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Der Mensch darf nicht alles, was er kann - Katholische Kirche

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Serie "Vierzig Jahre Humanae Vitae" (3):
Dominikanerin Ingrid Grave, frühere Moderatorin der SF-"Sternstunden":
Der Mensch darf nicht alles, was er kann
Freiburg i. Ü., 9.5.08 (Kipa) Der ehelichen Untreue sind durch die modernen
Verhütungsmethoden Tür und Tor geöffnet. Von daher ist es gut, dass jemand den
Menschen daran erinnert, dass er nicht alles darf, was er kann. Die Dominikanerin und
ehemalige Moderatorin der Fernsehsendung "Sternstunden" des Schweizer
Fernsehens Ingrid Grave hält es aber für unmöglich, in Fragen der Sexualethik eine
allgemeingültige Position zu beziehen.
Kipa: Viele haben in den vierzig Jahren seit ihrem Erscheinen kein gutes Haar an der
Enzyklika gelassen. Worin sehen Sie das Positive von "Humanae Vitae"?
Ingrid Grave: Dass überhaupt jemand seine Stimme erhebt und als moralische Instanz zur
Achtsamkeit mahnt; denn hier geht es um menschliches Leben, wo der Mensch nicht alles
machen darf, was er machen kann.
Kipa: Die Frage der Sexualethik stellt sich im Zeitalter von Aids, ungewollt kinderlosen
Paaren und dem medizinischen Fortschritt bei der künstlichen Befruchtung anders als vor
vierzig Jahren. Muss die Kirche ihre diesbezüglichen Positionen neu überdenken?
Grave: Ja, ich glaube, dass die Kirche neu nachdenken muss. Wahrscheinlich ist es (noch)
gar nicht möglich, eindeutige Positionen zu beziehen, die für jeden einzelnen Fall Geltung
haben. Aufgabe der Kirche ist es, Entscheidungshilfen zu geben und dann auf das Gewissen
der Menschen zu vertrauen.
Kipa: Ist der heutige Durchschnittschrist fähig, nach den Vorgaben von Humanae Vitae zu
leben?
Grave: Ich glaube nicht, dass der Durchschnittschrist, die Durchschnittschristin nach diesen
Vorgaben leben kann. Ich denke zum Beispiel an die Wahl der unfruchtbaren Perioden
einerseits und andererseits an die häufig über längere Zeit berufsbedingten Trennungen,
denen viele Paare unterworfen sind. Dies ist nur ein Beispiel!
Kipa: Das Frauenbild der Enzyklika stösst auf Unverständnis. So etwa bei der Unterordnung
der Frau unter den Mann: "Wohlan, so liebe jeder von euch seine Frau ebenso wie sich
selbst; die Frau aber stehe in Ehrfurcht zum Manne." Frauen sind die Hauptleidtragenden
des Lehrschreibens, so die Meinung vieler. Teilen Sie diese Einschätzung?
Grave: Die Frau kommt zu kurz, ja! Doch Paul VI. ergreift gleichzeitig auch Partei für die
Frau. Er hegt die Befürchtung, durch den ständigen Gebrauch empfängnisverhütender Mittel
Presseagentur Kipa, Einzelmeldung aus dem Tagesdienst
S. 2
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könne der Mann die Achtung vor der Frau verlieren. Sie werde so zu einem Gegenstand
selbstsüchtiger Befriedigung.
Der Papst hat richtig gesehen: Der ehelichen Untreue sind Tür und Tor geöffnet.
Allerdings auch zum Schaden des Mannes in seinem individuellen Prozess zu einer gereiften
und ausgewogenen Persönlichkeit.
Zur Person: Schwester Ingrid Grave, geboren 1937, gehört den Dominikanerinnen seit 1960
an (Mutterhaus in Ilanz, Graubünden). Sie ist von Beruf Lehrerin. Von 1994 bis 2000 ist sie
als Moderatorin der sonntäglichen Sendung "Sternstunden" im Schweizer Fernsehen einer
breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Heute lebt sie in Zürich in einer kleinen
Gemeinschaft, die offen ist für Frauen, welche spirituell auf der Suche sind.
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Seele and Geist
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