison lang einen erfahrenen Spieler
und zuverlässigen Scorer in unserer
Mannschaft haben. Er zeigte z. B.
beim überraschenden EM-Titelgewinn der Schweden 2007, dass er
zur Weltspitze gehört.
Bei der Europacup Vorrunde in
Klosterneuburg zeigte die Mannschaft der „Sitting Bulls“ mit Erfolg
ihr Können.
Andreas Zankl zu den Europacup
Vorrunden: „Dank der guten Teamleistung gelang uns der Platz drei
und bedeutet die Qualifikation für
den Challenge Cup kommenden
April in Lodz, Polen.“
■
7
BERICHT
Ausgezeichnete
Lehrlingsausbildung
Für die Lehrausbildung der OrthopädietechnikerInnen erhielt Otto Bock am 25. Februar mit
dem „TRIO AWARD“ eine Auszeichnung für engagierte Lehrbetriebe. Der Preis wurde von
der Stadt Wien und dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds verliehen. – Die Lehrlinge erzielten auch in der Berufschule und bei den Lehrabschlussprüfungen beeindruckende
Erfolge.
Am 25. Februar wurden im Rahmen
eines Festaktes im Schloss Neugebäude in Anwesenheit der Bezirksvorsteherin für den 11. Bezirk, Renate Angerer, und des stellvertretenden
Bezirksvorstehers vom 10. Bezirk,
Josef Kaindl, die prämierten Betriebe vorgestellt. Die Lehrberechtigten,
die Ausbilder und Lehrlinge bekamen die Urkunden und „Trio Awards“
überreicht. Bei der Jury punktete
Otto Bock vor allem mit zwei fortschrittlichen Angeboten: Ausbildung
von Mädchen in „traditionellen Männerberufen“ und Schnuppertagen
für Interessierte am Beruf der Orthopädietechnikerin/des Orthopädietechnikers.
Ehrung von Oguzhan Aslan und
Philip Stephan Mayer in der
Berufschule Apollogasse
Der Stadtschulrat für Wien sprach
Oguzhan Aslan und Philip Stephan
Mayer für die an der Berufschule für
Maschinen- und Fertigungstechnik
erreichten ausgezeichneten Lerner-
Foto: © waff/Wieser
DIALOG 14
Die glücklichen Gewinner mit Renate Angerer, Bezirksvorsteherin 11. Bezirk (2 v.r.)
und Helmut Moser, Regionaler Geschäftsleiter des AMS (re.)
folge am 26.01.2010 die Anerkennung aus. Herr Aslan und Herr
Mayer haben während der letzten
Jahre bei ihren Berufschulzeugnissen ausschließlich mit „Sehr gut“ abgeschlossen.
Lehrabschlussprüfungen
Werkzeugbautechnik
Oguzhan Aslan, Alexandra Kaloc-
sai, Philip Stephan Mayer und
Emrah Uzun absolvierten am 2.
und 3. Februar 2010 ihre Lehrabschlussprüfung zum/zur Werkzeugbautechniker/in. Herr Aslan, Herr
Mayer und Herr Uzun bestanden
die Prüfung mit gutem Erfolg.
Frau Kalocsai schloss als erste junge Frau bei Otto Bock eine Lehre
ab.
■
Schifahren mit C-Leg® in Jerzens
Zum 4. Mal hat im Jänner die Orthopädietechnikfirma Ludescher die Schitage für C-Leg®
TrägerInnen in Jerzens im Pitztal organisiert.
Inzwischen ist diese Veranstaltung
auch für Otto Bock ein Fixtermin.
Martin Hollitsch, Geschäftsleiter
Vertrieb Österreich, nutzte die Gelegenheit, Erfahrungsberichte von den
AnwenderInnen zu sammeln und war
mit auf der Piste. Hobby- und ProfisportlerInnen freuen sich jedes Jahr
auf diesen Event. Charlie Neuner als
staatlich geprüfter Schilehrer war an
diesem Tag gerne für die Verbesserung der Fahrkünste aller TeilnehmerInnen im Einsatz.
■
Fotos: © Toni Zangerl
8
Charlie Neuner
Paralympics 2010
BERICHT
DIALOG 14
Sport und Mobilität als Erlebnis
bei den Winter-Paralympics
2010 in Vancouver
IPC und Otto Bock mit einer gemeinsamen Ausstellung in
Kanada
Seit 2009 besteht die Kooperation
zwischen dem Österreichischen Paralympischen Committee und der
Otto Bock Niederlassung in Wien.
Martin Hollitsch, Geschäftsleiter
Vertrieb Österreich, betreute in seiner Funktion als Vorstandsmitglied
des ÖPC während der gesamten
Spieldauer das Österreich-Haus.
Am 15. März fand im ÖsterreichHaus ein Diskussionsabend statt.
Zum Thema „Begreifen, was uns bewegt – Spitzensport und Alltagsmobilität“ diskutierten Professor Hans
Georg Näder, Geschäftsführender
Gesellschafter der Firmengruppe
Otto Bock, President & CEO der
Otto Bock HealthCare GmbH, Dr.
Hans Dietl, CTO der Otto Bock Firmengruppe & Geschäftsführer Otto
Bock Österreich, und Reini Sampl,
Athlet Paralympics „VANCOUVER
2010“. Den Abend moderierte BM
a.D. Maria Rauch-Kallat, Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Committees.
Bei dieser Gelegenheit gab es auch
Grund zum Feiern: Zwei Mal Gold
durch Claudia Lösch und Sabine
Gasteiger mit Guide Stefan Schoner
sowie Bronze durch Philipp Bonadimann in den Slaloms.
■
Foto: © ÖPC/Franz Baldauf
Mit einer neuen Attraktion bereicherte das International Paralympic
Committee (IPC) und Otto Bock
während der Winter-Paralympics in
Vancouver (12. 3. – 21. 3. 2010) die
Spiele: Mitten im Zentrum von Whistler präsentierten die Partner eine
Ausstellung zu paralympischen Themen mit dem Titel „Spirit in Motion –
Discover What Moves Us“ im sogenannten „Snow Dome”. Die interaktive Ausstellung stand allen Besuchern offen und dokumentierte von
der Geschichte der Paralympischen
Bewegung über Informationen zu
Sportarten bis zur Medizintechnologie Hintergrundwissen und Mitmachaktionen z. B. beim Sledge-Eishockey.
Bei den X. Paralympischen Winterspielen in Vancouver kämpften fast
600 Athleten aus 64 Nationen in den
Disziplinen Ski Alpin, Skilanglauf,
Biathlon, Sledge-Eishockey und
Rollstuhl-Curling um Gold, Silber
und Bronze.
Die glücklichen SiegerInnen mit ihren Medaillen: (v.l.n.r.) P. Bonadimann,
S. Gasteiger, S. Schoner und C. Lösch
9
DIALOG 14
SERIE
Lebensnah
„Sportlichkeit bedeutet
Unabhängigkeit im Alltag“
Für Matthias Wastian eröffneten sich durch Sport neue Perspektiven. Seit mehr als zehn Jahren spielt er Rollstuhlbasketball und ist Kapitän der niederösterreichischen Mannschaft
„Sitting Bulls“. Für die Turniere wünscht er sich mehr Zuschauer – denn nichts ist für einen
passionierten Spieler schlimmer, als vor einer leeren Halle zu spielen.
Foto: © Conveen Sitting Bulls
10
Seit wann sitzen Sie im Rollstuhl und
wie ist es dazu gekommen?
Ich habe eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule. Mit elf Jahren
wurde ich aufgrund von Komplikationen bereits das zweite Mal operiert.
Doch trotz umfassender Therapie im
Anschluss konnten die erwarteten
Muskelfunktionen nicht wiederhergestellt werden. Eine Lähmung im
Bereich des ersten Lendenwirbels
wurde diagnostiziert und somit ein
Rollstuhl notwendig.
Wie sind Sie als Elfjähriger damit umgegangen einen Rollstuhl im Alltag
zu brauchen?
Mit elf Jahren gibt es natürlich noch
keinen Lebensplan, der umzustellen
ist. Für meine Eltern war das ganz
anders. Sie mussten akzeptieren,
dass ich nicht mehr gehen konnte und
auf einen Rollstuhl angewiesen bin.
Ich hingegen habe mich auf spielerische Art der Situation optimal angepasst. Für mich bedeutet der Rollstuhl Unabhängigkeit, mehr Eigenständigkeit und Mobilität. Die Tatsache im Rollstuhl zu sitzen sehe ich somit positiv.
Wie sind Sie zum Sport gekommen?
Schon als Kind liebte ich es, mich zu
bewegen. Auch als ich schon im Rollstuhl saß, konnte ich aufgrund des
Engagements meiner Lehrer überall
mitmachen. Bereits ein Jahr nach der
Operation spielte ich Tischtennis
und später Badminton im BG St.
Veit/Glan. Mit 14 fing ich als Rollstuhlfahrer mit Basketball in der
Schule an. Über die Schule entstand
der Kontakt zu meinem ersten Verein
„Carinthian Broncos“. Ich wurde
zum Training eingeladen, merkte sofort, dass ich fit genug war und sich
für mich neue sportliche Perspektiven anboten.
Wie sind Sie zu Ihrer aktuellen Mannschaft gekommen?
Die österreichische Rollstuhlbasketballszene ist nicht allzu groß. Schon
bevor ich 2002 zum Studium nach
Wien kam, hatte ich Kontakt zu den
„Sitting Bulls“. Ich bin ein Großstadtmensch und entschied mich für Wien
aufgrund der kulturellen Möglichkeiten und des besten Studienangebots. Ich wusste auch, dass Klosterneuburg, wo die „Sitting Bulls“ beheimatet sind, sehr nah bei Wien und
in Österreich die beste Adresse für
österreichischen Rollstuhlbasketball
ist. Da wollte ich unbedingt auch dazugehören und das ist mir Gott sei
Dank auch gelungen. Bis auf eine
studienbedingte Unterbrechung bin
ich seither durchgehend Spieler der
„Sitting Bulls“.
heren Akzeptanz in der Gesellschaft.
Möchten Sie uns zu dieser Unterbrechung etwas erzählen?
Ja, das erzähle ich gerne. Ich hatte
die Gelegenheit in Spanien als Erasmusstudent einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Vor meiner Abreise nach Spanien nahm ich Kontakt mit dem damaligen Meister „CD
Fundosa ONCE Madrid“ auf. Zum
diesem Zeitpunkt war deren Kaderplanungen aber bereits abgeschlossen und für mich kein Platz mehr,
aber ich wurde zum Verein „CID Getafe“ weitervermittelt und konnte einige Male mit „Fundosa“ mittrainieren. Heute bin ich auf ein Jahr Teammitgliedschaft bei „CID Getafe“, eine Saison in einer sehr professionell
organisierten Liga und meine Trainingszeit bei dem damaligen Meister
„Fundosa“ stolz.
Wie bereiten Sie sich auf die Spiele
vor? Wie sieht Ihr Trainingsalltag
aus?
Die Saison dauert ca. von Oktober
bis April mit insgesamt neun bis
Spielwochenenden. Von Mitte August bis Juni wird normalerweise gemeinsam mit der Mannschaft zweimal pro Woche trainiert. Das restliche Jahr über ist das Training jedem
einzelnen Spieler überlassen. Einige
meiner Vereinskollegen spielen
ebenfalls in der Nationalmannschaft.
Somit haben wir eine zusätzliche gemeinsame Trainingsmöglichkeit.
Sehen Sie Unterschiede zwischen
Rollstuhlbasketball in Österreich
und Spanien?
Ähnlich wie im Fall von Deutschland
oder Italien liegt der wesentliche Unterschied in den besseren Trainingsmöglichkeiten, der stärkeren finanziellen Unterstützung von Behindertensport durch den Staat und der hö-
Was bedeuten Ihre Mannschaftskameraden und Ihr Trainer für Sie?
Für mich gibt es zwei wichtige Komponenten. Einerseits haben sich innerhalb des Teams für mich wichtige Freundschaften entwickelt, die
mir Geborgenheit geben. Andererseits lerne ich durch die Koordination der unterschiedlichen Ziele und
Wünsche der einzelnen Teammitglieder Strategien zu entwickeln und
zu verfolgen.
Unser Trainer Andreas Zankl ist nicht
nur Basketballtrainer, sondern übernimmt auch die Rolle des Moderators und Motivators für das gesamte Team. Das schätzen wir alle sehr.
Welche Wettkämpfe sind Ihnen besonders wichtig?
Eine besondere Erfahrung für mich
sind immer wieder die EuroleagueEvents in Klosterneuburg. Auch aufgrund unserer Kooperation mit den
BK Dukes Klosterneuburg können
wir für die Wettkämpfe 300 bis 400
Zuschauer begeistern. Vor so vielen
Zuschauern spielen zu dürfen ist ein
tolles Gefühl.
Natürlich freue ich mich auch jedes
Mal auf die Spiele der Nationalmannschaft, weil es eine Ehre ist hier mitzuspielen.
Lebensnah
Welche Herausforderungen sehen
Sie derzeit in der Entwicklung des
österreichischen Rollstuhlbasketballs?
Die Überwindung, mit Hilfe eines Rollstuhles Sport zu treiben, ist in Österreich für viele Menschen recht groß.
Ich glaube dennoch, dass vor allem
Menschen mit Amputationen genug
Sportbegeisterung mitbringen, aber
für Sportarten im Rollstuhl nicht ausreichend informiert und motiviert
werden können. In anderen Ländern
spielen auch Menschen ohne Handicap gerne Rollstuhlbasketball. Auch
die Finanzierung der Clubs ist nicht
zufriedenstellend gelöst. In Österreich sind wir sehr stark auf Sponsoring durch Firmen oder Privatpersonen angewiesen. Außerdem ist das
Zuschauerinteresse für Randsportarten in Österreich meist eher gering.
Was hat sich für Sie durch Rollstuhlbasketball verändert?
Durch Rollstuhlbasketball finde ich
Ausgleich und Ansporn für andere
Alltagsaufgaben. Sportlichkeit bedeutet im Alltag Unabhängigkeit. Je
fitter ich körperlich bin, desto unabhängiger und mobiler bin ich.
Sport hat mir ermöglicht, mich selbst
als nicht eingeschränkt und nicht behindert zu sehen sowie mein Selbstbewusstsein gestärkt.
Welche Zukunftspläne haben Sie?
Wie soll es mit Ihrer sportlichen Karriere weitergehen?
Der nächste Schritt wird der Abschluss meines Studiums der Technischen Mathematik an der TU Wien
sein. Mein Diplomarbeitsthema aus
dem Bereich Modellbildung und Simulation habe ich schon genau formuliert und einen Antrag auf Forschungsförderung gestellt. Nebenbei betreue ich als Tutor auch einige
Studenten an der TU. Was also
kommt, steht noch offen – es gibt einige Möglichkeiten wie z. B. ein Verbleib an der TU Wien, eine andere
Arbeitsstelle in Wien oder als Profispieler ins Ausland zu gehen und nebenbei 20 bis 30 Stunden zu arbeiten. Interessante Angebote aus dem
Ausland habe ich schon erhalten.
Das wäre für mich eine tolle Ergänzung zu einer beruflichen Aufgabe in
Verbindung mit meiner Ausbildung
als technischer Mathematiker.
Für die Zukunft des Behinderten-
sports wünsche ich mir mehr staatliche Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung. Hoffentlich sitzen dann auch mehr Menschen in
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den Zuschauertribünen.
Matthias Wastian ist 26 Jahre alt und studiert
in Wien Technische Mathematik. Mit 14 Jahren
begann seine Karriere als Rollstuhlbasketballer. Er ist Kapitän des Spitzenvereins „Sitting
Bulls“ und Spieler der österreichischen Nationalmannschaft. Er spricht fließend Spanisch
und Englisch und ist passionierter Großstadtmensch.
Bewegung im Rollisport-Segment
Im Rahmen einer Kooperation mit Wolturnus bietet Otto Bock eine Vielfalt verschiedener Rollstühle für individuelle Sportarten an – vom Sportrollstuhl für Rugby-Spieler über Training-Handbikes bis hin zu Basketball-Rollstühlen.
Seit 1. Jänner 2010 besteht die Kooperation mit Wolturnus. Das Unternehmen entwickelt und produziert
seit 2002 Sportrollstühle.
Wolturnus A/S ist in Bislev (Nibe) bei
Åalborg ansässig und beschäftigt
25 MitarbeiterInnen.
Otto Bock ist Generalimporteur für
Österreich, Deutschland und die
Schweiz.
Der Geschäftsbereich in Österreich
wird von Martin Ettenauer gemeinsam mit zwei ausgewählten Fachhändlern aufgebaut.
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DIALOG 14
Foto: © Christoph Topitschnig
Was muss man mitbringen, um im
Rollstuhlbasketball erfolgreich zu
sein?
Grundsätzlich sind Durchhaltevermögen und Spaß an Bewegung gefragt. Teamgeist und die Fähigkeit
sich unterzuordnen sind unabdingbar. Wenn jemand aufgrund eines
Unfalls im Rollstuhl sitzt und Rollstuhlbasketball spielen möchte, sind
ein bis zwei Jahre Erfahrung mit dem
Rollstuhl und körperliches Training
Voraussetzung.
Die Koordination von Rollstuhlhandling und Ballspiel kann unmöglich
über Nacht gelernt werden.
SERIE
Termine
13. GOTS-Treffen
in Heiligenblut
08.–11. April 2010
www.sportkongress.at
Orthopädie und
Rehatechnik 2010
in Leipzig
12.–15. Mai 2010
www.ot-leipzig.de
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DIALOG 14
AKTUELLES
Engagement der Otto Bock
Stiftung auf Haiti
Nach dem Erdbeben auf Haiti sind tausende Menschen auf ärztliche Hilfe angewiesen.
Otto Bock unterstützt in erster Linie Kinder.
„Wir werden mit Partnern und Fachleuten aus ganz Südamerika und internationalen
Hilfsorganisationen
Spendenkonten:
Volksbank Eichsfeld:
IBAN:
DE90260612910001780040
BIC: GENODEF1DUD
Sparkasse Duderstadt:
IBAN:
DE82260512600000000448
BIC: NOLADE21DUD
Stichwort:
„Hilfe für Haiti“
Kinder mit Prothesen, Orthesen und
Rollstühlen versorgen und ihre langfristige Rehabilitation gewährleisten.
Hier muss gerade den Kindern nachhaltig geholfen werden.“
Professor Hans Georg Näder
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Bildung
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