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1 Predigt zum Ewigkeitssonntag 2013 Thema: Was kommt nach

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Predigt zum Ewigkeitssonntag 2013
Thema: Was kommt nach dem Sterben?
Matthäus 25, 13
„Seid also wachsam! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.“
Liebe Gemeinde
„Den eigenen Tod stirbt man nur – mit dem Tod der anderen muss man leben.“
Sie alle, die Sie einen Ihnen nahe stehenden Menschen verloren haben, verstehen dieses Zitat
nur zu gut.
„Den eigenen Tod stirbt man nur – mit dem Tod der anderen muss man leben.“
Stirbt ein naher Verwandter, Mutter, Vater, das Kind oder der Ehepartner, Geschwister,
stirbt jemand, der mir nahe steht, so leide ich schwer. Die Welt hüllt sich oft in ein lustloses,
sinnentlehrtes Grau, ähnliche wie die letzten Tage sich zeigten.
Für die einen kam der Tod des anderen plötzlich.
Man konnte sich gar nicht darauf vorbereiten.
Bei anderen sah man, dass es den Weg des Sterbens angetreten hatte.
Bemerkt man dies, so folgten meistens besondere Monate, Wochen, Tage und Stunden,
Zeiten, in denen man intensiv miteinander lebte und auf jedes Zeichen der Gemeinsamkeit
acht gab.
Worte, die man oft nicht mehr vergisst, werden in dieser Zeit gesprochen.
Man versucht loszulassen und doch achtet man auf jeden Atemzug.
Und dann geschieht häufig das Erstaunliche.
Der Tod lässt auf sich warten.
Man leidet mit und meint, jeden Moment könne er kommen, der Tod - der Tod als Erlösung
vom Leben.
Der Tod entzieht sich unserer Machbarkeit.
Man kann, selbst wenn man ihn einleitet, nur auf ihn warten.
Am Eingang vieler grosser, mittelalterlichen Kirchen befinden sich die 10 jungen Frauen, von
denen wir in der Lesung gehört haben.
Sie wurden als Sandsteinfiguren, rechts und links aufgereiht.
Auf der einen Seite sieht man die fünf fröhlichen, klugen Frauen.
Auf der andern die törichten oder nicht weit genug denkenden Frauen, die vor Gram,
Enttäuschung und Schmerz ganz entstellt sind.
Die Bildhauer des Mittelalters predigten so zu ihren Glaubensgenossen.
Die Bildhauer fragen die an der Kirche vorbei Gehenden:
Wer wollt denn ihr einmal sein, wenn ihr sterben müsst?
Wollt ihr zu den Dummen gehören oder wollt ihr wie die Klugen einmal bei Gott sein?
Wenn ja, dann lasst euer Licht jetzt schon leuchten und tankt immer wieder einmal auf.
Kommt herein in die Kirche, hört Gottes Wort und lebt danach.
Wenn ihr das nicht wollt, dann wundert Euch nicht, wenn die Tür zu Gott im Sterben auf
einmal verschlossen ist, wie ein verschlossene Kirchentür.
„Seid also wachsam! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.“
Das Mittelalter hatte eine klare Sprache, deutlich und unmissverständlich.
Wir reden anders, vorsichtiger, nicht so direkt.
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Und doch sollten wir diese Jesusgeschichte auch für uns ins heute, ins jetzt, in unsere
Oberriedner Kirche übersetzen.
Jesus fragt uns mit seiner Geschichte von den 5 klugen und den 5 dummen Frauen aber auch
an.
Wer wollt Ihr sein, fragt Jesus auch uns?
Denkt ihr kurzsichtig?
Denkt ihr nur an Euch?
Lehnt ihr alles, was Gott von Euch im Leben an Vertrauen, Nächstenliebe und Liebe erwartet,
lehnt ihr das ab?
Dann seid ihr dumm und töricht, dann denkt ihr nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze,
d.h. bis zum eignen Portmonai.
Ihr werdet eventuell einmal im Sterben so dastehen, wie heute ein Mensch vor einem
Geldautomat ohne Kreditkarte und Geheimnummer.
Er hat keinen Zugang zu dieser Welt.
So könnte Euch auch der Weg in die Ewigkeit, verschlossen bleiben, da ihr den Zugang im
Leben nie gesucht habt.
‚Darum,’ so meint Jesus zu uns: ‚Hebt Euch die Beschäftigung mit Gott nicht für später auf!
Vertagt das Traktandum Glaube nicht auf „wenn ich dann mal Zeit und Lust habe.’
Dann seid ihr dumm und töricht.
Aber wer von uns will schon dumm oder töricht sein?
Klug sein und ein gewisses Selbstbewusstsein haben, das auch einmal deutlich NEIN oder
gegen eine Mehrheit auch einmal deutlich JA sagen kann, dass zieht uns hoffentlich mehr an.
Wir wollen doch unser Licht in dieser Welt leuchten lassen!
Wir wollen unsere Stimme in der Welt wirken lassen, wie am heutigen Abstimmungssonntag.
Wir wollen doch geben und nehmen, frei und offen in dieser Welt handeln können,
unabhängig von der Meinung anderer.
Als suchende Christen können wir das, jeder von uns.
Denn wir haben ein grundsätzliches Vertrauen zu einer anderen, über der Welt stehenden
Macht.
Und nur Gott gegenüber müssen wir einzig und allein verantwortlich sein, keinen anderem
Menschen.
Ahnen wir etwas von der Freude, die uns bei diesem Gedanken durchströmen könnte?
Sehen wir uns in den klugen Frauen, die vorbereitet sind, denn sie wissen, um jemanden, der
sie im Leben trägt?
Jemanden, der uns weiter und unabhängig von anderen Sehen und Handeln lässt.
Wir wissen um jemanden, der uns einmal auch abholt, in ein neues gutes Sein, in die Ewigkeit.
Die Mahnung, die Jesus am Schluss seiner Geschichte ausspricht, erschüttert uns jetzt viel
weniger, denn wir wissen ja um Gottes Macht, auch dann, wenn wir uns ohnmächtig dem Tod
ausliefern müssen:
„Seid also wachsam! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.“
Wir, die wir Menschen haben sterben sehen, die wir trauern, weil uns Menschen fehlen,
wir, die wir leben wollen, uns mutet Jesus mit der Geschichte aber auch etwas zu.
Er mutet uns ein Weiterdenken, ein Loslassen und Vertrauen lernen zu.
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Jesus sagt hier:
Wenn ihr sterben werdet, dann komme ich auf Euch zu, wie ein Bräutigam.
Ich hole Euch ab, zu etwas ganz Schönem, Harmonischen, ja auch Fröhlichen, so, wie
ein Hochzeitsfest sein sollte.
Die Geschichte will für uns Zuspruch und Trost sein:
Macht Euch keine Sorgen um Eure Verstorbenen.
Sie sind nicht tot.
Sie sind bei mir.
Sie haben es gut bei mir, so könnte man Jesu Worte auch in diese Stunde hinein übersetzen.
Andererseits will uns Jesus aber auch die Angst vor dem eigenen Sterben und dem Tod
nehmen.
Ich komme auf Euch zu, ich hole Euch ab, zum Sein bei unserem gemeinsamen Vater,
sagt Jesus hier.
Denke ich über das Sterben nach, so sammeln sich unweigerlich viele meiner Gedanken um
zwei Fragen.
Wie werde ich sterben?
Was kommt danach auf mich zu?
Zur ersten Frage, wie werde ich sterben, kann uns wohl kein Mensch eine genaue Auskunft
geben.
Keiner weiss es von sich und vom anderen.
Sterben ist etwas sehr persönliches, und alles was darüber gesagt und geschrieben wird sind
persönliche Ansichten.
Jeder muss alleine sterben und wir, die wir in irgend einer Weise um jemand trauern, haben
dies selbst miterlebt.
Einen Sterbenden kann ich nur begleiten, ihn mit dem Mantel der Barmherzigkeit und
menschlicher Wärme umgeben.
Wir kennen alle eine sehr eindrückliche Geschichte vom Sterben.
Sie sagt uns das Wichtigste über unser Sterben, das unumstossbar für alle gilt.
Da kämpft ein junger Mann mit seinem Vater um sein Leben.
Er ringt, er hat eine heftige Auseinandersetzung mit dem Vater.
Angst und Furcht ergreift den Mann angesichts seines bevorstehenden Sterbens.
Er möchte vom Tod verschont bleiben.
Aber im Ringen ergibt sich der junge Mann und ist bereit zu sterben.
Es ist die Geschichte von Jesus, der so menschlich in Gethsemane kämpft, der Ängste hat,
wie wir und Furcht.
Im Ringen mit Gott überwindet er diese Furcht und es wächst in ihm Hoffnung auf das
danach.
Das Wissen von unserer begrenzten Zeitlichkeit, eingebettet in Gottes Ewigkeit, lassen ihn die
Angst überwinden, denn er weiss um seinen Vater, der bei ihm ist und auf ihn wartet.
Ich meine, diese Aussage gilt auch uns, wenn wir an unser Sterben denken.
Angst und Furcht kann auch bei uns immer wieder Überhand gewinnen.
Auch werden wir vielleicht, wenn wir den Tod auf uns zukommen sehen, um Verschonung
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flehen.
Aber im Ringen mit Gott wächst die Hoffnung der Auferstehung.
Und diese kann und wird uns dann im Sterben helfen.
Im Sterben sind wir nicht allein.
Einer ist da an unserer Seite, einer der uns nicht los lässt.
Er weiss, was ringen und kämpfen ist.
Er weiss, was Zweifel und Angst, Furcht und Hoffnung, Freude und Zuversicht ist.
Jesus, der sich uns als Bruder verbunden hat, steht uns im Sterben zur Seite und lässt uns
nicht los, ja er holt uns hinüber in Gottes Ewigkeit, wenn wir aus dieser Zeitlichkeit gehen.
Während man über die Art unseres Sterbens wenig sagen kann, ausser, dass wir nicht allein
sind, lässt sich über die Frage, was kommt danach, etwas mehr sagen.
Diese Aussagen ergeben sich aus Jesu Worten.
Nach dem Tod kommt Christus auf uns zu, wie ein Bräutigam.
Er holt uns ab, geleitet uns hinüber in eine neue Welt bei Gott, voller angenehmem Licht,
Wärme und Geborgenheit.
Diese biblische Aussage deckt sich mit den Erfahrungen von klinisch Toten oder Menschen in
Grenzsituationen.
Sie haben diese Lichtgestalt im Sterben erlebt.
Eine direkte oder indirekte Drohung steckt aber auch in Jesu Geschichte.
Es gibt nach dem Sterben eine Gottesferne und eine Gottesnähe.
Wenn ich im Leben meinen Weg immer wieder mit Gott versucht habe, mein Licht habe für
andere leuchten lassen;
wenn ich auch immer wieder versucht habe aufzutanken, indem ich mich mit Gott
beschäftigte und versuchte, ihm zu vertrauen,
dann werde ich nicht abgewiesen werden, sondern habe nach dem Sterben Zugang zu der
anderen Gotteswelt.
In der Beschäftigung mit dem Tod, im Nichtverdrängen, sondern annehmen, das ich nur
beschränkt lebe, höre ich überhaupt erst Aussagen über das Danach.
Jesus sagt, in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.
Gott ist ein Gott der Lebenden, bei ihm gibt es keine Tote.
Jesus sagt, es gibt eine Auferstehung, es gibt Licht und eine Ewigkeit.
Dies selbst zu verinnerlichen ist nur möglich, wenn ich Gott auch meine Fragen und Zweifel
sage, erst wenn ich mit ihm ringe, wie Jesus es tat, erst dann kann ich die Furcht überwinden
und erst dann findet die Hoffnung und die Freude auf das Danach Platz in mir.
Als letztes ein Bild:
Ich habe 27 Jahre jenseits der Berliner Mauer gelebt, im Osten Berlins gelebt und gearbeitet.
Ich bin zeitweise täglich 6 Mal an der Mauer vorbei gefahren, ohne zu wissen, was da drüben,
im Westen, wirklich ist.
Wohl gab es Nachrichten, wohl sah man Bilder im Fernsehen, aber es ahnten alle, das sie
nicht die Realität widerspiegeln.
Um zu erfahren, was auf der anderen Seite der Mauer ist, musste sie durchbrochen werden.
Genauso ist es mit Gottes ewigem Leben.
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Wir können nur in Bildern darüber reden, wir können nur in Bildern verstehen, was Jesus uns
über das Danach sagt.
Wir vertrauen darauf und glauben, dass es gut sein wird.
Aber um diese Gottesnähe in der Ewigkeit selbst zu erfahren, müssen wir erst durch die
Mauer, die uns von der anderen Welt trennt mit Jesu Hilfe hindurch.
AMEN
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Seele and Geist
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