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SEMINARBERICHT
Datum:
13. Oktober 2014
Perspektiven der Armutsreduzierung in Afrika
Ziel einer Tagung der Hanns-Seidel-Stiftung am 02. Oktober 2014 in Brüssel war es,
mit europäischen Experten und Interessierten zu diskutieren, wie sich Armut in Afrika
reduzieren lasse und welche Ziele auf diesem Weg realistisch seien. Dr. Jakkie Cilliers,
Geschäftsführer des Institute for Security Studies (ISS) mit Sitz in Pretoria, Südafrika,
stellte zur Anregung der Debatte aktuelle Forschungsergebnisse seines Thinktanks vor,
die auf einer datenbasierten Prognose sozio-ökonomischer Entwicklungen beruhen.
Die Hanns-Seidel-Stiftung ist langjähriger Partner von ISS und unterstützt das Institut
in seinem Engagement für Forschung, Politikberatung und Kapazitätsausbau zur
Förderung der Entwicklung Afrikas.
Die Reduzierung der weltweiten Armut ist eines der Hauptziele der internationalen
Gemeinschaft im Rahmen der Millenniumentwicklungsziele der Vereinten Nationen
und soll es auch in einer noch zu verhandelnden Entwicklungsagenda für die Zeit nach
2015 bleiben. Dabei ist Afrika einer der am stärksten betroffenen Kontinente.
Während andere Regionen wie insbesondere Asien in den letzten 20 Jahren dank eines
sehr hohen Wirtschaftswachstums erhebliche Fortschritte erzielten, liegt Afrika weiter
zurück. Über 36% der afrikanischen Bevölkerung lebt in absoluter Armut, das bedeutet
von weniger als 1,25 Dollar am Tag.
Eine der größten Herausforderungen Afrikas ist gemäß Dr. Cilliers insbesondere die
tief verwurzelte schwere und chronische Armut, bei der die Menschen per Definition in
noch prekäreren Lebensverhältnissen mit weniger als 0,70 Dollar täglich leben und
dies schon seit vielen Jahren ohne Hoffnung auf Besserung. Diese Form der Armut ist
besonders schwer zu bekämpfen, aber sie betrifft sogar die Hälfte der armen
Bevölkerung in Afrika. Was die Armutsreduzierung auf dem Kontinent weiter
erschwert, sind hohe Raten sozialer Ungleichheit und niedrige Wachstumsraten.
Positiv bleibt allerdings, dass Afrika seit den 1990er Jahren wächst und dank einer
strukturellen Transformation den Abwärtstrend umkehren konnte. Bis zum Jahre 2063,
dem Zieljahr der Entwicklungsagenda der Afrikanischen Union, prognostiziert die
Studie ein durchschnittliches afrikanisches Wachstum von 6,5%. Um die extreme
Armut bis 2030 auf das erwünschte Ziel unter 3% der Bevölkerung zu drücken,
würden jedoch rund 10% Wachstum für alle 55 afrikanischen Länder benötigt. Und
Hanns-Seidel-Stiftung_ Seminarbericht_Entwicklungspolitischer_Dialog_Verbindungsstelle_Brüssel_13. Oktober 2014
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dies ist insbesondere aufgrund der herrschenden hohen Ungleichheit ein sehr
unwahrscheinliches Szenario.
Insofern ist es für eine erfolgreiche Bekämpfung der Armut in Afrika essentiell, sich auf
den hohen Prozentsatz der Bevölkerung in tief verwurzelter Armut zu konzentrieren.
Denn es ist ohne Unterstützung von Außen schier unmöglich für die Betroffenen, die
Spirale aus geringem Vermögen, dem Ausschluss aus sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Systemen zur Vermögensmehrung sowie schlechten Arbeitsmöglichkeiten
bei gleichzeitig großer Anfälligkeit für äußere Erschütterungen wie Umweltkatastrophen zu durchbrechen. Wirksame Maßnahmen sind gemäß der ISS-Analyse eine
Steigerung der sozialen Unterstützung wie der Regierungsausgaben für
Sozialleistungen, armutsorientiertes Wachstum wie Investitionen in Infrastruktur und
Landwirtschaft, menschliche Entwicklung für diese Armen, indem die Ausgaben im
Bildungsbereich gesteigert werden sowie ein progressiver sozialer Wandel zur
Förderung der Frauen. Diese Interventionen seitens der Regierungen und der
internationalen Gemeinschaft würden die Armut bis 2030 auf 20% und bis 2063 auf
3% reduzieren. Gleichzeitig hätten sie als Nebeneffekt einen erheblich mindernden
Einfluss auf das Bevölkerungswachstum.
Länderstudien legen nahe, dass Ziele für den gesamten Kontinent den Entscheidungsträgern in den Ländern nur unzureichend bei der Erarbeitung konkreter Strategien zur
Armutsreduzierung helfen. So sollte sich die Afrikanische Union um die Erarbeitung
spezifischer Länderziele bemühen.
In der anschließenden Diskussion teilten Dr. Damien Helly des European Centre for
Development Policy Management (ECDPM) und José Fernando Costa Pereira,
Referatsleiter für panafrikanische Angelegenheiten im Europäischen Auswärtigen
Dienst, ihre Perspektiven auf die Studie mit. Beide erachteten die detaillierte Analyse
für sehr hilfreich als Grundlage zur Erarbeitung konkreter Politikansätze. Helly wies
allerdings darauf hin, dass es auf politischer Ebene in Europa schwer sei, derart
langfristig zu planen; selbst zwei Jahre erschienen derzeit schon als unüberblickbare
politische Zeitspanne. Er wünsche sich folglich mehr Druck auf europäische Politiker,
damit diese langfristigere Strategien entwickelten. Er bemängelte an der Analyse eine
zu enge Definition von Armut, die Wachstum, das durch internationalen Handel und
Auslandsinvestitionen stimuliert wird, nicht berücksichtige. EU-Entscheidungsträger
sollten stärker zwischen den Ländern Afrikas differenzieren. Hierfür sei auch mehr
Wissen in den EU-Delegationen vor Ort in den afrikanischen Ländern nötig. Wenn
Armutsreduzierung insbesondere durch mikroökonomische Anpassungen zu erreichen
sei, müsse die EU sich fragen, ob sie dafür mit ihren Programmen gut genug
ausgestattet sei, da sie sich in letzter Zeit verstärkt auf Interventionen auf
makroökonomischer Ebene fokussiert habe.
Costa Pereira erinnerte an Prognosen aus den 70er Jahren, die sich keineswegs mit der
heutigen Realität deckten. So sei es positiv, dass die vorgestellte Studie sich der
generellen Grenzen von Prognosen bewusst sei. Er zeigte sich erfreut, dass die
Hanns-Seidel-Stiftung_ Seminarbericht_Entwicklungspolitischer_Dialog_Verbindungsstelle_Brüssel_13. Oktober 2014
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Statistiken den Trend einer Armutsreduzierung in Afrika, wie aus empirischen Fällen
bekannt, bestätigten. Dabei sei letztlich nicht das genaue Datum von Bedeutung, bis
wann die Eliminierung erreicht werde, sondern die positive Richtung der Entwicklung.
Rechte von Minderheiten, Gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit seien dabei
wichtige Größen, die der Ausgrenzung von in Armut gefangenen Menschen entgegen
wirkten und sollten in der Studie prominenter behandelt werden.
Im Anschluss beteiligte sich Publikum rege an einer Diskussion mit den drei
Sprechern. Es wurde u.a. die wichtige Rolle der Landwirtschaft für die
Armutsreduzierung, der Stellenwert des hohen Bevölkerungswachstums sowie der
Vergleich mit dem chinesischen Entwicklungsmodell erörtert.
Selbst wenn die Ergebnisse der Studie recht pessimistisch scheinen, was die
Perspektiven der Armutsreduzierung in Afrika betrifft, so ermutigt der generelle
Aufwärtstrend. Die Analyse macht politischen Entscheidungsträgern deutlich, welche
Politikbereiche speziell angepasst werden müssen, um insbesondere tief verwurzelte
Armut und Ungleichheit weiter zu bekämpfen. Auf diesem Weg bedarf es der vereinten
Kräfte der internationalen Gemeinschaft, sowohl seitens der Regierungen als auch der
Zivilgesellschaft. Auch die Hanns-Seidel-Stiftung wird sich im diesen Sinne weiter
engagieren.
Link:
- Der Text zur ISS-Studie: http://www.issafrica.org/futures/papers/reducing-poverty-in-africarealistic-targets-for-the-post-2015-mdgs-and-agenda-2063
Autor: Katharina Patzelt, Programm Managerin für den Entwicklungspolitischen
Dialog, Verbindungsstelle Brüssel.
IMPRESSUM
Erstellt: 13. Oktober 2014
Herausgeber: Hanns-Seidel-Stiftung e.V., Copyright 2014
Lazarettstr. 33, 80636 München
Vorsitzende: Prof. Ursula Männle, Staatsministerin a.D.,
Hauptgeschäftsführer: Dr. Peter Witterauf
Verantwortlich: Dr. Susanne Luther, Leiterin des Instituts für Internationale Zusammenarbeit
Tel. +49 (0)89 1258-0 | Fax -359
E-Mail: iiz@hss.de, www.hss.de
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