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1 Liebe Dgler Was erzählt ihr einem - EMK Zürich 4

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Liebe Dgler
Was erzählt ihr einem Aussenstehenden, wenn er fragt, was die DG eigentlich will?
Intern habt ihr euch oder haben wir uns ja schon öfters Gedanken gemacht, was die
DG ausmachen soll. Wie vertretet ihr dies sozusagen nach aussen?
Ich habe einmal ganz kurz, da ich in dieser Retraite beitreten möchte, auf dem
Internet nachgesehen.
Als DG, so steht es jedenfalls auf der Website, wollen wir
-
das Leben teilen
das was uns bewegt, gemeinsam vor Gott bringen und
aus Betroffenheit zusammen anderen dienen.
Diese DG-Werte bedeuten für eine DG Mitgliedschaft die Einhaltung gewisser
Verbindlichkeiten. Vor Weihnachten haben wir alle ein Mail von Steff erhalten, in
dem es um die Erneuerung des DG Versprechens ging. Darin thematisiert Steff das
Thema der Verbindlichkeiten, das, was die DG Mitgliedschaft ausmachen soll:
„Diese Verbindlichkeiten sind unser angestrebtes Optimum, von dem wir
wissen und akzeptieren, dass wir als einzelne - entsprechend unseren
Lebensumständen - nicht alles einhalten können oder wollen.
Als dege haben wir uns immer wieder bewusst entschieden, dass das
Einhalten dieser Verpflichtung in der Verantwortung des einzelnen
liegt.“
Obwohl ich zuerst über diesen letzten Satz – „die Einhaltung dieser Verpflichtung
liegt in der Verantwortung des einzelnen“ – gestolpert bin, bin ich froh, dass dies
so ist in der DG. Und ich weiss, dass es wohl den meisten unter uns so geht. Wir
sind der Überzeugung, dass man das Einhalten gewisser Lebensregeln letztlich nicht
vorschreiben kann.
Es gab mal so eine umstrittene Werbekampagne der reformierten Kirche, welche
dann gar nicht geschaltet wurde, wo der Slogan war: „Selber denken – die
Reformierten“. Dieser Satz hat zunächst mal wirklich etwas befreiendes. Ich darf
und soll also meinen Kopf und mein Gewissen nicht an der Garderobe hängen
lassen und einem Ältestenrat die Definition der richtigen Lebensführung überlassen.
Selber denken, das heisst mitdenken, bzw. selber prüfen bzw.
Selbstverantwortung ausüben. Dies ist in der DG wichtig, das spürt man, und das
befreit.
Dieser Gedanke der Selbstverantwortung ist im Neuen Testament durchaus präsent,
man könnte vielleicht sagen, das Christsein geht von einer solchen
Selbstverantwortung aus – obwohl für einige von uns unser christliches Aufwachsen
ganz anders geprägt war.
Fündig wird man zum Beispiel mehrere Male in den Paulusbriefen, wo es am Ende
noch um Anweisungen für das gemeinsame Leben als Christ geht. Z. B. im ersten
Korintherbrief, wo es um die richtige Haltung beim Abendmahl geht – diesen Hinweis
hat mir Ann gegeben.
1
1. Kor 11:28: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem
Brot und trinke aus diesem Kelch.“
Ein anderes Beispiel ist im Galaterbrief, Kapitel 6 (Ab Kapitel 5:25 bis 6:5). Ich lese
den Text.
25
Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln. 26Laßt uns
nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.
1
Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft
ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh
auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest. 2Einer trage des andern
Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 3Denn wenn jemand meint, er
sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. 4Ein jeder aber
prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben
und nicht gegenüber einem andern. 5Denn ein jeder wird seine eigene Last
tragen.
Den Vers 4 könnte man ganz salopp übersetzen: In gewisser Hinsicht soll jeder
zunächst mal vor seiner eigenen Haustüre wischen bzw. sein „Werk“ unabhängig von
den anderen überprüfen. Selber Denken bei Paulus.
Nun ist dieser Satz „selber denken – die Reformierten“ oder eben das Konzept der
Selbst- Verantwortung wie eine Medaille, hat also noch die berühmte andere Seite.
Und ich will ehrlich sein, mich interessiert diese andere Seite mehr, ich glaube, sie ist
gerade für uns etwas anstössiger und daher vielleicht auch relevanter.
Es gibt Grenzen der Selbstverantwortung – an dieser Grenze wird der Begriff
zum relativ billigen Konzept. An dieser Grenze kann
- einerseits das Desinteresse am anderen sein
- oder die Angst, ihm oder ihr zu nahe zu treten.
- Oder an dieser Grenze kann umgekehrt die Angst sein, sich in die Karten
blicken zu lassen.
Es gibt das Überschreiten dieser Grenze und dort wartet die grosse Einsamkeit.
Die Einsamkeit, wenn jeder nur noch für sich verantwortlich ist.
Diese Einsamkeit stellt vielleicht gerade das Konzept des autonomen Menschen
dar. Autonomie ist das sehr optimistische Programm des modernen Menschen. Der
Mensch, der sich seine Gesetze selber gibt bzw. macht. Der Mensch, der sich selbst
das Zentrum ist.
Der autonome Mensch ist für mich ein sehr armer Mensch – das ist jetzt keine
Freude an der Provokation.
Emil Brunner – Ich-Du-Philosophie – Ich-Einsamkeit & Du-Losigkeit
Und diese Grenze kommt auch klar im Galatertext zum Ausdruck. Ein grosser Teil
des Briefes behandelt das Thema der Freiheit. Und trotzdem oder gerade deshalb
wird hier am Ende die Grenze dieser Freiheit angesprochen. Hier ist die Rede
davon, dass wir einander zurechthelfen sollen. Das ist die notwendige Ergänzung
jeder Emanzipation. Der emanzipierte Mensch braucht keine Hilfe, er hilft sich selbst.
Aber nicht bei Paulus. Wir sind, bei allem selber Denken, bei aller Freiheit,
aufeinander angewiesen.
2
Es ist klar, sobald geholfen bzw. korrigiert wird, tauchen Gefahren auf. Helfertrip,
Missbrauch von Autorität, Manipulation. Gerade deshalb ist hier die Art der
gegenseitigen Anteilnahme so sanft, so vorsichtig beschrieben. Einander
zurechthelfen, oder modern, einander hinterfragen, aber dies immer mit der
Perspektive, dass man selber genauso gefährdet ist.
Wir brauchen einander. Das ist es, damit werde ich jetzt kurz persönlich, was
mich zur DG Mitgliedschaft veranlasst. Nicht, weil die DG die coolste und
angenehmste christliche Gemeinschaft der Region ist – das ja vielleicht durchaus
auch. Aber nein, ich will deshalb beitreten, weil ich die Gemeinschaft brauche.
Vielleicht sogar, weil ich letzten Endes Angst und Abneigung vor der totalen
Autonomie habe. Weil ich darin die grosse Einsamkeit sehe. Und weil ich – vielleicht
entgegen dem, was nach aussen sichtbar ist – zu schwach bin, als nur autonomer
Mensch durchs Leben zu gehen.
Und so hoffe ich, dass dies auch ein Anspruch der DG ist – nämlich dass wir
einander nicht in der Einsamkeit lassen. Das bedeutet für mich Gemeinschaft.
Wenn wir einander nicht auch befragen und hinterfragen, dann lassen wir uns
gegenseitig in vielen Fragen des Lebens in der Einsamkeit. Wenn wir nur über
Programme und Konzepte sprechen und nicht persönlich werden, dann ist das immer
auch ein Stück Desinteresse aneinander.
Sich hingegen füreinander zu interessieren, das heisst eben auch, einander
vielleicht mal unangenehme Sachen zuzumuten. Einander durchaus mal – in aller
Vorsicht – ins Leben zu sprechen. Vielleicht gibt es in dieser Retraite Momente, wo
dies möglich wird.
-
das muss immer mit Vorsicht geschehen wie im gelesenen Text.
Das muss immer unter der Voraussetzung geschehen, dass ich mich auch
täuschen kann.
Und dabei dürfen wir nie vergessen, dass es auch ein Zuviel des Feedbacks
gibt, ein Feedback-Overkill.
Der gute Rahmen, das gute Mass wird vielleicht in diesem Text aus Galater deutlich.
Zweimal steht dort ein Satz, der jeweils genau gegenteilig ausgerichtet ist, auf den
ersten Blick ein Widerspruch:
-
V. 2: Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen
V. 5: Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.
Das bedeutet vielleicht einfach, dass stets beide Pole im Blick zu halten sind. Nur
das eine kann zu eng oder eben zu beliebig werden. Es geht um die berühmte Mitte.
Was heisst das nun konkret? Nun, ich erlaube mir mal ganz naiv, ein paar Beispiele
zu nennen. Dabei ist mein Vorteil, dass ich erst dabei bin der DG beizutreten, also
noch nicht so viel von den Gepflogenheiten weiss. Kann sein, dass die Beispiele
schon lange Praxis sind oder nicht:
-
Geht uns zum Beispiel unser Umgang mit Geld etwas an?
Wie steht es mit unseren Ausbildungen und Weiterbildungen? Interessieren
uns die Meinungen anderer Dgler?
3
- Wie steht es mit unserer Mobilität?
Dies eben von Mensch zu Mensch, nicht als Programm, nicht als Durchsetzung von
Regeln.
Zum Schluss noch zwei Dinge, dir mir am Herzen liegen und mit nochmals mit dem
Begriff Diakoniegemeinschaft zu tun haben:
Oder sagen wir es so – mein Wunsch für die DG für 2004. Das tönt vielleicht
anmassend, da ich ein DG Greenhorn bin – aber es sind ja nur Wünsche.
1. Diakonie – wo wir auch mitarbeiten in diesem Gebilde – wir wollen es dienend
tun. Der reformierte Berufstitel für den Pfarrer ist VDM. Auch der Pfarrer ist
also ein Art Diakon. Das kann sich ja jeder und jede Fragen: Tue ich das, was
ich für die DG tue, mit dienender Haltung?
2. Gemeinschaft: Etwas, was mich beschäftigt: Ich wünsche mir, dass unsere
Gemeinschaft innovativ ist. Was meine ich damit? Ich wünsche mir, dass es
unter uns keine Einsamkeit gibt. Das alle wahrgenommen werden. Warum
sage ich das? Weil ich glaube, dass es mitten unter uns solche
Einsamkeiten gibt. Kann es sein, dass wir hier einen Schritt weiter gehen?
Wer sind die Schwachen nicht nur im Wirkungsfeld der DG, sondern auch
innerhalb? Wer braucht dich besonders?
Eine Gruppe möchte ich da besonders erwähnen. Es sind die Kinder.
Amen
4
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Seele and Geist
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