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Der Wasserfußabdruck - Unternehmerische - Opus4.kobv.de

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Der Wasserfußabdruck Unternehmerische Verantwortung für
den nachhaltigen Umgang mit Wasser
MA Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Berlin School of Economics and Law
Erstgutachter/in:
Prof. Dr. Anja Grothe
Ulrike Schulz
Berlin, Sommersemester 2012
Verzeichnisse
Inhalt
Abbildungsverzeichnis ......................................................................................... II
Tabellenverzeichnis ............................................................................................ III
Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................... III
1.
2.
3.
Einleitung ...................................................................................................... 1
1.1
Bedeutung des Themas Wasser in Bezug auf Nachhaltigkeit ................ 1
1.2
Ziel und Methodik der Arbeit .................................................................. 4
1.3
Aufbau der Arbeit ................................................................................... 5
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen ......................................................... 7
2.1.
Wasserverbräuche................................................................................. 7
2.2
Prinzipien einer nachhaltigen Wasserwirtschaft ................................... 11
2.3
Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM) ......................... 18
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis ......................................................... 20
3.1
Ökologischer Fußabdruck .................................................................... 20
3.2
CO2-Fußabdruck ................................................................................. 21
3.3
Wasser-Fußabdruck ............................................................................ 22
Virtuelles Wasser ........................................................................................ 23
Berechnung von Wasserfußabdrücken ....................................................... 23
Der Wasserfußabdruck von Produkten ....................................................... 26
Der Wasserfußabdruck von Unternehmen .................................................. 29
Der-interne und extern Wasserfußabdruck Deutschlands ........................... 30
3.4
4.
5.
Ökobilanzen und ISO 14046 (Wasserfußabdruck) ............................... 33
Unternehmerische Verantwortung .............................................................. 35
4.1
Nachhaltiger Umgang mit Wasser in Unternehmen ............................. 36
4.2
Wasserfußabdruck als Nachhaltigkeits-Indikator ................................. 40
4.3
Virtueller Wasserhandel ....................................................................... 46
Beispiele aus Unternehmen ........................................................................ 48
Bayer Healthcare Pharmaceuticals ................................................................ 48
Coca Cola ...................................................................................................... 51
Henkel ............................................................................................................ 52
I
Verzeichnisse
II
Siemens ......................................................................................................... 53
UPM / Media Mundo....................................................................................... 54
Volkswagen .................................................................................................... 56
6.
Diskussion .................................................................................................. 59
7.
Fazit............................................................................................................ 61
8.
Literatur ...................................................................................................... 62
Anhang .............................................................................................................. 66
I.
Im OECD-Umweltausblick bis 2050 verwendete Regionen und
Ländergruppen ............................................................................................... 67
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Virtuelles Wasser in verschiedenen Produkten................................ 1
Abbildung 2: Globaler Anteil an Süßwasser ......................................................... 7
Abbildung 3: Weltweiter Wasserbedarf: Basisszenario, 2000 und 2050 ............... 8
Abbildung 4: Entwicklung des personenbezogenen Wassergebrauchs
[l/Einwohner/Tag] .......................................................................... 9
Abbildung 5: Wasserfußabdruck von Primärenergieträgern ............................... 10
Abbildung 6: Regionen mit Wasserstress weltweit ............................................. 13
Abbildung 7: Anthropogene Beeinflussung des Wasserkreislaufs ...................... 17
Abbildung 8: Ökologischer Fußabdruck der Szenarien Vision 2050 bzw. „weiter
wie bisher“ .................................................................................. 20
Abbildung 9: Veranschaulichung zur Definition des Product Carbon Footprint ... 21
Abbildung 10: Vier Phasen der Wasserfußabdruck-Bewertungsmethode .......... 24
Abbildung 11: Wasserfußabdrücke der Länder mit den größten virtuellen
Wasserbewegungen ................................................................... 25
Abbildung 12: Schematische Darstellung der Komponenten eines WasserFußabdrucks ............................................................................... 26
Abbildung 13: Lifecycle Water Consumption of a car ......................................... 28
Abbildung 14: Komponenten eines Unternehmens-Wasserfußabdrucks ............ 29
Abbildung 15: Schematische Darstellung der Komponenten, die in die
Berechnung des Wasser-Fußabdrucks einfließen ....................... 31
Abbildung 16: interner und externer Wasserfußabdruck Deutschlands .............. 31
Abbildung 17: Deutschlands externer landwirtschaftlicher Wasser-Fußabdruck in
der Welt ...................................................................................... 32
Abbildung 18: Materialitätsanalyse BMW ........................................................... 45
Verzeichnisse
III
Abbildung 19: Stakeholderbeurteilung der Nachhaltigkeits-Kernthemen des Bayer
Konzerns ..................................................................................... 49
Abbildung 20: Global water consumption throughout the life cycle of a Golf ...... 57
Abbildung 21: Relative comparison of water footprints ....................................... 58
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Prinzipien einer nachhaltigen Wasserwirtschaft ................................. 12
Tabelle 2: Gängige Definition von Wasserarmut und Wasserknappheit nach
Falkenmark et al. ............................................................................... 14
Tabelle 3: Parameter für Wasserbilanzen .......................................................... 15
Tabelle 4: Folgen anthropogener Eingriffe in den Wasserkreislauf..................... 18
Tabelle 5: Indikatorkonzepte virtuellen Wassers ................................................ 22
Tabelle 6: The WF for crude steel and the amount of crude steel production in
Japan and China. ............................................................................... 27
Tabelle 7: Critical questions to be posed when assessing the sustainability of a
water footprint .................................................................................... 42
Abkürzungsverzeichnis
AG
Aktiengesellschaft
AWM
Adaptive Water Management
BaySIS
Bayer Site Information System
BEP
Best Environmental Practices
BMU
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit
BOF
Basic Oxygen Furnace
CO2
Kohlendioxid
CSR
Corporate Social Responsibility
DIN
Deutsches Institut für Normung
DJSI Index
Dow Jones Sustainability Index
EAF
Electric Arc Furnace
GWP
Global Water Partnership
IFAR
Interdisziplinäre Forschungsgruppe Abrüstung,
Rüstungskontrolle und Risikotechnologie
IPCC
Intergovernmental Panel on Climate Change
(Weltklimarat)
Verzeichnisse
IV
ISO
International Organization for Standardization
IWRM
Integriertes Wasser Ressourcen Management
LCA
Life Cycle Assessment
NAGUS
Normenausschuss Grundlagen des Umweltschutzes
OECD
Organisation for Economic Cooperation and
Development (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung)
PC
Personal Computer
UBA
Umweltbundesamt
UN
United Nations
UNESCO
United Nations Educational, Scientific and Cultural
Organization
WBCSD
World Business Council for Sustainable Development
WF
Water Footprint, Wasserfußabdruck
WRI
World Resources Institute
WWAP
Word Water Assessment Program
1.
Einleitung
1
1. Einleitung
1.1
Bedeutung des Themas Wasser in Bezug auf
Nachhaltigkeit
Wasser1 ist ohne Frage eine der wichtigsten Ressourcen unserer Erde. In
Deutschland wird dieser Sachverhalt nicht so sehr wahrgenommen, da Wasser
hier in ausreichender Menge verfügbar ist, und sogar propagiert wird, die
Deutschen Haushalte sparten zu viel Wasser ein2. Einen weiteren Aspekt jedoch
stellt das „Virtuelle Wasser“ dar, das in Produkten und Teilprodukten enthalten ist
und importiert wird, ohne einen offensichtlichen Wasserverbraucher darzustellen.
Unter Virtuellem Wasser versteht man die Gesamtmenge an Wasser, die
während des Herstellungsprozesses eines Produktes, Lebensmittels oder einer
Dienstleistung verbraucht oder verschmutzt wird, oder die dabei verdunstet. Bei
der Berechnung des virtuellen Wassergehaltes eines Produktes wird dabei jeder
einzelne Schritt im Herstellungsprozess einbezogen.3
Es gibt bereits für viele Produkte Auskünfte über ihren Gehalt an Virtuellem
Wasser. Einige Beispiele sind in Abbildung 1 dargestellt.
Abbildung 1: Virtuelles Wasser in verschiedenen Produkten
4
Der Virtuelle Wassergehalt errechnet sich z.B. für das Produkt Milch aus dem
Wasserbedarf für die Futterpflanzen, für die Tiere, für den landwirtschaftlichen
Betrieb und für die Weiterverarbeitung. Insbesondere bei landwirtschaftlichen
Produkten variiert der Wasserbedarf je nach Ort und Zeit der Produktion, der
Produktionsmethode und dem Wasserverbrauch bei der Herstellung der
1
Soweit nicht explizit erwähnt, ist im Rahmen dieser Arbeit grundsätzlich Süßwasser gemeint.
Fink 2012.
3
Sonnenberg et al. 2009 S. 7
2
4
Quelle: http://virtuelles-wasser.de (zuletzt besucht am 1.10.2012), Datenquelle:
www.waterfootprint.org
1.
Einleitung
Zwischenprodukte, da unterschiedliche klimatische Bedingungen, technische
Ausrüstung und Düngemittel die Effizienz der Produktion beeinflussen. So
schwanken die Angaben für den Virtuellen Wassergehalt für einen Liter Milch
z.B. zwischen 1000 Liter, wie in Abbildung 1, und 100 Liter, nach Angaben von
Vanessa Bach und Markus Berger von der TU Berlin5, denn allein die
Bedingungen für die Tierhaltung variieren innerhalb eines Landes stark. So wird
bei der Haltung von Hochleistungskühen etwa 16-mal mehr Wasser eingesetzt
als bei Weidevieh und 50-mal mehr als bei Almvieh.
70 % des verfügbaren Süßwassers werden heute in der Landwirtschaft verbraucht6 und schlagen sich als Virtuelles Wasser in den Produkten nieder. Aber
auch industrielle Produkte „enthalten“ Virtuelles Wasser. Hier ist die Erfassung
jedoch komplex, besonders wenn bei der Herstellung solcher Produkte (incl.
Rohstoffgewinnung und Montage) sowie bei deren Gebrauch und ihrer
Entsorgung, viele Bauteile und Materialien unterschiedlichster Herkunft benötigt
werden, wie bei dem als Beispiel in Abbildung 1 dargestellten Auto oder. PC.
Bedenklich ist, dass für einige Produkte Wasser z.T. in wasserarmen Regionen
genutzt wird, das der Bevölkerung vor Ort dadurch fehlt, bzw. dass dort nicht
verantwortungsvoll mit Wasser umgegangen und dieses rücksichtslos
verschmutzt wird. Hier ist die Verantwortung von Politik und Wasserwirtschaft
gefragt. Verbraucher können sich nur in begrenztem Umfang informieren und
Einfluss nehmen. Unternehmen jedoch haben große Einflussmöglichkeiten, da
diese die Situation an den Herstellungsorten besser einschätzen können und
einen Einblick in die Wertschöpfungskette haben.
Das Konzept des Wasserfußabdrucks berücksichtigt neben dem Virtuellen
Wassergehalt auch regionale Informationen. Im Rahmen von Ökobilanzen wird
bereits teilweise der Wasserverbrauch und die Abwassermenge erfasst, einige
Hersteller ermitteln auch den Wasserfußabdruck ausgewählter Produkte. Einige
Beispiele werden im Kapitel 5 dargestellt.
Durch die Betrachtung der Mengen an Virtuellem Wasser und der Ermittlung von
Wasserfußabdrücken werden die Zusammenhänge, die mit dem indirekten
Wasserverbrauch verbundenen sind, beleuchtet und quantifiziert. Dies ermöglicht
die Suche nach nachhaltigen Alternativen im Umgang mit Wasser für Politik und
Wirtschaft.
Wasser hat auf politischer Ebene auch im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie
einen hohen Stellenwert, so liegt im Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur
5
6
idw Informationsdienst Wissenschaft c/o Universität Bayreuth (08.05.2012).
WWAP 2012, S. 3.
2
1.
Einleitung
Nachhaltigkeitsstrategie neben Nachhaltigem Wirtschaften, Klima und Energie,
ein Schwerpunkt in der Nachhaltigen Wasserpolitik, die wie folgt definiert wird7:
Nachhaltige Wasserpolitik bedeutet eine schonende und damit zukunftsfähige Bewirtschaftung, unter Beachtung aller Wasser(teil)kreisläufe, damit
verbundenen Nutzungen und nötigen Schutzbelangen.
Die Rolle von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit wird in der Politik hoch
eingeschätzt und auch aus ökonomischer Sicht positiv bewertet. Demnach sehen
sich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen z.B. als wettbewerbsfähiger an8.
Allerdings kann ein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen
Unternehmenserfolg und Nachhaltigkeit nicht nachgewiesen werden9.
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex fordert keine Informationen zum
Wasserfußabdruck, er fordert Unternehmen jedoch auf offenzulegen, in welchem
Umfang natürliche Ressourcen für die Geschäftstätigkeit in Anspruch genommen
werden (Input und Output von z. B. Materialien, Wasser, Boden, Abfall, Energie,
Emissionen, Fläche, Biodiversität) und wie das Nachhaltigkeitsmanagement den
gesamten Produktlebenszyklus in die Analyse einbezieht.10
Wie wichtig das Thema Wasser im globalen Zusammenhang ist, stellt der im
Rahmen des World Water Assessment Programm (WWAP) 2012 veröffentlichte
vierte „Weltwasserbericht“ der UNESCO mit dem Titel „Managing Water under
Uncertainty and Risk“ dar. Er spricht viele Problemfelder an und beschreibt die
Entwicklungen und Akteure unter internationalen Aspekten. Dabei werden im
Bericht11 sowohl Politik als auch Unternehmen angesprochen. Politische
Entscheidungen im Zusammenhang mit Wasser haben mehr Gewicht bekommen
und Unternehmen werden aufgefordert, ein besseres Verständnis dafür zu
entwickeln, wie sie Wasser sowohl in ihren direkten Operationen als auch in ihren
Versorgungsketten verwenden. Als ein richtungsweisendes Beispiel führt der
Bericht das Water Footprint Network auf, das sich aus der Forschung im Bereich
des Virtuellen Wasserhandels zwischen Ländern entwickelt hat und
Unternehmen bestärkt, ihren Wasserverbrauch zu kennen und zu reduzieren und
ihren Wasser-Fußabdruck zu ermitteln.
Wir befinden uns derzeit in der von den Vereinten Nationen ausgerufenen
Internationalen Dekade „Water for Life“ von 2005 bis 2015.
7
Die Bundesregierung 2012, S. 162.
Die Bundesregierung 2012, S. 123.
9
Schaltegger 2012, S. 171.
10
Rat für Nachhaltige Entwicklung 2012, S. 11.
11
WWAP 2012, S. 163.
8
3
Einleitung
1.
Ziel der Dekade ist es laut der UNESCO12, weltweit Entscheidungsträger und die
breite Öffentlichkeit für Wasserthemen zu sensibilisieren und darauf hinzuwirken,
dass bereits getroffene Verpflichtungen in die Realität umgesetzt werden. Die
„Wasser-Millenniums-Entwicklungsziele“ stehen dabei im Mittelpunkt, d.h. bis
2015 soll die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser und
zu angemessener sanitärer Versorgung halbiert werden und nicht nachhaltige
Wassernutzungsformen sollen möglichst vermieden werden. Auf dem Weltgipfel
über nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002 wurde dieses Ziel um die
Forderung ergänzt, bis 2005 ein "Integriertes Wasserressourcenmanagement"
und "Wassereffizienzpläne" zu entwickeln.
Nach dieser Einleitung zum Thema Wasser wird in den folgenden Kapiteln das
Ziel der vorliegenden Arbeit eingegrenzt und deren Methodik und Aufbau
beschrieben.
1.2
Ziel und Methodik der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aspekt der Wasserfußabdrücke in
Unternehmen und für Produkte im Zusammenhang mit der unternehmerischen
Verantwortung. Der Agrarbereich ist am stärksten von Wasser geprägt, insofern
beschäftigen sich viele Studien zum Wasserfußabdruck mit landwirtschaftlichen
Produkten. Der Fokus dieser Arbeit liegt jedoch auf den Bereichen außerhalb des
Agrarsektors und untersucht die Aktivitäten von Industrieunternehmen. Zum
Wasserverbrauch in der Industrie liegen erst wenige Daten vor, da das Thema
noch relativ jung und die Erfassung der Daten aufwändig ist, und weil
Bestrebungen zur Standardisierung von Berechnungsmethoden noch nicht
abgeschlossen sind. Jedoch wird auch die Industrie in zunehmendem Umfang
Wasser verbrauchen. In der Industrie liegen die Schwerpunkte anders als in der
Landwirtschaft, denn Wasserknappheit ist hier ein kleineres Problem, für das sich
auch technische Lösungen anbieten, da Wasser z.B. in Kreislaufsystemen
wiederverwendet werden kann. Große Mengen an Wasser werden für die
Kühlung benötigt, die nach einer Behandlung (z.B. Versetzung mit Chemikalien
gegen Korrosion) und nach dem Kühlen wieder eingeleitet werden. Es fallen
auch Abwässer aus der Produktion an, die sich im Wasserfußabdruck als
„Graues Wasser“ niederschlagen. Da auch die Energiegewinnung mit
Wasserverbrauch verbunden ist, findet sich diese ebenfalls im
Wasserfußabdruck wieder. Je nach Branche macht die Gewinnung der
Ressourcen einen großen Teil des Wasserfußabdrucks für Industrieprodukte aus.
12
UNESCO Website: http://www.unesco.de/wasserdekade.html.
4
Einleitung
1.
Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen der Arbeit folgende Fragestellungen
beantwortet werden:
1. Welche Daten werden von Unternehmen erfasst?
2. In welcher Form werden Daten zu ökologischen Fußabdrücken
gesammelt und ausgewertet?
3. Zu welchem Zweck werden Daten erfasst?
4. Werden Maßnahmen abgeleitet?
5. Ist der Wasserfußabdruck ein geeignetes Instrument zur Übernahme
unternehmerischer Verantwortung?
Zunächst werden Begriffe im Zusammenhang mit unternehmerischer
Verantwortung und ökologischen Daten wie dem ökologischen, dem CO2- und
dem Wasser-Fußabdruck definiert. Anschließend wird eine Analyse der
Internetseiten bzw. Nachhaltigkeitsberichte ausgewählter Unternehmen im
Hinblick auf den Wasserfußabdruck vorgenommen. Die Ergebnisse werden zum
Abschluss der Arbeit zusammengeführt und bewertet.
1.3
Aufbau der Arbeit
Nach der Einleitung, in der die Ziele sowie der Aufbau der Arbeit kurz dargestellt
werden, werden im Kapitel 2. „Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen“ die
Prinzipien einer nachhaltigen Wasserwirtschaft sowie die Ansätze eines
Integrierten Wasser-Ressourcen-Managements herausgearbeitet. Im Kapitel 3.
„Fußabdrücke und Life Cycle Analysis“ werden die Begriffe und Grundlagen des
Ökologischen Fußabdrucks im Allgemeinen, sowie des CO2- und des WasserFußabdrucks im speziellen dargestellt. Detailliert wird das Thema des Virtuellen
Wassers behandelt und auf den Wasser-Fußabdruck von Produkten,
Unternehmen und von Deutschland generell eingegangen.
Im Kapitel 4. „Unternehmerische Verantwortung“ wird auf Basis der in den
vorangegangenen Kapiteln erörterten Grundlagen untersucht, inwiefern die
Thematik des Virtuellen Wassers unternehmerisches Handeln beeinflusst oder
ein Zukunft beeinflussen sollte. Es wird dabei auch auf aktuelle Diskussionen wie
den Virtuellen Wasserhandel eingegangen.
Im Kapitel 5. „Beispiele aus Unternehmen“ wird auf Basis von durchgeführten
Internet-Recherchen dargestellt, wie Deutsche Unternehmen aus wichtigen
Industriezweigen und Branchen (z.B. Pharma, Automobil-Industrie, ElektroIndustrie, Chemie) mit der Problematik des Virtuellen Wassers in ihren
Nachhaltigkeitsberichten umgehen, und wie sie ihrer unternehmerischen
5
1.
Einleitung
Verantwortung für den nachhaltigen Umgang mit Wasser in der Realität gerecht
werden. Im Anschluss an diesen praktischen Teil der Arbeit werden unter Kapitel
6. „Diskussion“ die wichtigsten Punkte besprochen und die Eingangsfragen
beantwortet.
In Kapitel 7. „Fazit“ werden die Schlussfolgerungen aus den behandelten
Themen, insbesondere hinsichtlich des Themas der unternehmerischen
Verantwortung, basierend auf dem Haupt-Teil der Arbeit (Kapitel 4 und 5)
zusammengefasst.
6
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
2. Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
2.1.
Wasserverbräuche
Unsere Erde, der „Blaue Planet“, ist zu ca. 70% von Wasser bedeckt und die
Menge der globalen Wasserbilanz von 1,4*1018 m3 ist unveränderlich. Wenn von
Wasserverbrauch gesprochen wird ist damit die Wassernutzung gemeint13. Der
Süßwasseranteil beträgt 2,5%, das entspricht 35 Millionen Kubikkilometer,
unmittelbar nutzbar sind davon ca. 31% (11 Millionen Kubikkilometer) aus
Grundwasser, Flüssen und Seen (Abbildung 2).
14
Abbildung 2: Globaler Anteil an Süßwasser
Wie die Nutzung des Süßwassers sich weltweit auf die Sektoren aufteilt zeigt
Abbildung 3. Den größten Anteil hatte im Basisjahr 2000 demnach die
Landwirtschaft (Bewässerung), daneben wird ein Großteil des Wassers für die
Kühlung in der Energiegewinnung genutzt, die Industrie entnimmt global weniger
Wasser als die öffentliche Wasserversorgung.
Abbildung 3 zeigt auch, wie die Wasserbedarfsmengen einzelner Ländergruppen
sich bis zum Jahr 2050 entwickeln könnten. Dazu ist der Bedarf an Oberflächen
und Süßwasser, dem sogenannten „Blauen Wasser“ der Jahre 2000 und 2050
jeweils nebeneinander dargestellt.
In den OECD-Ländern, zu denen auch Europa gehört, ist der Bedarf an Wasser
für die Bewässerung in Relation zum Gesamtwasserbedarf im Jahr 2000 am
höchsten, dieser soll sich nach der OECD-Studie bis 2050 verringern, wobei der
Bedarf für die Energieerzeugung gleich bleiben soll.
Der Anteil für den Wasserbedarf der Industrie soll sich bis 2050 minimal erhöhen.
In den BRICS-Ländern hingegen, zu den unter anderem China und Indien
13
14
Grohmann et al. 2011.
Alwardt 2011, S. 2; Datenquelle: WWAP 2009.
7
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
8
zählen, wird der Bedarf an blauem Wasser für Industrie und Stromerzeugung bis
2050 immens ansteigen: weltweit gesehen um 400%.
Abbildung 3: Weltweiter Wasserbedarf: Basisszenario, 2000 und 2050
15
Gründe für die globale Zunahme des Wasserbedarfs sind vor allem der
Bevölkerungszuwachs, steigende Produktion und sich änderndes
Konsumverhalten. Die Senkung des Wasserverbrauchs in den OECD-Ländern
geht darauf zurück, dass wassersparende Technologien eingesetzt und
wasserintensive Produkte vermehrt importiert werden.
In Deutschland steht eine sich jährlich erneuernde Wassermenge von 188 Mrd.
m³ zur Verfügung, von denen 17 % tatsächlich von unterschiedlichen Nutzern
entnommen werden. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Gebrauch in Deutschland ist
seit 1990 stetig gesunken und liegt 2009 bei 122 Litern pro Einwohner und Tag
(siehe Abbildung 4).16
15
OECD 2012, S. 8.
Anmerkung: eine Liste der Ländergruppen befindet sich im Anhang I, Quelle: Basisszenario des
OECD-Umweltausblicks, Ergebnisse von Berechnungen anhand
der IMAGE-Modellreihe.
16 Vgl. Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren e.V. (ATT) und weitere (Hrsg.) 2011, S. 8.
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
Abbildung 4: Entwicklung des personenbezogenen Wassergebrauchs [l/Einwohner/Tag]
9
17
Über den direkten Wasserverbrauch hinaus konsumieren Menschen in Europa
und Nordamerika einen großen Anteil von Virtuellem Wasser, das in importiertem
Essen und in Produkten eingebettet ist18. Gemäß einer Berechnung von Zimmer
und Renault19 verbraucht jede Person in Nordamerika und Europa (ehemalige
Länder der Sowjetunion ausgeschlossen), mindestens 3 m3 Virtuelles Wasser
pro Tag allein durch den Verzehr von importiertem Essen, das ist mehr als
doppelt so viel wie die Menschen in Asien (1.4 m3 pro Tag) oder Afrika (1.1 m3
pro Tag) verbrauchen. Im Kapitel 3.3 wird das Thema des Virtuellen Wassers
detailliert aufgenommen.
Der vierte Weltwasserbericht der UNESCO 20 gibt eine gute globale Einordnung
der mit Wasser verknüpften Probleme, und zeigt auf, in welchen Bereichen wir
vom nachhaltigen Wirtschaften mit Wasser noch weit entfernt sind. Daher werden
hier die Schwerpunkte, wie auf der Internetseite der UNESCO dargestellt21, kurz
zusammengefasst:
Der Bericht beschreibt, dass eine sinnvolle Wasserbewirtschaftung sektorübergreifende Lösungen voraus setzt, da es globale und zusammenhängende
Probleme zu bewältigen gilt. Die Autoren fordern für den Wasser-Sektor robuste
Institutionen und klare regulative Vorgaben und fordern Regierungen auf, dem
sektor-übergreifenden Thema Wasser Priorität zu verschaffen. Im
landwirtschaftlichen Sektor, der mit ca. 70% das meiste Wasser nutzt, wird die
17
Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren e.V. (ATT) und weitere (Hrsg.) 2011, S. 8.
Vgl. WWAP 2012, S. 185.
19
Zimmer & Renault 2003, S. 9.
20
WWAP 2012.
21
http://www.unesco.de/weltwasserbericht4_kernaussagen.html
18
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
Bewässerungspraxis in Gebieten mit Wassermangel als ein besonders Problem
beschrieben. Insbesondere wird kritisiert, dass dabei die Wasserqualität durch
den Eintrag von Nitraten verschlechtert wird.
Starke Auswirkungen auf die Menge des genutzten Wasser haben
Bevölkerungszuwachs und verändertes Konsumverhalten. Letzteres übertrifft
sogar die Auswirkungen durch den Bevölkerungszuwachs, da sich
Ernährungsgewohnheiten in aufstrebenden Industrienationen (z.B. China, Indien)
dahingehend verändern, dass wasserintensive Lebensmittel (wie z.B. Fleisch) in
zunehmendem Maße konsumiert werden. Der Wasserfußabdruck dieser
Produkte, die in Industrieländern konsumiert werden, findet sich häufig in
ärmeren Ländern. Dies lässt sich auch am Wasserfußabdruck Deutschlands
erkennen, der in Kapitel 3.3 dargestellt wird.
Auch die Energieversorgung nutzt große Mengen von Wasser, einerseits für den
Anbau von Biokraftstoffen und andererseits für die Energieerzeugung in
Kraftwerken (siehe Abbildung 5) wodurch es zu Nutzenkonflikten kommt.
Abbildung 5: Wasserfußabdruck von Primärenergieträgern
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichtes ist das Menschenrecht auf Wasser. (Mit
der Annahme des General Comments No. 15 on Right to Water22 durch den UNAusschuss über Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte im November
2002 wird die ausreichende Versorgung mit Trinkwasser erstmalig als ein
Menschenrecht interpretiert). Es haben zwar 89% der Weltbevölkerung Zugang
zu sauberem Trinkwasser, doch in vielen Entwicklungsländern ist das Problem,
mit rund 884 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser, weiter
akut. Jedes Jahr sterben etwa 3,5 Millionen Menschen an den Folgen schlechter
Wasserversorgung. Hinzu kommt das Problem, dass einfache sanitäre Anlagen
für 2,6 Milliarden Menschen nicht verfügbar sind.
22
UN 2002.
10
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
Als großes Problem wird das Abwasser beschrieben, das zu 80 bis 90 %
unbehandelt abfließt und erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme und damit
auf deren Dienstleistungen hat.
Es werden weltweit (insbesondere aber in Afrika und im Nahen Osten) große
Mengen von Grundwasser genutzt. Auch hier gibt es zahlreiche Probleme. So
sinkt etwa der Grundwasserspiegel, wenn die Menge des entnommenen
Wassers über der natürlichen Wiederauffüllung liegt oder aus nicht regenerativen
Grundwasserspeichern entnommen wird. Auch ist die Qualität solcher Wässer
nicht immer einwandfrei; Aquifere können z.B. mit Schadstoffen oder
Radioaktivität belastet sein23.
In der internationalen Zusammenarbeit stehen im 4. Weltwasserbericht die
grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung bei Flusseinzugsgebieten und
Grundwasserleitern im Fokus, sowie der Klimawandel, welcher einerseits
Maßnahmen zu Hochwasserschutz und andererseits die Sicherstellung der
Wasserversorgung erfordert, und auch Naturkatastrophen, die zu 90% im
Zusammenhang mit Wasser stehen.
Zudem unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit, das Thema Wasser stärker in
die globale Politikgestaltung zu integrierten und die Ziele der UN weiter zu
verfolgen, da heute zwar zunehmend mehr Menschen Zugang zu sauberem
Trinkwasser haben, in den Entwicklungsländern aber 50% der Menschen über
keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen verfügen. Dabei verweist der Bericht
auf eine von der UN durchgeführte Analyse, wonach zwei Drittel der 125
untersuchten Länder Ansätze eines sogenannten "integrierten
Wassermanagements" (IWRM) entwickeln, wie es der Weltgipfel von
Johannesburg 2002 gefordert hatte, aber nur ein Drittel dieser Länder diese
Ansätze auch tatsächlich umsetzt. Speziell in Entwicklungsländern hat der
Wassersektor einen sehr niedrigen Stellenwert.
2.2
Prinzipien einer nachhaltigen Wasserwirtschaft
Wasserwirtschaft kann wie folgt definiert werden:
"Wasserwirtschaft beinhaltet die Umverteilung des natürlichen Wasserdargebots in Zeit und Raum gemäß den Bedürfnissen der Gesellschaft
nach Wassermenge und Wassergüte. Hierbei handelt es sich um
Maßnahmen der Wassernutzung (z.B. Trinkwasser, Bewässerung,
23
Vgl. Vengosh et al., 2009, S. 1769.
11
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
12
Wasserkraft) oder um Schutz vor dem Wasser (z.B. Hochwasser,
Vernässung von Böden)."24
Da Wasser nicht nur von Menschen genutzt wird, sondern auch
Lebensgrundlage und Lebensraum für alle Lebewesen der Erde ist, muss bei
einer nachhaltigen Nutzung nicht nur die Qualität des Wassers als
Lebensgrundlage berücksichtigt werden, sondern auch die Aufrechterhaltung der
von Wasser bestimmten Lebensräume und Ökosystemdienstleistungen.
Wasserressourcen müssen daher unter regionalen und globalen
Gesichtspunkten nachhaltig genutzt werden und Verschmutzungen müssen
vermieden bzw. wieder rückgängig gemacht werden.
Bei einer nachhaltigen Wassernutzung sollte die Entnahme geringer sein als das
Wasserdargebot, dies ist jedoch häufig nicht gegeben wenn z.B. nicht
regenerative Wasservorkommen genutzt werden, oder wenn zu große
Bilanzgebiete betrachtet werden. Daraus ergeben sich Nutzungskonflikte die
durch eine sinnvolle Wasserwirtschaft entschärft werden müssen.25
Prinzipien einer nachhaltigen Wasserwirtschaft wurden von Kahlenborn und
Kraemer26 bereits 1998 im Rahmen des Umweltforschungsplans BMU entwickelt,
sie sind in Tabelle 1 zusammengestellt.
Regionalitätsprinzip
Integrationsprinzip
Verursacherprinzip
Kooperations- und
Partizipationsprinzip
Ressourcenminimierungspri
nzip
Vorsorgeprinzip
(Besorgnisgrundsatz)
Quellenreduktionsprinzip
Reversibilitätsprinzip
Intergenerationsprinzip
Die regionalen Ressourcen und Lebensräume sind zu
schützen, räumliche Umweltexternalitäten zu vermeiden.
Wasser ist als Einheit und in seinem Nexus mit den
anderen Umweltmedien zu bewirtschaften.
Wasserwirtschaftliche Belange müssen in die anderen
Fachpolitiken integriert werden.
Die Kosten von Verschmutzung und Ressourcennutzung
sind dem Verursacher anzulasten.
Bei wasserwirtschaftlichen Entscheidungen müssen alle
Interessen adäquat berücksichtigt werden. Die Möglichkeit
zur Selbstorganisation und zur Mitwirkung bei
wasserwirtschaftlichen Maßnahmen ist zu fördern.
Der direkte und indirekte Ressourcen- und
Energieverbrauch der Wasserwirtschaft ist kontinuierlich
zu vermindern.
Extremschäden und unbekannte Risiken müssen
ausgeschlossen werden.
Emissionen von Schadstoffen sind am Ort des Entstehens
zu unterbinden.
Wasserwirtschaftliche Maßnahmen müssen modifizierbar,
ihre Folgen reversibel sein.
Der zeitliche Betrachtungshorizont bei
wasserwirtschaftlichen Planungen und Entscheidungen
muss dem zeitlichen Wirkungshorizont entsprechen.
Tabelle 1: Prinzipien einer nachhaltigen Wasserwirtschaft
24
Kahlenborn & Kraemer 1998, S. 1.
Vgl. Grohmann et al. 2011, S. 6ff.
26
Kahlenborn & Kraemer 1998, S. 4.
25
27
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
Die Wasserwirtschaft steht vor vielen Schwierigkeiten, wenn Sie den in Tabelle 1
aufgeführten Prinzipien folgen will, denn neben wirtschaftlichen Interessen die
dem entgegenstehen, gibt es auch Nutzungskonflikte um Wasser und
Durchsetzungsprobleme für die Prinzipien. Eine nachhaltige Wasserwirtschaft
trägt aber auch zur Vermeidung vieler Risiken bei, so hat die eingeschränkte
Verfügbarkeit von sauberem Wasser gesundheitliche Folgen für die Menschen
und hemmt die sozioökonomische Entwicklung. Die Beseitigung von
Wasserverschmutzung ist jedoch eine große Herausforderung, da verschmutztes
Wasser Krankheitserreger, Nährstoffe, Schwermetalle, Öle und Chemikalien
enthalten kann. Viele Substanzen sind schon in minimaler Konzentration
schädlich, einige reichern sich in der Nahrungskette an, oder sind persistent.
Weitere Herausforderungen für die Wasserwirtschaft sind demografische
Veränderungen und zunehmende Industrialisierung und der Klimawandel.
Darüber hinaus ist Wasser auf der Erde sehr ungleichmäßig verteilt, dies lässt
sich mit dem Wasserstressindex darstellen (Abbildung 6).
Abbildung 6: Regionen mit Wasserstress weltweit
28
Die Definition von Wasserstress lautet nach Bates et al. wie folgt:
27
Kahlenborn & Kraemer 1998, S. 4.
28
Quelle: Atlas der Globalisierung, 2009, S. 23.
13
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
In global-scale assessments, basins are defined as being waterstressed if
they have either a per capita water availability below 1,000 m3 per year
(based on long-term average runoff) or a ratio of withdrawals to long-term
average annual runoff above 0.429.
Solche „Becken“ mit Wasserstress befinden sich in Nordafrika, dem Mittelmeerraum, dem Mittleren und Nahen Osten, Südasien, Nordchina, Australien,
den USA, Mexiko, dem Nordosten Brasiliens, und der Westküste von
Südamerika. In diesen Regionen mit Wasserstress leben schätzungsweise 1,2
bis 2,1 Billionen Menschen.30
Abbildung 6 zeigt, dass auch Deutschland zu den Ländern mit mittlerem
Wasserstress zählt. Wasserstress ist abhängig von den Niederschlägen, aber
auch von der Bevölkerungsentwicklung und Gewohnheiten der Wassernutzung.
Allein aufgrund des Klimawandels werden bis 2050 wahrscheinlich doppelt so
viele Gebiete mit zunehmendem Wasserstress belastet sein wie solche mit
abnehmendem Wasserstress31.
Tabelle 2: Gängige Definition von Wasserarmut und Wasserknappheit nach Falkenmark et
32
al.
Mit Hilfe von Wasserbilanzen kann die Auswirkung der Wassernutzung für
einzelne Gebiete ermittelt, und damit bewertet werden, wie tief der Eingriff des
Menschen in den natürlichen Wasserhaushalt über einen definierten Zeitraum ist.
Die wichtigsten Parameter sind dabei
Niederschlag (precipitation)
Zufluss
Wasserverfügbarkeit
Wasserdargebot
Verdunstung (evaporation
Transpiration der Pflanzen
Interzeption (Verdunstung von Pflanzen)
Evapotranspiration der Pflanzen
Speicherung (storage)
Abfluss
Entnahme (extraction)
Rückführung (return)
Wasserverlust (leak)
29
Bates et al. 2008, S. 8.
Vgl. Bates et al. 2008, S. 8.
31
Vgl. Bates et al. 2008, S. 3.
32
Alwardt, 2011, S. 11.
30
P
Z
Wa = P + Z
Wd = Wa – T – I – V
V
T
I
Ep = T+I
S
A
Ex
R
L
14
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
Kreislaufanteile (circle share)
Nutzung (use)
Potentielles Wasserdargebot
Tabelle 3: Parameter für Wasserbilanzen
33
C
U
Wdpo
Wie Wasserbilanzen (nach Grohmann et al.) berechnet werden, ist im Folgenden
kurz erläutert:
Für eine unberührte Landschaft lautet die Wasserhaushaltsgleichung:
Wa = P + Z = T + I + V + A
Die Wasserverfügbarkeit ist die Summe aus „blauem Wasser“, dem
Wasserdargebot und „grünem Wasser“, welches den Pflanzen aus dem Boden
zur Verfügung steht.
Für Kulturlandschaften lautet die ganzheitliche Wasserbilanz:
Wa = P + Z = (Exi) + S + V + A
Da nach der Entnahme auch Wasser im gleichen Gebiet zurückgeführt wird,
rechnet man mit der Differenz Ex. Damit wird die Wasserentnahme für die
Wasserversorgung sowie durch Pflanzen berücksichtigt und die Rückführung z.B.
durch gereinigte Abwässer.
Aus diesen Formeln lassen sich wasserwirtschaftliche Bilanzen ableiten, die das
potentielle Wasserdargebot beschreiben:
Wdpo = P + Z - T - I - V = A
Das potentielle Wasserdargebot wird auch als “blaues Wasser” bezeichnet,
„grünes Wasser“ ist hingegen das Bodenwasser, das für die Entnahme durch
Pflanzen verfügbar ist. Die Wasserverfügbarkeit (Wa) ist die Summe aus
„blauem“ und „grünem Wasser“.34
Bereits bei Wasserbilanzen unberührter Landschaften gibt es Ungenauigkeiten,
da die Bilanzgebiete räumlich und zeitlich (langjähriges Mittel) nicht immer genau
definierbar sind. So kann Wasser aus der Bilanz fallen, das z.B. als Schnee
gebunden wird, oder das aufgrund fehlender Grundwasserspeicher, Dämme und
Hanglagen in andere Gebiete abfließt. Ebenso wird die Änderung der
Pflanzenbestände vernachlässigt, obwohl Klimaänderungen hier einen großen
Einfluss ausüben35.
Entsprechend wenig aussagekräftig ist auch die Wasserbilanz ganzer Länder.
Auch in Deutschland gibt es Wassermangel- und Wasserüberschussgebiete die
33
Zusammenstellung aus Grohmann et al. 2011, S. 4.
Vgl. Grohmann et al. 2011, S. 6.
35
Vgl. Grohmann et al. 2011, S. 6.
34
15
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
aus der Wasserbilanz Deutschlands so nicht herauszulesen sind. Insgesamt lässt
die Wasserbilanz Deutschlands zumindest vermuten, dass mehr
landwirtschaftliche Produkte eingeführt als ausgeführt werden36. Zu
differenzierteren Aussagen kommt einer Studie des WWF37, die den
Wasserfußabdruck Deutschlands ermittelt hat (siehe Kapitel 3.3).
Die Erfassung von Wasserbilanzen ist aufwändig und genaue Angaben sind
kaum möglich, da zahlreiche Parameter (siehe Tabelle 3) berücksichtigt werden
müssen und die Wahl der Methodik zu unterschiedlichen Ergebnissen führen
kann. Jedoch bilden Wasserbilanzen die Basis für zahlreiche weitere
Berechnungen, z.B. bei Modellierungen für Ausblicke nach verschiedenen
Szenarien oder die Ermittlung von Wasserfußabdrücken.
Die Wasserverfügbarkeit und auch die Wasserqualität werden durch viele
Faktoren beeinflusst, jede Änderung und auch der Eingriff des Menschen an
einer Stelle wirkt sich auf den gesamten Wasserkreislauf aus, einige sind in
Abbildung 7 dargestellt. Großen Einfluss auf die Wasserressourcen haben,
sowohl lokal als auch global, Änderungen in der Landnutzung, der Bau und das
Management von Wasserspeichern und die Abwasserbehandlung. Die Mengen
des genutzten Wassers sind abhängig von der Bevölkerungsmenge, von
Konsum, Wirtschaft, von den Wasserpreisen und von der Technologie. Wichtig
sind auch Lifestyle, Wertschätzung und Umgang mit Wasser und Ökosystemen
in der Gesellschaft. Der Wasserkreislauf wird auch durch den Klimawandel
beeinflusst, es liegt jedoch auch am Wassermanagement wie stark dieser sich
auswirkt.
Da Wasser sowohl ein ökonomisches als auch ein öffentliches Gut ist ergeben
sich häufig Nutzungskonflikte. Denn Wasser spielt als Ressource auch in der
sozialen Dimension eine große Rolle. Es kann also nicht wie andere Ressourcen
betrachtet werden.
36
37
Grohmann et al. 2011, S. 11.
Sonnenberg et al. 2009.
16
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
Abbildung 7: Anthropogene Beeinflussung des Wasserkreislaufs
38
17
38
Quelle: http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/geo/774 (zuletzt besucht am 1.10.2012).
2.
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
18
Einige Beispiele für die anthropogenen Eingriffe und ihre Folgen sind in Tabelle 4
zusammengefasst:
Anthropogene Eingriffe
Folgen
Bewässerung,
Trinkwasserversorgung
Umleitung von Gewässern, Entnahme von
Grundwasserressourcen
Abwasserkanalisation
Verschmutzung von Fließgewässern, Ableitung von Wasser
und Nährstoffen
Trockenlegung, Drainagen für
Bauwerke, Bergbau (Braunkohle)
und Ackerlandgewinnung
Absenkung des Grundwasserspiegels, Vernichtung von
Retentionsflächen, Folge: die Landschaft „rinnt aus“,
Vegetation vertrocknet, Hochwasser kann nicht mehr
zurückgehalten werden
Wassergewinnung für Handwerk,
Gewerbe und Industrie
Umleitung von Gewässern, Entnahme von
Grundwasserressourcen, Verschmutzung von Gewässern
und Boden
Energiegewinnung durch
Wassermühlen und Talsperren
Veränderung von Fließgewässern
Kraftwerkskühlung
starke Erwärmung der genutzten Gewässer und immense
Verdunstung, Folge: Klimaveränderung
Schifffahrt
Zerstörung natürlicher Gewässer durch Bau von Häfen,
Kanälen usw., Wasserverschmutzung
Landwirtschaft
Verschmutzung von Grund-, Quell-, Oberflächenwasser
durch Überdüngung und Pestizide
Erholung und Tourismus am Wasser
Verschmutzung durch wassergefährdende Stoffe
Tabelle 4: Folgen anthropogener Eingriffe in den Wasserkreislauf
2.3
39
Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM)
Die Bundesrepublik orientiert sich bei allen entwicklungspolitischen Maßnahmen
im Wassersektor am international vereinbarten Leitbild des integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM).40
Das Wasserressourcen-Management berücksichtigt dabei sämtliche – oft auch
überregionale und übersektorale – Nutzungsinteressen und Aktivitäten, die sich
auf die Wasserhaushalte auswirken können. So werden zum Beispiel bei
Vorhaben zur Trinkwasserversorgung weitere Aspekte in die Betrachtung
einbezogen, etwa vorhandene oder geplante Wasserkraftanlagen, der Wald- und
Erosionsschutz an Flussoberläufen, die Belastung von Wasser und Böden durch
Abfälle oder auch die allgemeine Landnutzungsplanung des jeweiligen
Kooperationslandes.
Wichtige Ziele des IWRM sind, Wasserressourcen nachhaltig zu nutzen, Konflikte
um Wasser friedlich zu lösen, Menschen bezahlbaren Zugang zu Trinkwasser zu
39
40
Zusammengestellt nach: Katzmann 1988.
http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/umwelt/wasser/deutscher_beitrag/iwrm/index.html
Wasserwirtschaft und Wasserbilanzen
2.
ermöglichen und Krankheiten einzudämmen, die durch unsauberes Wasser
hervorgerufen werden.
Das Konzept kann nur durch gemeinsames Vorgehen auf nationaler und internationaler Ebene umgesetzt werden. Es umfasst Strategien, die auf der
niedrigsten angemessenen Ebene ansetzen und bis zur Regierungspolitik
reichen. Die Nutzerinnen und Nutzer werden immer direkt beteiligt.
IWRM kann auch als Instrument eingesetzt werden für Maßnahmen, die
negativen Folgen des Klimawandels entgegenwirken. Die Weiterentwicklung des
Konzepts wird als Adaptive Water Management (AWM) bezeichnet. Wichtige
Punkte dabei sind im Weltwasserbericht wie folgt aufgelistet41:
-
Verständnis der Zusammenhänge zwischen IWRM und Klimawandel
-
Verständnis des Klimasystems und des Wasserkreislaufs
-
Bewusstsein über die Einflüsse des Klimawandels auf die Gesellschaft
-
Verständnis zum Umgang mit Risiken und Unsicherheiten
-
Verständnis zu Anpassung an Wasseränderungen und Klimawandel
IWRM wurde 1992 von der International Conference on Water and the
Environment in Dublin, ins Leben gerufen und wird durch die Global Water
Partnership (GWP) unterstützt. Es ist ein internationaler wasserpolitischer
Konsens und Leitbild für alle Wasserfragen. Ziel des IWRM ist die optimale und
nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen ohne Schäden zu verursachen.42
41
42
WWAP, 2012, S. 593.
Vgl. http://www.gwp.org/en/The-Challenge/What-is-IWRM/
19
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
20
3. Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
3.1
Ökologischer Fußabdruck
Für den Ökologischen Fußabdruck wird die Fläche berechnet, die benötigt wird
um ein Produkt herzustellen und zu entsorgen. Dabei wird die Fläche zur
Bereitstellung der natürlichen Ressourcen sowie die Fläche zur Aufnahme der
Abfälle und Rückstände – auch der Treibhausgase - berücksichtigt. Er wurde als
leicht verständliches Maß für die Auswirkungen des Konsums entwickelt und
kann als Fußabdruck eines Produktes, eines Landes oder einer Stadt, und einer
Person, berechnet werden.
Die Definition des UBA (nach Wackernagel 201043) lautet wie folgt:
Ergebnis eines systemanalytischen Verfahrens zur Erfassung der biologisch
produktiven Land- und Wasserflächen, die durch die Ressourcennutzung
eines bestimmten Bezugssystems (z.B. Produkte, Individuen, Unternehmen,
Volkswirtschaften, Weltwirtschaft) beansprucht werden. Dabei werden reale
Flächenbelegungen und virtuelle Flächenerfordernisse (z.B. zur Aufnahme
von Treibhausgasen) summiert. Gebräuchliche Einheit: „globaler Hektar“.
Abbildung 8 zeigt die Entwicklung des weltweiten ökologischen Fußabdrucks und
zwei Zukunftsszenarien, der „Vision 2050“ und dem Szenario „Weiter wie bisher“,
die das WBCSD im Rahmen eines Projektes die entwickelt hat. 44
Abbildung 8: Ökologischer Fußabdruck der Szenarien Vision 2050 bzw. „weiter wie bisher“
45
Demnach entspricht der Fußabdruck im Jahr 2050 der Fläche der Erde, wenn die
Maßnahmen der „Vision 2050 umgesetzt werden, auch die Bevölkerungszahl
zunimmt. Bei einem Verhalten „weiter wie bisher“, verbrauchen wir bis 2050 die
Kapazität von 2,3 Planeten.46
43
Wackernagel 2010.
Vgl. WBCSD 2010, S. 15.
45
WBCSD 2010, S. 15.
46
Vgl. WBCSD 2010, S. 15.
44
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
3.2
21
CO2-Fußabdruck
Der CO2-Fußabdruck gibt an, welche Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2) in
Tonnen durch Aktivitäten bei der Herstellung von Produkten, durch
Dienstleistungen, Personen oder Unternehmen verursacht bzw. freigesetzt wird.
Er ist ein Teil des Ökologischen Fußabdrucks und stellt damit eine Fokussierung
auf die Klimaauswirkung da. Der Vorteil des CO2-Fußabdrucks ist, dass er die
Klimaauswirkung direkt anzeigt und eine Vergleichbarkeit herstellt. Dadurch
können Entscheidungen zugunsten eines klimafreundlichen Verhaltens leichter
getroffen und Verbesserungspotentiale erkannt werden.
Auch für den CO2-Fußabdruck gibt es keine international einheitliche
Berechnungsmethode, so kann z.B. lediglich der CO2-Ausstoß berechnet
werden, es können aber auch weitere Faktoren und Treibhausgase eingerechnet
werden.
BMU und BDI propagieren die Definition47 des CO2-Fußabdrucks für Waren und
Dienstleistungen aus dem Entwurf der ISO 14067 „Carbon Footprint of Products“,
bei der der gesamte Lebenszyklus eines Produkts, inklusive der
Wertschöpfungskette von Herstellung und Transport der Rohstoffe und
Vorprodukte über Produktion und Distribution bis hin zu Nutzung, Nachnutzung
und Entsorgung, umfasst ist:
„Der Product Carbon Footprint bezeichnet die Bilanz der
Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines
Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte
Nutzeinheit.“
Abbildung 9 verbildlicht diese Definition und zeigt einige der relevanten Gase, für
die vom Weltklimarat (IPCC) ein Koeffizient für das Treibhauspotenzial definiert
wurde.
Abbildung 9: Veranschaulichung zur Definition des Product Carbon Footprint
47
48
BMU & BDI 2010, S. 18.
BMU & BDI 2010, S. 18.
48
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Es gibt verschiedene Bemühungen zur Vereinheitlichung der Erfassung von
Treibhausgasen, die wichtigsten sind die Entwicklung der ISO 14067 und die
Greenhouse Gas Protocol Product Initiative des WRI/WBCSD (World Resources
Institute/World Business Council for Sustainable Development).
Davon abgesehen ist die Beurteilung in der Sache im Vergleich zum WasserFußabdruck einfacher, denn je weniger Treibhausgase freigesetzt werden, desto
besser. Dies kann sowohl Unternehmen als auch Konsumenten bei
Entscheidungen unterstützen.
3.3
Wasser-Fußabdruck
Der Wasserfußabdruck ein Teil der Familie von Fußabdruck-Konzepten49, wie
dem zuvor beschriebenen Ökologischen und CO2-Fußabdruck. Das Konzept des
Wasserfußabdrucks wurde 2002 von Hoekstra in Erweiterung der Berechnung
des Virtuellen Wassers entwickelt und ist ein Messinstrument, dass nicht nur
Mengen ermittelt sondern diese auch mit Information zur regionalen Verortung
des Wassergebrauchs verknüpft. Der Wasserfußabdruck kann in verschiedenen
Dimensionen ermittelt werden. Wie in Tabelle 1 aufgelistet, kann er
Wasservolumen und -ströme für Produkte, Personen, Unternehmen und Länder
darstellen
Spezifischer Konsum
Handelsströme
Virtueller Wassergehalt eines Produkts
Umfang des virtuellen Wasserhandels
Wasserfußabdruck eines Produkts
Wasserersparnisse durch virtuellen
Wasserhandel
Wasserfußabdruck einer Person
Virtuelle Wasser-Handelsbilanz
Wasserfußabdruck eines Unternehmens
Importabhängigkeit von virtuellem Wasser
Wasserfußabdruck eines Landes
Hauptexporteure und -importeure
Globaler virtueller Wasserkonsum
Interregionale Handelsströme
Konsumdisparität
Externer Wasserfußabdruck eines Landes
Tabelle 5: Indikatorkonzepte virtuellen Wassers
50
Darüber hinaus kann er für die Anteile des „blauen“, „grünen“ und „grauen“
Wassers berechnet werden. Die Definition des Virtuellen Wassers und der
Anteile wird im folgenden Kapitel erläutert, da das Konzept des
Wasserfußabdrucks darauf aufbaut. Anschließend folgt die Beschreibung für den
Produkt- und Unternehmen-Wasserfußabdruck.
49
50
Hoekstra 2009, S. 77.
Gawel & Bernsen 2001, S. 559.
22
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Virtuelles Wasser
Das Konzept des Virtuellen Wassers wurde in den neunziger Jahren von dem
britischen Wissenschaftler John Anthony Allan51 entwickelt, der in den 1990ern
den Begriff „embedded water“ durch „virtual water“ ersetzte, um eine andere
Herangehensweise an die durch Wasserknappheit bestehenden Probleme im
Mittleren Osten zu finden. 52 Der Begriff „virtuell“ wurde zunächst kontrovers
diskutiert, hat sich jedoch durchgesetzt und wird zur Beschreibung des Wassers
benutzt, das bei der Herstellung von Produkten gebraucht wird und somit
„virtuell“ darin enthalten ist. 2008 wurde Allan mit dem Stockholmer Wasserpreis
ausgezeichnet53.
Virtuelles Wasser besteht aus drei Komponenten: grünem, blauem und grauem
Wasser. Definitionen in Anlehnung an Grohmann54 und Sonnenberg55:
Blaues Wasser ist Nutz- und Bewässerungswasser:
es wird dem Grundwasser oder Oberflächengewässern entnommen und
zur industriellen sowie landwirtschaftlichen Produktion und zur öffentlichen
Wasserversorgung genutzt.
Grünes Wasser ist Niederschlagswasser:
es fließt ab, versickert im Boden und wird von Pflanzen aufgenommen.
Graues Wasser ist Abwasser:
es wird nach der Nutzung zurück in den Kreislauf gegeben. Bei Wasser das
mit Schadstoffen belastet ist, wird die Menge an unbelastetem Wasser
hinzugerechnet, die zur Verdünnung erforderlich wäre um Grenzwerte für
die vorgeschriebene Wassergüte zu unterschreiten.
Berechnung von Wasserfußabdrücken
Für einen Wasserfußabdruck wird die Wassermenge berechnet, die im gesamten
Herstellungsprozess eines Produktes und die Nutzung eines Produktes oder
einer Dienstleistung relevant ist, dies umfasst die Verdunstung, den Verbrauch
und auch die Verschmutzung. Darüber hinaus berücksichtigt der
51
Allan 1998.
Vgl. Allan 2003, S. 109.
53
Webseite des SIWI, Stockholm International Water Institute 2008:
http://www.siwi.org/sa/node.asp?node=282 (zuletzt besucht 20.9.2012)
54
Vgl. Grohmann et al. 2011, S. 11.
55
Vgl. Sonnenberg et al. 2009, S. 7.
52
23
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
24
Wasserfußabdruck auch regionale Informationen, das heißt wo, in welchem Land
und in welcher Produktionsstätte das Wasser genutzt wurde.
Der Wasser-Fußabdruck hat also im Gegensatz zum virtuellen Wassergehalt
ähnlich wie der Ökologische Fußabdruck auch eine regionale Komponente.
Der Wasser-Fußabdruck stellt einen Indikator dar, der sowohl den direkten als
auch den indirekten Wasserverbrauch eines Konsumenten oder Herstellers
berücksichtigt und Auskunft darüber gibt, aus welcher Region das in dem Produkt
enthaltene Virtuelle Wasser entnommen wurde.
In diesem Zusammenhang eignet sich das Konzept des Virtuellen Wassers auch
zur Beurteilung von größeren bis hin zu globalen Zusammenhängen, die sowohl
für Unternehmen als auch für die Politik Bedeutung haben. Um zu
aussagekräftigen und verwertbaren Ergebnissen zu kommen sollte die Ermittlung
geplkant, und in mehreren Phasen ablaufen, die Abbildung 10 dargestellt sind.
Demnach sollte vor dem Beginn der eigentlichen Berechnung in einer 1 Phase
überlegt werden, was erreicht werden soll und es sollten Ziele festgelegt werden.
Die Berechnung des Wasserfußabdrucks erfolgt in der 2. Phase. Damit ist das
Verfahren nicht abgeschlossen, in der anschließenden 3 .Phase, wird die
Nachhaltigkeit eingeschätzt und um und Maßnahmen ableiten zu können, ist die
4. Phase erforderlich.
Abbildung 10: Vier Phasen der Wasserfußabdruck-Bewertungsmethode
56
Der Wasserfußabdruck macht deutlich, dass der Handel mit Gütern, durch den
Im- und Export von Virtuellem Wasser, auch Auswirkungen auf die weltweite
Wasserwirtschaft hat. Davon gibt Abbildung 11 einen Eindruck. Die Länder, die in
grüner Farbe angezeigt werden, haben eine negative Bilanz, was bedeutet, dass
sie (netto) Virtuelles Wasser exportieren. Die Länder, die in gelb bis rot angezeigt
werden, importieren (netto) Virtuelles Wasser.
56
Hoeckstra et al. 2011, S. 4
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Abbildung 11: Wasserfußabdrücke der Länder mit den größten virtuellen
57
Wasserbewegungen
Der Unterschied zwischen dem Virtuellen Wassergehalt eines Produktes und
seinem Wasserfußabdruck liegt darin, dass der Gehalt an Virtuellem Wasser die
Menge Wasser ist, die bei der Produktion genutzt worden ist. Der
Wasserfußabdruck gibt den Wasserverbrauch über den Lebensweg des
Produktes hinweg an, und woher das Wasser stammt.58
Hoekstra59 merkt zur Wasserfußabdruck-Berechnung noch an, dass der Aspekt
meistens nicht beachtet wird, dass Wasserfußabdrücke sich über die Zeit auch
ändern. Viele Arten der Wassernutzung ändern sich im Laufe der Zeit. So variiert
zum Beispiel die Bewässerung in der Landwirtschaft in Abhängigkeit von den
klimatischen Verhältnissen sowohl innerhalb eines Jahres als auch über mehrere
Jahre. In der Industrie ändern sich Produktionsfaktoren, zum Beispiel durch
technische Änderungen oder Produktionsverlagerung, so dass es zu
Schwankungen im Wasserverbrauch kommt. Daher können Variationen im
Wasserfußabdruck nicht immer leicht interpretiert werden.
Das zeigt sich zum Beispiel im Vergleich des Wasserfußabdrucks der
verschiedenen Volkswagen-Modelle (Polo, Golf, Passat), der im Kapitel 5
beschrieben wird. Während Polo und Golf ähnliche Wasserfußabdrücke
aufweisen, weicht der des Passats ab, da die Produktionsstätten an
verschiedenen Orten liegen.
Daher empfiehlt Hoekstra60, Durchschnittswerte über mehrere Jahre zu ermitteln,
um aussagekräftigere Werte zu erhalten. Er fragt allerdings auch, welcher
Analyse-Zeitraum dann sinnvoll wäre und ob es möglich ist, einen Trend über die
Zeit zu ermitteln.
57
Mekonnen & Hoekstra 2011, S. 21.
Vgl. Sonnenberg et al. 2009, S. 8.
59
Vgl. Hoekstra et al. 2009, S. 77.
60
Vgl. Hoekstra et al. 2009, S. 77.
58
25
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
26
Im Hinblick auf industrielle Produkte erscheint das schwierig, wie das oben
angeführte Beispiel aus der Automobilindustrie zeigt, denn es gibt neben
Veränderungen der Produktionsorte auch Änderungen in der
Produktzusammensetzung und der Lieferkette.
Der Wasserfußabdruck von Produkten
Wie der Wasserfußabdruck von Produkten sich zusammensetzt, zeigt Abbildung
12: Der nicht-konsumtive Teil der Wasserentnahmen (der Rücklauf) ist nicht Teil
des Wasserfußabdrucks. Der Wasserfußabdruck enthält neben „blauem“ auch
„graues“ und „grünes“ Wasser und die direkte sowie indirekte Wassernutzung.
61
Abbildung 12: Schematische Darstellung der Komponenten eines Wasser-Fußabdrucks
Den Wasser-Fußabdruck von industriellen Produkten zu bestimmen ist schwierig,
da in einem Produkt oft verschiedene Rohstoffe verarbeitet werden und
zahlreiche Fertigungsschritte nötig sind62.
Wichtig für die Industrie sind Vorprodukte wie z.B. Stahl. Dass in diesem Bereich
auch strategische Aussagen möglich sind, zeigt eine Studie von Horie et al.63, die
den Wasserfußabdruck von Rohstahl in China, den USA und Japan ermittelt
haben. Dabei stellten sie auch fest, dass Vergleiche nur mit einer einheitlichen
Datenbasis möglich sind, die bisher noch nicht umfänglich genug vorliegen. Ein
direkter Vergleich mit den USA entfiel dadurch ebenso wie der direkte Vergleich
von in den einzelnen Ländern produzierten Automobilen. Dennoch konnte ein
61
Vgl. Hoeckstra et al. 2011, S. 3.
Sonnenberg et al. 2009, S. 9.
63
Vgl. Horie et al. 2011.
62
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Vergleich der Stahlproduktionen zeigen, dass Stahl in Japan mit einer besseren
Wassereffizienz hergestellt wird.
Tabelle 6: The WF for crude steel and the amount of crude steel production in Japan and
64
China.
Als Schlussfolgerung zogen die Autoren daraus, dass angesichts der hohen
Rohstahlproduktionsmenge in China ein Drittel des Wasserverbrauchs für
Rohstahl gespart werden könnte, wenn dort die gleiche Wassereffizienz wie in
Japan erreicht werden könnte.
Die Schwierigkeiten bei der Ermittlung der Wasserfußabdruckes eines
Grundstoffes für viele Produkte lässt ahnen, wie kompliziert die Ermittlung des
Wasserfußabdrucks für industrielle oder technische Produkte sein kann, die aus
vielen Komponenten mit unterschiedlichen Materialien bestehen. Die größten
Unsicherheiten bestehen hinsichtlich der Qualität der Ausgangsdaten. Zu diesem
Ergebnis kommt auch Volkswagen; dort wurde der Wasserfußabdruck für jeweils
ein Modell des Polo, Golf und Passat ermittelt. VW hat Daten aus der GaBi 4.3
Software und Volkswagen’s LCA-Datenbank als Grundlage für die Berechnungen
herangezogen. Details zum Verfahren sind im Kapitel 5 beschrieben. Das
Ergebnis stellt sich wie folgt dar:
Über 90 % des Wasserfußabdrucks entsteht bei der Produktion der
Grundmaterialen, insbesondere bei der Gewinnung von Eisen- und StahlProdukten, Polymeren und seltenen Erden. Über den gesamten Lebenszyklus
gesehen liegt der Wasserfußabdruck der ausgewählten VW-Modelle für den Polo
bei 51.7 m³, den Golf bei 62.4 m³ und den Passat bei 82.9 m³.
Die Werte liegen damit deutlich unter dem in Abbildung 1 gezeigten Wert von 400
m³/Fahrzeug.
Auch Ford ermittelt Wasserfußabdrücke für seine Fahrzeuge und veröffentlicht
Ergebnisse (siehe Abbildung 13). Diese liegen zwar in einem ähnlichen Rahmen,
jedoch fällt auf, dass im Gegensatz zu den Wasserfußabdrücken bei VW, der
größte Wasserfußabdruck während der Nutzungsphase entsteht. Der Grund liegt
64
Horie et al. 2011, S. 159.
27
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
28
darin, dass der Wasserverbrauch für die Gewinnung der Rohmaterialien nicht
berücksichtigt wurde.
Abbildung 13: Lifecycle Water Consumption of a car
65
Es hat sich im Rahmen dieser Arbeit gezeigt, dass sich bei der Ermittlung und
Beurteilung von Produkt-Wasserfußabdrücken zwei Bereiche als problematisch
darstellen. Erstens ist die Datenlage für viele Ausgangsmaterialien nicht
eindeutig, so dass es zu erheblichen Spannbreiten bei den Ergebnissen kommt.
Und zweitens müssen die Ergebnisse auf ihre Vergleichbarkeit hin geprüft
werden, da sich auch hier die Auswahl des Untersuchungsrahmens stark
auswirkt.
Ob und inwiefern die Ermittlung des Wasserfußabdrucks im Rahmen der
Nachhaltigkeitsdiskussion angesichts der Datenlage und des erforderlichen
Aufwands für Produkte sinnvoll erscheint, wird im Kapitel 4 diskutiert.
Als Positives Beispiel kann hier Henkel angeführt werden. Henkel berichtet in
seinem Nachhaltigkeitsbericht 66ausführlich über die Datengrundlage seiner
Lebenszyklusanalyse (siehe Kapitel 5). Insofern scheinen die Aussagen des
Unternehmens zu den Auswirkungen seiner Produkte glaubwürdig und belastbar.
65
Ford Website: http://corporate.ford.com/microsites/sustainability-report-2011-12/waterconsumption, zuletzt aufgerufen am 02.11.2012.
66
http://nachhaltigkeitsbericht.henkel.de/produktverantwortung/lebenszyklusanalysen.html
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
29
Der Wasserfußabdruck von Unternehmen
Der Wasserfußabdruck eines Unternehmens umfasst nach der Definition von
Hoekstra et al.67 die gesamte Menge an Wasser, das direkt oder indirekt für die
Geschäftsaktivitäten verbraucht wird.
68
Abbildung 14: Komponenten eines Unternehmens-Wasserfußabdrucks
Es setzt sich aus zwei Haupt-Komponenten zusammen: dem direkten
Wasserfußabdruck der bei der Produktion oder Erbringung der Dienstleistung
entsteht (Operational water footprint) und dem Wasserfußabdruck der in der
Lieferkette entsteht (Supply-chain water footprint). Außerdem kann noch
unterschieden werden zwischen dem produktiven Wasserfußabdruck, der die
Wassermengen erfasst, die direkt zu Produktion notwendig sind, und dem
Overhead-Wasserfußabdruck, der bei den unterstützenden Prozessen im
Betriebsablauf entsteht.
Einer Studie von KPMG69 zufolge, die Nachhaltigkeitsberichte auswertete, erfasst
ein Drittel der 250 Global Player einen Fußabdruck ihres gesamten
Unternehmens und eines von fünf den Wasserfußabdruck eines
Unternehmensteils. Allerdings erwähnten nur 44 % aller 250 Unternehmen in
ihren Nachhaltigkeitsberichten spezifische Pläne, ihren Wasserverbrauch
67
Hoekstra et al. 2011, S. 63.
Hoekstra et al. 2011, S. 64.
69
KPMG 2012, S. 4.
68
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
reduzieren zu wollen. Immerhin berichteten 27 % über die Behandlung von
Abfällen oder Abwasser.
Statistiken zur Wassernutzung bei Unternehmen beziehen sich meistens auf die
Wasserentnahme. Dabei ist die Datenlage oft nicht aussagekräftig, da weder
eine Unterscheidung zwischen blauem, grünem und grauem Wasser getroffen
wird, noch der indirekte Wasserverbrauch Berücksichtigung findet. Üblicherweise
wird auch die Lieferkette nicht in die Betrachtungen mit einbezogen. Vor diesem
Hintergrund sollten Unternehmen den Wasserfußabdruck in die Umwelt- und
Nachhaltigkeits-Berichterstattung aufnehmen.70
Der-interne und extern Wasserfußabdruck Deutschlands
Dieses Kapitel wurde in erster Linie eingefügt um die wichtigsten aktuellen
Studien kurz vorzustellen. Insgesamt ist der Vergleich nationaler Fußabdrücke
nicht aussagekräftig, weil die Konsumgewohnheiten in den Ländern sehr
unterschiedlich sind, Wasserfußabdrücke sind nicht nur auf
Wohlstandsunterschiede zurückzuführen71. Auch für Unternehmen lassen sich
daraus keine Informationen ableiten, da zur Betrachtung des Wasserfußabdrucks
für Unternehmen und Produkte eine detaillierte Analyse erforderlich ist, dies wird
im Folgenden an einigen Beispielen deutlich gemacht. Die Zahlen sind jedoch
geeignet, um Dimensionen und Zusammenhänge darzustellen.
In einer Studie des WWF haben Sonnenberg et al. 200972 den
Wasserfußabdruck Deutschlands berechnet. Dazu wurden der virtuelle
Wassergehalt für pflanzliche und tierische Produkte für jedes Land berechnet und
dabei die klimatischen Bedingungen berücksichtigt. Der GesamtWasserfußabdruck setzt sich, wie in Abbildung 15 dargestellt, zusammen aus
dem internen Wasserfußabdruck, mit den innerhalb Deutschlands erzeugten und
konsumierten Produkten, und dem externen Wasserfußabdruck mit Produkten,
die aus anderen Ländern importiert werden. Hinzugerechnet wird dann noch der
direkte Wasserverbrauch.
70
Hoeckstra et al. 2009, S. 77.
Vgl. Gawel & Bernsen 2011, S. 563.
72
Sonnenberg et al. 2009.
71
30
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Abbildung 15: Schematische Darstellung der Komponenten, die in die Berechnung des
73
Wasser-Fußabdrucks einfließen
So ergibt sich ein Gesamt-Wasserfußabdruck von 159,5 km³ Wasser pro Jahr
und, geteilt durch die Bevölkerung von 82,2 Millionen Einwohnern, ein täglicher
Pro-Kopf-Verbrauch von 5.288 Liter Wasser.74 Der darin enthaltene direkte
Wasserverbrauch beträgt nur 122 Liter Wasser pro Kopf und Tag (siehe Kapitel
2.1). Der interne und externe Wasserfußabdruck Deutschlands, dargestellt in
Abbildung 16, ist ungefähr gleich groß, Haushalte weisen per Definition nur einen
internen Wasserfußabdruck aus
Abbildung 16: interner und externer Wasserfußabdruck Deutschlands
73
74
Sonnenberg et al. 2009, S. 9.
Vgl. Sonnenberg et al. 2009, S. 4.
31
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
32
Der Fußabdruck Deutschlands verteilt sich auf über 200 Länder, die größten
Wasser-Fußabdrücke hinterlassen die Deutschen, in Abbildung 17 durch die
Stärke der Pfeile dargestellt, in Brasilien, der Elfenbeinküste, in Frankreich, den
Niederlanden, den USA, in Indonesien, Ghana, Indien, der Türkei und Dänemark,
in abnehmender Reihenfolge.75
Abbildung 17: Deutschlands externer landwirtschaftlicher Wasser-Fußabdruck in der Welt
76
Zu etwas anderen Werten kommt eine neuere Studie des Instituts für Water
Engineering and Management der niederländischen Universität von Twente77, die
direkte Wasserverbräuche auf Grundlage der AQUASTAT Datenbank ermittelte
und den grünen, blauen und grauen Wasserfußabdruck getrennt betrachtet hat.
Hier wurde einen Pro-Kopf-Verbrauch von 3.900 Liter Wasser am Tag errechnet.
Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich mit 1.426 Kubikmetern pro
Jahr noch halbwegs im Rahmen, denn der weltweite Durchschnitt liegt bei 1.385
Kubikmeter Wasser pro Jahr. Wenig Wasser verbrauchen Menschen (noch) in
Indien mit 990 Kubikmeter pro Kopf und Jahr, in Europa reichen die Spanier
(2325 Kubikmeter/Kopf/Jahr) an die größten Pro-Kopf-Verbraucher, die USAmerikaner (2842 Kubikmeter/Kopf/Jahr) heran.78
Der externe Gesamt-Wasserfußabdruck Deutschlands ist jedoch sehr hoch, mit
125 Mrd. Kubikmeter/Jahr liegt Deutschland hinter den USA und Japan an dritter
75
Sonnenberg et al. 2009.
Sonnenberg et al. S. 19.
77
Mekonnen & Hoekstra 2011.
78
Vgl. Mekonnen & Hoekstra 2011, Appendix VII - 23.
76
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Stelle. Die größten Posten machen dabei Kaffee, Kakao, Soja und Baumwolle
aus.79
3.4
Ökobilanzen und ISO 14046 (Wasserfußabdruck)
Ökobilanzen bzw. Life Cycle Assessment (LCA) sind ein weithin anerkanntes und
angewandtes Analyse-Tool, welches die verschiedenen Umweltwirkungen von
Produkten während des gesamten Lebensweges („from cradle to grave“ = „von
der Wiege bis zur Bahre“) analysiert. Allerdings galt die Aufmerksamkeit bei der
Beurteilung der Umweltverträglichkeit eines Produkts mittels LCA in der
Vergangenheit i.d.R. dem Energieverbrauch über die Lebensdauer eines
Produktes oder den Treibhausgasemissionen und toxischen Substanzen. Die
Verwendung von Süßwasser im Lebenszyklus eines Produkts wurde bisher
hingegen häufig vernachlässigt.80
Dies hat sich jüngster Zeit geändert. Für wie wichtig der Wasserfußabdruck im
Rahmen der Ökobilanz erachtet wird, zeigt sich auch darin, dass er als neues
Norm-Projekt „ISO 14046 Life cycle assessment – Water footprint –
Requirements and Guidelines“ 2009 durch das Deutsche Institut für Normung
(DIN) aufgenommen und 2011 aktiv gesetzt wurde. Der vorliegende dritte
Arbeitsentwurf soll unter deutscher Beteiligung zum Entwurfsvorschlag bei ISO
weiterentwickelt werden. Der Abschluss ist für 2014 geplant.81 Analog zum
„Carbon Footprint” wird die Methode der Ökobilanz so angepasst, dass allein die
Auswirkungen eines Produktes auf den Wasserhaushalt ermittelt werden können.
Die Rolle von Standards, die ja immer freiwillig sind, wird sehr unterschiedlich
eingeschätzt. So wird die Entwicklung der ISO 14046 in einer Untersuchung zur
Rolle von Standards für Innovationen im Bereich Ressourceneffizienz nicht
erwähnt, vielmehr werden Standards zu Treibhausgasemissionen energieintensiver Industrien und zur Materialflusskostenrechnung als wichtig bewertet82.
Die Anwendung der neuesten Methoden fordert hochauflösende Bestandsdaten,
diese können jedoch kaum zufriedenstellend beziffert werden, vor allem im
Hinblick auf die Hintergrund-Prozesse in der Produktionskette. Deshalb muss
zwischen Genauigkeit und Anwendbarkeit abgewogen werden, und dies sollte
sich auch in der neuen internationalen Norm niederschlagen83.
79
Vgl. Mekonnen & Hoekstra 2011a, S. 21.
Vgl. Berger & Finkbeiner 2010, S. 920.
81
NAGUS 2011: S. 17
82
Peukert 2011, S. 37.
83
Vgl. Berger & Finkbeiner 2010, S. 941.
80
33
3.
Fußabdrücke und Life Cycle Analysis
Jedoch kann ein internationaler Standard zur Berechnung von Wasserfußabdrücken Unternehmen die Einführung eines „Accountings“ sicher
erleichtern, sofern die Absicht dazu besteht.
34
4.
Unternehmerische Verantwortung
4. Unternehmerische Verantwortung
Unternehmerische Verantwortung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen
Gesellschaft, Politik und Konsumenten, sie hat interne und externe Aspekte und
berührt auch globale Probleme, wie die Wasserwirtschaft, auf die sich diese
Arbeit fokussiert. Somit sind Unternehmen wichtige Akteure der Nachhaltigkeit
und auch des nachhaltigen Umgangs mit Wasser. Unternehmen sind an vielen
Stellen sowohl Problem-Verursacher als auch –Löser84. Ein zentraler Begriff, der
unternehmerische Verantwortung im Sinne von Nachhaltigkeit (das heißt unter
ausgewogener Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer
Handlungsfelder) beschreibt, ist die Corporate Social Responsibility (CSR). Viele
Unternehmen verpflichten sich freiwillig zu Mindeststandards der Nachhaltigkeit,
dabei richten sie sich nach selbst entwickelten Leitbildern oder orientieren sich an
vorgegebenen Standards, z.B. des UN Global Compact 85 oder den OECDLeitsätzen86. Zahlreiche Länder fordern Unternehmen auf, sich an Grundsätzen
der Nachhaltigkeit zu orientieren. In der Europäischen Union bildet das Grünbuch
CSR87 eine umfassende Liste von Handlungsfeldern. Die Bundesregierung hat
201088 eine nationale Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung von
Unternehmen vorgelegt und empfiehlt ein „Gemeinsames Verständnis von CSR
in Deutschland“ , das auf der Definition der Europäischen Kommission (EU
Kommission, 2001) basiert:
„Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet die Wahrnehmung
gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen über gesetzliche
Anforderungen hinaus. CSR steht für eine nachhaltige
Unternehmensführung im Kerngeschäft, die in der Geschäftsstrategie des
Unternehmens verankert ist. CSR ist freiwillig, aber nicht beliebig.“
Um das Thema Nachhaltigkeit zu fördern hat die Bundesregierung 2001 den
Nachhaltigkeitsrat berufen und 2012 erstmals einen Preis89 ausgelobt, der ökonomisch, ökologisch und sozial verträgliche Unternehmensführung honoriert.
Unternehmen können bis zum 23.11.2012 ihre Bewerbungen mit Darstellungen
ihres umfassenden CSR-Engagements in den fünf Aktionsfeldern „Unternehmensführung“, „Umwelt“, „Arbeitsplatz“, „Markt“ und „Gemeinwesen“ einreichen. Wasserwirtschaft ist ein wichtiges Thema, weshalb Unternehmen ab
mittlerer Größe (ab 50 Mitarbeiter/innen) zu Relevanz und Management der Um-
84
Koplin & Müller, 2009, S. 33.
http://www.unglobalcompact.org/Languages/german/die_zehn_prinzipien.html
86
OECD 2011.
87
EU Kommission, 2001.
88
BMAS, 2010, S. 35.
89
http://www.csr-preis-bund.de/
85
35
4.
Unternehmerische Verantwortung
weltauswirkungen in der Lieferkette (z. B. Abfallreduzierung, Abwasserreinigung,
ressourcenschonender Materialeinsatz, umweltschonende Logistik) sowie
Wasserverbrauch und Wasserbelastung (z. B. Wasserentnahme, Kühlwassernutzung, Schadstofffrachten im Abwasser) befragt werden90.
Wasser wurde von einigen Kommentatoren als „the next carbon" betitelt, da in
den letzten Jahren das strategische Management von Kohlendioxid das Nachhaltigkeitsprogramm vieler Firmen dominiert hat und jetzt eine ähnliche Art von
Aufmerksamkeit - vielleicht verspätet – zum Thema Wasser entsteht91. Auch
Hoekstra et al. 92 sehen Wassermangel als die andere große ökologische
Herausforderung neben der globalen Erwärmung an. Sie merken in ihrem Water
Footprint Manual an, dass Unternehmen, abgesehen von der Notwendigkeit,
Risiken zu begegnen und der Möglichkeit, aus einer proaktiven Strategie zu
profitieren, die Fragen der Süßwasser-Verknappung und Verschmutzung als Teil
der unternehmerischen sozialen Verantwortung sehen sollten. Derzeit würden
ökologische Belange in Unternehmen meist im Zusammenhang mit
Energiethemen gesehen. Die Aufmerksamkeit auf Wasserthemen zu erweitern
sei dann nur eine Frage der Logik.
4.1
Nachhaltiger Umgang mit Wasser in Unternehmen
Wasser ist in den letzten Jahren auf der Agenda international agierender und
wasserintensiver Unternehmen immer weiter nach oben gerutscht93.
Der größte Teil des verfügbaren Wassers wird in der Landwirtschaft genutzt und
die Nahrungsmittelproduktion wird auch der größte Wasserverbraucher weltweit
bleiben, jedoch wird auch die Nachfrage nach Wasser für den häuslichen und
industriellen Bereich voraussichtlich um einen Faktor von 2,2 im Jahr 2050
wachsen94.
In einer Studie von KPMG95 wurde ermittelt, dass Großunternehmen gerade in
Ländern in denen Wassermangel herrscht, in ihren Nachhaltigkeitsberichten
mehr über den Umgang mit Wasser berichten.
In den Industrieländern werden vermehrt Technologien eingesetzt um den
Wasserverbrauch bei der Produktion zu verringern. Steigende Rohstoff- und
Energie-Preise führen dazu, dass immer mehr Unternehmen aus wirtschaftlichem
Interesse auch Umweltmanagementsysteme, Materialflussrechnungen oder
90
http://www.csr-preis-bund.de/fileadmin/user_upload/doc/CSR-Preis-Bund_Fragebogen_50499_Mitarbeiter_innen.pdf abgerufen am 10.10.2012.
91
Skidmore et al. 2008, S. 5.
92
Hoekstra et al., 2009, S. 73.
93
Vgl. Place et al. 2012.
94
Vgl. Molden 2007, S. 91.
95
KPMG, 2012.
36
4.
Unternehmerische Verantwortung
Lebenszyklus-Betrachtungen vornehmen. In der Lieferantenkette wird jedoch auf
den Wasserverbrauch nicht geachtet und in vielen Ländern, aus denen
Komponenten oder Ressourcen bezogen werden, herrscht Wassermangel.
Arthur D. Little96glaubt, dass das Wasser-Management Priorität erhalten sollte,
denn andernfalls könnte ein Unternehmen vor ernste Schwierigkeiten hinsichtlich
Wassersicherheit, Reaktionen auf Wasserknappheit durch
Regulierungsbehörden, Lieferketten-Risiken, Erwartungen von Konsumenten
oder Investoren und lokaler Wasserprobleme gestellt werden.
Die Rolle von Unternehmen wird im 4. Weltwasserbericht der UN97 nicht explizit
als Schwerpunkt erwähnt, es finden sich im Bericht jedoch zahlreiche Hinweise
auf die Verantwortung von Unternehmen, sowie die Empfehlung, CSR und
Umwelt-Nachhaltigkeit zu fördern98.
Ein im Bericht genanntes Beispiel für die Übernahme von Verantwortung durch
Unternehmen stellt die UN CEO Water Mandate Group dar, in der sich zahlreiche
Unternehmen zu einem nachhaltigen Umgang mit Wasser verpflichten.
Allerdings wurde diese Gruppe auch kritisiert, z.B. indem sie in 2010 den „Public
Eye Greenwash Award 2010 für das unglaubwürdigste Sozial- oder Öko-Label“
erhielt. In der Begründung heißt es unter anderem
„Unter dem Deckmantel ökologischer Verantwortung stellt das CEO Water
Mandate mit Zustimmung der Vereinten Nationen eine Plattform für diese
Unternehmen bereit, um Regierungen direkt zu beeinflussen und Einfluss
auf die öffentliche Wasserpolitik zu nehmen, um sich so Zugang zu den
Wasservorräten zu sichern, der für ihre profitorientierten Geschäfte
unentbehrlich ist.
Das Mandate erlaubt es seinen Unterzeichnern - darunter solche gut
dokumentierten Umweltsünder wie Suez, Nestlé, Coca Cola, PepsiCO,
Dow Chemical, Shell und De Beers – die blauen Fahne der Vereinten
Nationen zu benutzen, um damit ihre schädlichen Aktivitäten und
hässlichen Spuren zu kaschieren. Das Mandate leitet die Unterzeichner an,
wie sie die wasserregulierenden Strukturen dort dominieren können, wo sie
ihren Geschäften nachgehen„99
Hier zeigt sich die Relevanz der Zusammenhänge zwischen Politik und
Wirtschaft gerade in Bezug auf Wasser. „Greenwashing“ ist ein Thema das im
96
Skidmore et al. 2008, S. 2.
WWAP 2012.
98
WWAP 2012, S. 494
99
Girard, 2010.
97
37
4.
Unternehmerische Verantwortung
Rahmen jeder Diskussion zu CSR aufkommt, es soll aber nicht Schwerpunkt
dieser Arbeit werden.
Als mögliche Ansätze zur Implementierung einer Wasserstrategie werden von
der UN folgende Handlungsfelder genannt100:
-
Um eine wirklich erfolgreiche Wasser-Strategie zu entwickeln, benötigen
Industrie-Unternehmen die erforderlichen Daten, insbesondere den WasserFußabdruck der eigenen Branche.
-
Für Industrie-Unternehmen kann es sinnvoll sein, einen operativen WasserFußabdruck und einen Wasser-Fußabdruck für die Supply Chain zu ermitteln.
-
Die ökologische oder soziale Auswirkung eines Wasser-Fußabdrucks hängt
nicht nur vom Volumen des gebrauchten Wassers ab, sondern auch davon
wann und wo das Wasser verbraucht wurde.
-
Dieses Wissen kann direkte Auswirkungen auf eine Strategie zu einer
verbesserten Produktivität der Wasser-Nutzung haben (Output pro Tropfen),
sowohl auf der Beschaffungs-Seite als auch auf der Nachfrage-Seite.
Risiko-Analyse
-
Bei der Entwicklung eines Wasser-Strategie muss ein Unternehmen
untersuchen, welchen Wasser-Risiken es ausgesetzt ist - inklusive
hydrologische, wirtschaftliche, soziale und politische Faktoren in
unterschiedlichen geografischen Zusammenhängen - und diese in Ihre
Planung für ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Wasser-Strategien
Nach der Auswertung der Fragen ist ein Unternehmen realistischerweise in der
Lage, eine Wasser-Strategie zu implementieren, welche Strategien für viele
Unternehmensbereiche bis hin zur Kommunikation beinhaltet.
Die folgenden Erwägungen können sich hierbei als Relevant erweisen:
-
Förderung von CSR und Umwelt-Nachhaltigkeit: Diese Prinzipien beinhalten
das Erkennen von umweltspezifischen Beziehungen wie z.B. die Beziehung
zwischen Wasser und Energie und deren Verbindungen zur
Luftverschmutzung und zur Klimaveränderung.
-
Ermutigung zu einem Paradigmen-Wechsel in der Industrie, hin zur „Wiegezu-Wiege“ Philosophie
-
Bereitstellung eines Services für Kunden zur Rücknahme alter Produkte und
Recycling, so dass Abfall einen Wert als Rohmaterial für andere
Produktionsprozesse bekommt.
-
Die Unternehmenskultur sollte so beschaffen sein, dass die Verwendung der
ISO 14000, der „Best Environmental Practices“ (BEP) und der „Best Available
100
Vgl. WWAP 2012, S. 494-495.
38
4.
Unternehmerische Verantwortung
Techniques“ fördert. Interne Dokumente sollten Klarheit und Sicherheit bzgl.
ihrer Anwendung widerspiegeln, und dies erfordert eine regelmäßige
Aktualisierung nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine
Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung bzgl. Wasser Problemen
stellt ein starkes Commitment dar, genauso wie regelmäßiges Reporting der
Fortschritte.
-
Setzen von messbaren Zielen hinsichtlich Wasser-Effizienz und WasserSchutz und hinsichtlich der Auswirkungen.
-
Entkopplung von Material und Energie-Verbrauch und Integration des
Bedarfs an Energie mit dem Bedarf an Wasser.
Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen.
-
Bei dem Versuch, ein besseres Management und produktivere Wege der
Verwendung von Wasser in der Industrie zu implementieren, ist nicht
technisches Know-how das Hauptproblem, sondern es sind die
Rahmenbedingungen innerhalb derer die erhöhte Wasser-Produktivität
gefördert und erreicht werden muss.
-
Die Abstimmung der Unternehmensstrategie mit lokalen, regionalen und
nationalen Behörden kann von Vorteil sein.
-
Wenn industrielles Wachstum und Umweltschutz als miteinander vereinbar
angesehen werden, wird die Industrie die Maßnahmen umsetzen, um damit
einhergehend bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen.
-
Involvierung von Organisationen wie etwa die des "CEO Water Mandate (UN
Global Compact, 2011)", des "World Business Council for Sustainable
Development (WBCSD, 2006)", besonders im Bereich der Supply Chain und
Watershed Management mit dem Ziel Lieferanten einzubinden, um deren
Wasserschutz, Qualitätsmanagement, Abwasser-Behandlung und RecyclingPraktiken zu verbessern.
-
Förderung und Befähigung von Lieferanten, ihren Wasserverbrauch und die
Wassernutzung sowie deren Auswirkungen zu bewerten.
-
Gemeinsame Nutzung von nachhaltigen Wasser-Praktiken mit Lieferanten.
Hoekstra et al. empfehlen Unternehmen, die Wasserfußabdrücke ermitteln
wollen, sich zuvor einige wichtige zu Fragen stellen und haben zur Ermittlung der
Ziele der Wasserfußabdruck-Berechnung folgende Checkliste
zusammengestellt101:
General:
101
Hoekstra et al., 2009, S. 11.
39
4.
Unternehmerische Verantwortung
•
•
•
•
What is the ultimate target?
Awareness raising, hotspot identification, policy formulation or
quantitative target setting?
Is there a focus on one particular phase?
Focus on accounting, sustainability assessment or response
formulation?
What is the scope of interest?
Direct and/or indirect water footprint? Green, blue and/or grey water
footprint?
How to deal with time?
Aiming at assessment for one particular year or at the average over a
few years, or trend analysis?
Product water footprint assessment:
•
•
What product to consider?
One stock-keeping unit of a particular brand, one particular sort of
product, or a whole product category?
What scale?
Include product(s) from one field or factory, one or more companies, or
one or more production regions?
Business water footprint assessment
•
•
•
What is the scale of study?
A company unit, whole company or a whole sector?
What is the scope of interest?
Assess the operational and/or the supply-chain water footprint?
What is the field of interest?
Business risk, product transparency, corporate environmental reporting,
product labeling, benchmarking, business certification, hotspot
identification, formulation of quantitative reduction targets, or offsetting
remaining impacts?
Als Beispiel für eine gute Herangehensweise kann Henkel angeführt werden. Der
Konzern bewertet bereits während der Produktentwicklung, in welcher Phase des
Produktlebenswegs welche Umweltauswirkungen in welcher Höhe anfallen.
Aufbauend auf den Ergebnissen können Maßnahmen dort angesetzt werden, wo
die Auswirkungen besonders relevant sind und Verbesserungen effizient
umgesetzt werden können
4.2
Wasserfußabdruck als Nachhaltigkeits-Indikator
Der Wasserfußabdruck eignet sich nur bedingt als Indikator für Nachhaltigkeit.
Obwohl er Hinweise liefert, an welchen Stellen Wasser z.B. von Unternehmen in
Regionen mit Wasserstress genutzt wird, entscheidet sich nur durch detaillierte
Analyse unter Einbeziehung aller Aspekte der Nachhaltigkeit, ob der Umgang vor
Ort nachhaltig erfolgt. Dabei spielen Umweltaspekte eine Rolle, sowie die
Betrachtung von Nutzungskonflikten.
Die Aussagen zu den Auswirkungen der Wassernutzung in Unternehmen sind
laut Hoekstra102 stark abhängig davon, welche Rahmenbedingungen gewählt
102
Vgl. Hoekstra et al., 2009, S. 76.
40
4.
Unternehmerische Verantwortung
wurden. Studien zum Wasserfußabdruck dienen daher zwei Zielen im
Wassermanagement von Unternehmen. Zum einen stellen Produkt-, und
Unternehmens-Wasserfußabdrücke Informationen über die nachhaltige, gerechte
und effiziente Süßwassernutzung bereit. Zum anderen helfen
Wasserfußabdrücke bei der Beurteilung der Auswirkungen im umwelt- sozialen
und ökonomischen Umfeld von Unternehmen, dafür sollte die Analyse aber auch
Daten der einzelnen Fußabdruckkomponenten im Zusammenhang mit der
jeweiligen lokalen Situation bringen.
Ob der Wasserfußabdruck eines Produkts, Unternehmens, oder Konsumenten
nachhaltig ist, hängt also von der Charakteristik des Wasserfußabdrucks ab
sowie von den lokalen Bedingungen an den Orten der Wassernutzung103.
Nachhaltigkeit beruht auf Einbeziehung aller Dimensionen der Nachhaltigkeit
(Umwelt, Soziales, Ökonomie) und kann auf verschiedenen lokalen Levels
betrachtet werden. In Tabelle 7 ist zusammengestellt, welche kritischen Fragen
bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Wasserfußabdrucks gestellt werden
sollten.
103
Vgl. Hoeckstra et al. 2009, S. 53.
41
4.
Unternehmerische Verantwortung
Tabelle 7: Critical questions to be posed when assessing the sustainability of a water
104
footprint
Die Zusammenstellung in Tabelle 7 zeigt, dass der Wasserfußabdruck sich als
Nachhaltigkeitsindikator bzw. als Instrument zur Identifizierung von
Handlungsfeldern in einem Unternehmen eignet, wenn die Ergebnisse detailliert
hinterfragt werden. Es ist für ein Unternehmen sinnvoll zwischen dem blauen,
grünen und grauen Wasserfußabdruck zu unterscheiden, da nur dann
Rückschlüsse möglich sind. So lassen sich Auswirkungen auf die Biodiversität
z.B. nur gezielt beurteilen, wenn der grüne Wasserfußabdruck vorliegt. Anhand
des blauen Wasserfußabdrucks kann ermittelt werden ob die
Wasserentnahmemenge die Umwelt belastet, und der graue Wasserfußabdruck
ermöglicht die Bewertung der Auswirkungen auf die Wasserqualität. Zur
Beurteilung der sozialen Auswirkungen bei einem signifikanten
Wasserfußabdruck muss vor Ort recherchiert werden, ob lokalen Nutzern Wasser
entzogen wird. Unter der ökonomischen Perspektive müssen Aspekte der
Wassereffizienz betrachtet werden und es sollte eine Kosten-Nutzen-Abwägung
104
Hoeckstra et al. 2009, S. 54.
42
4.
Unternehmerische Verantwortung
stattfinden. Je nach der Signifikanz des grünen, blauen oder grauen
Wasserfußabdrucks sollten auch die Auswirkungen auf der Meso- und MakroEbene betrachtet werden.
Bis vor kurzem hat man sich in Wissenschaft und Praxis der Wasserwirtschaft
wenig Gedanken über den Wasserverbrauch und die Verschmutzung entlang der
gesamten Produktions-und Lieferketten gemacht. Daher besteht kaum ein
Bewusstsein bzgl. der Tatsache, dass die Organisation und die Eigenschaften
einer Produktions- und Lieferkette tatsächlich das Volumen (und die zeitliche und
räumliche Verteilung) des Wasserverbrauchs sowie die Verschmutzung stark
beeinflussen, und dass diese einem Endverbraucherprodukt zugeordnet werden
können. 105
Die Ermittlung des Wasserfußabdrucks kann jedoch explizit darauf ausgerichtet
sein, die Abhängigkeit von knappen Wasserressourcen in der Lieferkette zu
belegen.
Für die meisten Unternehmen ist der Wasserfußabdruck in der Lieferkette viel
größer als der Wasserfußabdruck ihrer eigenen Aktivitäten: Die Lieferkette im
Hinblick auf Wasserthemen zu vernachlässigen kann dazu führen, dass Geld in
Verbesserungen beim operativen Wasserverbrauch investiert wird das effektiver
in der Lieferkette hätte eingesetzt werden können. Dies gilt nicht grundsätzlich,
aber dennoch kann es sich lohnen, den Wasserverbrauch in der Lieferkette zu
analysieren.
Ein Beispiel dafür ist die Firma UPM (siehe Kapitel 5), ein Papierhersteller, eine
Analyse zeigte dort, dass 99% des Wassers durch die Prozess- und Lieferkette,
also beim Wachstum der Bäume und bei der Herstellung der Rohstoffe, benötigt
wird, hingegen nur 1% des Wasserbedarfs bei der Papierproduktion selbst
entsteht.
Nach Hoekstra et al.106 steht bei den Risiken im Zusammenhang mit der Nutzung
von Wasser natürlich an erster Stelle das Risiko, dass Wasserverknappung die
Lieferkette oder die eigenen Operationen eines Unternehmens gefährden könnte.
So könnte z.B. Wasser für die Kühlung knapp werden, oder es könnten
unerwartete Trockenperioden vor der Ernte wichtiger pflanzlicher Rohstoffe
eintreten.
Ein weiteres Risiko für ein Unternehmen ist, dass sein Image beschädigt werden
kann wenn die Öffentlichkeit beginnt zu hinterfragen, ob es richtig mit Fragen der
nachhaltigen und gerechten Wassernutzung umgeht. Probleme von
105
106
Vgl. Hoekstra 2009, S. 7.
Vgl. Hoekstra 2009, S. 7.
43
4.
Unternehmerische Verantwortung
Wassermangel oder Verschmutzung in der Lieferkette oder in Operationen des
Unternehmens und das Fehlen von mildernden Strategien bilden ein
Reputationsrisiko für ein Unternehmen. Ein mögliches Risiko ist beispielsweise,
dass Zulieferer für die Verseuchung von Abwasser verantwortlich gemacht
werden können107.
Als Beispiel dafür kann Coca Cola angeführt werden (siehe Kapitel 5), oder auch
z.B. Shell im Zusammenhang mit der Ölverseuchung des Nigerdeltas in Nigeria.
Drittens, schätzen Hoekstra et al. ein, werden staatliche Eingriffe und staatlicher
Regulierung im Bereich der Wassernutzung zweifellos zunehmen, um eine
nachhaltige und gerechte Nutzung der knappen Süßwasserressourcen zu
erreichen. Die Unsicherheit über die zukünftige gesetzliche Kontrolle stellt daher
ebenfalls ein Risiko für Unternehmen dar.
Risiken im Zusammenhang mit Wasser können auch zu einer Chance für die
Unternehmen werden, die proaktiv auf die Herausforderungen der globalen
Süßwasserverknappung reagieren. Für „Vorreiter“, d.h. für Unternehmen die
spezifische und messbare Ziele mit Bezug auf die Reduktion des WasserFußabdruck formulieren (mit besonderem Augenmerk auf Bereiche in denen
Probleme der Wasserknappheit und Verschmutzung am kritischsten sind) und
die Verbesserungen aufweisen können, kann dies sich in einen
Wettbewerbsvorteil umwandeln.108
Die Wasser-Performance eines Unternehmens ist auch ein wichtiger Faktor für
die Differenzierung im Wettbewerb109. So ermitteln einige Unternehmen der
Konsumgüterbranche die Nachfrage nach Wassernachhaltigkeit über ihre
Verbraucher oder Geschäftskunden.
Ein Beispiel dafür zeigt die Materialitätsanalyse von BMW in Abbildung 18 dar.
Das Thema Wasser bewegt sich hier sowohl aus der Sicht der Stakeholder als
auch der Sicht des Unternehmens selbst eher im unteren Bereich, weit
abgeschlagen von den Spitzenreiter-Themen Klimawandel/CO2-Emissionen
sowie Energieversorgung und Alternative Antriebstechnik/Elektromobilität.
107
Vgl. Place et al. 2012.
Hoekstra et al., 2009, S 7.
109
Place et al. 2012.
108
44
Unternehmerische Verantwortung
4.
Abbildung 18: Materialitätsanalyse BMW
110
Auch Bayer veröffentlicht in seinem Nachhaltigkeitsbericht111 die Ergebnisse
einer Stakeholder-Befragung (siehe Kapitel 5), das Thema Wasser wird dabei
nicht gesondert betrachtet sondern im Zusammenhang mit der Förderung der
Energieeffizienz, der effizienten Ressourcennutzung (z. B. Wasser, Energie) und
wo möglich, Wechsel zu erneuerbaren Energien. Dadurch erhält dieses Thema
hier einen hohen Stellenwert sowohl aus Sicht der Stakeholder als auch des
Unternehmens.
Arthur D. Little112 sieht die Entwicklung von Wassermanagement als zentrales
Element der Unternehmensstrategie. Die Ermittlung von Risiken im
Zusammenhang mit Wasser geht dabei notwendigerweise über das
Unternehmen selbst hinaus, um die gesamte Wertschöpfungskette zu umfassen.
Parameter, die berücksichtigt werden müssen sind dabei113:
-
direkter und indirekter Unternehmens-Wasserfußabdruck
-
sektor-spezifische Eigenschaften des Wassers in der
Wertschöpfungskette
110
BMW 2010: Sustainable Value Report 2010
http://www.bmwgroup.com/d/0_0_www_bmwgroup_com/verantwortung/kennzahlen_und_fakten/su
stainable_value_report_2010/einzelne_kapitel/11670_SVR_2010_dt_OnlineVersion_01_Nachhaltiges_Wirtschaften.pdf
111
Bayer 2011, S. 13.
112
Skidmore et al., 2008, S. 1.
113
Skidmore et al., 2008, S. 4.
45
Unternehmerische Verantwortung
4.
-
Schwachstellen bezogen auf Regionen, in denen das Unternehmen aktiv
ist bzw. produziert
-
Gefahren und Auswirkungen von Wasserknappheit bezogen auf die
langfristige Geschäftsstrategie
-
Kosten und Rendite der potentiellen Investitionsmöglichkeiten
-
Möglichkeiten Investoren, Lieferanten, Gemeinden, potenzielle
Kooperationspartner und andere Stakeholder zu involvieren.
Demnach sollten sich Unternehmen die Frage stellen: “How far should I go to
reduce our water footprint?”114.
4.3
Virtueller Wasserhandel
Nach Horlemann & Neubert115 kann jede Form von Agrarhandel – ob global,
regional oder innerstaatlich bzw. lokal – als Virtueller Wasserhandel bezeichnet
werden. Hoekstra & Chapagain116 geben an, dass sich das globale Volumen
Virtuellen Wassers auf 1,625 Billionen Kubikmeter pro Jahr beläuft, dabei
entfallen 80 % diesen Virtuellen Wassers auf den Agrarhandel, und 20% befindet
sich in industriellen Produkten.
Obwohl der globale Wasser-Handel zu bedeutenden nationalen Einsparungen
von Wasser führen kann, kann Handel allein nach Meinung der UN117 keine
nachhaltige Wasserwirtschaft an der Quelle garantieren.
Der Zustand der Wasser-Ressourcen eines Landes kann verbessert oder
verschlechtert werden, wenn Güter mit einem großen Wasser-Fußabdruck
exportiert oder importiert werden. Der gezielte Einsatz des Virtuellen
Wasserhandels als ein strategisches politisches Instrument erfordert allerdings
aktive politische Entscheidungen, sowie Gesetze und Maßnahmen.
Das Konzept zur Lösung von Wasserproblemen sieht vor, zum einen die
Herstellung von wasserintensiven Produkten in - relativ gesehen- wasserreiche
Länder zu verlagern und zum anderen, durch den bewussten Handel mit
wasserintensiven Gütern die unterschiedliche Wasserverfügbarkeit der einzelnen
Länder auszugleichen. Somit könnte weltweit Wasser eingespart und die globale
Wassernutzungseffizienz gesteigert werden.
Allerdings ist der Handel in erster Linie durch andere Faktoren gesteuert wie
Arbeitskraft, Fläche, Boden, Ressourcen und Kosten für Produktionsmittel.
Wasserknappheit spielt dabei keine Rolle, denn in vielen Ländern steht Wasser
114
Skidmore et al., 2008, S. 7.
Horlemann & Neubert, 2006, S. 27.
116
Hoekstra & Chapagain, 2008.
117
WWAP 2012, S. 33.
115
46
4.
Unternehmerische Verantwortung
besonders für die Landwirtschaft kostenlos zur Verfügung - obwohl es
möglicherweise ein knappes Gut ist. Einer der wichtigsten Einschränkungen ist
die geringe Kaufkraft in den Ländern mit dem am schnellsten wachsenden Bedarf
an Nahrungsmitteln.
Dennoch wird von der UN im 4. Weltwasserbericht118 angenommen, dass
virtueller Wasserhandel wahrscheinlich in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen
wird. Die UN warnt aber auch davor, dass der Virtuelle Wasserhandel dazu
führen kann, dass die ärmsten Menschen weiter an den Rand der Gesellschaft
gedrängt werden, wie es die Folge vieler Prozesse der Globalisierung ist119.
118
119
WWAP 2012, S. 452.
WWAP 2012, S. 34.
47
5.
Beispiele aus Unternehmen
5. Beispiele aus Unternehmen
Keines der weltweit größten 250 Unternehmen berichtet laut einer Studie von
KPMG120 über den Wasser-Fußabdruck ihrer gesamten Lieferkette. Die meisten
von ihnen haben aber begonnen darauf zu sehen, wie Wasserrisiken sich auf
ihre Geschäftstätigkeit auswirken könnten.
Dass wenig über Wasserfußabdrücke berichtet wird hat sich auch bei der
Recherche zu dieser Arbeit gezeigt. Die Ergebnisse sind im Folgenden
zusammengestellt, in der Diskussion werden diese mit den Ergebnissen der
Literaturrecherche in den ersten Kapiteln zusammengeführt.
Die Angaben in diesem Kapitel wurden auf Internetseiten der jeweiligen Firmen
sowie bei kooperierenden Organisationen im Internet recherchiert. Darüber
hinaus konnten über die Aktivitäten von Volkswagen Fachpublikationen
herangezogen werden.
Bayer Healthcare Pharmaceuticals
Bayer HealthCare Pharmaceuticals ist der Pharmabereich der Bayer HealthCare
AG mit Hauptsitz in Berlin. Das Unternehmen entstand 2006 nach der
Übernahme der Schering AG durch die Bayer AG.
Bayer HealthCare Pharmaceuticals ist mit einem Jahresumsatz von 12,8
Milliarden Dollar und Forschungsausgaben von 1,9 Milliarden Dollar (weltweit)
das größte deutsche Pharmaunternehmen.
Hauptstandorte im Bereich der Forschung sind Berlin und Wuppertal in
Deutschland, und Berkeley in den USA. Die größte deutsche Produktionsanlage
befindet sich in Bergkamen.
Das Unternehmen produziert hauptsächlich in Europa, USA, Asien und
Lateinamerika. Rund 40.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für Bayer HealthCare
Pharmaceuticals. Der Konzern ist mit über 100 Tochtergesellschaften in der
ganzen Welt vertreten
Im Nachhaltigkeitsbericht 2011 definiert Bayer die Kernthemen anhand einer
Stakeholder-Beurteilung, darin erhält das Thema Wasser nur als Unterpunkt bei
der „Förderung der Energieeffizienz, der effizienten Ressourcennutzung (z. B.
Wasser, Energie) und wo möglich, Wechsel zu erneuerbaren Energien“. Eine
120
KPMG 2012, S. 4.
48
Beispiele aus Unternehmen
5.
hohe Priorität. Die „Verringerung der Umweltauswirkungen von Produkten und
Prozessen auf Wasser, Luft und Boden und Förderung der Biodiversität“ ist der
Stellenwert aus Sicht der Stakeholder geringer.
Abbildung 19: Stakeholderbeurteilung der Nachhaltigkeits-Kernthemen des Bayer
121
Konzerns
Bayer erfasst einen Unternehmens-Wasserfußabdruck. Zu den Aktivitäten und
das Engagement von Bayer im Hinblick auf Wasser finden sich
Nachhaltigkeitsbericht folgende Informationen:
Bayer-Berichterstattung zum CEO Water Mandate des UN Global Compact

Bayer unterstützt im Rahmen seiner Aktivitäten mit dem „UN Global
Compact“ auch das Ende 2008 unterzeichnete „CEO Water Mandate“ und
ist seit 2011 im „Steering Committee“ vertreten. In Zusammenarbeit mit
unseren Stakeholdern entwickeln wir nachhaltige Strategien im Umgang
mit Wasser, implementieren entsprechende Lösungsansätze und
berichten über die erreichten Fortschritte.
Engagement und Transparenz
121
Bayer 2011, S. 13.
49
Beispiele aus Unternehmen
5.

Im Dezember 2011 hat Bayer eine eigene „Wasser-Position“
beschlossen, die unsere Bereitschaft widerspiegelt, Wasser zu schützen
und verantwortlich zu nutzen.

Bayer hat sich 2011 wieder am „Water Disclosure Project“ beteiligt, einer
zum zweiten Mal durchgeführten Transparenzinitiative des „Carbon
Disclosure Project“. Dabei wurden ausführliche Informationen zu
wasserbezogenen Chancen und Risiken sowie dem
unternehmensbezogenen „Water-Footprint“ veröffentlicht.

Unsere konkrete Leistung im Wasserbereich berichten wir im Kapitel
Ökologie des jährlichen Nachhaltigkeitsberichts sowie detailliert in der
öffentlichen Antwort auf die Anfrage des „Water Disclosure Project“ (WebLink 139).

Bayer CropScience ist Mitglied der „Water Programme Leadership Group“
des „World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)“
und unterstützt damit die Umsetzung des „Water Programme“ dieses
Verbands.

Der Ressourceneffizienz-Check, ein Leuchtturm-Projekt des BayerNachhaltigkeitsprogramms, wird seit 2010 erprobt. Diese Methodik
analysiert alle produktionsrelevanten Ressourcen, so auch Wasser (s.
Weblink 134).
Managementziele
Bayer hat konzernweite „Managementziele“ festgelegt, die sicherstellen, dass der
Wasserverbrauch und die Emissionen ins Abwasser regelmäßig erhoben werden
und dass unsere Aktivitäten hinsichtlich einer verantwortlichen und effizienten
Wassernutzung kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dazu gehören:

die jährliche Analyse und Erfassung des Wasserverbrauchs mithilfe des
Bayer-Tools BaySIS („Bayer Site Information System“),

die jährliche Risikoanalyse im Rahmen des „Water Disclosure Project“

regelmäßige, globale Bewertungen der Wassernutzung, -qualität und ableitung in allen Teilkonzernen.

quantitative Reduktionsziele in wasserarmen Regionen oder Regionen mit
hohem Wasserverbrauch

Bewertung wasserbezogener Auswirkungen aller neuen Investments ab
einem Volumen von 10 Mio. € innerhalb der Bayer-Konzernrichtlinie zur
„Ökologische Beurteilung von Neuinvestitionen“.
50
5.
Beispiele aus Unternehmen
Coca Cola
Die The Coca-Cola Company (TCCC) hat ihren Hauptsitz in Atlanta/USA. Für die
Produktion und den Vertrieb der Produktesind lizenzierte Partnerunternehmen
verantwortlich. Weltweit sind über 700.000 Mitarbeiter in über 200 Ländern für
Coca Cola tätig. Der Absatz beträgt jährlich rund 152 Milliarden Liter Coca-Cola
Markenprodukte.
In Deutschland ist die Coca-Cola GmbH als Tochterunternehmen der The CocaCola Company für nationales Marketing, die Markenführung und andere zentrale
Funktionen, wie zum Beispiel Produkt- und Packungsentwicklung, zuständig.
Coca Cola hat sich das Einsparen von Wasser für die Getränkeproduktion auf die
Fahne geschrieben Das Unternehmen arbeitet dabei mit dem WWF zusammen
und hat ein Wassersparprogramm entwickelt, das wassersparender
Technologien einsetzt und die Mitarbeiter für den bewussten Umgang mit Wasser
sensibilisieren soll.122
Zum Wasserfußabdruck schreibt das Unternehmen123: „Als Mitglied des
internationalen Netzwerkes zum Wasserfußabdruck, der das Verhältnis zwischen
einem Produkt und der für die Herstellung benötigten Wassermenge aufzeigt,
arbeiten wir daran, einen noch besseren Einblick in den Wasserverbrauch
unseres eigenen Unternehmens zu erhalten.“ Hingegen wird hervorgehoben,
dass die „Coca-Cola Foundation jährlich über 40 Millionen Dollar (über 30
Millionen Euro) und damit etwa die Hälfte ihrer Mittel für gesellschaftlich relevante
Wasserprojekte überall auf der Welt einsetzt.“
Bei der Verleihung des Public Eye Greenwash Awards an das CEO Water
Mandate wurde Coca Cola als Partner in dem Netzwerk besonders kritisiert. In
der „Laudatio“ heißt es, dass Coca Cola sich 2007 verpflichtete, das
Unternehmen, “jeden Tropfen” Wasser, der in der Produktion verbraucht wird, bis
Ende 2010 zu ersetzen.“ Jedoch ließe sich an den eigenen Zahlen von Coca
Cola im Jahr 2008 erkennen, dass 313 Milliarden Liter (fast 860 Millionen Liter
am Tag) für die Produktion der Getränke verbraucht wurden. „Ende 2009 ließ
Coke verlauten, das Unternehmen arbeite daran, seine durch die
Getränkeproduktion und sein Abfüllungssystem generierten jährlichen
Verkaufszahlen bis 2020 zu verdoppeln. Dieses Ziel wird den Wasserverbrauch
des Unternehmens dramatisch erhöhen, und wenn man sich anschaut, wo das
Unternehmen seine Produktion ausdehnen will – China, Brasilien, Mexiko, Indien,
122
123
Vgl. http://nachhaltigkeitsbericht.coca-cola.de/umwelt/wasser/wasserreduktion/
http://nachhaltigkeitsbericht.coca-cola.de/umwelt/wasser/
51
5.
Beispiele aus Unternehmen
Vietnam – wird klar, dass der Großteil diesen Wassers aus Ländern des Global
South stammen wird.“124
Obwohl Coca-Cola den Anspruch hat, einer der Vorreiter für Nachhaltigkeit unter
den Herstellern schnelldrehender Konsumgüter zu sein125 zeigt ein kritischer
Blick auf die Auszeichnungen für das Unternehmen auch, dass Coca Cola wohl
eher als Marke wahrgenommen wird.
Coca-Cola fiel 2011 aus dem Dow-Jones Sustainability Index World
berücksichtigt126. Obwohl das Unternehmen viel Anstrengungen im
Nachhaltigkeitsbereich macht und bei der Ermittlung von Wasserfußabdrücken
eine Vorreiterrolle einnahm. Der Index (DJSI World) berücksichtigt nur
Unternehmen, die zu den besten 10 Prozent seiner Branche zählen hier wurde
Coca Cola also von der Konkurrenz überholt.
Henkel
Henkel ist ein weltweit tätiges Unternehmen in den drei Geschäftsfeldern Laundry
& Home Care (Wasch-/Reinigungsmittel), Beauty Care (Schönheitspflege) und
Adhesive Technologies (Klebstoff-Technologien) tätig. Bekannt Marken der
Produktpallete sind Persil, Schwarzkopf oder Loctite.
Das Unternehmen wurde 1876 gegründet und hat seinen Sitz in Düsseldorf. Von
rund 47.000 Mitarbeitern sind über 80 Prozent außerhalb Deutschlands tätig.
Damit ist Henkel eines der am stärksten international ausgerichteten
Unternehmen in Deutschland.
Der Schwerpunkt der Nachhaltigkeitsthemen in Bezug auf Wasser liegt bei
Henkel im Bereich der Lebenszyklusanalysen. Henkel erstellt auch
Wasserfußabdrücke für einige seiner Produkte. Dazu schreibt das Unternehmen
im Nachhaltigkeitsbericht127:
„Mit Hilfe von Lebenszyklusanalysen und langjährigem Wissen um das Thema
Nachhaltigkeit analysieren unsere Fachleute den gesamten Lebensweg unserer
Produkte. Denn nur die Betrachtung des Gesamtsystems stellt sicher, dass die
getroffenen Maßnahmen zu einem insgesamt verbesserten Nachhaltigkeitsprofil
unserer Produkte führen. So bewerten wir bereits während der
Produktentwicklung, in welcher Phase des Produktlebenswegs welche
124
Girard, Richard 2010, S. 2.
http://nachhaltigkeitsbericht.coca-cola.de/daten-und-fakten/preise-und-auszeichnungen/
126
FAZ, 9.9.2012: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/finanzmarkt/coca-cola-faelltaus-index-fuer-nachhaltigkeit-11134913.html
127
http://geschaeftsbericht.henkel.de/,
http://nachhaltigkeitsbericht.henkel.de/produktverantwortung/lebenszyklusanalysen.html
125
52
5.
Beispiele aus Unternehmen
Umweltauswirkungen in welcher Höhe anfallen. Aufbauend auf den Ergebnissen
können wir Maßnahmen dort ansetzen, wo die Auswirkungen besonders relevant
sind und Verbesserungen effizient umgesetzt werden können.
Zur Erstellung von Lebenszyklusanalyen verwenden wir eigene Primärdaten
sowie Daten unserer Partner entlang der Lieferkette. Sollten diese nicht
verfügbar sein, greifen wir auf Sekundärdaten aus bestehenden Datenbanken für
Lebenszyklusanalysen, Durchschnittswerte und Emissionsfaktoren zurück. Zur
Weiterentwicklung der Messmethoden und Kennzahlen arbeiten wir gemeinsam
mit externen Partnern an Themen wie dem CO2- und Wasser-"Fußabdruck" für
Produkte. Und wir engagieren uns bei internationalen Initiativen wie dem Walmart
"Sustainability Consortium" oder der "Measurement Group" des "Consumer
Goods Forum".
Siemens
Siemens ist ein Technik- und Industrie- und Dienstleistungskonzern mit
Firmensitz in Berlin und München, rund 360.000 Mitarbeitern sind weltweit tätig
für Kunden in über 190. Der Umsatz lag Im Geschäftsjahr 2011 bei 73,515 Mrd.
Euro.
Bei Siemens werden bereits seit 2005 Jahren Ökobilanzen erstellt128, es wurde
dafür ein interner Standard entwickelt. Die Bilanzen werden von der Siemens
Corporate Technology (CT) in Berlin erstellt. Den Anstoß zur Ermittlung gab ein
Kunde, der Angaben für seine Recycling-Dokumentation benötigte. Dabei lag der
Schwerpunkt zunächst auf den klimarelevanten Emissionen. Mittlerweile hat sich
die so genannte Ökobilanz zu einem Instrument für die ganzheitliche Bewertung
entwickelt. Siemens beschreibt die Schwierigkeiten bei der Datengrundlage wie
folgt: „80 % ihrer Arbeitszeit verwenden die Mitarbeiter immer noch darauf,
Informationen über Materialien oder Inhaltsstoffe zu suchen.“ Die erste
ganzheitliche Ökobilanz wurde 2005 von der ehemaligen Kommunikationssparte
von Siemens erstellt. Als weitere Anfragen von Kunden kamen, erkannte der
Konzern den Trend, dass Unternehmen sich angesichts schrumpfender
Ressourcen wie Wasser, Rohstoffe und Energie für solche Angaben
interessieren. Mit Ökobilanzen können sie ihre Umweltschutz- Anstrengungen
intensivieren und auf eine faktenbasierte Grundlage stellen. Nachdem der Fokus
128
Tsakiridou 2009: Pictures oft he Future Magazin Frühjahr 2009: Bilanz eines Produktlebens
http://www.siemens.com/innovation/apps/pof_microsite/_pof-spring-2009/_html_de/bilanz-einesproduktlebens.html
53
5.
Beispiele aus Unternehmen
zunächst auf Emissionen lagen, wurden schließlich auch die Auswirkung auf Luft,
Wasser und Böden erfasst. Jeder Schritt, von der Gewinnung und Vorbereitung
der Rohstoffe, über den Herstellungsprozess bis zu den Prozessen wie
Entstaubung, Gasreinigung oder Entschwefelung wurde bewertet. 129
Das Know-how der Siemens Corporate Technology (CT) in Berlin ist bei den
Siemens-Sektoren inzwischen heiß begehrt. Denn der Konzern hat mittlerweile
Vorgaben erlassen dass bei allen Produkten effizienzsteigernde Technologien
und Materialien einzusetzen und CO2-Emissionen zu vermeiden sind. Siemens
entwickelt das eigene Umweltmanagement-System kontinuierlich weiter und
dazu gehört auch die Siemenseigene Norm SN 36 350 zur "umweltverträglichen
Gestaltung von Produkten und Anlagen". Anhand der Norm sollen in erster Linie
Entwicklungsingenieure die vom Gesetzgeber geforderte Umweltdeklaration
einhalten. Siemens hat aber auch erkannt, dass es wichtig ist, vor dem Bau einer
Anlage oder der Herstellung eines Produkts bereits im Entwicklungsprozess die
Umweltauswirkungen durchzuspielen – genau dafür eignen sich die Ökobilanzen.
Das Instrument eignet sich auch zum hausinternen Benchmarking, durch die
Vergleichbarkeit führt die Umweltbewertung zum Wettbewerb um die
umweltverträglichsten Entwicklungen.130
Für den Wasserfußabdruck interessiert sich Siemens auch als Hersteller von
Produkten für die Land- und Wasserwirtschaft. Im Sinne der Kundenorientierung
hat Siemens einen Footprint-Calculator131 entwickelt, mit dem jeder im Internet
seinen persönlichen Wasserfußabdruck berechnet kann.
UPM / Media Mundo
Der Arbeitskreis Media Mundo berichtete im Herbst 2011 über zwei Projekte zur
Erfassung des Wasser-Fußabdrucks. Der Papierhersteller UPM und die
Druckerei Kastner & Callwey Medien haben ihren jeweiligen Wasserverbrauch
ermittelt und kommen zu weitgehend gleichen Schlussfolgerungen beim Umgang
mit der elementaren Ressource.132
Laut der wegweisenden UPM-Studie entfallen 60% auf grünes Wasser, 39% auf
graues und 1% auf blaues Wasser. Interessant ist vor allem die Herkunft des
Wasserbedarfs, denn 99% des Wassers werden durch die Prozess- und
Lieferkette also beim Wachstum der Bäume und bei der Herstellung der
129
Vgl. Tsakiridou 2009.
Vgl. Tsakiridou 2009.
131
http://www.water.siemens.com/en/about_us/Pages/Water_Footprint.aspx
132
http://www.mediamundo.biz/res/downloads/Water-Footprint.pdf
130
54
5.
Beispiele aus Unternehmen
Rohstoffe benötigt, während lediglich 1% des Wasserbedarfs bei der
Papierproduktion selbst entsteht.
Der Wasserfußabdruck des UPM-Werkes Nordland sowie der Zellstofflieferwerke
in Finnland und Uruguay kann als nachhaltig betrachtet werden. Dies ist das
Ergebnis der durchgeführten Nachhaltigkeitsanalyse des berechneten
Wasserverbrauches.
Zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gelangt auch das Pilotprojekt der Druckerei
Kastner & Callwey Medien, die ihren Wasser-Fußabdruck von einem
Beratungsteam erstellen ließ, dem die Münchner One Sustainability und die GFA
Consulting aus Hamburg angehörten.
Kastner & Callwey Medien ermittelte für das Kalenderjahr 2010 seinen
Wasserbedarf mit insgesamt 5.766 Mio. m3 Wasser. Hiervon entfielen lediglich
ca. 1.400 m3 (= 0,24%) auf den unmittelbaren Frischwasserbedarf bei Kastner &
Callwey Medien und weitere ca. 1.200 m3 (= 0,20%) auf den WasserFußabdruck der bezogenen Energien.
Diesem unter 0,5%igem Anteil am Wasserbedarf in der Druckerei steht ein
prozentualer Anteil von knapp 99,5% gegenüber, der bei der Herstellung des
Papiers anfällt. Dies entspricht einer Wassermenge von 5.764 Mio. m3.
Angesichts dessen hat die weitere Aufteilung des unmittelbaren WasserFußabdrucks der Druckerei Kastner & Callwey Medien zwar ohnehin nur
begrenzte Aussagekraft, vorliegend entfallen jedoch 100% des unmittelbaren
Wasser-Fußabdrucks auf blaues Wasser (leitungsgebundene
Trinkwasserversorgung).
Kastner & Callwey Medien und das beratende Projektteam sehen in weiteren
Maßnahmen zur nochmaligen Steigerung der Wassereffizienz in der Druckerei
keinen signifikanten ökonomischen, ökologischen oder sozialen Nutzen. Als
Maßnahme zur indirekten Einwirkung auf den Wasserbedarf wird die
Geschäftsführung von Kastner & Callwey Medien seine Kunden über die
Projektergebnisse informieren und diese ersuchen, nur Papier zu verwenden,
dessen Rohstoffe aus Regionen stammen, in denen der Wasserbedarf für deren
Anbau und Kultivierung nicht mit dem Bedarf der Einwohner an Trinkwasser und
Wasser für Sanitärzwecke kollidiert.
Auch wenn beide Projekte nahe legen, dass der unmittelbare Wasserbedarf
eines Herstellers, einer Agentur oder einer Druckerei – im Vergleich zum
Wasserbedarf der Papierhersteller – nicht nennenswert ins Gewicht fällt, ist die
55
5.
Beispiele aus Unternehmen
Verfügbarkeit von Wasser für Menschen als derart elementar wichtig anzusehen,
dass alle Teilnehmer der Industrie hierzu im Interesse einer nachhaltigen
Entwicklung Auskunft geben und die richtige Materialauswahl treffen sollten.
Volkswagen
Volkswagen ist ein großer Automobilkonzern mit dem Hauptsitz in Wolfsburg, er
hat weltweit 94 Produktionsstätten, die meisten davon in Europa.
Im Nachhaltigkeitsbericht 2012 formuliert VW das Ziel, weltweit bis 2018 im
Vergleich zu 2010 die Produktion um 25% umweltfreundlicher zu gestalten, d.h.
25 % weniger Energie- und Wasserverbrauch, Abfälle und Emissionen.133
Nach Überprüfung der Materialitätsanalyse aus dem Nachhaltigkeitsbericht 2010
und Stakeholderdialogen wird festgehalten, dass das Thema Wasser eine
stärkere zukünftige Bedeutung hat. 134
VW führt für seine Fahrzeuge Ökobilanzierungen durch und erstellt auf der Basis
für einige Fahrzeuge Umweltprädikate, die auf den Internetseiten abrufbar
sind135. Diese, sowie die dazugehörigen Hintergrundberichte, enthalten jedoch
keine Informationen über den virtuellen Wassergehalt.
Bei VW wurde aber der Wasserfußabdruck für einige Golf Modelle ermittelt,
wissenschaftlich begleitet und im Nachhaltigkeitsbericht erwähnt136.
Eine Veröffentlichung137 in der Fachpresse stellt die Ergebnisse der
Wasserfußabdruck-Berechnungen dar, bei der regionale Wasserinventare für
Modelle des Polo, Golf und Passat erstellt wurden und auf dieser Basis sieben
verschieden gewichtete Folgenabschätzungen berechnet wurden.
Die Inventaranalyse ergab viel niedrigere Werte als zuvor in der Literatur zu
finden waren (400.000 Liter Wasser, siehe Abbildung 1), so enthält das jeweils
untersuchte Modell des Polo: 51.7 m³, des Golf: 62.4 m³ und des Passat: 82.9 m³
virtuelles Wasser. Mit der Ermittlung des Wasserfußabdrucks erfolgte dann auch
die regionale Einordnung der Wassernutzung, von der 90% in der
Produktionsphase anfallen.
Abbildung 20 zeigt den Wasserverbrauch eines Golf über den gesamten
Lebenszyklus, dabei entstehen weniger als 10% in Deutschland, an der
133
VW Nachhaltigkeitsbericht 2011, S. 11.
VW Nachhaltigkeitsbericht 2011, S. 18.
135
Umweltprädikate:
http://www.volkswagen.de/de/Volkswagen/nachhaltigkeit/Umweltpraedikate.html
136
VW Nachhaltigkeitsbericht 2011, S. 71.
137
Warsen et al. 2012.
134
56
5.
Beispiele aus Unternehmen
57
Produktionsstätte in Wolfsburg, die hauptsächlich auf die Lackierung und die
Evaporation von Kühlwasser zurückzuführen sind. Mehr als 90 % des
Wasserfußabdrucks kommt bei der Produktion der Grundmaterialen zustande.
Davon verfallen über 70 % auf Eisen- und Stahl-Produkte, sowie Polymere und
die restlichen auf spezielle Metalle wie Gold, Silber und Metalle der Platingruppe
(PGM), sogenannte seltene Erden.
Abbildung 20: Global water consumption throughout the life cycle of a Golf
138
Die Wasserverbräuche in Russland und Südafrika basieren auf der Produktion
der Platinguppenmetalle. Die Autoren merken jedoch an, dass durch ein
Katalysatoren Recycling-Programm bei VW einen Großteil der Metalle
wiedergewonnen wird.
Auf Basis der regionalisierten Daten wurde eine Folgenabschätzung mit sieben
verschiedenen Szenarien durchgespielt, die in Abbildung 21 zu sehen sind.
Variationen zeigen sich hier in erster Linie beim Passat, da dieser mehr PGM
enthält als die beiden andern Modelle.
138
Warsen et al. 2012.
5.
Beispiele aus Unternehmen
Abbildung 21: Relative comparison of water footprints
58
139
Variationen zeigen sich hier in erster Linie beim Passat, da dieser mehr
Platingruppenmetalle enthält. Die höheren Werte erklären sich, da der Abbau der
seltenen Erden sehr gesundheitsgefährlich und umweltschädlich ist, denn die
Herauslösung aus dem Gestein und weitere Verarbeitung erfordert den massiven
Einsatz von starken Säuren.
Die Veröffentlichung ist rein technischer Natur, daher wird kein Bezug zur
unternehmerischen Verantwortung hergestellt. Im Schlusswort empfehlen die
Autoren für weitere Studien zunächst auf die Regionalisierung der Wasservorräte
zu fokussieren. Im Nachhaltigkeitsbericht werden nur die Wasserfußabdrücke
genannt und betont, dass im von Volkswagen direkt beeinflussbaren Bereich der
durchschnittliche Wasserverbrauch 2011 bei 5,07 m3 lag.
139
Warsen et al. 2012.
Diskussion
6.
6. Diskussion
Der Wasserfußabdruck bietet im Hinblick auf Nachhaltigkeit viele Anwendungsmöglichkeiten. Dass er, wie gezeigt, vorsichtig interpretiert werden muss, kann
auch durchaus als Vorteil gesehen werden, da er dadurch Raum für die
Entwicklung und Abwägung unterschiedlicher Maßnahmen bietet.
Die Vielschichtigkeit des Themas Wasser bietet auch für die Firmen viele
Ansatzmöglichkeiten. Einerseits kann mit technischen Lösungen Wasser gespart
werden, das bietet sich für Unternehmen an deren Wasserfußabdruck
größtenteils bei der Produktion entsteht, oder die sehr technisch orientiert sind
(Beispiel Siemens). Anderseits kann man die Auswirkungen der eigenen
Wasserentnahme und Verschmutzung auf mehreren Ebenen hinterfragen, dies
insbesondere für Unternehmen die weltweit tätig sind und z.B. einen großen
grauen Wasserfußabdruck haben, wie z.B. Chemiefirmen (Beispiel Henkel).
In der Recherche zur praktischen Anwendung des Wasserfußabdrucks zeigte
sich, dass das Thema dementsprechend unterschiedlich angegangen wird, aber
vor allem häufig noch nicht präsent ist.
Bei der Beantwortung der Eingangsfragen ergibt sich daher ein eher dürftiges
Bild:
1. Welche Daten werden von Unternehmen erfasst?
2. In welcher Form werden Daten zu ökologischen Fußabdrücken
gesammelt und ausgewertet?
3. Zu welchem Zweck werden Daten erfasst?
4. Werden Maßnahmen abgeleitet?
5. Ist der Wasserfußabdruck ein geeignetes Instrument zur Übernahme
unternehmerischer Verantwortung?
Von den ausgewählten Unternehmen ermittelt nur Bayer einen
Unternehmens-Wasserfußabdruck, Henkel ermittelt den Wasserfußabdruck
für Produkte macht dazu jedoch wenig Angaben im Nachhaltigkeitsbericht.
VW gibt Umweltprädikate für einige Fahrzeuge heraus in denen der
Wasserfußabdruck jedoch nicht erwähnt ist. Die Fußabdrücke wurden nur
exemplarisch im Rahmen einer Studie ermittelt. Es scheint, dass die
Unsicherheiten die sowohl hinsichtlich der Datengrundlage als auch
hinsichtlich möglicher Reaktionen auf Kommunikation der Ergebnisse groß
sind.
59
6.
Diskussion
Bei Siemens steht klar die Kundenorientierung im Vordergrund, die jedoch
dazu geführt hat, dass das Thema der Ökobilanzen innerhalb der Firma
populär wurde. Die Ermittlung von Wasserfußabdrücken für einzelne
Produkte, wie eine Meerwasserentsalzungsanlage und einen Windpark, zeigt
dass Siemens sich in dem Bereich weiter entwickeln möchte und darin Sinn
und Zukunft sieht.
Bei Coca Cola trifft man auf eine Daten zur Wassereinsparung und viel Kritik,
es wird interessant sein wie sich das Thema weiter entwickelt, da das
Unternehmen im Vergleich innerhalb dieser Arbeit am schlechtesten
abschneidet und auch öffentliche Kritik hinnehmen muss.
Insgesamt hat sich gezeigt, dass die Unternehmen sehr unterschiedlich und
durchaus passend zu den Ansprüchen ihrer jeweiligen Branchen mit dem Thema
umgehen.
Wie in den Handlungsempfehlungen des WWF140 dargelegt, kann man Firmen
empfehlen, ihren Wasser-Fußabdruck entlang ihrer gesamten Zulieferketten zu
messen und zu dokumentieren, um die damit verbundenen Risiken besser
verstehen zu können.
Von der Zukunftsvision des WWF ist die Unternehmenspraxis wohl noch ein
Stück entfernt, denn der WWF empfiehlt weiterhin, dass Unternehmen die
Auswirkungen vor allem in aktuell oder zukünftig wasserknappen Regionen
reduzieren und gemeinsam mit anderen Unternehmen für eine effizientere und
nachhaltigere Bewirtschaftung der Wasserressourcen eintreten, die auch den
Bewohnern dieser Regionen den Zugang zu Wasser ermöglicht und gleichzeitig
die ökologischen Abflüsse absichert. Obwohl Unternehmen gemeinsam bei
Organisationen wie dem CEO Water Mandate zeichnen.
Auf einem guten Weg sind einige Unternehmen (Beispiele Siemens und Henkel)
bereits hinsichtlich einer ebenfalls vom WWF als erstrebenswert angesehenen
Standardisierung im Wasserbereich. Ob jedoch wie vom WWF gefordert, eine
Transparenz für Verbraucher hergestellt werden kann und ob dies sinnvoll ist,
erscheint zu diesem Zeitpunkt fraglich.
140
Sonnenberg et al. 2009, S. 10.
60
7.
Fazit
7. Fazit
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde der aktuelle Wissens- und
Disskussions-Stand zum Thema des Virtuellen Wassers und des WasserFußabdrucks generell dargestellt. Basierend darauf wurden erörtert, wie dieses
Thema unternehmerisches Handeln in Deutschland beeinflussen könnte oder (im
Interesse der Unternehmen) auch sollte. Auf Grundlage von Internet-Recherchen
wurde daraufhin untersucht, wie Deutsche Firmen ihr unternehmerisches
Handeln in der Realität an den theoretisch bekannten (und in der Arbeit
dargestellten) Notwendigkeiten ausrichten. Grundlage dieser Recherche waren
die Nachhaltigkeits-Berichte der untersuchten Unternehmen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei den meisten der untersuchten
Unternehmen eine zunehmende Sensibilisierung für das Thema des Virtuellen
Wassers festgestellt werden konnte, sowie ein Wissen um die Wichtigkeit des
Themas. In einigen Fällen (z.B. Bayer) wurden bereits konkrete Schritte
eingeleitet, um unternehmerisches Handeln an den erörterten Grundlagen und
Notwendigkeiten im Zusammenhang mit Virtuellem Wasser auszurichten. Es
muss jedoch festgestellt werden, das der Großteil der untersuchten Unternehmen
über den "visionären Teil" (d.h. das im Nachhaltigkeitsbericht dokumentierte
Zugeständnis der eigenen Verantwortung für Wasser und für den eigenen
Wasser-Fußabdruck) noch nicht hinausgekommen ist: Konkretes Handeln als
Folge der theoretisch bekannten Notwendigkeiten und Ansätze ist bisher selten
nachweisbar und erkennbar. Es kann aber davon ausgegangen werden, nicht
zuletzt auch wegen der zunehmenden Sensibilisierung die beim Thema des
Virtuellen Wassers in der Deutschen Industrie festgestellt werden konnte, dass
mittelfristig viele Deutsche Unternehmen ihren Visionen und Worten auch
(unternehmerische) Taten folgen lassen werden.
61
8.
Literatur
8. Literatur
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67
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