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color 05/2014
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TIEF DURCHATMEN
Schadstoffarme Luft in Innenräumen ist in unserer Gesellschaft, die immer weniger Zeit im Freien verbringt, sehr wichtig geworden. Mit den
zunehmenden Anforderungen an die Raumluftqualität sind auch die
Hilfsmittel zum Erreichen dieses Zieles mehr geworden.
TE X T BARBAR A BAUER | FOTO IBO
K
riterien, die in die Leistungsbeschreibung
Hochbau integriert werden können, wie das
Überprüfen von Produkten mittels der Datenbank baubook, Prüfzeugnissen, Umweltzeichen
oder durch Experten sowie die Dokumentation in
Gebäudebewertungssystemen erleichtern den Weg
zu hoher Raumluftqualität. Hersteller von Bauprodukten bieten Produkte mit nachweislich niedrigen
Emissionen an, sodass bei achtsamer Auswahl eine
gute Raumluftqualität erzielt werden kann.
Schadstoffe in der Raumluft sind etwa VOC (volatile organic compounds), flüchtige organische
Verbindungen wie Lösungsmittel, oder MVOC
(microbiological volatile organic compounds) wie
Schimmel, aber auch KMR-Stoffe, also kanzerogene, mutagene, reproduktionstoxische Stoffe. Diese Schadstoffe verursachen nur in seltenen Fällen
sofortige Krankheitssymptome, das Wohlbefinden
beeinträchtigen sie jedoch recht rasch. Nach jahreoder jahrzehntelanger Einwirkung kann es zu chronischen Beschwerden kommen. Bekannterweise
nehmen Allergien, Asthma, Sick Building Syndrom
und MCS seit Jahren kontinuierlich zu.
Belastende Schadstoffe sind auch in Bau- und
Ausstattungsmaterialien zu finden. Gerade Bodenbeläge, die viel aushalten müssen, sind eine Wissenschaft für sich. Es beginnt bei der Untergrundvorbereitung mit Grundierungen, Haftgründen,
Feuchtigkeitssperren, die häufig aus Kunstharzdispersionen bestehen und damit VOC enthalten
können. Ebenso Klebstoffe, Belagsmaterial an sich,
INFO
Barbara Bauer ist Expertin für
ökologische Baustoffe am IBO
– Österreichisches Institut für
Bauen und Ökologie GmbH. Sie
hat an der Erstellung von Kriterien für Umweltprüfzeichen,
für Gebäudebewertungen und
für die öffentliche Beschaffung
mitgewirkt.
Oberflächenbeschichtung und deren Zusammenspiel. Am sichersten ist es, ein geprüftes System
eines Herstellers einzusetzen. Weniger verdächtig
sind Wandfarben, denn in den letzten Jahren haben
Hersteller ihre Rezepturen in den meisten Fällen
verbessert. Allerdings werden viele Quadratmeter
beschichtet, wodurch sich geringe Emissionen zu
nachweisbaren Belastungen summieren können.
Also sollten auch geringe Emissionen vermieden
werden. Ein genaueres Hinsehen auf technische
Merkblätter und Prüfzeugnisse ist hilfreich.
Beschichtungen auf Holz und Metall werden vorwiegend wasserverdünnbar, also lösungsmittelarm,
angeboten. Mittlerweile sind auch Professionisten
vom Funktionieren der sogenannten Wasserlacke
überzeugt. Beliebt sind auch Dichtmassen aus Acryl oder Silikon. Zwar wird davon nicht viel verwendet, aber diese Massen können es in sich haben.
Phtalate, Butanonoxim, zinnorganische Verbindungen sind in vielen dieser Produkte zu finden. In
Sanitärsilikonen sind Fungizide enthalten, sie sollten daher wirklich nur in Sanitärräumen eingesetzt
werden, aber nicht im Wohnbereich.
Damit man sich für ein bestimmtes Produkt entscheiden kann, braucht es Kriterien. Oft ist der Preis
das bestimmende Kriterium, bei vielen Produkten
auch Schadstoffarmut, umweltschonende Herstellung, einfache Verarbeitbarkeit, gesunde Nutzung
und gefahrlose Entsorgung. Verhandelt werden
Kriterien und Grenzwerte zum Beispiel bei Umweltzeichen. Das österreichische Umweltzeichen und
das internationale Gütesiegel natureplus sind gute
Beispiele für Kriterien, die bei der Auswahl helfen.
Für die öffentliche Beschaffung in Wien und Vorarlberg gelten beispielsweise Regeln, die stark auf
Schadstoffarmut abzielen. Die Erfüllung dieser Kriterien ist in der Produktdatenbank baubook abgebildet, die vom IBO – einem Mitglied der Austrian
Cooperative Research ACR – und dem Energieinstitut Vorarlberg entwickelt wurde.
Die baubook-Plattform Ökologisch ausschreiben
stellt eine Auswahl von Wandfarben, Bodenbelägen, Klebstoffen und weiteren Bauprodukten zur
Verfügung. Einfach gesagt: ist ein Produkt mit vielen grünen Häkchen (für erfüllte Kriterien) ein gutes,
also ein emissions- und schadstoffarmes Produkt.
Wer es genauer wissen möchte, kann sich die dahinterliegenden Kriterien mit einem Klick ansehen.
Wer Informationen zu ökologischen Produkten
nicht selber suchen möchte, beauftragt Experten
mit einem Bauproduktmanagement. Dabei wird ein
Bauvorhaben von der Ausschreibung, wo die Kriterien für Emissionsarmut integriert werden, über die
Produktprüfung der ausführenden Gewerke bis zur
Baustellenkontrolle begleitet. Raumluftmessungen
zeigen abschließend, dass das Vorhaben gelungen
ist und punkten damit auch bei den Gebäudebewertungen. Das tiefe Durchatmen ist dann auch in
Innenräumen der Gesundheit zuträglich.
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