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(DGPT): StN zum Fragenkatalog [PDF-Dokument, 229 KB

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 Anlage 1 – StN DGPT zum Fragenkatalog: „Was wäre, wenn … … Psychotherapeuten zukünftig in den gleichen Strukturen aus‐ und wei‐
tergebildet würden wie andere akademische Heilberufe?“ Es gibt keine einheitliche Aus‐ und Weiterbildungsstruktur der Heilberufe im deutschen System. Während die ärztliche Ausbildung nach einem Studium ein Staatsexamen mit Approbation, anschließende Weiterbildung und zum Abschluss die Fachkunde vorsieht, benötigen die Zahnärzte anstelle einer Weiterbildung eine Assistenzzeit für die Fach‐
kunde und Zulassung, ebenso die Apotheker. Seitens der Psychotherapeutenschaft (vgl. Forschungsgutachten 2009) wurde nie die Notwendigkeit gesehen, die vorhandene Aus‐ und Weiterbildungsstruktur im Grund‐
satz zu verändern, sondern lediglich in drei wesentlichen Punkten Anpassungen des Gesetzes an die veränderten Rahmenbedingungen zu leisten: ‐ In den Zugangsvoraussetzungen In die Ausbildung, ‐ in der Vergütung der Praktischen Tätigkeit I und II ‐ in der Praktischen Ausbildung für solche Verfahren, die keine sozialrechtliche Zulassung zur ambulanten Behandlung haben. Auch bezüglich einzelner Befugniserweiterungen für nicht‐ärztliche Psychotherapeuten wurden im Forschungsgutachten 2009 dezidierte Vorschläge vorgelegt. In zahllosen Vorschlägen und Eingaben wurden in den letzten Jahren Modelle für eine moderate Änderung innerhalb der bestehenden Struktur der Psychotherapeutenaus‐
bildung entwickelt, die auf breite Unterstützung seitens der Profession gestoßen wa‐
ren. Dennoch wird seitens des BMG an der Debatte um eine Direktausbildung mit an‐
schließender Weiterbildung analog der medizinischen Ausbildungsstruktur festgehal‐
ten. Damit würde/n  ein erfolgreiches Ausbildungsmodell aufgegeben, das die gebündelte Kompe‐
tenz der staatlich anerkannten Ausbildungsstätten für die psychotherapeutische Approbation zu zerstören droht.  die im Wissenschaftsrat beschlossene Differenzierung der deutschen Hochschul‐
landschaft nicht genutzt, um die bestehenden staatlich anerkannten Ausbil‐
dungsstätten als sog. „Professional Schools“ oder „Private Hochschulen“ zu ak‐
kreditieren und ihre Lehrkompetenz auch akademisch anzuerkennen. 1
 die ambulante praktische Ausbildung innerhalb der Institutsambulanzen zur Er‐
langung der Approbation durch eine rudimentäre praktische Universitätsausbil‐
dung (in der Psychologie, Medizin oder anderen Gesundheitswissenschaftlichen Fachbereichen) ersetzt, für die im ambulanten Bereich keine sozialrechtliche Absicherung besteht, da Studenten nicht behandeln dürfen.  die stationäre Ausbildung bis zur Approbation in Form von Praktika oder P.J. auch in Zukunft ohne Finanzierung erfolgen.  die Sicherung der Verfahrensvielfalt durch die Vielfalt der Institute zugunsten der Dominanz indikationsspezifischer Behandlungen und behavioraler Metho‐
dendominanz innerhalb der Universitäten aufgegeben.  die Bedeutung psychodynamischer und analytisch begründeter Behandlungen in der Patientenversorgung (derzeit ca. 48 % aller Patientenbehandlungen) an der Hochschule für die Approbation nur noch von untergeordneter Relevanz sein.  die Fehler der medizinischen Ausbildung auf dem Gebiet der Psychologischen Psychotherapie wiederholt werden. Denn: alle Vorschläge zur Neuordnung der medizinischen Approbationsordnung zielen auf eine Intensivierung der praxis‐
nahen Versorgung von Patienten durch eine Vermittlung von Handlungskompe‐
tenzen für die großen und gesundheitspolitisch relevanten Krankheitsbilder. Für die Psychologischen Psychotherapeuten und KJP geschieht diese Vermittlung klinischer Handlungskompetenz derzeit im Rahmen der verfahrensorientierten Ausbildung der Institute.  für die Psychologische Psychotherapie der sinnvolle Ausbildungsweg verkehrt: Approbation nach einer Vermittlung von Spezialwissen in einer Hochschul‐ und Forschungsambulanz, Vermittlung von breiten Handlungskompetenzen für die Patientenversorgung in einer anschließenden Weiterbildung. 1. Zukünftige Aufgaben, Befugnisse und Tätigkeitsfelder Bitte umreißen und begründen Sie Ihre Vorstellungen zu den Zielen einer zu‐
künftigen Psychotherapeutenausbildung: a) Welche Aufgaben in der Versorgung (nicht nur) psychisch Kranker sollten Psy‐
chotherapeuten übernehmen? Hier sollte die (alte) Definition der Psychotherapie aus dem Psychotherapeuten‐
gesetz, ergänzt um Prävention und Rehabilitation psychischer Erkrankungen und psychischer Störungen als Folge körperlicher Erkrankungen aufgenommen 2
werden. D.h. die Aufgaben in der Versorgung von PP und KJP sollten möglichst allgemein und umfassend sowohl für den stationären wie ambulanten Bereich, für Kinder‐ und Jugendhilfe Beratungsstellen, Heime etc. dargelegt werden. b) Welche Befugnisse sollten Psychotherapeuten erhalten? Entsprechend der Ergebnisse des Forschungsgutachtens bestehen keine Ein‐
wände gegen eine Befugniserweiterung in den Bereichen der Überweisung und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Allerdings bestehen erhebliche Einwände gegen eine Befugniserweiterung in Richtung auf pharmakologische Behandlung, da diese den Kern psychothera‐
peutischer Tätigkeit und Kompetenz, nämlich die Behandlung mit seelischen Mitteln überschreitet und einen direkten körperlichen Eingriff darstellt. Darauf sollte, auch zur Sicherung psychologisch‐psychotherapeutischer Kernkompeten‐
zen und zur klaren Abgrenzung des Berufsbilds von der Medizin, verzichtet wer‐
den. Wichtig ebenfalls ist es, bei der Forderung nach einer Befugniserweiterung zur AU‐Bescheinigung festzuhalten, dass es keine Pflicht zur Erfüllung dieser Befug‐
nis gibt. D.h. selbst wenn ein Patient durchaus krankgeschrieben werden sollte, muss der PP/KJP die Möglichkeit haben, eine Krankschreibung prinzipiell abzu‐
lehnen, um die Ebene der psychischen Bearbeitung und die Ebene der konkre‐
ten Handlung zu trennen. Dies bedeutet, dass u.U. eine spezielle Qualifizierung für die AU‐Bescheinigung in den PT‐RL geschaffen werden sollte, die dann nur die Kollegen anstreben, die das möchten. In aller Regel ist diese Befugnis für den psychotherapeutischen Behandlungsprozess selbst kontraindiziert. c) Für welche Tätigkeiten und Tätigkeitsfelder sollten Psychotherapeuten in der Ausbildung qualifiziert werden? Siehe Berufsbild‐Papier der AG aus BPtK und Länderrat, das derzeit noch in der Ausarbeitung ist. Die Qualifikation zur Ausübung der Psychotherapie in den wissenschaftlich an‐
erkannten Psychotherapieverfahren bildet das Zentrum der Qualifizierung, um das sich weitere Kompetenzen gruppieren. 2. Ausbildungsphase mit Staatsexamens‐Studiengang und Erwerb der Ap‐
probation Bitte stellen Sie dar, was aus Ihrer Sicht in einem Psychotherapie‐Studium vermittelt werden sollte und welche Vor‐/Nachteile Sie in einer akademischen Ausbildung sehen: 3
Im Rahmen der gegenwärtigen Hochschulstrukturen wird ein Vorteil einer Di‐
rektausbildung gegenüber der bisherigen dualen Ausbildungsstruktur nicht ge‐
sehen. Diesen Vorteil würde es nur dann geben, wenn neue Studiengänge Psy‐
chotherapie geschaffen würden, deren Lehrplan und Modulstrukturen sich vom bisherigen naturwissenschaftlich geprägten Fächerkanon der Psychologie lösen könnten und pädagogische, sozial‐, kulturwissenschaftliche, philosophische und ethische Studienfächer einbeziehen würden, in denen gleichzeitig die in der psychotherapeutischen Versorgung angewandten und wiss. anerkannten Psy‐
chotherapieverfahren durch dort qualifizierte Hochschullehrer mit praktischer klinischer Demonstration gelehrt werden könnten. Ebenso wären Möglichkei‐
ten einzurichten, wie Studenten bereits während des Studiums erste Selbster‐
fahrung und Supervisionserfahrung erhalten könnten. Ein Psychotherapiestudium mit abschließendem Staatsexamen und Approbation müsste daher – wie es im gegenwärtigen PsychThG der Fall ist – als Vorberei‐
tung für eine heilberufliche Berufstätigkeit vor allem ausreichend Praxisanteile zur Vermittlung der für die Berufstätigkeit notwendigen Kompetenzen beinhal‐
ten, die neben einer umfangreichen stationären Erfahrung (PJ Psychiatrie, Psy‐
chosomatik, Kinderpsychiatrie) umfangreiche Erfahrungen in klinischer Behand‐
lungspraxis umfassen: Diese sollten in verschiedenen Settings auf Hospitatio‐
nen, in Video‐ bzw. Einwegspiegelbegleitungen verschiedenen Verfahren auf‐
bauend eigene Erfahrungen in Rollenspielen und In der Erhebung von Anamne‐
sen und diagnostischen Untersuchungen unter Supervision umfassen. Dieser Teil des Studiums müsste den Schwerpunkt einer Approbationsausbildung dar‐
stellen. a) Welche wissenschaftliche Qualifikation auf welchem Niveau halten Sie für er‐
forderlich? EQR 7 Level, analog Masterabschluss (B.Sc. oder B.A.) oder Staatsexamen Medi‐
zin. b) Welche Grundlagen und Wissensgebiete (auch im Hinblick auf 1.) halten Sie für unverzichtbar? ‐ Zu den Fach‐/Grundwissenschaften: Siehe Kompromisspapier der BPtK + Fachgesellschaften vom März 2012 Geschichte der Psychotherapie/Psychiatrie/Psychosomatik. Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften ‐
Zu den Inhalten der klinischen/theoretischen Ausbildung: 4
Lehre aller wiss. anerkannten Verfahren sowie der Indikationen für verschiede‐
ne Lebensalter durch darin qualifizierte und erfahrene Hochschulleh‐
rer/Dozenten. ‐
Für die praktische Ausbildung in einem Studiengang zur Approbation: In den Approbationsstudiengängen sind erhebliche praktische Ausbildungspha‐
sen mit Beobachtungspraktika, Rollenspiel, Beobachtung über Video oder hinter Einwegscheibe oder Hospitation sowie eigenen ersten Patientenkontakten (z. B. Anamnese) in den verschiedenen Richtlinienverfahren sowohl im ambulanten als auch stationären Setting vorzusehen, um vor der Approbation (PP/KJP) einen umfassenden Einblick in die psychotherapeutischen Versorgungsmöglichkeiten und eine zur Indikationsstellung notwendigen Verfahrenskenntnis zu vermitteln. ‐
Selbsterfahrung/Supervision: Bereits im Studium müssen Studenten mit basalen Möglichkeiten der Supervisi‐
on und Selbsterfahrung vertraut gemacht werden, die in der begleiteten Hospi‐
tation (s. obiger Spiegelstrich) oder in Selbsterfahrungs‐prozessen möglich sein sollten. Dabei ist es zentral, dass diese Selbsterfahrung außerhalb der sonstigen Lerngruppen weder von Hochschulangehörigen/ Prüfungsberechtigten noch von sonstigen Lehrbeauftragten durchgeführt wird. c) Welche Kenntnisse, Kompetenzen und Erfahrungen sollten in diesem Ausbil‐
dungsabschnitt im engeren Bereich der Psychotherapie und Psychodiagnostik vermittelt werden? Siehe b) d) Welche Kenntnisse, Kompetenzen und Erfahrungen halten Sie für unabding‐
bar, um auf der Basis eines Staatsexamens eine Approbation erteilen zu kön‐
nen? Siehe b). Im Einzelnen speziell im Hinblick auf die psychoanalytisch begründeten Verfah‐
ren zitiere ich aus der Stellungnahme der DGPT zum 15.10.2013 (Anlage 2): Psychoanalytische Grundkompetenzen am Ende eines möglichen Psychotherapie‐
Studiums, die dann in einer Weiterbildung vertieft werden: Neben dem Erwerb allgemeiner Grundkenntnisse psychotherapeutischen Arbeitens ist es in einer derzeit diskutierten Grundlagenausbildung mit Approbation VOR der Qualifikation zur ei‐
genständigen und eigenverantwortlichen Durchführung therapeutischer Psychoanalyse auf Facharztniveau (Arztregistereintrag) erforderlich, dass die Grundlagen in einem Studium erar‐
beitet und klinisch erfahrbar gemacht werden. Da in diesem Ausbildungsmodell von den Stu‐
5
denten nach dem Studium (Direktausbildung mit Approbation nach Ende des Studiums mit Weiterbildung zum Arztregistereintrag) die Entscheidung zu treffen ist, welche Verfahrensver‐
tiefung sie anstreben möchten, ist schon während des Studiums und vor der Approbation die Trias von theoretischer Ausbildung, klinischer Grunderfahrung unter Supervision und Selbst‐
erfahrung zumindest in ihren Grundzügen unerlässlich. Die obigen Überlegungen zur spezifischen psychoanalytisch therapeutischen Kompetenz sind von Bedeutung für die Frage, in welchem Rahmen am besten Grundkenntnisse der psychoana‐
lytischen Therapie zu gewährleisten sind. Etwas vereinfacht lässt sich in Anlehnung an Buch‐
holz (2007), der auf Konzepte von Polanyi (ebda) zurückgreift, sagen, dass in einer psychoana‐
lytischen Ausbildung einerseits Kenntnisse und Wissen erlernt werden müssen (Theorien, Kon‐
zepte, Behandlungstechnik usw.), andererseits aber auch Können erworben werden muss. Eine psychotherapeutische Ausbildung spannt sich daher auf zwischen ‚knowledge‘ (Wissen) und ‚knowing‘ (Können) sensu Polanyi. Können wird dabei als die Stufe der Kompetenz verstan‐
den, in der erworbenes Wissen und die Beherrschung von Regelwerken zusammen mit ge‐
machter Erfahrung zu einem impliziten Wissen führt, das ein situativ angemessenes profes‐
sionelles Handeln – losgelöst von dem erworbenen Wissen und den erlernten Regelwerken – hervor‐bringt. Der Umgang mit dem Unbewussten kann nicht im eigentlichen Sinne erlernt werden, er muss erfahren werden, wie Buchholz (ebda) zu Recht bemerkt. Daher sollten auch im Psychothera‐
piestudium die Auswirkungen des eigenen Unbewussten erfahren werden. Dies kann bspw. in Praktika zur teilnehmenden Beobachtung mit begleitenden Seminaren mit Selbstreflexion ei‐
genen Erlebens bei der Beobachtung realisiert werden. Theoretische Veranstaltungen dienen der Erarbeitung des konzeptuellen Rahmens, in ihnen erhält der Student das theoretische Rüstzeug, um die in den Begegnungen mit den Patienten gemachten Erfahrung „denken“ und verarbeiten zu können. Erst wenn dieser Erwerb von Wis‐
sen und Können ausreichend weit vorangeschritten ist, kann beispielsweise in Diagnostik‐
Seminaren mit Anamneseerhebung erste eigene therapeutische Erfahrung bei ständiger supervisorischer Begleitung gemacht werden. Weiterhin können aufgezeichnete oder direkt beobachtete analytische Therapien unter Anleitung eines erfahrenen Psychoanalytikers in Fallseminaren unter Einbeziehung der subjektiven Reaktionen der Studenten bearbeitet wer‐
den. In der folgenden Darstellung der Kompetenzen, die im Rahmen einer Grundlagenausbildung an der Universität erworben werden sollten, ist nur der Teil aufgeführt, der sich auf die spä‐
ter zu entwickelnden spezifisch psychoanalytischen Master‐Kompetenzen bezieht. Darüber hinaus sollen hier besonders erkenntnis‐ und wissenschaftstheoretische Kenntnisse und ethi‐
sche Grundkompetenzen aufgeführt werden, die sich quer zur üblichen Fachlogik bewegen. Bereich Wissenschafts‐ und Erkenntnistheorie (Kenntnisse): Die Herausbildung der Psychoanalyse ebenso wie der Psychologie als Wissenschaft wis‐
senschaftsgeschichtlich und wissenschafts‐ und erkenntnistheoretisch einordnen und nachvoll‐
ziehen können. Neben der empiristischen Wissenschaftstheorie die großen geisteswissenschaftlichen Dis‐
kurse des 20. Jahrhunderts (Kritische Theorie, Dekonstruktivismus, Hermeneutik), kennen und die in ihnen enthaltenen aus ihnen abgeleiteten Theorien des Subjekts differenzieren können Die Relevanz dieser Diskurse als wissenschaftliche Grundlagen der verschiedenen The‐
rapieschulen nachvollziehen können. 6
Psychoanalytisches Denken „von außen“ (z.B. auf der Grundlage der o.g. Diskurse) ein‐
ordnen und beschreiben zu können. Bereich Ethik: Sie kennen und berücksichtigen die rechtlichen Rahmenbedingungen und Verpflichtungen sowie die ethischen Prinzipien therapeutischen Handelns. Sie kennen und erkennen konflikthafte ethische Situationen in therapeutischen Bezie‐
hungen. Sie kennen und orientieren sich an den Grundwerten psychotherapeutischer Ethik Kenntnis der Abstinenz und therapeutischer Grenzen sowie der Notwendigkeit des kon‐
trollierten Umgangs mit eigenen Wünschen und Motiven Kenntnis der Notwendigkeit des Schutzes des therapeutischen Raumes Kenntnis und An‐
erkennung der gleichzeitigen inneren und realen Abgrenzung bei Einfühlung und partieller und passagerer Identifikation Kenntnis der therapeutischen Triangulierung i.S. der Fähigkeit, sich um kollegiale Hilfe und Supervision zu bemühen Sie können die verschiedenen Interessenlagen, unter denen ihr Handeln stattfindet, er‐
läutern, reflektieren und Konflikte mit den Interessen von Patientinnen und Patienten identifi‐
zieren und bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Sie können bei ihrem Handeln das Gebot von Schweigepflicht und Vertraulichkeit beach‐ ten (auch bei der Kommunikation innerhalb der eigenen Berufsgruppe). Bereich Diagnostik und Indikationsstellung (Kennen und Können): Grundkenntnis der Konzeptualisierung der Psychogenese und Psychodynamik anhand strukturierter Konzepte, z. B. OPD 
Kennen und Erkennen unbewusster Mitteilungsinhalte bspw. über szenisches Verstehen, Erkennen von Sinnbrüchen, Sprachparallelitäten, Mimik Kennen und Erkennen unbewusster Wünsche, Motive und Konflikte Differenzierung von Alltagskommunikation und therapeutischer Kommunikation Kennen und Erkennen von unbewussten Übertragungsangeboten von Patienten Kennen und Grundfähigkeit zu freier Assoziation und Toleranz gegenüber eigenen Phanta‐
sien Kennen und Erkennen eigener Gegenübertragungsgefühle Kennen und Ermöglichung passagerer Identifizierung Kennen und Erkennen regressiver Prozesse Bereich psychotherapeutische/psychoanalytisch begründete Verfahren: Kenntnis der therapeutischen Interventionen von Klarifizierung, Konfrontation, Rekon‐
struktion und Konstruktion sowie Deutung Wissen über Prozesse, die die therapeutische Arbeitsfähigkeit nach Angriffen durch Pa‐
tienten (bspw. nach oder bei persönlichen Angriffen oder extremem Agieren von Patienten) angreifen können Grundfähigkeit zum Umgang mit Kritik und zu konkreter und konstruktiver Äußerung eige‐
ner Kritik. Grundfähigkeit zu Empathie, emotionaler Responsivität und stellvertretender Intros‐
pektion Fähigkeit, die aktuelle Lage des Patienten aufzunehmen und entsprechend zu handeln. 7
3. Weiterbildungsphase mit Erwerb von Fachkunden Bitte stellen Sie dar, was Ihres Erachtens in einer Weiterbildung vermittelt werden sollte und welche Vor‐/Nachteile Sie in einer Weiterbildungsstruktur sehen: Eine (Aus‐ und ) Weiterbildungsstruktur analog der Medizin auch für den Be‐
reich der Psychologischen Psychotherapeuten (PP und KJP) hätte gegenüber der gegenwärtigen Struktur folgende Grundsätze zu beachten:  Die Orientierung an den wissenschaftlich anerkannten PT‐Verfahren und den dazu qualifizierenden Instituten muss gewährleistet bleiben, d.h. die Weiterbildung erfolgt verfahrens‐ und altersschwerpunktorientiert an den Weiterbildungsstätten.  Schwerpunktbildung erfolgt auf einen Altersbereich mit entsprechend um‐
fassenden ambulanten und stationären praktischen Erfahrungen  In der Weiterbildung sollten die WBO der Länder nur auf der Basis einer ver‐
bindlichen Muster‐WBO für alle wiss. anerkannten Verfahren erfolgen.  Sicherung der Äquivalenz zur fachärztlichen Weiterbildung und rechtliche Gleichstellung: Weiterbildungen müssen prinzipiell zum Erwerb der Fach‐
kunde im Rahmen der Richtlinienpsychotherapie nach SGB V befähigen.  Spezialisierungen sind nur auf dem Weg der Zusatzweiterbildungen mög‐
lich. d.h.: keine Weiterbildung z.B. zum „Fachtherapeuten“ in der Psychiat‐
rie, Psychosomatik, Onkologie o.ä. ohne Erwerb der verfahrensspezifischen Fachkunde.  Umfang der gesamten Weiterbildung analog der ärztlichen WB bei mind. fünf Jahren.  Die staatlich anerkannten Ausbildungsinstitute nach PsychThG müssen aus‐
nahmslos als Weiterbildungsinstitute anerkannt werden.  Die sozialrechtliche Ermächtigung der Ausbildungsambulanzen ist auf die Weiterbildung zu übertragen.  Teil der WB im Verfahren und gewählten Schwerpunkt ist eine mindestens zweijährige Weiterbildungszeit im stationären Bereich zur Sicherung eines entsprechenden Kompetenzerwerbs im gewählten Schwerpunkt und zur 8
Entwicklung angemessener Behandlungsstrategien in multiprofessionellen und multifokalen Behandlungsansätzen.  Besondere indikationsbezogene praktische Erfahrungen innerhalb der WB in Bereichen wie z.B. Neuropsychologie, Familientherapie, Gruppentherapie, Begleitung schwerer somatischer Erkrankungen sollten begrenzt möglich sein.  Nach Absolvierung der Weiterbildung rechtliche Gleichstellung mit den Fachärzten im institutionellen Bereich und entsprechende Änderungen im Haftungsrecht, Krankenhausrecht und Berufsrecht. (Zur Befugniserweiterung s. unter 1.) a) In Bezug auf wissenschaftlich anerkannte psychotherapeutische Verfahren b) In Bezug auf störungsspezifische Kenntnisse, Kompetenzen und Erfahrungen c) In Bezug auf Prävention, Kuration und Rehabilitation d) In Bezug auf Altersschwerpunkte (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, alte Menschen) e) In Bezug auf erweiterte Aufgaben und Befugnisse f) In Bezug auf verschiedene Tätigkeitsfelder und Behandlungssettings 9
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