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Kommunalpolitikertag der bayerischen SPD-Landtagsfraktion „Ener

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BAYERISCHER LANDTAG
ABGEORDNETER
LUDWIG WÖRNER
München, 6. Juni 2011
Kommunalpolitikertag der bayerischen SPD-Landtagsfraktion „Energiewende jetzt – was können die Kommunen in Bayern tun?“
Protokoll Workshop „Solarenergie – Potenziale nutzen“
Vortragender und Leiter des Workshops: Horst Prem, Bürgersolarkraftwerke München-Land
Bürgersolarkraftwerke
Die Solarinitiative München Land e.V. (SIMLA) bietet Beratung für Interessenten an und unterstützt
diese bei der Planung und Umsetzung von Photovoltaikanlagen durch Investoren aus der Bürgerschaft auf Dächern Dritter. SIMLA tritt auf Wunsch ebenfalls als durch die Investoren beauftragter
Betreiber von Photovoltaikanlagen – als eine Art „Hausverwaltungsgesellschaft“ für das Solarkraftwerk – auf.
Horst Prem skizziert das Projekt Bürgersolarkraftwerk wie folgt:
1. Beteiligte
a)
Dacheigentümer stellt das Dach zur Verfügung
b)
Investoren kaufen und Betreiben die Photovoltaikanlage
c)
Betreiber errichten, versichern und verwalten die Photovoltaikanlage
2.
a)
b)
c)
d)
Vertragsabschlüsse
Gestattungsvertrag zwischen Investoren Dacheigentümern
Dienstleistungsvertrag zwischen Investoren und Betreibern
Versicherungsvertrag zwischen Betreiber und Versicherung
Abrechnungsvertrag zwischen Betreiber und Netzbetreiber
3.
a)
b)
c)
d)
e)
f)
g)
h)
i)
j)
Umsetzung
Bereitstellung eines geeigneten Daches
Abschluss eines Gestattungsvertrages mit dem Dacheigentümer
Anlagenkonzeption durch den Installateur
Bekanntmachung des Projektes (z.B. durch lokale Agenda21-Gruppe)
Unterzeichnung einer Absichtserklärung durch die Investorengruppe
Finanzierung durch die Investoren (unter Nutzung von Fördermöglichkeiten)
Auftragserteilung durch Investoren an Betreiber
Bestellung und Errichtung der Anlage durch den Betreiber
Inbetriebnahme der Anlage
Der Investor ist jetzt Solarunternehmer
In der anschließenden Diskussion werden folgende Fragen aufgeworfen:
-
Der Eigenbedarf kann bei diesem Modell nicht nutzbar gemacht werden. Dagegen wird jedoch eingewendet, dass die früher geltende Eigenbedarfsgrenze von 30 kW nicht mehr gelte.
BAYERISCHER LANDTAG
ABGEORDNETER
LUDWIG WÖRNER
-
-
-
Da das Modell Bürgersolarkraftwerk im Wesentlichen nur vermögenderen Personen offen
stehe, gelte es Modelle zu entwickeln, die eine Beteiligung mit niedrigen Beträgen (500€ 1000€) ermöglichen. Umsetzen ließe sich dies beispielsweise durch von den örtlichen
Sparkassen aufzulegende Investitionsfonds. Auch das Genossenschaftsmodell sei vertieft
zu diskutieren.
Horst Brehm hält dem entgegen, aus seiner Erfahrung würden Modelle, die mit einer Art
Anteilsschein operieren, weniger Investitionen anziehen. Als Grund macht er den fehlenden
Bezug zu einer „eigenen“ Anlage aus. Zum Genossenschaftsmodell merkt er an, dass dieses einen im Vergleich zum einfachen Zusammenschluss von Bürgern erheblichen Mehraufwand erzeugt.
Diskutiert wurde ferner die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen
Nutzflächen. Es wurde der Einwand vorgebracht, dass man nicht auf Ackerflächen zurückgreifen brauche, da zahlreiche bisher ungenutzte Dächer vorhanden seien. Dies stelle sich
zudem als kontraproduktiv dar, weil unterhalb der Anlagen angeblich kein Pflanzenwuchs
stattfinde und damit deren Beitrag zum Entzug von CO2 aus der Luft wegfalle. Dagegen
wurde eingewendet, unterhalb von PV-Anlagen gäbe es sehr wohl eine ausgeprägte Flora
und Fauna, die unter Umständen sogar besser gedeihe als ohne Anlage. Es sei zudem zu
berücksichtigen, dass eine Bewirtschaftung dieser Flächen – z.B. Maisanbau zur Biogasherstellung – einen wesentlich größeren Schaden anrichten würde (Erhöhter Flächenverbrauch, Monokultur, Nitratbelastung etc.). In der Folge wurde jedoch festgestellt, dass
etwaige negative Folgen durch eine vernünftige Stelldichte der PV-Module vermieden werden können.
Allgemeine Ausführungen zur Energiewende
Deutschland liegt beim CO2-Ausstoß im Mittelfeld. GB, FRA, I stoßen wegen des höheren Anteils
an Kernenergie weniger aus. Dabei bleibt jedoch der CO2-Ausstoß bei Urangewinnung, Weiterverarbeitung, Transport, sowie Bau und Rückbau der AKW und Entsorgung der Brennstäbe unberücksichtigt.
Nicht zu unterschätzen ist ferner der Anteil von Konsum und Ernährung am CO2-Ausstoß. Deshalb
gelte es, so Prem, die Landwirtschaft auf Humusbildung nach dem Modell Tera Preta de Indio und
Nullbodenbearbeitung umzustellen.
Horst Prem verwendet zur Verdeutlichung der Energieproblematik das Bild von „Energiesklaven“,
die jeder für sich arbeiten lasse. Der Energieverbrauch jedes Bürgers im Landkreis München entspricht der rechnerischen Arbeitsleistung von 99 Menschen. Es gelte nun bis zum Jahr 2020 60
dieser „Energiesklaven“ zu entlassen.
Wind-, Sonnen- und Wasserkraft liefern an zugänglichen Standorten ein Vielfaches der weltweit
benötigten Energie. Der Plan zur Umstellung des weltweiten Energiesystems auf regenerative
Quellen bis 2030 sieht die Errichtung von 3,8 Mio. Windturbinen, 90.000 großen Solaranlagen,
zahlreichen Erdwärme-, Wasser- und Gezeitenkraftwerken sowie dezentralen Photovoltaikanlagen
auf Gebäuden vor.
Schon im Jahr 2020 würde die gelieferte Energie einschließlich Verteilung weniger kosten, als die
veranschlagten 5,5 ct/kWh.
Die Energiewende ist machbar – notwendig ist vor allem der politische Wille.
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