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Als Präsident der Österreichischen Vereinigung der Transportlogistik- und Tariffachleute (VDT) und Geschäftsführer der Spedition Billitz bricht Franz Hofbauer einer Lanze für die umfassende Aus- und Weiterbildung der
Mitarbeitenden. Nur so bleiben die Firmen wettbewerbsfähig, lautet sein Credo.
Foto: packshop
Aus- und Weiterbildung sind das Um und Auf in der Gefahrgutlogistik.
GALLBRUNN. Es gibt in Österreich nur
wenige Spediteure mit einem ähnlich großen
Erfahrungsschatz. Seit 25 Jahren leitet Franz
Hofbauer als Geschäftsführer die Geschicke der
Alessandro Billitz Nfg. GmbH, gegründet 1951.
In dieser Zeit gab es keine relevanten Bean-
standungen, und es ist ihm stets gelungen die
Kundenwünsche mit dem Gefahrengutrecht in
Einklang zu bringen. Dabei strotzt das Spezialgebiet des Unternehmens nur so vor Fallen und
strengen gesetzlichen Bestimmungen. Die Gefahrgutmaterie gilt als besonders komplex, gekennzeichnet von sich laufend verändernden
Regulatorien. Wer da als Versender, Spediteur
oder Frachtführer die Aus- und Weiterbildung
vernachlässigt, der steht schneller als ihm lieb
ist mit einem Fuß im Kriminal. Die Behördenvertreter schauen den Akteuren der involvierten Parteien sehr genau auf die Finger.
Auch in der allgemeinen Spedition verlieren die Mitarbeitenden heute ohne laufende
Schulungen rasch den Anschluss an die Mitbewerber. „Man muss besser als der Durchschnitt sein. Das bedingt die laufende Teilnahme an Kursen und Veranstaltungen“, sagt
Franz Hofbauer in der Funktion als Präsident
der Österreichischen Vereinigung der Transportlogistik- und Tariffachleute, kurz VDT
genannt. Der seit 1912 bestehende Verein mit
Sitz in Wien setzt sich neben der Förderung
von Kooperationen den Ausbau der nationalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit
der österreichischen Transportwirtschaft zum
Ziel.
Das speziell dafür ausgearbeitete Maßnahmenpaket ist eine Mischung aus Informationen
an die aktuell rund 115 Mitglieder mit Präsentationen von Neuerungen der Verkehrsbranche
und deren Nebenleistungen. Seinen Aufgaben
TRANSPORT/LOGISTIK
„Ohne Schulungen geraten Betriebe
leicht in Grauzonen“
Stefan Schmelzer ist neuer operativer Leiter bei Fedl Kühllogistik
Fedl Kühllogistik, ein gemeinsames Unternehmen von Johann Fedl und Müller Transporte, erweitert sein Führungsteam. Stefan Schmelzer (43)
wird neuer operativer Leiter des Standort Kalsdorf in der Steiermark. Er unterstützt als operativer Leiter die Geschäftsführung des Unternehmens.
Müller Transporte hat mit dem langjährigen Kooperationspartner Johann Fedl im April 2014 ein gemeinsames Unternehmen, die Fedl Kühllogistik
GmbH, gegründet.
Mit seinem Team von 25 Mitarbeitern verantwortet der Steirer aus der Marktgemeinde Lieboch die Disposition der vom Standort Kalsdorf betreuten
20 der modern ausgestatteten Kühlsattelzüge des Unternehmens. Er kann dazu auf 25 Jahre Erfahrung in der Logistik- und Transportbranche Österreichs zurückgreifen. Vor seinem Wechsel zu Müller Transporte war der gelernte Speditionskaufmann
Foto: Fedl
zuletzt als Speditionsleiter für Global Express tätig.
Fritz Müller, Geschäftsführer von Müller Transporte: „Wie geplant investieren wir in den Standort
Kalsdorf und intensivieren unsere Logistikangebote am steirischen Markt. Wir freuen uns, dass wir mit
Stefan Schmelzer einen weiteren erfahrenen Logistik-Experten mit ausgezeichneten Branchenkenntnissen für das Unternehmen gewonnen haben. Damit können wir weiter wachsen, unsere Services
kontinuierlich ausbauen und unseren Kunden in den südeuropäischen Nachbarländern vom Standort
Kalsdorf aus eine noch flexiblere Betreuung anbieten.“
Müller Transporte GmbH zählt zu Österreichs führenden Transportunternehmen im Bereich temperaturgeführte Ladungen und wurde 1959 gegründet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in
Wiener Neudorf (NÖ) am Stadtrand von Wien. An seinen vier Firmenstandorten in Österreich und
dem benachbarten Ausland finden 390 Mitarbeitende Beschäftigung. Müller Transporte zählt bei temperaturgeführten Transporten zu den leistungsstärksten Logistik-Dienstleistern in Zentraleuropa und
verfügt über eigene Kühl- und Lagerhallen.
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TRANSPORT/LOGISTIK
Foto: ÖVZ
Der 24-Stunden-Notdienst steht immer Gewehr bei Fuss.
auf dem Gebiet der Weiterbildung kommt der
VDT mit Fachvorträgen zu den Themenbereichen Steuerrecht, Transportrecht (vgl. Artikel
unten) und Gefahrgutrecht nach. Im Mai erörterten die Geschäftsführer, Personalchefs und
Lehrlingsbeauftragten von namhaften Unternehmen die Probleme und Herausforderungen
bei der Ausfindigmachung und Ausbildung
von Nachwuchskräften für die Transport- und
Logistikbranche. Im Herbst stehen Veranstaltungen zu den Themenbereichen „Änderungen
ADR 2015“ und „Lagerung gefährlicher Güter
VbF NEU!“ auf der Agenda.
Bei der Spedition Billitz sind die Tätigkeiten auf dem Gebiet der Gefahrgutberatung
ein Thema von großer Relevanz. Dahinter
steht die Erkenntnis, dass sich die Versandleiter und Supply Chain Manager in vielen
Unternehmen gar nicht der bei bestimmten
Gütergruppen auftretenden Risiken bewusst
sind. „Vielfach fehlt die Kenntnis darüber,
was alles in die Kategorie der gefährlichen
Güter fällt. Die Ware ist für die damit befassten Personen ein abstrakter Begriff in Form
von Zahlenkolonnen. Es entstehen Grauzonen“, spricht Franz Hofbauer aus Erfahrung.
Sogar Spediteure, die mit bestimmten Produkten nur fallweise in Berührung kommen,
hätten damit ihre liebe Not.
Ihnen allen stellt die Firma Billitz auf
Wunsch einen Gefahrgutbeauftragten zur Verfügung. Er bietet Hilfestellungen bei der
Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen
des ADR (Straßengüterverkehr), RID (Bahnverkehr), IMDG (Seefracht), und IATA (Luftfracht),
so dass im Grund genommen nichts passieren
kann. Für diese Dienstleistungen müssen die
Auftraggeber einen vorher vereinbarten Stunden- od. Pauschalsatz bezahlen. Dafür haben
sie ähnlich wie beim Abschluss einer Versicherung einen umfassenden Schutz vor Fehlern
und den damit verbundenen Strafen, die im
Bereich Gefahrgut saftig sind.
Weitere Fixpunkte der Gefahrgutberatung sind die Ausbildung/Unterweisung von
Gefahrgutlenkern/Gefahrgutbeauftragten,
begleitet von Schulungen im Themenbereich
Ladungssicherung in Übereinstimmung mit
den jeweils gültigen Rechtsvorschriften und
Normen. „Sogar die Vertreter der Exekutive
wenden sich an uns, wenn ihnen bestimmte
Unabhängige Fachleute bestätigen: „Uns kommen die
österreichischen Transportunternehmen abhanden“
Die Rahmenbedingungen für die österreichischen Transportunternehmen verschlechtern sich zusehends. Auf
einem der letzten VDT-Vereinsabend erläuterten Fachleute für Rechtsfragen und Wirtschaftsprüfung die neuesten Entwicklungen und den Trend zum „Ausflaggen“.
WIEN. Auch im Jahr 2014 stehen den
Foto: VDT
österreichischen Transporteuren neue Kostenbelastungen ins Haus. Die Erhöhung der
Lkw-Maut um durchschnittlich 8,28 Prozent
über alle Fahrzeugklassen sowie Tarifgruppen ist seit 1. Jänner ebenso gelebte Praxis
wie der um 15 Prozent angehobene Mautzuschlag auf der A12 im Streckenabschnitt
Kufstein-Innsbruck. Von der „Ökologisierung“ der Lkw-Maut durch ein Bonus-Malus-System sind in erster Linie die statistisch
„älteren“ Fuhrparks der kleinen und mittelgroßen Güterbeförderungsunternehmen betroffen. Die Lenker sowohl dieser als auch
der modernen Trucks benötigen bis spätestens 10. September 2014 den sogenannten
„Fahrerqualifizierungsnachweis für Berufskraftfahrer“, was zusätzliche Kosten für die
Unternehmen aufwirft.
Falls vor diesem Hintergrund überhaupt
v.l.: VDT-Präsident Franz Hofbauer, Mag. Werner Braun, Dr. Michael Stögerer
noch jemand – aus welchem Grund auch immer – die Entscheidung für eine unternehmerische Tätigkeit im Transportgewerbe trifft, muss er den im neuen Güterbeförderungsgesetz verankerten
verschärften Bestimmungen im Hinblick auf die finanzielle und persönliche Zuverlässigkeit entsprechen. Außerdem benötigen die Firmen jetzt einen
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TRANSPORT/LOGISTIK
Sachverhalte nicht geläufig sind“, verkündet
Franz Hofbauer mit Stolz. Bedauern ruft bei
ihm der Umstand hervor, „dass viele Unternehmen erst nach dem Auftreten eines Problem- oder Schadenfalles von diesem Service
Gebrauch machen, obwohl sie sich mit einer
vorausschauenden Strategie viel Ärger und
Geld ersparen könnten“.
Wie schnell Betriebe in der Gefahrgutmaterie „landen“, zeigt Gerhard Niederleitner am Beispiel von Tischtennisbällen auf.
Diese werden aus Celluloid hergestellt, und
das brennt wie Zunder. Daher trägt besagter
Sportartikel die UN-Nummer 2000 und fällt
im ADR in die Klasse 4.1. Wer eine Palette davon befördert, der muss sich dabei an
den Vorgaben des ADR orientieren. Verstöße
gegen diese Vorschrift ziehen hohe Strafen
nach sich, wenn die Behörden Wind davon
bekommen. Genauso streng gefasst sind die
Bestimmungen für die Lagerung und den
Transport von bestimmten Grundstoffen für
die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie
und von den allem Anschein nach ungefährlichen Spraydosen.
Die Firma Billitz beschäftigt sich seit mehr
als 30 Jahren schwerpunktmäßig mit der Erbringung von weltweiten transportlogistischen
Dienstleistungen per Lkw-/Bahntransport,
Binnenschiff, Luft- und Seefracht. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die Spedition von
Gütern der Klassen 1 (explosive Stoffe und
Gegenstände) und 7 (radioaktive Stoffe und
Foto: ÖVZ
Der Standort der Firma Billitz in Gallbrunn ist ein Hochsicherheitsareal.
Gegenstände) sowie auf die Handhabung von
‚Dual Use Gütern‘. Seit 2007 wird am Firmensitz in der niederösterreichischen Gemeinde
Gallbrunn neben einem streng abgesicherten
Hallen- u. Freilagerkomplex mit ungefähr 2
ha Fläche eines der größten Pyrotechniklager
in Österreich betrieben. Der traditionell stark
ausgeprägten Saisonalität bei der Transportlogistik für Feuerwerkskörper begegnet das
Unternehmen neuerdings mit einer vermehrten
Tätigkeit auf dem Gebiet der Containerstauung
mit anschließender Weiterleitung der Boxen
nach Hamburg, Bremerhaven oder Antwerpen.
JOACHIM HORVATH
Gesamtflotte im Verhältnis zu den im Bundesgebiet angemeldeten Fahrzeuge von knapp 30
Prozent auf 50,5 Prozent gestiegen.
„Der öffentlichen Hand entstehen dadurch
jährliche Einnahmenausfälle von bis zu rund
48.000 Euro pro Lkw oder insgesamt circa
640 Mio. Euro“, erläuterte Mag. Werner Braun
von der Moore Stephens City Treuhand GmbH
auf dem VDT-Vereinsabend unter Berufung
auf eine Studie von Univ.-Prof. Dr. Sebastian
Kummer im Auftrag der Wirtschaftskammer
Österreich. Dass dieser Wert nicht noch viel
höher ausfällt, liegt in dem Umstand begründet, dass sich das „Ausflaggen“ für die Unternehmen der Verkehrswirtschaft erst ab einer
bestimmten Betriebsgröße rechnet. Im Verteilerverkehr liegt dieser Grenzwert bei rund 30
Lkw, im Fernverkehr bei etwa 50 Einheiten.
Für kleinere Fuhrparks sind die damit verbun-
denen Kosten wirtschaftlich nicht tragbar.
Österreichische Speditionen bekommen
die in den vorigen Absätzen beschriebenen
Entwicklungen täglich zu spüren. „Uns kommen die heimischen Güterbeförderer abhanden“, räumten mehrere Vertreter der Branche
auf dem VDT-Vereinsabend gegenüber der
Österreichischen Verkehrszeitung ein. Wer
heimische Frachtführer beschäftigen wolle,
der müsse dafür schlichtweg mehr bezahlen.
Das stehe in vielen Fällen im Widerspruch
zu den Vorgaben der Auftraggeber aus der
verladenden Wirtschaft. Wer sich als Güterbeförderer mit österreichischen Lkw dieser
Entwicklung entziehen könne, der verdiene
sein Geld in anderen Geschäftsfeldern – etwa
mit dem Betrieb von Tankstellen und damit
verbundenen Serviceleistungen.
JOACHIM HORVATH
„Verkehrsleiter“, dessen Funktion entweder
vom Konzessionsinhaber oder vom gewerberechtlichen Geschäftsführer auszuüben ist.
Wobei das das nur einer von vielen Aspekten
ist, wie die Kenner der Materie bei jeder Gelegenheit betonen.
Als „besonders relevant“ bezeichnete
Rechtsanwalt Dr. Michael Stögerer in einem
Vortrag vor der Österreichischen Vereinigung
der Transport-, Logistik- und Tariffachleute
(VDT) die Einführung des Verkehrsunternehmensregisters. Darin werden alle Verwaltungsübertretungen nach dem Güterbeförderungsgesetz eingetragen und erst nach zwei
Jahren gelöscht. Besonders schwere Verstöße
gegen die gesetzlichen Bestimmungen können zum Entzug der Konzession führen. In
Zusammenhang damit ist das Registersystem
als solches mit einem Frühwarnsystem unterlegt. Dieses ruft bei einer Anhäufung von
Verstößen ein vermehrtes Anrücken des Arbeitsinspektorates auf den Plan.
Zusammen mit der hohen Abgabenquote in Österreich ergibt das ein denkbar
ungünstiges Klima für die Unternehmen.
Verschärft wird die Situation durch den
Konkurrenzdruck der ausländischen Mitbewerber – Stichwort EU-Erweiterung. Wer da
als Transporteur weiter am Ball bleiben will,
sieht sich zum „Ausflaggen“ seiner Fahrzeuge gezwungen. Und das tun die österreichischen Transporteure mangels Alternativen
auch. Allein im Zeitraum von 2007 bis 2011
ist der Anteil der „ausgeflaggten“ Lkw an der
Nr. 36-37/2014
Foto: VCÖ
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