close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Bundesmesszahlen der COICOP-Hauptgruppen

EinbettenHerunterladen
www.stuttgarter-zeitung.de
MITTWOCH
22. Oktober 2014
29
KULTUR
Buddha im Land der Tattoos 30
Fernsehprogramm 31
Was Wann Wo 32
Warum starb Michèle Kiesewetter?
Bombe mit
Spätzünder
Wolfgang Schorlau, einer der wichtigsten deutschen Krimi­Autoren, arbeitet an seinem neuen Buch: Privatdetektiv Georg Dengler
soll Licht ins Dunkel der rechtsradikalen NSU­Morde bringen – eine Recherche, die auch dem Autor selbst immer unheimlicher wird.
Interview
S
eit Manfred Rommel, der als
schreibender Oberbürgermeis­
ter die Bestsellerlisten stürmte,
gibt es in Stuttgart keinen er­
folgreicheren Autor als ihn:
Wolfgang Schorlau. Mit seinen Dengler­
Krimis nähert sich der 63­jährige Schrift­
steller, einer der wichtigsten Vertreter des
Politkrimis, der Gesamtauflage von einer
Million. Sieben Dengler­Romane sind bis­
her erschienen, der achte mit dem noch
vorläufigen Titel „Die schützende Hand“
ist gerade in Arbeit. „Noch nie habe ich
mich vor einem Buch so gefürchtet“, sagt
der für seine Recherchen bekannte, im
Heusteigviertel lebende Thriller­Autor.
F
Herr Schorlau, in Stuttgart sind Sie zuletzt
nicht als Autor, sondern als Moderator her­
vorgetreten: bei der „Geheimsache Verfas­
sungsschutz“ im Literaturhaus.
Das hängt mit der Arbeit an meinem neuen
Roman zusammen. Der Anfang wird ver­
mutlich so sein: Georg Dengler erhält von
den Opfern des NSU­Attentats in der Köl­
ner Keupstraße den Auftrag, sich mit dem
Fall zu beschäftigen. Anders als die Polizei,
die gegen die Bewohner der Keupstraße
selbst ermittelt, stößt Dengler schnell auf
ein Gemix von Staatsschutz und rechtsra­
dikalen Kreisen. Deshalb bin auch ich tief
in den NSU­Komplex eingetaucht, in die
Mordserie der Neonazis aus Thüringen.
„Ich bemühe mich, Fakten zusammenzutragen. Und diese Fakten stimmen“, beteuert der Autor Wolfgang Schorlau.
Wie sah Ihre Recherche aus?
Ich habe mir einige Tatorte angeschaut,
mit ermittelnden Polizisten gesprochen,
entsprechende Sachliteratur gelesen und
die Untersuchungsberichte des Bundes­
tags und des Thüringer Landtags durchge­
forstet – ein Aktenstudium, das ungeheuer
viel Material geliefert hat und jeden Leser
dieser Dokumente vor die Frage stellt, ob
der Verfassungsschutz der Demokratie
nützlich oder schädlich ist. Darum die Ver­
anstaltung im Literaturhaus.
Der Warhol­Verkauf
in NRW hält Politiker und
Museumsleiter weiter in Atem.
Kunstmarkt
Foto: Verlag
tenmord zu begehen, wie die Bundesan­ gangen haben, glaube ich nicht mehr. Das ich mich sehr – müssen stimmen! Ich ver­
mute, dass oft diejenigen am lautesten
waltschaft in ihrer Münchner Klageschrift wird zwar offiziell behauptet . . .
„Verschwörungstheorie“ rufen, die tatsäch­
schreibt. Die Mörder machen zufällig Halt
lich die eigentlichen Verschwörer sind.
in Heilbronn und treffen auf der There­ . . . aber Sie wissen’s jetzt besser?
sienwiese zwei Polizisten in der Mittags­ Ich bin da nicht allein. Ein BKA­Experte
pause, darunter das Mordopfer Michèle kommt zu dem Schluss, dass die Funktions­ Bleiben wir beim Thema, aber wechseln wir
Kiesewetter, die aus der gleichen Ecke der weise der Waffen und die Anzahl der Patro­ den Schauplatz, von der Theresienwiese in
gleichen Provinz stammt. Zufall 2: Der Vor­ nenhülsen, die im Wohnmobil der beiden Heilbronn zu jener in München. Vor fünf
gesetzte von Kiesewetter gehört dem gefunden wurden, gegen die Selbstmord­ Jahren haben Sie Dengler im „München­
rechtsradikalen Ku­Klux­Klan an, der über theorie sprechen. In dem Camper, in dem Komplott“ damit beauftragt, das Oktober­
V­Leute verbunden ist mit dem NSU­Kom­ sich die Burschen erschossen haben sollen fest­Attentat von 1980 aufzuklären . . .
plex. Zufall 3: Ein Mitglied des US­Geheim­ und der danach abgebrannt ist, hat man . . . und jetzt prüft auch die Karlsruher Bun­
Und? Ist er nützlich?
dienstes befindet sich zur Tatzeit in der Nä­ zwei Patronenhülsen zu den Geschossen desanwaltschaft, ob sie den Fall wieder auf­
Ich kann nur die Arbeit des Thüringer Ver­ he des Tatorts und wird wegen zu schnellen gefunden. Der Laie denkt: okay, für jeden nehmen soll. Es handelt sich bei dem Atten­
fassungsschutzes beurteilen. Sie ist eini­ Fahrens geblitzt – ich vermute, dass es im eine. Stimmt aber nicht. Das Gewehr, das tat mit 13 Toten immerhin um den schwers­
germaßen gründlich durchleuchtet wor­ NSU­Komplex auch Verbindungen zu an­ benutzt worden ist, wirft die Patrone erst ten Terrorakt unserer Nachkriegsgeschich­
den. Und da kann ich sagen: es wäre besser deren Geheimdiensten gibt. Zufall 4: Eben­ aus, wenn es nach dem Schuss wieder te! Dass der Bombenleger ein Einzeltäter
gewesen, wenn es ihn nie gegeben hätte.
falls in der Nähe befindet sich ein Mitglied durchgeladen wird. Das heißt: um auf zwei war, diese von der Staatsanwaltschaft über
Jahrzehnte verfolgte These,
des Verfassungsschutzes von Baden­Würt­ Patronen zu kommen, hätte
lässt sich nicht mehr aufrecht­
Warum?
temberg. Zufall 5: Ein Zeuge aus der rech­ einer der beiden Toten, des­ „Ohne mir allzu
erhalten. Schon Dengler hat
Für mich steht außer Frage, dass der Thü­ ten Szene kommt, sechs Jahre später, am sen Kopf schon weggeputzt viel einbilden zu
das Gegenteil bewiesen . . . Im
ringer Verfassungsschutz die rechtsradika­ Morgen vor seiner Vernehmung unter mys­ ist, nochmals laden müssen. wollen: manche
Ernst: bei meinen Recherchen
le Szene erst aufgebaut, ihr Struktur gege­ teriösen Umständen ums Leben. Er ver­ Weil das nicht geht, muss eine
hat es mir damals fast die Spra­
ben und sie materiell bestens ausgestattet brennt im Auto, das man auf dem Stuttgar­ dritte Person im Camper ge­ Themen konnte
che verschlagen, wie das
hat. Er hat sie auch vor Strafverfolgung ge­ ter Wasen findet, angeblich Selbstmord. wesen sein.
ich einen halben
rechtsradikale Umfeld des At­
schützt: Die Neonazis mussten sich fühlen, Von den verunreinigten Wattebäuschen,
Zentimeter nach
tentäters systematisch weg­
als gelte für sie eine Generalamnestie – all dieser in die Irre führenden, die Ermittlun­ Verstanden!
ermittelt wurde.
das hat der Thüringer Unter­
gen um zwei Jahre verzögern­ Eine dritte Person ist von vorne bringen.“
suchungsausschuss weitge­ „Ist das noch ein
den Panne will ich jetzt gar Nachbarn tatsächlich beim Wolfgang Schorlau über die
hend aufgedeckt, immerhin. demokratischer
nicht reden . . .
Verlassen des Campers gese­ Kraft seiner Kriminalromane Verspüren Sie eine leichte Ge­
nugtuung, dass Sie mit Ihrem
Und dass jetzt endlich auch in Rechtsstaat, wenn
hen worden. Die Staatsan­
Baden­Württemberg ein sol­
Alles, was Sie aufgelistet ha­ waltschaft aber erklärte, dass das nicht sein Buch damals auf der richtigen Fährte waren?
ches Gremium eingerichtet Staatsbehörden in
ben, ist belegt?
könne: Der Ausgang des Campers stünde an Nun, ich bilde mir da nicht zu viel ein. Kri­
wird, halte ich für eine längst großem Umfang
Alles. Es sind einfach ein paar einem Abgrund, der so tief ist, dass man da minalromane ändern die Welt nicht, ob­
überfällige Entscheidung.
Zufälle zu viel in Heilbronn nicht mehr rauskomme. Ich bin zum Tatort wohl . . . Die Dengler­Thriller finden eine
außerhalb des
zusammengekommen.
gefahren. Es gibt eine Grube, ja, aber da gewisse Verbreitung und helfen vielleicht,
Hier gab es nur eine Enquete­ Rechts operieren?“
klettert selbst ein Achtzigjähriger noch Druck auf die verantwortlichen Leute aus­
Kommission . . .
Wie werden Sie diese Zufälle im rauf und runter. Wo immer ich zu recher­ zuüben. Unter Kollegen wird oft die Frage
Wolfgang Schorlau über
. . . die mit völlig unzurei­ erschütternde Einsichten
neuen „Dengler“ verarbeiten?
chieren anfange, entsteht ein zweites Bild, diskutiert, ob Literatur etwas bewirken
chenden Kompetenzen zahn­
Ich weiß es noch nicht. Ich ha­ das etwas anderes erzählt als das offizielle. kann – da habe ich doch den Eindruck, dass
los agierte. Sicher, das hiesige Landesamt be mich noch nie vor einem Buch, das ich Das ist das Unheimliche am NSU­Komplex. ich mit meinen Büchern manche Themen
näher an die Öffentlichkeit bringen kann,
für Verfassungsschutz kann man mit dem gerade schreibe, gefürchtet. Aber vor die­
in Thüringen nicht vergleichen, es ist deut­ sem Buch habe ich Angst. Je mehr ich über Sind Sie der Erste, der all diese Mosaiksteine wenigstens einen halben Zentimeter.
lich besser geführt. Trotzdem: In allen den NSU erfahre, desto mehr stellt sich mir zu einem Gesamtbild fügen will?
Bundesländern, in denen der NSU gemor­ die Frage, in was für einem Land ich lebe: Nein. Da gab es vor mir – neben den Unter­ Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es
det hat, sind längst Untersuchungsaus­ Ist das noch ein demokratischer Rechts­ suchungsausschüssen – schon ein paar wa­ auch ein ganzer Zentimeter wird: Im Früh­
schüsse eingerichtet worden. Nur in Ba­ staat, wenn Staatsschutzbehörden in gro­ che Journalisten, ohne die es überhaupt jahr läuft der erste „Dengler“ im ZDF, der
den­Württemberg hat man sich dagegen ßem Umfang jenseits des Rechts operieren, keine Aufklärung geben würde. Aber ein Pharma­Thriller „Die letzte Flucht“. Haben
gesträubt, ausgerechnet hier, wo eine ohne wirkungsvolle Kontrolle? Ich leide an paar neue Mosaiksteine werde ich in mei­ Sie ihn schon gesehen?
Den Rohschnitt, ja – und ich bin begeistert
gründliche Aufarbeitung besonders wich­ Erkenntnisfurcht.
nem Buch schon verarbeiten können . . .
( lacht). Es hat zwei Tage gedauert, bis ich
tig ist: Der Mord an der Polizistin Michèle
Kiesewetter, 2007 in Heilbronn, ist ein Sind die Erkenntnisse so schlimm?
. . . um am Ende wieder eine große Ver­ die DVD in den Rekorder geschoben habe,
Schlüsselmord im NSU­Komplex. Könnte Es ist so: egal, wo man beim NSU­Komplex schwörungstheorie vorzulegen. Oder täu­ so stark war meine Angst vor Enttäu­
schung. Aber der Regisseur Lars Kraume
man die Hintergründe dieses Verbrechens hingreift, eröffnet sich eine zweite Sicht, sche ich mich da als geübter Dengler­Leser?
aufhellen, würden sich viele weitere Fragen weit über Heilbronn hinaus. Es ist gespens­ Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. hat es geschafft, zwei Dinge umzusetzen,
klären lassen.
tisch. Ein Beispiel: dass Uwe Böhnhard und Ich bemühe mich, Fakten zusammenzutra­ die mir am Herzen lagen: Er hält mit tollen
Uwe Mundlos, die zusammen mit Beate gen und auf diesem Fundament meine Fi­ Actionszenen die äußere Spannung, die in
Haben Sie Belege für diese steile These?
Zschäpe das NSU­Trio bildeten, tatsäch­ guren handeln zu lassen. Die Figuren sind der „Letzten Flucht“ eine große Rolle spielt
Bei meinen Recherchen hat mir ein erfahre­ lich gemeinschaftlichen Selbstmord be­ erfunden. Die Fakten aber – und da bemühe – und er hält zudem mit starken Dialogen
die innere Spannung, die sich aus dem The­
ner Kriminalbeamter gesagt: Bei jeder Er­
ma ergibt, dem kriminellen Umgang mit
mittlung kannst du auf einen Zufall stoßen.
der Not todkranker Menschen. Dazu zwei
Bei zwei Zufällen musst du misstrauisch DENGLER IM FERNSEHEN: DAS ZDF PLANT EINE WEITERE VERFILMUNG
gur Georg Dengler wohnt –
über die Machenschaften
herausragende Schauspieler: Ronald Zehr­
werden: könnte zwar sein, ist aber unwahr­ Autor Dass er aus dem Huns­
feld als Dengler und Birgit Minichmayr als
und zwar im Bohnenviertel
der Pharma­Industrie. An der
scheinlich. Doch drei Zufälle: kann nicht rück stammt, hört man ihm
über der Szenekneipe „Basta“. Verfilmung des Lebensmittel­
Olga. Das ist zwar eine überraschende, weil
sein. Und jetzt der sogenannte NSU­Mord noch an: Wolfgang Schorlau,
Thrillers „Am zwölften Tag“
– verglichen mit den Romanfiguren – doch
in Heilbronn. Da kommen so viele Zufälle 1951 in Idar­Oberstein gebo­
ren, redet so vernuschelt, wie
Film Der enorme Erfolg der
wird gerade gearbeitet – und
junge Besetzung, aber eine ideale.
zusammen, dass ich ausholen müsste . . .
es die Menschen in der be­
Dengler­Romane hat auch
dass am Ende gar eine ganze
rühmten „Heimat“ des Film­
das ZDF auf den Plan gerufen.
Dengler­Reihe fürs Fernsehen
Es ist also nicht mit einer empörten Distan­
Nur zu!
Im Frühjahr, als „Montagskri­
entstehen könnte, bestätigt
zierung von der Verfilmung zu rechnen?
Zufall 1: Die beiden Mörder aus Thüringen, regisseurs Edgar Reitz tun.
mi“ im März oder April, läuft
das ZDF gerne: „Wir denken
Nein, definitiv nicht.
genauer: aus der Provinz um Saalfeld­Ru­ Über Freiburg und Ludwigs­
dolstadt, fahren aus Hass auf den Staat ziel­ burg kam Schorlau nach Stutt­ die erste Verfilmung: „Dengler bereits weiter“, sagt die
– Die letzte Flucht“, der Krimi
zuständige Redakteurin. rm
Das Gespräch führte Roland Müller.
los durch Deutschland, um einen Polizis­ gart, wo auch seine Romanfi­
ünf Jahre schon schlummern „Trip­
le Elvis“ und „Four Marlons“ von
Andy Warhol in einem Safe. Ver­
misst hat die Bilder, die inzwischen im­
mens im Wert gestiegen sind, offenbar nie­
mand. Jahrzehntelang hingen die Pop­Art­
Werke an den Wänden der Spielbank
Aachen, bevor sie 2009 im Kellertresor ver­
schwanden. Sogar als Anfang September
das Auktionshaus Christie’s bekannt gab,
dass die indirekt dem Land NRW gehören­
de Casino­Gesellschaft Westspiel die Wer­
ke versteigern lassen werde, blieb es ruhig.
Dabei war klar, dass Westspiel mit den er­
hofften 100 Millionen Euro sein defizitäres
Casino­Geschäft sanieren will.
Dass die Versteigerung heikel werden
könnte, hatten das Land und Westspiel
wohl geahnt. Westspiel engagierte eigens
für die Warhol­Verkäufe einen Pressespre­
cher. Dagegen hüllten sich das NRW­Fi­
nanzministerium und die NRW­Bank, de­
ren Tochter Westspiel ist, wochenlang in
Schweigen. Erst dann wachten die Kunst­
szene sowie die Politik in Nordrhein­West­
falen und im Bund auf. Die Bombe ging mit
Spätzünder hoch, als vielen klar wurde,
dass erstmals teure Kunst aus einem lan­
deseigenen Unternehmen auf den interna­
tionalen Markt geworfen werden soll.
Inzwischen ist die Stimmung so brenz­
lig, dass Ministerpräsidentin Hannelore
Kraft (SPD) erklärte, warum sie den Ver­
kauf nicht verhindern könne, und ver­
sprach, dass die Landesregierung keine
Kunst aus direktem Landesbesitz verkau­
fen wolle, um Haushaltslöcher zu stopfen.
Denn 26 Museumschefs in NRW hatten in
einem Brief vor einem Tabubruch gewarnt.
Von einer „Grauzone“ des Kunstverkaufs,
die nicht rechtlich abgedeckt sei, spricht die
Direktorin des Mönchengladbacher Mu­
seums Abteiberg, Susanne Titz. Denn West­
spiel ist, so schreibt es auch Regierungsche­
fin Kraft, ein „rechtlich selbstständiges, bi­
lanzierendes und wirtschaftlich agierendes
Unternehmen“, das Investitionen „aus
eigener Kraft“ bestreiten müsse.
Die Museumschefs befürchten Schlim­
mes: „Es wird ein Präzedenzfall geschaffen,
dem Kommunen, öffentliche Unterneh­
men und Gesellschaften in Zukunft folgen
könnten“, schreiben sie. „Damit wäre der
öffentliche und auch der Museumsbesitz
nicht mehr sicher.“ In der Privatwirtschaft
hatte Eon bereits ein Exempel statuiert:
Der unter Spardruck stehende Energiekon­
zern trennte sich von einem Filetstück sei­
ner Sammlung. Das Bild von Jackson Pol­
lock wurde aus dem Düsseldorfer Museum
Kunstpalast entfernt und versteigert. dpa
Sex und Politik
Von der Enthaltsamkeit (III)
Die erste Runde der katholischen Bischofs­
synode zum Thema Familie und Moral ist
vorbei, die Debatte in Rom geht aber weiter –
auch über das Zölibat der Priester, deren histo­
rische Herkunft und innerkirchliche Umstrit­
tenheit wir in den Folgen zuvor betrachtet ha­
ben. Fragen nötiger, wünschenswerter oder
geforderter Askese spielen natürlich in allen
Religionen dieser Welt eine Rolle. Dreißig Jahre
lang hatten im antiken Hellas die Priesterinnen
als Jungfrauen zu dienen, sonst drohte ihnen
ein Begräbnis bei lebendigem Leibe. Ein nach
Vollendung strebender Schüler im Hinduismus
soll immerhin zwölf Jahre zölibatär leben. Auch
die buddhistischen Mönche empfinden auf
ihrem Weg zur Erleuchtung den begehrenden
Blick auf Frauen als Hemmnis. Wie ja auch im
Christentum sowohl Mönche als auch Nonnen
ihre geistige Lebensgemeinschaft mit dem
Herrn als Grund sehen, keine weltliche Ehe
einzugehen, die angestrebte mystische Ver­
einigung aber durchaus ekstatische Züge auf­
weisen kann. Von den Weltreligionen lehnt
interessanterweise nur das Judentum die Idee
eines Zölibats grundsätzlich ab. Die Liebe gilt
dort als eines der höchsten Geschenke Gottes,
auch im körperlichen Sinne. Dieses Geschenk
zurückzuweisen, ist ein Vergehen. Gottes Bun­
deszusage galt dem Stammvater Abraham und
all seinen Nachkommen. Kein Grund, aus
irgendeinem Grund daran zu sparen. schl
Kontakt
Kulturredaktion
Telefon: 07 11/72 05­12 41
E­Mail: kultur@stz.zgs.de
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
19
Dateigröße
1 888 KB
Tags
1/--Seiten
melden