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AZ Alzey 30.11.10 Was Rosemarie alles versäumt hat

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Was Rosemarie alles versäumt hat
30.11.2010 - ALZEY
Von Roswitha Wünsche-Heiden
THEATERABEND In „Verabredung mit dem Leben“ hat auch der Tod eine Hauptrolle
„Verabredung mit dem Leben“ hieß der Titel des Theaterabends in der Kleinen Kirche mit
Annette Artus und Jürgen Gündner. Der Titel weckt Neugier und tatsächlich ist die als ZweiPersonen-Stück inszenierte Geschichte spannend und interessant. Sie handelt von der
Hausfrau Rosemarie, vor deren Haustür eines Tages völlig unerwartet der Tod steht und sie
mitnehmen will. „Sie haben sich in der Tür geirrt“, wehrt sich Rosemarie, der in diesem
Moment bewusst wird, dass sie noch gar nicht richtig gelebt hat. Großzügig gewährt ihr der
Tod in Gestalt eines elegant gekleideten Herrn Aufschub und erlebt, ständig mit ihr im
Dialog, wie sie auslebt, was sie bisher in ihrem Leben versäumt hat.
Das Buch zu dieser Performance hat die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Annette Artus
selbst geschrieben und inszeniert. Dass sie auch selbst ihre Protagonistin spielt, hat den
großen Vorteil, dass sie alle Register ihres vielseitigen Könnens ziehen kann. Die offene
Konzeption der Rahmenhandlung bezüglich ihrer „Lebensträume“ ermöglicht eine bunte
Folge einzelner Szenen, jede für sich mit unterschiedlichen darstellerischen Variationen.
Im Gegensatz zu dem steifen, emotionslosen Tod (Gündner) verkörpert Artus pulsierendes
Leben in der Vielzahl seiner Stimmungen. Ihre ausdrucksstarke Mimik reicht beim Eintreffen
des Todes vom ungläubigen Erstaunen über das erkennende Erschrecken bis zur blanken
Ratlosigkeit. Das verbindliche Lächeln am Telefon hat sie ebenso drauf wie das Unnahbare
des Stars oder das Sinnliche der Femme fatale, als die sie endlich ihre Reizwäsche inszeniert,
die ihr Mann, den sie irgendwann auch einmal karikiert, ihr irgendwann geschenkt hat, ohne
dass sie zum Einsatz kam.
Gleichzeitig gibt das Konzept auch vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Instrumental- oder
Gesangsauftritte in diesem „musikalischen Theaterstück“. Der „Tod“ ist nämlich im
wirklichen Leben vielseitiger Orchestermusiker, Chorleiter und Musiklehrer und seit 2006
Leiter einer privaten Musikschule und an dem Abend als großartiger Pianist im Einsatz, der
nicht nur stimmungsvolle Instrumentalstücke intonierte, sondern Artus, die auf jahrelange
Operetten- und Musicalerfahrung zurückblicken kann, bei der Präsentation von bekannten
Songs von Kurt Weill, Barbra Streisand, Whitney Houston, aus dem Musical „Chicago“ oder
dem Theaterstück „Ein Käfig voller Narren“. Bei diesen Auftritten überzeugte die vielseitige
Künstlerin auch mit passenden Tanzeinlagen.
Dem Publikum gefiel all das und es applaudierte besonders nach den gefühlvoll
vorgetragenen Songs. Gegen Ende gab es dann auch die „inspirierenden, ermutigenden
Momente und tiefen Berührungen“, die Artus ihrem Publikum gewünscht hatte, und zwar je
mehr es der Schauspielerin gelang sich von der anfänglichen Karikatur der altmodischen
Kittelschürzenhausfrau zu lösen, menschlich zu werden und ihr Schicksal anzunehmen.
Warum der Tod sie dann erstaunlicherweise nicht mitnehmen will, bleibt unklar. Von der
Inszenierung her wäre auch ihr akzeptierter Tod ein Happy-End gewesen.
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Seele and Geist
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