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"WAS DIE GESELLSCHAFT ZUSAMMEN HÄLT" "DIE SOZIALE

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Salzburger:Zukunfts:Dialoge
Montag, 22, September 2008, 19.00 Uhr ORF-Publikumsstudio;
Nonntaler-Hauptsraße 49d
"WAS DIE GESELLSCHAFT ZUSAMMEN HÄLT"
Christine Bauer-Jelinek, Therapeutin und Unternehmens-Coach,
"DIE SOZIALE SEITE DER MACHT - DIE MACHTSEITE DES SOZIALKAPITALS"
1. POLARITÄTEN:
Sozial = gut, friedlich, kooperativ?
Macht = schlecht, kämpferisch, gewalttätig?
Es besteht ein scheinbarer Widerspruch im Titel der Veranstaltung: Wie kann man Sozialkapital
und Machtkompetenz in einem Atemzug mit Kultur nennen?
Sozial ist positiv besetzt und Macht überwiegend negativ. Diese Polarisierung führt allerdings zu
wenig sinnvollen Diskussionen, zu nicht haltbaren politischen Positionierungen aber auch zu
Vorurteilen und Fehlhaltungen in der persönlichen Kommunikation des Privat- und Berufslebens.
Es besteht immer noch ein Machttabu und dieses hat eine historische, eine politische und eine
psychologische Komponente.
Der Wertewandel in Gesellschaft und Wirtschaft – von der sozialen Marktwirtschaft zum Neoliberalismus (Marktfundamentalismus) – hat neue Spielregeln hervorgebracht und erfordert eine
neue Sichtweise auf das Machtthema.
2. KONSTRUKTIVE SICHT AUF DIE MACHT
Auflösung des "Macht"-Tabus
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Aneignung von Macht-Kompetenz
Macht-Kompetenz als Teil der Sozialkompetenz:
Definition: „Macht ist das Vermögen, einen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen“ (Ch.
Bauer-Jelinek, Die helle und die dunkle Seite der Macht, Wien 2000)
Sie dient der Durchsetzung von Zielen und der Abwehr von Übergriffen. Natürlich kann und wird
Macht missbraucht. Aber man kann sie auch angemessen und legitimiert (legal und legitim) einsetzen.
Was ist Macht-Kompetenz?
•
fremde und eigene Ziele kennen
•
Widerstände bewerten
•
Legitimation klären
•
Schauplatz definieren
•
Machtinstrumente einsetzen
•
Eskalationsstufen beachten
•
Versöhnung einleiten
Eine Grundvoraussetzung für kompetentes Verhalten ist der bewusste Umgang mit Werten. In
einer pluralistischen Gesellschaft funktioniert die absolute Zuschreibung von gut und böse nicht
mehr. Gefragt ist vielmehr die Fähigkeit zur situativen Bewertung.
Ansätze zur Relativierung finden wir immer wieder in der Geschichte der Wertephilosophie zB.
Die „Ethischen Tugenden“ nach Aristoteles, der „Die Mitte“ als Tugend zwischen zwei Extremen
definiert:
Übermut ( - ) >>Tapferkeit << Feigheit ( - )
Oder „Der Kipp-Effekt“ nach dem österreichischen Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick, der sehr pointiert beschreibt, dass ein positiver Wert nicht beliebig vermehrt werden kann,
weil er ab einer gewissen Größe kippt von Gut nach Schlecht kippt ( „Mehr vom Selben“)
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Wachstum ist gut (+) >>> noch mehr Wachstum ist besser (++) >>> noch mehr Wachstum führt
über den Kipp-Effekt zu Zerstörung ( - )
Oder das Konzept des „Wertequadrats“ nach Friedemann Schulz von Thun, das besagt, dass
jeder Wert den Keim des Unwertes in sich trägt und jeder Unwert das Potential eines Wertes
und daher immer in Bezug zu einem positiven und zwei negativen Gegenwerten steht:
Mut (+) >>> Vorsicht (+)
Übermut ( - ) >>> Feigheit ( - )
Die Fähigkeit zur Autonomen Ethik© bildet die Basis für die Bewertung eines Konflikts und der
geplanten Maßnahmen in einer Machtanalyse nach Christine Bauer-Jelinek:
wovon >> wie viel >> zu welcher Zeit >> um welchen Preis?
Gut wofür? Wann ist etwas gut? Wie viel davon ist gut? Ist es mutig, mit 200 km/h auf einer regennassen Straße in die Kurve zu fahren oder sich einem tollwütigen Hund mit bloßen Händen
entgegen zu stellen? Werte brauchen einen Bezugsrahmen, um nachhaltige Wirkung zu zeigen.
Die Entscheidung liegt beim Individuum im Abwägen der Situation und ihrem Kontext. Wenn
absolute Wertsysteme ihre Gültigkeit verlieren, braucht der Einzelne eine „innere Instanz“ zur
Orientierung und Fähigkeiten, seine Pläne auch um- und durchzusetzen.
3. WAS MACHT-KOMPETENZ FÜR DEN ZUSAMMENHALT DER GESELLSCHAFT UND DIE
POLITISCHE KULTUR LEISTEN KANN
Macht-Kompetenz:
•
erhöht die Chancen auf friedliche Austragung von Konflikten
•
verringert unnötige Kämpfe und vermeidet Gewalt
•
reduziert Kraftaufwand und Ressourceneinsatz
•
zwingt zur Reflexion der Werte
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Nachdem die absoluten Zuordnungen von gut und böse nicht mehr funktionieren, ist es hilfreich,
wenn man sich von allen Dingen sowohl die Schattenseiten wie auch die Chancen bewusst
macht:
Es besteht die Gefahr, dass das Sozialkapital missbraucht wird (Korruption, Manipulation, Ausbeutung), ebenso wie der gekonnte Einsatz von Machtinstrumenten positive Auswirkungen zeigen kann (rasche Entscheidungen, Verhinderung von Übergriffen). Jedenfalls werden der Zusammenhalt einer Gesellschaft und die Kultur im Umgang miteinander viel öfter durch Machtstümper zerstört al durch Menschen, die mit ihrer und fremder Macht ethisch und kompetent
umgehen können.
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Bildung
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