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Einleitung Was tun, wenn die Daten einer Festplatte, eines USB

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Einleitung
Was tun, wenn die Daten einer Festplatte, eines USB-Sticks oder einer digitalen Speicherkarte plötzlich
weg sind? In erster Linie Ruhe bewahren und keinerlei Schreibzugriffe oder unwissentliche Reparaturen
an den Datenträgern ausführen! Dadurch kann eine Datenrettung vor Ort erschwert oder unmöglich
gemacht werden. Möglicherweise können am Ende nur noch Datenrettungsfirmen helfen. Ein großer
Helfer in der Not, bevor der Griff zum Telefonhörer zur Pflicht wird, kann hingegen das Programm
TestDisk sein. TestDisk ist Freie Software und unterliegt der GNU General Public License (GPL).
Der Anwendungsbereich von TestDisk ist in erster Linie, verlorene Partitionen wiederherzustellen und
nicht bootende Festplatten wieder bootfähig zu machen, wenn das Problem durch fehlerhafte Software,
bestimmte Arten von Viren oder menschliche Fehler (wie versehentliches Löschen der Partitionstabelle)
verursacht wurde. Unter seiner unscheinbaren Oberfläche wartet TestDisk zusätzlich mit einigen sehr
überraschenden und leistungsstarken Funktionen auf, die nicht nur eine sofortige Wiederherstellung von
verlorenen Partitionen, sondern auch bei einem beschädigten Dateisystem oder fehlerhaften Sektoren
oftmals das Kopieren von Daten, die unter Windows nicht mehr angezeigt werden, auf einen anderen
intakten Datenträger ermöglichen. Mit im Paket enthalten ist PhotoRec. PhotoRec ist als Pendant und
Ergänzung zu TestDisk in der Lage, Dateien wie Bilder, Videos, Dokumente, Archive etc. von einem
schwer beschädigten oder formatierten Dateisystem wiederherzustellen. Dabei ignoriert PhotoRec das
Dateisystem und scannt nur die darunter liegenden Daten.
Übersicht
TestDisk kommt mit einer zeichenorientierten Benutzerschnittstelle (TUI, Text User Interface) daher. Der
Begriff TUI wurde erst spät als Äquivalent zur grafischen Benutzerschnittstelle (GUI, Graphical User
Interface) und zur Abgrenzung der auf Befehlseingabe basierenden Benutzerschnittstelle (Command Line
Interface, CLI) geprägt. Die Anzeige in TestDisk ist somit über den Textmodus flächig und nicht
zeilenorientiert komplett menügesteuert. Programme, die auch über den Textmodus gesteuert werden,
sind das BIOS, der Midnight Commander oder Norton Commander. Vorteil einer zeichenorientierten
Benutzerschnittstelle ist die hohe Portierbarkeit zwischen Plattformen wie Windows und Linux.
TestDisk kann:
• die Partitionstabelle reparieren und gelöschte Partitionen wiederherstellen
• einen FAT32-Bootsektor von seinem Backup wiederherstellen
• einen FAT12/FAT16/FAT32-Bootsektor wieder aufbauen (Rebuild)
• eine FAT-Dateizuordnungstabelle reparieren
• einen NTFS-Bootsektor von seinem Backup wiederherstellen
• einen NTFS-Bootsektor wieder aufbauen (Rebuild)
• bei NTFS die MFT (MasterFileTable = Hauptdateitabelle) unter Verwendung des Spiegels (MFT
mirror) wiederherstellen
• einen „ext2/ext3 Backup SuperBlock“ lokalisieren
• Dateien von gelöschten FAT-, NTFS- und ext2/ext3-Partitionen kopieren
• gelöschte Dateien von FAT-, NTFS- und ext2-Dateisystemen wiederherstellen
TestDisk läuft unter:
• DOS (entweder im realen DOS-Modus oder in einer Windows-9x-DOS-Box),
• Windows (NT4, 2000, XP, 2003, Vista),
• Linux,
• FreeBSD, NetBSD, OpenBSD,
• SunOS und
• MacOS
Testdisk findet verlorene Partitionen für folgende Dateisysteme:
• BeFS (BeOS)
• BSD disklabel (FreeBSD/OpenBSD/NetBSD)
• CramFS, Compressed File System
• DOS/Windows FAT12, FAT16 und FAT32
• Windows exFAT
• HFS and HFS+, Hierarchical File System
• JFS, IBMs Journaled File System
• Linux ext2 und ext3
• Linux RAID
• RAID 1: mirroring
• RAID 4: striped array with parity device
• RAID 5: striped array with distributed parity information
• RAID 6: striped array with distributed dual redundancy information
• Linux Swap (Versionen 1 und 2)
• LVM and LVM2, Linux Logical Volume Manager
• Mac partition map
• Novell Storage Services NSS
•
•
•
•
•
NTFS (Windows NT/2K/XP/2003/Vista/2008)
ReiserFS 3.5, 3.6 und 4
Sun Solaris i386 disklabel
Unix File System UFS und UFS2 (Sun/BSD/...)
XFS, SGIs Journaled File System
Zusätzliche Informationen zur Unterstützung:
TestDisk kann praktisch mit jedem RAID umgehen, solange es vom Betriebssystem unterstützt wird. Auch
werden in neuen Versionen (ab TestDisk 6.11WIP beta) dynamische Volumen, Software-RAID wie
Windows-Stripesets und übergreifende Volumen unterstützt.
Doch genug der Übersicht! Auf den nächsten Seiten wollen wir uns folgenden Problemen und ihrer
Lösungen im Detail annehmen:
• Einfache Diagnose und Wiederherstellung
• Konvertieren von dynamischen Datenträgern
• Wiederaufbau eines Striped Volume (Software-RAID0)
• Reparieren von Flash-Speichermedien
• Daten von einen beschädigten Datenträger kopieren
• Mit TestDisk gelöschte Daten wiederherstellen
Es wird auch aufgezeigt, inwieweit TestDisk dem Anwender die volle Kontrolle während der Diagnose oder
Analyse ohne jegliche Änderungen am beschädigten Datenträger bietet. Das Tool sollte somit auch für
weniger versierte Anwender geeignet sein.
Einfache Diagnose und Wiederherstellung
Der Ausgangspunkt für das Problem „Einfache Diagnose und Wiederherstellung“ ist eine Festplatte mit
drei Partitionen und folgenden Symptomen.
• Die erste primäre Partition weist auf einen korrupten Bootsektor hin und
• eine zweite logische Partition mit Namen „Partition_2“ wurde versehentlich gelöscht.
In der Datenträgerverwaltung von WinXP fehlt bei der ersten primären Partition das Dateisystem NTFS.
Der Laufwerksbuchstabe ist vorhanden. Die zweite logische FAT32-Partition fehlt komplett. Die
Datenträgerverwaltung zeigt freien Speicherplatz an. Dieser kann bei einer primären Partition aber auch
als nicht zugewiesen oder unallocated erscheinen.
• Im Explorer erscheint die erste Partition mit Laufwerksbuchstaben. Der Name fehlt und wird nur
als „Lokaler Datenträger“ angezeigt. Beim Versuch, den Datenträger zu öffnen, erscheint die
Meldung, ob jetzt formatiert werden soll (siehe Bild 2). Diese Frage sollte jedoch immer verneint
werden. Unter Rechtsklick auf dem Laufwerk und Eigenschaften (siehe Bild 3) erscheint das
Dateisystem als RAW (Rohformat). RAW bedeutet unformatiert. Die zweite versehentlich
gelöschte Partition ist im Explorer nicht vorhanden.
Der nachfolgende Weg zeigt die Wiederherstellung der zwei verlorenen Partitionen mit TestDisk durch:
• Reparatur eines korrupten Bootsektors und
• Wiederherstellung einer versehentlich gelöschten logischen Partition.
Nach dem Download und der Extraktion der Dateien einschließlich der Unterverzeichnisse kann TestDisk
direkt ohne Installation ausgeführt werden. Zum Ausführen werden die Benutzerrechte vorausgesetzt.
Ältere Versionen als TestDisk 6.11 werden unter Vista mit Rechtsklick auf testdisk_win.exe und „Als
Administrator ausführen“, ausgeführt.
Hinweis zur Bedienung:
TestDisk wird ausschließlich über die Pfeil- und Bild-Nach-Oben/Unten-Tasten bedient. Bestätigt wird
jeweils mit der Eingabetaste. Mit der q-Taste („q“ für Quit) kann zur vorherigen Anzeige zurückgekehrt
oder TestDisk beendet werden. TestDisk nimmt nur Änderungen vor, wenn dies ausdrücklich befohlen
wird. Dazu muss in TestDisk die Funktion „Write“ (Schreiben) explizit markiert und mit der Eingabetaste
bestätigt werden. Bevor TestDisk dann die Daten aus dem TestDisk-Speicherpuffer auf die Festplatte
schreibt, muss nochmals mit „y“ für ja bestätigt werden. TestDisk arbeitet dynamisch. D.h. wenn keine
Partition für eine Wiederherstellung vorhanden oder gesetzt ist, dann wird auch die Funktion „Write“ nicht
angeboten.
Die ersten Schritte nach dem Start sind:
Schritt 1: Log-Datei erstellen:
TestDisk kann jeden Schritt protokollieren. Dies ist in erster Linie ein Tool für Anwender, die nichts oder
nicht viel über Datenwiederherstellung wissen. Die Log-Datei kann an einen Techniker für weitere
Analysen weitergeleitet werden. Die Optionen sind a) eine Log-Datei erstellen, b) Daten an einer
existierenden Log-Datei anhängen oder c) keine Log-Datei erstellen. Es sollte auf Standard belassen
werden, es sei denn, es gibt einen Grund, dies zu ändern. Ansonsten einfach mit der Eingabetaste weiter
bestätigen.
Schritt 2: Festplattenauswahl:
TestDisk sollte alle Festplatte in der korrekten Größe mit Hersteller und Modell anzeigen. Es können die
Nach-Oben-und-Unten-Pfeile benutzt werden, um die Festplatte mit den verlorenen Partitionen
auszuwählen.
Nach
der
Auswahl
kann
mit
der
Eingabetaste
bestätigt
werden.
Schritt 3: Partitionstabellentyp (partition table type) auswählen:
TestDisk erkennt den Partitionstabellentyp in der Regel automatisch. Er sollte daher nur geändert werden,
wenn man genau weiß, dass die Angabe falsch ist. Ansonsten mit der Eingabetaste einfach
weiterbestätigen.
Schritt 4: TestDisk Menüpunkte:
In TestDisk werden die einzelnen Menüpunkte angezeigt. Das Standardmenü „Analyse“ ist für eine
Diagnose von verlorenen Partitionen bereits voreingestellt. Für eine Analyse kann mit der Eingabetaste
bestätigen
werden.
Schritt 5: Status der Partitionstabelle:
Diese Ansicht zeigt die Übersicht der gegenwärtigen Partitionstabelle. Es kann für eine Diagnose
verwendet werden, zum Beispiel um zu prüfen, ob Partitionen fehlen oder falsch eingetragen sind. Als
Ergebnis wird die erste primäre Partition doppelt angezeigt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die erste
Partition in der Partitionstabelle doppelt vorhanden ist, sondern TestDisk gibt die Meldung „Invalid NTFS
Boot“ aus, was auf einen korrupten oder nicht vorhandenen Bootsektor hinweist. Zur Meldung „Invalid
NTFS Boot“ wird in TestDisk die betroffene Partition zusätzlich aufgeführt! Nach der beschädigten, ersten
primären NTFS-Partition startet die erweiterte Partition (E extended LBA). In der erweiterten Partition
befindet sich freier Speicherplatz. Es ist nur eine logische Partition „Partition_3“ vorhanden. Die mittlere
logische Partition „Partition_2“ fehlt komplett. Die Funktion „Backup“ ist dazu da, um ein Backup von der
gegenwärtigen Situation der Partitionstabelle zu machen. Es stellt im Fall die Ausgangssituation wieder
her.
Weiter
geht
es
mit
Bestätigen
bei
„Quick
Search“
(Schnelle
Suche).
6: Vista Check:
TestDisk fragt, ob nach Partitionen, die unter Vista erstellt wurden, gesucht werden soll. Wer unsicher ist,
sollte
mit
„y“
für
ja
bestätigen.
Auch
dies
ist
eine
dynamische
Funktion.
7: TestDisk Partitionssuche:
Wenn sich auf der Festplatte freier Speicherplatz befindet, kann TestDisk in der schnellen Suche „Quick
Search“ das Laufwerk auch nach verlorenen Partitionen scannen.
8: Erste Ergebnisse nach Quick Search:
TestDisk sucht bei der schnellen Suche „Quick Search“ nach jedem möglichen Bootsektor und zeigt die
Partitionen für eine Wiederherstellung an. TestDisk hat die „Partition_2“ gefunden und den Status L für
logische Partition automatisch gesetzt (siehe ganz links in Ansicht 8). Die erste primäre NTFS-Partition
fehlt
immer
noch.
Schritt 9: Dateien anzeigen (P: list files): Wenn TestDisk Partitionen gefunden hat, sollte der Zustand
der Daten überprüft werden. Es sollten nur Partitionen wiederhergestellt werden, die auch die Daten
komplett anzeigen. Bei Fehlermeldungen ist es ratsam, Datenrettungssoftware für beschädigte
Dateisysteme zu verwenden. Durch Markieren der Partition und drücken der Taste „p“ werden die Daten
gelistet. Um zur vorherigen Ansicht zurückzukehren, genügt es „q“ für Quit zu drücken. Weiter geht es
mit
der
Eingabetaste.
Schritt 10: Partitionstabelle abspeichern oder mehr Partitionen suchen:
Wenn bereits alle Partitionen gefunden wurden, kann auf dieser Ansicht die Partitionstabelle (mit allen
Partitionen) bei „Write“ (Schreiben) komplett in die Partitionstabelle geschrieben werden. Da aber immer
noch die erste primäre Partition fehlt, wird noch die tiefere Suche „Deeper Search“ ausgeführt. Wenn
nicht bereits automatisch ausgewählt, sollte die Funktion „Deeper Search“ (tiefere Suche) markiert und
mit der Eingabetaste bestätigt werden.
Schritt 11: Ergebnisse nach Deeper Search (tiefere Suche):
Die tiefere Suche sucht im Gegensatz zur schnelleren Suche (Quick Search) zusätzlich nach jeglichen
Sicherheitskopien von Bootsektoren oder Superblöcken und zeigt die Partitionen für eine
Wiederherstellung an. Hierbei können auch ältere Partitionen anhand von Überbleibseln erkannt werden.
Nach der tieferen Suche findet Testdisk noch zwei Partitionen mehr. Alle Partitionen werden ganz links mit
dem Status D für deleted (gelöscht) angezeigt. Grund hierfür: die zweite Partition von oben belegt den
gesamten Speicherplatz der Festplatte. Mehrere Partitionen können aber nicht denselben Speicherplatz
belegen. Bei dem Versuch, zwei Partitionen auf denselben Speicherplatz für eine Wiederherstellung zu
setzen, wird die Meldung „Structure: Bad“ ausgegeben. TestDisk bietet nun die volle Kontrolle, welche
Partitionen wiederhergestellt werden sollen. Partitionen können durch Markieren und mit dem Links- oder
Rechtspfeil auf der Tastatur entweder auf * (Stern) für primär und aktiv als bootfähig, auf P für nur
primär, L für logische Partitionen oder auch auf D für deleted (gelöscht) gesetzt werden. Partitionen, die
auf
D
für
gelöscht
stehen,
werden
nicht
wiederhergestellt.
12: Hilfestellung zum Setzen von primären und logischen Partitionen:
Partitionen, die mit 0 beginnen, sind primäre Partitionen. Bei nachfolgenden primären Partitionen ist der
zweite Wert 0. Logische Partitionen starten mit den Wert 1. Bei darauf folgenden logischen Partitionen ist
der zweite Wert 1 (siehe Bild 12). Wenn die Partitionen für eine Wiederherstellung gesetzt sind, kann mit
der
Eingabetaste
bestätigt
werden.
13: Ansicht zum Schreiben der wiederherzustellenden Partitionen:
TestDisk zeigt auf dieser Ansicht alle Partitionen an, die in der Partitionstabelle registriert werden können.
Die erweiterte Partition (E extended LBA) in der sich die logischen Partitionen befinden, wird automatisch
gesetzt. Wenn alle gewünschten Partitionen angezeigt werden, können diese durch Bestätigen bei „Write“
mit der Eingabetaste in die Partitionstabelle eingetragen werden. Dies ist das erste Mal, dass TestDisk
überhaupt
etwas
schreibt,
und
muss
noch
mit
„y“
für
ja
bestätigt
werden.
Schritt 14–15: Reparatur des Bootsektors:
Da bei der ersten Partition „Partition_1“ der Bootsektor beschädigt ist, erscheint jetzt noch das Menü
„Boot“. Der Bootsektor wird als Status mit schlecht (bad), aber das Backup vom Bootsektor mit gut (Ok)
angezeigt. Auch sind der Bootsektor und das Backup vom Bootsektor nicht identisch (sectors are not
identical).
Die Reparatur erfolgt durch Bestätigen bei der Funktion „Backup BS“ mit Eingabe und „y“. Dadurch wird
das gültige Backup des Bootsektor über den Bootsektor kopiert. TestDisk zeigt jetzt beide Sektoren als
OK und identisch an (siehe Bild 15). Für den Fall, dass der Bootsektor und sein Backup beschädigt sind,
kann auch ein Wiederaufbau des Bootsektors mit der Funktion „Rebuild BS“ (Bootsektor wieder aufbauen)
in Betracht gezogen werden. Das Schreiben eines wiederaufgebauten Bootsektors sollte nur erfolgen,
wenn die Daten im Menü „List“ vollständig angezeigt werden. TestDisk gibt noch die letzte Meldung aus.
Nach Bestätigen bei Ok kann TestDisk mit Quit beendet werden.
Schritt 16: Abschluss der Wiederherstellung:
Um auf die Daten wieder zuzugreifen, muss der Computer noch neu gestartet werden. Nach der
Beschreibung der grundlegenden Arbeitsweise um Partitionen wiederherzustellen, zeigen wir auf den
folgenden Seiten noch einige spezielle Techniken wie das „Konvertieren von dynamischen Volumen ohne
Datenverlust“ und „Wiederherstellung von einem Stripeset“ (Software-RAID 0) unter Windows.
Daten von einen beschädigten Datenträger kopieren
Oftmals werden Daten bei einem beschädigten Dateisystem oder fehlerhafte Sektoren, die unter Windows
nicht mehr angezeigt werden, in TestDisk noch angezeigt. Fehlermeldungen unter Windows können sein:
• „Das Laufwerk ist nicht formatiert, möchten Sie es formatieren?“
• Beim Zugriff auf das Laufwerk erscheint die Meldung „Die Datei oder das Verzeichnis ist
beschädigt“
Unter TestDisk weisen folgenden Merkmale auf ein beschädigtes Dateisystem hin:
• Die Partitionstabelle und der Bootsektor weisen keine Fehler auf. TestDisk findet nichts zum
reparieren.
• Während der Suche nach Partitionen werden in TestDisk Lesefehler (Read Errors) in Sektoren
angezeigt.
• In der Log-Datei von TestDisk erscheint die Meldung, das Dateisystem NTFS ist nicht sauber
(NTFS is dirty).
Wenn einer der genannten Fälle zutrifft und TestDisk die Daten anzeigt, sollten die Daten kopiert werden.
Wenn TestDisk bei einem beschädigten Dateisystem keine Daten anzeigt, sondern mit einer
Fehlermeldung quittiert, sollte eine Datenrettungssoftware in Betracht gezogen werden. Fehlermeldungen
bei einen beschädigten Dateisystem sind:
• „Can't open filesystem, filesystem seems damaged“ (Kann Dateisystem nicht öffnen, das
Dateisystem scheint beschädigt zu sein)
• „No file found, filesystem seems damaged“ (Es wurde keine Datei gefunden, das Dateisystem
scheint beschädigt zu sein)
Die Wiederherstellung einer Partition mit einen beschädigten Dateisystem wird nicht empfohlen.
Das Kopieren oder Sichern der in TestDisk angezeigten Daten funktioniert folgendermaßen: Nach dem
Auswählen der betroffenen Partition und Drücken der Taste „p“ zeigt TestDisk die Ordner und Dateien an.
Die Navigation in der Liste erfolgt mit den Bildlauf- und Pfeil -Tasten. Durch markieren eines Ordners und
drücken der Rechtspfeil-Taste kann in ein Ordner navigiert und der Inhalt überprüft werden. Durch
Markieren eines Ordners oder einer Datei und Drücken der Taste „c“ für „copy“ (kopieren) wird das
Kopiermenü für den gewählten Ordner oder die Datei gestartet. Wenn in der Liste der Punkt ausgewählt
wird, ist das gesamte Laufwerk zum kopieren markiert.
Schritt 1:
Der Ordner „musik“ wird zum Kopieren markiert und es wird mit der Taste „c“ bestätigt.
Schritt 2:
TestDisk zeigt das Ziel zum Kopieren an. Der TestDisk-Ordner ist immer als Ziel voreingestellt. Um den
Pfad zu ändern, müssen in der Liste jeweils die zwei Punkte ausgewählt und mit der Eingabetaste
bestätigt
werden.
Schritt 3:
Durch mehrmaliges Markieren und Bestätigen der zwei Punkte zeigt TestDisk die lokale Laufwerksliste an.
Als gewünschtes Ziellaufwerk ist bereits das Laufwerk C: markiert. Durch Bestätigen mit der Eingabetaste
wird
das
Laufwerk
als
Ziel
gewählt.
Schritt 4:
Als Ziel wird in der Liste der Ordner „Temp“ markiert und mit der Rechtspfeil-Taste geöffnet.
Schritt 5:
TestDisk zeigt den Inhalt des Temp-Ordners an. Durch Bestätigen mit der Taste „y“ für ja (yes) wird der
Kopiervorgang
gestartet.
Schritt 6:
Nach Beenden des Kopiervorgangs gibt TestDisk die Meldung „Copy done!“ (Kopieren erledigt!) aus und
geht automatisch zum Quelllaufwerk zurück. Der nächste Ordner oder die nächste Datei kann zum
Kopieren gewählt werden.
Sollen Daten von einer beschädigten Diskette kopiert werden, ist wie folgt vorzugehen:
Diskettenlaufwerke werden in TestDisk nicht in der Laufwerksauswahl angezeigt. Um dennoch eine
Diagnose für eine beschädigte Diskette zu machen, kann ein Diskettenlaufwerk über die Konsole oder das
Terminal des Betriebssystems direkt eingebunden werden.
• Der Pfad zur ausführenden Datei „testdisk_win.exe“ (als Beispiel für die Windowsversion) muss in
der Konsole ausgewählt sein.
• Um
ein
Diskettenlaufwerk
einzubinden,
wird
TestDisk
mit
den
Parametern
testdisk_win.exe \\.\a: (nach testdisk_win.exe ist ein Leerzeichen einzufügen) ausgeführt.
• Als Partitionstabellentyp wird „None“ gewählt.
• Die Diagnose erfolgt über das Menü „Advanced“ und „Boot“.
• Wenn der Bootsektor beschädigt ist, wird dieser über das Menü „Rebuild BS“ wiederhergestellt.
FAT12 und FAT16 verfügen nicht über ein Backup des Bootsektors.
• Wenn im Menü „List“ die Daten angezeigt werden, können diese kopiert werden.
TestDisk erlaubt auch das kopieren von gelöschten Dateien unter FAT, NTFS und Ext2-Partitionen. Eine
Übersicht zeigt die nächste Seite.
Mit TestDisk gelöschte Daten wiederherstellen
Ein sehr gutes Merkmal von TestDisk ist das Wiederherstellen von gelöschten Dateien von FAT, NTFS und
Ext2-Partitionen, solange diese nicht überschrieben oder beschädigt wurden. Hierbei können sowohl
einzelne als auch mehrere Dateien auf einen Schlag markiert und auf einer anderen intakten Partition
kopiert werden. Es sollte nie versucht werden, die Daten von einer Partition, auf der sie versehentlich
gelöscht wurden, zu kopieren. Dabei können die in den Sektoren unterliegenden Daten überschrieben und
zerstört werden. Keine Datenrettungssoftware vor Ort könnte die Daten dann wiederherstellen. Auch
kann TestDisk direkt ohne Installation von einem anderen Datenträger ausgeführt werden.
Bild 1: Nach durchbestätigen in TestDisk wird um das Menü „Undelete“ zu erreichen, nicht bei „Analyse“
sondern dem Menü „Advanced“ bestätigt.
Bild 2: Das Menü „Undelete“ kann markiert und mit der Eingabetaste bestätigt werden.
Bild 3: TestDisk zeigt das Ergebnis der gelöschten Dateien an. Das Wiederherstellen einer einzelnen
Datei wird durch markieren und „c (kleines c)“ drücken, gestartet. Markieren von mehreren Dateien bei
NTFS erfolgt über Datei markieren und „: (Doppelpunkt)“ drücken (im Bild grün markiert). Der
Kopiervorgang für mehrere Dateien wird mit „C (großes C)“ drücken gestartet.
Bild 4: Als Zielordner ist der TestDisk-Ordner voreingestellt. Der Pfad kann jeweils über markieren der
zwei Punkte und bestätigen bis hin zum markieren des Zielordners durchbestätigt werden. Als Ziel wurde
über die Laufwerksauswahl das Laufwerk C: und der Ordner Temp / Undelete voreingestellt. Der
Kopiervorgang kann mit „y“ für ja drücken gestartet werden.
Bild 5: TestDisk geht nach dem Kopiervorgang wieder auf das Quell-Laufwerk zurück und gibt noch eine
Meldung „copy done“ aus, das der Kopiervorgang abgeschlossen ist.
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