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SWR2 - Manuskriptdienst
SWR2 Stolpersteine
Richard Schwarzschild, Kaiserslautern
Autorin:
Elske Brault
Redaktion:
Johannes Weiß
__________________________________________________________________
Bitte beachten Sie:
Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
Sie können die SWR2 Stolpersteine im Internet als Podcast anhören:
http://www1.swr.de/podcast/xml/swr2/stolpersteine.xml
Die SWR2 Stolpersteine können Sie auch unterwegs/mobil abrufen und sich vor Ort
informieren. Die Stolpestein-App finden Sie unter
www.stolpersteine-guide.de
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SWR2 Stolperstein
RichardSchwarzschild
Kaiserslautern, Steinstraße 30
Hier lebte: Richard Schwarzschild, Jahrgang 1898
„Schutzhaft“ 1938 Dachau
Deportiert nach Gurs und Rivesaltes
Ermordet in Auschwitz
Margot Wicki-Schwarzschild:
Er war ein wunderbarer Vater und wir haben uns vorgestellt, wie er dann gewesen
wäre, gerade für uns in der Pubertät, wie er uns geholfen hätte. Er war ein sehr
positiv denkender Mensch.
Erzählerin:
So erinnert sich die heute 83-jährige Margot Wicki-Schwarzschild an ihren Vater
Richard Schwarzschild. Als liberaler Jude mit einer Christin verheiratet, brachte
Richard seinen beiden Töchtern beide Religionen nahe. Sie feierten Weihnachten
und Chanukka und nannten es „Weihnukka“. Auch Schweinefleisch kam auf den
Tisch, denn Richard vertrat die Ansicht: „Was in den Mund kommt, kann keine Sünde
sein. Aber was heraus kommt!“
Erzählerin:
(Orgelmusik)
In der liberalen Synagoge von Kaiserlautern begleitete Richard Schwarzschild den
Gottesdienst auf der Orgel.
Margot Wicki-Schwarzschild:
Meine Schwester durfte ihm sogar immer die Noten umblättern. Das war für sie ganz
besonders schön. Und wir waren immer so stolz auf den Papa, der so schön Orgel
spielen konnte.“
Erzählerin:
Bereits vor der Reichpogromnacht, Anfang Oktober 1938 sprengen die Nazis diese
Synagoge. Richard Schwarzschild wird für sechs Wochen im Konzentrationslager
Dachau interniert. Nie spricht er von seinen Erlebnissen dort. Er ist froh, kurz vor
Sylvester wieder mit seiner Familie vereint zu sein, obwohl er, der ehemalige
Kaufmann, nur noch als Straßenarbeiter den Lebensunterhalt verdienen darf.
Margot Wicki-Schwarzschild:
Er hatte Schwielen an den Händen, er war nicht gewöhnt, solche Arbeit zu machen.
Aber er hat nie geklagt. Er hat immer gesagt: Arbeit schändet nicht.
Zitator: (aus einem Brief Richard Schwarzschild)
Ich werde am Montag in der Goldmine eine neue Arbeit beginnen. Am Schmelzofen.
Wir arbeiten in Tag- und Nachtschichten. Es ist keine so schöne Arbeit, aber sie wird
im Verhältnis ganz gut bezahlt, und ich lerne wieder etwas Neues.
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Erzählerin:
So schreibt Richard Schwarzschild seinen beiden Töchtern im Januar 1942: Er leistet
Zwangsarbeit in einer Goldmine bei Carcassonne und erwähnt die Gefahren bei
seiner neuen Tätigkeit am Hochofen nicht. Die Familie ist zuvor wie alle Juden aus
Baden und der Pfalz in das französische Lager Gurs verschleppt worden. Der
weiteren Deportation in den Osten zwei Jahre später kann die Mutter entkommen,
weil sie den Nachweis erbringt, dass sie Christin ist. Eine Rotkreuzschwester setzt
sich für sie ein bei dem für die Selektion zuständigen Aufseher im Lager Rivesaltes.
Erzählerin:
Richard Schwarzschild steht auf keiner Todesliste. Nur durch den Brief eines
Cousins vom April 1946 lässt sich sein weiteres Schicksal erahnen.
Zitator: (aus einem Brief des Cousins)
Wir waren zusammen bis zum November 1943. Bis Richard plötzlich erkrankte an
einer Infektion am Bein, und nach zweitägigem Krankenlager kam er wie viele
Kameraden „auf Transport“. Das hieß so viel wie: Vergasung - Auschwitz.
Margot Wicki-Schwarzschild:
Wir haben Pullover gestrickt für ihn, wir haben eine Uhr gekauft für ihn. Aber wir
haben nie mehr was gehört. Und so langsam ist es dann in unser Bewusstsein
gedrungen, dass der Papa nie mehr kommen würde.
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